Sonntag, 15. Februar 2026

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen - Lisa Ridzén

Berührende, authentische Schilderung über das Altern!
 
Im btb Verlag erscheint Lisa Ridzéns Debüt Wenn die Kraniche nach Süden ziehen in einer Übersetzung von Ulla Ackermann.
 
Das Leben des 89jährigen Bo hat sich verändert, seit seine demente Frau im Pflegeheim lebt. Bisher hat er sie gepflegt, doch nun ist er allein und seine einzigen Lichtblicke sind Besuche im Heim, Telefonate mit seinem Freund Ture und sein treuer Hund Sixten. Sohn Hans kommt selten vorbei und will seinem Vater sogar den geliebten Hund wegnehmen. Das macht Bo zu schaffen und er denkt über sein Leben und die Beziehung zu seinem Sohn nach.  
 


 
 
"Alle denken, sie könnten über mein Leben bestimmen - nur ich selbst darf es nicht." Zitat S. 194 
 
Lisa Ridzén erzählt ruhig und einfühlsam eine Geschichte über das Alter, die Einsamkeit und den Verlust der Selbstständigkeit und das Aufbegehren gegen das Übergehen der eigenen Bedürfnisse und Wünsche.
 
Wir erleben Bos täglichen Kampf mit seinem alternden Körper und dem nachlassenden Gedächtnis. Er wird von mehreren Pflegekräften versorgt, gewaschen und unterstützt und hängt an seinem treuen Hund Sixten. Als Bos Sohn Hans entscheidet, dass er Sixten nicht mehr ausreichend versorgen kann und ihn weggeben will macht das Bo wütend und bricht ihm das Herz. Nun soll er nach seiner Frau auch noch seinen Hund verlieren, der seinen Leben Halt und einen familiären Bezug gibt.   
 
Die Autorin schafft es mit einer einfachen Erzählweise sehr feinfühlig, dass ich mich Bo sehr nahe fühle, seine Ängste und Nöte nachvollziehen kann. Je mehr ich über sein früheres Leben erfahre, umso mehr hat mich die Vater-Sohn-Beziehung interessiert. Sie ist ein entscheidender Bestandteil der Geschichte, die uns die Problematik der Fürsorge, der Unterstützung und der Entscheidung für den Elternteil deutlich macht und auch diesen Standpunkt miteinbezieht. 
 
Bei dieser Lektüre kommen viele Gedanken hoch und man fragt sich, wie man in Würde altern kann, wenn über den Kopf hinweg entschieden wird, wenn auch aus guten Grund. Wie ist es, wenn man solche Entscheidungen hinnehmen muss, wenn man alleine leben muss oder im Pflegeheim untergebracht ist, dort aber keine Aufgabe mehr wahrnehmen kann?
 
Die Darstellung von Bos Gedanken und Aktionen und auch sein spezielles Schraubglas haben mich zu Tränen gerührt. Ich konnte seine Gefühle hautnah miterleben und erkannte, wie ihn Sehnsucht, Scham, Wut und das ohnmächtiges Gefühl umtreiben, sich den Anweisungen seines Sohnes zu beugen und auf Hilfe angewiesen zu sein. Oft folgt Bos Blick den fliegenden Kranichen, die für ihn die Freiheit symbolisieren. Eine Freiheit, die er nicht mehr ausleben kann.    
 
Zwischen den Kapiteln gibt es Notizen der Pflegekräfte über die Versorgung und den täglichen Zustand Bos. Sie vermitteln sehr eindrücklich, ob Bo einen guten Tag hatte oder nicht. Ob er duschen oder essen wollte und wie sein Gesamtzustand auf die Pfleger gewirkt hat. In diesen kurzen Zeilen erkennt man wie einfühlsam Pflegekräfte mit den Personen umgehen müssen, um die Würde aufrecht zu erhalten.   
 
Wie können alte Menschen Würde bewahren, wenn sie hilfsbedürftig sind? Was geht in ihnen vor, wenn sie merken, dass sie ihre Selbständigkeit verlieren? Wir kommen diesen Sorgen ganz nah und müssen uns damit beschäftigen, denn Altern gehört zu jedem Leben dazu. 
 
Ein berührender, leiser Roman über das Alter und über die Dinge, die das Leben sinnvoll und lebenswert machen.  
 
***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und an den btb Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 
 
 

4 Kommentare:

  1. Hallo Barbara,

    ein Thema, dass sich langsam in der Familie meines Mannes zeigt...

    LG..Karin..

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    1. Hallo Karin,
      das Thema kommt irgendwann auf die meisten Menschen zu. Im Buch geht es um häusliche Pflege, die man aus meiner Erfahrung auch im Blick haben muss. Manche Tätigkeiten werden abgerechnet, wurden aber gar nicht ausgeführt.
      Liebe Grüße
      Barbara

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  2. Guten Abend liebe Barbara,
    puh das ist ein ziemlich spannendes Thema und auch ziemlich aktuell. Ich sehe es ein bisschen bei meiner Mama die so ganz langsam immer mehr Hilfe im Alltag braucht. Irgendwie interessiert mich das Buch, denn in Würde altern wollen wir doch letztlich alle...
    Liebe Grüße
    Andrea ♥

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    1. Hallo liebe Andrea,

      wenn die Eltern alt werden und Hilfe benötigen, ist das nicht nur anstrengend, sondern auch mental sehr mit Sorgen verbunden. Bei diesem Buch erleben wir Bo, wie er auf der Toilette wartet, nicht geduscht werden will, weil es unangehm oder kalt ist und wie er immer mehr Selbständigkeit verliert. Das ist traurig, gehört aber zum Leben dazu und deshalb sollte man sich diesem Thema nicht verweigern, wie es manche tun.

      Liebe Grüße
      Barbara

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