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Dienstag, 26. April 2022

Die Fabrikantinnen – Schwesternbande - Sarah Lindberg

Eine emotionale Story und ein bewegendes Leseerlebnis

Lebensträume zwischen Leid und Liebe

Der historische Roman "Die Fabrikantinnen – Schwesternbande" von Sarah Lindberg erscheint bei Rütten & Loening/Aufbau Verlag.

Die Schwestern Emmi und Anni leben Anfang der dreißiger Jahre in einem Dorf bei Hildesheim. Sie sind grundverschieden, die ältere Schwester Emmi ist intelligent und zurückhaltend, Anni dagegen lebenslustig und quirlig. Ein tragischer Schicksalschlag in ihrer Familie lässt alle Hoffnungen auf die Verwirklichung ihrer Lebensträume platzen, sie müssen gemeinsam mit ihrer Mutter um ihr Überleben kämpfen. Bei einer Tanzveranstaltung lernen sie den Zuckerfabrikantensohn Emil kennen, in den sich Emmi sofort verliebt. Doch Emil macht Anni den Hof, beide heiraten und während Emil im Betrieb groß eingespannt ist, ist Anni der Bosheit ihrer Schwiegermutter ausgesetzt. Es folgt ein weiteres trauriges Unglück, und es liegt an Emmi, ob sie auch in diesem Fall der rettende Anker sein wird.
 

Zwischen Liebe und Leid schwankt die Handlung dieser wunderbar erzählten Geschichte, die von Schicksalsschlägen und Widrigkeiten begleitet wird und damit einer emotionalen Achterbahnfahrt gleicht. Ich habe alles sehr gebannt verfolgt und konnte die schweren Zeiten intensiv mitfühlen.  

Es war interessant zu beobachten, dass das Verhältnis der Schwestern trotz ihrer charakterlichen Unterschiede sehr innig und sich gegenseitig verbunden blieb. Das machte sie mir beide sympathisch, wobei mich Annis naive Art doch gestört hat und deshalb auch Emmi meine Lieblingsheldin war. Ständig hat sie ihre eigenen Träume verworfen und mit ihren hilfreichen Ideen und ihrer Tatkraft positive Weichen gesetzt, um ihrer Familie ein Auskommen zu sichern. 

Sarah Lindbergs Erzählstil ist einnehmend, flüssig und sie beschreibt den Zeitgeist sehr authentisch. Die Handlung wirkt durch die vielen persönlichen Schwierigkeiten sehr emotional und die Knappheit an Arbeitskräften für den Rübenanbau und in der Zuckerfabrik nach dem Krieg wird sehr realistisch geschildert. Ich konnte gut in die Story eintauchen und habe die Lebensumstände der vielen vom  zweiten Weltkrieg betroffenen Menschen ergriffen miterlebt. Und Emmi hat sich von einem intelligenten jungen Mädchen zu einer mutigen und tatkräftigen Frau entwickelt, die Verantwortung für ihre Mitmenschen und insbesondere die Zuckerrübenfabrik übernimmt.

 
Dieser bewegende erste Band der Familiensaga ist ein überzeugendes Leseerlebnis über eine schwere Zeit, die hier auf mitreißende Weise erzählt wird. Auf den Folgeband freue ich mich schon sehr.

 

***Herzlichen Dank an Rütten & Loening für dieses Rezensionsexemplar!***  

 



Donnerstag, 30. Januar 2020

Drei Schwestern am Meer - Anne Barns

Unterhaltsames Wohlfühlbuch mit Gefühl und Flair


Anne Barns entführt ihre Leser in ihrem Roman "Drei Schwestern am Meer" nach Rügen, das Buch erscheint im mtb Verlag.

Rügen bedeutet für Katharina in erster Linie Heimat, denn nach dem frühen Tod ihrer Eltern nahm ihre Oma Marianne sie und ihre Schwestern Pia und Hanna bei sich auf. Das ist lange her, Rina ist nun Ärztin und lebt in Berlin, doch ihr Zuhause ist vom Herzen her definitiv Rügen. Umso mehr freut sie sich auf einen Urlaub auf Rügen, auf Sonne und Meer und natürlich auf ihre Oma. Allerdings landet die dann plötzlich im Krankenhaus. Kann sie es gesund wieder verlassen? Die Enkelinnen machen sich Sorgen, halten zusammen und kommen einem lange gehüteten Familiengeheimnis auf die Spur. Und auch die Liebe sorgt auf der Insel für reichlich Turbulenzen. 


In "Drei Schwestern am Meer" kann man wieder den wunderbar einnehmenden und unterhaltsamen Schreibstil von Anne Barns genießen. Ich habe zwei Bücher dieser Reihe gelesen und konnte mich auch dieser Geschichte wieder völlig hingeben.

Die drei Schwestern im Buch sind grundsätzlich verschieden, doch sie ergänzen sich perfekt und haben ein enges Vertrauensverhältnis miteinander. Die Geschichte wird aus der Perspektive von Rina, der ältesten Schwerster, erzählt. Sie plant auf Rügen mit ihrem Partner einen Urlaub, doch als der ihr einen Heiratsantrag macht, gerät mit Rinas Antwort ihre bisherige Welt ins Wanken. Dass ihre Oma auch noch im Krankenhaus landet, macht die Situation nicht leichter.

Die Charaktere besitzen alle das Herz am rechten Fleck, das macht sie absolut sympathisch und man ist in ihrer Geschichte sofort gefangen. Rina ist trotz der emotionalen Dinge, die sie umtreiben, sehr ausgeglichen und behält selbst in Notfällen den entscheidenden Durchblick. Pias und Janas Privatleben lässt zur Zeit auch zu wünsche übrig, doch sie ziehen an einem Strang und kümmern sich aufopfernd und liebevoll um ihre kranke Großmutter. Als Marianne aus ihrem Koma erwacht, redet sie wirres Zeug, erkennt die Enkelinnen nicht mehr und alle sind sehr besorgt um ihren Zustand.

All die emotionalen und geheimnisvolle Vorgänge kann man vor der großartigen Kulisse Rügens erleben. Hier kann die Autorin die Stimmung von Landschaft und Strand wunderbar einfangen und lässt damit eine Wohlfühlstimmung auf ihre Leser überschwappen. 

