Seiten

Sonntag, 12. April 2026

Wochenrückblick KW 15/2026

 





 Was war in dieser Woche los?


 
Diese Woche standen einige Termine an, doch das Lesen kam wegen langer Abende nicht zu kurz. Ich schaffte es, gleich drei Bücher vom Buchmesse-Stapel zu befreien und hatte von super über gut bis solide alles dabei. 
 
 
Gesehen:   
 
Let´s Dance: mit Telefonkonferenz mit meiner Freundin wegen ihrer Erkrankung. 
 

Gelesen:    

  • Spielverderberin - Marie Menke                3⭐
  • Stunden wie Tage - Shelly Kupferberg   5⭐
  • Zugwind - Iryna Fingerova                          4⭐
  •     

    Getan:  
     
    Arztbesuch, Lesen, Bloggen, Rezensionen schreiben, Haarschnitt war mal wieder fällig, also Frisörbesuch, Chorprobe, meine Mutter 4 x im Seniorenheim besucht, das Wetter war so schön, dass wir jedes Mal im Garten gesessen und den Gesang der Vögel und die schöne Bepflanzung bewundert haben, gekocht, eingekauft, Haus geputzt, Fahrrad gekauft.  
     
    Gefreut:    
     
    Über drei Neuzugänge, auf die ich mich schon sehr freue. 
     


      
    Gegessen: 

    Zweierlei Flammkuchen mit Salat (Ostereinladung meiner Tochter); Klößchen mit Gemüse in Bechamelsauce und Kartoffeln; Lasagne 2x; Kaiserschmarrn; gebratenes Seelachsfilet mit Kartoffelsalat; Rest vom Kartoffelsalat mit Currywurst aus dem Airfryer (geht super schnell und wird total knusprig) dazu Ruccola-Salat mit Tomaten;
       

      
    Seelachs

    Lasagne mit dicker Käsekruste

    Lasagne


    Flammkuchen mit getrockn.Tomaten, Datteln und Feta




    Gedacht:        

    Dass ich diese Woche mehrere Buchangebote bekommen habe und leider gar nicht alle annehmen kann und will. Manche Bücher gehen voll an meinem Geschmack vorbei, andere würde ich schon gerne lesen, schaffe es aber zeitlich gar nicht.  
     

    Gefeiert: 

    Mein neues Fahrrad, das ich als Spontankauf erstanden habe. Mein Mann suchte ein neues Rad, ich fuhr mit und fand mein perfektes Rad. Die Probe hat das Rad schon bestanden, es fährt leichtgängig und ist für mich einfach passgenau. 

     



    Geärgert: 

    Für einen Arztbesuch musste ich in die Innenstadt und war froh, als ich wieder raus war. Es ist einfach kein Wohlgefühl, wenn man sich dort aufhält und ich habe keine Lust dort Shoppen oder Bummeln zu gehen. Viel Leerstand, Dreck aller Art, Baustellenwirrwarr und bettelnde Straßenpunks. 

    Gekauft:  

    Weintrauben, Bananen, Gurke, Avocado, Möhren, Tomaten, Ruccola, Mozzarella

    Geklickt: 

    alles Mögliche 
     

    Ich wünsche euch eine schöne Woche! 

    Herzliche Grüße,

    Eure Sommerlese 

    Samstag, 11. April 2026

    Spielverderberin - Marie Menke

    Bleibt nicht in meiner Erinnerung haften!

    Marie Menkes Debüt Spielverderberin erscheint bei Kiepenheuer & Witsch.  

    Sophie und Lotte wachsen in einem kleinen Bauerndorf auf, sie sind seit Kindertagen beste Freundinnen und gehen in die gleiche Klasse. Als in der Oberstufe die selbstbewusste Romy aus München dazustösst, fasziniert sie die Dorfmädchen mit ihrer freigeistigen Art und es entsteht eine instabile Dreiecksfreundschaft, die die Freundschaft zwischen Sophie und Lotte in Frage stellt. 
    Nach dem Abitur studieren Romy und Sophie in Köln, doch Lotte fehlt in ihrem Leben. Warum fühlt sich Sophie schuldig? Was ist zwischen den Freundinnen geschehen, worüber sie nicht sprechen können? 
     

