Samstag, 30. Mai 2015

Buchzugänge im Juni



  Buchzugänge für Juni 2015


 

Diese Bücher erreichten mich in einer Postsendung, nach dem Streik kommt alles in geballter Form.

Gegenspiel - Stephan Thome: dieses Buch erreichte mich als Leseexemplar aus dem Suhrkamp Verlag. Vielen Dank dafür an dieser Stelle! 

Makarionissi - Vea Kaiser: ist ein Leserundenbuch von lovelybooks aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag.

Inselhochzeit - Sandra Lüpkes: ein schöner Roman, der auf einer Nordseeinsel spielt, ebenfalls ein Leserundenexemplar dank lovelybooks. 

Tödliche Heimkehr - Volker Dützer: ein spannender Krimi, ebenfalls Leserundenbuch von lovelybooks. 

Der Himmel ist ein Fluss - Anna Kaleko: dieses tolle Buch habe ich bei einem Bloggewinnspiel gewonnen. Dieser tolle Blog heißt literary-walk von

Lavendelbitter - Elinor Bicks: dieser Roman ist ein Debüt, auf das ich schon sehr gespannt bin.

Nun heißt es lesen und rezensieren! 

Wünsche eine schöne Woche, 

sommerlese!

Donnerstag, 28. Mai 2015

Alles Tofu, oder was? - Ellen Berg

Humorvolles Buch mit Veganismus, Liebe und asiatischen Lebensweisheiten gespickt.

  Das Buch erscheint im Mai 2015 im Aufbau TB Verlag.   

Dana stellt die Karte ihres Bistros Paradies auf die vegane Küche um. Leider ist die Currywurst mit Pommes doch eher der Renner als ihr Tofu- Algen-Ragout und Dana laufen nicht nur die Gäste, sondern auch ihre Familie vor ihrer veganen Lebenseinstellung davon. Ihr Freund Paul möchte statt Salat lieber Steak, Tochter Leonie ein Würstchen und so kommt es wie es kommen muss, Paul zieht aus und es kommt noch schlimmer: ihr Restaurant passt einer Immobilienfirma nicht in den Bauplan und soll weichen. Nun ist Hilfe nötig und naht in Form ihres Vaters, der gerade von ihrer Mutter vor die Tür gesetzt wurde. 
   
 

"Liebe tut weh, sagte der 

Hase und umarmte den Igel." Zitat Ende 13. Kapitel



Dieser Roman strotzt mal wieder nur so vor Witz und skurrilen Ideen und Personen, er unterhält und verspricht eine humorvolle Lektüre zum Abschalten und Geniessen. Das Thema Veganismus wird hier zeitgemäß in die Handlung eingewebt und zu den Ernährungsformen zusätzlich auch einige Lebenseinstellungen wie die Ablehnung von Daunenbetten und Lederschuhen erklärt. 

 

Ganz besonders gut gelungen sind Ellen Berg hier wieder die teilweise recht schrägen Charaktere. So wie der vietnamesische Koch Hung Tai, der mit seinen Lebensweisheiten geistreich unterhält, mit seiner asiatisch eingefärbten Sprechweise aber echt lustig wirkt. 

Auch Tochter Leonie kann mit ihrem Kindermund amüsieren, denn nicht alles wird von ihr immer richtig verstanden.
Bistrogast Philipp ist anfangs mit seinem grauen Schlabberlook und seiner Hornbrille auch kein Hit, doch später zeigen sich seine wahren Qualitäten, die eher auf den zweiten Blick auffallen.
Danas Vater Hermann ist Rollifahrer, aber als solcher nicht zu unterschätzen. Beim Reden liebt er es weit auszuholen, kann aber mit seiner Art so manchen Respekt erzwingen.
Eddy ist auch ein toller Typ, charmanter Italiener und im Internet als irreversible Gefahr unterwegs.
Ja, so kann man ins Schwärmen kommen. Jede Person ist für sich ein Sahneschnittchen und sorgt für gute Unterhaltung.  

So wundert es nicht, dass dieser Roman turbulent und kurzweilig ist und die skurrilsten Ideen beeinhaltet. Selbst die Kakerlaken werden hier nicht vergiftet, sondern zu einer schützenswerten Art erklärt. 


Der Schreibstil ist sehr flüssig und gelungen, so dass man durch den Roman fliegt und alles andere darüber vergisst.

Einzig die Liebesgeschichte, die den Roman durchzieht wie ein roter Faden ist allerdings etwas vorhersehbar. Wie sich alles am Ende auflöst, muss man allerdings selber lesen!


Ein wieder mal gelungener Ellen Berg Roman, der die Fans begeistern wird und alle Neuleser zu neuen Fans machen wird.


Herzlichen Dank an das Team vom Aufbau Verlag, dass ich diesen neuen Ellen Berg-Titel lesen und besprechen durfte!

 

 

Mittwoch, 27. Mai 2015

Die hellen Tage - Zsuzsa Bánk

Poetischer Roman über Freundschaft und Kindheit 

Ein spezieller Schreibstil, der zu Herzen geht und eine wunderbare Kindheit einfängt, aber auch die Probleme des Lebens aufnimmt!



"Zsuzsa Bánk" schrieb 2012 ihren Roman "Die hellen Tage". Dieses Buch erscheint im "Fischer Taschenbuch Verlag", mittlerweile in der 15. Auflage.


In Kirchblüt, einem beschaulichen kleinen Ort bei Heidelberg, bieten sich für Kinder die besten Voraussetzungen für eine naturnahe Kindheit. Es gibt noch Wiesen und Felder, einen kleinen See und viel Natur zu entdecken. Hier erleben Seri, Aja und Karl in den 60er Jahren in ihrer verschworenen Dreier-Gemeinschaft eine unbeschwerte Kindheit, die sie besonders bei Evi im Garten und in ihrem kleinem Häuschen ausleben dürfen wie sie wollen. 
Und doch tragen alle drei Kinder schon Verluste auf ihren kleinen Seelen und alle sind Einzelkinder, das verbindet und prägt ihre Freundschaft und macht sie

                                     unzertrennlich. 

       

"Wir hatten unsere Mütter, und trotz der kleinen und großen Wunden, die sie uns zufügten, klammerten wir uns an sie und hielten uns fest an ihren Händen, als könnten wir sonst umfallen, als könne uns etwas umstoßen, in dieser Zeit, in der wir Abschied nahmen von den vielen Dingen, die unsere Kindheit eingerahmt hatten“.  (Seite 256).



In diesem Roman verweben sich drei Familien und ihre Geschichten zu einer einzigen, die dann das gemeinsame Aufwachsen von Seri, Aja und Karl zeigt. Diese Kinder wachsen ohne Väter auf, ihre Mütter bringen sie allein auf ihren Weg ins Leben und ermöglichen ihnen eine wunderbare Kindheit.  
Die jeweiligen Verluste werden erst langsam im Verlauf des Buches deutlich und die Schicksale der Mütter verbinden sie. Trotz ihrer unterschiedlichen Charaktere freunden sie sich an und geben sich gegenseitig Halt und Vertrauen.

Der Erzählstil der Autorin hat mich nahezu berauscht. Es ist ein einzigartiger Stil, dem man entweder verfällt oder mit ihm nichts anzufangen weiß. Zsuzsa Bánks Sprache ist melancholisch und still, aufmerksam vermittelnd, poetisch und wiederholend.
Sie beschreibt mit bildhafter Tiefe. Das muss man auf sich wirken
lassen und sich von dieser speziellen Erzählart tragen lassen. Ihre teilweisen langen Sätze bauen regelrechte Gefühlswelten auf und erinnern mich an eigene Erlebnisse. Das bewirkt beim Lesen ein Gedankenspiel und wiederholende Phrasen erinnern wieder an bestimmte Stimmungen im Buch. 

Es ist eine Geschichte, die einen so schnell nicht wieder losläßt. Über Sehnsucht und Warten, über Freundschaft und den Verlust von Menschen und Verlust des Vertrauens und über Festhalten und Loslassen können. Diese Gefühlswelt breitet Zsuzsa Bánk eindrucksvoll vor dem Leser aus und man taucht dabei tief in die Geschichte ein. Fast scheint man das fröhliche Kinderlachen zu hören, aber dann auch die traurigen Erlebnisse mit zu erleben.