Zu Beginn habe ich nur eine leichte Sommerlektüre erwartet, doch es geht durchaus tiefer. Zwar konnte ich mir das Ende vorstellen, es war mir dennoch ein Vergnügen, die Vorgänge so schön ausgemalt zu bekommen.  
Wie immer in Anne Barns Büchern dürfen kulinarische Genüsse nicht fehlen. So sorgen Omas Rezepte zu Zartbitterkuchen mit salzigem Karamell, Ofenfleisch, Eistee und selbstgemachte Karamellbonbons für Heißhunger und eignen sich wunderbarzum Nachmachen. 

Die Wohlfühlstimmung und der wunderbare Erzählstil haben mich hier ebenso gefesselt, wie die liebenswerten Charaktere und die emotionalen und tiefer gehenden Themen. Gute Unterhaltung ist hiermit garantiert. Meine Leseempfehlung nicht nur für Anne Barns-Fans.    



Donnerstag, 23. Mai 2019

ALLES WAS ICH DIR GEBEN WILL - Dolores Redondo

Düstere Familiengeheimnisse einer galicischen Adelsfamilie


Die Bedeutung der Gardenie

Der Spannungsroman "Alles was ich dir geben will" der spanischen Autorin Dolores Redondo erscheint als deutsche Übersetzung von Lisa Grüneisen im März 2019 im btb Verlag.

Nachdem der Madrider Schriftsteller Manuel Ortigosa die schockierende Nachricht vom Tod seines Ehemanns Álvaro in Galicien erhalten hat, sind für ihn viele Fragen offen. Was mache Álvaro in Galicien? Manuel reist an den Unglücksort und erfährt, dass sein Partner von adeliger Herkunft ist und zudem ein Doppelleben führte. Gemeinsam mit dem Polizisten der Guardía Civil Nogueira und Álvaros Beichtvater Lucas stellt Manuel Nachforschungen an und taucht immer tiefer in alte Traditionen und Geheimnisse der Adelsfamilie ein.



"Er fragte sich, wann er vergessen hatte, dass Schreiben aus Unglück entstand, aus unaussprechlichem Schmerz, den Geheimnissen, die mit uns sterben, weil die Magie darin besteht, sie nur anzudeuten und nie ganz offenzulegen." Zitat Manuel Seite 124



Manuel fühlt sich nach dem Tod seines Mannes von ihm getäuscht, nun möchte er wissen, was Álvaro zu seinem Doppelleben geführt hat und besucht Álvaros Familienwohnsitz in Galicien. Nachdem der Polizist Nogueira eher von einem Mord ausgeht als von einem reinen Unfall, beginnt die Spurensuche nach dem wahren Hergang des Todesfalles seinen Lauf zu nehmen. Auch der Jugendfreund Álvaros, Priester Lucas, beteiligt sich an der Recherche. Sie finden einige Geheimnisse der Adelsfamilie heraus, die bisher der Öffentlichkeit verborgen waren.

Dolores Redondo zeigt in diesem literarischen Spannungsroman ihre Kunstfertigkeit des Erzählens. Allerdings ist die Grundlage der Handlung ziemlich eng gestrickt, es geht um Traditionen, um schwarze Schafe von angesehenen Familien, die sich unterordnen müssen und es geht um die Vermeidung von Skandalen. Erst eine Mordaufklärung bringt Licht in die dunklen Geheimnisse von adeligen Familien im katholisch geprägten autonomen Galicien. Dabei führt die Autorin neben ausführlichen Situationsbeschreibungen auch einige Spannungselemente ein, sodaß man trotz der vielen Seiten immer weiter lesen möchte.

Mir kam der Roman wie eine spanische Telenovela vor, nur dass die Figuren für mich keine charakterlichen Wiedererkennungswert besitzen. Der Kriminalfall entwickelt sich ziemlich langsam, lange Zeit kann man nur den Ermittlungen folgen, ohne jemanden Bestimmten zu verdächtigen. Auch hängt Manuel ständig seinen Gedanken nach, erst am Ende kommt wieder Tempo in die Handlung und es gibt unerwartete Ereignisse, die auch überraschen.

In diesem Roman finden sich einige einfühlsame Charakterstudien verschiedender Figuren. Überraschende Wahrheiten bringen Manuels bisheriges Leben ins Schwanken, ich habe mit ihm gelitten und die schockierenden Nachrichten haben ihn scheinbar nur noch stärker nach dem wahren Tathergang suchen lassen. 

Die Einblicke in das Leben in Galicien, in den Weinanbau, Pferdezucht und landschaftliche Gegebenheiten sorgen für ein umfassendes Bild der Szenerie. Ich sah die wilde Landschaft mit ihren Weinbergen und den Kirchengebäuden deutlich vor mir. Doch die eigentliche Intention des Romanes war für mich ziemlich ausufernd dargestellt und konnte mir nicht nahe kommen. Es dreht sich hauptsächlich um Traditionen und um Konventionen, eine Familie verschleiert die Homosexualität und versucht, ihre Familienehre zu retten.


Alles in allem konnten mich die Lobpreisungen einiger Rezensenten selber nicht erreichen. Für mich war das ein toll geschriebener Familienroman, der sich mit einigen Längen aber nicht vollkommen in mein Herz geschrieben hat. Wer dunkle Familiengeheimnisse mag, wird an diesem Buch sicher Gefallen finden.



***Herzlichen Dank an buecher.de für dieses Leseexemplar!***





Donnerstag, 14. Februar 2019

Wenn Martha tanzt - Tom Saller

Ausdrucksvoller und interessanter Debütroman, bei dem die Vergangenheit und die Bauhaus-Zeit zum Leben erweckt werden.


Im List Verlag erschien am 9.3.2018 Tom Sallers Roman "Wenn Martha tanzt". >WERBUNG<


Thomas Wetzlaff findet in den Hinterlassenschaften seiner Großmutter, Hedi Wetzlaff, ein altes Tagebuch. Es enthält die interessante Geschichte von Martha Wetzlaff, seiner Urgroßmutter. Diese wächst in Türnow im Pommern auf, anders als die Familie besitzt sie kein musikalisches Talent, doch sie kann Musik in geometrischen Formen fühlen und tanzen. In Weimar erhält sie im Bauhaus bei Walter Gropius eine Ausbildung, wird Tänzerin und trifft viele Künstler, die sich auch in ihrem Tagebuch verewigen. Dieses Buch wird bei Sotheby´s in New York zu einem enormen Betrag versteigert. Die Käuferin bittet Thomas Wetzlaff um einen Kontaktbesuch und dort erfährt er die Hintergründe und Wahrheit über seine Familie. 



