Eine Neuausrichtung des Lebens!
Mirabellentage von Martina Bogdahn erscheint bei Kiepenheuer & Witsch.
Der Tod des bayrischen Dorfpfarrers Josef bringt das Leben seiner Haushälterin Anna aus dem Gleichgewicht, denn es ist auch ein persönlicher Verlust. Sein Nachfolger Fridtjof ist ein junger Mann aus Friesland, den Anna erst einmal in die örtlichen Gegebenheiten einführt. Doch eine andere Aufgabe bereitet ihr viel mehr Kopfzerbrechen, sie muss Josefs letzten Wunsch erfüllen und seine Asche von Bayern ans Meer bringen. Einen Führerschein hat sie, aber keine Fahrpraxis und Fridtjof hat nur einen Bootsführerschein. Sie nimmt Fahrstunden und geht die Aufgabe an. Dank Josefs letztem Wunsch wird Annas Sicht aufs Leben erweitert und sie findet ihr persönliches Glück.
"Nur wer von zu Hause weggeht, kann heimkommen." Zitat S. 315
Mit Anfang 50 hat Anna den Tod ihres Chefs und ehemaligen Freundes aus Kindertagen zu verkraften. Als pflichtbewusste Haushälterin hat sie Pfarrer Josef viele Jahrzehnte hilfreich unterstützt und beide verband eine enge Freundschaft, sie man beim Lesen erfährt.
Erst einmal organisiert Anna die Beerdigung und vor lauter Aufgaben kann sie gar nicht richtig Abschied nehmen von Josef. Da kommt auch schon der neue Pfarrer Fridtjof angereist, der sich als Friese überhaupt nicht auskennt mit den ländlichen Gegebenheiten im Dörfchen Blumfeld. Während ihn Anna in seine neue Wahlheimat einführt, erzählt sie ihm Anekdoten von den Menschen und ihren Geschichten und nimmt uns Leserinnen gleichzeitig mit in das Dorfleben mit seinen Figuren und Schicksalen.
Für Anna stellte sich nie die Frage nach ihren Wünschen für die Zukunft, sie lernte Kochen und stolperte eher zufällig hinein in ihre Aufgabe als Haushälterin des Pfarrers. Beide wuchsen an ihren Aufgaben und liefen in diesen gewohnten Bahnen ohne links und rechts zu sehen und eigene Wünsche im Leben voran zu stellen. Nach Josefs Tod bekommt Anna nun die Chance ihres Lebens durch Josefs letzten Wunsch.
Anna erzählt von dem Menschen im Dorf und von sich selbst und so lernen wir sie mehr und mehr kennen. Es hat mich nicht gewundert, dass sie einmal Pfarrer Josef im Gottesdienst vertrat und auch sonst viele Dinge im Alltag gelenkt hat. Ohne Josef macht sie die Erfahrung, dass es noch mehr gibt im Leben als nur Pflichten und Routine. Ich habe geschmunzelt und war berührt von verschiedenen Erlebnissen und Schicksalen der Dorfbewohner und habe mir für Anna Glück erhofft.
Martina Bogdahn hat eine erzählerische Gabe, mit der sie die Natur, das
Leben auf dem Land und ihre Figuren lebensnah und humorvoll in Szene
setzt. Sie lässt Streiche von Kindern
aufleben, bringt uns den dörflichen Alltag näher und stellt uns einzelne
Bewohner mit persönlichen Erlebnissen und Besonderheiten vor. Das ist
sehr unterhaltsam, es erzählt aber auch von einer Vergangenheit, die
Licht- und Schattenseiten hat und einige Klischees enthält. Dazu zählte
für mich der trinkfreudige Männerausflug. Doch viel mehr hatte ich mich
auf den Roadtrip ans Meer gefreut, der im ganzen Roman doch recht kurz
abgehandelt wird.
Ein kurzweiliger Roman über eine Frau, die aus Pflichtbewusstsein aus ihren gewohnten Bahnen ausbricht und ihrem Leben doch noch mehr abgewinnt als sie es je für möglich gehalten hat.
***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag und Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***


Hallo liebe Barbara,
AntwortenLöschendas Buch ist ja z.Z. in aller Munde.
Über https://www.argon-verlag.de/gewinnspiele gibt es gar ein signiertes Hörexemplar zugewinnen Teilnahme bis 6.5.2026.
Vielleicht mag ja jemand da teilnehmen noch.
LG..Karin..