     
     

    Marie Menke beschreibt in wechselnden Zeitebenen das Aufwachsen und Erwachsenwerden der drei befreundeten jungen Frauen. Sie zeigt auch die Diskrepanz zwischen Dorfleben und der Annonymität der Großstadt mit verschiedenen Zukunftschancen auf und deutet ein düsteres Geheimnis an, dass die Frauen-Freundschaft in ihren Grundfesten erschüttert hat. 
     

    Als reiches Stadtkind erscheint Romy das Leben auf dem Land langweilig, während es für Sophie und Lotte gewohnter Alltag darstellt und sie gar nichts vermissen. Die Vor- und Nachteile zwischen Groß- und Kleinstadt werden im Buch indirekt angerissen und wir erfahren in der Gegenwart von Sophies Lehramtsstudium und der Liebesbeziehung zu Milan, die jedoch ziemlich im Hintergrund bleibt. Viel mehr steht die Dreierfreundschaft der Frauen im Fokus, die sich mal mehr, mal weniger eng verbunden fühlen. Sie haben unterschiedliche Ansprüche an ihre Zukunft und leben sich mit der Zeit auseinander. Als Romy verschwindet, besteht nur noch der Kontakt über Instagram, wo sie von ihren Reisen und Erlebnissen berichtet. 

    Was führte zu einem Bruch der Freundschaft und warum hat Lotte Schrauben auf der Stirm? 

    Sprachlich kann man der Geschichte gut folgen und die Zerrissenheit und spezielle Dynamik der Freundschaft hat mich interessiert. Obwohl die einzelnen Charaktere relativ oberflächlich beschrieben werden, konnte ich sie mir halbwegs vorstellen. Ich spürte die Nähe, aber auch aufgestaute Unzufriedenheit und Wut, sympathisch wurden mir die Figuren insgesamt leider nicht. 
    Ich muss sagen, dass mein Hauptinteresse weniger den Erlebnissen der teilweise schädlichen Freundschaft galt, sondern viel mehr dem zwischen den Zeilen schwebenden Geheimnis, das für einen Bruch gesorgt hat und besonders Sophie belastet. Dieses Ereignis löst Marie Menke erst zum Ende des Romans auf und baut damit geschickt einen kontinuierlichen Spannungsbogen auf. Leider blieben für mich trotzdem noch Fragen offen. Im Großen und Ganzen blieb mir der tiefergehende Zugang zu der Geschichte verwehrt. 
     
    Freundschaften verändern sich im Laufe des Lebens, so wie sich auch die Lebensphasen verändern. Manchmal halten Freundschaften ewig, manchmal sind sie locker, aber konstant. Aber eine zerbrochene Freundschaft ist keine gute Basis, um daran festzuhalten. Diesen Lerneffekt muss wohl jeder mal machen! 
     
    Dieser Coming-of-Age-Roman beschreibt zwischenmenschliche Dynamiken, die das Leben mit sich bringt. Ich habe das Buch gern gelesen, es wird mir aber nicht lange in Erinnerung bleiben. 
     
    ***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag für dieses Leseexemplar!*** 
     

     

    Mittwoch, 8. April 2026

    Stunden wie Tage - Shelly Kupferberg

    Große Leseempfehlung für dieses bewegende Zeitzeugnis! 

     
    Im Diogenes Verlag erscheint der Roman Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg. 
     
    Shelly Kupferberg erzählt eine berührende und bewegende Familiengeschichte, die uns anhand von mehreren Schicksalen die Grauen der Nazizeit vor Augen führt.   
     
