Freitag, 22. Juli 2016

Hotel Iris - Yoko Ogawa

Stösst ab und fesselt dennoch...

Sprachlich fast teilnahmslos erzählt, fesselt die Geschichte mit Dramatik und verstörender Abhängigkeit Maris.

 

Der Roman "Hotel Iris" wurde von der japanischen Autorin Yoko Ogawa bereits 1996 geschrieben. 2016 erscheint die deutsche Übersetzung  im Aufbau Taschenbuch Verlag.

Die junge Mari leidet unter ihrer herrischen Mutter und macht die Bekanntschaft eines deutlich älteren Mannes. Er wohnt auf einer einsamen Insel, wo er als Übersetzer arbeitet. Sie nehmen eine dunkle Beziehung auf, er schreibt ihr faszinierende Briefe, die für Mari nach sehnsüchtiger Liebe klingen. Bis die Situation schliesslich eskaliert.  




Dieses Buch zog mich magisch in einen Lesesog. Auch wenn ich Maris Gefühle für den alten Übersetzter nicht verstehen kann und  einige Szenen mir ekelhaft und abschreckend erscheinen, wollte ich dennoch wissen, wie die Geschichte ausgeht. 

Außerdem fasziniert mich die Ausdruckskraft der Erzählweise Ogawas. Die knappe, einfache und doch voller Sinnlichkeit fesselnde  Sprache ist ein einziger Lesegenuss.

Dabei beschreibt dieses Buch echte Tabuthemen - Sado-Masochismus und Sexualität zwischen Partnern mit hohem   Altersunterschied.
Hier erkennt man die beiden verlorenen Seelen. Da sind die zwei Seiten des alten Mannes und Maris Sehnsucht nach Liebe, die sie ihm entgegen bringt. Denn in seinen Briefen zeigt er sich voll verzehrender Liebe nach ihr, besucht sie ihn in seinem Haus, ist er der Bestrafer. Er will sich vergewissern, ob es ihn noch gibt. Sie geniesst die neu erweckte Lust und ein Leben neben ihrer Rolle als Tochter und Arbeitskraft.

Die perversen sexuelle Neigungen drücken den Schmerz beider Figuren aus, es wird aber niemals anzüglich oder obszön. Hier schafft Yoko Ogawa es, die unverständliche Zuneigung Maris auszudrücken. 

Der Erzählstil in einer zurückgenommenen, knappen, fast kargen Sprache wirkt wie eine Beobachterrolle. Das erweckt einen kargen traurigen Eindruck, die Aussicht auf die herrische Mutter oder den kranken Alten, wo ist hier Hoffnung?
Ist es wirklich eine Liebesbeziehung oder fliehen hier zwei verlorene Seelen vor ihrem tristen Alltag?


Ein Roman, der abschreckt und dennoch fesselt, weil man lesen möchte, wie die Figuren enden. Dramatisch und verstörend zugleich!

 

  ***Rezensionsexemplar vom Aufbau Verlag - Herzlichen Dank an Christine Seiler vom Verlag für die Bereitstellung des Buches!***

 

 

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