Samstag, 31. Oktober 2015

Sakrileg von Dan Brown

Genialer Thriller von Dan Brown

Sakrileg - Der Da Vinci Code ist der 2. Band nach "Illuminati" um Robert Langdon von Bestsellerautor Dan Brown. Der Thriller erschien 2006 im Bastei Lübbe Verlag.

Robert Langdon, Symbolologe aus Harvard, erhält in Paris einen merk- würdigen Anruf: Der Chefkurator des Louvre wurde vor dem Gemälde der Mona Lisa ermordet aufgefunden. Langdon begibt sich zum Tatort und erkennt schon bald, dass der Tote durch eine Reihe von versteckten Hinweisen auf die Werke Leonardo da Vincis aufmerksam machen wollte - Hinweise, die seinen gewaltsamen Tod erklären und auf eine finstere Verschwörung deuten. Bei seiner Suche nach den Hintergründen der Tat wird Langdon von Sophie Neveu unterstützt, einer Kryptologin der Pariser Polizei und Enkeltochter des ermordeten Kurators. Eine aufregende Jagd beginnt ... 


In diesem Thriller geht es um die Legende des heiligen Grals und um Werke von Leonardo da Vinci. Dabei bedient sich Dan Brown wahrer Fakten, aber auch fiktiven Teilen, um eine fesselnde Handlung zu beschreiben.

Der Protagonist Robert Langdon wird als Wissenschaftler zum Tatort gerufen, er soll seinen Sachverstand zu dem vorliegenden Fall beitragen. Doch schnell gerät er in die Rolle des Hauptverdächtigen und flieht mit Sophie. Natürlich wird er von der Polizei und von Geheimbünden verfolgt und muss sich mehrfach unter Einsatz seines Lebens befreien. Nur wenn er den wahren Mörder findet, ist er seine Häscher los und gilt als unschuldig.



Mir hat der Erzählstil wieder sehr gut gefallen, man taucht tief ein in die religiösen Hintergründe, erkennt begeistert das Genie Leonardo da Vincis und erlebt atemlos die Verfolgungsjagden mit.

Für seine gründliche geschichtliche Recherche ist der Autor bekannt und hat auch in diesem Buch wieder alles richtig gemacht. Mit fundiertem Wissen geht es aufschlussreich um religiöse Themen, wie das Leben Jesus und Maria Magdalenas und deren Nachfahren und z. B. um Opus Dei, eine  ultrakonservative Sekte der katholischen Kirche. 



Mit überraschenden Wendungen und wilden Verfolgungsjagden sorgt der Autor für spannendste Szenen, man möchte das Buch kaum aus der Hand legen.


Dieser geniale Bestseller vereint Informationen um religiöse und künstlerische Themen mit einer actionreichen unterhaltsamen Thrillerhandlung und fesselt ungemein. Für Dan Brown Fans sowieso ein Muss.   



Freitag, 30. Oktober 2015

Malin und das weiße Rentier von Ingrid Zellner

Eine märchenhafte Reise für Eltern und Kinder

 

Ingrid Zellner schrieb die Erzählung Malin und das weiße Rentier und entführt damit Erwachsene und Kinder in den Norden Skandinaviens. Das Büchlein erscheint im Magic Buchverlag.

Hoch im Norden Skandinaviens begegnet das Mädchen Malin in einer sternklaren Winternacht dem weißen sprechenden Rentier Dálvi. Malin trauert um ihre verstorbene Großmutter und die Freundschaft mit Dálvi  spendet ihr Trost und Zuversicht. Das Rentier erzählt über das Leben, die Natur mit den verschiedenen Jahreszeiten, das nordische Polarlicht und auch über Elfen und Trolle.
Es ist eine zauberhafte Fantasiereise, die voller Wahrheit steckt und interessante Themen erklärt.  



Diese Erzählung schafft eine wunderbare Atmosphäre, sie wirkt fast schon märchenhaft.  Diese Traumreise ist für Eltern und Kinder gleichermaßen schön zu erleben und zu geniessen.

Wenn sich Mensch und Tier unterhalten können, dann nur im Traum oder im Märchen. So geht es in dieser Geschichte Malin, die das weiße sprechende Rentier Dálvi trifft und sich mit ihm anfreundet. Diese Freundschaft gibt Malin Mut und Zuversicht in der Trauer um ihre Großmutter. Mit ihr verbindet sie schöne Erlebnisse und Dálvi gelingt es, sie daran zu erinnern und die Gedanken weiterhin zu bewahren. Im Innern leben die Gedanken an Verstorbene weiter. Diese Hoffnung wird sehr schön deutlich gemacht.

Doch die Freundschaft führt noch weiter: Dálvi erklärt Malin in einer lebensbejahenden Weise die Welt, die Natur und die Besonderheiten der nordischen Tundra aus Sicht der Sámi, die mit ihren Rentierherden umherzogen.

Die beiden Freunde erleben die wunderbare Vorstellung eines Polarlichtes und diese seltsame Erscheinung wird kindgerecht vom Rentier erklärt. Auch die gemeinsame Verbindung aller Lebewesen und Geschöpfe auf der Erde und ihre Seelenverwandtschaft wird deutlich gemacht. Selbst dem Regen, dunklen Wolken und Mückenschwärmen werden positive Aspekte abgewonnen und das gibt der Geschichte einen beruhigenden Effekt. Der Leser erlebt eine innere Zufriedenheit, man merkt, man ist nicht allein auf der Erde und diese Zuversicht strahlt in farbenfroh erzählten Bildern wieder.

Ingrid Zellner ist es gelungen, den Leser auf eine zauberhafte Reise mitzunehmen, die Optimismus aufzeigt und neugierig macht auf die Legenden der Sámi, aber auch auf das Leben an sich. Dazu gehören auch Tod und Trauer, aber diese werden überwunden, indem man die Verstorbenen sich im Innern bewahrt und sie so bei sich trägt.

Der Schreibstil ist bildhaft und ruhig und zeigt häufig Dialogform, dadurch fühlt sich der Leser eingebunden, fast schon angesprochen. Man sollte diese Geschichte mit seinen Kindern gemeinsam lesen, denn dann kann man selbst Erklärungen abgeben und sie den Kindern verdeutlichen. Mir fällt es schwer, hier eine Altersangabe zu geben. Es hängt sicherlich sehr vom Kind ab, inwieweit es sich auf diese Themen einstellen kann.
 
Mir hat diese Geschichte richtig gut getan! Ich fühlte mich mitgenommen in den eisigkalten dunklen Winter, erlebte das fröhliche Mittsommerfest und die herbstliche Farbenpracht mit und sah vor meinem inneren Auge ein einzigartiges Polarlicht aufleuchten.   
Ein Buch für Kinder und für Erwachsene, zum Vorlesen und zum in ferne Länder reisen. Es ist wie ein Märchen und beschäftigt sich dennoch mit Trauer, Leben und Tod. Eine schöne Geschichte! 

 
  ***Rezensionsexemplar von lovelybooks
                               Vielen Dank an die Autorin für das Buch!***

 

Mein Gewinn

Im September nahm ich bei Was liest du? an einem Gewinnspiel teil. Das Thema lautete: Falsch zugeordnete Zitate

Dazu sollte man Sprüche und geflügelte Worte fremden Sprechern in den Mund legen.  


Hier mal ein paar Beispiele:

"In der Dunkelheit des Lebens sieht man seine besten Freunde." -  Graf von Krolock aus Tanz der Vampire

"Besser eine schiefe Nase als gar keine."  -  Pinocchio

"Der Appetit kommt beim Essen." -  Tim Mälzer

 Passt wie die Faust auf`s Auge - Max Schmeling

Das hat wirklich Spaß gemacht und schliesslich habe ich auch noch gewonnen!
Im Oktober kam dann ein Päckchen an. Zum einen ist der tolle Zitate-Kalender dabei und dann noch zwei Überraschungen in Buchform. Die letzten Tage von Rabbit Hayes, ein ganz tolles Buch, welches ich aber leider schon gelesen habe und ein interessant klingender Jugendfantasyroman Nacht ohne Sterne, auf den ich schon sehr gespannt bin.

Ich bedanke mich bei Was liest du? für diesen tollen Gewinn und die gelungene Überraschung.



Herbstimpression

Der Herbst ist eine meiner liebsten Jahreszeiten! 

Überall leuchten die letzten Blüten durch das Grün und das bunte Laub der Bäume und die glänzenden Früchte der Kastanien sind immer noch für mich ein verlockender Anblick!

 

Ich hole mir immer ein wenig Herbst ins Zimmer. 




Hokkaidokürbisse sehen nicht nur toll aus, sie schmecken auch super lecker. Meistens koche ich sie mit Ingwer und Chilis zu einer schmackhaften, wärmenden scharfen Suppe.

 

 

Was mögt ihr denn so am liebsten am Herbst? 

 

Liebe Grüße, Eure sommerlese!

Donnerstag, 29. Oktober 2015

Die Eifelgräfin von Petra Schier

Macht, Intrigen und die Pest im Mittelalter

 

Petra Schier schrieb ihren historischen Roman Die Eifelgräfin 2009, das Buch erscheint im rororo Verlag.

1147 teilen sich drei Männer im Heiligen Land ein Beutestück und schwören sich ewige Verbundenheit und Treue. 
200 Jahre später wird Elisabeth von Küneburg auf die Eifelburg Kempenich in die Obhut des befreundeten dortigen Grafen gegeben. Ihr Vater befürchtet eine Familienfehde auf seiner eigenen Burg. Sein Stiefbruder stellt Ansprüche auf den Besitz und den Grafentitel.
Elisabeths Magd Luzia, Tochter eines freien Bauern, begleitet sie dorthin. Überrascht stellen sie fest, daß sie beide ein Teil eines alten Amulett s besitzen. Zwischen den beiden Frauen entwickelt sich eine Freundschaft. Doch dann hält die Pest Einzug und eine schwere Zeit beginnt. 
 


In diesem Roman wird das Burgfräulein Elisabeth von Küneburg in den Mittelpunkt gestellt. Dadurch lernt man die für die adlige Frau damals übliche Ausbildung kennen, wozu gutes Benehmen, Lesen und Schreiben und natürlich Sticken gehören. Man erkennt die totale Abhängigkeit der jungen Frau von ihrer Familie oder ihrem zukünftigen Gemahl. Elisabeth ist allerdings eine etwas sture Person, die jedoch nicht durch Standesdünkel auffällt, sondern dem Personal respektvoll gegenüber tritt und sogar ihrer Magd Luzia Schreiben beibringt.
 
Petra Schier zeigt in ihrem sehr bildhaften Erzählstil eine bunte Beschreibung des damaligen Lebens auf einer Burg. Ich fühlte mich wie in ein Mittelalterspektakel versetzt, so deutlich sah ich die Gaukler, Bewohner und das Gesinde vor mir. Auch die Örtlichkeiten kann man sich gut vorstellen und bekommt einen umfassenden Eindruck des Lebensalltags präsentiert.
 
Die Handlung ist gut recherchiert, sie kommt erst langsam in Gang, zieht dann aber gewaltig an und endet in einem sehr spannenden Ende.
Auch der Ausbruch der Pest ist sehr eindrucksvoll dargestellt, die Krankheit wütet und hinterlässt viele Tote und Chaos unter den Menschen. Die Ängste und die Hilflosigkeit der Menschen sind eindringlich beschrieben, sie berühren mich und zeigen die schwierige Situation der Bevölkerung zur damaligen Zeit klar auf.
   
Zu den historischen Darstellungen baut die Autorin eine mystische Note ein, das Amulett soll außergewöhnliche Kräfte besitzen. Das mag aus heutiger Sicht merkwürdig wirken, aber damals glaubten die Menschen an die Wirkung von heiligen Reliquien und auch heute werden diese in Kirchen verehrt.
Die obligatorische Liebesgeschichte, die zunächst aussichtslos erscheint und die bösen Widersacher machen diesen Roman zu einer runden Sache.  
 
 
Ein schöner historischer Roman, der auch schon mit den Fortsetzungsbänden Die Gewürzhändlerin und Die Bastardtochter von der Autorin weiter geführt wurde. Diese Reihe sorgt für gute Unterhaltung und versetzt in eine andere Zeit. Wirklich empfehlenswert! 


 
 

Der Pestreiter von Deana Zinßmeister

Interessanter Mix aus deutscher Geschichte, dem Kampf gegen die Pest, Hexenverfolgung und einer großen Liebe

Der schwarze Tod geht um 

 

Der zweite Teil der Pesttrilogie von Deana Zinßmeister ist Der Pestreiter. Der historische Roman erscheint im Goldmann Verlag.

Trier 1652: Auch vier Jahre nach dem Dreißigjährigen Krieg kommen die Menschen in Kurtrier nicht zur Ruhe. Der Pestreiter verbreitet Angst und Schrecken, angeblich bringt er die Pest zurück.
Um die Krankheit zu bekämpfen, versuchen mutige Männer wie der Heiler Bendicht und sein Neffe Urs ein Heilmittel zu finden und dazu begeben sich inmitten der Infizierten.
Auch Karl Kaspar von der Leyen, Kurfürst und Erzbischof möchte, dass seine durch den Krieg und Hungersnöte stark dezimierte Einwohnerschaft nicht auch noch durch die Pest dahingerafft wird. 




Dieser Roman zeigt das Leben und Arbeiten der einfachen Leute, dafür stehen die Protagonistin Susanna und ihr Freund Urs mit seiner Familie. Aber auch die Interessen der Adligen und des Klerus werden anschaulich gezeigt. So ist es dem Kurfürsten ein besonderes Anliegen, die Pestkranken von den Gesunden zu trennen, um eine Ausbreitung der Seuche zu verhindern. Aber auch die Beschaffung einer bedeutenden Reliquie soll Gläubige von fern anziehen und damit den Wert Kurtriers attraktiver machen.

Deana Zinßmeister gelingt es sehr eindrucksvoll, die Schrecken und Probleme der damaligen Zeit einzufangen. Zu den einfachen Lebensverhältnissen machten den Menschen unheilbare Krankheiten wie die Pest zu schaffen und auch unter der Hexenverfolgung litten unbescholtene Bürger, die von neidischen Nachbarn denunziert wurden. Hier gab es keine objektiven Prozesse, oft wurde unter Folter ein Geständnis erpresst.

Im Mittelpunkt steht die Liebesgeschichte von Susanna und Urs, die unter einigen Widerständen zu leiden hat. Wie sie schliesslich zusammenfinden, macht den eigentlichen Reiz aus.

Mir hat nicht so gut gefallen, wie die Figur der Susanna als einfache Frau über finanzielle Mittel verfügte, die es ihr ermöglichten, eine eigene Wohnung zu nehmen. Das war damals sicherlich alles andere als normal. Auch wirkt Susanna auf mich schon recht emanzipiert und das passt nicht so gut zu einer Frau im Mittelalter.

Die Geschichte baut sich auf der Grundlage mehrerer Handlungsstränge auf, die man erst allmählich genau zuordnen kann. Von wem gerade die Rede ist, wird häufig erst im Konsens der Handlung klar. 
Dennoch hat mir die Geschichte gefallen und besonders die Mischung aus Aberglauben, herrschenden Denkweisen und der Angst vor dem schwarzen Tod verleihen dem Roman eine authentische Tragweite, die die Schwierigkeiten der damaligen Zeit gut aufzeigen.

Die Schauplätze muss ich extra erwähnen, so sind die Gebäudebeschreibungen, Marktplätze und besonders die Flüsterkirchen, in denen Pestkranke beichten durften, informativ und anschaulich in den Roman eingebaut.

Sprachlich kann man dem Roman gut folgen, es gibt viele, manchmal zu umfangreiche Dialoge, die die Verbindungen der Figuren genauer erklären und auch zu der Geschichte passen. Man bekommt aber dadurch ein besseres Verständnis für die Belange der Personen. Dazu dient auch das umfangreiche Nachwort der Autorin, in dem sie reale Personen erklärt und Bezug nimmt auf die Schwierigkeiten der Zeit in Trier.


Wer sich auf diesen Roman einlässt, erlebt unterhaltsame, aber auch informative Lesestunden, die die Schrecken der Pest deutlich vor Augen führt, mit einer Liebesgeschichte einen Schuss Romantik in das Geschehen bringt und den Leser mitten ins 17. jahrhundert katapultiert.


 

Mittwoch, 28. Oktober 2015

Dickes Fell von Moritz Matthies

Und schon wieder haben mich Erdmännchen & Co mit ihrem Charme gefangen genommen!

 

Dickes Fell ist mittlerweile der 4. Erdmännchen-Krimi von Moritz Matthies. Das "fabel-hafte" Buch erscheint 2015 im Fischer/Scherz Verlag.

Es ist Frühling im Berliner Zoo und die Tiere geniessen die ersten Sonnenstrahlen in ihren Außengehegen. Natürlich kommen auch die Hormone wieder in Wallung und so geht es im Erdmännchenbau hoch her.  Ray entdeckt voller Freude seinen Freund, den Privatdetektiv Phil Mahlow am Gehege, der allerdings aufgrund einer ernsthaften Verletzung krankenhausreif zusammenbricht. Ray und Rufus wollen aufklären, welches Verbrechen dahinter steckt. Dieses Mal gibt es tatkräftige Hilfe von anderen Zoobewohnern und gemeinsam bestehen sie ein weiteres Abenteuer.  



