Freitag, 15. Mai 2015



Mit dem Zug der Störche -Gabrielle C. J. Couillez 


Wilhelm, der Sohn eines leichtsinnigen Offiziers wird schon früh aus der Obhut seiner Mutter gerissen und von deren adliger Familie aufgezogen. Sein älterer Bruder verbleibt mit der schwermütigen Mutter in Mannheim und darf die höhere Schule besuchen und studieren, während Wilhelm ein Handwerk erlernt. Die Sehnsucht nach der Geborgenheit der Familie treibt ihn nach Hause, wo er zunächst in die Fußstapfen seines Vaters tritt und die Offizierslaufbahn wählt. Doch eine andere Sehnsucht lässt ihn ausbrechen aus den gesellschaftlichen Konventionen. Sein ungestillter Hunger nach Wissen und Liebe sowie der Drang nach Freiheit, der in dieser Aera überall erwächst, zieht ihn hinaus in die Welt - mit dem Zug der Störche...


Nach der wahren Lebensgeschichte von Georg Wilhelm Schimper (1804-1878), unter Verwendung des Briefwechsels der Brüder Schimper und ihres Freundes Louis Agassiz.


In diesem Roman wird anhand des kurpfälzischen Naturforschers und Reisenden Wilhelm Schimper aus Mannheim Zeitgeschichte des 19. Jahrhunderts deutlich dargestellt. Der Leser erhält anschauliche Eindrücke in diese Zeit nach dem napoleonischen Krieg in alle Gesellschaftsebenen.

Regionale Gegebenheiten, der eingestreute Pfälzer Dialekt, Beschreibungen der damaligen Kleidung und Etikette zeigen ein buntes Bild aus dieser Epoche des Biedermeier. Diese deutliche Darstellung des Zeitgeistes gelingt der Autorin sehr lebhaft und ausdrucksvoll. Mit ihrer lebendigen Beschreibung und einem der Zeit angepassten Sprachstil vermag sie den Leser zu fesseln und den Werdegang des jungen Wilhelm Schimper detailliert zu schildern.
Sie hält der damaligen Gesellschaft den Spiegel vor und stellt den aufkommenden Freiheitsdrang in den Vordergrund des Geschehens.

Der Protagonist Wilhelm steht sinnbildlich für den neuen Drang nach Freiheit und Wissen und dieses Streben lässt ihn aus geordneten Konventionen und Gesellschaftmustern ausbrechen. Durch seine Geschichte nimmt man ebenfalls teil an literarischen Werken dieser Zeit, wie "Die Leiden des jungen Werther", "Die Ode an die Freude" und Goethes Werke auf seiner Italienreise. Das zeichnet ein zeitgemäß authentisches Bild und unterhält gleichermaßen. Nebenbei erfährt der Leser unterhaltende Informationen über Flora und Fauna und die Tierbeschreibungen in der Natur sind von der Autorin besonders geschickt eingebaut und sehr schön zu lesen.

Der Charakter des Wilhelm Schimper ist grundsätzlich solide, arbeitssam und fürsorglich seiner Familie und Mutter gegenüber. Allerdings ist er ein leidenschaftlicher junger Mann, der dazu noch gut bei den Frauen ankommt und das nutzt er in seinen etlichen Eskapaden aus. Diese Szenen passen ebenfalls gut in die Geschichte und verdeutlichen die Sturm- und Drangzeit.
Wilhelm lebt in seinen Forschungsreisen auf und beginnt über den damaligen Horizont hinaus, die Welt zu erforschen. So führt ihn seine Reise bis nach Italien, Förderer unterstützen seine Forschungen.

Der Storch aus dem Titel kam in diesem Roman noch nicht so sehr zum Zuge. Es wird allerdings einen Folgeband geben, der sich dann vielleicht ausführlicher dem Thema widmen wird.

 
Dieser historische Roman glänzt durch Beschreibungen des Zeitgeistes des Biedermeiers und er unterhält auf besondere Weise mit dem leidenschaftlichen Leben eines jungen Mannes. Der regionale Pfälzer Dialekt ist leicht zu verstehen und gibt der Geschichte den letzten Anstrich. Unterhaltsam, lehrreich und gut recherchiert! Die Fortsetzung ist schon in Arbeit!



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