Dienstag, 17. Mai 2016

Der norwegische Gast - Anne Holt

Eine fesselnde Handlung, interessante Figuren und ein einzigartiger Schreibstil machen den Reiz des Krimis aus!

Der norwegische Gast ist der 8. Band der Reihe um Hanne Wilhelmsen von Anne Holt aus dem Jahr 2009. Der Krimi erscheint im Piper Verlag

Ein Schneesturm zwingt die Passagiere eines Zuges nach einem Unglück, in einem norwegischen Berghotel Zuflucht zu suchen. Unter ihnen ist die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen. Als das Hotel komplett eingeschneit wird, geschieht ein brutaler Mord. Panik macht sich unter den Eingeschlossenen breit, und die an den Rollstuhl gefesselte Kommissarin muss ihr Bestes geben, um den Mörder zu enttarnen. (Klappentext)






Dieser Krimi hat mich durch den wortgewandten Schreibstil Anne Holts gut unterhalten und die Idee, hier einen klassischen Krimi im Stil von Agatha Christie zu schreiben, ist der Autorin geglückt.

Man hat es mit Menschen in einer Ausnahmesituation zu tun, ihre Reaktionen sind mit allen möglichen Emotionen gespickt und die "Inselbedingungen" sind durch den Schneesturm im Hotel gegeben.

Die eingeschlossenen Menschen haben nicht nur den Schock über das Zugunglück zu verkraften, sondern es finden im Hotel mysteriöse Morde statt, deren Motive man nicht erkennen kann.
Eine Ermittlerin im Stil von Miss Marple findet sich in Person von Hanne Wilhelmsen, die als ehemalige Polisistin über logische Ermittlungserfahrung verfügt, durch einen Schuss auf einen Rollstuhl angewiesen ist.
Sie hat eine abweisende, manchmal sarkastische Art, daher ist sie keine Sympathiefigur, aber dennoch macht sie das zu einer Person, der man die Lösung des Falles zutraut. Sie gibt dem Leser durch ihren Blick die notwendigen Informationen über die anwesenden Personen, Verhaltensmuster und Gesten, sodass man über die Situation im Bilde ist. Sie ist als Rollifahrerin nicht in der Lage, sich zurückzuziehen, sondern ist fast immer im Mittelpunkt der Allgemeinheit zu finden. Ihre Gedankengänge über die Spuren und Hinweise verknüpft sie intelligent und mit präziser Beobachtungsgabe.

Es wird sehr gut deutlich gemacht, wie die Menschen unter der Gewalt des Schneesturms und dem Gruppendruck leiden, panisch reagieren oder sich zu gleichgesinnten Grüppchen zusammen finden. Diese extreme Situation bringt Einblicke in die menschliche Seele und als Leser unterliegt man diesem Angstgefühl  unweigerlich.

Dabei enthält der Krimi Kapitel, die mit einer aufsteigenden    Beaufort-Skala eingeleitet werden. Die Informationen zu den entsprechenden Auswirkungen der verschiedenen Windstärken werden erklärt, die Windgeschwindigkeiten angegeben.
So bedeutet Windstärke 3 eine schwache Brise von 12-19km/h, Wind ist deutlich zu spüren und Schneefall scheint sich eher horizontal zu bewegen als vertikal. 

Allerdings verläuft die Sturmsituation im Buch nicht genau in der Reihenfolge der Skala. Auch der Spannungsverlauf hält hier nicht Schritt. Es gibt spannende Situtionen, die sich aber wieder entspannen und gerade am Ende herrscht eine Flaute.

Dennoch ist dieses Buch einzigartig geschrieben und man erlebt hautnah mit wie bei einem Schneesturm und minus 30 Grad in den norwegischen Bergen kein Verlassen des Hotels möglich ist.

Es gibt ein paar Charaktere, die ich gern kennen gelernt habe, die man mit Bewunderung begleitet. Da ist die Hoteldirektorin, die intuitiv die Menschen lenkt und informiert und dann der kleinwüchsige Magnus Streng, ein Ausnahmecharakter, der Ruhe ausstrahlt und als Arzt hilft wo er nur kann.
Die Situation um die besonders bewachten Personen ist im aktuellen politischen Bezug bedrohlich, da es sich wohl um Terroristen handelt, aber für die Handlung ist das nicht sehr relevant.  



Ein toller Krimi für lange Leseabende im Winter, der bei mir Interesse für die weiteren Bände der Reihe geweckt hat und das sogar bei einem Urlaub in der Sonne.  


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