Dieses Buch habe ich mit Begeisterung gelesen, doch dann fiel mir auf, dass ich den 3. Band ausgelassen habe. Doch da die Bücher jeweils eine in sich abgeschlossene Handlung besitzen, war dieses Versehen völlig problemlos und ohne Verständnisschwierigkeiten. Ich hatte großen Spaß mit der Lektüre und freue mich schon jetzt auf ein weiteres Abenteuer, das am Ende des Buches mit einer Leseprobe für einen Erscheinungstermin im Februar 2016 beworben wird.

Wie immer gibt der Autor mit seinem unnachahmlichen Wortwitz jedem Tier eine eigene Stimme, die an Humor und unterhaltsamen Dialogen kaum zu übertreffen ist. Ich war von Anfang an in die Geschichte abgetaucht und sah die Szenen immer bildhaft vor mir. Dabei sind in "Dickes Fell" auch mal andere Zoobewohner involviert, die mit ihren Fähigkeiten den Fall zur Aufklärung bringen.
Kong, der Gorillaboss hat mir mit seinen sehr menschlichen Fähigkeiten und Gefühlsregungen sehr imponiert. Die Zootiere halten zusammen, ergreifen auch für menschliche Leben tatkrätig Partei und ziehen sich dann nach getaner Arbeit in ihre sichere Behausung im Zoo zurück. Dort fühlen sie sich heimisch und bilden eine kunterbunte Familie aus verschiedenen Spezies und mit unterschiedlichen Begabungen und Eigenarten.

Die Handlung dreht sich außer dem menschlichen Entführungsfall von Phils Freundin Mo und ihrer Tochter auch um die Probleme im Erdmännchenclan. Hier bringt der Frühling die Tiere in Paarungsbereitschaft und das sorgt besonders bei Clan-Chef Rocky für Eheprobleme. Er muss sich mit seinem Weibchen Roxane einer Paartherapie unterziehen, die sein Bruder Rufus mit Intelligenz und tatkräftigem Einsatz durchführt. Dabei kommt es zu allerlei Missverständnissen und auch Rufus erliegt seinen tierischen Trieben.

Wie der Autor immer wieder in die Rolle der Erdmännchen schlüpft und ihre Sicht auf die menschliche Welt erklärt, ist wirklich grandios. Zum Beispiel warum sich Menschen Zebrafelle hinhängen, fragt sich Ray. Er schmückt seine Schlafhöhle doch auch nicht mit Menschenhaut.  



Wer gern in eine "Fabel-hafte" Handlung des Berliner Zoos eintauchen möchte und die Welt mit Tieraugen betrachten will, der sei auf dieses Buch verwiesen. Mit viel Witz und frechem Charme begeistern sie und unterhalten aufs Beste.  



Dienstag, 27. Oktober 2015

Siddharta von Hermann Hesse

Ein ganz beeindruckendes philosophisches Werk

Lebensgeschichte eines Suchenden

 

Hermann Hesse begab sich mit seinem indisch angehauchten Werk Siddharta 1922 auf eine Suche nach dem inneren Frieden des Menschen. Meine Ausgabe stammt von 1974 und erscheint im Suhrkamp Verlag.


Siddharta, ein junger Mann aus Indien, macht sich mit seinem Freund Govinda auf, um Erkenntnis über das Leben zu erlangen. Sie besuchen die asketisch lebenden Samanas, doch diese Lebensform bringt sie nicht weiter.
Sie treffen auf Gautama Buddha, den Erhabenen und Govinda wird ein überzeugter Jünger Buddhas, während Siddharta keine Erfüllung in dessen Lehre findet.

Auch ein ausschweifend geführtes weltliches Leben bringt ihn seinem Ziel nicht näher. Liebeskunst, Geld und Macht erfüllen Siddharta nicht. Es macht ihn leer und lebensmüde. Erst am Ufer eines Flusses beim Fährmann Vasudeva lernt er den ewigen Wandel des Lebens begreifen, der ihm zeigt, wie aus Vielfalt erst eine gesamte Einheit entsteht.   


 Vor vielen Jahren habe ich dieses Buch erstmalig gelesen und war sofort fasziniert von dieser schönen Sprache und dem hohen inhaltlichen Anspruch. Doch erst mit höherem Alter vermag ich das Gelesene aus Hesses Sicht zu verstehen.
Dieses Büchlein ist zwar nur gut über 100 Seiten stark, aber der Inhalt hat es in sich. Der Text wirkt so leichtfertig und schön dahingeschrieben, obwohl der Sinn tiefgründig und nachhaltig wirkt. Man muss sich Zeit nehmen und den Sinn sich entfalten lassen, dann kommt die Botschaft auch im eigenen Inneren an.

Es ist eine unglaubliche Kraft und Freude, die das Buch zu geben vermag. Man wird nachdenklich und vergleicht Erfahrungen des eigenen Lebens mit der Geschichte Siddhartas. Erst wenn man selbst etwas Bestimmtes erfahren hat, kann man verstehen und dann erst richtig glauben.


Siddharta ist eines der schönsten tiefsinnigsten Bücher, das den Leser mitnimmt auf eine Reise zu sich selbst. Nicht durch religiöse Lehren erkennt man den Sinn und die eigene Zufriedenheit im Lebens, sondern das Annehmen des Gegebenen und die eigene geistig erlebte Erfahrung gibt inneren Frieden und macht ein erfülltes Leben aus.

 

Ein Buch, dass sich mit fernöstlichen Kultur und Religion beschäftigt und geeignet ist für Menschen, die im Umbruch sind und dem Rätsel des Lebens auf die Spur kommen wollen. Aber auch wunderbare Lektüre nur so zum Geniessen, Erfahren und Erfreuen unbedingt zu empfehlen.

 

Montag, 26. Oktober 2015

Die Madonna von Saronno von Marina Fiorato

Wunderbar erzählter Roman über die Malerei und die Kirche in Italien im 16. Jahrhundert


Marina Fiorato ist als historische Autorin bekannt, ihr Roman Die Madonna von Saronno aus dem Jahr 2009 erscheint im rororo Verlag

Saronno, 1525: Simonetta di Saronno lebt mit ihrem Mann Lorenzo ein unbeschwerliches glückliches Leben in ihrem wunderschönen Castello inmitten eines Mandelhains. Ihr Mann muss in den Krieg ziehen und wird dort getötet. Nun steht Simonetta trauernd da und steht finanziell vor dem Nichts, denn ihr Mann hat sein Vermögen für den Krieg ausgegeben. Sie nimmt Kontakt auf zu einem jüdischen Geldverleiher.
 
Der Künstler Bernardino Luini, ein Schüler da Vincis, flieht aufgrund eines unehrenhaften Verhältnisses aus Florenz nach Saronno. Als er die Kirche von Saronno aufsucht, in der er Fresken anbringen soll, sieht er die betende Witwe Simonetta und verliebt sich in sie. Gegen Bezahlung willigt Simonetta ein, für den Künstler Modell für ein Madonnenbild zu sitzen. Langsam entwickelt sich zwischen den beiden eine heimliche Liebe.



Marina Fiorato gelingt es in ihrem Roman, das Zeitgeschehen in der Lombardei angemessen zu beschreiben und bringt das sehr bildhaft mit ihrer Sprache zum Ausdruck. Dabei geht es in dem Buch nicht nur um eine Liebesgeschichte, sondern auch um das Judentum und die damals herrschenden Sittenvorstellungen. Die Kirchenoberen leiden an religiöser Verblendung, ihre Gier und persönliche Interessen führen zu Judenhass, den sie offen auf den Kanzel predigen. Aber auch Frauen werden zu Opfern unter den strengen Massstäben der Kirchenherren. 

Mit leisen Tönen und wunderbar angelegten Charakteren schafft die Autorin hier den Spagat zwischen lebhafter und spannender Handlung und einfühlsamer Liebesgeschichte, ohne ins Kitschige abzugleiten. Es werden hier viele Themen angeschnitten, wie die Malerei und die Person Leonardo da Vinci, die Beschreibung der Fresken Bernadinos und auch die Entstehung des bekannten Mandellikörs Amaretto geben dem Roman einen vielschichtigen Anstrich. 



Ein wunderbar vielschichtiger Roman aus der Lombardei, der mit einer gelungenen Handlung die Zeitreise ins 16. Jahrhundert dokumentiert. Unterhaltsam und spannend geschrieben!


 

 

Sonntag, 25. Oktober 2015

Die Stunde der Liebenden von Lucy Foley

Liebesroman, in der Familienhintergründe aufgedeckt werden! Sprachlich wunderschön, aber mir kam die Story nicht nahe!


Lucy Foley schrieb mit dem Liebesroman Die Stunde der Liebenden ihr Debüt. Das Buch erscheint 2015 im Insel Verlag.