Helle und dunkle Tage gehören zum Leben dazu, so wie Sommer und Winter, aber die Erinnerungen an die hellen bringen Zufriedenheit und Glück in die Seele. Und die Sehnsucht nach dem Glück der Kindertage setzt sich bis ins Erwachsenenalter fort. Nicht nur in den Personen des Romanes, sondern auch beim Leser. Das macht dieses Buch so einzigartig und berührend.


                                
                                           

Sonntag, 24. Mai 2015

Die letzten Tage von Rabbit Hayes - Anna Mc Partlin

Jugendroman über Sterben und Leben

                               

So spielt das Leben

 

"Alles, was ich möchte, ist, dass ihr offene Worte findet, dass ihr lacht, Geschichten erzählt und mich in guter Erinnerung behaltet."  S. 438

                 




In diesem Roman geht es um die krebskranke Rabbit Hayes, 40 Jahre alt und Mutter der 12jährigen Juliet, die in ein Hospiz gebracht wird, um zu sterben. Dabei lernen wir ihre Kranken- und Leidensgeschichte, ihre Familie und Freunde, aber auch ihr Leben kennen.







 

 
Anna Mc Partlin hat einen berührenden und emotionalen Roman geschrieben, der tiefe Einblicke in die Seele der todkranken Rabbit gibt, einer tapferen Frau, die trotz ihres schweren Schicksals sehr stark ist und ihre Familie in ihren letzten Lebenstagen enorm zusammen schweißt.  
 
Bei dieser Geschichte überwiegen nicht die traurigen Seiten der sterbenden Frau. Die Einblicke in ihr Leben und ihre Vergangenheit machen auch ein erfülltes Leben und erlebtes Glück bewusst. Außerdem erlebt man hier auch eine Familie, die mutig zusammen hält, die der Kranken mit Nähe und auch Humor über die schwere Zeit hinweg hilft und Hoffnung gibt. Denn die große Sorge der Rabbit Hayes gilt ihrer geliebten kleinen und dennoch sehr fürsorglichen Tochter, die sie verlassen muss. Ihre Zukunft liegt Rabbit am Herzen und sie möchte sie nach ihrem Tode gut versorgt wissen.

Die Charaktere sind in diesem Roman die großen Highlights. Sie werden mit vielen Stärken und Schwächen versehen und man lernt sie im Verlauf der Geschichte sehr gut kennen. Dabei hat mir besonders der humorvolle Umgang innerhalb der Familie gefallen. Dieser Humor, diese Liebe und Anteilnahme gibt selbst dem Leser Kraft und Stärke mit auf den Weg und das macht diesen Roman so außergewöhnlich eindrucksvoll und interessant.

Auch wenn der Tod von Rabbit von Anfang an dem Leser bewusst ist, so wird das Ende doch mit Spannung und Interesse erwartet. Dieser Roman reflektiert das Leben mit all seinen Höhepunkten und Schattenseiten. Er zeigt welch hohe Wertstellung Liebe, Freundschaft und ein enger Familienzusammenhalt im Leben haben. Das auch über den Tod hinaus ein geliebter Mensch nicht in Vergessenheit gerät, sondern das gemeinsam Erlebte in den Erinnerungen weiter lebt. 

Dieses Buch rührt zu Tränen, wenn man sich die Hilflosigkeit der Situation vor Augen führt, aber es weckt auch die Hoffnung auf ein "in der Liebe getragen sein-Gefühl" und das macht Mut auch über den Tod hinaus.


Ein außergewöhnlicher, bewegender Roman, der mich tief beeindruckt hat und ein ganz besonderes Leseerlebnis darstellt. Für mich eine ganz klare Leseempfehlung über ein dramatisches Schicksal und eine tolle Familie.

 

                
                        

 

Samstag, 23. Mai 2015

Jetzt oder Nils - Nikola Hotel

Flotte Liebesgeschichte, witzig verpackt mit überraschenden Momenten! Lesenswert und charmant!



Autorin "Nikola Hotel" schrieb den heiteren Liebesroman "Jetzt oder Nils". Das Buch erscheint im "Aufbau Verlag".


Emma Arend arbeitet in einem Blumengeschäft als Botin für Blumengrüße und andere Botschaften in Gedicht- und Liedform. Dazu zieht sie auch schon mal ein Schweinchenkostüm an, ihr macht der Job Spaß.
Bei einer solchen Grußüberbringung trifft sie Nils Dannenberg an, der auf sie "lebensmüde" wirkt. Bei ihr schrillen alle Alarmglocken und sie ruft die Polizei. Nils hat alle Mühe, die aufdringliche Emma loszuwerden, doch will er das wirklich? Irgendwie findet er Gefallen an ihr. Auf jeden Fall ist sein Leben nun ein wenig chaotischer, seit er sie kennt. 



Dieser Roman ist locker und frisch geschrieben, oftmals mit gut gesetzten witzigen Effekten oder Dialogen gespickt und dadurch sehr unterhaltsam zu lesen.
Emma ist eine liebenswerte Seele, ziemlich spontan und dadurch ist ihr Leben auch nicht langweilig. Einige Fettnäpfchen plastern ihren Weg und sie ist stets bestrebt, anderen Menschen zu helfen. Lediglich ihr Freund Michi, Fußballfan und biertrinkende Couchpotatoe, bringt Ruhe aber auch Langeweile in ihr Leben.
Dann lernt sie Nils Dannenberg kennen, er ist Journalist und als Emma in sein Leben tritt, ist kein Tag mehr ohne Aufregung. Ihre natürliche Art begeistert ihn und die Tolpatschigkeit weckt in ihm weit mehr als nur den Beschützerinstinkt. 

Die Handlung ist rasant, komisch und man hat als Leser die Szenen bildhaft vor Augen. Dabei gelingt es Nikola Hotel im Roman sehr gut, ihre humoristische Ader einzubringen. Auch auf romantische und verwirrende Teile wird hier nicht verzichtet. Die Charaktere sind voll von speziellen Eigenarten, manchmal skurril und dann wieder überkandidelt. Doch allen voran macht Emma das Buch zu einem Slalomlauf um verschiedene Fettnäpfe. Aber sie kann auch anders sein, denn nebenbei gewinnt sie Informationen über Baupfusch und dubiose Scheinfirmen.

Dieser Roman liest sich sehr erfrischend und der humorvolle Schreibstil unterhält prima. Genau das richtige Buch, um mal abzuschalten oder den Sommer im Garten oder Balkon einzuläuten. 



                           

Reiseführer

MARCO POLO PORTUGAL 

 

 

Der Reiseführer von  Marco Polo  zum Reiseland Portugal wurde verfasst von  Andreas Drouve.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klein, aber inhaltsreich und übersichtlich gemacht


Handlich, klein und übersichtlich, so kommt der Marco Polo Reiseführer daher. Doch auf den 133 Seiten finden sich viele nützliche Informationen, die einen guten Überblick ermöglichen.

Schon auf den Umschlagseiten geht es los mit 15 Insider-Tipps, es folgen Landeskunde, Geschichte und Szenetreff in wenigen Seiten zusammen gefasst. Anschließend gibt es Informationen zu Flora und Fauna, Essen und Trinken, Festen und Feiertagen und Einkaufen. Hier ergibt sich schon ein guter Eindruck über Land und Leute und der typischen Lebenskultur. Besondere Erwähnung finden der Fado, die Azulejos und das Lebensgefühl Saudade (bezeichnet die typische Melancholie der Portugiesen).

Dann beginnt der eigentliche Teil, der sich mit den Landesteilen und deren Vorstellung befasst. Nordportugal und Porto machen den Anfang, es geht über Zentralportugal nach Lissabon, von dort weiter zur Costa Azul und Alentejo und schliesst mit der Algarve ab.
Ausflugstouren, praktische Hinweise, Sportmöglichkeiten, Reisen mit Kindern und ein kleiner Sprachführer runden das Büchlein ab.
Den Abschluss bildet ein 8seitiges Kartenmaterial und ein Faltplan von Lissabon auf dem hinteren Buchumschlag.

Dieser Reiseführer gefällt mir sehr gut, er zeigt trotz der knappen Seitenzahl reichliche Informationen und viel Bildmaterial und vermittelt dem Betrachter einen deutlichen Eindruck über das portugiesische Land und seine Bewohner. Ein toller Urlaubsbegleiter, der mit seinem kleinen Format punktet.

