Meine reBuy-Bestellung ist da!
Ab und zu bestelle ich mir interessante gebrauchte und damit günstige Bücher bei reBuy.
Gerade bei älteren Bucherscheinungen macht es für mich mehr Sinn, diese Ausgaben Secondhand zu erwerben. Das spart den Geldbeutel und freut die Vorbesitzer! Gern nehme ich auch diese Bücher mit in den Urlaub und lasse sie dort im Bücherschrank. Für 1-2 Euro ist das eine dankbare Sache, denn auch ich freue mich immer, wenn ich im Urlaub auf unverhoffte Bücher treffe.
Einen Teil meiner Neuerwerbungen habe ich dieses Mal der Autorin Ingrid Noll gewidmet. Durch "Die Apothekerin" bin ich ihrem wunderbaren Schreibstil verfallen und diese Exemplare sind meine neuesten Errungenschaften, für die ich gerade mal 12 Euro bezahlt habe.
Kennt ihr Bücher der Autorin und welches hat euch denn am besten gefallen?
Herzliche Grüße Eure
sommerlese!
Amüsanter Wohlfühlkrimi zwischen Blaubeerfeldern und Misthaufen
Der Kriminalroman Blaubeermorde ist das Debüt von Mareike Marlow aus dem Knaur Verlag und der erste Band einer Reihe.
Tessa
ist 32, arbeitet als Fotojournalistin in Berlin und verliert ihren Job.
Eine Erbschaft lockt sie aufs Land. Dort lernt sie Jana, ihre
63-jährige Halbschwester kennen, die als Ärztin gerade in den Ruhestand
gehen will. Nun muss sie sich mit ihrer neuen Schwester arrangieren und
unter einem Dach leben. Hier machen sich eine quirlige Berliner Göre und
eine gestandene norddeutsche Eiche zusammen an die Lösung ihres ersten
Mordfalls.
Dieser Krimi hat mich in eine angenehme Wohlfühlatmosphäre versetzt, der auch ein paar Tote nichts anhaben konnten.
Im
beschaulichen Burgheide fühlte ich mich auch gleich wohl und es war wie
ein zweites Zuhause für mich. Man sieht sich dank der bildhaften
Beschreibungen direkt in die ländliche Idylle hinein versetzt und lernt
auch schnell die verschiedenen Bewohner kennen.
Dabei hat
mich der flüssige, ungekünstelte und humorvolle Schreibstil der Autorin
durch die Seiten fliegen lassen und besonders die liebevoll gezeichneten
Charaktere verleihen der Geschichte einen besonderen Charme. Aus der
Sicht der Protagonistinnen Jana und Tessa lernt man die Figuren und die
Handlung genauer kennen.
Zu Beginn werden sehr unterhaltsam die Personen eingeführt und schnell wird deutlich, sie haben alle so ihre Ecken und Kanten.
Tessa
und Jana werden auf einmal zu Schwestern und kommen sich trotz allerlei
Vorbehalte auch gegen ihren gemeinsamen Vater schliesslich näher.
Alle
im Dorf lieben Tee oder Kaffee und auf jeden Fall Selbstgebackenes des
Dorfpolizisten Martin. Der ist zwar schüchtern, aber backen kann er wie
kein anderer.
Nachdem man also sich im Dorf heimisch fühlt und die
ländliche Idylle geniesst, hat die schöne Harmonie plötzlich ein Ende,
denn es gibt einen Leichenfund. Das gehört sich ja auch für einen Krimi
so!
Jana und Tessa haben eines gemein: sie sind neugierig und
nicht auf den Kopf gefallen, daher nehmen sie kurzerhand die
Täterermittlung auf. Das findet Martin ganz wunderbar, nicht aber sein
Vorgesetzter, der nicht gerade die hellste Flamme am Kommissarhimmel
ist.
Er sitzt viel lieber im schönen Reviergarten und verzehrt Martins legendäre Backerzeugnisse.
Es gibt immer wieder etwas zu lachen, ob nun das neue Haustier namens
Lassie oder der Dorftratsch ist, ich musste häufig schmunzeln und fühle
mich in diesem Buch bzw. in Burgheide richtig wohl. Auch wenn in diesem
Krimi kein Blut fliesst, ist die Täterermittlung doch interessant und
spannend zu lesen. Denn die Detektivschwestern setzen alles dran, den
Täter dingfest zu machen.