1928 treffen sich in England Alice, Tochter aus gutem Hause, und der künstlerisch talentierte Tom nach Jahren wieder. Sie kennen sich schon seit ihrer Kindheit und verlieben sich ineinander. Doch die Familien setzen alles daran, um die Beziehung zu verhindern.
1986 fällt der jungen Fotografin Kate eine Federzeichnung in die Hände, auf der eine Frau dargestellt ist, die ihrer inzwischen verstorbenen Mutter zum Verwechseln ähnlich sieht. Die Zeichnung wurde 1928 vom mittlerweile bekannten Maler Thomas Stafford angefertigt. 
Kate macht sich auf, das Geheimnis dieses Bildes herauszufinden und damit auch Einblicke in ihre Familie zu gelangen. Sie stösst auf eine Liebesgeschichte, die ihr Mut macht, selbst um ihr Glück zu kämpfen. 


In diesem Liebesroman zeigt sich wunderbar das schriftstellerische Talent der jungen Autorin. Ihr gelingt es, Gefühle ohne kitschigen Beigeschmack zu erzählen und sie zeigt wie Sehnsucht, Freiheit und der Wunsch nach Veränderung durch das Überschreiten konventioneller Schranken die Menschen schon früher bewegt haben. Gleichzeitig beschreibt sie aber auch die Courage, die Menschen abverlangt wird, die in ihrer bestehenden Situation aushalten und nicht davon rennen. 

Auf eine interessante Sichtweise wird im Buch wird aus verschiedenen Perspektiven berichtet: 1986 von Kate, die durch eine Zeichnung auf die ihr bis dahin unbekannte Großmutter stösst;  aus Thomas Staffords Sicht, der ein erfolgreicher Künstler wurde, auf Korsika lebt und Alice lebenslang liebte, aber nichts von ihrem gemeinsamen Kind wusste; und von Alice und dem Verlauf ihres Lebens, 1928 beginnend.  


Dabei entwickelt die Geschichte eine emotionale Reise durch die Gefühlswelt der Menschen und zeigt neben Liebesgefühlen auch Abschied von Menschen, Konflikte und Zukunftsängste deutlich auf. Kriegserlebnisse werden hier zur Sprache gebracht und haben die Menschen manchmal grundlegend verändert. Diese Beschreibungen gelingen Lucy Foley sehr gefühlvoll und intensiv. 

Mich haben die vielen Perspektivsprünge und der Wechsel der Erzählzeit von Präsens für die alten Vorgänge von 1928 zur Perfektform für die Geschichte von Kate etwas gestört und auch verwirrt. Das hätte meiner Meinung nach in der umgekehrten Zeitformwahl besser und verständlicher gewirkt. So musste ich mich immer wieder vergewissern, von welcher Generation gerade die Rede ist. Das hat meinen Lesefluss unterbrochen und ich kam nie so richtig tief in die Geschichte hinein.  

Dabei sind die Figuren wirklich gut dargestellt und man erfährt viel über die verschiedenen Charaktere und ihre Lebenswege. Gerade Kate und ihre Liebe zu Oliver geht mir sehr nahe, ähnelt diese Liebe doch sehr der ihrer Großmutter und auch die Probleme stellen sich ähnlich dar. 

Einblicke in die Kunstszene hätte ich mir noch mehr gewünscht, diese Thematik wird nicht tief genug aufgegriffen, sondern sie dient nur als Hintergrund. Insgesamt gesehen hatte das Buch einige Längen, die mich nicht so in das Buch hineinziehen konnten. Die Schicksale haben mich berührt, aber nicht richtig tief bewegt. 


Wer gerne Liebesgeschichten und Familiengeheimnisse liest, dem möchte ich diesen romantischen Roman mit seiner einfühlsamen Sprache und den verschiedenen Schicksalen ans Herz legen.

    ***Rezensionsexemplar von vorablesen - 
                               Vielen Dank für das Leseexemplar!***

 

Freitag, 23. Oktober 2015

Das Haus der Harmonie von Barbara Wood

Eine spannende Familiensaga um die chinesische Familie Lee entwickelt sich fast zum Krimi!


In ihrem Das Haus der Harmonie beschreibt Barbara Wood die Familiensaga der chinesischen Familie Lee. Das Buch erscheint im Fischer Verlag.

Charlotte Lee erbt von ihrer Großmutter das Pharmazieunternehmen Harmony Biotec in San Francisco. Die Firma stellt heilpflanzliche Medizin nach alter chinesischer Tradition her. Als eines der Produkte für den Tod dreier Frauen verantwortlich ist, deuten die Indizien auf Charlotte als Täterin hin. Doch der Saboteur geht noch weiter, er trachtet Charlotte nach dem Leben. Wer steckt hinter dieser Aktion? Charlotte findet die Lösung in der Familienvergangenheit in Singapur. Dort lebte ihre Urgroßmutter und langsam erfährt Charlotte bei ihrer Recherche auch etwas über ihr eigenes Leben.


Barbara Wood versteht es wunderbar, eine Familiengeschichte so bildhaft darzustellen, das man ihr als Leser verfällt. Ihr Erzählstil ist brillant und die Handlung wohldurchdacht. Der Wechsel von Gegenwart und Vergangenheit sorgt für fesselnde Unterhaltung und führt in die Geschichte der chinesischen Familie Anfang des 20. Jahrhunderts ein.
Es wird dargestellt, mit welchen Problemen eine Chinesin in Amerika zu kämpfen hatte. Als Arbeitskräfte genutzt, als Menschen diskriminiert und später im zweiten Weltkrieg durch die japanische Bombardierung Pearl Harbours als Asiaten gehasst.

Dieser Roman verbindet Familiengeschichte mit Liebesgeschichte und Krimiaufklärung. Er gibt darüberhinaus auch Einblicke in die chinesische Kultur und informiert über die Nutzung traditioneller chinesischer Medizin und Heilmittel. Diese Vielschichtigkeit macht Barbara Woods Romane zu Bestsellern und zu einem echten Lesevergnügen. 

Diese Familiensaga finde ich sehr unterhaltsam und nur da ich schon noch bessere Barbara Wood Bücher gelesen habe, vergebe ich für dieses Buch lediglich 4 Sterne.  



 

Die Falle von Melanie Raabe

Wann klappt die Falle zu?

Was für ein mitreißendes Thrillerdebüt! Diese Autorin sollte man sich merken! 

 

Debütautorin Melanie Raabe schrieb den spannenden psychologischen Thriller Die Falle. Das Buch erscheint 2015 als Hardcover im btb Verlag.


Linda Conrads ist eine erfolgreiche Romanautorin, die seit mehr als 10 Jahren ihr Haus am Starnberger See nicht mehr verlassen hat. Ihre einzige Gesellschaft sind ihr Hund Bukowski, ihr Verleger und ihre persönliche Assistentin Charlotte. Ansonsten lebt sie zurückgezogen, schreibt ihre Bücher und ist nur durch Telefon, Internet und Fernsehen mit der Außenwelt verbunden. Der Grund für ihren Rückzug ist die schreckliche Erinnerung an die Ermordung ihrer Schwester Anna. Sie wurde von Linda in ihrem Blut liegend gefunden und der flüchtende Mörder konnte von Linda erkannt werden. Seitdem verfolgt sie sein Gesicht in ihren Alpträumen. Als sie ihn im Fernsehen erkennt, wagt sie ihm eine Falle zu stellen und schreibt einen Krimi über den wahren Fall.  


Die Handlung ist unblutig, dafür aber mit psychologischem Thrill gespickt und die Story entwickelt ganz allmählich einen fesselnden Sog, da man immer mehr in Wendungen und Irrungen gerät und nun nicht mehr einschätzen kann, wie denn die Tat nun wirklich abgelaufen ist.

Anfangs erkennt man die psychisch instabile Linda und lernt ihre Ängste kennen, die sie seit dem grausamen unaufgeklärten Mord ihrer Schwester plagen. Ganz allmählich entwickelt Linda eine Falle, die sie perfekt ausplant und sich darauf mit psychologischer Beratung vorbereitet. Als sie endlich dem vermeintlichen Mörder gegenübersteht, entwickelt sich das Gespräch anders als geplant. Ihre Psyche wankt, sie wird unsicher und der angebliche Mörder wirkt unschuldig. Wer ist nun hier Täter und wer das Opfer? Von diesem Moment beginnt sich der Spannungssog zu entwickeln.

Besonders die Idee mit dem Buch im Buch, ihrem Krimi "Blutsschwestern", den Linda Conrads über den erlebten Fall schreibt, ist sehr gut in den Roman eingebunden. Hier erlebt man den tragischen Tod ihrer Schwester indirekt noch einmal mit. 

Melanie Raabe schreibt in einer klaren Sprache, die durch Wortwiederholungen auffällt und eindringlich nachwirkt. Die Sätze sind manchmal etwas abgehackt, das passt aber zur Handlung und baut Spannung auf. 

Dieses Buch spielt geschickt mit Intrigen und Täuschungen, enthält überraschende Wendungen und gipfelt in einem spannenden Finale, das zwar nicht sonderlich überrascht, aber doch unter nervlicher Anspannung vom Leser miterlebt wird.

