Donnerstag, 30. Juli 2015

Das Hexenmädchen - Max Bentow

Packender Thriller mit einem fesselnden Verwirrspiel um Kindesmissbrauch!

 

Sie will dich backen im Ofen braun wie Brot! 

 

Das Hexenmädchen von Max Bentow ist der 4. Band der Psychothriller-Reihe um den Berliner Kommissar Nils Trojan.
2014 erschien das Buch im Page und Turner Verlag.

Nach einer Panikattacke landet Kommissar Nils Trojan in der Notaufnahme eines Krankenhauses. Von dort wird er zu einem grotesk anmutenden Tatort gerufen: ein männliches Opfer wurde in seinem Backofen auf grausamste Weise hingerichtet. Während die Spurensuche auf Hochtouren läuft, verschwinden zwei 10jährige Mädchen und es geschehen weitere "Backofen-Morde". Gibt es zwischen den Fällen einen Zusammenhang? Die Mädchen hatten beide Angst vor einer Hexe und der Backofen ist Teil des bekannten Grimmschen Märchens. Trojan beißt sich an dieser Vermutung fest, doch hat er damit die richtige Spur gefunden? 


Mit einem rätselhaften Prolog startet der Thriller und lässt den Leser mit einer temporeichen Handlung, kurzen Kapiteln und spektakulären Morden kaum zur Ruhe kommen. Dabei scheint sich das undurchsichtige Dunkel erst allmählich zu lichten, die mysteriöse Hexenfigur spukt ungewiss bis kurz vor dem Ende über der ganzen Geschichte. Das schafft schon eine gruselige Stimmung. Das Halten dieser hohen Grundspannung gelingt Max Bentow in besonderer Weise. Die geschickt eingesetzten Cliffhanger verfehlen ihre Wirkung ebenfalls nicht.

Sein Erzählstil ist Teil dieser außergewöhnlichen Wirkung. Bei jedem Kapitel muss man sich erst wieder fragen, in welchem der vier Handlungsstränge man sich befindet. Opfer-, Täter-, Ermittler- und Zeugenperspektive folgen einander Schlag auf Schlag. Die häufige Neuorientierung lässt den Leser Teil der Ermittlung werden.  

Die Charaktere sind vielseitig, besonders Nils Trojan kommt mit Ecken und Kanten daher. Er ist gerade am Ende seiner nervlichen Kräfte und auch privat hat er einige Probleme mit seiner Tochter zu bewältigen. Seine innere Zerrissenheit, der berufliche Druck und sein Wunsch nach einer dauerhaften Beziehung machen ihn sehr menschlich. Dabei verfolgen ihn seine früheren Fälle gedanklich und seine Panikattacken machen das sehr deutlich. In Rückblenden erzählt er von dem Federmann.

Aber auch die Kinder sind in diesem Buch gut dargestellt. Ihre Gedanken und Sehnsüchte, Wünsche und Alpträume sind kindgerecht dargestellt und gehen richtig unter die Haut.
 
Die Zuwendung zum Thema Missbrauch von Kindern macht aus dem Thriller ein Buch mit einem aktuellem Bezug, der immer wieder entsetzt und wütend macht. Vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb man so gefesselt liest.
Das abstrakte Märchen von Hänsel und Gretel und der Hexe wird im Plot zu einer realistisch angewandten grausamen Handlung eines Serientäters. Der Gedanke ist so erschreckend, schlimmer geht es eigentlich nicht. So muss ein Psychothriller sein.
 
Schockierende Umsetzung eines bekannten Kindermärchens mit Racheakten, Missbrauchsfällen und Kindesentführung spannend in Szene gesetzt. Spannender Lesefluss ist garantiert!



            ***Rezensionsexemplar vom Bloggerportal - Vielen Dank für die   Bereitstellung des Buches!*** 
             
                         
                          
                  

Mittwoch, 29. Juli 2015

Feder im Sturm - Emily Wu

Eine schwere Kindheit im Sturm der Kulturrevolution

 

Im Roman Feder im Sturm erzählt Emily Wu von ihrer Kindheit in China. Das Buch erschien 2009 im Knaur Verlag.

 

Emily Wu ist noch ein Kind, als Maos Kulturrevolution ihre Welt ins Chaos stürzt. Als Tochter eines Professors muss sie Unvorstellbares miterleben: Ihre Familie und auch sie selbst sind immer wieder Repressionen und Demütigungen ausgesetzt. Schikanen, Folter und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung. Doch mit viel Mut und Erfindungsreichtum gelingt es Emily, sich dem Schicksal entgegenzustellen und den täglichen Kampf ums Überleben zu gewinnen.




Diese autobiografische Erzählung einer chinesischen Kindheit, beschreibt die Zeit der "Großen Säuberung" Chinas, bekannter unter dem Begriff Kulturrevolution.

Emily Wu, deren chinesischer Name "Yimao" übersetzt Feder heißt, ist knapp drei Jahre alt, als unter Mao Tse Tung Millionen Menschen in China Not leiden und verhungern. Die benötigten Lebensmittel werden an andere sozialistische Länder verkauft, um mit dem Geld die Kampffähigkeit des Landes auszubauen.

Yimao erlebt mit ihren Eltern und Geschwistern, wie sie von den "Roten Garden" als "schwarze Familie" degradiert werden. Denn ihre Familie hat einen bürgerlichen Hintergrund und wird von nun an von den Kommunisten denunziert, ihrer Güter beraubt, körperlich misshandelt und aufs Tiefste gedemütigt. Die Eltern sind Intellektuelle und ihr Vater hat in Amerika Literatur studierte, damit gilt er als verhasster Spion. Selbst seine eigenen Studenten wenden sich auf einmal gegen ihn. Der Klassenkampf beginnt.

