Freitag, 19. Februar 2016

Endlich zu fünft - Roman einer fast perfekten Familie - Miina Supinen

Hemmungslos, locker und total komisch wird diese durchgeknallte Familie präsentiert!

Was ist schon perfekt? 

 

Der Roman Endlich zu fünft - Roman einer fast perfekten Familie schrieb die finnische Autorin Miina Supinen" bereits 2007, auf dem deutschen Buchmarkt erscheint er 2016 im Insel Verlag.

Rein äußerlich wirkt diese Familie perfekt wie aus dem Bilderbuch.  Vater Launo Silola ist ein bekannter Dirigent und Komponist, seine schöne Frau Katriina ist Innenarchitektin, sie bewohnen ein wunderschönes Haus am See und haben zwei erwachsene Kinder und die kleine Pelagia, das fröhliche Nesthäkchen.
Aber der äußere Schein trügt, denn tatsächlich hat diese Familie so ihre eigenen Probleme: die 22-jährige Studentin Astra ist auf einem extremen sexuellen Selbstfindungstrip, der 18-jährige Silmu kämpft verbissen mit Bodybuilding und Anabolika gegen seinen Babyspeck und Pelagia sieht Launo gar nicht ähnlich, weil sie einer Liaison mit einem Tauchlehrer entstammt. Wie kommt die Familie damit klar und kann es ohne Perfektion auch Harmonie geben?



"In ihrer Negativität war Piia Kilinen gerecht. Jeder bekam von ihr die gleiche verbissene Verstocktheit ab, das gleiche Kratzen toter Hautzellen und den gleichen uninteressierten Blick. Vollkommen unabhängig von Geschlecht, Intelligenz, sympatischer Ausstrahlung oder sonst einer Eigenschaft." Zitat Seite 212

Die Autorin hat mich mit ihrem Roman von Beginn an mit ihrer ungewöhnlich frischen Erzählweise und der recht hemmungslos geschilderten Handlung begeistert und zum Lachen gebracht.

Außergewöhnlich ist dabei der Erzählstil Supinens, er zeigt eine moderne frische Variante mit erkennbarem sprachlichem Talent, durchaus geistiger Tiefe, aber auch ihre vulgären und ehrlichen Ausbrüche sind echte groteske Knaller. Selten bin ich so überrascht worden von einem wahren Feuerwerk der Sprache und habe mich so gut amüsiert.

Die Familie Silola wirkt nach außen perfekt, ist aber in echt etwas durchgeknallt und im besten Fall als normal zu bezeichnen und das macht sie so realistisch und richtig sympathisch.
Denn es gibt familiäre Geheimnisse, die so nicht an die Öffentlichkeit dringen sollen. Die Figuren werden als ungewöhnliche Charaktere gezeigt, deren Ecken und Kanten schon mal mit extremen Hobbies beschrieben werden. Das sorgt für gute Unterhaltung und für eine absolut schräge Geschichte.
Was nach außen verschwiegen werden soll, wird jedoch in der Familie schonungslos offen mitgeteilt. Dabei wird auch nicht vor Tabuthemen Halt gemacht und so spricht die Mutter offen mit ihrer Tochter Astra über deren praktizierten Sadomasochismus. Natürlich ist man erst mal betroffen und sprachlos, aber obwohl hier vulgäre Ausdrücke verwendet werden, begibt sich die Autorin nicht auf das Niveau billiger Pornoblättchen. Es geht ihr einzig darum, den Selbstfindungstrip Astras aufzuzeigen und gut zu unterhalten.

Mir hat der Einblick in diese Familie und die witzigen Dialoge gut gefallen und die abwechslungsreiche Handlung zeigt auf amüsante Weise, wie ausgeprägt in dieser Familie der Zusammengehörigkeitssinn ist und wie eine gesunde Harmonie untereinander trotz der skurrilen Umstände gehalten werden kann. Dazu muss die Familie nicht perfekt sein.

Wer Spaß hat an ungewöhnlichen Familienromanen, schrägen Figuren und einer überraschenden Handlung, dem kann ich diesen tollen Roman nur ans Herz legen. Auch der Humor kommt definitiv nicht zu kurz und eine fesselnde Lesezeit ist sicher.
 

 ***Leserundenexemplar von lovelybooks - Vielen Dank
             an den Insel Verlag für die Bereitstellung des Buches
!
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