Donnerstag, 3. Dezember 2015

Der Engel von Graz von Robert Preis

Interessanter Graz-Krimi, in dem ein Mörder historische Fälle grausam imitiert!

Der Kriminalroman Der Engel von Graz von Autor Robert Preis ist der neueste Fall der Reihe um Armin Trost. Der Emons Verlag bringt diese Grazer Krimireihe heraus.

Chefermittler Armin Trost ermittelt in einem grausamen Leichenfund in einem Freilichtmuseum in Stübing. Die Leiche wurde grausam ausgeweidet und ihr Herz fehlt. 
Doch dieser Fall ist erst der Anfang einer undurchsichtigen Mordserie nach historischem Vorbild, der die Ermittlungen weit in die Vergangenheit führt. Gleichzeitig hat Armin Trost auch auch noch seinen verschwundenen Kollegen zu suchen. Er stösst langsam an seine Grenzen, denn auch privat ist sein Leben äußerst kompliziert.

Wieder ein Tag vorüber. Und wieder kein Ergebnis. Stattdessen eine Leiche mehr. Trost rief Lemberg erneut an, ließ es aber nur dreimal läuten. Sie würde nicht abheben - egal wie lange er es klingeln ließ. Er spürte es.  Seite 150


Dieser Regionalkrimi hat mir gut gefallen, er ist etwas grotesk, spannend und der Bezug auf reale historische Kriminalfälle mit örtlichen Hinweisen macht das Ganze ziemlich schaurig realistisch.

Es ist auffällig, dass hier eine düstere Stimmung herrscht, auch die widrigen Witterungsbedingungen mit heftigem Regen und starkem Wind unterstreichen diesen Eindruck. Dazu kommen einige undurchschaubare, leicht skurril wirkende Figuren, die die Geschichte noch absurder wirken lassen. Auch der Unterhaltungston ist anders als üblich, es gibt einige spitze Bemerkungen über Animositäten gegenüber Wienern, von den Steirern gegenüber den Grazern und etwas schwarzer Humor ist in den Äußerungen Trosts fast durchgängig vorhanden.

Der Schreibstil von Robert Preis ist ein wenig speziell und er muss einem  liegen. Ich konnte mich aber sehr gut auf den Fall einlassen und stocherte genau wie Trost ohne Ziel im Ungewissen. Mal erschienen mir die Personen harmlos und im nächsten Moment hätte ich ihnen das Verbrechen zugetraut. Dabei begleitete mich das irre Lachen des Täters und ängstigte mich vor weiteren Tatvorgängen, ich kam ihm aber nicht richtig auf die Spur.

Die Stimmung des Krimis ist hauptsächlich geprägt durch den schwierigen  Charakter des Armin Trost. Er ist schon sehr ungewöhnlich, ein kauziger, missmutiger, von seiner Familie getrennt lebender Mann. Zwar sehnt er sich schon nach seiner Frau und den Kindern, aber irgendwie ist er doch ein Einzelgänger, vielleicht lebt er auch deshalb in seinem Garten im Baumhaus.
Doch in seinem Beruf ist er ein Typ, der aus den Tatorten zu lesen vermag. Er lässt sich auch nicht beeinflussen, wenn sein Chef Druck ausüben will. Stur und irgendwie besonnen verfolgt er intuitiv in seinem eigenen Tempo die Ermittlungen. 

Nicht ganz so verstanden habe ich die Abneigung Trosts gegenüber Kirchen, dem Glauben und Gott. Vielleicht ist er ein zu realistischer Mensch oder seine beruflichen Erfahrungen vertragen sich nicht mit Hoffnung und Glauben.
Richtig fesselnd erscheint im Krimi die Situation, in der Trost bzw. seine Kollegin Annette in große Gefahr geraten. Hier wird der ansonsten eher ruhige Erzählfluss (siehe Zitat oben) schliesslich hektisch und aufregend.
Das Finale ist überraschend mitreißend und endlich versteht man auch den Bezug des Titels zum Inhalt des Buches. 


Ein interessanter Krimi mit regionalcharakter, schrägen Typen und einem engen Bezug zu historisch belegten Mordfällen. Sehr lesenswert!  




Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen