Mittwoch, 26. Juli 2017

Schneewittchen muss sterben - Nele Neuhaus


 

Der Kriminalroman "Schneewittchen muss sterben" ist der vierte Band der Reihe um Kirchhoff und Bodenstein von Nele Neuhaus. Das Buch erschien 2010 im Ullstein Verlag. Sulzbach im Taunus: Tobias Sartorius kommt nach 10 Jahren Gefängnisstrafe wegen der Ermordung von zwei Mädchen wieder frei und kehrt in sein Heimatdorf zurück. 
Seine Eltern haben sich getrennt, der Gasthof ist erledigt und Tobias wird von den Bewohnern nicht gern gesehen und sogar bedroht.
Als ein weiteres Mädchen verschwindet, gilt natürlich Tobias sofort als Beschuldigter. 
                                Schneewittchen muss sterben

Dieser Krimi hat mich schnell gepackt und in seinen Sog gezogen.
Die Ermittler Bodenstein und Kirchhoff habe ich mit diesem Band kennengelernt und finde ihre Ermittlungen sehr abwechslungsreich. Denn ehe sie den neuen Fall aufklären können, müssen sie erst den Mörder von Schneewittchen finden. So hinterfragen sie den damaligen Indizienprozess, der Tobias hinter Gittern brachte und untersuchen in dem Dickicht der Dorfbevölkerung den alten Fall und finden neue Hinweise auf
den wahren Mörder von Schneewittchen.

Mir hat der Schreibstil gut gefallen, die Figuren sind sehr authentisch und charakterlich deutlich gezeichnet und man bekommt einige Verdächtige präsentiert, aus denen man den Täter raten kann.
Allerdings ist bald das halbe Dorf verdächtig, ihre Lügen und Drohungen und ihre Stimmungsmache gegen Tobias sind gut dargestellt. Man kann sich gut in die Situation hineinversetzen.

Lediglich am Ende erscheinen mir
die überraschenden Wendungen dann doch etwas übertrieben und auch die Anzahl der Personen hätte man etwas eingrenzen können. 

Ein interessanter, authentisch wirkender Krimi, der das Thema Stimmungsmache und Ausgrenzung sehr deutlich macht.  

Interessanter Krimi um das Thema "Ausgrenzung"


 

Dienstag, 25. Juli 2017

Keine Konkurrenz für Mma Ramotswe - Alexander McCall Smith

Lockere Unterhaltung mit afrikanischem Flair! 

"Keine Konkurrenz für Mma Ramotswe" ist das vierte Buch über die No.1 Ladies Detective Agency von Alexander McCall Smith.

 
                                Keine Konkurrenz für Mma Ramotswe


Dieser Roman ist eine besonderes Lesevergnügen. 

Denn die Detektivin Mma Ramotswe ist sehr sympathisch, stets löst sie ihre Fälle auf eine sehr menschliche und liebenswürdige Art. Sie vermittelt in normalen Alltagsdingen, kümmert sich um Jugendsünden oder ein sitzengelassenes Mädchen. Auch einen Ehemann auf Abwegen bringt sie wieder auf die richtige Spur. 

Hier werden eher alte Sünden gebüßt oder bezahlt, als echte Straftaten ermittelt. So versucht Mma Ramotswe zwischen den Parteien zu vermitteln. Sie benötigt auch keine Waffen oder Abhörgeräte, sie arbeitet mit ihrem normalen Menschenverstand und hat das Herz am rechten Fleck.
Ihr Privatleben verbringt sie mit ihrem
Verlobten Mr. Matakoni und ihren zwei Pflegekindern.   



Das Leben in Botswana ist bunt, wild und lebhaft und als eine weitere Detektei durch den machohaften Mr. Butelesi eröffnet wird, geht das bunte Treiben weiter. Konkurrenz belebt das Geschäft, von wegen, für
Mma. Ramotswe gilt das nicht. Eine lockere Unterhaltung aus Botswana mit Einblicken in die kulturellen Gegebenheiten.  




Oh, wie schön ist Panama - Janosch

So schön ist es in der vertrauten Umgebung 

"Oh, wie schön ist Panama" ist ein Bilderbuch von Janosch für ein Lesealter von 5 - 7 Jahren. Es erschien bereits 1978 und bekam den Deutschen Jugendbuchpreis verliehen.


»Wenn man einen Freund hat, braucht man sich vor nichts zu fürchten!«

Zusammen sind der kleine Bär und der kleine Tiger wunderbar stark, stark wie ein Bär und stark wie ein Tiger. In ihrem Haus am Fluss haben sie es gemütlich. Eines Tages finden sie eine Kiste, die nach Bananen riecht. Ein himmlischer Geruch, dort wo die Kiste herkommt, muss es wunderbar sein. Sie kommt aus PANAMA!
Und so machen sich die beiden auf die Suche nach Panama, denn dort riecht alles nach Bananen.
Nach einigen Begegnungen mit einem Hasen und einer Kuh finden die Freunde wieder nach Hause zurück und entdecken, nirgends ist es so schön wie in einer vertrauten Umgebung.

Meine Kinder liebten dieses Buch und hinterher schmeckte die Banane nochmal so gut.
Ein Bilderbuch, das mit seinen einfachen Texten gut zu verstehen ist und mit den kunterbunten Bildern einfach Freude bereitet. 




Totenstille im Watt - Klaus-Peter Wolf

Ein ganz anderer Roman als die Krimis von Wolf, mit einem etwas überheblichen Protagonisten und leider nicht spannend.

 

"Totenstille im Watt" ist der neue Roman von Klaus-Peter Wolf, der im Fischer Verlag erscheint.