Tom Saller erzählt diese Familiengeschichte in zwei Handlungsebenen. Die aktuelle dreht sich um Thomas Wetzlaff und seine Reise nach New York, die andere bringt Licht ins Dunkel des Lebens seiner Urgroßmutter Martha ab 1900.

Das Tagebuch enthält eine Geschichte, die mit Marthas Geburt im Jahr 1900 beginnt und die damit endet, als sie 1945 für immer verschwand und ihre Tochter Hedi zurückließ. Thomas Wetzlaff hat sie also nie gekannt und auch nie etwas durch seine Großmutter von dieser Martha erfahren. Das Bindeglied zu diesem Tagebuch sind besondere Briefe, die erst die genauen Verbindungen der Hintergründe offenlegen. Gemeinsam mit der Käuferin des Tagebuchs kann Thomas das Geheimnis enthüllen.

Durch Marthas Lebensweg landet man nach ihrer glücklichen Kindheit in Pommern direkt in der Zeit der Weimarer Republik und bekommt einen genauen Eindruck über die Entwicklung des Bauhauses und der damaligen Kunstszene und dem allmählichen Erstarken der Nationalsozialisten. Dabei benutzt Saller eine Sprache, die uns in kurzen, fast abgehackten Sätzen die Ereignisse schildert. Das wirkt fast wie Informationen aus den Nachrichten und man hängt gebannt an den einzelnen Sätzen. Durch diese Sachlichkeit erfährt man zwar die Gegebenheiten und Vorgänge, lernt aber die Person Martha nur ungenau kennen. Die Charakterzüge sind erkennbar, ihre Gedanken und Gefühle bleiben geheimnisvoll und verblassen vor der umtriebigen und besonderen Zeit. Nicht nur die Kunst änderte sich, auch die Lebenstile der Menschen.  

An diesem Roman haben mir neben dem besonderen und ausdrucksstarken Schreibstil die wechselnden Erzählperspektiven gut gefallen. Mit den erhellenden Einblicken in die Kunstszene, durch die Lebensumstände und Zeitschilderungen konnte ich mich wie bei einer Zeitreise zu den Orten des Geschehens führen lassen und erlebte die Atmosphäre des Bauhauses authentisch mit. Es ist Aufbruch in ein anderes Zeitalter mit neuen Kunstformen, bei dem auch Frauen ihren Stellenwert in der Kunst erhielten. Doch mit der Schliessung des Bauhauses durch die Nationalsozialisten wurde dieser emanzipatorische Schritt wieder zunichte gemacht.  

Etwas störend finde ich, dass Martha von ihrem toten Bruder Heinz begleitet wird, er ist ihr Engel und irgendwie hält sie mit ihm eine dauerhafte Verbindung, die der Geschichte einen unnötigen mystischen Eindruck verleiht.

Seinen gebührenden Abschluß findet der Roman mit der Offenlegung der wahren Geschichte von Martha und Hedi. Hier schliesst sich ein Kreis, von dem man manches ahnte, aber die Zusammenhänge nicht klar sehen konnte. Mit dieser Auflösung zeigt Saller, wie Frauen in dieser Zeit ungewöhnliche Wege gehen mussten, auch wenn ihr Herz ihnen andere vorschlug. Man kann sich gut vorstellen, dass sich diese Geschichte wirklich so abgespielt haben könnte. Das Leben schreibt schliesslich selbst die besten Geschichten. 


Mit diesem lesenswerten Roman macht man nicht nur eine Zeitreise in die Bauhaus-Kunstszene, man entdeckt durch ein Tagebuch verschlungene Lebenswege, wie sie das Leben selbst schreibt. 


***Vielen Dank für diesen Roman, den ich bei Lovelybooks gewonnen habe!***


Montag, 7. Januar 2019

Der Apfelbaum - Christian Berkel

Eine bewegend erzählte, schicksalsträchtige Familiengeschichte, die bis zum Ende fesselt. 

Ein bißchen Jüdisch


Der Schauspieler Christian Berkel schreibt in "Der Apfelbaum" eine Aufarbeitung seiner Familiengeschichte. Der Roman erschien am 12.10.2018 im Ullstein Verlag.


Berlin 1932: Sala, ein Halbjüdin aus gutem Hause, und Otto, Sohn einer Arbeiterfamilie, lernen sich als Jugendliche bei einem Einbruch kennen und verlieben sich ineinander. 1938 verlässt Sala ihre deutsche Heimat und zieht zu ihrer jüdischen Tante nach Paris, bis die Deutschen in Frankreich einmarschieren. Otto zieht als Sanitätsarzt mit der Wehrmacht in den Krieg, währenddessen wird Sala bei einem Fluchtversuch verraten und in einem Lager in den Pyrenäen interniert. Sie hat Glück und wird von Hunger, Seuchen und Deportation verschont. Sie entkommt dem Gräuel und taucht unter.



Christian Berkel hat sich als Schauspieler einen Namen gemacht, weil ihn seine Familiengeschichte jedoch nicht losgelassen hat, versuchte er, sich ihr schreibend zu nähern. Wie er das Leben seiner teilweise jüdischen Vorfahren über drei Generationen in Zeiten des Nationalsozialismus schildert und mit Inhalten ausschmückt, ist nicht nur berührend zu lesen, es zeigt auch ein authentisches Bild dieser schicksalsträchtigen Zeit.


Mit großem Einfühlungsvermögen, sprachgewandt und mit einigem Berliner Dialekt versehen, erzählt Christian Berkel seine interessante Geschichte. Seine Großeltern stellt er darin in den Mittelpunkt und zeigt damit, wie zwei Liebende unter den Widrigkeiten ihrer Epoche zu kämpfen haben. Ihr Leben wurde wie das von so vielen Menschen zum Spielball der Zeit.

Die Handlungsorte sind weitreichend und führen von Berlin über Stationen in Madrid, Paris, einem Lager in den französischen Pyrenäen, Argentinien bis in die russische Kriegsgefangenschaft Ottos. Das macht deutlich, wie sehr das Leben der Personen dem Einfluss der Judenverfolgung und des Kriegsgeschehens unterworfen war. Flucht, Verfolgung und Gefangenschaft spielte in diesen Leben eine große Rolle. 