Dieser Krimiauftakt ist unterhaltsam,
amüsant und toll zu lesen. Die ländliche Idylle und die verschiedenen
Figuren machen Spaß und die Spannung kommt auch nicht zu kurz. Der
nächste Band dieser Reihe erscheint bald und ich freue mich schon auf
ein Wiedersehen im schönen Burgheide.
***Leserundenexemplar von lovelybooks - Vielen Dank
an den Knaur Verlag für die Bereitstellung des Buches und
an die Autorin für die nette Leserundenbegleitung!***
Von den Anfängen des Berufsstandes der Hebamme
Toril Brekke ist eine norwegische Autorin, die in ihren historischen
Romanen Zeitgeschichte anschaulich widerspiegelt. Ihr Roman Sara ist
aus dem Jahre 2003 und sollte unbedingt wieder aufgelegt werden. Das
Buch erschien im Droemer Knaur Verlag.
Sara Cold ist die die
Tochter eines Vogts und soll mit einem viel älteren Witwer verheiratet
werden. Doch aus Verzweiflung brennt sie mit Oskar, einem armen Fischer
durch. Den hat sie kurz zuvor kennen und lieben gelernt.
Sara
heiratet, lebt mit ihrem Mann an der westnorwegischen Küste und bekommt
drei Kinder. Als Fischerfamilie haben sie mit Armut und auch mit viel
Arbeit zu kämpfen. Ihr Mann bleibt auf See, leider für immer.
Sara
kennt die Schwierigkeiten der Geburt und die harten Schicksale
gestorbener junger Mütter und interessiert sich für eine Ausbildung als
Hebamme, die ihr die Stadtobersten bezahlen. Ihre Kinder bleiben bei
Verwandten. Nach Beendigung der Ausbildung kehrt sie zurück und
versucht, ihre Kinder wieder als Familie zu verbinden. Sie heiratet den
Lehrer, doch das ist ein Fehler. Ihren Beruf muss sie aufgeben und nur
noch wie damals üblich Frau und Mutter sein. Etliche Geburten machen ihr
danach zu schaffen.
Der zweite Teil des Romans zeigt die Geschichte der ältesten Tochter unter dem Titel "Die Frauen vom Fjord".
Dieser Roman führt in die erste Hälfte des 19.
Jahrhunderts nach Norwegen und zeigt die ärmlichen Bedingungen der
Bevölkerung und auch die schlechte medizinische Situation der Zeit. Aber
auch die unterwürfige Stellung der Frau der damaligen Zeit wird
besonders hervor gestellt.
Die Figur der Sara ist der Autorin
meisterhaft gelungen. Sie ist die Heldin des Romanes und ihr einfühlsam
geschildertes Schicksal begeistert mich ungemein. Man kann sich
wunderbar hineinversetzen in Saras Rolle, die sie zu spielen hatte und
ist tief betroffen, wie sehr Frauen nur als Muttertiere und
Arbeitskräfte und ohne eigene Meinung angesehen wurden. Strenge
Moralvorstellungen und männliche Doktrien waren die obersten
Lebensrichtlinien, nach denen die Frauen zu funktionieren hatten.
Ausbildungen von Frauen waren die Ausnahme und wurden nur so lange
geduldet, bis eine Verheiratung die Frauen ihrer Selbständigkeit
entriss. Was für ein schrecklicher Gedanke, wie hier mit Frauen
umgesprungen wurde und wie es in manchen Kulturkreisen ja auch heute
noch üblich ist.
Toril Brekke ist eine fantastische Erzählerin
und überzeugt mit ihren lebensecht wirkenden Charakteren und einem
wunderbaren Schreibstil.
Sie gibt den Lesern einen authentischen
Einblick in das Leben dieser Zeit und zeigt die menschlichen Nöte und
Sorgen sowie rückständige Moralvorstellungen. Mit emotional wirkender
Schilderung wird man in dieses Zeit zurück versetzt und erlebt die Angst
und Verzweiflung fast selbst mit. Das einfache harte Leben als arme
Fischersfamilie schildert Brekke sehr deutlich, doch dort spürt man
Harmonie und Hoffnung, während das reiche Zuhause Saras mit ihrem Lehrer
eher Unterdrückung und eine leidende Seele offenbahrt.