 

 

Gewinnmöglichkeit

Außergewöhnlich , überraschend, französischer Thrill. Brilliante Wendungen und unvorhersehbar. 

Ein absolut nervenaufreibender Pageturner 

Was für ein Meisterstück! 

Einer der besten Thriller die ich dieses Jahr gelesen habe. Spannend, packend, fesselnd, psychologisch überzeugend. 

Ganz oben auf meiner Highlight Liste


Wenn ein Thriller solche Kommentare hervorruft, muss er fantastisch sein!

Die Rede ist von: 

 
DIE FLÜGEL, MEIN ENGEL, ZERREISS ICH DIR

Dieses Buch möchte ich durch die tollen Kommentare neugierig gemacht, unbedingt mal lesen und daher poste ich diesen Artikel hier! 

Bisher habe ich immer nur das wunderschöne Cover bewundert, nun möchte ich es unbedingt lesen.

Da dieses Buch gerade bei lovelybooks verlost wird, nutzt auch ihr eure Chance auf eines von 10 Büchern dieses Titels aus dem Berlin Verlag.


http://www.lovelybooks.de/autor/Karine-Giebel/Die-Fl%C3%BCgel-mein-Engel-zerrei%C3%9F-ich-dir-1114103934-w/buchverlosung/1157672009/

 

 

 

Viel Glück!

 

 

 

Freitag, 22. Mai 2015

Der dunkle Fluss - Chigozie Obioma

Mythos und Wahrheit sind hier eng miteinander verwoben

 

Chigozie Obioma, 1986 in Nigeria geboren, studierte Englisch, Literatur und Kreatives Schreiben auf Zypern und an der University of Michigan.

Benjamin und seine vier Brüder leben in der Nähe eines gefährlichen Flusses, des Omi-Ala in Nigeria. Als ihr Vater in der Ferne Arbeit annimmt, die Familie nur alle paar Wochen besuchen kann, verstoßen sie gegen sein Verbot, sich dem Gewässer zu nähern. Die Fische, die sie dort fangen, sind Vorboten einer tragischen Entwicklung.

 

 

 

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas, versucht nach Jahren der Militärdiktatur die Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen. Reiche Erdölvorkommen können aufgrund von Korruption
nicht zur Armutsbekämpfung dienen. Es gibt ethnische Konflikte durch viele verschiedene Religionen, auch Aberglauben ist noch sehr verbreitet. In Nigeria werden über 500 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen. 

In diesem Roman übernimmt Benjamin, 9 Jahre alt, die Rolle des Erzählers. Seinem Interesse für Tiere ist es zu verdanken, dass er Personen und Ereignissen Tiere zuordnet, die charaktermäßig und situationsgemäß gut passen. Python-Bruder, Falknerin-Mutter und Heuschrecken als Vorboten einer Sturmkatastrophe, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dadurch gewinnt die Geschichte den Eindruck einer Fabel und die bildhafte Schreibweise des Autors unterstützt diesen Charakter noch zusätzlich.

Man verfolgt interessiert diese sehr afrikanisch anmutende Handlung mit und versucht die Zustände in diesem archaisch geprägten Land zu verstehen. Es wird deutlich, wie sehr der Vater seine Familie fortschrittlich nach westlichen Grundsätzen voranbringen möchte. Die Söhne sollen eine gute Ausbildung bekommen und studieren. Doch als der Vater beruflich wegziehen muss, verliert sich nach und nach sein positiver Einfluss auf seine Söhne. Die Mutter ist zwar bemüht, die Söhne gut zu erziehen, kann sich aber gegen die Heranwachsenden nicht durchsetzen.

Äußere Einflüsse bewirken ein Auseinanderbrechen der brüderlichen Liebe und des Vertrauens untereinander. Im Sinne der Dorfbewohner wird schließlich von den Brüdern verrückten Prophezeiungen mehr geglaubt als den eigenen Geschwistern. Sicherlich ein nachvollziehbarer Akt im abergläubigen Nigeria, wo Voodoo vom Volk der Yoruba religiös praktiziert wird. Auch wenn sich das nicht mit der Erziehungsweise und Ansicht des Vaters zu decken scheint.
Hier zeigen sich die großen Unterschiede zwischen westlicher Anschauung und Lebensphilosophie und dem afrikanischem Verständnis.
So kommt es in dieser Familie zum Auseinanderbrechen, eine dramatische Tragödie entwickelt sich, der man tief bewegt und teilweise verständnislos folgt.
Der Wunsch des Vaters nach Bildung und einem guten Leben für seine Familie wird sich nicht bewahrheiten. Die Tragödie nimmt seinen Lauf.

Dieses berührende Buch bringt dem Leser sehr eindringlich Afrika und seine archaischen Denkweisen näher. Betroffen liest man von diesen Schicksalen und hat einiges zu verarbeiten und durchdenken.
Mit bildhafter Dramatik und einer Menge Emotionen hat der Autor seinen Roman geschrieben und zeigt uns eine fremde Welt.



Veilchens Winter - Joe Fischler

 Veilchens Winter - Joe Fischler



Gelungenes Krimidebüt mit Wortwitz, Spannung, regionalem Flair und tollen Protagonisten 

 

Mit dem Alpenkrimi "Veilchens Winter" hat der österreichische Autor und Songwriter "Joe Fischler" sein Debüt geschrieben. Das Buch erscheint 2015 im "Haymon Taschenbuchverlag".

 

Valerie Mauser kommt nach beruflichen Erfolgen bei der Wiener Kripo zurück ans LKA Innsbruck in die Tiroler Heimat ihres Vaters.
Ihr erster Fall ist die Entführung der kleinen Tochter eines russischen Oligarchen, der als Anweisung ihres neuen Landesvaters ohne Aufsehen der Öffentlichkeit gelöst werden soll. 
Da ihre neuen Kollegen sie als Chefin nicht akzeptieren, findet sie Hilfe bei den Ermittlungen bei ihrem Exkollegen Manfred Stolwerk und dem jungen und umgänglichen EDV-Spezialisten Sven Schmatz. Valerie gerät in einen Strudel von Politik und dem Einfluss von finanzträchtigen Kapitalanlegern im Hotelwesen, die in Tirol Fuss gefasst haben. Scheinbar ist daran schon ihr Vorgänger an einem Mordfall eines Hoteliers gescheitert.
Wie kann sich Valerie in diesem Dickicht von Verschwörung und politischer Einflussnahme behaupten?


Joe Fischler hat in seinem Alpenkrimi herrliche Charaktere geschaffen, die spezielle Eigenheiten und tollen Wortwitz besitzen und fast zu leben scheinen. Das lässt sie sehr realistisch wirken und setzt beim Lesen ein wahres Kopfkino in Gang. Insbesondere die Verfolgungsjagd mit dem Linienbus hat mich sehr amüsiert.

Besonders die Protagonisten Valerie Mauser, auch Veilchen genannt und ihr ehemaliger Kollege Stolwerk sind sofort sympathisch und ein echtes Ermittler-Traumpaar. Sie ergänzen sich in ihrer Denk- und Handlungsweise perfekt und umschiffen so gekonnt jede erdenkliche ermittlungstechnische Hürde. Privat kommen sie auf einer freundschaftlich unproblematischen Weise klar, vielleicht weil sie nicht auf eine gemeinsame Beziehung aus sind. Sven Schmatz sorgt in diesem Krimi für einige humorvolle
Bemerkungen und spielt daher eine wichtige Rolle.

Mit seinem speziellen Schreibstil und einigen regionalen Ausdrücken hat Joe Fischler einen hohen Wiedererkennungswert und man folgt ihm flüssig und gern durch die Geschichte. Er hat ein paar seiner Liedtexte eingebaut, die von ihm selbst geschrieben sind und das garantiert ihm ein zusätzliches Interesse an seiner Musik. Hinweise dazu sind am Ende des Buches zu finden.

Die Handlung ist gut durchdacht, es gibt überraschende Wendungen und die Lösung des Falles ist logisch und nachvollziehbar. An Spannung mangelt es nicht, nur Veilchens lebensmüder Einsatz am Ende ist etwas übertrieben. Aber die gesamte Story hat mich mitgerissen und in die Bergwelt Tirols versetzt. 


Dieser unterhaltsame Krimi aus Tirol schlägt mit einem sehr sympathischen Ermittlerteam neue Töne an. Man fiebert mit Valerie auf der Suche nach dem entführten Kind mit, erfreut sich an den humorvollen Zwischentönen und ist einfach sehr gut unterhalten.