Die Falle hat mich gepackt, zum einen mit der gelungenen Erzählperspektive und zum anderen mit der genauen psychologischen Betrachtung der Personen. Wie hier der Leser bezüglich der Sichtweise des Täters getäuscht wird, ist schon toll gemacht und für ein Debüt absolut gelungen.    






Donnerstag, 22. Oktober 2015

Die Nacht der Zugvögel von Franziska Fischer

Poetisch beschrieben, wie junge Menschen ihren Lebensweg gehen und sich verändern wollen.

Leben wie die Zugvögel 

 

Der Roman Die Nacht der Zugvögel von Autorin Franziska Fischer erscheint 2015 im Droemer Knaur Verlag.

Es ist nur eine Nacht, die Viola und Leo miteinander teilen. Sie braucht ein Dach über dem Kopf und landet in seiner WG. Am nächsten Morgen zieht sie weiter, doch die Begegnung wirkt langsam nach. Sie fängt an, Leo Briefe zu schreiben. Darin erklärt sie, dass sie seit acht Jahren nicht mehr bei ihrer Familie war und nun zur Beerdigung ihrer Schwester nach Hause fährt. Sie schickt ihre Worte an Leos Adresse. Aber die Briefe erreichen ihn nicht. Auch er hat eine Reise angetreten. Leo schreibt ebenfalls. Es scheinen zwei Zugvögel zu sein, die ihren Weg im Leben suchen.  

Wir lernen Viola und Leo kennen, beide sind Ende 20 und sie begegnen sich zufällig, verlieren sich nach einer Nacht wieder aus den Augen. Wir begleiten sie ein Stück ihres jeweiligen Lebensweges. Sie besuchen nach langer Zeit ihre Eltern, es gibt Wiedersehen mit alten Freunden und wir erleben ihren jeweiligen Roadtrip mit.   




Dabei lassen uns besonders Leo und Viola an ihrer Gedankenwelt teilhaben. Ihre Träume und Pläne werden genau gezeichnet, sie haben mich berührt und dennoch blieben mir die Personen eigenartig fremd. Vielleicht ist mir ihre Art zu leben, so als Zugvogel durchs Leben zu ziehen, doch zu unbekannt. Alle Personen sind im Wandel, stecken in alten Gewohnheiten fest, suchen neue Ziele und Wege um sich zu finden und zu entwickeln. Diese Probleme kenne ich aus meiner Generation nicht so intensiv und eher um das 20. Lebensjahr und kann es daher durch die Vielfalt der Personen auch nur bedingt nachvollziehen. Hier scheint niemand seinen klaren Weg vor Augen zu haben und sie gehen als Einzelgänger durch ihr Leben.

Der Erzählstil dieses Entwicklungsromans ist sehr poetisch und gefällt mir sehr gut. Hier werden mit Metaphern Bilder gemalt, die Sprache wirkt sehr ansprechend und unterhaltsam. Das hat mir sehr gefallen, wobei die Grundstimmung des Romans mir ziemlich grau und trübsinnig vorkommt. 
Das passt allerdings auch zu der Aufbruchstimmung der jungen Menschen, die allesamt Ende 20 nicht wirklich fest im Leben stehen, sondern immer noch auf der Suche sind.

Was mir leider nicht so gut gefallen hat, ist die personelle Zuordnung, denn hier erzählen Leo und Viola nebeneinander her. Auch gibt es zum Ende noch offenen Fragen, die in sich in Andeutungen verlaufen, aber nicht endgültige Klarheit bringen.

Dennoch ist diese Geschichte so feinfühlig erzählt, dass mir das Lesen Spaß gemacht hat. Von dieser Autorin möchte ich noch mehr lesen.
Wahrscheinlich bin ich auch nicht die Zielgruppe, die sie mit ihrem Entwicklungsroman ansprechen will. 

Dieser Gegenwartsroman hat einen einzigartigem Erzählstil und ist mit berührenden Worten geschrieben. Die Phase des Umbruchs kommt deutlich zur Sprache, mich hat das inhaltlich aber nicht angesprochen. Doch auf weitere Werke der Autorin bin ich sehr gespannt.


 
  ***Rezensionsexemplar von lovelybooks - 
                               Vielen Dank an den Verlag für Buch!***




Meteor von Dan Brown

Verbrechen im ewigen Eis

Meteor ist ein weiterer Thriller aus der Feder von Dan Brown. Er erschien erstmalig 2003 im Bastei Lübbe Verlag.

 

Rachel Sexton ist die Tochter eines Senators und arbeitet beim Geheimdienstes NRO. Vom amtierenden Präsidenten wird sie in die Antarktis beordert, um dort einen speziellen Fund der NASA zu untersuchen.
Es handelt sich dabei um einen seit ewiger Zeit im Eis eingeschlossenen Meteor, der fossiles außerirdisches Leben in sich trägt. Vor Ort überprüfen  einige Wissenschaftler den Fund, darunter auch Michael Tolland.

Der Präsident plant diese einzigartige Entdeckung wahlkampfwirksam für sich zu nutzen, doch Rachel und die Wissenschaftler machen auf dem Eisschelf eine Entdeckung, die alles verändert.  
Drei Kollegen werden auf dem Eis von einer Spezialeinheit ermordet und auch Rachel und Michael sind in Gefahr. Wer steckt hinter dem Ganzen und wem kann man noch trauen? Ein spannender Wettlauf um die Wahrheit beginnt. 



Dan Brown versteht es wie kaum ein anderer Autor, aus einem wilden Mix von Geheimdiensten, höchsten Politikern und Behörden vor der unheimlichen Kulisse des ewigen Eises eine Story zu konstruieren, die total fesselnd geschrieben ist. Dabei gibt es Verschwörungen, wirtschaftliche Interessen und Intrigen, die auch vor Morden nicht zurückschrecken.

Auch wenn mir Polit-Thriller nicht so sehr liegen, so haben mich die wissenschaftlichen Tatsachen des Fundobjektes und die Untersuchungen im Eis unglaublich interessiert und der Thriller hat mich sehr gefesselt. Hier erfährt man eine Menge über die Antarktis und das Meer, auch meine Sicht auf Meteoriten hat sich erweitert. Diese Mischung macht den besonderen Reiz dieses Buches aus.

Geschickt eingebaute Wendungen führen den Leser auf die ein oder andere Spur, doch am Ende ist alles ganz anders als man glaubte. Der absolut spannende Ausgang der Story ist gespickt mit Fluchtversuchen, Verfolgungen, wilden Kämpfen und vielen dramatischen Situationen. 

Allerdings verliert sich der Autor in der ersten Hälfte des Buches in zu vielen Personenbeschreibungen und unwichtigen Handlungssträngen. Auch die Cliffhanger enden teilweise, ohne spätere genaue Fortsetzung.


Dieser Thriller von Dan Brown verdient es, gelesen zu werden. Er vereint gekonnt mit viel Action, politische und wissenschaftliche Aspekte zu einem sagenhaften spannenden Buch.


Mittwoch, 21. Oktober 2015

Madame Picasso von Anne Girard

Bewegende Liebesgeschichte über Picassos Muse Eva Gouel

Der historische Liebesroman Madame Picasso der amerikanischen Autorin Anne Girard beschäftigt sich mit dem Schicksal von Eva Gouel. 

Der Roman erscheint 2015 im Aufbau Verlag.



Paris um 1911: Die junge Eva Gouel flieht vor einer geplanten Verheiratung aus der Provinz nach Paris. Sie ist voller Ehrgeiz und Träume und wünscht sich ein selbstbestimmtes Leben. Sie hat das Glück, im legendären Moulin Rouge als Kostümnäherin zu arbeiten. Hier begegnet sie auch dem aufstrebenden Künstler Pablo Picasso. Sie verlieben sich ineinander und es kommt zu einer Liebesgeschichte, in der Eva die neue große Muse Picassos wird. Leider nicht für ewig!  


Anne Girard hat mit ihrem historischen Liebesroman Madame Picasso einen wunderschönen Roman geschrieben, der viele gut recherchierte Hintergrundinformationen enthält. Es ist ihr damit ein realistisches biografisches Werk gelungen, das sich durch einen angenehmen Schreibstil herrlich lesen lässt und den Leser in die Zeit der Belle Èpoque mitnimmt. Die Kunstszene, das Theater, der Circus und das Varietée spielen darin eine wichtige Rolle und man erlebt die Aufbruchsstimmung in Paris unterhaltsam mit. 

Genaues Augenmerk legt die Autorin auf die Beschreibung von Kleidung,  Interieur und Lebensart der Menschen in dieser Zeit gelegt. 
Auch das Kennenlernen der Künstlerszene mit George Braque, Henry Matisse, Guillaume Apollinaire, sowie mit der bekannten Kunstsammlerin Gertrude Stein hat mir gut gefallen und machen diesen Roman so lesenswert.