In diesem Familienepos werden die Figuren genau gezeichnet, sie wirken vor allem durch ihre Sprache authentisch und berühren mit ihren Gefühlen, Ängsten und Sehnsüchten, die im Kriegsgeschehen und auch danach von so vielen äußeren Einflüssen beeinflusst wurden. Es gibt einige Familienangehörige, die mit ihrer Besonderheit auffallen und im Roman auch für unterhaltsame Szenen sorgen. Berkels Großvater war homosexuell und lebte in einer Nudistenkolonie, die Großmutter agierte als Anarchistin in Spanien und die Großtante arbeitete in der Pariser Modeszene mit den Größen ihrer Zeit.

Mich haben die Schicksale von Otto und Sala tief berührt und die geschilderten Kriegsszenen mit Hunger, Gewalt und menschlicher Grausamkeit haben mich mit großer Betroffenheit erfüllt. So etwas darf sich nicht wiederholen und deshalb finde ich Bücher mit dieser Thematik so unglaublich wichtig. 

Dieser Roman hat mich berührt und bis zum Ende gefesselt. Hier wird nichts schön geredet, sondern offen gezeigt, wie sich Menschen einer Familie auf verschiedene politische Seiten gestellt haben. 

Etwas problematisch sehe ich die häufig wechselnde Zeit- und Ortsperspektive, wenn man das Buch allerdings in einem Rutsch durchliest, verknüpfen sich die Handlungsstränge zu einem kompletten und verständlichen Bild.


Dieser autobiografisch angehauchte Roman zeigt eine bewegend erzählte, schicksalsträchtige Familiengeschichte, die bis zum Ende fesselt. Sie erklärt nachkommenden Generationen diese Zeit und macht den Unsinn von Kriegen an Beispielen fest. 

Ein Mahnmal gegen den Krieg.  

 



  • Berkel, Christian - Der Apfelbaum  
  • Berkel, Christian - Ada
  • Berkel, Christian - Sputnik  
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    Sonntag, 4. November 2018

    Die Schwestern vom Ku'damm - Brigitte Riebe

    Der Aufbau West-Berlins wird hier lebendig und nachfühlbar erzählt 


    Brigitte Riebe startet ihre historische Romanreihe "Die Schwestern vom Ku'damm." mit dem ersten Band "Jahre des Aufbaus" einer 50er-Jahre-Trilogie. Die Reihe erscheint bei Rowohlt Wunderlich.

    Wirtschaftswunder, Kaufrausch, Träume in Pastell - drei Schwestern und ein Kaufhaus am Ku'damm.

    Berlin im Mai 1945: Der Krieg ist überstanden, die Stadt ist besetzt von den Siegermächten, Trümmer beherrschen das Stadtbild und die Menschen leiden an ihren persönlichen Verlusten und an Hunger und Entbehrung. Auch das alteingesessene Kaufhaus Thalheim wurde bei einem Bombenangriff zerstört. Der Vater Friedrich Thalheim ist inhaftiert und ihr Bruder Oskar ist verschollen. Die Familienvilla wurde beschlagnahmt und die Töchter Ulrike, Silvie und Florentine Thalheim arbeiten als Trümmerfrauen, um nicht zu hungern. Rike träumt vom Wiederaufbau des Kaufhauses und möchte mit farbenfrohen Kreationen die Modebranche wieder ankurbeln. Nach der Währungsreform scheint dieser Traum sich immer mehr zu erfüllen, doch ein dunkles Geheimnis wirft seine Schatten auf die Familie Thalheim.  



    Dieser Roman beschäftigt sich mit dem aufkommenden Wirtschaftswunder, mit Lebensmittelmarken und Währungsreform, mit Schwarzmarkthandel und mit neuen Lebensträumen der Menschen nach dem überstandenen Krieg. Die Zeitspanne umfasst die Jahre 1945 bis 1951.

    Vater Thalheim ist noch in Gefangenschaft und so übernimmt die älteste Tochter Rike die Verantwortung für ihre Familie. Sie sorgt für einen Neustart eines Modegeschäftes und erfährt im Laufe der Handlung von einen Geheimnis, an dem die Familie zu zerbrechen droht.

    Silvie Thalheim ist ein lebensfroher, aber sprunghafter Charakter, sie fällt durch ihre wechselnden Beziehungen auf, singt in verschiedenen Clubs und setzt ihre Reize auch erfolgreich auf dem Schwarzmarkt ein.

    Die jüngste Schwester Flori liebt das Zeichnen und Malen und sie lehnt ihren Vater wegen seiner Mitgliedschaft in der NSDAP ab und arbeitet aktiv in der Entnazifizierung mit.


    Rikes Freundin Miriam ist Jüdin, wie durch ein Wunder hat sie den Nationalsozialismus überlebt und nun nähen und entwerfen sie Kleidungsstücke aus Uniformen, Flaggen und alten Stoffresten. Die Schwestern starten eine Modenschau vor ihrem zerstörten Kaufhaus und wecken damit nach all der Entbehrung in den Menschen neue Träume. Sie wollen wieder Freude am Leben haben, bunte Kleidung ist da ein erster hoffnungsvoller Anfang.


    Die Ausarbeitung der Figuren ist Brigitte Riebe ganz wunderbar gelungen, sie sind lebendig und erkennbar charakteristisch gezeichnet. Ich konnte gar nicht anders als mit ihnen zu fühlen und auf einen guten Ausgang zu hoffen.

    Die Geschichte zeigt sehr anschaulich und glaubwürdig wie sich das alltägliche Leben dieser Nachkriegsgeneration abspielte. Auch wenn die Geschichte der Thalheims fiktiv ist, so baut sie Brigitte Riebe authentisch in das Zeitgeschehen ein und macht historische Ereignisse nachvollziehbar. Das alltägliche Leben im besetzten Berlin wird hier sehr realistisch in die Handlung eingearbeitet. Wer über diese zeitliche Entwicklung nähere Informationen benötigt, findet sie in einer ausführlichen Zeittafel am Ende des Buches. 
     
    Sehr lebendig und realistisch versteht es Brigitte Riebe, ihre Leser in das Zeitgeschehen einzuführen und den Aufbau West-Berlins mit Leben zu füllen. Mit Schicksalen, Entbehrungen, Hoffnungen, Nöten und die enorme Aufbaustimmung zu verdeutlichen. 
    Das allein macht ihr Buch zu einer wunderbaren Lektüre, die lebendig die Zeit darstellt und zusätzlich auch spannend unterhält. 


    Dieser Auftaktband der Schwestern vom Ku'damm weckt Interesse für die weiteren Bände, er informiert über das Zeitgeschehen und speziell den Aufbau West-Berlins und ist ein kurzweiliger Roman zum Eintauchen in die Zeit. 


