Samstag, 20. Mai 2017

Die Morde von Morcone - Stefan Ulrich

Schöne Kulisse, die Handlung geht ins fanatisch Religiöse!

"Die Morde von Morcone" ist der Titel des ersten Krimis aus der Feder von Stefan Ulrich, der in der Toskana spielt. Das Buch erscheint im Ullstein Verlag.

Robert Lichtenwald ist Wirtschaftsanwalt aus München und zieht sich in sein Rustico in Morcone in der Toskana zurück. Dort will er eine Auszeit von seiner Ehe nehmen, zur Ruhe kommen und in seinem Garten werkeln. Mit seinem Nachbarn, dem Conte, unternimmt er Spaziergänge in die Natur und prompt stolpern sie über eine Leiche. Diese trägt einen eingeritzten Buchstaben am Körper und schon bald finden sich weitere Leichen mit ebensolchen Buchstaben. Ist hier ein Serienmörder am Werk? Lichtenwald wird unweigerlich gemeinsam mit der Lokalreporterin Giada Bianchi in die Ermittlungen involviert.





Stefan Ulrich kenne ich von seinem heiteren Familienroman "Quattro Stagioni", daher war ich gespannt auf den ersten Krimi des Autors.

Er lässt seine Handlung in der Maremma, dem Süden der Toskana, stattfinden und führt damit den Leser in ein landschaftlich reizvolles Gebiet mit Weinanbau, Olivenhängen und Zypressen. Wie sehr er mit dieser Gegend verbunden ist, wird aus den häufigen italienischen Phrasen, diversen Landschaftsbildern und dem allgegenwärtigen Maremma-Flair überaus deutlich. Als Leser taucht man intensiv ein in das italienische Lebensgefühl, erlebt die Essen mit guten Weinen und die Barabende mit einem Pisco Sour. Doch ein Mörder geht um, den es um jeden Preis aufzuhalten gilt, ehe noch mehr Menschen zum Opfer fallen.

Der Krimi an sich hat mich mit dem fanatisch agierenden Täter, dem inhaltlichen Bezug auf die Saligia, die sieben Todsünden und zu Savonarola doch ziemlich gruseln lassen. Für mich stellte sich gedanklich schnell der Vergleich zu Dan Browns bekanntem Werk Inferno.
Doch dieser Krimi ist anders als Browns Thriller. Hier geht es mehr um die Menschen, die hier in diese Ermittlungen hineingezogen werden und die Aufklärung der Mordserie. Doch auch die philosophischen Betrachtungen der Protagonisten, bei denen sie Epikur, Pythagoras und Nietzsche zitieren, geben der Geschichte gedanklichen Tiefgang.

Lichtenwald ist eher ein ruhiger Vertreter, intelligent und bodenständig, sein buntes Pendant ist in diesem Fall die temperamentvolle Giada Bianchi, die mit ihren feuerroten Haaren, ihrer Kenntnis von Kräutern und ihren Hexenohrringen schon fast an eine Zauberin erinnert. Beide verstehen sich bestens, persönlich sind sie daran interessiert, den wahren Täter zu finden und so bilden sie ein ausgezeichnetes Ermittlungsteam. Denn auf die Arbeit der Polizei kann man sich hier wohl nicht verlassen, die macht eher einen laschen Eindruck mit ihren Dorftölpeln vom Dienst.

Hier begeht ein Mensch Morde aus fanatischen religiösen Gründen, das wird schnell klar, also muss er auch einen ebensolchen Hintergrund haben. Schon früh ahnte ich, wer hier der Täter und damit selbsternannte Rächer sein musste.

Das ist aber auch der einzige Nachteil. Ansonsten habe ich besonders das spannende Finale des Krimis und die Toskana im allgemeinen sehr genossen. Vielleicht hätten die eingestreuten Italo-Sätze noch mit Fußnoten erklärt werden können, aber sie sind für das Verständnis auch nicht so sehr von Belang.

Für Toskana-Liebhaber bestens geeignet. Ein guter, logisch aufgeklärter, spannender Krimi, der mit seinem Ermittlerteam gut unterhält. 


***Vielen Dank an den Ullstein Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!*** 



 

Kommentare:

  1. Liebe Barbara,
    da habe ich doch gleich mal vorbeigeschaut, eine schöne Rezi hast dahin gezaubert.
    Ich musste auch ziemlich schnell an "Sieben" denken. Den Film fand ich ziemlich fies. Da ich kein italienisch kann, lag ich allerdings eher durch Zufall richtig.
    Liebe Grüße
    Walli :-)

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    1. Liebe Walli,

      danke für dein Lob. Der Autor schreibt genau wie ich es gern mag. Aber irgendetwas hat für den 5. Stern gefehlt.

      Liebe Grüße und geniess das schöne Wetter an diesem Feiertag,
      Barbara

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