1966 wird die Familie aufs Land verbannt, wo sie unter widrigsten Bedingungen arbeiten müssen und den ungebildeten Bauern ausgesetzt sind. Hier sind Aberglaube und Dummheit perfekte Nährböden für Feindseligkeiten gegen die aufgeklärten Stadtmenschen. Im Namen Maos sind Misshandlungen, Vergewaltigungen und Morde an der Tagesordnung. 

Frauen gelten wenig im revolutionären China, Babys werden getötet und das Land versinkt in einem Alptraum von Gewalt und Leid.

Was in diesem Buch zur Sprache gebracht wird, schockiert, macht betroffen und entsetzt zutiefst. Auch die Autorin Emily Wu brauchte 20 Jahre bis sie ihre schrecklichen Erlebnisse in geschriebene Worte umsetzen konnte.
Sie wanderte 1981 in die USA aus, wo sie Anglistik studierte und Erzählungen publizierte. Sie ist freie Schrifstellerin und lebt mit ihren beiden Kindern in Cupertino, Kalifornien. 


Dieses Buch steht in China noch immer auf dem chinesischen Index. Ein Umdenken ist in vielen chinesischen Köpfen nicht erwünscht.

Dieses unglaublich ergreifende Buch mahnt zur Achtung von Leben und Menschenwürde, denn es zeigt wie solche Werte mit Füssen getreten werden. Eine geschichtliche Annäherung an ein trauriges Kapitel in der Geschichte Chinas. 

                              
                        

Dienstag, 28. Juli 2015

Das große Schweigen - Katja Montejano

Grausame Rache auch an Unschuldigen

 
Der Kriminalroman Das große Schweigen von Katja Montejano ist nach Zerrspiegel bereits das zweite Buch, dass ich von dieser begabten Autorin gelesen habe. Herausgegeben wird es im Emons Verlag.


Bildergebnis für Das große Schweigen Katja MontejanoNachdem ihr Vater, ein Berner Staranwalt, in seiner Kanzlei niedergestochen wird, erhält auch Primrose Bouillé schreckliche Drohungen per SMS. Was erst wie die Tat einer Verrückten aussieht, entwickelt sich bald zu einer Reihe von schrecklichen Mordfällen in Primroses Umfeld. Als ehemalige Kripobeamtin erkennt sie den Ernst der Lage und nimmt den Kampf gegen den gnadenlosen sadistischen Täter auf. Wird es ihr gelingen, die dunklen Geheimnisse ihrer Familie zu lüften und kann sie den Mörder stoppen? 

Dieser Krimi enthält neben dem typischen Rätselraten von Krimis auch viele Thrillerelemente, denn die Tatvorgänge sind echt sadistisch brutal dargestellt. Der Nervenkitzel ist gewaltig und die Heldin begibt sich häufig in Gefahr. 
Die Autorin macht geschickt von verschiedenen Spannungselementen Gebrauch, die den Leser in den Bann ziehen. 

Ihre Charaktere haben innere und äußere Konflikte auszutragen, sie haben alle ihre privaten Sorgen, die sie zusätzlich zur Mordserie belasten. Auch ihre Dialoge und Gedanken lernt man kennen und das macht sie sehr menschlich und authentisch und man fühlt mit ihnen mit.
Protagonistin Primrose ist auch äußerlich eine besondere Erscheinung, sie ist emanzipiert, durchtrainiert und trägt ganz selbstbewusst eine Glatze. Dabei ist sie zur Zeit mit ihrem Leben nicht gerade zufrieden. Sie wünscht sich einen Lebenspartner und eventuell ein Kind. Nach aussen wirkt sie kämpferisch und innerlich ist sie zart wie eine Rose.
Ihre Ex-Kollegen Luc und Oliver dagegen haben Probleme mit ihren Frauen oder den Kindern.

Die Verknüpfung von verschiedenen Handlungssträngen ist gut gelungen, die Zusammenhänge werden im Laufe der Handlung recht klar und sie sind logisch aufeinander aufgebaut. 

Der Schreibstil ist durchgängig flüssig zu lesen, die verwendeten Schweizer Begriffe sind recht verständlich. Die kurzen Kapitel geben der Geschichte zusätzlich Schwung und Tempo.

Als besonders interessant habe ich es empfunden, das hier ein Thema aufgegriffen wird, das zur dunklen Geschichte der Schweiz gehört: es geht um die Maßnahme der Administrativen Versorgung, mit der Minderjährige in Heime oder Gefängnisse abgeschoben wurden.

Wer eher zartbesaitet ist, sollte diesen Thriller lieber nicht lesen, denn es gibt schon blutige Szenen zu lesen, die wirklich entsetzen. Ansonsten haben wir es hier mit einer mitreißenden Geschichte zu tun, die ans Buch fesselt.
Ich vergebe 4 Sterne, weil mir die Probleme der Figuren dann doch zu umfangreich erscheinen und mir das Ende nicht wirklich gefallen hat.

Eine mitreißende Lektüre über ein dunkles Kapitel in der Schweizer Geschichte! Spannung, Action und interessante Protagonisten machen diesen Kriminalroman lesenswert.


                    ***Leserunde von lovelybooks:  Vielen Dank an die Autorin und dem Emons Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

              

Sonntag, 26. Juli 2015

Bei Zugabe Mord! - Tatjana Kruse

Singende Mozartkugel auf der Suche nach dem Mörder


In dem humorvollen Krimi Bei Zugabe Mord lässt Autorin Tatjana Kruse eine Operndiva bei den Salzburger Festspielen ermitteln. 
Das Buch erscheint im Haymon Verlag.