    ***Mit herzlichem Dank an den Rowohlt Verlag für die Übersendung dieses Rezensionsexemplars!***


                   

    Weitere Romane der Autorin auf meinem Blog:
     
    Riebe, Brigitte - Marlenes Geheimnis
     

    Mittwoch, 30. August 2017

    GESTERN und HEUTE und MORGEN - David Bergen

    Diese Geschichte lässt mich komplett eintauchen


    Gestern und Heute und Morgen ist ein Roman von David Bergen, der bereits 2012 veröffentlicht wurde und nun als deutsche Übersetzung durch Martin Hielscher bei BTB erscheint.

    [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]






    Wie das Leben so spielt

    Diese Geschichte lässt mich komplett eintauchen. Sie ist toll geschrieben, einerseits leicht und ohne offensichtlichen Anspruch, aber auch sehr nachdenklich, zweifelnd und berührend. Im Vordergrund stehen neben Hope und ihren Zweifeln die verschiedenen, gut charakterisierten Figuren, die alle sehr authentisch und unterhaltsam beschrieben sind.
    Das Buch liest sich gut und sehr kurzweilig. Man erlebt hautnah mit, wie sehr Hope mit ihrem Leben überfordert ist, ihr wächst alles über den Kopf und so bekommt sie eine Depression.

    Man kann dieses Buch als Lebensbericht bezeichnen, wir sehen die Veränderungen, Lebensträume, Störungen und Veränderungen im Leben von Hope. Sie heiratet, bekommt vier Kinder und ist Roy eine gute Ehefrau. Sie haben keine Geldsorgen, ein schönes Haus und doch fehlt etwas. Ist Hope wirklich glücklich? Man kann es nicht vermuten, denn sie fügt sich in ihre Rolle ohne eigene Träume verwirklicht zu haben. Sie passt sich an und die Rolle der Rebellin kommt ihrer Freundin Emily zu. Aber Hope spielt weiter die pflichterfüllende Ehefrau, die für ihre Familie da ist. Solange, bis sie eine Depression bekommt, die sie mit Elektrotherapie und Medikamenten überwindet. 

    Es gibt einige dramatische Phasen in Hopes Leben, die Depression ist eine, außerdem reagiert sie bei der Belästigung einer ihrer Töchter durch einen Cousin und sie sorgt sich um die schwierige Beziehung ihres Sohnes zu seiner Frau. Hope versucht immer zu helfen. So ist sie diejenige, die eine Freundin der Tochter zu einer Abtreibung fährt. Ihre Kinder werden erwachsen, mit ihren Fehlern und Stärken und Hope kann sich von ihnen lösen. Ihr Leben mit Roy wirkt etwas belanglos, aber es scheint gemeinsam zu laufen. Auch wenn sie sich nie über wichtige Dinge auszutauschen scheinen. Gedanken macht sich scheinbar nur Hope. So denkt sie über Freiheit nach und wie sie ihr Leben gelebt hat. Interessant ist für mich, dass sie erst nach dem Tod von Roy, über ihn nachdenkt und endlich selbst die Freiheit geniesst zu reisen. Erst ohne Pflichten, hat sie die Möglichkeit, ihr Leben nach ihren Vorstellungen zu gestalten.  

    Auffällig ist, der Autor lässt Hopes wahre Emotionen kaum durchblicken, erst als ältere Frau, ihrer Schönheit beraubt und nur noch eine von vielen älteren Frauen, kommt man ihr gedanklich näher. 
    Am Ende ihres Lebens ist sie mit sich und ihrer Familie im Reinen.
     


    Diesen Lebensbericht habe ich gern gelesen. Er zeigt eine Frau, die ihre Rolle spielt, in der Familie, in der Gesellschaft, aber auch in ihrem eigenen Leben? Erst im Alter findet sie zu sich selbst. Ein nachdenklich machendes Buch über eine Frau, die für die Familie lebt. 




    *** Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar durch den btb Verlag!***




     

    Mittwoch, 22. Februar 2017

    Glück ist nichts für schwache Nerven - Theresia Graw

    Zauberhafte Familiengeschichte

     

    Der Roman "Glück ist nichts für schwache Nerven" stammt von der Autorin Theresia Graw und erschien 2015 bei Blanvalet.


    Valentina ist eine junge Frau, die nach ihrer Scheidung auch noch eine anstehende Beförderung an eine jüngere Kollegin verloren hat und nun an einem Tinnitus leidet. Nicht mal ihre engsten Freundinnen haben Zeit für sie, die eine ist auf Hochzeitsreise, die andere hat mit ihrem Baby genug zu tun. Und ihre eigene Mutter tingelt durch Brasilien, um den Regenwald zu retten.
    Da entdeckt sie einen Brief ihres vermeintlichen Vaters, der ihr lebenslang unbekannt ist. Sie kommt an seine Adresse und besucht ihn. Anfangs möchte sie ihn nur sehen, doch durch einen dummen Zufall und ein wenig Verhandlungsgeschick schlüpft sie in die Rolle der bestellten Altenpflegerin. Die folgenden Wochen werden die turbulentesten ihres Lebens und zeigen, was alles Glück sein kann.




    Diese Geschichte hat mich emotional regelrecht umgehauen. Wenn mich ein Buch so sehr packt, dass ich vom bloßen "Reinlesen wollen" auf Anhieb das halbe Buch lese, muss es einfach gut sein!

     
    Von Anfang an habe ich mit Valentina mitgefühlt und alles miterlebt und sie in mein Herz geschlossen. Sie ist auf der Suche nach ihrem leiblichen, ihr unbekannten Vater und möchte ihn wenigstens mal sehen. Der Zufall hilft ihr dabei und sie schlüpft nahezu ohne Probleme in die Rolle einer Altenpflegerin und findet sich in ihrer neuen Umgebung, dem eigenen Vater und der netten Familie auch schnell wohl. Doch ihre Rolle ist nicht echt, einige Notlügen braucht es, um sie in Gang zu halten und daraus entwickelt sich dann unweigerlich eine kaum aufzuhaltende Kettenreaktion aus Situationen, die immer wieder amüsieren und den Leser überraschen und mitfiebern lassen, wann denn nun die Bombe der wahren Vaterschaft platzt.



