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Mittwoch, 8. April 2026

Stunden wie Tage - Shelly Kupferberg

Große Leseempfehlung für dieses bewegende Zeitzeugnis! 

 
Im Diogenes Verlag erscheint der Roman Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg. 
 
Shelly Kupferberg erzählt eine berührende und bewegende Familiengeschichte, die uns anhand von mehreren Schicksalen die Grauen der Nazizeit vor Augen führt.   
 
 

 
Im Prolog wird uns die alte Martha vorgestellt, die ungepflegt und in abgerissener Kleidung durch ihren Schöneberger Kiez läuft. Einige Bewohner kennen sie vom Sehen, doch welch besondere Vergangenheit hinter ihr liegt, weiß kaum jemand. In der folgenden Handlung erzählt Shelly Kupferberg davon, was die alte Dame in den letzten Jahrzehnten erlebt hat und welche besonderen Schicksale mit ihr verknüpft sind. 
 
Der Roman startet in Berlin-Schöneberg und erzählt auf unterhaltsame und "harmlose" Weise, wie sich Martha als Hausbesorgerin bei der jüdischen Familie Berkowitz bewirbt und eingestellt wird. Sie unterstützt ihre Mutter, ist katholisch, eine gute Seele, sparsam, ehrlich, fleißig und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, wenn sie gegen störende Einflüsse im Mietshaus vorgehen muss. Genau die richtige Frau für die Stellung befinden Henry und sein Bruder Ber Berkowitz, beide sind wohlhabend, jüdischer Abstammung und sind froh, dass jemand sich um Mieter und Hausbelange kümmert. 
 
Einige Zeit später lernt Martha ihren Willy kennen, sie heiraten und ziehen gemeinsam in die Kellerwohnung im großen Haus. Wir lernen mehrere Bewohner aus dem Haus kennen, alle haben Ecken und Kanten und jeder trägt sein persönliches Päckchen durchs Leben. Wir tauchen Kapitel umd Kapitel in das Leben der Familie Berkowitz ein, erfahren mehr von Henrys russischer Frau Katharina und Töchterchen Liane, die einen Narren an Martha gefressen hat und umgekehrt genauso.  
  
Durch den flüssigen und anschaulichen Schreibstil der Autorin fliegt man flott durch die Seiten und hat die leichtfüßig geschilderten Vorgänge bildhaft genau vor Augen.
Mit den Jahren verändert sich die politische Situation, die Nazis kommen an die Macht und die Lage für Familie Berkowitz wird brenzlig. Damit kippt die bisherige positive Stimmung und man wird von den bedrückenden Vorkommnissen schier ergriffen und mitgerissen. Widerstand, Flucht, Gefängnis, Deportation, Tod und Verderben sind an der Tagesordnung und es ist grausam und kaum auszuhalten, wie sich die Nationalsozialisten aufspielen und Menschen, Familien und Existenzen vernichten.
 
Trotz persönlicher Verluste geht das Leben für Martha weiter. 
Nüchtern, aber auf fesselnde Weise schlägt Shelly Kupferberg erzählerisch einen runden Bogen um alle handelnden Personen und endet wieder bei Martha, inzwischen betagt und immer noch bescheiden lebend. 
Was mir an diesem Roman besonders gut gefallen hat sind die Berliner Sprüche, die für Lebendigkeit sorgen. Aber viel mehr noch ist es die authentische und nüchterne Abbildung von Zeitgeschehen am Beispiel der einzelnen menschlichen Schicksale. Der Roman kommt ohne Kitsch und rührselige Emotionen aus und legt dennoch Gefühle, Ängste und Stimmungen offen und berührt damit ganz intensiv. 
 
Dieses Buch ist ein eindringliches und mahnendes Zeitzeugnis gegen das Grauen der Naziherrschaft!  
 
 
***Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Leseexemplar!*** 
 

 

2 Kommentare:

  1. Hallo liebe Barbara,
    nach einer gefühlten Ewigkeit komme ich Dich auch mal wieder besuchen:)
    Zurzeit steht viel Gartenarbeit an, daher bin ich nur so spoardisch am Computer.
    Das Buch klingt schon sehr intensiv und emotional. Ein spannender Roman. Danke für die tolle Rezension.
    Liebe Grüße
    Andrea ♥

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    1. Hallo liebe Andrea,
      und ein herzliches Willkommen, du treue Seele!
      Ich weiß es total zu schätzen, dass du trotz deiner vielen Aktivitäten immer wieder bei mir zu Besuch kommst und freue mich immer sehr.
      Die Autorin hat mir mit ihrer Art auf der Buchmesse sehr imponiert, als sie von ihrem Buch und der Recherche erzählt hat. Hinter einer vermutlich einfachen Frau versteckt sich eine interessante Geschichte, die Shelly bewegend erzählt hat.

      Liebe Grüße
      Barbara

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