Pauline Miller ist eine weltweit gefeierte Operndiva, die Champagner und Mozartkugeln liebt und je nach Tagesform Größe 48/50 trägt. Das stört sie allerdings wenig und auch die Männer liegen ihr zu Füßen, leider hat aber ihr letzter Liebhaber sie gerade verlassen und nun muss ihr verwöhntes Hündchen Radames sie trösten.
Ihr zur Seite steht ihre kleinwüchsige Managerin Bröcki und Yves, ein Countertenor mit denen sie in Salzburg zu den Festspielen eine luxuriöse Wohnung bezogen hat. Es steht die Aufführung von Mozarts Entführung aus dem Serail an. Leider wird jedoch unter den Mitsängern mehr gestorben als gesungen und Pauline bekommt wie die anderen Sänger eine Morddrohung. Sie macht sich als Erste am Tatort natürlich gleich verdächtig. Wo sie aber schon mal da ist, kann sie auch gleich mit ermitteln. Oder bringt der Mörder sie ebenfalls um?



Gleich mal vorweg: ich habe mich bei diesem Krimi so gut amüsiert wie schon lange nicht mehr und das liegt eindeutig am wunderbaren Erzähstil der Autorin und ihren unsagbar tollen Sprüchen, die sie ihrer Titelheldin Pauline locker in den Mund legt.
Pauline führt den Leser in die Welt der Opersänger ein und macht das in ihrer ganz eigenen trockenen Art. Man erfährt von allgemeinen Allüren des Ensembles, gängigen Klischees der Stimmlagen, von männlich hohen Singstimmen und den nervenden Kostümproben.  


Dabei fallen die Mitwirkenden allesamt durch gediegene Charaktere und spezielle Eigenarten auf. Das ist Unterhaltung pur und der Krimi entwickelt sich erst allmählich. Dann aber packt er richtig zu und die Spannung steigt unaufhaltsam bis zum Ende hin an. Dabei gibt es wirklich grausame Mordmethoden zu entdecken und auch Pauline bleibt deswegen häufig der Appetit weg. Schnell gewinnt aber der humoristische Unterton wieder die Oberhand und der Leser kann bis zum Schluss mitraten, wer denn nun der Bösewicht sein könnte.

Die Besetzung der Krimi-Oper könnte nicht illustrer ausgefallen sein. Besonders gut gefällt mir die sympathische Pauline, die zwar wie eine Walküre aussieht, Wagner Opern aber nicht singen mag. Sie liebt Luxuslabels, Fertigessen als auch Koberind und gelegentlich das Bad in der Menge, um ihr Selbstbewusstsein zu stärken, was sie aber eigentlich gar nicht nötig hat. Auch die Erlebnisse mit ihrem Boston-Terrier sind köstlich mitzuerleben.
Die anderen Mitstreiter sind ebenfalls besondere Typen: es gibt den Frauenverführer, einen unfähigen Kommissar, eine 30jährige jungfräuliche blonde Sopranistin oder ein Homopärchen, das für die Inszenierung und das Bühnenbild und Kostüme verantwortlich ist. 
Dabei erfährt man nicht nur viel über das Leben in der Opernwelt, sondern auch der Ort des Geschehens, Salzburg, rückt in den Mittelpunkt der Betrachtung. Das habe ich richtig genossen.

Wie der Täter mordet und was ihn letztendlich zu seinen Morden antreibt, ist auch ein wenig der Sangeswelt und speziell der zu singenden Mozartoper geschuldet. Da kann man sich wirklich noch zu guter Letzt überraschen lassen und die Handlung nimmt noch einiges an Fahrt zu. 


 
Dieser Krimi ist wie ein Gang auf und hinter die Bühne! Es ist ein ganz wunderbares Leseerlebnis mit viel schrägem Humor, Wortwitz und raffinierten Ideen um einen Mörder und seine Opfer. Das muss man gelesen haben und sollte man nicht verpassen! Eine herrliche Lektüre, bei der man sich mitten in Salzburg wähnt und Tränen lachen kann!

  ***Leserunde von lovelybooks:  Vielen Dank an die Autorin und dem  Haymon Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

                     
                      

Die Minions - Das Hörbuch zum Film

Gelbe Tic Tacs im Ohr


Das Original-Hörbuch zum Film Die Minions von Autorin Sadie Chesterfield   wird gelesen von Oliver Rohrbeck (deutsche Stimme von Ben Stiller). Herausgeber der 2 CDs ist der Hörverlag.

Auf dieses Hörbuch war ich sehr gespannt: schliesslich gibt es zur Zeit einen wahren Hype um die kleinen gelben Dinger namens Minions! 


Infos zum Hörspiel:
• Gelesen von Oliver Rohrbeck
• Ab 5 Jahren
• 2 Audio-CDs 

• Laufzeit: 106 Minuten
• ISBN: 978-3-8445-1975-4
• Preis in D € 8,99

Kurz zur Handlung:
Die Minions sind so alt wie die Welt selbst, aus Einzellern (Amöben) haben sie sich zu ihrer heutigen Form entwickelt. Sie sind klein und gelb, reden in einem Mix aus den Weltsprachen und sind stets auf der Suche nach Bösen, denen sie dienen können. Sie brauchen einen Anführer in großer Gestalt und so dienten sie schon einem Dinosaurier, einem ägyptischen Pharao und selbst Graf Dracula.
Wieder macht sich ein Suchtrupp auf, um einen neuen Meister zu finden.
Bob, Stuart und Kevin kommen nach New York und erleben dort einige Abenteuer. Ihre neue Meisterin Scarlett Overkill lernen sie auf einer Schurkenkonferenz kennen. Nun sollen die kleinen Minions die Krone der englischen Queen aus dem Tower von London stehlen sollen.
Natürlich läuft nicht alles nach Plan! Doch so sind die Minions!


Mit knapp 2 Stunden ist es ein kurzes Hörvergnügen, der Film wird inhaltlich gut wiedergegeben. Das ist natürlich schwierig, denn die Bilder machen auf Kinder sicher großen Eindruck und auch die piepsigen Stimmen sorgen für beste Unterhaltung und Spaß.
Im Hörbuch gelingt es dem Sprecher Oliver Rohrbeck gut zu unterhalten. Seine ruhige schöne Stimme schafft eine unaufgeregte Grundstimmung und die verschiedenen Charaktere kommen gut zum Ausdruck. Da macht das Zuhören Spaß und Kinder erleben die Abenteuer, die sie vielleicht aus dem Film kennen und lieben noch einmal.