    Als Leser bekommt man Valentinas Gedanken, Reaktionen und Ängste hautnah mit, fühlt mit ihr ihre Zuneigung für ihren Vater, erkennt wie sie sich neu verliebt und hofft einfach nur auf einen guten Ausgang der Geschichte. Dabei ist einiges vorhersehbar, aber vor lauter Glücksgefühl für Valentina macht das überhaupt nichts. Man ist auf ihrer Seite und erlebt eine zauberhafte Reise nach Venedig mit, sieht die Streitigkeiten der Familie und einige unerwartete Wendungen der Geschichte und wird einfach nur gut unterhalten. 



    Für ihren mitreißenden, lockeren und gut zu lesenden Schreibstil gebührt Theresia Graw wirklich ein großes Lob. Dieser Roman geht so unterhaltsam vorwärts, dass man in einen regelrechten Leserausch verfällt und nicht aufhören kann bis man am Ende angelangt ist. Dabei ist immer eine Menge Humor im Spiel und ich musste bei vielen Bemerkungen lachen.



    Es zeigt sich, das vieles im Leben vielleicht eine Durststrecke bedeuten kann, in der man wie z. B. in Valentinas Fall auf eine Kindheit mit Vater verzichten muss, aber im Endeffekt dann doch noch das große Glück findet. Wie sich hier die Dinge entwickeln, ist mit viel Liebe zum Detail dargebracht und man erlebt manch schöne Schauplätze hautnah mit.
    Auch die anderen Charaktere sind liebevoll gezeichnet, sie haben so ihre Ecken und Kanten und man erlebt typische Familienszenen, die sehr natürlich wirken.


    Dieser Roman handelt von Glück und Familie und erlaubt einen traumhaften Einblick in einen wunderschönen Venedigurlaub. Es ist eine unterhaltsame Mischung für wunderbare Lesestunden! 


    ***Vielen lieben Dank für dieses Buch, das ich auf der Facebook-Seite der Autorin zum Valentinstag gewonnen habe!***




    Samstag, 1. Oktober 2016

    Meine Schwester, die Hummelkönigin - P. Zannini

    Eine fesselnde Familiengeschichte mit Wohlfühlcharakter 


    Der Roman "Meine Schwester, die Hummelkönigin" von Patrizia Zannini erscheint 2016 als Taschenbuchausgabe im Droemer Knaur Verlag.

    Diese Familiengeschichte spielt auf Bear Isle, einer kleinen Insel vor der Küste Maines an der Ostküste der USA.
    Nach zehn Jahren Abwesenheit kehrt Ally zur Beerdigung ihrer Mutter nach Bear Isle zurück. Auf der kleinen Insel wachsen Kiefern und wilde Blaubeeren und die Menschen leben von dem Tourismus und der Hummersaison. 
    Auch wenn Ally sich hier wohl gefühlt hat, gab es doch auch Situationen, die sie weggehen liessen.
    Doch nun muss sie sich um Emma kümmern, ihre Schwester, die so anders ist, keine Veränderungen erträgt und feste Strukturen braucht. Was soll jetzt aus ihr werden? Eigentlich wollte Ally nur zwei Wochen bleiben, doch mit jedem Tag spürt sie ein bisschen mehr, wie sehr sie ihr Zuhause vermisst hat. Und ihre besondere Schwester.




    Eine Mischung aus Kiefern, einsamen Buchten, Granitformationen, Feldern voller Wildblumen und Blaubeeren, Hummerbooten, Windjammern und glitzerndem Wasser, das alles ist Bear Isle.
    Zitat  S. 331/332



    Bei diesem Buch wird man langsam aber sicher auf Bear Isle gefangen. Das liegt am einnehmenden Schreibstil von Patrizia Zannini, aber auch an der Handlung und der darin wunderschöne beschriebenen Natur. Man erlebt den Hummerfang mit, sieht die endlosen Blaubeerbüsche und den farbenprächtigen Indian Summer, der auch die Touristen magisch anzieht.

    Die Geschichte dreht sich um Ally, die sich fern von Bear Isle in LA ein eigenes Leben aufgebaut hat und um ihre Schwester Emma, die sehr speziell und anders ist und mit Veränderungen schlecht klar kommt. Ihr Leben braucht immer gleichbleibende Rituale und feste Strukturen. Sie kann nicht allein leben, das wird Ally nun nach dem Tod der Mutter selbst bewusst. Wie oft hat sie selbst als Kind hinter Emmas Bedürfnissen zurückstecken müssen und als jüngere Schwester mehr Verständnis zeigen müssen als ihr lieb war. Jetzt wird ihr klar, dass sie erneut Verantwortung übernehmen muss, dabei will sie ihr eigenständiges Leben fernab von Bear Isle eigentlich nicht aufgeben. Dort sieht sie ihre Zukunft mit Stan, ihrem Freund. Doch es kommt alles anders. Allmählich fühlt sich Ally wieder heimisch, trifft alte Bekannte wieder und findet neue Freunde. Langsam aber sich bewältigt sie ihre eigene Vergangenheit und setzt sich neue Ziele. 

    Die Charaktere haben mir besonders gut gefallen. Hier gibt es besondere Typen, liebenswürdige Menschen und natürlich Emma, die so ist wie sie ist. Man gewinnt sie alle gern und möchte gar nicht mehr abreisen aus dieser landschaftlich schönen Gegend in Maine.

    Besonders der einnehmende und bildhafte Erzählstil hat mich begeistert. Er lässt mich an den Gefühlen und Erlebnissen der Schwestern hautnah teilnehmen. Ich komme mir wie ein stiller Beobachter vor, und sehe, wie Ally vom unangepassten Verhalten Emmas genervt ist, lache aber auch über Emmas trockene Bemerkungen und frage mich, was wohl das Beste für sie wäre.

    Langsam nähern sich die Schwestern einander an und es entwickelt sich eine enge Bindung, die Ally dazu bringt, Emma mehr zuzutrauen. Sie entdeckt bei ihr das Talent für das Kochen und findet damit genau die Nische, in die Emma sich einbringen kann. Sie gibt ihr Flügel, um ihre Wünsche ausleben zu können und bekommt zum Dank eigene Zukunftsträume erfüllt.


    Dieses Buch zeigt, wie Menschen Flügel bekommen können, die sie weit über sich hinaus wachsen lassen. Ein Wohlfühlroman vor der einzigartig schönen Kulisse Maines.  