 

                            

Strandperlen - Tanja Janz

 St. Peter-Ording lässt grüßen


Tanja Janz heiterer Roman "Strandperlen" ist ein Mira Taschenbuch und erscheint im Cora Verlag. Ich habe die e-book Ausgabe gelesen.



"André Gide hat mal gesagt: Das Geheimnis des Glücks liegt nicht im Besitz, sondern im Geben. 

Wer andere glücklich macht, wird glücklich." 

Zitat Seite 126





Die Cousinen Insa und Stephanie bekommen gemeinsam von ihrer Tante Lilo die Schenkung der "Strandperle" in St. Peter-Ording, die sie beide annehmen. Insa hat als Archäologin nur einen Job in der Imbissbude ihrer Eltern, den sie nicht lebenslänglich ausüben möchte. Stephanie hat gerade ihren Mann beim Fremdgehen erwischt und ist mit ihrem Sohn kurzerhand ausgezogen. Als die Cousinen sich vor Ort erstmalig kennen lernen, verstehen sie sich auf Anhieb richtig prima und auch Stephanies Sohn Paul-Justus gefällt es an der See gut. Doch das vermeintliche Hotel erweist sich als in die Jahre gekommener Campingplatz, es gibt noch viel zu renovieren und erneuern. Damit hatten die Frauen nicht gerechnet, doch gemeinsam packen sie ihre Chance an und versuchen ihr Bestes zu geben.


Dieser Frauenroman hat mir einige humorvolle und kurzweilige Lesestunden bereitet und mich in Gedanken nach St. Peter-Ording an die Nordsee entfliehen lassen.

Die Autorin hat die Cousinen gut charakterisiert. Sie sind zwar auf ihre Art völlig verschieden, haben aber beide gerade eine Lebenskrise zu meistern und das schweisst sie zusammen. Zwischen ihnen entsteht eine echte Freundschaft und trotz der Schwierigkeiten mit dem maroden Campingplatz halten sie zusammen und unterstützen sich gegenseitig. Denn beiden Frauen gefällt ihre neue Heimat an der Nordsee und so nehmen sie allerhand Arbeit auf sich und trotzen allen Widrigkeiten, die sich ihnen in den Weg stellen. Das macht sie sehr sympathisch und man nimmt gern Anteil auch an ihrem Liebesleben. Besonders gut gefällt mir auch Paul-Justus, der Sohn Stephanies. Er geniesst das freie Herumtoben am Strand und vervollständigt die Wohngemeinschaft perfekt.

Dreh- und Angelpunkt des Romans ist die Instandsetzung des Campingplatzes, denn dieser bildet die finanzielle Grundlage für die Cousinen und soll ihnen ein unabhängiges Leben garantieren. Dabei werden die Frauen von neu gewonnenen Freunden unterstützt und als Leser hofft und leidet man mit ihren Erfolgen oder Problemen empathisch mit.

Tanja Janz Erzählstil hat mich regelrecht gefangen genommen. Ihre deutliche Begeisterung für die Nordsee und St. Peter-Ording kann man ihr wunderbar abnehmen.
Im Roman geniesst man die wunderschöne Beschreibung der Natur an der Nordsee, hört das Rauschen der Wellen, riecht die salzige Meeresluft und sieht die Austernfischer und Rotschenkel am Meeressaum entlang laufen. Aber auch die Surfer werden im Buch gut in Szene gesetzt.
Diese gelungen eingefangene Atmosphäre hat mich sofort in seinen Bann gezogen und macht den besonderen Reiz dieses Buches aus. 

Wie ein Kurzurlaub an der Nordsee, so ist dieser gute Launeroman, der von Neuanfang, Liebe und dem Glück des Lebens erzählt und Lust macht auf einen Besuch in St. Peter-Ording und einem Spaziergang am Strand. Beste Unterhaltung ist garantiert.

  


                  

Donnerstag, 21. Mai 2015

Weißer Zug nach Süden - Thommie Bayer

Sensibel und melancholisch, mit Kurzgeschichten effektvoll untermauert!

 

Die junge Italienerin Chiara geht nach Deutschland und zieht in das Haus ihrer Freundin Leonie ein, die jetzt in New York wohnt. Dabei übernimmt sie Leonies Jobs als Putzhilfe in diversen Haushalten, die Chiara sehr sorgfältig und gewissenhaft ausführt. Allmählich entwickelt sie eine Art Fürsorgestelle für ihre Putzbefohlenen und schaut wie von außen auf die fremden Leben und bringt Ordnung hinein.
Besonders anziehend wirkt auf sie die elegante Wohnung des Herrn Vorden. Mit ihm scheint eine Art Seelenverwandtschaft zu existieren, ohne dass sie sich je zu Gesicht bekommen. Chiara entdeckt eines Tages auf seinem Schreibtisch von Vorden geschriebene Geschichten. 
 

Thommie Bayer gelingt es mit teilweise poetischen und melancholisch leisen Worten, die Person Chiara mitsamt ihren Wünschen und ihrer Suche nach dem persönlichen Lebensweg vor dem Auge des Lesers erscheinen zu lassen. Er zeichnet ein Bild von ihr, wie sie Ordnung in ihr Leben bringen möchte, dies aber als sinnbildliche Handlung bei ihrer Putztätigkeit für andere Personen erledigt. In Rückblicken erfährt der Leser Details aus Chiaras Leben in Italien und über ihre Sehnsüchte fern der italienischen Heimat.

Hier werden Personen skizziert, die miteinander eine Seelenverwandtschaft zu haben scheinen. Chiara inspiriert Vorden zum Schreiben von Kurzgeschichten, während sie ihre malerische Ader wieder zum Leben erweckt. Ohne sich persönlich zu kennen, spüren beide Personen die Aura der anderen in den Räumen und gehen indirekt aufeinander ein.

Jedenfalls hat man den Eindruck und ist ganz gefangen im Gedankengang an so eine fast schon mystische, da körperlose Begegnung. 
Diese besondere Schilderung hat mich beeindruckt und ist somit auch eine Geschichte, die die Fantasie spielen lässt und Raum lässt für eigene Gedanken.

Der ruhige Schreibstil und Chiaras unaufgeregte Lebensweise bewirkt eine melancholische Grundstimmung, die mit feinen erotischen Schilderungen harmonisch und gekonnt gewürzt ist. Man liest und fühlt, wie Chiara in dieser neuen Lebenswelt ihren Weg sucht, welche Geheimnisse sie entschlüsselt und wie sie persönlich mit dem Erlebten umgeht.


Dieser kleine, aber feine Roman hallt noch lange nach! Wenn man genau hinschaut, kann man Chiara am Fenster sehen, wie sie den Zügen hinterher schaut, die nach Italien fahren.


Wer sich mal wieder verzaubern lassen möchte, von einen poetisch anmutenden Buch, dem empfehle ich "Weißer Zug nach Süden". Thommie Bayer muss man gelesen haben.



Dieses Buch habe ich bei einem Gewinnspiel auf lovelybooks gewonnen. 
Vielen Dank dafür auch an dieser Stelle!   


                       
                     

Sommerküche


SOMMERAUFLAUF MIT TOMATEN, ZUCCHINI UND MOZZARELLA


Heute gibt es mal eines meiner liebsten Sommerrezepte, einen Auflauf, der so richtig lecker schmeckt und auch toll aussieht.

Man kann ihn auch vegetarisch zubereiten. Auf dem Bild ist meine Version mit Hühnerfleisch, das auch gut weggelassen werden kann. 
Dann gelten die angegebenen Mengen in Klammern.

Zutaten für 4 Personen:

4 Hähnchenbrüste
2-3 mittelgroße Zucchini (4 Zucchini)
6 große Tomaten (8 Tomaten)
2 Packungen Mozzarella oder auch Schafskäse
Olivenöl (schätzungsweise 100 ml)
3-4 Knoblauchzehen
Italienische Kräutermischung
Salz und Pfeffer



Den Knoblauch pressen und in das Olivenöl geben, etwas ziehen lassen.
Fleisch mit Salz und Pfeffer würzen, in Scheiben schneiden und leicht anbraten.
Zucchini, Tomaten und Mozzarella in Scheiben schneiden und abwechselnd (mit Fleisch) in die Auflaufform schichten. Würzen, das Öl mit Knobi über die Masse giessen und circa 25 Minuten bei mittlerer Hitze im Backofen garen. Eventuell Garprobe beim Fleisch machen.