Die kleinen Helden kommen recht mutig daher, glänzen aber nicht durch großartige Dialoge, sie kommunizieren auf einfachster Ebene mit 3-Wort-Sätzen. Man versteht gerade mal die Namen!
Ihr neustes Abenteuer führt sie nach New York, wo sie unbeabsichtigt in einen Bankeinbruch mit verwickelt werden.
Diese kriminelle Energie wird Kindern sicher kaum richtig bewusst, denn schnell wird dieses Ereignis abgehakt und es geht weiter im Programm.
Auch den Namen der erwähnten Janis Joplin werden Kinder kaum kennen, ist die Dame doch schon 1970 verstorben und höchstens ihren Großeltern noch ein Begriff.
Schließlich rauben sie mit unschlagbaren Waffen wie einst James Bond ausgestattet die Kronjuwelen aus dem Tower, landen im Kerker und werden für eine Weile sogar König. Das sind Abenteuer, die Kinder sicherlich begeistern. 

Die Minions - das Hörbuch zum Film ist toll gelesen, hat eine solide Handlung und stellt meiner Meinung nach aber eher eine Erweiterung des Films als ein eigenständiges Werk dar. Denn die bunten Comicfiguren und quäkigen Stimmen machen den wahren Reiz der Minions aus, die auch ein wunderbarer Sprecher wie Oliver Rohrbeck nicht ausgleichen kann.
Aufgrund des Hörerlebnisses bin ich leider kein Minion-Fan geworden und ich kann die Aufregung nicht nachvollziehen. Ich bin aber auch keine 5-10 Jahre mehr!

                          
             ***Rezensionsexemplar vom Bloggerportal - Vielen Dank für die Bereitstellung des Buches!***   

                     

Freitag, 24. Juli 2015

Bärenklau: ein Hundekrimi von Ralf Waiblinger

Ralf Waiblinger schrieb nach Hasenpfeffer seinen zweiten Hundekrimi um Spekulantius Bösenschreck mit dem Titel Bärenklau. Die Tiersatire erscheint 2015 im Gmeiner Verlag.

Eine unterhaltsame tierische Krimisatire mit Humor, Wortwitz und einigen Morden!
 

 
Ex-Kommissar Bösenschreck musste aus kriminellen Gründen seinen Dienst bei der Kriminalpolizei aufgeben und hat es durch die Heirat mit Barbarella Piepenbringts zu einem ruhigen Leben in Wohlstand und Muße gebracht. 
Der Diebstahl des Familiengeheimnisses seiner Eltern in Form eines Backbuches weckt aber seinen Hundeinstinkt und sein Jagdtrieb erwacht zu neuem Leben. Leider erfolgt sein Handeln nicht mehr offiziell im Dienst der Polizei und das macht ihn ebenfalls zum Gejagten.  


 
 
Wie auch sein erstes Buch Hasenpfeffer illustriert Ralf Waiblinger diesen Krimi mit eindrucksvollen Zeichnungen und verleiht seinen Büchern damit eine ganz besondere Note. Seine einzigartig gezeichneten Figuren leben förmlich und tragen deutliche Merkmale ihrer Charaktere und Gefühle. Das gibt ihnen schon menschliche Züge und schon ist die Satire perfekt. Nun können Berufsgruppen und Personen in Tiergestalt ungestraft Schwächen haben und durch den Kakao gezogen werden.
Es gibt ein einleitendes Tier-/Personenregister, welches ebenfalls mit Abbildungen versehen ist und sich als Wegweiser durch den Dschungel im Reich der Tiere anbietet.
Bärenklau geht gleich spannend los und eine raffinierte Krimihandlung lässt den Leser munter miträtseln wer denn nun der Täter sein könnte. Dabei gibt es einige unerwartete Wendungen und allerhand witzige Sprüche und Szenen, die gut unterhalten und einfach nur Spaß machen. Die Figuren agieren häufig genau so wie man es von ihren Tierinstinkten und Angewohnheiten her erwartet.
Waiblingers Schreibstil ist flott und unterhaltsam, denn er vermag es geschickt, anzügliche Namen zu erfinden bzw. tierische Eigenschaften so in Szene zu setzen, dass die Tiere vor dem Auge des Betrachters zu leben beginnen. Da suhlt sich das Schwein, ein stadtbekannter Zuhälter, da trabt Mähne schüttelnd das Pferd heran und die Hyäne geht genüsslich sabbernd ihrer Arbeit als Pathologe nach. So wird den Charakteren Leben eingehaucht und besondere Merkmale ihrer Tiergattung kommen gut zur Geltung.
Dabei gefällt mir vor allen Dingen die Mimik und eindeutige Körpersprache der dargestellten Tierfiguren, aber auch die Anspielungen auf die reale menschliche Welt im Medium Fernsehen oder Arbeitsalltag sind witzig gemacht. Dieser subtile Humor begeistert und läßt schmunzeln!

Ich hatte viel Spaß mit der tierischen Bande und dabei durchaus vergleichbare Menschen vor Augen. Das ist es was ich an dieser Satire so liebe! 
Danke Ralf Waiblinger!

Dieser originelle Krimi ist etwas ganz Besonderes! Ausdrucksvolle Tierzeichnungen untermalen geschickt die Handlung und machen die verschiedenen Emotionen sichtbar. Diese Gabe ist ein Geschenk, welches Ralf Waiblinger dem Leser macht. Man muss nur zugreifen und lesen!
Volle 5 Sterne für diesen gelungenen wortwitzigen Tierkrimi!

       
      ***Leserunde von lovelybooks:  Vielen Dank an den Autor und dem  Gmeiner Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

                     
                      

Dienstag, 21. Juli 2015

Eine Geschichte von Land und Meer-Katy Simpson Smith

Die Suche nach dem Glück

 

Katy Simpson Smith schrieb mit Eine Geschichte von Land und Meer ihren Debütroman. Das Buch erschien 2014 im Insel Verlag. 


