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Dienstag, 22. September 2026

Ein ganz normales Wunder - Woody Brown

Von Mensch zu Mensch!

Der Roman Ein ganz normales Wunder von Woody Brown erscheint im Kiepenheuer & Witsch Verlag.  

Hinweis: Woody Brown schrieb Geschichte als erster nicht-sprechender autistischer Absolvent der University of California. Sein Roman ist ein literarisches Ereignis.  

Walter ist Autist und hat dank seiner Mutter gelernt, sich mittels einer Buchstabentafel verständlich zu machen. Das ist nicht nur ein langer Lernprozess, der zeitaufwändig und nur durch Fachpersonal zu erreichen ist. Als Walters Vater verstirbt, geht die Mutter wieder arbeiten und Walter kommt in eine Tagestätte für Menschen und erlebt den Alltag mit Menschen diverser Behinderungen wie Zerebralparese und Autismus. Dank seiner sensiblen Sichtweise nimmt er als Beobachter die verschiedenen Schicksale wahr und kann sie einschätzen.  

 



Woody Brown stellt uns auf spezielle Weise seine Bekannten und Betreuer vor und beleuchtet deren Gefühle, Reaktionen und Handlungen. Das geschieht mal mit einer recht einfachen Sprache im Umgangston junger Menschen und dann wieder sehr emotional und empathisch, sodass ich diesen Menschen sehr nahe gekommen bin und oft darüber nachdenken musste, wie schnell man durch Vorurteile andere Menschen unterschätzen kann. Viele Szenen haben mich berührt und mir gezeigt, wie schwierig es für manche Menschen ist, sich ihren Mitmenschen anzunähern und ihr äußeres Verhalten ihrem inneren Bewusstsein und Wünschen anzupassen. Die einzelnen Episoden öffnen den Blick auf die Welt der Autisten, bewirken ein besseres Verständnis für ihr Verhalten und regen zum Nachdenken an.

Meine entscheidende Kritik an diesem Buch ist die Tatsache, dass es sich hier nicht um einen Roman mit einem durchgeplanten Plot handelt, der mit Spannungsaufbau und einer durchgängigen Entwicklung der Hauptfigur einher geht. Es ist eher eine Sammlung einzelner Szenen aus dem Leben verschiedener Personen, über die Protagonist berichten möchte. So bildet sich aus den verschiedenen Einzelteilen zwar ein Gesamteindruck, aber keine runde Geschichte. Trotzdem bin ich dem Autoren für diese Schilderungen dankbar und kann mir kaum vorstellen, wie er ohne zu sprechen zu diesem Buch fähig war. 

Dieses Buch bringt den Lesern auf eindringliche Weise Themen wie Autismus, Inklusion und die Kommunikation zwischen Menschen näher und setzt damit Zeichen, um über die Situation der Betroffenen nachzudenken. Das Verhalten mancher Menschen ist nicht der Indikator dafür, was sie in ihrem Inneren bewegt. Woody Brown schlägt mit seinem Buch eine Brücke von Mensch zu Mensch!

***Herzlichen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar!***

                                          

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