     

     
    Im Prolog wird uns die alte Martha vorgestellt, die ungepflegt und in abgerissener Kleidung durch ihren Schöneberger Kiez läuft. Einige Bewohner kennen sie vom Sehen, doch welch besondere Vergangenheit hinter ihr liegt, weiß kaum jemand. In der folgenden Handlung erzählt Shelly Kupferberg davon, was die alte Dame in den letzten Jahrzehnten erlebt hat und welche besonderen Schicksale mit ihr verknüpft sind. 
     
    Der Roman startet in Berlin-Schöneberg und erzählt auf unterhaltsame und "harmlose" Weise, wie sich Martha als Hausbesorgerin bei der jüdischen Familie Berkowitz bewirbt und eingestellt wird. Sie unterstützt ihre Mutter, ist katholisch, eine gute Seele, sparsam, ehrlich, fleißig und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, wenn sie gegen störende Einflüsse im Mietshaus vorgehen muss. Genau die richtige Frau für die Stellung befinden Henry und sein Bruder Ber Berkowitz, beide sind wohlhabend, jüdischer Abstammung und sind froh, dass jemand sich um Mieter und Hausbelange kümmert. 
     
    Einige Zeit später lernt Martha ihren Willy kennen, sie heiraten und ziehen gemeinsam in die Kellerwohnung im großen Haus. Wir lernen mehrere Bewohner aus dem Haus kennen, alle haben Ecken und Kanten und jeder trägt sein persönliches Päckchen durchs Leben. Wir tauchen Kapitel umd Kapitel in das Leben der Familie Berkowitz ein, erfahren mehr von Henrys russischer Frau Katharina und Töchterchen Liane, die einen Narren an Martha gefressen hat und umgekehrt genauso.  
      
    Durch den flüssigen und anschaulichen Schreibstil der Autorin fliegt man flott durch die Seiten und hat die leichtfüßig geschilderten Vorgänge bildhaft genau vor Augen.
    Mit den Jahren verändert sich die politische Situation, die Nazis kommen an die Macht und die Lage für Familie Berkowitz wird brenzlig. Damit kippt die bisherige positive Stimmung und man wird von den bedrückenden Vorkommnissen schier ergriffen und mitgerissen. Widerstand, Flucht, Gefängnis, Deportation, Tod und Verderben sind an der Tagesordnung und es ist grausam und kaum auszuhalten, wie sich die Nationalsozialisten aufspielen und Menschen, Familien und Existenzen vernichten.
     
    Trotz persönlicher Verluste geht das Leben für Martha weiter. 
    Nüchtern, aber auf fesselnde Weise schlägt Shelly Kupferberg erzählerisch einen runden Bogen um alle handelnden Personen und endet wieder bei Martha, inzwischen betagt und immer noch bescheiden lebend. 
    Was mir an diesem Roman besonders gut gefallen hat sind die Berliner Sprüche, die für Lebendigkeit sorgen. Aber viel mehr noch ist es die authentische und nüchterne Abbildung von Zeitgeschehen am Beispiel der einzelnen menschlichen Schicksale. Der Roman kommt ohne Kitsch und rührselige Emotionen aus und legt dennoch Gefühle, Ängste und Stimmungen offen und berührt damit ganz intensiv. 
     
    Dieses Buch ist ein eindringliches und mahnendes Zeitzeugnis gegen das Grauen der Naziherrschaft!  
     
     
    ***Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Leseexemplar!*** 
     

     

    Montag, 6. April 2026

    Zugwind - Iryna Fingerova

    Krieg in der Heimat!

    Bei Rowohlt Hundert Augen erscheint Iryna Fingerovas Roman Zugwind.