 
North Carolina um 1800:
Als der Plantagenbesitzer Asa Vater seiner Tochter Helen wird, stirbt seine Frau bei der Geburt.
Helen wächst behütet heran, wird stark und unabhängig, engagiert sich bei der Alphabetisierung der Sklaven der Plantage und kümmert sich später um die Verwaltung des Anwesens. Heiraten liegt ihr fern. Dann taucht John auf, ein mittelloser Soldat und Helen verliebt sich in ihn. Aber Asa hält John nicht für standesgemäß. 
Helen geht mit John auf ein Schiff und findet dort ihr Glück.  




Diesen Roman habe ich gern gelesen, denn Katy Simpson Smith erzählt diese Geschichte sehr lebensnah und anschaulich. Dabei findet sie deutliche und bildreiche Worte und trifft die Situation genau. 
Das Leben in dieser Zeit wird sehr deutlich, dabei liegt über allem eine fast melancholische bedrückte Grundstimmung, die den Leser mitnimmt auf eine Reise in die Vergangenheit als die Rolle der Frau noch unemanzipiert und für den Haushalt und die Kindererziehung vorgesehen war.

Das Hauptaugenmerk dieser Geschichte ist auf die Suche der Protagonisten nach ihrem persönlichen Glück und ihrer Erfüllung gelegt. Dabei spielen Liebe, Gemeinschaft und Glaube die wichtigsten Rollen.   


Die Stellung der Sklaven, ihre willkürlich eingesetzte Arbeitskraft und die widrigen Lebensbedingungen sind im Roman allgegenwärtig. Was aber am meisten entsetzt, ist die Tatsache, dass die Sklavinnen gegen ihren Willen verheiratet werden, um genügend weitere Leibeigene zu gewinnen.

Die Figuren hat man als Leser spürbar vor Augen und man ist versucht, sie auf den richtigen Weg mit Menschlichkeit und Fürsorge zu bringen. Aber leider verharren die Protagonisten in ihrer gewohnten Fahrrinne und bleiben sich gegenseitig distanziert. Einzig John wagt mit Davy einen Schritt in ein sklavenfreies Leben. Das er dabei Davys Muttergefühle stark verletzt, scheint auch ihn nicht zu interessieren.


Dieser Roman hat viele Ansätze, die mir gut gefallen, aber in der Umsetzung fehlte mir in der Liebesgeschichte die Leidenschaft, bei den Vaterrollen die echten Gefühle und bei der Sklaverei die deutliche Anprangerung.
Dennoch ein lesenswertes Buch einer Autorin, die sicher noch von sich hören lassen wird. 


    ***Rezensionsexemplar von lovelybooks - Vielen Dank für die      Bereitstellung des Buches!***   

                      
                  

Montag, 20. Juli 2015

Ismaels Orangen - Claire Hajaj

Nur die Liebe lässt Frieden zu

 

Die Autorin Claire Hajaj thematisiert in ihrem Roman Ismaels Orangen den Nahostkonflikt. Das Buch erscheint 2015 im Blanvalet Verlag. 

 

Jaffa im Britischen Mandatsgebiet Palästina, 1948:
Der siebenjährige Salim Al-Ismaeli lebt auf einer Orangenbaumplantage und hat eine unbeschwerte Kindheit. Erst der Einmarsch jüdischer Truppen vertreibt die Familie von ihrem Besitz. Sie fliehen nach Nazareth zu Salims Verwandtschaft.
Sein eigener Orangenbaum wird von nun ab Salims Traumbild seiner Heimat. 
Er studiert in London und lernt dort Jude (Judit) kennen, die Jüdin ist und deren Großeltern Holocaust-Vertriebene sind.






Eine Liebesgeschichte zwischen einer Jüdin und einem Palästinenser bringt uns die Autorin Claire Hajaj hier nahe und erzählt dabei auch ein Stück weit ihre eigene Geschichte.
Jude und Salim verlieben sich in England, beide sehnen sich nach einem normalen und glücklichen Leben. Kulturelle Unterschiede wollen sie nicht zulassen, stellen ihre Liebe über alles. Sie halten gegen familiäre Anfechtungen und Widerstände zusammen und bekommen Zwillinge. Doch die Idylle hat nicht lange Bestand. Durch berufliche Hindernisse und das Auftauchen von Salims radikalem Bruder, der die PLO unterstützt, kommt es langsam schwelend zum Bruch. Salim verliert sich mehr und mehr in seinen Selbstzweifeln, seiner Wut und seinen Träumen und merkt nicht, wie er sich von seiner Familie immer weiter distanziert. Er erwartet von seinen Kindern die Hingabe zu ihrer arabischen Herkunft und von seiner Frau die Aufgabe ihres Glaubens. Der Orangenbaum ist für Salim symbolträchtig und steht für sein Stück Heimat, das er schützen und bewahren will. Das erlittene Unrecht frisst an seiner Seele. Er versucht, das Haus und Land seiner Vorfahren von den Israelis mit gerichtlichen Schritten zurück zu gewinnen.

Jude ist eine willensstarke Person, die sich voll und ganz auf ihren Mann und  Kinder einlässt und ihnen den Zugang zu beiden Kulturen ermöglichen will. Ihre Liebe ist ihre Macht gegen Salims Zerrissenheit, wird sie damit Erfolg haben.

Mit einem hervorragenden Schreibstil führt die Autorin durch die Geschichte und zeigt die Konflikte der fanatischen Seiten der jüdischen und der arabischen Kultur auf. Aber sie gibt auch Hoffnung mit ihrer wunderschön erzählten Liebesgeschichte, die einen gefangen nimmt. 