Ein
wunderbarer Roman, der in die Ursprünge der weiblichen Emanzipation
eintaucht und einzigartig zu lesen ist. Unbedingt wieder neu auflegen,
bitte!

Tolle Gewinnpost angekommen
Seit längerer Zeit kaufe ich gerne bei Weltbild ein, es gibt auch in meinem Wohnort eine gut sortierte Filiale und zur Not geht es ja auch online wunderbar.
Auch meine Rezensionen stelle ich ab und zu gerne auf der Weltbild Seite ein.
Im Januar habe ich nun mit der folgenden Besprechung den Kommentar des Monats abgeräumt.
Eschi Fieges Mittagstisch
Der Gewinn ließ nicht lange auf sich warten: ein supernagelneuer Tolino shine!
Da kann man mal wieder sehen, auch mit Büchern kann man viel Glück im Leben haben!
Herzliche Grüße und noch einen schönen Sonntag wünscht euch
Eure sommerlese!
Ein wunderschöner Schreibstil nimmt gefangen und enthüllt eine tragische Vergangenheit!
Die vielfach ausgezeichnete brasilianische Schriftstellerin Adriana Lisboa schrieb den Roman Der Sommer der Schmetterlinge. Für ihr Debüt "Sinfonia em branco" erhielt sie den José Saramago-Preis. Der Sommer der Schmetterlinge erscheint im Aufbau Verlag.
Die Schwestern Clarice und Maria Inês wachsen in den 50er Jahren auf
einer Fazenda im Hinterland Rio de Janeiros auf. Ihre Kindheit inmitten
ländlicher Idylle und üppiger Natur erscheint harmonisch und behütet.
Doch in Wahrheit teilen die Mädchen ein dunkles Geheimnis miteinander,
das sie für ihr späteres Leben prägt. Mehr als 20 Jahre nach den
geheimnisvollen Vorfällen treffen sich die Schwestern auf der Fazenda
und ein schreckliches Geheimnis wird enthüllt.
"Der Sommer der Schmetterlinge" ist ein wunderbar poetisch
geschriebener Roman, der mit leisen Tönen fasziniert und
schicksalsbezogene Emotionen freigibt.
Aus verschiedenen Perspektiven zeichnet die Autorin mit einer
beeindruckenden Sprache eine tragische Geschichte, die im Leben der
Protagonisten tiefe Spuren hinterlassen hat. Als Leser wird man
unweigerlich in einen Sog gezogen, sieht die verhängnisvollen Folgen in
der Familie und erkennt die Ursachen erst zum Ende vollständig, wenn
sich alle Puzzlesteinchen zu einem ganzen Bild zusammengefüht haben.
Vorher erkennt man nur die augenscheinlichen Entwicklungen der beiden
Schwestern, die sich in Suizidversuchen und Drogenkonsum von Clarice und
in gedankenlosen Seitensprüngen, Misstrauen und schockierendem
Verhalten Maria Inês zeigt.
"An allem, was missfallen, schockieren, erschrecken, Abscheu erregen konnte, fand Maria eine morbide Freude." Zitat S. 39
Dabei habe ich früh schon einen Verdacht geahnt, verdrängte ihn aber
genau wie die Figuren im Buch inmitten des Zaubers der geschilderten
Jugend und wunderschönen Naturschönheiten. Es ist fast so als wenn die
Autorin den Leser ablenken möchte von den tragischen Geschehnissen. Sie
baut Zeitsprünge ein, fügt Bilder und Musik hinzu und lässt über allem
die Schmetterlinge flattern, die sich gerade am Steinbruch todesmutig in
den Abgrund stürzen. Das gibt dem Roman einen leicht mystische Note und
lässt alles in einem fröhlicheren Licht erscheinen, als es in
Wirklichkeit der Fall ist.
Gerade die Naturschilderungen haben eine geradezu faszinierende Wirkung. Man erlebt die Natur hautnah mit, wenn es heißt:
Die Sansevierien und Monsterae überwucherten den Hang
hinter dem Haus, und im Obstgarten spendeten die Jabuticabas Schatten,
während die schlanken Papayamäume von Früchten überquollen. Zitat Seite 116
Die
Figuren erleben nicht geklärte Konflikte mit Auswirkungen auf ihre
Seele, jede scheint die andere verletzen zu wollen. Erst mit einer
Aussprache scheint ein annehmbares Weiterleben für beide Schwester
möglich zu werden. Es kommt die Hoffnung auf, das Vergangene ruhen zu
lassen.