Die Charaktere wirken realistisch, Eva wird als anfangs unbedarfte junge Frau gezeigt, die aber in ihrer Rolle als Liebe Picassos über sich hinaus wächst und ihn in seiner Kunst unterstützt und als Muse inspiriert. Pablo Picasso wird als stolzer, schwieriger Mensch dargestellt und in seiner Person etwas geschönt. Dafür versteht man seine inneren Konflikte aus Angst vor Krankheit und Tod sehr genau. Seine künstlerische Schaffenskraft steht über allen Dingen, die Frauen müssen sich dem unterordnen. Allerdings ist meine Sicht auf Picasso durch diesen Roman recht getrübt. Seine Rolle als Frauenheld ist mir nach Internetrecherchen über Eva erst richtig bewusst geworden.  

Die Verbindung wird als große Liebe dargestellt, die sie auch in Wirklichkeit sein konnte. Im Roman ist man berührt von den Phasen dieser Beziehung und erlebt sie in einer besonderen Stimmung mit. Hier wurde mal einer nicht so bekannten Frau gehuldigt, die hinter einem bekannten Mann für die nötige Kraft und Unterstützung sorgte. Leider ist sie recht unbeachtet von der Bühne des Lebens gestiegen, dafür sind die bleibenden großen Werke aus der Hand des Künstlers Pablo Picasso auch zu einem Teil ihr zu verdanken. 


Dieser Roman ist eine wunderbare Liebesgeschichte, die sich im historischen Zeitalter der Belle Èpoque aufhält und sie unterhaltsam vorstellt. Auch Liebhaber für die Kunst finden hier einen interessanten Lesestoff vor.


Dienstag, 20. Oktober 2015

Die Farbe Lila von Alice Walker

Ein Buch über menschliche Grausamkeit, Stärke und Liebe


Die Farbe Lila von Alice Walker  aus dem Bastei Lübbe Verlag wurde von Steven Spielberg 1985 sehr erfolgreich verfilmt.

Die Farbe Lila, das ist Celies Geschichte. Die Geschichte einer jungen Schwarzen, die von ihrem Vater jahrelang vergewaltigt und zu einer Ehe mit einem Mann gezwungen wurde, den sie nicht liebt. Aufgeschrieben in ihren verzweifelten Briefen an Gott. Die Farbe Lila hat Millionen Menschen zu Tränen gerührt.





"Die Farbe Lila" dreht sich um das schwierige Leben von schwarzen Frauen in den Südstaaten Amerikas Anfang des 20. Jahrhunderts. Die mangelnde Bildung, häusliche Gewalt und der Glaube steht hier im Mittelpunkt des Buches.
Im zweiten Teil des Romans erzählen Briefe von Celies Schwester Nettie, die nach Afrika zurückkehrt und dort Missionarsarbeit leistet, von der Bedrohung der Eingeborenen in den Kolonien durch das Mutterland England. 

Celies Geschichte trifft mitten ins Herz. Sie schreibt ihre Gedanken und Wünsche in Briefen an Gott nieder. Dazu benutzt sie eine einfache Slangsprache mit Rechtschreibfehlern, denn Schulbildung hat sie kaum erhalten. Das macht den Roman sehr authentisch und man sieht ihre Sichtweise sehr realistisch vor sich. Ihre Schilderung macht betroffen, das Lesen dieses Slangs ist anfangs schwierig, man liest sich jedoch ein.

Celies Mann hat eine Geliebte namens Shug, in die sich die selbstbewusste Celie verliebt.
Dieses Thema ist interessant, da man sonst selten aus dieser Zeit über Bisexualität unter Frauen liest. Bei den meisten Büchern über die Südstatten wird das Hauptaugenmerk auf den Rassismus gelegt.

Celie hat bisher schlechte Erfahrungen gemacht, aber dank Shuglernt sie liebevollen Umgang mit dem Körper eines anderen Menschen kennen. Auch die selbstbewusste Haltung Shugs macht aus Celie einen anderen Menschen.


Diese Geschichte erzählt eindrucksvoll von starken schwarzen Frauen, die sich emanzipieren und lernen, ihre eigene Meinung über Gott und die Welt auch bewusst zu vertreten.    


 

Montag, 19. Oktober 2015

Gute Töchter von Joyce Maynard

Aufklärung einer Mordserie, Erzählung einer Kindheit und amerikanisches Lebensgefühl: dieser Roman verbindet viele Facetten miteinander.

Der Roman Gute Töchter von Joyce Maynard erscheint im HarperCollins Verlag.  

Die Schwestern Patty und Rachel wohnen auf der anderen Seite der Golden Gate Bridge von San Francisco, in einer ländlichen, idyllischen Gegend am Rande eines Berges und Naturparks. Ihr Vater Anthony Torricelli ist Polizeibeamter bei der Mordkommission und verlässt die Familie wegen einer anderen Frau. Ihre Mutter zieht sich nach der Trennung immer mehr aus dem Leben der Töchter zurück, die finanzielle Situation wird schlechter,  die Mädchen sind sich viel selbst überlassen. Sie streifen durch das Wandergebiet des Mount Tamalpais und beobachten ihre Nachbarn. Ein geregeltes Familienleben gibt es nicht, nur die seltenen Treffen mit ihrem geliebten Vater geniessen sie immer sehr. Als ein Serienmörder reihenweise junge Frauen tötet und missbraucht, ist Anthony der leitende Ermittler. Doch so sehr er sich auch bemüht, es gelingt ihm nicht, den Täter zu fassen. Rachel macht schliesslich den Täter auf sich aufmerksam und bringt damit sich und ihre Schwester in Gefahr.



Der Roman wird aus der Sicht der älteren Schwester Rachel erzählt. Er ähnelt ein wenig einer Biografie und zeigt, wie die Schwestern ihre Kindheit und Jugend miteinander verbracht haben und entführt den Leser sofort in eine unterhaltsame und auch fesselnde Handlung.

Die Autorin schreibt wunderbar und auf mich hatte diese Geschichte einen echten Lesesog. Es ist ein bewegendes Drama vor dem Hintergrund der 60er Jahre in Amerika und dem damit verbundenen Lebensgefühl. Sehr schnell nimmt man Anteil am Leben der Schwestern und erlebt ihre Spiele, kleinen Freuden und tragischen Erlebnisse genaustens mit. Dabei spielt ihr getrennt lebender Vater eine entscheidende Rolle, ihn möchten sie als Held sehen und hoffen so auf seinen Ermittlungserfolg in der Mordserie der Gegend. 

Langsam entwickelt sich die Geschichte und nimmt immer klarere Formen an. So erleben wir die Charaktere von Kindheit an und sehen ihr Leben auch  emotional an uns vorbeiziehen. Wie diese Mordserie Rachel auch noch als Erwachsene fast schon besessen beschäftigt, ist sehr gut beschrieben. Dadurch entsteht eine Spannung, die zwar nicht thrillerartig wirkt, aber doch intensiv genug, um mit der Story weiter zu fiebern. Anfangs sieht man alles aus der Sicht einer Jugendlichen, die selbst ihre Erkenntnisse über den "Strangler" oder auch "Würger des Abendrots" genannten Täter sammelt. Die spätere Story erzählt die erwachsene Rachel, der Stil wirkt gereifter und erfahrener. Das gibt einen authentischen Effekt und ist interessant zu beobachten.

Es ist die Lebendigkeit des Romans und die dichte Verwebung von Neugier, Angst und Vaterliebe der Töchter mit der unfassbar wirkenden Handlung des Serientäters, die den Leser in seinen Bann zieht. Man wartet gespannt auf die Stelle, wo Rachel dem Täter näher kommt, wie das auch immer im Buch geschieht. Das möchte ich natürlich nicht verraten.

Besonders authentisch ist für mich die Schilderung der familiären Situation und der Probleme der Mädchen, die von ihrer zurückgezogenen Mutter kaum Unterstützung bekommen. Das bindet die Mädchen gegenseitig immer stärker an sich, sie sind sich lange die besten Freundinnen.

Mich hat dieses Buch auf eine besondere Weise gefesselt und nicht losgelassen. Es hat mich bewegt, die Schreibweise hat mir gefallen und die Atmosphäre ist gut gelungen dargestellt.


Ein bewegender Roman, der durch seinen gelungenen Mix aus Krimi, Biografie und amerikanischem Zeitgeist auffällt und fesselt. Er erzählt vom Zusammenhalt zweier Schwestern, von ihrer Kindheit und von ihrem Verlust.   


  ***Rezensionsexemplar von vorablesen - 
                               Vielen Dank an den Verlag für das e-book!***



Die Bienenhüterin von Sue Monk Kidd

Eine ganz wunderschöne Geschichte über Zusammenhalt, Liebe und Vertrauen. Ein Leben wie die Bienen es führen!

 

Der Roman Die Bienenhüterin von Sue Monk Kidd erschien 2005. Die deutsche Veröffentlichung erscheint im btb Verlag.