Ismaels Orangen hat mich sehr bewegt. Dieser Roman zeigt eine junge Liebe, die sich durch ihre familiäre Prägung auf verschiedene Herkunft selbst den Weg verbaut. Jeder ist gefangen in seiner Kultur, die er von Kindesbeinen an kennt und lebt. Auch wenn ein Partner tolerant ist, und den Schutz der Kinder vor Augen hat, so kann die Liebe nicht weiter bestehen, wenn der andere von Zweifeln, Hass und Wunschdenken erfüllt ist. Was wird aus den Kindern, die zwischen den Fronten sitzen und für welche Kultur sollen sie sich entscheiden. In der heutigen Zeit eine allgegenwärtige Situation, die nicht einfach ist. 

Die Schilderung des Lebens in Palästina / Israel und die geschichtliche Entwicklung in dieser Region bestimmt die Handlung in großem Maße. Die Sicht auf die Vertreibung, die Gewalt und der gegenseitige Hass wird durch einen Blick auf einzelne Schicksale gut erklärt und dem Leser die Problematik dieser Gegend deutlich bewusst gemacht. 



Doch die Hoffnung auf Frieden macht sich in den Herzen breit. Nur die Liebe der Menschen untereinander kann ein Machtwort gegen Konflikte und Kriege sprechen.
 

                  
              ***Rezensionsexemplar vom Bloggerportal - Vielen Dank für die      Bereitstellung des Buches!***   


                                  

 

Samstag, 18. Juli 2015

Die Unsichtbaren - Roy Jacobsen

Dieser wunderbare Roman des erfolgreichen norwegischen Schriftstellers Roy Jacobsen unter dem Originaltitel "De usynlige" erschien im März 2014 im Osburg Verlag als gebundenes Buch. Nun brachte es der Insel Verlag im Juli 2014 als Taschenbuchausgabe heraus. Meine Rezension dazu möchte ich dazu bei dieser Gelegenheit vorstellen.

 

Vom Leben auf einer Insel Norwegens: Paradies der Natur oder Hölle der Naturgewalten! 


*Niemand kann eine Insel verlassen, eine Insel ist ein Kosmos im Taschenformat, wo die Sterne im Gras unter dem Schnee schlafen. Aber es kommt vor, dass jemand es versucht. Und an einem solchen Tag weht ein sanfter Ostwind. Hans Barrøy hat Segel gesetzt...*
Zitat S.22 



Hoch im Norden Norwegens liegt Barrøy, eine kleine abgelegene Insel. Hier lebt die Familie Barrøy in der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts ein hartes und karges Leben als Fischer und Milchbauern. Sie stechen Torf, bauen Kartoffeln an und trocknen Kabeljau und anderen Fisch für den langen Winter.
Ingrid, die Tochter wächst in der rauen und einsamen Umgebung auf. Nach ihrer Konfirmation geht sie als Hausmädchen zu einer Familie aufs Festland.
Doch diese Familie zerbricht und die Eltern lassen Ingrid mit den beiden Kindern allein. Daraufhin geht Ingrid zurück nach Barrøy und nimmt die Kinder mit.


 

Dieser Roman lebt hauptsächlich von atemberaubenden Beschreibungen der Landschaft, den schrulligen Charakteren und einer unverwechselbaren Sprache mit einzigartigem Ausdruck.

Sprachgewaltig und einfühlsam wird man auf die norwegische Insel geführt und sieht die karge Schönheit der Natur, das Meer im Wechsel der Jahreszeiten und man erlebt das einfache Leben.
Die Menschen dieser Familie sind arm, aber zufrieden. Ein starker Zusammenhalt und die Mitarbeit aller lässt sie in dieser Einöde ihre Ruhe finden und auch überleben.
Die Charakter sind vielschichtig dargestellt. Alle Personen reden in einer wortkargen und rudimentären Sprache. Ihre Sinne sind für andere überlebenswichtige Dinge hier im Norden geschärft. Sie verstehen das Wetter zu deuten, wissen wo sie Möweneier und Eiderdaunen sammeln können, wie man Fischnetze knüpft, Boote baut, Fische fängt, sie ausnimmt und trocknet und Torf als Brennmaterial sticht.
Nur durch harte Arbeit und eisernen Durchhaltewillen wird der Fortschritt auf der Insel vorangetrieben. Der Bau eines Kais ermöglicht dann auch, dass Boote vom Festland regelmäßig anlegen können.

Die Protagonistin Ingrid "übernimmt" zwei Kinder und führt sie ganz selbstverständlich ihrer eigenen Familie zu. Sie wird ihnen eine Mutter.
Nicht ganz selbstverständlich in dieser Zeit, denn Kinder bedeuten zusätzliche Mitesser in diesen armen Haushalten.


Literarisch gut verpackt werden dem Leser beeindruckende Erfahrungen über das Leben und Überleben im kalten Norden Norwegens dargelegt.
Für mich ist das eine ganz anrührende und einzigartige Geschichte, die mir Einblicke in ein Leben in der Natur und in eine andere Zeitepoche verschafft.
Ein absolut empfehlenswertes Buch für Buchfreunde mit Anspruch auf neue Inhalte und Sprachformen.



 

Donnerstag, 16. Juli 2015

Extinction - Kazuaki Takano


Der Thriller Extinction des japanischen Drehbuchautors Kazuaki Takano wurde ein internationaler Bestseller. Die deutsche Ausgabe erscheint beim Verlag C. Bertelsmann.

Ein Thriller mit anspruchsvollem Tiefgang durch wissenschaftliche Themen, ethische Gedanken, politische Ziele und viel Action!