Dr. Bernhard Sommerfeldt ist der Arzt in Norddeich, dem die Menschen vertrauen. Ein Doktor aus Leidenschaft. Er behandelt seine Patienten umfassend. Kümmert sich rührend nicht nur um ihre Wunden, sondern nimmt sich auch ihrer alltäglichen Sorgen an. Hört ihnen zu. Entsorgt auch schon mal einen brutalen Ehemann. Verleiht Geld, das er nicht hat. Keiner weiß, dass er ein Mann mit Vergangenheit ist. Einer anderen Vergangenheit, als manche sich das vorstellen. Der jetzt mit neuer Identität ein neues Leben lebt. Wer ist dieser Dr. Sommerfeldt?






Dieses Buch ist anders als die bisherigen Krimis von Klaus-Peter Wolf. Er beschreibt einen Mann, der die geerbte Firma nicht halten kann und vor seiner Familie nach Ostfriesland flieht, dort eine neue Identität annimmt und betrügerischerweise als Arzt arbeitet. Seine neue Liebe heißt Beate und ihr verfällt er mit Haut und Haaren.


Anfangs hat mir die Geschichte aus der verwendeten Ich-Perspektive des Doktor Sommerfeldt gut gefallen, ich habe seine Übergriffe auf gewalttätige Männer durchaus wohlwollend gesehen und akzeptiert. Seine lockere Art, die Erzählungen aus seiner Sicht unterhalten und zeigen viele Literaturverweise, die mich durchaus interessiert haben. Manchmal fabuliert er jedoch zu ausschweifen, er hört sich wohl gerne reden.
Und leider hat der Doktor auch in seinem Verhalten immer mehr die Verhältnismäßigkeit verloren und fühlt sich als unantastbarer Frauenbeschützer und Held, der mal einfach so mordet, um angeblich Schutzlose zu verteidigen. Er benutzt kaltblütig Messer und Pistolen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken und macht sich dann lediglich Gedanken darüber, wie er die Spuren des Mordes wieder beseitigen kann. Das wirkt auf mich sehr unglaubwürdig und mir ging diese Figur mit seinem überheblichen Getue auf die Nerven.  gibt er vor, Schutzlose zu verteidigen.
So mordet er auch aus nichtigen Gründen, wie den heiklen Erotik-Fotos seiner Geliebten Beate. 

Wenn der Autor mit diesem Buch an die großen Erfolge von Ingrid Noll und ihren männermordenden Frauen anknüpfen möchte, so ist ihm das leider nicht gelungen. Ihre Figuren sind allesamt bescheiden, morden aber nicht wegen ein paar Erotikfotos.

Hier wird zwar gemordet, es ist aber dennoch kein echter Krimi, ausdrücklich steht auf dem Cover Roman. Aber als unterhaltende Lektüre ist dieses Buch geeignet.
Es gibt nur wenig Spannung, weil man Sommerfeldt bei seinen Taten und Handlungen die ganze Zeit im Auge hat. Erst am Ende hofft man auf die Aufdeckung seiner Taten. 


 

Ein ganz anderer Roman, mit einem etwas überheblichen Protagonisten, der die Literatur liebt, über Leichen geht und dennoch ein Herz für die Schwachen hat. 



Montag, 24. Juli 2017

Vor dem Frost - Henning Mankell

Linda ist am Zug, löst sie jetzt ihren Vater ab?


"Vor dem Frost" von Henning Mankell ist der 10. Band seiner Wallander-Reihe und erschien 2003 im DTV.  


Kurt Wallanders Tochter Linda hat die Polizeischule abgeschlossen. Sie ist Polizeianwärterin in Ystad und darf ihren Vater bei seinen Ermittlungen inoffiziell begleiten. Gerade gibt es viele Fälle, bei denen jede weitere Hilfe bei der Polizei gebracht wird.
Ein Kalb wird bei lebendigem Leib verbrannt, sechs brennende Schwäne fliegen über den Marebo-See, Frauen verschwinden, eine Amerikanerin wird in der Kirche erdrosselt, und ein Lastwagen voller Dynamit läßt den Dom von Lund in Flammen aufgehen ...





Bei diesem Buch führt Henning Mankell den Leser in den
Dschungel Guyanas, wo eine Gruppe gläubiger Fanatiker einen Massenselbstmord inszeniert. Versprengte dieser Gruppe sammeln sich zum Angriff auf Menschen und Kirchen in Skåne und machen mit Morden und Entführungen weiter. 

Man erfährt in diesem Buch viel Privates aus dem Hause Wallander: über Lindas Selbstmordversuche und über ihre Mutter.
Das Zusammenleben von Vater und Tochter erweist sich als Herausforderung, Konflikte sind vorprogrammiert.


Wallander hat ungelöste Fälle zu bearbeiten. Plötzlich verschwindet Lindas Freundin Anna spulos nach einer Begegnung mit ihrem lange verschollenen Vater. Nun ermittelt Linda auf eigene Faust. Was hat das Wiederauftauchen Annas mit brennenden Schwänen, einem toten Kalb und der Ermordung einer Wissenschaftlerin zu tun?


Mankell spannt den Krimibogen um die Thematik Gewaltverbrechen aus religiösem Wahn und erinnert dabei an brisante reale Ereignisse:
Der Massenselbstmord einer Sekte in Südamerika und die Terroranschläge vom 11. September 2001.

Auch wenn ich den Plot etwas konstruiert empfunden habe, finde ich die Thematik und die unterschiedlichen Fälle sehr abwechslungsreich und authentisch dargestellt. Die Tieresmisshandlungen sind recht grausam, man kann sich kaum vorstellen, dass jemand dazu fähig wäre. 



Vor diesen Hintergründen gelingt Henning Mankell mal wieder ein spannender und fesselnder Krimi.





Montagsfrage # 48






Jeden Montag veröffentlicht Buchfresserchen eine Frage auf ihrem Blog, die man dann innerhalb von 7 Tagen beantworten kann. So lernt man die jeweiligen Blogger besser kennen!


