Sonntag, 10. April 2016

Das letzte Nashorn - Lodewijk van Oord

Witzig und subtil, dabei spannend wie ein Krimi!

 

Das Geschäft mit aussterbenden Tieren: Idealismus oder Kommerz?


Der Roman Das letzte Nashorn von Autor Lodewijk van Oord erscheint im Knaus Verlag.


Der Amsterdamer Privatzoo "Artis" arbeitet nicht effektiv. Er verzeichnet sinkende Besucherzahlen und steigende Kosten. Da muss ein rettendes Konzept her und der energische Direktor Edo Morell entwirft für die Rettung des Zoos neue Ideen und Marketingstrategien. Sein Plan sieht die Eröffnung eines Zooareals mit Namen Afrika vor, der nur von afrikanischen Tieren bevölkert werden soll. "Afrika an der Amstel" heißt sein neues Konzept. Dazu soll auch die Teilnahme am Tierarterhaltungsprogramm mit vom Aussterben bedrohten Nashörnern dienen. Er engagiert Sariah Morrel, eine Nashornspezialistin aus Südafrika, die sich leidenschaftlich für den Erhalt der seltenen Tiere einsetzt.

Dieses Buch hat mich recht schnell gepackt, denn ich interessiere mich schon länger für Erhaltungszuchtprogramme und weiß um die vom Aussterben bedrohten Nashörner.
Die Handlung führt nach einer Einführung der Hauptcharaktere dann auch tiefer in die Materie ein und zeigt sowohl den Idealismus als auch die Profitgier, die hinter diesen Zuchtprogrammen stecken.

Die Rettung der Tiere wird zum Spielball der menschlichen Spezies.

Doch nun zur Geschichte. Aus Sicht der drei Hauptfiguren Edo Morell, Sariah Malan und Frank Rida, erfahren wir ihre verschiedenen Sichtweisen, eigenen Lebensberichte und aktuelle Informationen über das Nashornprogramm im Zoo.

Edo ist der dynamische Direktor des Amsterdamer Tierparks, der seinen Zoo mit einem Marketing-Masterplan wieder überlebensfähig und zu einem größeren Ruf verhelfen will. Die geplante Afrikalandschaft ist ein neuer Denkansatz, der die Besucherströme wieder ansteigen lassen soll. Auch die Rettung bedrohter Arten, in diesem Fall der Schwarzen Nashörner sind für sein Konzept eingeplant und sollen für Publikumsinteresse sorgen.

Frank Rida, leitender Zoovorstand, Doktor der Kunstgeschichte und Freund von Edo Morell, unterstützt die Rettung des Zoos mit Öffentlichkeitsarbeit und übernimmt die Verhandlungen mit Behörden etc.

Sariah Malan ist Halb-Niederländerin und hat sich dem Schutz von Dickhäutern verschrieben. Eine persönliche Tragödie hat ihr Leben in Südafrika überschattet und so nimmt sie die Aufgabe eines Zuchtprogramms in Amsterdam an.

Edo kauft den schwarzen Nashornbullen Albrecht und man erlebt als Leser hautnah mit, nach welch ausgeklügeltem System dieser in den Zoo eingeflogen wird. Dieses Tier ist eine Rarität, eines der letzten seiner Art und sehr, sehr teuer. Das macht die Übersiedlung so spezifisch und für mich ungeheuer spannend.

Man muss sich einmal vorstellen, wie 1515 von Albrecht Dürer das erste Bild eines Nashorns in Europa entstand und dieses Tier damals erstmals in das Bewusstsein der Menschen geriet. Für die Menschen damals ein Unikum sondergleichen. Und gerade mal 500 Jahre später ist dieses Tier bereits ausgestorben. 

 
***Tierinteressierte finden nach dem Fazit eine Information zu den Nashörnern.

Edo und Sariah lernen sich näher kennen, ihre enge Zusammenarbeit lässt sie sich auch persönlich näher kommen.  Sie sorgen sich um Albrecht, schliesslich soll er sich im Zoo sehr wohl fühlen, um dann mit Angela und Ursula den Fortbestand seiner Art zu sichern. Das ist aber nicht so einfach und es wird im Buch in einer leichten, heiteren Art und Weise dargestellt. Aber auch Überfälle und Krankheiten werfen ihre Schatten auf die kleine Nashorngruppe.
Mein Held des Buches ist von Beginn seines Einzugs im Zoo der Bulle Albrecht.

Der Autor vermag die Überlebensfrage der Tierarten geschickt mit menschlichem Idealismus und Kommerzdenken zu erklären. Wie leicht dieser Roman jedoch auch von seiner Erzählweise her wirkt, umso schwerer wiegen die tiefgründigen Hintergedanken der Menschen.
Es wird deutlich, wie wir Menschen immer weiter die vermeintlich lenkende Führungsposition einnehmen, während um uns herum die Tierarten aussterben. Der tragische Verlust der Artenvielfalt könnte auch unser eigener Untergang sein. So möchte ich mal die Intention des Autors auslegen.
Wir sollten darüber nachdenken, wie wir mit Tieren generell umgehen und ob einzelne Tiere in Zoos noch eine Art darstellen. Denn in freier Wildbahn sieht man einige Tiere nicht mehr.
So zum Beispiel: den Dodo, Elefantenvögel, Falklandfüchse, Lavamäuse, Höhlenbären, Guamrallen, Wandertauben, Tarpane, Tasmanische Tiger und andere Arten.

Der Charakter Edo hat mir gezeigt, wie Menschen flammende Reden über die Erhaltung von Tieren halten können, aber doch andere Dinge im Sinn führen können.

Dieser Roman verbindet die Rettung von Tieren mit einem verworrenen Geflecht aus Liebe, Hoffnung und Vertrauen. So entsteht praktisch eine Nebenhandlung auf Menschenebene, die ebenso spannend wie tiefgründig zu lesen ist.

Die Geschichte findet ein relativ offenes Ende, man kann sich seine eigenen Gedanken zum Thema machen. 
 
Ein Spitzenbuch mit Witz, Spannung und Tiefgründigkeit über den Zooalltag, das menschliche Miteinander und die Erhaltung der vielfältigen Arten auf der Erde, die menschliche Spezies inbegriffen! 

 
***INFO:
Das Spitzmaulnashorn auch Schwarzes Nashorn genannt, gilt seit 2013 in freier Wildbahn als ausgestorben. Im Januar diesen Jahres ist im Chester Zoo ein Schwarzes Baby-Nashorn zur Welt gekommen.




Kommentare:

  1. Hallo Barbara

    Freut mich, dass dir das Buch auch so gut gefallen hat. Eine sehr schöne Besprechung.

    LG, Gisela

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  2. Liebe Gisela,

    wenn nur alle Bücher so toll wären. :-)

    Ich lese gleich deine Rezi auch mal!
    Gruß Barbara

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