"Irgendwo auf der Welt gab es immer einen Konflikt zwischen Völkern.
Die Grausamkeiten waren nur auszurotten, indem man den Menschen ausrottete und alles Weitere der nächsten Evolutionsstufe überließ." Zitat S. 268



ExtinctionDer Söldner Jonathan Yeager nimmt aus Geldnöten einen Auftrag der amerikanischen Regierung im Kongo an. Gemeinsam mit drei weiteren Männern soll er eine weltweite Epidemie verhindern, die in einem Pygmäenvolk ausgebrochen sein soll. Dieses Volk gilt es gewaltsam auszurotten.
Arthur Rubens ist der Leiter von Yeagers Autrag von Washington aus. Er weiß von einem Kind der Pygmäen, das durch eine genetische Veränderung intelligenzmäßig hoch entwickelt ist und die Menschheit zu bedrohen scheint.
In Japan verstirbt Kento Kagas Vater, der ihm eine mysteriöse Nachricht hinterlassen hat. Der Pharmakologiestudent Kento soll ein Medikament gegen eine tödliche Lungenkrankheit entwickeln. Das Schicksal der Kranken macht ihn betroffen und er stürzt sich in die Arbeit, nicht ahnend, dass der CIA ihm schon auf den Fersen ist.  

Dieser Thriller ist eine bunte Mischung von Polit- und Wissenschaftsthriller, dessen Geschichte sich auf drei Kontinente erstreckt.  
In drei Handlungssträngen führt Takano die verschiedenen Personen und ihre Zielvorgaben ein, baut die Inhalte geschickt weiter aus und führt sie letztendlich zu einer sie verbindenden Aktion zusammen. Dabei wirken die fiktiven Personen sehr authentisch und man kann sich gut in ihre Gedanken und Zielvorstellungen hineinversetzen.

Die Handlung ist fesselnd und wirkt durch die vielen eingebauten Themen sehr tiefgründig und anspruchsvoll. Der Leser wird mit vielschichtigen Themen nicht nur gut unterhalten, sondern auch geistig gefordert.

Durch sein erzählerisches Talent gelingt es Takano geschickt, folgende aktuelle Bereiche im Thriller anzusiedeln und zu einer komplexen Geschichte zu verknüpfen: es geht um ethische Fragen, wissenschaftliche Prozesse zur Herstellung eines Medikaments, politische Einflussnahme und die Vormachtstellung der Amerikaner, Datenüberwachung durch CIA, Informationen zur Evolution und am Beispiel Afrikas die Frage nach dem Sinn von Kriegen. Die menschliche Spezies hält sich für die Krone der Schöpfung, die selbst vor dem Einsatz von Kindersoldaten nicht abschreckt.
Erschreckend sind in diesem Thriller die vielen brutalen Kampfhandlungen, die sich allerdings nahe an der Wirklichkeit orientieren. Gerade die Brutalität der von Kindern ausgeführten Kriegseinsätze machen fassungslos und betroffen. Dieses Buch ist daher eine eindringliche Mahnung zu Frieden und Toleranz auf der Welt. 

Die dargestellten Abläufe der pharmazeutischen Biotechnologie sind für Laien nur schwer nachvollziehbar und recht speziell. Davon sollte man sich allerdings nicht abschrecken lassen. Denn die generelle Handlung ist durchweg spannend gestaltet und gipfelt in einem actionreichen Schluss. Hier zeigt sich Takanos berufliche Erfahrung aus Hollywood in Oscar-verdächtiger Art und Weise.

Dieser Thriller schreit regelrecht danach, verfilmt zu werden. 

 

       ***Rezensionsexemplar vom Bloggerportal - Vielen Dank für die     Bereitstellung des Buches!***      

    
                

Mittwoch, 15. Juli 2015

Treuetat - Elke Pistor

Vielschichtig, gut geschrieben und spannend umgesetzter Krimi!

Der Kriminalroman Treuetat von Autorin Elke Pistor ist der 2. Band der Krimiserie um Kommissarin Verena Irlenbusch. Das Buch erscheint 2015 im Ullstein Verlag.

 

Die Ermittler Verena Irlenbusch und Christoph Todt haben sich als Team zusammen gerauft, als Leonie Ritte wieder ihren Dienst bei der Kripo nach einer unfallbedingten Pause antritt. Vom Schreibtisch aus unterstützt sie das KK11 für ungeklärte Todesfälle. 
Ein Journalist stirbt bei einem Unfall, doch zuvor bekam er Morddrohungen. Was steckt dahinter? Kaum beginnen die Ermittlungen, geschehen weitere Todesfälle an einer Fusspflegerin und einer Bibliothekarin. Die Frauen sind unbescholten, die Spurensuche ist schwierig. Doch auch das Privatleben der Ermittler ist im Moment nicht einfach. Christoph hat nach dem Selbstmord seiner Frau psychologische Hilfe nötig, um die Erziehung seiner Tochter Emma allein zu bewältigen. Verenas Oma Ruth ist an Alzheimer erkrankt und muss in eine Kurzzeitpflege gebracht werden. Alte Fotos zeigen Verenas Opa in einer Wehrmachtsuniform. Von einer Nazivergangenheit war nie die Rede!
In den Ermittlungen geht es ebenfalls in die Vergangenheit und die hat leider auch ihre Auswirkungen auf die Gegenwart. Eine spannende Suche nach der Wahrheit beginnt. 


Elke Pistor startet den Krimi ganz fulminant mit einem fesselnden Prolog über ein kleines Mädchen, die einen dreifachen Mord mitansehen muss.
Dieses Kind meldet sich in der Handlung immer mal wieder zu Wort und als Leser ist man tief betroffen ob der grausamen Gewalt. Doch wie hängt diese 
Geschichte mit der Krimihandlung zusammen?
Der nächste Handlungsstrang beschreibt einen tödlichen Unfall eines Journalisten, der auf eine lukrative Erfolgsstory hoffte.
Die weiteren Fälle sind brutale Morde, die aber nicht sehr blutig geschildert werden. Hier übt die Autorin Zurückhaltung und lässt die psychologischen Hintergründe in den Vordergrund treten. 