Lilys Mutter ist vor zehn Jahren gestorben. Ihr Vater ist ein herrschsüchtiger Mensch, der Lily keine Liebe zu Zuneigung entgegen bringt. Als 14-Jährige flieht Lily vor ihrem Vater und der bedrückenden Atmosphäre der  Südstaaten, auch um ihr schwarzes Kindermädchen vor der Gewalt weißer Männer zu retten. Sie finden bei drei schwarzen Frauen Unterschlupf, die in friedlicher Eintracht zusammenwohnen und von der Imkerei leben. Die drei Schwestern vermitteln Lily Liebe, Halt, und Geborgenheit, sie geben ihr ein Zuhause und bringen Lily alles über die Bienenzucht bei. Auch über ihre Mutter erfährt sie Näheres.  



Diese Seelenreise Lilys hat mich tief berührt und ein Umfeld aufgezeigt, indem Rassenhass und Gewalt herrschen. Demgegenüber stellt sich das harmonische Zusammenleben der drei schwarzen Frauen genau wie die Harmonie innerhalb eines Bienenstockes dar. Es ist der Ruhepol für Lily. Hier darf sie ein Kind sein und zu einer Frau reifen, erfährt Nähe und Zuneigung und bekommt eine wunderbare Aufgabe, die sie erfüllt.

Die Imkerinnen sind schrullig, gläubig und sehr liebevoll miteinander. Hier lernt Lily, was es heißt, eine Familie zu sein, die füreinander da ist. Ihren gewalttätigen Vater möchte sie am liebsten nie wieder sehen.

Lily hofft immer noch auf ein Zeichen ihrer verstorbenen Mutter, auf die Bestätigung einer mütterlichen Liebe. Bis sie die grausame Wahrheit erfährt. Doch die familiäre Aufnahme bei den Schwestern lässt sie ihren Kummer verarbeiten und erkennen, dass genau bei den Imkerinnen ihre Geborgenheit und Zukunft liegt.
 
Der Roman bedient sich einer zeitlosen, manchmal kindlichen Sprache und entfaltet damit die Ausdrucksstärke von Lebendigkeit und besonderen Eindringlichkeit kindlichen Wunschdenkens und Erlebens.
Lily ist in ihren Gefühlen gefangen, einerseits möchte sie von ihrem Vater Zuneigung spüren, andererseits fürchtet sie ihn. Das wird so deutlich beschrieben, dass es fast schon weh tut, das Kind so leiden zu sehen.
Doch so bitter auch die familiäre Situation Lilys ist, so zuckersüß wird das Leben der Bienen beschrieben. Hier bietet sich Lilys Chance, etwas Sinnvolles zu machen, sich zu beschäftigen und ihren Teil in ihrer Imkerfamilie beizutragen. Ganz nebenbei geben die Überschriften der Kapitel Informationen über die Bienenvölker an die Leser und vermitteln die Vergleichbarkeit zwischen Bienenstock und Familie als Kernzelle von Zuneigung, Zusammenhalt und gemeinsamer Entwicklung.

Dieses Buch ist sehr eindringlich, herzergreifend und emotional geschrieben, man kann nur versinken in die bildhafte Erzählung und Traumwelt eines Kindes. Trotz aller beschriebenen Bitterkeit durch Rassismus, Gewalt und schlimmer Realität macht sich in diesem Buch Hoffnung breit und ein Gefühl von Wärme umfliesst den Leser wie süßer Honig. So ist das Leben: manchmal bitter, aber auch zuckersüß. 



Sonntag, 18. Oktober 2015

Der Walrufer von Zakes Mda

Inspiriert durch unsere Walbeobachtungstour bei Los Gigantes auf Teneriffa habe ich mir in unserer Ferienwohnung das Buch Der Walrufer als Lektüre ausgesucht. 

 



Das war ein einmaliges Erlebnis, bei dem wir aus nächster Nähe einige Große Tümmler (Foto Mitte) und den indischen Grindwal, der auch Pilotwal genannt wird, gesehen haben. 

 

Und nun zum Buch! 


Zakes Mda schrieb 2006 sein Buch Der Walrufer.  Es erscheint im Unionsverlag.

Hermanus an der südafrikanischen Küste ist die Welthauptstadt der Wale.  Glattwale verbringen den Winter in der warmen Bucht und locken Touristen an. Der Walrufer ist ein Eigenbrötler, der mit diesem Trubel nichts zu tun haben will und ein einfaches zurückgezogenes Leben führt. Auf seinem Seetanghorn erzeugt er Töne, die Wale anlocken. Besonders  das Glattwalweibchen Sharisha. Der Walrufer glaubt an ihre Liebe zu ihm,  wenn sie zu Hornklängen im Wasser tanzt. 
Die alkoholabhängige, leichtsinnige Saluni wiederum interessiert sich für den Walrufer. Sie ist eine Frau, die das Dreiecksverhältnis zwischen Mann, Frau und Wal nicht akzeptieren will.  



Von diesem Buch hatte ich mir Einblicke in das Leben von Walen erhofft. Leider interessiert sich der Autor mehr für schwierige Charaktere und die Zerrissenheit von Menschen. Er erzählt in bildhafter afrikanischer Mystik und dadurch bleiben mir die Personen sehr fremd.

Hier wird der Traum einer Alkoholikerin beschrieben, die den Walrufer liebt und für sich gewinnen will. Dieser aber liebt die Einsamkeit, sucht dennoch Salunis weibliche menschliche Nähe und möchte dann wieder in seiner Walliebe Ruhe finden. Denn mit Salunis Lebensstil kann er sich nicht anfreunden.
Die Liebe dieser Menschen zerstört sie gegenseitig, sie können sich nicht richtig aufeinander einlassen.

Der Südafrikaner Zakes Mda zeigt das einfache Leben seiner schwarzen Landsleute. Saluni arbeitet als Kindermädchen für Zwillinge, die sie mit ihren Streichen und Unfug mehr als beschäftigen.

Mda erzählt eindringlich und mit einer einfachen Sprache, die mythologische Anklänge enthält. Doch die Geschichte kam mir sehr fremd vor, die Personen haben mich nicht berührt. Dazu kam noch eine imaginäre Vaterfigur, Mr. Yodd, die eventuell Gott darstellen soll. Ich habe es leider nicht vermocht, hinter die Story zu blicken.


Eine Walgeschichte, die die Wale nicht in den Vordergrund stellt, sondern die philosophische Betrachtung einer zerstörenden Liebe, wirkt auf mich leider zu grotesk. 

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Samstag, 17. Oktober 2015

Ein Jahr auf den Kanaren von Lisa Gast

Ein schöner Lebens- und Reisebericht von den Kanaren 


Lisa Gast hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Über ihren einjährigen Aufenthalt auf den Kanaren hat sie ihr Debüt Ein Jahr auf den Kanaren - Reise in den Alltag geschrieben. Das Buch erscheint im Herder Verlag.

Die Kanaren - eine Welt der Gegensätze zwischen Bettenburgen und Höhlenbewohnern, Bungalowanlagen und alternativen Lebensgemeinschaften. Lisa Gast macht sich auf in die faszinierende Vielfalt der Kanarischen Inseln, erliegt deren vulkanischem Zauber, erkundet die Geheimnisse der Bevölkerung, stürzt sich mit dem Gleitschirm in den Himmel über Lanzarote und versucht, endlich richtig surfen zu lernen. Ein Jahr auf den Kanaren - nicht mal Fliegen ist schöner. (Klappentext)


Der Erfahrungsbericht von Autorin Lisa Gast über ihr Jahr auf den Kanaren liest sich flüssig, interessant und abwechslungsreich.

Sie lässt sich auf Lanzarote und Teneriffa nieder und arbeitet als Reiseführerin, um sich ihren Aufenthalt zu verdienen und so auch gleich die touristischen Highlights der Atlanktikinseln zu besuchen. Diese Erlebnisse werden mit privaten Details aus ihrem Leben angereichert und bilden somit einen persönlichen Reisebericht, der über einen trockenen Reiseführer hinaus geht. Der Leser erfährt dadurch nicht nur die üblichen touristischen Stationen erklärt, sondern auch viel Backgroundwissen über Themen, die sonst nicht in Reiseführern erwähnt werden. 

Sie greift auch sozialkritische Themen wie Arbeitslosigkeit unter Jugendlichen auf, berichtet vom massiven Eingriff in die Natur durch den Bau von Ölbohrtürmen oder den umweltverschmutzenden Plastikmüll an Stränden und im Meer. Sie rüttelt auf, erklärt und zeigt natürlich auch die Schönheiten dieser vulkanischen Inseln. Man merkt ihrem Bericht an, wie begeistert sie von ihrer Heimat auf Zeit ist. 

Ihr Freizeitleben zeigt alles das, was junge Leute eben gern im Urlaub machen. Sie betreibt Gleitschirmfliegen und surft, wandert auf Gran Canaria, macht Yoga, besucht Märkte und den kanarischen Karneval. So bekommt man einen guten Überblick über Land und Leute und die Menschen im besonderen.