Welche Erfahrungen habt ihr mit Gay Romance gemacht? Was reizt euch daran, was stößt euch ab? Habt ihr Lesetipps?

 

Das ist ein Genre, aus dem ich bisher noch nichts kenne, weil ich mich dafür auch nicht so interessiere, deswegen kann ich auch keine Empfehlungen abgeben. Mein Hauptaugenmerk liegt ja eher auf Krimis und Thrillern und  Romane mag ich ja eher im humorvollen oder historischen Bereich als in der Sparte der Liebesgeschichten. 

Es ist sicherlich egal, aus welcher Paarung eine Liebesgeschichte abläuft, sie muss nur inhaltlich gut sein, Gefühle zeigen und was mir bei Liebesromanen wichtig ist, auch über entsprechenden Tiefgang verfügen.  

Bei einigen Leserunden sind mir Romane über Homobeziehungen aufgefallen, doch die Inhaltsangabe konnte mich schon nicht überzeugen und so habe ich mich erst gar nicht beworben. 
Auch bei diesem Genre gibt es aber sicherlich Romane, die gut geschreiben sind und inhaltlichen Tiefgang besitzen. Solche Geschichten würden auch mein Leserherz erfreuen können. Tipps kann ich nur leider keine abgeben.  



Liebe Grüße und einen guten Wochenstart, Eure Sommerlese! 
 

Sonntag, 23. Juli 2017

In tiefen Schluchten - Anne Chaplet

Interessanter Start einer Krimireihe aus dem Süden Frankreichs

 

Der Krimi "In tiefen Schluchten" von Anne Chaplet ist der Start einer neuen Krimireihe aus dem Kiepenheuer & Witsch Verlag. Anne Chaplet ist das Pseudonym von Cora Stephan.


In der wilden Landschaft des Vivarais am Fuße der Cevennen liegt ein kleines Dorf namens Belleville, seit einigen Jahren auch Tori Godons Heimat. Hier wohnt die ehemalige Anwältin, 42 Jahre alt, mit ihrem Mann Carl, der inzwischen an Krebs verstorben ist. Tori hört von ihrer Freundin, dass deren Gast, ein holländischer Höhlenforscher, der sich bei ihrer Freundin einquartiert hat, verschwunden ist. Vom alten Didier Thibon erfährt sie von sagenhaften Schätzen und Schmugglerverstecken in den Höhlen , kurz darauf wird er tot aufgefunden. Auf der Suche nach dem Holländer stürzt Tori auf dem Karstplateau in eine Felsspalte und plötzlich ist auch ihr Leben in Gefahr. Was hat der Holländer mit der Geschichte der Hugenotten zu tun, die in dieser Region einst Zuflucht fanden? Wer aus dem Dorf weiß etwas darüber? 




In Anne Chaplets Buch geht es um die Hugenotten-Vertreibung im 17. Jahrhundert und um die Zeit der Résistance im zweiten Weltkrieg, die in dieser Gegend von der Bevölkerung unterstützt wurde.  


Zunächst hat mir der unterhaltsame Schreibstil von Anne Chaplet sehr gut gefallen. Man taucht ein in die Gegend in den Cevennen, mit ihren karstigen Gebirgen und erfährt, wie sich die Hugenotten dort im 17. Jahrhundert Glaubenskämpfe um ihren evangelischen Glauben lieferten. Die Schluchten mit ihren Höhlen waren häufig Verstecke, aber auch Bilderhöhlen aus der Altsteinzeit gibt es hier zu entdecken und mit schönen Landschaftsbeschreibungen bringt die Autorin den Leser mitten hinein in diese französische Gegend.

Erst nach einem Drittel des Buches entwickelt sich die Krimistory aus der Handlung in den Vordergrund. Vorher lernt man die Figuren und speziell die Protagonistin Tori näher kennen, erkennt ihre Einsamkeit nach dem Tod ihres Mannes Carl und taucht ein in das gezeigte französische Leben.

Tori ist mir sympathisch, sie findet heraus, dass ihr Mann Carl Hugenotten als Vorfahren hatte und entdeckt im Haus einige ungeahnte Hinweise mit geschichtsträchtigem Hintergrund. Doch nicht jeder empfängt sie hier in dieser Gegend mit offenen Armen. Es gibt immer noch Bewohner, die Deutsche aus Überzeugung nicht mögen.

Die Geschichte hat mich mitgezogen, auch wenn sie sich nur sehr langsam entwickelt. Der Schreibstil lässt sich sehr gut lesen und nicht nur Toris Suche nach dem Holländer sorgt für Spannungsmomente, denn sie gerät mehrfach in Gefahr.

Die Krimihandlung hätte jedoch etwas mehr Spannung vertragen können und auch das Ende hätte ich mir klarer gewünscht. Ich mochte die Figuren, den Charme der Gespräche und den Hund. Auch die Beschreibungen der historischen Vorgänge der Widerstandsbewegung finde ich gelungen, sie ergänzen die Handlung auf interessante Weise.

 

Sehr schön zu lesen, die Krimihandlung kommt spät in Gang. Für geschichtlich Interessierte mit frankophilen Wurzeln eine geeignete Lektüre.

***Herzlichen Dank an den KiWi Verlag und an Vorablesen, durch die ich dieses Reziexemplar erhalten habe!***



Samstag, 22. Juli 2017

Blaue Blumen - Carola Saavedra

Poetisch, aber inhaltlich um sich selbst kreisend. Die Liebe steht im Mittelpunkt, doch wo versteckt sie sich? Leider nicht mein Fall!

 

Der Roman "Blaue Blumen" von der brasilianischen Autorin Carola Saavedra erschien 2015 im C.H.Beck Verlag.

