Samstag, 18. Juli 2015

Die Unsichtbaren - Roy Jacobsen

Dieser wunderbare Roman des erfolgreichen norwegischen Schriftstellers Roy Jacobsen unter dem Originaltitel "De usynlige" erschien im März 2014 im Osburg Verlag als gebundenes Buch. Nun brachte es der Insel Verlag im Juli 2014 als Taschenbuchausgabe heraus. Meine Rezension dazu möchte ich dazu bei dieser Gelegenheit vorstellen.

 

Vom Leben auf einer Insel Norwegens: Paradies der Natur oder Hölle der Naturgewalten! 


*Niemand kann eine Insel verlassen, eine Insel ist ein Kosmos im Taschenformat, wo die Sterne im Gras unter dem Schnee schlafen. Aber es kommt vor, dass jemand es versucht. Und an einem solchen Tag weht ein sanfter Ostwind. Hans Barrøy hat Segel gesetzt...*
Zitat S.22 



Hoch im Norden Norwegens liegt Barrøy, eine kleine abgelegene Insel. Hier lebt die Familie Barrøy in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein hartes und karges Leben als Fischer und Milchbauern. Sie stechen Torf, bauen Kartoffeln an und trocknen Kabeljau und anderen Fisch für den langen Winter.
Ingrid, die Tochter wächst in der rauen und einsamen Umgebung auf. Nach ihrer Konfirmation geht sie als Hausmädchen zu einer Familie aufs Festland.
Doch diese Familie zerbricht und die Eltern lassen Ingrid mit den beiden Kindern allein. Daraufhin geht Ingrid zurück nach Barrøy und nimmt die Kinder mit.


 

Dieser Roman lebt hauptsächlich von atemberaubenden Beschreibungen der Landschaft, den schrulligen Charakteren und einer unverwechselbaren Sprache mit einzigartigem Ausdruck.

Sprachgewaltig und einfühlsam wird man auf die norwegische Insel geführt und sieht die karge Schönheit der Natur, das Meer im Wechsel der Jahreszeiten und man erlebt das einfache Leben.
Die Menschen dieser Familie sind arm, aber zufrieden. Ein starker Zusammenhalt und die Mitarbeit aller lässt sie in dieser Einöde ihre Ruhe finden und auch überleben.
Die Charakter sind vielschichtig dargestellt. Alle Personen reden in einer wortkargen und rudimentären Sprache. Ihre Sinne sind für andere überlebenswichtige Dinge hier im Norden geschärft. Sie verstehen das Wetter zu deuten, wissen wo sie Möweneier und Eiderdaunen sammeln können, wie man Fischnetze knüpft, Boote baut, Fische fängt, sie ausnimmt und trocknet und Torf als Brennmaterial sticht.
Nur durch harte Arbeit und eisernen Durchhaltewillen wird der Fortschritt auf der Insel vorangetrieben. Der Bau eines Kais ermöglicht dann auch, dass Boote vom Festland regelmäßig anlegen können.

Die Protagonistin Ingrid "übernimmt" zwei Kinder und führt sie ganz selbstverständlich ihrer eigenen Familie zu. Sie wird ihnen eine Mutter.
Nicht ganz selbstverständlich in dieser Zeit, denn Kinder bedeuten zusätzliche Mitesser in diesen armen Haushalten.


Literarisch gut verpackt werden dem Leser beeindruckende Erfahrungen über das Leben und Überleben im kalten Norden Norwegens dargelegt.
Für mich ist das eine ganz anrührende und einzigartige Geschichte, die mir Einblicke in ein Leben in der Natur und in eine andere Zeitepoche verschafft.
Ein absolut empfehlenswertes Buch für Buchfreunde mit Anspruch auf neue Inhalte und Sprachformen.



 

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