Dieser Roman hat mich mit der stilvollen Sprache angenehm
unterhalten, aber auch Fragen aufgeworfen, mich an die Charaktere
herangeführt, sie mir aber nicht genug nahe gebracht. Die Schwestern
erscheinen mir selbst nach der Lektüre wie flatterhafte Schmetterlinge.
Denn ihre Geschichte zeigt nicht die innere Zerrissenheit, sondern nur
die äußerlich gezeigten Reaktionen.
Die Naturbeschreibungen muss ich besonders lobend erwähnen, hier war
man als Leser gefangen inmitten der unglaublichen Natur Brasiliens.
Ein tiefgründiger Roman, der ein schwieriges Thema aufgreift
und die fürs Leben entstellenden Folgen beschreibt. Kein einfach zu
lesender Roman, aber einer, der in einer poetischen Sprache Tragik
enthüllt.
***Gewinnexemplar von Lovelybooks - Vielen Dank
an den Aufbau Verlag für die Bereitstellung des Buches! ***
Tolle Idee, hier Mystik und Aberglauben einzustreuen, wirkt aber etwas konstruiert!
Mysteriöser Sargklau
Der Tote vom Zentralfriedhof von Beate Maxian ist der vierte Band um die Journalistin Sarah Pauli. Der Wien-Krimi erschien 2014 im Goldmann Verlag.
Sarah Pauli plant eine Kolumne über das mystische Wien für den
"Wiener Boten". Fremdenführerin Erika Holzmann veranstaltet auch
Führungen zu geheimnisvollen Orten der Stadt und verspricht Sarah zu
einer neuen geheimnisvollen Entdeckung Informationen. Doch Erika
verschwindet noch vor dem geplanten Treffen. Chefinspektor Martin Stein
glaubt, dass Erika verreist sei, während Sarah von einer Entführung
ausgeht. Kurz darauf wird vom Zentralfriedhof der Sarg eines Millionärs
gestohlen, samt Leiche. Sarahs Neugier ist geweckt und sie mischt sich
in die Ermittlungen ein, gegen Steins ausdrücklichen Wunsch natürlich.
"Nix ist passiert. Verstanden? Absolut nix. Belassen
Sie’s dabei, und spielen Sie um Himmels willen nicht schon wieder Miss
Marple. Das steht Ihnen nicht. Kümmern Sie sich lieber um ihre Hexen und
Geister, da sind S‘ besser aufgehoben.“ (Zitat Seite 81 Stein an Pauli gerichtet)
Für ihre neue Kolumne "Das mystische Wien" befasst sich Sarah Pauli
intensiv mit Aberglauben, Mystik, Symbolen und Geheimzeichen. Daher
nennt man sie in ihrer Redaktion auch die "Hexe vom Dienst". Dazu passt
natürlich prima ihre schwarze Katze. Doch Sarah ist jung und hübsch und
alles andere als eine Hexe und abergläubisch ist sie auch nicht. Sie
fragt gezielt nach und sieht mehr als andere Menschen und beschäftigt
sich mit Inhalten zur Numerologie und Symbolik, die von alters her
Menschen, Freimaurer und Geheimbünde geprägt haben. Für die altrömischen
Götter und sogar Albrecht Dürer waren Zahlensymbolik und deren Deutung
Zeichen für Schicksal.
Sarah befasst sich mit der Materie und wirft
einige Begriffe auf wie auch das magische Jupiterquadrat. Das ist zwar
interessant zu lesen, echten Einblick erhielt ich aber nicht, dafür ist
mir das Ganze zu fremd und abstrakt.
Die Krimihandlung hat mir gut gefallen, das Konzept mit dem
rumänischen Kriminellen, dem gestohlenen Sarg und den schaurigen
Schauplätzen des Friedhofs und der Unterwelt Wiens sorgt für reizvolle
Gruselstimmung. Die Personen sind auch ohne Kenntnis der Vorgängerbücher
gut erkennbar und die privaten Verhältnisse werden deutlich gemacht.
Schön sind die vielen ausschmückenden Details, die die Charaktere
bildhaft darstellen, allen voran der böse Rumäne mit seiner Angst vor
dem "bösen Blick".