    ***Leserunde von lovelybooks - Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Buches und an die nette Leserunde!***



    Samstag, 18. Juni 2016

    Die Eismacher - Ernest van der Kwast

    Tiefgründiger Roman zwischen Familientradition und Moderne

    Der Roman "Die Eismacher" von Ernest van der Kwast erscheint 2016 im btb Verlag.


    In den Dolomiten liegt das Tal der Eismacher. Seit Generationen wird hier dieses Handwerk und seine speziellen Rezepte gepflegt und in den Familien weitergegeben.
    Im Frühjahr ziehen die Eismacher dann fort und erleben harte und lange Arbeitstage bei der Eisherstellung und im Verkauf im jeweiligen Sommerquartier. So zieht auch Guiseppe Talamini mit seiner Familie Jahr für Jahr nach Rotterdam, wo sie ein kleines Eiscafé betreiben. 

     



    Eigentlich soll der älteste Sohn der Talaminis, Giovanni, den Betrieb übernehmen, doch er bricht mit der Familientradition, studiert lieber Literatur und wird ein berühmter Poetry Festival Direktor.
    Sein kleiner Bruder Luca aber, hält dafür pflichtbewusst die Familientradition aufrecht und übernimmt den Betrieb.   


    "Es gibt Dichter, die in die dunkelsten Regionen ihrer Seele hinabsteigen und nicht zurückkehren, und es gibt Dichter, die dem Licht zustreben, dem wahren Glück." Zitat Seite 272



    Dieser Roman unterhält, überrascht und erzählt. Dabei gibt es humorvolle Szenen, nachdenklich machende Begebenheiten und auch Überraschungen, die dem Inhalt eine spannende Note verleihen.
    Der Grundgedanke dreht sich um Giovannis Leben. Er beschreibt seine Familie, erklärt seine Gedanken und Beweggründe und sucht zwischen Familientradition und Moderne Protagonist seinen Weg. Als er sich für eine literarische Karriere entscheidet, ist das auch mit dem Verlust seiner Jugendliebe verbunden. Von nun an gilt seine Liebe einzig den Büchern und der Poesie. Er jettet durch die Welt der poetry festivals und sein Vater und Luca verzeihen ihm seinen Ausbruch aus dem Familienbetrieb nicht.

    Das Familienleben der Talaminis wird im Roman mit einigen Zeit- und Handlungssprüngen abgehandelt.
    Es beginnt mit der fraglichen Demenz des Vaters Guiseppe, der sich im TV in eine deutsche Hammerwerferin verliebt. Trotz all der Tragik wirkt in diesem Abschnitt eine Art von Humor mit, der aber im weiteren Verlauf einer schwermütigen Stimmung weicht.

    Die liebevolle und ausführliche Beschreibung der Zubereitung von Eis,
    der Geschmack und das Schmelzen auf der Zunge und die Aufzählung der vielfältigen Sorten sind besonders gut gelungen. Es wird deutlich, wie viel Ideenreichtum, Probiereifer und Arbeitskraft für die Herstellung und die Verfeinerung der Rezepte nötig ist. Luca revolutioniert die althergebrachte Eismacherszene, indem er neuartige Eissorten kreiert. Von altbekannter Vanille und Zitrone geht er über zu Grappasorbet und anderen ausgefallenen Sorten.
    Giovanni beschreibt das Eis als Schneekristalle von bezaubernder Schönheit. Das ist aus seiner Sicht die poetische Umschreibung, der man seine Liebe zur Sprache anmerkt.

    Wir begleiten Giovanni zu seinen Literatur-Festivals. Sein Lebensweg macht deutlich, Lyrik und Dichtkunst gehören mehr zu seinem Leben als die Eismacherei seines Bruders. Er zeigt die Welt der Verlage, den großen Druck auf Erfolg im Literaturwesen und die Schwierigkeit, auf diesem Markt Bestseller abzuliefern. 
    Giovanni und sein Bruder leben in zwei völlig verschiedenen Welten und so distanzieren sie sich immer mehr voneinander, auch verbal herrscht zwischen ihnen Funkstille.
    Im Zitat Seite 180 sagt Giovanni über Luca: "Seine Welt war das Eiscafé, meine begann dort, wo die Terrasse aufhörte."



    So dreht der Roman seine Runden, bezieht sich auf familiäre Themen wir Liebe, Leid und Alltagsleben, bis ein völlig überraschendes Anliegen von Luca an Giovanni den Leser aufrüttelt. Diese Wendung bringt neuen Schwung in die Handlung. Es wird spannend und man wird neugierig, wie dieses Problem familiär gelöst wird.


    Mich haben die Einblicke in diese Familie und besonders in die Eisherstellung sehr interessiert, ich hatte dabei die Eisdynastie meiner Kindheit vor Augen. Auch hier kamen Jahr für Jahr immer wieder junge, neue Familienmitglieder im Sommer hinzu, die sich alles sehr ähnlich sahen.

    Die Ausarbeitung des poetischen Teile zeigt einige Einblicke in die Welt der Dichter und Poeten. Es zeigt sich eine ganz eigene Welt, die so fern und entrückt ist vom harten Alltag der Eismacher.


    Dieser Roman verspricht beim Anblick des Covers eine leichte Sommerlektüre, man erhält jedoch ein poetisches und recht tiefgründiges Buch mit vielen Facetten. Ein Werk mit vielen schönen Bemerkungen und der umfassenden Ansicht einer italienischen Familie.
     



        ***Rezensionsexemplar von vorablesen - Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Buches!***


     

    Dienstag, 15. März 2016

    Sturm über dem Meer - Constanze Wilken

    Unterhaltsame Lektüre, die in walisische Mythen entführt und ein Familiengeheimnis aufdeckt! 

    Das Meer gibt alte Geheimnisse frei

     

    Constanze Wilken entführt ihre Leser mit ihrem Roman Sturm über dem Meer an die walisische Küste. Der Roman erscheint im Goldmann Verlag.


    Ein Auftrag führt die Archäologin Dr. Samantha Goodwin an die irische See nach Wales. Sie hofft dort auf Funde, die das vor 2000 Jahren versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod nachweisen lassen. Die Legende darüber fasziniert Sam schon seit ihrer Kindheit, denn im nahegelegenen Fischerdorf Borth lebt Sams Großmutter Gwen. Bei den Untersuchungen entdeckt Sam ein altes Skelett, es gehört ihrem verschollenen Großvater und ein lange gehütetes Geheimnis wird endlich gelüftet. Durch die Nachforschungen begibt sich Sam in Gefahr.  