Das merkt man auch am Privatleben der Ermittler. Sie haben alle in ihrem Leben gerade eine schwere Zeit mit Sorgen und Belastungen zu bestehen. 
Einfühlsam werden ihre Probleme beschrieben und man kommt ihnen als Leser dadurch nahe.
Ein anschaulich klarer Erzählstil führt durch den gesamten Krimi, bei dem die Spannung auch durch die Vielfalt an Themen nicht leidet. Der schwierige Umgang mit der an Alzheimer erkrankten Ruth, das alleinige Sorgerecht des verwitweten Kommissars, die Nazivergangenheit von Verenas Opa und Leonies Kampf gegen körperliche Einschränkungen machen diesen Krimi interessant und unterhaltsam.
Die Aufklärung der Taten ist gut nachzuvollziehen, die Gründe für die Morde sind mit gesundem Menschenverstand recht speziell. 



Wer gern spannende Krimis mit hohem Unterhaltungswert liest und Einblicke in die deutsche Geschichte nicht scheut, ist mit Treuetat gut bedient. Dieses Buch steht trotz der Krimireihe auch als eigenständiges Werk da.


         ***Leseexemplar von vorablesen: Vielen Dank an den Ullstein Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

                       

Montag, 13. Juli 2015

Impressionen aus Portugal

Reisefreuden


Im Juni war ich im Urlaub in Portugal. Da mir dieses Land sehr gut gefallen hat und ich viel Schönes gesehen und erlebt habe, möchte ich einen kleinen Fotobericht hier hinterlassen.


 
Am 25. April 1974 löste die sogenannte Nelkenrevolution die Diktatur ab. 
Seitdem gilt die rote Nelke als Freiheitssymbol und hier wurde sie auf eine Wand gemalt.                                                                                  
                        Strandidylle in Costa de Caparica am Atlantik.







 









      

           
                                                             Gambas in Knoblauch-Öl

 

       Strasse 25 de Abril





        Marktstand mit Azulejos, das sind die für Portugal typischen Kacheln.  

                                                           
                                       

                                        




 


 Pastéis de Nata    












Hier endet mein kleiner Eindruck und ich hoffe, es hat euch gefallen.
Liebe Grüße von sommerlese!

Sonntag, 12. Juli 2015

Der dunkle Fluss - Chigozie Obioma

Der Nigerianer Chigozie Obioma schrieb mit Der dunkle Fluss sein Romandebüt. Das Buch erscheint als deutsche Übersetzung im Aufbau Verlag. 

 

Chigozie Obioma, 1986 in Nigeria geboren, studierte Englisch, Literatur und Kreatives Schreiben auf Zypern und an der University of Michigan.

 

Mythos und Wahrheit sind hier eng miteinander verwoben.   


Benjamin und seine vier Brüder leben in der Nähe eines gefährlichen Flusses, des Omi-Ala in Nigeria. 
Als ihr Vater in der Ferne Arbeit annimmt, die Familie nur alle paar Wochen besuchen kann, verstoßen sie gegen sein Verbot, sich dem Gewässer zu nähern. Die Fische, die sie dort fangen, sind Vorboten einer tragischen Entwicklung.



 

 

 

 

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas, versucht nach Jahren der Militärdiktatur die Demokratie und wirtschaftliche Entwicklung voranzubringen. Reiche Erdölvorkommen können aufgrund von Korruption
nicht zur Armutsbekämpfung dienen. Es gibt ethnische Konflikte durch viele verschiedene Religionen, auch Aberglauben ist noch sehr verbreitet. In Nigeria werden über 500 verschiedene Sprachen und Idiome gesprochen.  

 

In diesem Roman übernimmt Benjamin, 9 Jahre alt, die Rolle des Erzählers. Seinem Interesse für Tiere ist es zu verdanken, dass er Personen und Ereignissen Tiere zuordnet, die charaktermäßig und situationsgemäß gut passen. Python-Bruder, Falknerin-Mutter und Heuschrecken als Vorboten einer Sturmkatastrophe, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Dadurch gewinnt die Geschichte den Eindruck einer Fabel und die bildhafte Schreibweise des Autors unterstützt diesen Charakter noch zusätzlich.

Man verfolgt interessiert diese sehr afrikanisch anmutende Handlung mit und versucht die Zustände in diesem archaisch geprägten Land zu verstehen. Es wird deutlich, wie sehr der Vater seine Familie fortschrittlich nach westlichen Grundsätzen voranbringen möchte. Die Söhne sollen eine gute Ausbildung bekommen und studieren. Doch als der Vater beruflich wegziehen muss, verliert sich nach und nach sein positiver Einfluss auf seine Söhne. Die Mutter ist zwar bemüht, die Söhne gut zu erziehen, kann sich aber gegen die Heranwachsenden nicht durchsetzen.


Äußere Einflüsse bewirken ein Auseinanderbrechen der brüderlichen Liebe und des Vertrauens untereinander. Im Sinne der Dorfbewohner wird schließlich von den Brüdern verrückten Prophezeiungen mehr geglaubt als den eigenen Geschwistern. Sicherlich ein nachvollziehbarer Akt im abergläubigen Nigeria, wo Voodoo vom Volk der Yoruba religiös praktiziert wird. Auch wenn sich das nicht mit der Erziehungsweise und Ansicht des Vaters zu decken scheint.

Hier zeigen sich die großen Unterschiede zwischen westlicher Anschauung und Lebensphilosophie und dem afrikanischem Verständnis.
So kommt es in dieser Familie zum Auseinanderbrechen, eine dramatische Tragödie entwickelt sich, der man tief bewegt und teilweise verständnislos folgt.
Der Wunsch des Vaters nach Bildung und einem guten Leben für seine Familie wird sich nicht bewahrheiten. Die Tragödie nimmt seinen Lauf.

Dieses berührende Buch bringt dem Leser sehr eindringlich Afrika und seine archaischen Denkweisen näher. Betroffen liest man von diesen Schicksalen und hat einiges zu verarbeiten und durchdenken.
Mit bildhafter Dramatik und einer Menge Emotionen hat der Autor seinen Roman geschrieben und zeigt uns eine fremde Welt.