    Im Mittelpunkt des autofiktionalen Romans der ukrainischen Autorin und Ärztin Iryna Fingerova steht das Leben ihrer Protagonistin Mira Zehmann in Deutschland. Fingerova kam selbst vor fast zehn Jahren wegen des Krieges in der Donbasregion als Auswanderin von Odessa nach Deutschland. Ihre Figur Mira Zehmann ist ebenfalls Ärztin und baut sich in Deutschland ein neues Leben auf . Sie arbeitet als Hausärztin in einer Praxis und hat mir ihrem Mann Andrij ihre Tochter Rosa. Aus eigener Erfahrung kennt sie die Hürden und Probleme ihrer vor dem russischen Angriffskrieg geflohenen Landsleute und verteilt nicht nur Medizin, sondern gibt Lebenshilfe und verleiht mentale Zuversicht.   


     

    "Wenn komische Sachen passieren, kommen die Leute und wollen eine Krankschreibung. Man möchte denken, es braucht Wunderpillen, Zeitmaschinen, schlimmstenfalls Geld! Dabei reicht eines: Ruhe." Zitat Seite 74 

    Es spricht sich unter den geflohenen Ukrainern schnell herum, dass die Ukrainerin Mira Zehmann als Ärztin arbeitet. Es bilden sich lange Schlangen von Ratsuchenden und Menschen, die gar keine körperlichen Beschwerden haben, sondern einfach mal mit jemandem aus der Heimat reden wollen.  

    In diesem Buch bekommt man einen umfassenden Überblick über Miras Arbeitsalltag in der Praxis, über ihre persönlichen Vorstellungen und Erlebnisse als Mutter und Ehefrau und ihre Identität als Jüdin und über den Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine. Mira nimmt uns mit ins Arbeitsleben, wo sie zahlreichen Ukrainer:innen begegnet, die wegen persönlicher Ansprache und einem Gespräch unter Gleichgesinnten ihren Rat und ihre Zuversicht benötigen. Es sind weniger körperliche Probleme als das Leiden unter Schuldgefühlen und dem Bewusstsein, dass sie ihre Heimat und Angehörigen vermissen.

    Mira findet für andere den richtigen Ratschlag, doch durch ihr eigenes Leben weht ein Zugwind, der ihr zu schaffen macht. Sie könnte mit ihrem Leben zufrieden sein und es genießen, doch da gibt es diesen Zugwind, der als Metapher für ihre Bedenken steht. Sie denkt an ihre Familie und Freunde, die in ihrer Heimatstadt Odessa ausharren und die Kriegssituation ertragen müssen. Wie trotzt man dem Wind, der Gedanken aufwirbelt?  

    "Es zieht aus jeder Ritze, und dagegen hilft auch der Bauschaum des Alltags nicht, den ich großzügig verspritze, um nicht an Schlechtes zu denken." Zitat S. 234  

    Aus nächster Nähe erleben wir, wie sehr die Zweifel Mira quälen und wie sie täglich vom Aushalten-Müssen überfordert ist.

    Der Schreibstil lässt sich locker lesen, er ist berührend, doch eine Prise Humor lockert manche Szenen auf und mit etwas Poesie bekommt das Ganze mehr Tiefgang zum Nachdenken. 

    Neben den Ängsten und Sorgen der Geflohenen erlebt Mira viele tröstliche oder positive Szenen, die zum wahren Leben passen. Und sie bleibt empathisch für ihre Patienten, die als Drogen- oder Krebskranke auch medizinische Hilfe benötigen. Sie beschönigt nichts und bekennt auch Probleme mit Korruption und dem selbstverständlichen Anspruchsdenken einiger ihrer Landsleute. Der Roman ist keine ideologische Schönfärberei, sondern zeigt ein echtes Bild der Menschen.  

    Der Zugwind zieht sich durch den gesamten Roman, es zieht wenn Mira von Traurigkeit ergriffen ist und auch dann, wenn sie an die Zurückgebliebenen in Odessa denkt. Und als im Oktober der Angriff der Hamas auf Israel stattfindet, ergreift sie der Zugwind mit doppelter Kraft. Denn Mira hat jüdische Wurzeln, es gibt Verwandte in der Ukraine und andere in Israel. Zum 90. Geburtstag ihrer Oma reist sie nach Odessa, zurück zu ihren Wurzeln und Erlebnissen aus der Jugend und der Zugwind flaut ab. 