Mir haben die Informationen über die Pfeifsprache El Silbo und über die Tierwelt besonders gut gefallen. Denn vor Teneriffa leben ganzjährig Pilotwale und Delphine, die man bei Bootstouren ganz aus der Nähe erleben kann und der seltene Engelshai betreibt dort im Altlantik seine Kinderstube.


Dieser Bericht gibt einen Einblick in die kanarische Inselwelt mit vielen touristischen Zielen und man liest über die persönlichen Erlebnisse der jungen Autorin. Als reine Reisevorbereitung sicher nicht geeignet, aber als unterhaltsame Information über Menschen, Kultur und Lebensgefühl auf den kanarischen Inseln eine tolle Vorbereitung.
   

       ***Rezensionsexemplar von lovelybooks - 
                               Vielen Dank für das Leseexemplar!*** 




Kältezone von Arnaldur Indridason

Kein typischer Erlendur, leider zu langatmig und mir zu politisch! Schade!


Der Islandkrimi Kältezone ist der 6.Band der Kommissar Erlendur Reihe von Arnaldur Indridason. Das Buch erscheint im Bastei Lübbe Verlag.

 

Südlich von Reykjavik ist der Wasserstand eines Sees nach einem kleinen Erdbeben gesunken. Dabei tritt ein Skelett zutage. Die Polizei findet heraus, dass es an ein altes russisches Sendegerät gekettet ist. Erlendur und seine Mannschaft vermuten bei dem Toten einen Spion. Ihre Nachforschungen führen sie nach Leipzig in die Nachkriegsjahre. 


Bei diesem Krimi kann ich leider nur die von mir geschätzten Figuren Erlendurs und seiner Kollegen für gut befinden. Der Einblick in ihre Arbeit und in ihr Privatleben gefällt mir ausgesprochen gut. Leider wird in diesem Band mehr auf die Handlung aus einer früheren Zeit eingegangen. Die Nachforschungen führen in die frühen 60er Jahre und gehen bis zur Spionage-Zeit des Kalten Krieges. Die Zeit wird aus der damaligen Sicht der Involvierten geschildert.

Diese Thematik ist mir zu geschichtlich und hätte als bloße Grundlage des Krimis vollkommen ausgereicht. Der Autor geht jedoch sehr darauf ein. Es werden sozialistisch eingestellte Studenten aus Island vorgestellt, die in der DDR studieren dürfen. Dabei gibt es eine Liebesgeschichte zwieschen dem Isländer Tomas und der Ungarin Ilona. Die Stasi verhaftet Ilona und die Ideale des Sozialismus werden zur Bespitzelung ausgenutzt. 
Interessant erscheint mir die Tatsache, wie Island zum Spielball sozialistischer Länder genutzt wurde. Das ist eine Information, die für mich völlig neu ist.

Für Erlendur Fans nur bedingt ein spannender Krimi, für geschichtlich Interessierte sicher eher eine gute Lektüre. Ich habe noch einige Erlendur Krimis zu lesen und gebe aufgrund dieses Buches die Hoffnung auf tolle Krimis nicht auf.  

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Arnaldur Indriðasons Tödliche Intrige

Eine verflixte Geschichte kommt ans Licht

 
Der Isländer Arnaldur Indriðason schrieb den Thriller Tödliche Intrige. Das Buch erscheint im Bastei Lübbe Verlag.


Der Ich-Erzähler sitzt wegen Mordes im Gefängnis und lässt die Geschichte Revue passieren. Immer noch wundert er sich über die raffiniert eingefädelte Affaire, die ihn zu einem willenlosen Opfer werden liess. Ein Mann wurde ermordet. Doch der vermeintliche Täter ist unschuldig.   



 

Dieser Thriller beginnt am Ende und klärt im Verlauf die Handlung Stück für Stück auf. Das macht die Geschichte so besonders und die Spannung wächst mit jeden weiteren Puzzlestück der Offenbahrung des Geschehenen.

Denn hier ist eine Figur einer faszinierenden Frau, einer Femme Fatal aufgesessen, die seine Leidenschaft schamlos für eigene Interessen ausgenutzt hat und in diesem Fall sogar für einen brutalen Mord.
Als Leser ist man wie der Erzähler mit gefangen in den ausgelegten Fallstricken, die sich erst nach und nach aufklären.
Dabei ist die Mordgeschichte ein wenig vorhersehbar, doch das ist gerade der beabsichtigte Clou an dieser Geschichte. 
Als Leser erkennt man die Manipulation zur Hälfte des Buches. Hier werden Inhalte und wichtige Tatsachen erwähnt, die total überraschen. Doch damit ergibt sich auch gleichzeitig die Frage, ob der Erzähler eine Chance hatte, sich vor dieser Manipulation zu schützen.

Ohne blutige Szenen bekommt dieser Thriller auch so eine spannende Thematik, die beeindruckt. Das Hauptaugenmerk wird auf die Gedanken und die Person des Erzählers  gelegt, dem übel mitgespielt wurde.

Arnaldur Indriðasons Erzählstil führt mit ruhiger Hand durch das Buch und macht es zu einer Lektüre zum Verschlingen.

Ein aussergewöhnlicher Island-Thriller, der mal am Ende beginnt und dadurch auf den Fall neugierig macht. Gute Unterhaltung und ein raffinierter Plan geben hier den Ton an.


 

Null-Null-Siebzig - Truthahn, Mord und Christmas Pudding von Marlies Ferber

Humorvolle, fesselnde Krimiunterhaltung vom Feinsten mit einer schönen Untermalung durch britische Weihnachtstimmung!

 

Die Autorin Marlies Ferber hat ihre Agentenreihe um 0070 mit dem vierten Band Truthahn, Mord und Christmas Pudding zu einem erfolgreichen Abschluss gebracht. Leider, muss ich dazu sagen, denn ich würde noch gern weitere Abenteuer über James und Sheila lesen. Der Krimi erscheint im Deutschen Taschenbuchverlag.

 
James Gerald, ehemaliger Agent des britischen Geheimdienstes und seine Freundin Sheila geniessen die vorweihnachtliche Stimmung in London. Sheila möchte mit James an einer Amateurtheateraufführung mitspielen. Doch er ist nicht gerade begeistert. Dann quartiert sich bei Sheila ihr früherer Jugendfreund Bruce ein, der James gehörig stört. Als dann unglücklicherweise ihre Freundin Rosalind auf dem Friedhof ermordet wird, erwacht James Agentenspürsinn. Galt dieser Überfall etwa Sheila?



Schon lange freue ich mich auf die Fortsetzung dieser Krimireihe und auf das Wiedersehen mit den sympathischen Protagonisten. Besonders James mit seinem trockenen englischen Humor und die lebenslustige Sheila mit ihrem großen Herz habe ich richtig gern gewonnen. 

Auch in diesem Buch ist es Marlies Ferber erneut gelungen, die Charaktere sehr lebensnah und realistisch zu zeigen. Die Figuren sind vielfältig und auch die dreijährige Nervensäge Jamie sorgt wieder für allerhand Unfug und Aufregung. Ich finde es schön, dass die Autorin zeigt, wie auch Menschen gehobenen Alters noch agil sein können.

Dabei kommt in diesem Band der Humor nicht zu kurz. Die Dialoge strotzen nur so vor intelligenten Wortspielereien, die mich häufig schmunzeln liessen. Auch die britische Lebensart wird gut eingebunden, sie gibt dem Krimi einen stimmungsvollen Rahmen, der harmonisch zu den Personen und der Geschichte passt. Man fühlt sich fast wie in England, denn der weihnachtliche Plumpudding, der Truthahn und der typische Punsch gehört einfach dazu.

Die Handlung ist wohldurchdacht, logisch aufgebaut und mit raffinierten Wendungen versehen, die den Täter erst am Schluss präsentieren.
Auch gibt es einige raffinierte Agentenmethoden zu bestaunen, die sicherlich auch der Fachwelt neu sind. Ich sage nur: ein ganz spezieller Rollator.

Das liebenswürdige Verhältnis zwischen James und Sheila gefällt mir auch hier wieder sehr gut und am Ende gönne ich ihnen ein friedliches Fest. So stellt man sich eine harmonische Partnerschaft im Alter vor.

Obwohl hier bereits der vierte Band dieser Reihe erschienen ist, kann man durchaus hiermit einsteigen und ist sofort über alle Personen im Bilde. Dennoch lohnt es sich auch die Vorgängerbücher zu lesen.

Diesen Krimi kann ich nur allen Lesern ans Herz legen. Er ist humorvoll, enthält viele spannende Szenen und vermittelt ein vorweihnachtliches Bild aus der englischen Metropole.
 


       ***Rezensionsexemplar von lovelybooks - 
                               Vielen Dank für das Leseexemplar!***