Eine unbekannte Frau schreibt Briefe an einen Mann, der sie verlassen hat und den sie sehr geliebt hat. Die Briefe landen jedoch bei einem ganz anderen Empfänger, bei Marcos, der mit seiner Frau in Trennung lebt und mit ihr eine kleine Tochter hat. Die Briefe bewirken in Marcos eine ungeahnte Sehnsucht. Er wird von den Briefen der Unbekannten seltsam ergriffen und so sucht er die genannten Orte auf, immer in der Hoffnung, die geheimnisvolle Frau zu treffen. Dabei vernachlässigt er seine Arbeit und wartet auf den nächsten Brief. 




Die unbekannte A. schreibt intensive, gefühlvolle Briefe an ihren ehemaligen Geliebten und Marcos erhält sie fälschlicherweise. Auch er lebt in Trennung und kennt die Gefühle der Schreiberin, er fühlt sich von ihr wie magisch angezogen.

Die Handlung in diesem Buch beschränkt sich auf die Briefe und darin wiederholen sich die Gedanken, die um diese verlorene Liebe kreisen.
Gleich mal vorab, leider konnte mich der Roman nicht überzeugen und ich frage mich, welche Intention die Autorin beim Schreiben hatte. Was wollte sie damit genau aussagen? Ich bin mir darüber nicht klar geworden.  


Dabei mag ich Carola Saavedras poetischen, feinfühligen Schreibstil, für ein Buch über romantische Liebe hätte das wunderbar gepasst. Aber hier geht es um eine Trennung und daher um Anklage, tiefes Bedauern und wütende Vorwürfe, die von der unbekannten Frau in langen verschachtelten Sätzen zu Papier gebracht werden. Ihre Gedanken kreisen um die Liebe, sie äußert wütend Vorwürfe und zeigt ihre bisherige Beziehung zu ihrem "Traummann" anklagend in bewegender Weise. Mir kommt beim Lesen ein Verdacht einer Abhängigkeit, einer unterwürfigen Hörigkeit dieser Frau in den Sinn. 


Aufgrund des Klappentextes habe ich eine Liebesgeschichte erwartet, die nicht nur in Melancholie badet. Handlungsmäßig geschieht hier nicht viel, denn hauptsächlich schreibt sich die unbekannte Frau A. detailliert ihre Beziehung von der Seele, bzw. schildert die Gründe, warum sie geendet hat. Dabei wiederholt sie in Briefform Erlebtes immer wieder, in der Hoffnung, der Geliebte möchte das Verlorene zurückgewinnen. Immerhin kämpft sie um ihre Liebe. 

"Um die Liebe zu besänftigen" (Zitat Seite 183) muss man aber nicht alles hinnehmen oder erdulden. Hier wird ein falsches Bild von Liebe dargestellt. Es ist eher eine Hörigkeit von Seiten der Frau.

Das ist bei Marcos und seiner Frau nicht so. Weil Marcos in seiner Frau eher die Fordernde sieht, für seine Tochter eher Desinteresse empfindet, merkt man schnell, er ist ein Mensch, der gleichgültig und ohne echte Zuneigung lediglich versucht seine Rolle zu spielen. Auch für seine aktuelle Freundin scheint er keine großen Gefühle zu haben.
Aber die Briefe rütteln ihn auf und lösen etwas in ihm aus. Auch er möchte ohne Bedingung geliebt werden. Er wird von den Briefen angezogen, doch er selbst bleibt der Mittelpunkt seiner kleinen Welt.

Die intensiv geschilderten menschlichen Tiefen, Abgründe und Gefühle habe ich trotz der melancholischen Wirkung gern gelesen. Auch wenn ich nicht wie A. empfinde, so finde ich ihren Schmerz und ihre Lebenszweifel gut dargestellt. Doch auch das Ende lässt mich ratlos zurück. Leider nicht mein Geschmack.





Ein ungewöhnliches Buch, das menschliche Abgründe aufdeckt und Fragen nach wahren Gefühlen nachspürt, aber mir fehlt die Kernaussage des Romans.





Freitag, 21. Juli 2017

Die Moortochter - Karen Dionne

Der Psychothriller "Die Moortochter" der amerikanischen Autorin Karen Dionne erscheint 2017 im Goldmann Verlag.

Ein Buch zum Verschlingen!


Helena Pelletier jagt ihren indianischstämmigen Vater, der aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen ist und dabei zwei Menschenleben in Kauf genommen hat. Was hat er vor, will er in der Wildnis abtauchen? 






"Die amerikanischen Ureinwohner haben das Konzept der Nachhaltigkeit begriffen, lange bevor es einen Namen dafür gab." Zitat Seite 261


Helena lebt mit ihrer Mutter und ihrem Vater in völliger Isolation im Moorland der Upper Peninsula. Diese Wildnis ist früheres Indianerland, urwüchsig, fast unbesiedelt. Sie ist Fährtenleserin und Jägerin, denn das ist hier überlebenswichtig. Es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser, keine Heizung und kein Geschäft für Grundnahrungsmittel. Alles was man zum Leben braucht, muss aus dem Wald, den Bächen und Seen und aus der Natur geholt werden. Helena vermisst keine Zivilisation, denn die hat diese gar nicht kennengelernt. Sie liebt das freie Leben in der Natur und sogar ihren gewalttätigen Vater, bis sie erfährt, dass er ihre Mutter als junges Mädchen entführt hat und sie kein Kind der Liebe ist.

Bei diesem Psychothriller konnte ich nicht aufhören zu lesen, ich habe ihn gestern erst erhalten und heute beendet. 

Ein Buch zum Verschlingen, das MUSS man lesen!

Selten war ich so fasziniert von einem Thriller wie bei "Die Moortochter". Gänsehautgefühle bei einer besonderen Verfolgungsjagd Helenas auf ihren Vater wechseln ab mit wunderschönen Landschaftsschilderungen und eindringlich geschildertem primitiven Einsiedlerdasein in der Wildnis.