    Constanze Wilken liebt Wales und das bringt sie auch in ihrem Roman zum Ausdruck. Stimmungsvoll erzählt sie von alten Mythen und Legenden rund um das versunkene Königreich Cantre'r Gwaelod und zeigt die Kraft und die Gefahr, die hier von der rauen See ausgeht. Man wird unweigerlich Augenzeuge von Stürmen, die einigen Seeleuten und Fischern das Leben gekostet haben.

    Die Geschichte spielt in zwei Handlungssträngen, die Nachkriegszeit aus dem Lieben von Sams Großmutter Gwen und die Gegenwart, die Sams Erlebnissen schildert. Dadurch verbinden sich zwei Lebensgeschichten miteinander, die die Frauen mit ihrer gemeinsamen Gabe bei Sturm das geheimnisvolle Glockenläuten von Cantre'r Gwaelod zu hören, noch näher zusammen schweißt. Auch die Liebe der Frauen wird zum Hauptthema, dass beide verbindet.

    Es dreht sich in der Handlung um eine Liebesgeschichte, die eigentlich vorhersehbar ist, aber das Geheimnis, das sich um den verstorbenen Großvater rankt, steht im Vordergrund. Doch wer hat hier etwas gegen Sam? Es muss eine Verbindung zwischen dem Leichenfund und der Vergangenheit bestehen.

    Die Protagonisten sind sehr anschaulich beschrieben, besonders Gwens Charakter ist hier zu nennen. Es gibt aber auch eine Vielzahl von Nebenfiguren, die die Geschichte in die Länge ziehen. Denn  diese Figuren erscheinen ziemlich blass und wirken farblos. Im Mittelteil zieht sich die Handlung dadurch in die Länge und verliert an Spannung und Interesse.

    Die Auflösung klingt zwar logisch, erfolgt aber im Nachhinein und da hatte ich mehr erwartet. Das Motiv des Täters passt so gar nicht zu den Legende und den schwierigen Umständen, die Gwens Leben ausgemacht haben.

    Wer sich für Wales interessiert und einem Familiengeheimnis auf die Spur kommen möchte, hat sicherlich an diesem Roman seine Freude. Der Schreibstil der Autorin sorgt für unterhaltende Lesestunden.  



     ***Dies ist ein Rezensionsexemplar vom Blogger-Portal -                        Vielen Dank für die Bereitstellung des Buches!***

                         


    Dienstag, 15. September 2015

    Leider hat Lukas schon wieder...

    Humorvolle Satire über die Probleme von Eltern mit ihren Kindern in der Schule!

     

    Niki Glattauer hat in seiner "Leider hat Lukas-Reihe" seinen zweiten Band Leider hat Lukas schon wieder... im K&S Verlag veröffentlicht.
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    Bildergebnis für leider hat Lukas schon wieder...Der freiberufliche Walter Gruber und seine familienernährende Frau Sabine haben mal wieder Probleme mit den Leistungen ihrer pubertären 13jährigen Sohnes Lukas. Walter kommuniziert über das Mitteilungsheft seines Sohnes mit den Lehrern und dem Direktor. Lukas hatte einen Skiunfall und leider die freie Zeit der Genesung nicht zum Aufarbeiten von Defiziten genutzt. Außerdem bekommt er heiße Liebesbriefe von seinem Mitschüler Andi. Vater Gruber ist alarmiert.   

    Als Deutsche ist mir das österreichische Schulsystem nicht bekannt und so waren einige der hier verwendeten Abkürzungen und Fachbegriffe mir nicht geläufig. Mit Klasse 3 ist die entsprechende 7. Klassenstufe im deutschen System gemeint. In der Leserunde gab es hier lobenswerte Informationen. So erfuhr ich, dass ein österreichischer Schüler ein Mitteilungsheft zu führen hat, das Eltern und Lehrer gleichermaßen nutzen können.

    Ungewohnt waren für mich auch die eigentlich unnötigen Titel und Anreden wie beim Hofrat Doktordoktor. Auch einige Phrasen waren mir fremd, sowie absichtlich eingebaute Fehler im Wortschatz der Lehrer, die mich immer im Lesefluss störten, dann aber belustigten.

    In diesem Buch geht es um einige Tücken des Schulalltags, die Eltern häufig kennen. Wir tauchen ein in eine österreichische Familie, deren Sohn Lukas durch seine Pubertät nicht gerade ein Leistungsträger seiner Klasse ist. Er ist leicht übergewichtig, hasst Sport und liebt Leberkäsesemmeln. Außerdem steht er in einigen Fächern auf der Kippe und sollte jetzt Gas geben, wenn er versetzt werden will. 

    Lukas befindet sich in einer pubertären Phase, dadurch wird es den Eltern zunehmend schwerer, mit ihm zu reden.  
    Jedoch gelingt es Lukas, über sein Verhalten nachzudenken, sein Eßverhalten zu überdenken und sportliche Einsätze wieder mitzumachen. Am Ende kommt er auch mit seinen Eltern wieder besser klar und das ist doch schon mal ein Ansatz, der sich sehen lassen kann. Das jedes Elternpaar über die Probleme ihrer Kinder in der Schule an ihre harmonischen Grenzen stösst, wird hier nur zu deutlich gezeigt. Allerdings verstehe ich das Ganze eher als eine Art Satire, wenn ich die überspitzt formulierten Briefe deuten soll. Die Schwierigkeiten zwischen den Beteiligten sind schon mehrfach belustigend und mit Witz auf die satirische Spitze getrieben. Es gibt viele Szenen, die man wirklich geniesst. Doch im Ganzen war mir die gesamte Korrespondenz doch zuviel des Guten.

    Sprache und Schreibstil sind einfach, unterhaltsam satirisch und ein wenig bissig. Einige Fehler sollen wohl einen realistischen Eindruck von Briefkorrespondenz erwecken.

    Die Illustrationen unterstreichen den Schulcharakter des Buches, sie wirken sehr einfach und ein wenig wie ein Komik, zeigen aber die jeweilige Stimmung überaus deutlich und die Mimik passt auch gut.


    Wer wissen will, warum Topflappen für Eltern von Schulkindern zu einer nervlichen Zerreißprobe führen können oder was ein typisches Kind mit Immatrikulationshintergrund ist, dem schlage ich dieses Buch als Lektüre vor. 

                     
      ***Rezensionsexemplar von lovelybooks - 
                                   Vielen Dank für das Leseexemplar!***