Das Beste ist der Saft aus Fleisch, Gemüse und Öl, den man wunderbar mit Baguette aufstippen kann. Was mich immer wieder begeistert ist auch die wunderbare farbliche Wirkung dieses Gerichtes, dass sich daher auch auf Büffets wunderbar macht.


 



                    Buon Appetito!

Mittwoch, 20. Mai 2015

Böse Absichten - Keigo Higashino

Böse Absichten - Keigo Higashino

 

Unblutiger Krimi, dennoch spannend und raffiniert gemacht!

 

 
Der Schriftsteller Kunihiko Hidaka wird von seinem Freund Osamu, der ebenfalls Schriftsteller ist, und seiner Lebensgefährtin ermordet aufgefunden. Beide haben ein Alibi und kein sichtbares Motiv. Doch schon bald entdeckt der ermittelnde Kommissar Kaga Details, die andere Schlussfolgerungen zulassen.

Dieser Krimi ist unblutig und anders als der übliche Who-done-it-Krimi. Denn der Leser wird auf verschiedene falsche Fährten gelockt, der Täter wird schon früh präsentiert und dennoch ist der Plot spannend und enthält jede Menge überraschende Wendungen bereit. Gesucht wird hier nach einem logischen Motiv für die Tat.

Besonders eindrucksvoll besticht Protagonist Kommissar Kaga durch seine speziellen Untersuchungen nach dem Tatmotiv. Mörder und Mordwaffe stehen ungewöhnlich schnell fest, doch das Motiv ist das große Rätsel.

Kaga führt sehr genaue Ermittlungen durch, die präzise bis ins kleinste Detail gehen. Seine geistreiche Analyse des Tathergangs und der detaillierten Umstände für die Lösung erstaunen den Leser und lassen die Handlung zu einer fesselnden Geschichte werden. Denn als Leser ist man an den Folgerungen des Kommissars beteiligt und hat später genaue Einblicke in die Vernehmungen von Zeugen und persönlichen Bekannten des Täters und des Opfers. Aus diesen verschiedenen Puzzleteilen von dunklen Geheimnissen aus der Vergangenheit und Einzelheiten des literarischen Schaffens beider Schriftsteller, zieht Kaga intelligent die richtigen Schlüsse, die man erstaunt zur Kenntnis nimmt. Denn hier ist nichts so wie es scheint.

Weiterhin ist interessant, das Mobbing ein entscheidendes Thema der Handlung ist. Einige Beispiele machen sehr betroffen und zeigen die Schwierigkeiten der Lehrer, darauf Einfluss zu nehmen und die Betroffenen davor zu schützen.

Die Schreibweise ist schön zu lesen, sehr ruhig und unaufgeregt, halt typisch japanisch elegant. Aber die Erzähler-Perspektive wechselt häufig und erhält so den gewissen Spannungsbogen. Dadurch fühlt man sich den verschiedenen Personen sehr nah und ist immer direkt dabei.

Nach und nach ergeben sich neue Hinweise und Entdeckungen, die den Mordfall in immer anderem Licht sehen lassen. Dadurch kommt keine Langeweile auf und man ist bis zum Schluss immer wieder neu überrascht. Diese Wendungen so geschickt über die Handlung zu verteilen, ist schon eine besondere Fähigkeit des Autors, die mich erstaunt.


Ein ganz spezieller Krimi, den man so nicht erwartet. Dabei unblutig, aber trotzdem gespickt mit Überraschungen und raffinierten Wendungen.


Montag, 18. Mai 2015

Wenn der Wind sich dreht - Cornelia Pichler

Gratwanderung der Gefühle 

Dieser Roman ist das Debüt der Autorin Cornelia Pichler. Das Buch erscheint 2015 im Edition Keiper Verlag.                   
 

Wenn der Wind sich dreht Nach dem Tod ihrer Tante Lisa fliegt Jo ohne Mann und Tochter von Österreich zur Beerdigung nach Rhodos. Dort verbringt sie trotz des traurigen Anlasses erholsame Tage im Kreise ihrer griechischen Familie, die sie sehr herzlich aufnimmt. In dieser Urlaubsatmosphäre gelingt Jo eine Art Auszeit auch von ihrer Ehe und sie geniesst die sommerliche Idylle mit allen Sinnen. Dann lernt sie Marco kennen und sie fragt sich, wohin sie der griechische Wind treibt.

 

 

 

 

 

Schon das Cover bringt den Leser in Urlaubslaune, denn die blau-weiße enge Treppe erinnert an das traumhafte Santorin. So ist man schnell in der richtigen Stimmung für diese Sommerromanze.


Der Autorin gelingt es, in dieser Liebesgeschichte nie zu kitschig zu werden und ins Seichte abzudriften. Gekonnt baut sie Gefühle mit ein, in denen sich der Leser durchaus wieder finden kann. Dabei wird man von der Lektüre gefesselt und liest gespannt die Sehnsüchte, Lebensbedingungen und sommerlichen Urlaubsbeschreibungen, die wirklich unterhaltend geschrieben sind.

Der Schreibstil ist sehr flüssig zu lesen und besonders der verbale Schlagabtausch in den Dialogen zwischen Protagonistin Jo und Surflehrer Marco begeistert durch witzige Ideen und scharfsinnig geführte Wortwechsel. Diese Dialoge sind richtig genial und sie versprühen einen regelrechten Funkenschlag zwischen den beiden Personen. Das hat mich sehr beeindruckt und auch mitgerissen. Immer wieder taucht man mit Jo in ihre Liebesgefühle ein und erlebt ihr Gefühlskarussell beim Lesen persönlich mit.

Dabei sind die Protagonisten deutlich beschrieben, Jo ist traurig und betroffen durch den Tod ihrer Tante, doch auf Rhodos gerät sie schnell in Urlaubsstimmung. Ihre griechische Verwandschaft ist eine lebenslustige Truppe, die gern gemeinsam isst und feiert und denen Gastfreundschaft über alles geht.

So schnell wie der Wind sich drehen kann, gelingt es Jo, sich von ihrer bisherigen Sicht auf ihr Leben zu lösen und sich dem Glückstaumel der Freiheit und den Gefühlen des Verliebtseins hinzugeben und es zu geniessen. Sie fühlt sich frei und glücklich und es ergeben sich viele interessante Begegnungen und Freundschaften, die sie sich so nie erträumt hätte.

Dieser Roman ist zwar auch romantisch, aber er ist nicht nur ein Liebesroman, sondern er zeigt die Wendungen, die das Leben mit sich bringt und wie sich immer wieder neue Wege öffnen können. Dieses Buch macht nachdenklich, es berührt und zeigt wie man auch unverhofft Glück finden kann, wenn man es zulässt.   

Eine wunderbare unterhaltsame Lektüre über neue Wege, Gefühle,  Familie und die Liebe, aber auf jeden Fall über die Träume im Leben. 

                           
                                           

Jule Gölsdorf - Mörderisches Monaco

Gelungenes Krimidebüt vor Monacos Rennzirkus-Kulisse          

Mit ihrem Kriminalroman Mörderisches Monaco schrieb die Journalistin Jule Gölsdorf ihr Debüt, der 2015 im Aufbau Verlag erscheint. 

Kriminalkommissarin Coco Dupont verläßt aus privaten Gründen ihre Dienststelle in Toulouse für eine Stelle bei der sûreté publique im mondänen Monaco. Kaum angekommen gibt es schon den ersten Mordfall. Die Opfer sind die Ehefrau, die schwer verletzt im Koma liegt und der getötete Sohn eines berühmten deutschen Formel-1-Piloten. An der Seite von Henri Valeri macht sich Coco auf die Suche nach dem Täter. Dabei führen sie die Ermittlungen direkt hinein in den Renn-Zirkus und in die Welt der Schwerreichen und Schönen. Doch hinter all dem Glamour entdecken sie die Schattenseiten des Luxuslebens. 

In diesem Krimi geht es ins Formel-1- Milieu im Fürstentum Monaco und nebenbei wird das schillernde Jetset-Leben der Promis mit Edelmarken wie Chanel und Prada, Champagner und Delikatessen aus dem Mittelmeerraum gut dargestellt. Dadurch liest sich der Krimi unterhaltsam und flüssig und man erhält noch Informationen aus der Rennwelt dazu. Wie es der Autorin so herrlich leicht gelingt, in diese Atmosphäre die Krimihandlung zu plazieren, hat mich sehr beeindruckt. 