    Der Roman hat mich sehr überrascht und zum Nachdenken angeregt. Er hat eine Welt voller Zweifel und Unsicherheit aufgezeigt, die nur mit Hoffnung und Zuversicht besiegt werden können. Das ist gerade in unruhigen Zeiten sehr wichtig.

      
    ***Herzlichen Dank an den Rowohl Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     
     
     

    Sonntag, 5. April 2026

    Wochenrückblick KW 14/2026

     









     Was war in dieser Woche los?

     
    Frohe Ostern wünsche ich euch allen! 
     
    Es ist so schade, denn endlich blüht es zum Osterfest alles wunderschön bunt und frühlingshaft und dann ist punktgenau am Feiertag Schmuddelwetter angesagt mit Regen, reichlich Wind und dichter Wolkendecke mit dunklem Himmel. Wer die vorösterlichen Tage Zeit hatte, konnte die Natur wenigstens da genießen und mir hat der Sonnenschein richtig gut getan. 
     
     
    Gesehen:   
     
    Let´s Dance Best-of-Highscore-Tänze: Großartige Auftritte, schöne Kostüme und ich fand es klasse, einige ältere Tänze mal wieder sehen zu können. Eine Best-of-Sendung zu humorvollen Tänzen könnte man auch mal zeigen!
     

    Gelesen:    

  • Schroffe Klippen - Nicola Förg      4⭐
  • Villa Rivolta - Daniel Speck           5⭐
  •     

    Getan:  
     
    Lesen, Bloggen, Rezensionen schreiben, Chorprobe: einmal das Konzertprogramm durchgesungen, meine Mutter 5 x im Seniorenheim besucht; gekocht und gebacken, mehrfach auswärts Essen gewesen, Hautarzttermin für meine Mutter ergattert
     
    Gefreut:    
     
    Über meinen Gewinn von Vorablesen beim Frühjahrsputzgewinnspiel:  
     

      
    Gegessen: 

    Italienische Antipasti und Bandnudeln mit Schinken-Sahne-Sauce; Grüne-Bohnen-Suppe 2x; knusprige Hähnchenbrust in Currysauce mit Reis; Bifteki mit Pommes; Nudeln mit Champignon-Möhren-Lauch Sauce; Lachs mit Kartoffeln und Sauce Bernaise; Eierlikörkuchen;
       



    Gedacht:        

    Dass ich diese Woche mehrere Buchangebote bekommen habe und leider gar nicht alle annehmen kann und will. Manche Bücher gehen voll an meinem Geschmack vorbei, andere würde ich schon gerne lesen, schaffe es aber zeitlich gar nicht.  
     

    Gefeiert: 

    Die schöne Natur und die vielen tausend Osterglocken, Narzissen und Tulpen überall. 

     





    Geärgert: 

    Wenn manche Bloggerinnen auf der Messe auf sch...freundlich machen und einem dort sofort folgen, aber wenige Tage später wieder entfolgen. Dann lieber ehrlich bleiben und keine falsche Show abziehen!

    Gekauft:  

    Lebensmittel, Blumenschmuck

    Geklickt: 

    alles Mögliche 
     

    Ich wünsche euch frohe Ostern und eine gute Woche! 

    Herzliche Grüße,

    Eure Sommerlese 

    Samstag, 4. April 2026

    Villa Rivolta - Daniel Speck

     
    Verursacht ein intensives Kopfkino! 
     