An Helenas Seite streift man durch unberührte Natur, sieht die Tiere der Wildnis mit ihren Augen. Ich beobachte Kaninchen, Waschbären, Biber, Bären und Hirsche aus nächster Nähe und erfahre, wie diese Tiere zu jagen und zu schlachten sind. Sogar ein einzigartiges Erlebnis mit einem Wolf bringt uns Helena näher. Wenn sie erzählt, scheint ein Film abzulaufen. Fast spüre ich auch die entsetzlich juckenden Stiche und Bisse der Pferdebremsen, Gnitzen und Stechmücken, die in den Sommermonaten hier auftreten. Ich bewundere gewaltige Wasserfälle, sehe die Hickorybäume, aus denen die Indianer Bogen herstellten, sammel Wilderdbeeren und Heidelbeeren und entdecke wilde Schwertlilien, Seerosen und gelbe Ringelblumen (Marigold). Man kann sich kaum sattsehen an dieser prachtvollen Natur.


Doch immer wieder durchbricht Helenas Geschichte mit grausamen Details ihrer Kindheit diese vermeintlich schöne Idylle. Was hier zutage tritt, ist ein narzistisch veranlagter Vater, der sich seiner Wurzeln als Indianer bewusst ist, in der Natur überleben kann und über Helena und ihre Mutter herrscht wie ein Despot. Ein brutaler Mensch, ohne väterliche Liebe, sondern nur dem eigenen Zweck unterworfen. Kaum vorstellbar, dass Helena ihn trotz der harten Strafen und Schläge mochte. Aber echte Liebe wurde ihr nicht entgegengebracht, woher sollte sie diese dann erkennen.

Die Wechsel zwischen Helenas Kindheitserzählungen und der aktuellen Jagd auf ihren aus dem Hochsicherheitsgefängnis entlaufenen psychopathischen Vater, machen dieses Buch einzigartig fesselnd. Nur Helena mit ihrer Kenntnis der Wildnis kann ihn stellen. Sie kennt sich im Moor aus, bewaffnet sich und findet, nur begleitet von ihrem Hund, seine Fährte.  


Ich habe mitgefiebert, die Gelegenheiten dieser Jagd auf Leben und Tod mit Gänsehaut miterlebt und habe gedacht: "Schieß doch, Helena!".  


Diesen Thriller MUSS man lesen, es ist eine meiner Buchentdeckungen im Jahre 2017! 
Sensationell mitreißend geschrieben, ein Strudel von Spannung, Naturschönheit der Wildnis und den Drangsalen durch einen Psychopathen. 


 ***Dieser Thriller ist ein Rezensionsexemplar über das Bloggerportal von Randomhouse, herzlichen Dank an den Goldmann Verlag!***





Die fünfte Frau - Henning Mankell

Wallanders siebter Fall ist der persönlichste!


"Die fünfte Frau" ist Wallanders siebter Fall, der von Henning Mankell 1998 geschrieben wurde. Die schwedische Krimi-Reihe erscheint im DTV.

Henning Mankell wurde am 3. Februar 1948 in Stockholm geboren und verstarb am 5. Oktober 2015 in Göteborg. Kurt Wallander hat in Ystad eine Mordserie aufzuklären, bei dessen brutalem Vorgehen es selbst einem erfahrenen Polizisten kalt den Rücken hinunterlaufen kann. Ein alter Mann wurde in einer Pfahlgrube aufgespießt, ein anderer wurde nackt an einen Baum gebunden und erwürgt. Ein dritter wurde in einem mit Steinen beschwerten Sack in einem See ertränkt. Die Opfer sehen zunächst nach harmlosen Bürgern aus, aber bei den Nachforschungen stellt sich heraus, daß sie alle bereits Frauen grausam mißhandelt haben. 







Von Anfang bis Ende hällt Mankell hier die Spannung auf einem hohen Level. Ein ganz phantastisches Buch, sehr schön spannend, vielschichtig psychologisch und die Protagonisten sind durchweg sehr lebendig und lebensnah gezeichnet
.

Dieses Buch ist eines meiner liebsten der Wallander-Reihe, denn es wird sehr persönlich und man lernt dadurch Kurt Wallander näher kennen. Die bisher schwierige Beziehung zu seiner Tochter wird besser und intensiver und sie führen lange Gespäche, die man auch als Leser gern mitverfolgt. Kaum zurück von einer Reise mit seinem Vater nach Rom, holt ihn jedoch der grausame Alltag als Polizist wieder ein. Ein älterer Mann wurde in einer Grube mit Pfählen regelrecht zu Tode gespießt. Das lässt selbst einen so erfahrenen Kriminalisten wie Wallander gruseln.
Er kommt lange Zeit nicht auf den verbindenden Punkt der verschiedenen Leichen. Was verbindet die scheinbar harmlosen Bürger? Sind sie wirklich unschuldige Opfer oder verbergen sie etwas hinter ihrer normalen Fassade? Es ist die Gewalt gegen Frauen. Doch wer rächt diese Frauen und woher hat dieser Täter sein Wissen?  


Kurt Wallanders Erfolg als Polizist liegt zum einen an seinen akribisch ausgeführten Untersuchungen und auf seiner Fähigkeit, auf seinen Instinkt und seine Erfahrung zu hören.


In "Die fünfte Frau" spielt Rache eine ganz entscheidende Rolle, als Leser blickt man dabei in tiefe seelische Abgründe und sieht dank Mankell immer ein wenig mehr als sein Ermittler Kurt Wallander. Dieser tastet sich langsam, aber sicher vorwärts und verfolgt eine Spur bis Algerien. Dort wurden ein Jahr zuvor fünf Frauen von Fundamentalisten ermordet, vier Frauen waren Nonnen aus Frankreich und die fünfte war eine schwedische Touristin. Nun gilt es den Täter anhand eines Motivs zu finden. Eine fesselnde Suche, bei der man als Leser das Buch nicht mehr aus den Händen legen mag, denn es wird ein Wettlauf um das Leben weiterer potentieller Opfer. 