Auch ihre sehr bildhafte Beschreibung der landschaftlichen Schönheit der Küste, aber auch der engen Bebauung Monacos, ja selbst der an Platzmangel leidende Friedhof wird von ihr wunderbar skizziert und dem Leser vor Augen geführt.
Ihre Protagonisten Coco und Valeri arbeiten in diesem Fall erstmalig zusammen und ergänzen sich effektiv. Valeri steht dem Formel 1- Zirkus eher ablehnend gegenüber, während Coco durch Bekannte Einblicke ins   Jetset hat. Häufig sind sie wegen überfüllter Strassen mit dem Motorrad unterwegs und so  erkundet man als Leser gemeinsam mit ihnen den kleinen Stadtstaat. Die ein oder andere Essenspause bringt sommerliches, fast schon Urlaubs-Flair in die Handlung.
Doch allzu schnell wird deutlich: in der Glamour-Welt brodelt es, denn reich sein allein macht noch lange nicht glücklich.

Dieser Kriminalroman hat neben der schon erwähnten tollen Kulisse Monacos einen interessanten Fall zu bieten, enthält raffinierte spannende Wendungen und zeigt das typische Leben von Formel 1-Fahrern, die trotz privater Probleme und Belastungen die Show weiterlaufen lassen müssen.
Hier läuft offen gezeigtes Hintergrundwissen neben einer fiktiven realistisch wirkenden Handlung ab und damit trifft dieser Krimi genau die richtige Mischung, die ein perfektes Buch ausmacht.

Für dieses Krimidebüt möchte ich eine große Empfehlung aussprechen. Hier passt einfach alles zueinander und zum spannenden Krimisetting gesellt sich eine sommerlich anmutende Beschreibung der Gegend um Monaco und der Formel 1-Welt , die außerordentlich gut unterhält.
Gespannt warte ich nun auf weitere Krimis aus der Feder von Jule Gölsdorf um ihr Ermittlerteam Coco und Valeri. 




Wer die Nachtigal stört - Harper Lee

  

   Ein wunderbarer Appell an die Menschlichkeit


"Wer die Nachtigall stört ..." ist das Werk der amerikanischen Schriftstellerin "Harper Lee", die dafür 1961 den Pulitzerpreis erhielt. Der Roman wurde in über 40 Sprachen übersetzt.

Dieser Roman ist die einzige Buchveröffentlichung Harper Lees und dieses Werk ist außergewöhnlich in seiner Art. Es ist inzwischen schon fast ein Klassiker der amerikanischen Literatur des 20. Jahrhunderts und hat meiner Meinung nach erzieherischen Wert.

 



Erzählt wird die Kindheit von Jean Louise "Scout" Finch, die mit ihrem Bruder Jem und ihrem verwitweten Vater Atticus Finch in den 1930er Jahren in einer Kleinstadt in Alabama heranwächst. In den Südstaaten leben die Menschen noch nach altem Muster, Rassenhass und Vorurteile gegen Farbige gehören zum Lebensalltag dazu. Scout beschreibt aus ihrer kindlichen Position heraus ihre Sicht der Dinge und dadurch wird unterschwellig Kritik geübt, die sich durch den gesamten Roman zieht. Diese besondere Erzählperspektive macht die Geschichte so einzigartig und besonders.

Atticus Finch ist Rechtsanwalt und verteidigt einen Schwarzen, der wegen Vergewaltigung angeklagt ist. Er steht nicht nur vor dem Gesetz für die Gleichheit und Toleranz ein, ist für seine Kinder ein liebevoller Vater, der sie zu verantwortungsbewußten, toleranten Menschen erzieht. Dieser Charakter des Atticus ist der Autorin so unvergleichlich gut gelungen, dass man als Leser fast an seinem Mensch-Sein zweifelt. Ihn umgibt eine wunderbare Personen-Aura, die einfach begeistert.

Scout hat mit kindlichen Ängsten und Jem mit der Pubertät zu kämpfen, ihnen fehlt ihre Mutter, auch wenn der Vater sich liebevoll um sie kümmert.
Das verleiht der Handlung sehr viel Lebendigkeit und echte Authenzität, die feinsinnig beim Leser ankommt. Die Entwicklung der Kinder kann man direkt miterleben und sieht die erzieherischen Erfolge ihres Vaters.

Die Gesellschaftskritik der Autorin wird durch die naive Sicht von Scout überdeutlich gemacht und man liest betroffen den offenen Rassenhass und das daraus resultierende Unrecht. Dieses Buch ist vom Inhalt her immer wieder aktuell, denn Mobbing und Diskriminierung gibt es immer wieder.

Der schön zu lesende Erzählstil ist sehr warmherzig und mit einem feinen Humor, einfühlsam und dennoch spannend zu verfolgen.
Selten bewegte mich ein Buch mehr als dieses und ich werde es immer wieder lesen. Ein Buch über Menschlichkeit und Toleranz, die jeder leben sollte.




                                                        

Samstag, 16. Mai 2015

Engelskalt - Samuel Bjørk

Lasst die Kinder zu mir kommen

 

"Samuel Bjørk" hat mit "Engelskalt" 2013 sein Thrillerdebüt geschrieben. Das Buch erscheint im "Goldmann Verlag".


Norwegen: Kommissar Holger Munch bekommt einen neuen Fall
zugewiesen und scharrt wieder seine alte Mannschaft um sich. Dazu holt er auch seine Ermittlerin Mia Krüger von einer einsam gelegenen Insel, die eigentlich kurz vor dem Selbstmord steht. Doch als sie hört, dass es um getötete sechsjährige Mädchen geht, schiebt sie ihr Vorhaben nach hinten und schliesst sich der Soko an. Dass sie es mit einem Serienmörder zu tun haben, ist Ihrem geschulten Blick sofort klar. Unter Hochdruck wird zu allen Seiten ermittelt, denn das nächste Opfer wird bald gefunden. Welches Motiv steckt hinter diesen grausamen Verbrechen?

 

Samuel Bjørk lässt den Leser mit seinen drastisch dargestellten Szenen und mysteriös anmutenden Einblicken in die Psyche der Handelnden zunächst in ein Durcheinander von Einzelheiten tauchen, das sich erst allmählich etwas lichtet.
Seine Protagonisten werden detailgenau mit ihren Problemen und ihrem persönlichen Umfeld beschrieben und reihen sich in die Riege der verdächtigen und anderen Personen, die problembeladen oder fernab jeglicher Normalität agieren und daher auch schwer einschätzbar sind. Alle werden sehr genau vorgestellt, auch wenn es Zeit und Raum benötigt.
Auch die Ermittlungsarbeit wird ausführlich durchgeführt und erklärt, dazu werden viele Handlungsstränge nebeneinander gelegt, die den Leser zwar verwirren, aber der Handlung gut folgen lassen.

Es wird diversen Spuren selbst mithilfe eines Hackers nachgegangen, die mal im Nichts enden, dann aber wieder Verbindungen zwischen einigen Personen herstellen. Das macht Spaß und festigt den Spannungsbogen. Auch die vielen Szenenwechsel haben zu einer guten Unterhaltung beigetragen. Wenige Dinge allerdings waren vorhersehbar, zu zufällig oder einfach zu übertrieben und daher nicht ausgewogen genug. Das hat die geheimnisvolle Atmosphäre, die Bjørk erst aufgebaut hat, leider wieder etwas zunichte gemacht. Dazu zählt auch die unverhältnismäßige Dichte im Buch an geistesgestörten Menschen.
Das Ende wird ziemlich actionreich präsentiert, findet aber doch die übliche Aufklärung im Gute überleben-Böse sterben-Modus.

Dennoch hat mich dieser Beginn einer neuen Reihe gut unterhalten, die Ermittler sind klischeehaft, wie in skandinavischen Krimis üblich, suchtgefährdet und haben diverse Fähigkeiten, die es noch auszubauen gilt. Diese Entwicklung möchte ich gern weiter verfolgen.

Hervorragend gestaltet finde ich das Cover des Buches. Ein dick aufgestickt wirkender, da geprägter Titel macht sich blutrot auf grauem Grund besonders gruselig deutlich. Da haben sich Werbeleute mal etwas einfallen lassen.  

