Sonntag, 30. Juli 2017

Tannöd - Andrea Maria Schenkel

Das Grauen auf dem Land 


Dieses Buch ist ziemlich ungewöhnlich aufgebaut, aber es hat mich unheimlich fasziniert. Beruht auf einem wahren Fall!



Andrea Maria Schenkel ist eine Hausfrau mit drei Kindern als sie ihr Debüt "Tannöd" 2006 schrieb. Der Roman erscheint bei btb und wurde mit dem Deutschen Krimi Preis und dem Friedrich-Glauser-Preis ausgezeichnet.

Der Tannöd-Hof der Familie Danner liegt in der tiefsten bayerischen Einöde. Sämtliche Bewohner des bayerischen Einödhofs werden tot aufgefunden – brutal erschlagen, niedergemacht mit der Spitzhacke. Jetzt heißt er nur noch Mordhof und vom Mörder fehlt jede Spur ...





Im streng gläubigen, erzkatholischen Tannöd wurde eine gesamte Familie in einer Nacht ausgelöscht. Die Bauernfamilie Danner lebte von der Waldarbeit, war arbeitsam und gottesfürchtig, aber auch verschlagen und habsüchtig und deswegen eher unbeliebt.
Nun haben die Dorfbewohner Angst vor dem unbekannten Mörder, der sogar vor dem Mord an kleinen Kindern nicht zurückzuschrecken scheint.
Wer könnte so einen Hass auf die Familie und ihr Personal haben, um sie mit einer Spitzhacke komplett auszulöschen? Bei diesem Buch kommt man Stück für Stück durch Befragungen hinter die Gemeimnisse dieser Familie und schaut dem Mörder bei seinen Taten förmlich zu.

Andrea Maria Schenkel verarbeitet in ihrem Buch eine wahre Begebenheit, die sich
am realen Mordfall Hinterkaifeck orientiert, der offiziell nie aufgeklärt wurde.
Als Erzählform wählt die Autorin den ausgefallenen Stil einer journalistischen Befragung, indem sie sich als Interviewerin nach Tannöd begibt und dort die Anwohner zu den Vorgängen auf dem Mordhof befragt. Die Stellungnahmen von Nachbarn, Bekannten, Pfarrer, Briefträger und Bürgermeister bringen eine Menge Meinungen, Vermutungen und auch viel Geschwätz mit sich. Niemand kannte die Familie wirklich sehr eng. So entsteht ein sich langsam aufbauendes Bild der Hintergründe zu dieser grausamen Tat. Es offenbahren sich schreckliche Familiengeheimnisse, man fragt sich hier: Wer war Täter und wer Opfer? 


Mir hat die besondere Form des Romans imponiert. Die Befragungen, nur unterbrochen von Fürbitten aus der Liturgie, bilden die Grundlage für ein Erahnen der Zustände auf diesem Hof. Ein wahres Verstehen ergibt sich erst im Laufe der Zeit, wenn man die Wissensbrocken zusammensetzt und das Ausmaß der schrecklichen Vorkommnisse auf dem Hof begreift.
Der Klatsch und die auffällige Religiösität lassen solche schlimmen Grausamkeiten kaum erahnen, doch hier kommen ungeahnte Zustände ans Licht.

Die Sprache der Befragten ist eher einfach und knapp und sehr schlicht, hier in der Provinz gibt es keine großen Redner. Es werden Gebete zitiert und der Pfarrer mutmaßt, dass der Mörder nicht unter seinen Schäflein zu finden sein kann.  

So hat jeder im Dorf seine eigenen Mutmaßungen und man verfolgt gefesselt die Stimmung im Dorf. Allmählich bildet sich das Tatmotiv heraus und man versteht die grausame Wahrheit dahinter.



Dieser Roman ist spannend wie ein Krimi, grausam wie ein Thriller und durch seine Anlehnung an einen wahren Fall faszinierend gut umgesetzt.
 



Kommentare:

  1. Das klingt meeega spannend! Titel gleich mal bei Amazon gespeichert, das Buch muss ich unbedingt auch lesen. Oh man, ich brauche dringend Platz für neue Bücher!!! Sehr schöne Rezi, lieben Dank dafür :)

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    1. Hallo Anja,

      danke sehr! :-) Ich kann dir aber auch Kalteis empfehlen, das nächste Buch der Autorin. Die Rezension habe ich wohl noch nicht auf meinem Blog gespeichert, werde ich bald nachholen.

      Lg Barbara

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