Donnerstag, 9. Juni 2016

Das Seelenhaus - Hannah Kent

Ein ergreifendes literarisches Erlebnis 

 

"Das Seelenhaus" ist der Debütroman von Hannah Kent, der als deutsche Veröffentlichung 2014 im DroemerKnaur Verlag erschien. 


Island 1828. Agnes Magnúsdóttir erwartet die Todesstrafe. Die Magd soll mit zwei anderen Personen ihren früheren Vorgesetzten und Liebhaber Natan Ketilsson und einen anderen Mann brutal ermordet haben. Die Zeit bis zur Hinrichtung soll sie auf dem Hof eines  Beamten als Arbeitskraft verbringen. Die Familie ist entsetzt und voller Sorge, eine Mörderin beherbergen zu müssen – bis Agnes Stück um Stück die Geschichte ihres Lebens preisgibt.
  



 


"Sie wissen nichts von mir.
Und ich schweige. Ich will mich vor der Welt verschließen, ich will mein Herz verhärten und an den Dingen festhalten, die mir noch nicht genommen sind. Ich darf nicht zulassen, dass ich vergehe." Zitat Seite 39



Dieser Roman zieht den Leser mit sich in eine Zeit, als die letzte tatsächliche Hinrichtung in Island stattgefunden hat.
Hannah Kent hat diese wahre Geschichte recherchiert und Wahrheit und Fiktion zu einem tiefen ergreifenden Roman verbunden. Ein Werk, dass dem Leser in ruhiger, besonnener Sprache dramatisch vor Augen führt, welches Elend und welche rauhen Sitten damals herrschten. Als Mägde außer der schweren körperlichen Arbeit ihren Dienstherren in jeder Weise zu Willen sein mussten, ohne Hoffnung auf Menschlichkeit und Gnade.


Dabei steht der Charakter Agnes natürlich im Vordergrund. Als sie auf ihre Hinrichtung wartet, ist sie in einer Bauernfamilie auf dem Kornsáhof untergebracht. Tóti, der junge Hilfspfarrer, wird Agnes Wunsch entsprechend als christlicher Beistand zugewiesen. Ihm öffnet sie ihr Herz und offenbahrt ihre Geschichte.
Sie wird unbeschönigt als schweigsame, intelligente Frau geschildert, die als Kind von der Mutter verlassen wurde, als Mündel auf verschiedenen Höfen arbeiten musste und deren Liebe ihres Lebens ihr zum Verhängnis wurde. Ihr Schicksal ist sowohl tragisch als auch herzergreifend und man erfährt im Lauf der Handlung die wahren Hintergründe und den Tathergang. Das macht sie zu einer Ausnahmeerscheinung, der man sein ganzes Mitleid entgegen bringt.



Hannah Kent ist eine begnadete Erzählerin! Dank ihrer klaren, poetischen Erzählkraft versinkt man in einer vergangenen Zeit voller Grausamkeit und Armut, aber auch in der schroffen Schönheit der isländischen Natur, die im Winter besonders karg und abweisend erscheint. Die Lebensumstände wirken in besonderer Weise atmosphärisch und dicht und untermauern das erzählte Schicksal einzigartig bewegend. Man ist beim Lesen tief ergriffen von der Situation der Agnes. Wie sie die letzten Monate vor ihrer Hinrichtung erlebt, macht betroffen und zeigt eine Welt voller Obrigkeitsdenken, Macht, aber auch Liebe, Hilfsbereitschaft und Gier. 



Der Roman entwickelt eine fesselnde Sogwirkung, denn man möchte den wahren Tathergang erfahren. Warum ist Agnes angeklagt und wie kam es zu dieser Tat? Am Ende bleibt beim Leser die Erklärung als schaler Geschmack noch lange haften. Ein Buch, dass noch lange nachklingt und tiefe Emotionen auslöst.  



Ein einzigartig fesselnder Roman, der die isländischen Bewohner und seine Landschaft zeigt, und mit dem ergreifenden Schicksal der letzten zum Tode Verurteilten tief bewegt. Unbedingt lesen! 

                                   

                      

Kommentare:

  1. Liebe Barbara

    Das Buch fand ich auch genial. Schon schlimm, wenn man auf seine Hinrichtung warten muss. Wieder mal eine schöne Besprechung von dir.

    Viele Grüße an die Nordsee, na ... und natürlich auch an dich :-)

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  2. Hallo :)
    Oweh oweh, das Buch ist nun chon seit 2014 bei uns erschienen? Ich weiß noch, dass ich es in der Vorschau gesehen habe und unbedingt lesen wollte und das bis jetzt immernoch nicht getan habe.. Wird langsam ech Zeit und deine Rezension klingt auch ganz danach, als müsste das Buch ganz dringend von mir gelesen werden :)
    Ganz liebe Grüße, Krissy <3

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