Dieser Thriller hat durchaus einen gewissen Spannungs- und Unterhaltungswert, er zeigt viele kranke Charaktere und ist mal anders geschrieben als die üblichen Thriller.    

                         

                                         

Seegrund - Klüpfel & Kobr

Japanischer Besuch nicht nur auf Schloss Neuschwanstein

 

Das Autorenduo *Volker Klüpfel und Michael Kobr* haben 2008 mit "Seegrund" ihren dritten Fall um Kommissar Kluftinger geschrieben.  Der Kriminalroman erscheint im *Piper Verlag*.











Kluftingers Sohn besucht mit seiner neuen Freundin Yumiko seine Eltern in der Vorweihnachtszeit. Natürlich soll auch das Schloss Neuschwanstein auf dem Besuchsprogramm stehen. Aufgrund der Fülle von Besuchern entschliessen sie sich, den Alatsee bei Füssen anzusteuern. Doch dort entdecken sie am Ufer einen Taucher in einer riesigen roten Lache. Was wie Blut aussieht, entpuppt sich als eine organische Substanz aus dem Bergsee. Schon ist Kluftinger in einen neuen Fall verwickelt.

Auch in diesem Krimi kommt wieder der typische Klufti zum Zuge und damit die gewohnte humorvolle Unterhaltung. Brummelig wie immer und etwas schrullig geht er in die Weihnachtstage, kauft Geschenke und versucht zu der japanischen Freundin seines Sohnes einfach nur nett zu sein. Das gelingt ihm mal wieder nur bedingt, was ja nicht weiter verwundert. Wie es die Autoren immer wieder schaffen, mit diesem Allgäuer Original Humor und gute Unterhaltung zu Papier zu bringen, bewundere ich in vollem Maße.


Nebenbei gibt es wieder einen spannenden Fall, der Wissenschaftlern Rätsel aufgibt und zu einer Spur in die Nazizeit zurückführt. Wurden hier Schätze auf dem Grund des Sees versenkt? Kluftinger hat eine neue Kollegin aus Füssen an seiner Seite, die mit männlicher Stimme und ordentlich Tatkraft den Fall gut unterstützt. Eigentlich ist sie Klufti ein ebenbürtiger Partner und seine zynischen Bemerkungen ihr gegenüber verwundern kaum, lassen aber den Leser schmunzeln.


Die sprachlichen Fähigkeiten der Autoren kommen nicht nur in den Dialogen und dem regionalen Sprachgegebenheiten zum Tragen, dieses Mal gibt es auch wissenschaftliche Informationen rund um das Forschungsteam und Einschübe in die Zeit der NS. Das die Thematik nicht zu kritisch wird, dafür sorgt schon Kluftingers Alltagsleben und seine Ermittlungen. Sein Ski-Ausflug mit der Familie ist lesenswert und die Erfahrungen beim Sushi kann man sich denken. Ich habe mich wieder gut unterhalten, den Fall neugierig verfolgt und tappte lange Zeit im Dunkeln, welche Schätze denn nur so zu finden sind. 

Dieser Krimi ist einfach ein Knaller. Wer Kluftinger noch nicht gelesen hat, sollte das bald nachholen. Der Fall ist in sich abgeschlossen und bietet beste Unterhaltung mit einer spannenden Krimihandlung.




 

Meine Hälfte von dir - Nancy Salchow

Ein interessanter autobiografischer Roman


Autorin "Nancy Salchow"  verarbeitete in ihrem Buch "Meine Hälfte von dir" ihre autobiografischen Erlebnisse. Das E-book erscheint bei "neobooks".


„Machen Sie ihm noch ein schönes Jahr.“ Mit diesen Worten schicken die Ärzte Nancy Salchow und ihre Familie in die schwerste Zeit ihres Lebens.
Die Verarbeitung der Krebserkrankung ihres Bruders erfolgt im Schreiben dieses Buches und bot der Autorin die Möglichkeit, Erlebtes zu verarbeiten und anderen Menschen Mut zu machen und die Hoffnung aufrecht zu erhalten. 

Dieses Buch hat mich erschüttert, denn ein junger Mann erkrankt an einem unheilbaren Hirntumor, macht einen langen Weg von Operationen, Chemotherapien und Bestrahlungen durch und hat dennoch keine Chance, geheilt zu werden. Seine Familie hält zu ihm und begleitet ihn auf seinem schweren Weg, findet selbst Hoffnung gerade im Verhalten des jungen Mannes und erlebt die gemeinsame Zeit besonders intensiv und nachhaltig.

Dabei kommt neben seiner Zwillingsschwester Nancy auch seine Mutter zu Wort und berichtet aus ihrer Sicht von der Diagnose, den Besuchen, den Wünschen und kleinen Freuden mit ihrem Sohn.

An diesem Buch hat mich die Verarbeitung dieses Schicksalsschlages sehr ergriffen. Nancy Salchow hat zum Schreiben dieses Buches auch die Ermunterung ihres kranken Bruders bekommen und mit jeder weiteren Seite eine bleibende Erinnerung an ihn geschaffen. Ihr liegt daran, dem Leser ihren Bruder vorzustellen und an seinem Beispiel anderen Menschen Mut zu machen, ihre Erkrankung anzunehmen und zu lernen damit umzugehen. Schön finde ich die Kapitel, in denen ihr Bruder ebenfalls zu Wort kommt, man nimmt an diesem Familienleben regelrecht Anteil.

Nancy erkrankt an einer Depression und schreibt sich ihre Sorgen von der Seele. Das hilft ihr und sie möchte damit ihre Seele von der endlosen Leere befreien. Schreiben als Befreiung sozusagen, als ein Gefühl, das sie zufrieden macht.
Trotz all der Traurigkeit ist doch immer wieder Lebensmut und Hoffnung zu spüren. So lernt Nancy ihren Lebensgefährten gerade durch ihre Depression kennen und lebt inzwischen mit ihm sehr glücklich zusammen.

"Es ist ein ständiger Weg, ein ständiger Prozess - aber neben dem Schmerz passt eben auch noch eine Menge anderes in den Rucksack:
Glück, Hoffnung, Zuversicht."
Diese treffenden Worte sind für mich die Kernaussage des Buches.

Mit diesem autobiografischen Buch erlebt man anschaulich die schweren Stationen eines Krebskranken und seiner mitleidenden Familie. Doch der Erfahrungsbericht zeigt auch gelebte Hoffnung und schöne Stunden mit dem Kranken, diese Beispiele sollen trauernden Menschen Mut machen und Kranken Hoffnung geben. Nicht immer bringt man die Kraft auf, ein Buch zu diesem Thema zu lesen, aber wer es liest, wird gestärkt daraus hervor gehen.

                                       

 

Freitag, 15. Mai 2015

 

Der letzte Heuler - Christiane Franke & Cornelia Kuhnert


 Ostfriesisches Trio ermittelt wieder

 

Das Autorenduo Christiane Franke & Cornelia Kuhnert hat seinen zweiten Regionalkrimi geschrieben. "Der letzte Heuler" spielt in Ostfriesland und erscheint im "rororo Verlag".


Rosa lebt als Lehrerin in Neuharlingersiel und hat schon viele Freunde gefunden. Es ist Sommer und sie beginnt mit einem figurverbessernden Laufprogramm. Als sie so über den Deich joggt, entdeckt sie einen Heuler, der eventuell von seiner Mutter verlassen wurde. Sie will Hilfe bei der Tierärztin holen, findet aber statt dessen die Leiche deren Ehemanns.
Er wurde mit einer russischen Waffe erschossen, deshalb glaubt die Kripo Wittmund an einen Täter mit Ostwurzeln. Rosa, Polizist Rudi und Postbote Henner halten das für Blödsinn und nehmen auf ihre spezielle Weise die Ermittlungen auf. Das geht nicht immer korrekt zu, führt aber dennoch zum Ziel. 

Nach dem 1. Band "Krabbenbrot und Seemannstod" geht es schon wieder munter weiter mit dem originellen Dreiergespann: Rosa, Rudi und Henner. Und wieder sorgen sie mit ihren speziellen urigen Charakteren für heitere Unterhaltung mit regionalem Flair. Einzelne plattdeutsche Dialoge zeigen gut verständlich den Stil der typisch ostfriesischen Unterhaltung.