Henning Mankells Schreibkunst ist genial und unerreicht. Er erzählt sehr genau, beschreibt detailliert und entwickelt ein Feingefühl für menschliche Stimmungen im Guten wie im Bösen. Er besitzt die Fähigkeit, mutig gesellschaftskritische Fragen in seine Bücher einzubauen. So geht es im vorliegenden Buch um die Themen Bürgerwehr und aufkommende Gewaltbereitschaft der Schweden.

Absolut gelungen ist Mankell auch der Wechsel der Perspektive. Aus
Sicht des Täters lesen wir seine Gedanken,
tauchen dann ein in das Leben eines Opfers und enden bei den ermittelnden Beamten. 



Wer ist hier Opfer und wer Täter? Diese Frage überdauert auch nach der erklärenden Auflösung das Buch. Ein sagenhaftes Ende, wie es einem Mankell würdig ist. 


Freitags-Füller # 47


 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara von  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.

 

1. Oh Mist, diese Hausarbeit ist aber auch nie erledigt, jetzt sind mal wieder die Kellerfenster dran. Die Spinnen fühlen sich dort scheinbar richtig wohl!

  

2. Wenn ich die Nachrichten verfolge, dann sage ich mir:

"Wie gut habe ich es doch mit meinem Leben getroffen!"


 

3. Wollte ich nicht mal wieder zum Frisör?

 

4. In der letzten Zeit war ich häufig zum Essen, im Kino oder im Biergarten unterwegs.

 

 

5. Die Modesünde des Sommers ist mir völlig egal, es gibt immer Menschen, die merkwürdig gekleidet sind oder mit ihrer Kleidung auffallen.


6. Es ist dieses Jahr seit langer Zeit mal wieder passiert, dass ich Mückenstiche habe und richtig groß sind sie auch noch. Elende Viecher!


 

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine schöne Chorprobe, morgen habe ich einkaufen und vielleicht Friseur geplant und Sonntag freue ich mich auf einen Besuch von meiner Tochter und viel Lesezeit, hoffentlich auf der Terrasse.  


Was macht ihr so? Ich wünsche euch auf jeden Fall ein schönes Wochenende!

 

Donnerstag, 20. Juli 2017

Der Medicus - Noah Gordon

Der wohl beste historische Roman aller Zeiten!


Seinen wohl berühmtesten historische Roman "Der Medicus" schrieb Noah Gordon 1986. Meine Ausgabe ist das erste Taschenbuch aus dem Knaur Verlag und wurde von meiner Familie gelesen und von mir zweimal. Eigentlich hat dieses Buch mir erst das historische Genre schmackhaft gemacht.  

London 1021: Der Waisenjunge Robert Cole wird mit 9 Jahren von einem Bader als Lehrling aufgenommen und entdeckt so sein Interesse für Heilkunst und die Medizin. Nach dem Tod seines Meisters bricht er nach Persien auf, um im fernen Isfahan, bei Avicenna, dem berühmtesten aller Ärzte zu studieren. Rob trotzt mutig den Gefahren seiner weiten Reise, Hunger, Pest und den Überfällen religiöser Fanatiker. Unbeirrt folgt er seiner Berufung als Arzt und Heiler und nimmt für sein Ziel allerhand auf sich.  





Dieser Roman hat Weltklasseformat! 

Noah Gordon führt den Leser in die rauhe Welt des Mittelalters. Dort geht es unter der Beschreibung von Hunger und Pest, Armut und Seuchen hinein in eine mitreißende Handlung, die jeden Leser gefesselt in seinen Bann zieht. Es zeigt sich, wie die Menschen damals mit Vorurteilen und Angst der medizinischen Wissenschaft negativ gegenüber standen. Aber auch vom Klerus gab es die Auffassung, dass das Innere des Menschen gottgegeben und damit nur von ihm allein heilbar sei. Es war die Zeit des blinden Gottesgehorsams und auch die Zeit der Hexenverfolgung. 
 
Bei diesem Buch habe ich mit Rob gebangt, gehofft und gelitten, denn ich machte mich gemeinsam mit ihm auf die beschwerliche und gefährliche Reise in das orientalische Persien. Dort war die Wissenschaft der Medizin zu der Zeit schon viel weiter gediehen als in Europa. 
Rob hat zudem eine besondere Gabe, die ihn gegenüber anderen Menschen auszeichnet, er weiß, ob ein Mensch an seiner Krankheit verstirbt. Eine schwerwiegende und belastende Gabe, die Rob jedoch mit duldsamer Fassung erträgt.
Auf seiner Reise gibt er sich als Jude aus, nicht nur seine äußere Verkleidung passt er darauf ab. Er lebt nach jüdischen Gebräuchen und findet Freunde.


Noah Gordon versteht es wie kaum ein anderer Schriftsteller, das damalige Leben detailgenau, präzise recherchiert und dennoch äußerst unterhaltsam zu präsentieren. Vor dem geistigen Auge des Lesers entstehen großartige Bilder vom Alltagsleben und den Problemen der damaligen Zeit. Mir brannten sich eindringlich die Szenen mit den anatomischen Studien ins Gedächtnis.



Wer dieses Buch noch nicht gelesen hat, sollte es unbedingt tun! Selbst ausgewiesene Nicht-Historienfans werden davon begeistert sein! Ich kann es nur jedem ans Herz legen.





Top Ten Thursday # 27




Donnerstag ist TTT Top Ten Thursday bei Steffis Bücher Bloggeria. Worum geht es beim TTT? Es geht um Listen, natürlich um Bücherlisten und jeden Donnerstag gibt es eine neue Aufgabe/Frage bei der man seine persönliche Top Ten zusammenstellen kann.

