Dienstag, 1. August 2017

Tanztee - Hendrik Groen

Weiter nach dem Motto der "Alanitos": Aktiv bis zum Umfallen


Hendrik Groen, das Pseudonym eines unbekannten Autors, hat nach dem großen Erfolg von "Eierlikörtage" nun mit "Tanztee" sein zweites Buch um den liebenswürdigen Rentner Hendrik geschrieben. Der Roman erscheint im Piper Verlag.

Die Mitglieder des Alt-aber-nicht-tot-Club von Hendrik Groen und seinen Freunden Altenheim Amsterdam-Nord sind nun zwar noch ein bisschen älter geworden, aber auch im neuen Jahr stecken sie voller Energie und machen neue Pläne. Hendrik nimmt den Rentneralltag zwischen Arztbesuchen und Bingoabenden aufs Korn, beschwört die Kraft der Liebe und Freundschaft und findet immer wieder die passenden Worte für unsere verrückte und manchmal schreckliche Welt, der ein bisschen mehr Altersweisheit, Humor und Selbstironie verdammt gut tun würde. 




"Man bereut in erster Linie Dinge, die man nicht getan hat." Zitat Seite 11

Wie schön, nach seinem wunderbaren Buch "Eierlikörtage" kann ich wieder am Leben von Hendrik Groen und seinen Erlebnissen, seinen Gedanken und seinem Alanito-Club teilhaben. 

Hendrik Groen begibt sich nun im Altersheim Amsterdam-Nord zum Tanztee, 
d. h. eigentlich ja nicht direkt, aber das soll lieber jeder selber lesen. 
Auf jeden Fall berichtet er in diesem Buch über die neuen Ereignisse und wichtigen Veränderungen aus seinem Leben als Bewohner im Altenheim in Amsterdam und von seiner Erlebnissen mit seinem Alanito Club. 


Der Tod seiner Mitbewohnerin und guten Freundin Eefje hat Hendrik sehr getroffen. Ein ganzes Jahr lang lässt er sein Tagebuch geschlossen, bis er seine tägliche Verpflichtung wieder aufnimmt. 
Zum neuen Jahr hält Hendrik etwas Gehirngymnastik für nötig und so schreibt er erneut über das lustige Chaos seiner Mitbewohner, über eigene Gedanken zum täglichen Leben und auch über politische Dinge und Misstände in den Niederlanden und allgemein in Europa. Denn noch verfügt Hendrik über einen scharfen Verstand und seine Lebenslust ist trotz aller Tiefschläge des Lebens wieder neu erwacht. 

Dabei geht er offen, ironisch und ehrlich an alle Themen heran, die ihn tagtäglich so erreichen.
Hendrik Groen benennt die Probleme, Nöte und Sorgen älterer Menschen offen beim Wort und er geht mit ihnen beneidenswert ehrlich um. Ob Inkontinenz, tägliche Kleckereien bei den Mahlzeiten, Unfälle beim Rollatorfahren, Demenz oder selbstbestimmtes Sterben, hier wird alles schonungslos offen beim Namen genannt. 
Auch die Missstände in der Altenpflege werden nun aktiv im Seniorenbeirat bekämpft. In diesem Jahr 2015 muss Hendrik allerdings seinen alten Freund Evert nach besten Kräften unterstützen, denn Evert ist todkrank und möchte aber noch bis zum Schluss richtig leben. Ein mutiges Vorhaben, doch Everts Devise und warnende Botschaft lautet: "Nicht jammern, Groen. Aktiv werden!!!"

Denn die große Gefahr für alte Menschen ist die Bequemlichkeit. 

"Dadurch kommt das Leben nämlich quietschend zum Stillstand." Zitat Seite 430 

Seit dem letzten Buch hat sich Hendrik ein wenig im Umgang mit seinen Mitbewohnern verändert. Er nimmt nicht mehr alles klaglos hin, gibt auch schon mal Widerworte, wenn ihm etwas nicht passt und hat keine Lust, die letzten Jahre seines Lebens alles klaglos zu erdulden. Hier ist ihm sein Freund Evert nun doch ein großes Vorbild. Auch in sein Innerstes lässt Hendrik den Leser sehr tief blicken, er trauert um seine verstorbene Tochter, um Eefje und bekommt, recht überraschend auch noch ein reizendes Enkelkind. Schön sind in diesem Buch die Vergleiche zwischen Kindern und alten Menschen.


Das Thema Tod ist im Altenheim immer präsent. Hendrik macht sich Gedanken über das selbstbestimmte Sterben. Diese Abschnitte machen nachdenklich und zeigen, dass Sterben auch mit Würde und eigenem Willen zusammen hängt.

Auch das allgemeine Zeitgeschehen wird von Hendrik munter kommentiert, traurige Flüchtlingsschicksale lassen die Bewohner nicht ungerührt und auch Ereignisse des niederländischen Königshauses werden von deren Fans heiter mitgefeiert. 
Im Vordergrund steht die Botschaft an alle Senioren, ihren Lebensmut nicht zu verlieren. Ein Vorbild für alle ist die Freundschaft der Senioren-Mitglieder der Alanitos. Sie gehen gemeinsam Essen und lernen fremdländische Küchen kenne, machen Zoobesuche oder bewundern botanische Gärten.
Es gibt immer lohnenswerte Ziele, die den alten Menschen Freude machen, ihnen neue Horizonte eröffnen und das Leben wieder lebenswert machen.



Auch dieses Mal habe ich das Tagebuch gern mitverfolgt, habe geschmunzelt, mit getrauert und mich einfach von Hendrik und seinem Lebensmut anstecken lassen. Solche ernsten Themen wie selbstbestimmtes Sterben tragen zum allgemeinen Nachdenken an und zeigen, wie wichtig hier ein gesellschaftliches Verständnis ist. Nur Mut und Lebenswille allein zählen nicht, auch Körper und Geist muss noch Kraftreserven mobilisieren können. 

***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für die Überlassung dieses wunderbaren Romans! ***


  


Kommentare:

  1. sehr interessantes Buch, dass Du heute uns vorstellst.
    Ich mag leider solche Bücher nicht sooo gerne.
    Irgendwie erinnert das mich gerade an den 100-jährigen, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Das hat mir leider auch nicht so gut gefallen obwohl es so gehypt wurde.
    Liebe Grüße
    Andrea

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    1. Hallo Andrea,

      Die Analphabetin fand ich auch unmöglich.
      Aber dieses Buch ist nicht so ein "Nonsens-Buch" mit irren Aktionen und merkwürdigen Eskapaden wie beim 100-jährigen, sondern ein sehr realistisches Tagebuch eines 86-jährigen Altenheimbewohners.
      Man beachte auch den Altersunterschied, *grins!

      Liebe Grüße
      Barbara

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