Dienstag, 18. Oktober 2016

DNA - Yrsa Sigurdadóttir

Neues isländisches Ermittlerpaar

Tolle Sprache, interessante Thematik, aber nicht als absolut packender Thriller umgesetzt! Mochte ich dennoch!

 

Der Thriller "DNA" von Yrsa Sigurdadóttir bildet den Auftakt einer neuen Krimiserie, die in Island spielt. Das Buch erscheint im btb Verlag.


In Reykjavik wird die kleine Margrét Zeugin, wie ihre Mutter Elísa nachts von einem Mann in ihrer Wohnung brutal ermordet wird. Einige Zeit später kommt eine weitere Frau auf ähnlich grausame Weise ums Leben. Kommissar Huldar vermutet einen Zusammenhang zwischen den Fällen. Das traumatisierte Mädchen wird von der Psychologin Freyja betreut und vorsichtig befragt.
Währenddessen entdeckt der Amateurfunker Karl einen geheimnisvollen isländischen Zahlensender, auf dem zeitweise eine scheinbar sinnlos wirkende Zahlenkolonne gesendet wird. Wie steht das im Zusammenhang zu den Morden? 



Der Thriller beginnt mit einem ergreifenden Prolog, in dem die Trennung von Geschwistern im Jahr 1987 gezeigt wird.
Dann beginnt die Überfallhandlung, bei der die kleine Margrét anwesend ist, als ein gewaltätiger Mann ihre Mutter grausam ermordet. 



Dieser Thriller wird durch den angenehmen Schreibstil zu einem Lesegenuss. Man ist sofort in der Handlung gefangen und versucht die Mordfälle mit dem Prolog in Verbindung zu bringen. 



Die Autorin spielt mit häufigen Perspektivwechseln und baut so die verschiedenen Vorgänge und Sichtweisen zu einem Ganzen zusammen.
Sie benutzt Mordmethoden, die in ihrer Art wirklich außerordentlich grausam sind, aber nur ansatzweise beschrieben werden. Die Beschreibungen empfinde ich als erträglich, das Meiste spielt sich dann allerdings in der eigenen gedanklichen Vorstellung ab.


Huldar und Freyja treffen aufeinander und kennen sich von einer gemeinsam verbrachten Nacht. Doch Freyja kennt Huldar nur unter falschem Namen. Für eine Zusammenarbeit nicht gerade gute Voraussetzungen, aber für eine Krimireihe bietet sich viel Entwicklungspotenzial. 



Huldar leitet die Ermittlungen und Freyja hat als Psychologin die Aufgabe, die Befragung von Margrét durchzuführen. Sie geht sensibel auf das Kind ein und erhält nach und nach wichtige Informationen über den Täter. Freyja ist mir durchweg sympathisch, was ich von Huldar nicht sagen kann. Er wirkt auf mich ständig müde und macht Fehler und ist ohne Gewissensbisse hinter vielen Frauen her, achtet dabei nicht mal die Frauen von Kollegen. Ein echter Unsympath, der sich erst noch seine Lorbeeren verdienen muss. 



Bei den Ermittlungen laufen die Spuren ins Leere. Etliche Personen geraten in den Kreis der Verdächtigen und die gefunkten Zahlencodes bringen dem Leser nicht die gewünschten Informationen. Hier gibt es einige Längen, auch das Umfeld der Personen wird mir zu ausführlich behandelt. 


Der Titel und die drei getrennten Geschwister haben mir dann Anhaltspunkte zum Täter gegeben, ich ahnte die Zusammenhänge, konnte ihn jedoch nicht namentlich benennen. Das ist eine besondere Finte der Autorin und machte für mich den eigentlichen Spannungsmoment aus.


Die Autorin beweist in diesem Buch bei ihren Charakterdarstellungen eine einfühlsame Menschenkenntnis. Das zeigt sich besonders in der Ansicht der kleinen Margrét. Aber auch die anderen Personen sind lebensnah gezeichnet.



Letztendlich hat mir bei diesem Thrillerauftakt die Idee hinter der Handlung und der ansprechende Schreibstil gut gefallen, obwohl mir wie gesagt zwischendurch die Hochspannung fehlte.



*** Dieses Buch wurde mir von Bücher.de als Buchflüsterin zur Verfügung gestellt! Herzlichen Dank dafür!***   





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