Das aktuelle Thema lautet:

10 Bücher, auf deren Cover ein Tier abgebildet ist:

 

Das Thema finde ich ausgesprochen toll, ich habe einige Cover mit Tieren und die Auswahl fällt mir total leicht. 

 

Hier ist meine Liste: 

 

- Das Hexenmädchen | Nils Trojan von Max Bentow  5 * - Fuchs

 


- Altes Land von Dörte Hansen  5 * - Star



- Was man von hier aus sehen kann von Mariana Leky 5 * - Okapi 



- Stallgeruch von Dominik Kimyon 5 * - Alpaka



- Backfischalarm von Krischan Koch 4 * - Möwen, Papagei 




- Anfang 40 - Ende offen - Franka Bloom 4 * - Flamingo 



- Tote Hunde beissen nicht von Dietrich Faber  3 * - Hund

 


- Die Geschichte der Bienen von Maja Lunde 5 * - Bienen

 


- Zwetschgendatschikomplott von Rita Falk 5 * - Krähe

 


Zapfig von Felicitas Gruber 4 * - Hahn

 

Welche Tiercover habt ihr denn so ausgesucht? Kennt ihr das ein oder andere Buch meiner Liste?

Ich wünsche euch eine lesereiche Woche, 
Sommerlese! 

 



Mittwoch, 19. Juli 2017

Mordsleben. Ostfrieslandkrimi - Ulrike Busch

Ein echter Nordseeurlaubskrimi!


"Mordsleben" ist nach "Tod am Deich" und "Mordskuss" mittlerweile der dritte Band der Ostfrieslandkrimireihe "Kripo Greetsiel ermittelt" aus der Feder von Ulrike Busch. Die Reihe erscheint im Klarant Verlag



Im beschaulichen Greetsiel erschüttert ein besonderer Vorfall die Gemüter. Die norddeutsche Schauspielerin Leonie Altinga wohnt nun wieder in ihrer Heimat und wurde Opfer eines Schusswechsels, den sie unverletzt überstanden hat. Doch kurz darauf werden weitere Personen zum Ziel perfider Anschläge. Die betroffenen Personen haben alle eine Verbindung zu Leonies Leben. Aber ist Leonie wirklich das Opfer oder rächt sie nur den Tod ihrer Tochter und ihres Mannes? Die Ermittler Tammo Anders und Fenna Stern stehen vor einem Rätsel, gelingt es ihnen hinter die Fassade der Diva zu schauen. 






"Ein Mordsleben, ja, das hatte ich", sagte sie mit zynischem Unterton. "Erst der Unfalltod meiner Tochter. Dann der Selbstmord meines Mannes. Letzte Woche die Schüsse auf mich. Mörderischer geht es kaum." Zitat Seite 94

Ich mag Ulrike Buschs Krimis, ihr Schreibstil liest sich angenehm leicht, ein wenig humorvoll und dadurch erfrischend lebensnah. Die Story ist gut durchdacht, mit geschickten Wendungen fesselt sie den Leser an ihr Werk. Mir gefallen besonders ihre Protagonisten, das Ermittlerteam Tammo Anders und Fenna Stern, die ich von den Vorgängerbänden her kenne und daher auf ihre weitere Entwicklung gespannt war. 


Die Kommissare Fenna und Tammo sind ein tolles Ermittlerteam und sie harmonieren nicht nur bei der Arbeit wunderbar, auch privat sind sie zusammengewachsen und nun offiziell ein Paar. Eigentlich wollen sie nur ihre Zweisamkeit geniessen und dann hält sie der Fall Leonie Altinga beruflich auf Trab. Während Tammo bei Befragungen eher direkt ist und forsch zur Sache kommt, geht Fenna sehr feinfühlig und behutsam auf die Personen ein. So ergänzen sie sich perfekt und kommen im Fall des Mordanschlags auf Leonie Altinga dem Täter gewieft auf die Spur.  
 

Der Kriminalfall dreht sich um die alternde Schauspielerin und Krimiautorin Leonie Altinga. Welche Person kann auf sie einen solchen Hass haben oder ist hier nur jemand auf ihr Erbe aus? 
Fenna und Tammo finden bei ihrer Ermittlung keine direkten Feinde, aber in der Autobiografie der Frau verbergen sich einige dunkle Geheimnisse, die die Autorin vor der Öffentlichkeit verborgen hat. Doch diese Frau ist schwer zu durchschauen, denn als Schauspielerin versteht sie ihr Gesicht zu wahren, ohne in ihr Inneres blicken zu lassen. Wer ist hier nun Opfer und wer Täter? Da sind auch noch die Schwester und ihr 40 jähriges Muttersöhnchen, sind die beiden auf Leonies Erbe aus? Es bleibt lange undurchschaubar und das erhöht die Spannung natürlich ungemein. Die Charaktere sind allesamt unterhaltsam und vielseitig gezeichnet und als Leser kann man bei diesem Krimi schön miträtseln. Eine fesselnde Ermittlung, die den Täter noch nicht erraten lässt, so liebe ich Krimis.




Ulrike Buschs Krimis sind unblutig und dennoch sehr fesselnd zu lesen. Der Lokalkolorit um Greetsiel ist als schöne Hintergrundkulisse geschildert und man bekommt beim Anblick des hübschen Coverbildes sofort Lust auf einen Kurzurlaub an der Nordsee.


Dieser Krimi bescherte mir mit dem humorvollen Schreibstil schöne Lesestunden und in punkto Täterfrage hatte ich viel Spaß beim Rätseln. Ein perfekter Krimi für den Nordseeurlaub oder mit einer Tasse Ostfriesentee zuhause. 