     
    Daniel Specks Roman Villa Rivolta erscheint im Fischer Verlag
     
                     
     
    Bresso 1945: 
    Die Kinder Piero, Sohn des Automobilherstellers Renzo Rivolta, und Valeria, Tochter der Haushälterin Caterina Fabrizi, lernen sich im Garten der Villa Rivolta kennen und versprechen sich eine lebenslange Freundschaft. Direkt neben der Villa liegen die Produktionsstätten für Kühlgeräte, in denen später Motorroller, die bekannte Isetta und luxuriöse Sportwagen hergestellt wurden. 
    Valeria und Piero verbringen ihre Jugend in den goldenen Jahren Italiens, doch später kippt die Stimmung im Land und Streiks, soziale Unruhen und Klassenkämpfe verändern den gesellschaftlichen Frieden. Von Piero wird erwartet, dass er das Familienimperium übernimmt, während Valeria versucht unabhängig zu werden und sich in den Arbeitersohn Flavio verliebt, der sich dem Kampf gegen Ausbeutung und gesellschaftliche Unterschiede widmet.  
     
     
    Mailand 1979:
    Valerias 14-jähriger Sohn Tonino findet auf einer Baustelle eine Wehrmachtspistole und macht den Fehler  und nimmt die Waffe mit in die Schule. Beim Versuch sie gegen einen Walkman zu tauschen, wird er erwischt und die Polizei erfährt von der Waffe. Als Valeria davon erfährt, fährt sie unverzüglich zu Piero. Auf der Fahrt erzählt sie Tonino eine lang verschwiegene Wahrheit, die auch ihr Schicksal geprägt hat.  
     
     
     
    "Man sagt, es gäbe eine große Liebe im Leben. Tatsächlich aber gibt es zwei: eine, die du nie bekommst und eine, die du nie vergisst."  
    Zitat S. 7
     
    In diese große, gesellschaftliche Themen betreffende Familiengeschichte bin ich tief eingetaucht und war den Figuren eng verbunden. Zum Lesen habe ich mir bewusst viel Zeit genommen, weil ich die Geschichte möglichst lange auskosten wollte. Das bildhaft geschilderte Lebensgefühl Italiens war absolut spürbar, ich wurde an Federico Fellinis Film La dolce vita erinnert, erlebte vor dem Hintergrund sozialer Unterschiede und politischer Umbrüche eine Liebe zweier Seelenverwandter, die sich lebenslang verbunden fühlen. Doch im gesamten Verlauf des Romans wird deutlich, dass Herkunft und die gesellschaftlichen Unterschiede der Liebe im Weg stehen. 
     
    Daniel Speck hat die erzählerische Gabe, seinen Figuren intensiv Leben einzuhauchen und sie in einem authentisch geschilderten Kontext der Zeitgeschichte so einzubinden, daß beim Lesen das Kopfkino anspringt. In seinem Roman verarbeitet er die biografisch angehauchte Geschichte Piero Rivoltas und lässt uns am Bau der Isetta teilhaben, zeigt die unternehmerischen Schwierigkeiten des Familienunternehmens, das Leben der Reichen und die soziale Schieflage der arbeitenden Bevölkerung, sowie die Differenzen zwischen Nord- und Süditalien. 
     
    Valeria steht für eine Frau, die sich emanzipieren möchte, in einer Männerwelt und einer Zeit, als Frauen eher in einer Ehe landeten als in einem Beruf. Als der industrielle Aufschwung erst Dolce Vita versprach und dann in eine kulturelle Revolution führte.  
    In Villa Rivolta wird ein komplexes Gerüst aus Schicksalen, menschlichen Beziehungen und gesellschaftlichem Wandel beschrieben, die in ihrer Gesamtheit das Lebensgefühl und den Zeitgeist sichtbar machen. Die gezeigten Emotionen und das Handeln der Figuren werden vor dem Hintergrund eines besonderen Familiengeheimnisses spannend aufgeklärt und bekommen damit sichtbare Bedeutung.
     
    Villa Rivolta ist ein wunderbarer, detailreich erzählter Roman über Seelenverwandte, italienisches Lebensgefühl, über Macht und Einfluss und über Existenzsorgen und soziale Ungerechtigkeit. Der Roman hat mich gefesselt und wunderbar atmosphärisch unterhalten.
     
     

    ***Herzlichen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!***