Besonders gut gelingt den Autorinnen in diesem Buch die Schilderung der Natur, die mit Heckenrosenduft , frischer salziger Luft und lauen Sommerabenden lockt und die Beschreibung der örtlichen Köstlichkeiten wie frische Kutterscholle, Bratkartoffeln mit Krabben, Majestopf und Ostfriesentorte. Das macht echt Appetit und verlockt zu einem Kurzurlaub an der Nordsee. 
Auch Rosas Ausflug mit ihrer Schulklasse in die Aufzuchtstation der Seehunde verleiht der Geschichte den entsprechenden Regionalcharakter.

Dieser Krimi macht einfach Spaß, weil die Charaktere überaus humorvoll angelegt sind und auch ihre Ermittlungsmethoden nicht immer normal erscheinen. Rosa ist da eine ganz spezielle Person, die sich gern einmischt, überall dabei sein möchte und sich bei Männerabenden ziemlich aufdringlich einlädt. Doch es kann ihr niemand böse sein und so erfährt sie mit ihrer Neugier doch den einen oder anderen entscheidenden Hinweis zur Lösung des Falles.

Die Handlung wird durch Wendungen und Ermittlungsirrläufer interessant gestaltet und der Leser kann munter mitraten. Nun läuft das natürlich nicht so rasant ab wie in einem amerikanischen Krimi, in Ostfriesland ticken die Uhren halt noch langsam und bedächtig. Aber die gute Unterhaltung ist auf jeden Fall garantiert und erhält schon allein durch die Szenerien von Campingplatz mit Dixiklos, Fischereigenossenschaft und Dorfkneipenidylle einen unnachahmlich friesischen Touch.   

Wer die Nordsee liebt, gern Krimis mit regionalem Bezug liest und eine humorvolle Unterhaltung sucht, ist mit "Der letzte Heuler" gut beraten. Ein Krimi, der wirklich Spaß macht und ein originelles Ermittlertrio besitzt, das richtig süchtig macht auf nachfolgende Bände.

 

                 


   

Dat Leben is kein Trallafitti - Otto Redenkämper 

 

Potthumor vom Feinsten


Das Buch "Dat Leben is kein Trallafitti" von Autor "Otto Redenkämper" hat den Zusatz: Der Fenster-Rentner erklärt die Welt. Es erscheint seit 2014 im "Fischer Taschenbuch Verlag".

Gelsenkirchen-Buer: Tagtäglich besetzt der Rentner Otto Redenkäper seinen Logenplatz am Fenster in der für den Ruhrpott typischen Bekleidung weißer Feinripp und Jogging-Buxe. Von dort kontrolliert er das Leben, meckert und regt sich auf oder greift ein, wenn Not am Mann ist. Seinen Kontrollaugen entgeht nichts - höchstens wenn er mal Pause bei einem Bierchen im nahen Kiosk macht. Nach 40 Jahre Maloche im Bergbau hat er sich das echt verdient. Seine Liebe gehört seiner angetrauten Wilma, leckerem Essen und seinem Fussball-Verein Schalke. Wie hier die Rangfolge aussieht, weiß man nicht so genau. Aber seiner geliebten Wilma gegenüber kann er nichts abschlagen und manchmal sogar richtig romantisch sein.

Otto ist ein Traumtyp, vielleicht nicht gerade äußerlich, schließlich ist er ja auch schon in die Jahre gekommen. Aber er hat das Herz am rechten Fleck und steht für Familie und Freunde immer mit gutem Rat und schneller Tat parat. Als sein Stammkiosk wegen Mieterhöhung geschlossen werden soll, hat Otto auf einmal eine richtig wichtige Aufgabe. Gemeinsam mit Kumpel Erwin geht er das Problem an.  

Dieser Otto ist so gut beschrieben, dass man ihn förmlich neben sich sitzen sieht. Er ist immer in Plauderlaune und erzählt wie er das Leben sieht und das mit echtem Potthumor und meldet schon mal Überfälle noch ehe sie passiert sind. Dabei tritt er auch mal in Fettnäpfchen, zieht sich aber geschmeidig wieder aus der Misere und gesteht auch Fehler ein. 

Er ist einfach ein liebenswürdiges Original mit lockerer Klappe und einer Menge Humor. Als Leser hat man viel zu lachen und kann über Ottos Fehler nur schmunzeln. Meistens lieb gemeint, aber manchmal auch mit echten Folgen. 

Dabei ist besonders die Pottsprache der Clou der ganzen Geschichte. Hier können auch pottferne Bewohner die meisten Begriffe verstehen und der humoristische Funke springt gleich über. Die verschiedenen Kapitel sind thematisch gegliedert, der Schreibstil sehr flüssig und das Buch ist durch seine direkte Sprache witzig und schnell gelesen.  

Auf die Idee mit dieser Geschichte eines Rentners muss man erst mal kommen. Dabei ist die Umsetzung dem Autoren gut gelungen. Er zeigt auch wie der ältere Herr Otto sich die Welt erklärt und an den neuen  Errungenschaften der Technik teilnimmt.  

Dieses Buch hat eine humorvolle Grundstimmung, ein echtes Gelsenkirchener Ruhrpottoriginal und jede Menge Unterhaltung zu bieten. Für Schalke Fans ein Muss, für andere eine lustige Lektüre, die uns eine ganz spezielle deutsche Region näher bringt. Lesespass ist garantiert! Glück auf!

                                  

 

Wenn Ozeane weinen - Ben Bennett

 

  Meerjungfrau rettet Ertrinkenden


Taylors Mutter ist verstorben und sein Vater Edward Teagarden nimmt Claire als neue Haushälterin in seine Dienste auf. Claires Tochter Amber ist ebenfalls wie Taylor 6 Jahre alt soll und freundet sich mit Taylor an.
Die Familie lebt an der amerikanischen Pazifikküste und macht eines Tages einen Ausflug mit dem Boot. Was fröhlich beginnt, endet in einem Unglück, denn Taylor geht über Bord und kann nicht schwimmen. Doch ein Wunder geschieht und er wird von einem Mädchen gerettet, die im Meer lebt. Es ist eine Meerjungfrau!


 



Dieses Buch habe ich aufgrund seiner wunderschönen poetischen Sprache gern gelesen und die Sätze regelrecht genossen.

"Man kann die Liebe nicht einfach pflücken wie eine Blume im Park. Sie ist etwas vollkommen Flüchtiges, Zartes, Zerbrechliches, das unentwegt am Himmel über unseren Köpfen kreist. Ein- oder zweimal im Leben, wenn wir Glück haben, verlangsamt sie ihren Flügelschlag und lässt sich leise  und unbemerkt auf uns herabsinken." Zitat Seite 185 

Die Geschichte wird in einem Zeitraum von über drei Jahrzehnten aus der Perspektive von Amber erzählt. Am Anfang nimmt die Handlung noch recht realistische Züge an, aber dann entwickelt sich daraus eine Liebesgeschichte, die an Märchen erinnert und zu einer Reise auf verschiedene Kontinente  und über drei Weltmeere führt. Es wird mehr und mehr Fiktion und am Ende löst sich alles in einem unglaublichen Ende auf. Man muss sich darauf einlassen, dann gewinnt der Zauber des Erzählstils von Ben Bennett die Oberhand.
Besonders die emotional erzählten Charaktere sind dem Autor gut gelungen. Gemeinsam erlebt man als Leser ihre unglaubliche Reise und hofft auf einen glücklichen Ausgang.
Regelrecht traumhaft mutet die Geschichte an und versucht, auch Überbringer einer Nachricht zu sein: Menschlichkeit immer vor Geltungsdrang und materialistische Interessen zu stellen. Wie das genau im Buch abläuft möchte ich nicht verraten, es wiederholt sich allerdings sogar und macht die Aussage umso eindringlicher.

Mich hat das Buch bis zu diesem Punkt hin überzeugt, was mich aber gestört hat, ist die Tatsache, dass es mit den Träumereien aus der Märchenkiste immer weiter geht. Schicksalshafte Zusammenkünfte gab es einfach zu viele als für die Handlung noch tragbar waren. Weniger wäre hier mehr gewesen.

Dieser Roman erschafft eine enorme Zugkraft durch seine poetische und malerische Sprache. Wenn man sich auf moderne Märchen einlassen möchte, kann ich dieses Buch wärmstens empfehlen. Der zu fiktive Charakter der Handlung hat mich allerdings etwas gestört.