Beate Maxian hat einen tollen Erzählstil, der
sich flüssig und gut lesen lässt. Wie sie immer wieder Wiener Sprache
einstreut, gibt dem Buch zu den vielen erwähnten Schauplätzen ein
angenehmes Wiener Flair.
Mich haben aber die vielen eingearbeiteten Informationen über Symbole
oder Kunstwerke von der eigentlichen Krimihandlung abgelenkt.
Sicherlich müssen Erklärungen zur Thematik erfolgen, aber hier wurde
vielleicht mit zu viel Liebe zum Detail gearbeitet. Denn immer wenn es
spannend wurde, kamen recht zähe Erläuterungen, die den Spannungsbogen
einschränkten.
Das Ende brachte einen rasanten Spannungsanstieg mit sich, aber auch
hier wirkt der Kampf zwischen einer jungen Frau und einem
Auftragskiller, der ausgebildeter Soldat war, nicht ganz glaubhaft.
Dennoch fühlte ich mich gut unterhalten und möchte gerne mal nach Wien
auf den Zentralfriedhof.
Dieser Krimi punktet mit seinem
unterhaltsam mystischem Touch und einem packenden Finale, zeigt
interessante Einblicke ins Mausoleum und enthält eine Menge
Lokalkolorit.
Ein typischer Schenkel Krimi!
A.M. Schenkel bleibt ihrem Stil treu: spannend, lakonisch und bayrisch erzählt sie die Geschichte eines Justizirrtums!
Der Kriminalroman Finsterau von Andrea Maria Schenkel erschien 2012 im Hoffman und Campe Verlag.
1944:
Im kleinen Dorf Finsterau im bayrischen Wald lebt die arme Familie
Zauner. Die Tochter Afra verlässt ihre Eltern, arbeitet als Bedienung
und kehrt einige Zeit später unverheiratet schwanger wieder zurück. Ihr
streng katholischer Vater ist gegen diese Sünde und es gibt immer wieder
Zank und Streit. Eines Tages liegt Afra erschlagen in der Stube neben
ihrem blutüberströmten Sohn …
Auch in diesem Krimi über einen historisch belegten Kriminalfall bleibt
Andrea Maria Schenkel sich ihrem knappen, aber treffenden Schreibstil
treu. Sie führt dem Leser stückchenweise Informationen zu, die sich
allmählich zu einer tragischen Geschichte entwickeln. Dabei erzählt sie
lakonisch einfach, ohne ausschmückende Einzelheiten die nackten
Tatsachen einer tragischen Tat und die Verurteilung eines Unschuldigen.
Sie
führt dem Leser in wechselnder Erzählperspektive die Geschehnisse vor
Augen, die schliesslich zu einer vorschnellen Verurteilung führten.
Dabei geht die Chronologie wechselnd von statten.
Die Autorin bedient sich einer knappen Einfachheit der Sprache und bindet alte Begriffe wie Höll, Schofel, Gatschis, Gscheidhaferl u.ä.
mit ein. Der Leser taucht stimmig in die damalige Zeit ein. Aber auch
die spätere Neu-Untersuchung des Falles hat eindringliche Züge, die die
tragischen Geschehnisse unterstreichen. Dabei steuert die Handlung
allmählich auf die Ermordung und die spätere Aufklärung der Tat zu.
Diese Spannungsentwicklung ist anders als bei Who done it-Krimis.
Interessant finde ich auch die Atmosphäre, die durch die verschiedenen Personen geschaffen wird.
Da
gibt es arme Häusler, also Kleinstbauern mit eigenem Haus, aber mit
wenig Grundbesitz. Aber auch fahrendes Volk, die Jenischen, die als
Scherenschleifer ihren Unterhalt verdienten und hie und da auch
kriminell wurden.
Der Vater zeigt zu dieser Zeit schon Anzeichen
einer Demenz, die man damals noch nicht als solche gekannt hat. Er wurde
für psychisch gestört erklärt. Ob wohl viele solcher Fälle für fremde
Taten die Strafe angetreten haben?
Dieser Krimi hat
mich mitgerissen und mir die Tragik der damaligen Umstände deutlich vor
Augen geführt. Die lakonische Erzählweise der Autorin ist nach meinem
Geschmack, das muss nicht bei jedem Leser so sein. Mir hat sie mit
diesem Buch spannende Lesezeit geschenkt.