***Dieses Buch wurde mir durch Ulrike Busch vom Klarant Verlag zur Verfügung gestellt! Herzlichen Dank dafür!*** 





 

Dienstag, 18. Juli 2017

Tod und Amore - Andrea Süssenbacher

Rasanter Krimi mit actionreifen Szenen vor italienischer Kulisse lüftet ein Geheimnis um Casanova

Casanovas letzte Liebe 

"Tod und Amore" heißt das Krimidebüt von Andrea Süssenbacher, das im Emons Verlag erscheint.


Schriftstellerin Alexandra zieht sich in das malerische Dörfchen Cormòns im Friaul zurück. Die junge Frau, die vorher in ihrer Wohnung gewohnt hat, wird getötet und plötzlich steht Alex unter Mordverdacht. Will ihr hier jemand ein Verbrechen unterschieben? Der Fund eines mysteriösen Amuletts bringt Alex auf eine Spur, die sie gemeinsam mit dem charmanten Kunstdieb Angela auf eine abenteuerliche Jagd von Venedig bis Triest führt.





Die Autorin startet ihren Krimi mit einem tollen Prolog, der sehr detailliert und für einen Krimi mit etwas pathetisch wirkenden Worten formuliert ist. Immer mal wieder blitzen diese Worthülsen durch die ansonsten eher rasante Krimihandlung hindurch, wenn die Autorin Schauplätze oder Stimmungen so bildhaft genau schildert, dass man meint, sie selbst vor Augen zu haben. Auch wenn ich diesen schönen Schreibstil mag, so kommt er mir doch für einen Krimi etwas untypisch vor. 

Der Krimi spaltet sich in zwei Handlungsebenen auf, die sich kapitelweise abwechseln und so den Spannungsbogen kontinuierlich steigern. Mal geht es um Alex und ihre irre Jagd durchs Friaul und dann begleitet man den Commissario bei seinen Ermittlungen. Durch diese direkte Nähe zu den Protagonisten gewinnt die Story an Spannung und nötigem Schwung.
Alex und Angelo werden als flüchtige Tatverdächtige von der Polizei verfolgt, doch es gibt scheinbar auch noch andere Verfolger, die ihnen nach dem Leben trachten. Oder sind die Verfolger korrupte Beamte?  Bei dieser spannenden Jagd geht es teilweise um Leben und Tod und man bangt als Leser richtig mit. Schon fast thrillerartig geht es hier zur Sache und Lesepausen möchte man nur höchst ungern einlegen, denn die aktionsgeladenen Szenen bei Autoverfolgungen oder durch unterirdische Tunnel sind einfach absolut fesselnd. 


Die Story spielt im Friaul, spürbar durchdringt das traumhaft schön geschilderte italienische Flair die gesamte Handlung auf allen Ebenen.
Das bewirken auch die häufig eingebauten italienischen Dialoge, sie bringen mit der wohlklingenden Sprache das Temperament und die authentische Geräuschkulisse mit. Sprachliche Verständigungs-Probleme sollte es keine geben, denn entweder werden die Sätze übersetzt oder die Bedeutung ergibt sich aus dem Inhalt heraus.  

Die Charaktere sind zahlenmäßig gut überschaubar und differenziert gezeichnet. Alexandra kommt als etwas chaotische Autorin daher, doch für eine Mörderin hält man sie nun wirklich nicht. Daher fiebert man umso mehr mit, dass ihr ihre Flucht bzw. die Täterjagd erfolgreich und unbeschadet gelingt.
Angelo ist ein verurteilter Kunstdieb, ein gut aussehender Adonis, der dem Krimi genügend Amore-Potenzial gibt, sodass die Handlung nicht zu krimilastig gerät. 

Die Thematik um den sagenumwobenen Casanova und seine Frauengeschichten hat Andrea Süssenbacher geschickt in ihren Krimi eingebaut und neben interessanten Einblicken sorgt besonders sein Herz in Form eines Amuletts für aufregende Erkenntnisse.
Ein ganz spezieller Code wird meiner Meinung nach jedoch etwas sehr flott und einfach entschlüsselt, hier fehlte mir persönlich das nötige Insiderwissen und ich wurde vor vollendete Tatsachen gesetzt. Hier hätte ich gern selbst ein wenig mitgeraten.



"Tod und Amore" bietet spürbares italienisches Flair, eine logische Story mit rasanten Verfolgungsjagden und gefährlichen Überfällen und ist einfach ein gelungener abenteuerlicher Krimi. Von dieser Autorin hoffe ich bald wieder zu hören bzw. zu lesen.  



Montag, 17. Juli 2017

Montagsfrage # 47






Jeden Montag veröffentlicht Buchfresserchen eine Frage auf ihrem Blog, die man dann innerhalb von 7 Tagen beantworten kann. So lernt man die jeweiligen Blogger besser kennen! Heute lautet die Frage:


Wenn du weder Buchverfilmung noch Buch kennst, was würdest du zuerst anschauen/lesen?

In der Regel kommt zuerst das Buch auf den Markt ehe bei großer Nachfrage dann über einen Film nachgedacht wird. So war es bei "Der Name der Rose", "Der Medicus", "Harry Potter" und "Ein Mann namens Ove". 

Natürlich habe ich dann immer erst das Buch gelesen, weil ja die Verfilmung viel später erschienen ist. Nur bei Ove habe ich das Buch nie gelesen und mich dann auf den Film gestürzt. Den fand ich sehr gelungen, auch wenn ich glaube, dass das Buch noch ganz andere Eindrücke in Oves Gedankenwelt vermittelt, die der Film gar nicht abbilden kann. 

Generell lese ich lieber zuerst das Buch, dann kann die Phantasie noch die Personen optisch ausbilden und man kann den individuellen Schreibstil der Autoren miterleben.


Wie sieht das bei euch aus, zuerst Buch oder Film?
 


Liebe Grüße und einen guten Wochenstart, Eure Sommerlese!