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Mittwoch, 24. Juni 2026

Giftige Blüten - Luca Ventura

Krimivergnügen vom Feinsten

"Giftige Blüten" aus dem Diogenes Verlag ist der 7. Band der Capri-Krimireihe von Luca Ventura.

Lina Verde ist angehende Parfümeurin und benötigt für ihren Duft noch die besondere Blütenessenz einer seltenen Orchidee, die sie an den steilen Hängen von Capri sucht. Wenig später wird von Touristenführer Zeno leblos aufgefunden, der behauptet, er wäre mit Lina verlobt. Das ist fragwürdig, denn auf Nachfragen kann er kaum nähere Angaben zu der jungen Frau machen. Zeno ist als Lügner verschrien und für Rizzi und Cirillo sofort verdächtig. 

 



Auf Capri tauchen wir dieses Mal in die Welt der Düfte ein, wo sich Rizzi und Cirillo einem Fall widmen, der einige Fragen aufwirft. Die erste Aussage der Pathologie geht von einem Genickbruch als Todesursache aus, der auch die Folge eines Unfalls sein könnte. Doch der Instinkt der Ermittler sagt etwas anderes. Agente Rizzi und Cirillo sind ein eingespieltes Ermittlerduo, die ihre Theorien zum aktuellen Fall hartnäckig verfolgen und mit ihren Alleingängen ihren Vorgesetzten Lombardi zur Weißglut bringen.

Die Geschichte baut sich nach und nach auf und lässt Einblicke in das Leben der Verdächtigen und der Familie der Toten zu. Wir tauchen in die Welt der Parfümeure ein und erfahren, wie die Essenzen aus den Blüten entstehen und wie sehr dieser Markt von großen Erfolgen getrieben ist. 

Während Rizzi und Cirillo zu ihren Befragungen über die Insel streifen und aus berufliche Ausflüge nach Neapel unternehmen, erlebt man die frühlingshafte Natur dieser Gegend Italiens und bekommt Lust auf einen Urlaub auf der wunderschönen Insel. Zur Urlaubsstimmung passt der bildhaft angenehme Schreibstil perfekt und unterhält mit den gut gezeichneten und sehr lebendigen Figuren ohne dass Langeweile aufkommt. Ich habe das Buch in kürzester Zeit durchgelesen und wurde am Ende mit der Auflösung überrascht.  

Während Zeno den ersten Platz als Verdächtiger erhält, bringen neue Hinweise neue Verdachtsmomente mit sich und neue Spuren führen zu interessanten Wendungen im Fall. Hier gibt es einige Charaktere, die etwas verbergen und nicht mit offenen Karten spielen.  

Durch die Mischung von spannender Ermittlung, italienischem Flair und eingebautem Privatleben Rizzis und Cirillos ist dieser Band wieder rundum gelungen. Die gezeigten Probleme mit den Vorgesetzten, die  willkürliche Führung von Mitarbeiter:innen im Polizeiapparat und die Alleingänge der beiden Ermittler sorgen für interessante Szenen. Erst im Erfolgsfall ist ein Agente ein gewünschter Mitarbeiter.  

Rundum gelungener Krimi mit interessantem Fall, vielschichtigen Charakteren und einem schönem Setting. 

***Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

                                    

Mittwoch, 7. Mai 2025

Commissario Gaetano und der lügende Fisch - Fabio Nola

Mord am Feiertag

Bei DTV erscheint Fabio Nolas Krimi Commissario Gaetano und der lügende Fisch
 
Während in Neapel die Feierlichkeiten zum Gedenktag des Heiligen San Gennaro, also des Stadtpatrons von Neapels stattfinden, geschieht ein grausamer Mord. Der Tote wurde enthauptet, genau wie der Schutzheilige. Da drängt sich der Gedanke an eine Fehde der Camorra auf, doch die Art der Tötung scheint eine andere Sprache zu sprechen. Commissario Salvatore Gaetano macht sich auf die Suche nach dem Mörder, doch der ist ihm immer einen Schritt voraus. 
 
 

 

Der Tote in diesem Krimi trägt nicht nur den Namen des Schutzpatrons der Stadt Neapel, er wurde sogar auf die gleiche Weise getötet wie der Heilige. Vor dem trubeligen Alltagsleben in Neapel lassen sich die Tradition und die Bedeutung des Wunders von Gennaro besser verstehen, was für mich sehr interessant zu lesen war. 

Commissario Gaetano übernimmt mit seinem Team die Ermittlungen, gemeinsam mit der schwangeren Emilia und dem behäbigen Danilo Paese geht es jedoch nur schleppend voran. An Gaetanos Seite erlebt man als Leser das quirlige Leben in Neapels stinkigen Gassen, mit der auf Leinen gespannten Wäsche zwischen den Häuserreihen, dem chaotisch wirkenden Verkehr mit hupenden Vespas und Autos und den unterschiedlichen Gerüchen vom Müll oder dem herrlichen Duft süßer Backwaren, für die die Bewohner ein Faible haben. Und auch Gaetano hat den typischen Familiensinn, doch gerade wird es ihm zuviel mit seinem im Pflegeheim lebenden Bruder und seiner Nichte, die heiraten will. Er ist auf seine Weise ein Antiheld, hat einen schwierigen Charakter und kein liebenswerter Ermittler. Sicherlich liegt das in seiner tragischen Familiengeschichte begündet. 
Vom Toten erfährt man von seinen Vorlieben für junge Mädchen, da ist es nicht verwunderlich, dass er einige Feinde hatte. Dazu sorgt eine Vielzahl an speziellen Figuren für Abwechslung, viele sind problembeladen oder leider unter schlimmen Erlebnissen, das macht sie verdächtig, aber auch schwer einschätzbar und erschwerte mein Mitraten nach dem Täter. 

Das Privatleben und die Befragungen nehmen einen großen Teil der Handlung ein und es gibt etliche, die einen Grund gehabt haben könnten. Allerdings zog sich die Suche nach dem Täter doch ziemlich in die Länge und der Fall lässt in viele menschliche Abgründe blicken, wo der Tote Schuld auf sich geladen hat. Diese Erkenntnisse lassen in der zweiten Hälfte des Buches mehr Spannung aufkommen und führen mit Wendungen dann zur Aufklärung.
 
Die erfrischende Erzählweise hat mir gut gefallen, die vielen Dialoge lassen sich flüssig lesen und geben Aufschluss über die Personen, über Geschehenes und über das Menschen- und Frauenbild in Neapel. Das häufig eingestreute Napulitano sorgt zwar für ein stimmiges Flair, im Glossar werden jedoch nur einige Begriffe übersetzt, große Verständnisprobleme gibt es dadurch aber nicht. 
 
Ein spezieller Ermittler führt uns in die Abgründe und das Treiben in Neapels Gassen.   


***Herzlichen Dank an den DTV für dieses Rezensionsexemplar!***
 

 
 
  • Nola, Fabio - Commissario Gaetano und der lügende Fisch
  • Nola, Fabio - Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl 
  • Freitag, 23. August 2024

    Bella Famiglia - Nico Mahler

    Liebe, Leid und Gelati!

    Im Aufbau Verlag erscheint der Roman Bella Famiglia von Nico Mahler

    München, 1966: Sofia träumt bei ihren wöchentlichen Besuchen in der Eisdiele Bella Italia sehnsüchtig von der großen Liebe und vom Zauber Venedigs. Der Besitzer der Eisdiele Lorenzo kennt aus eigener Erfahrung wie hart das Leben in Italien sein kann. Seine Familie lebt im Val di Zoldo, dem Tal der Eismacher, wo existentielle Nöte den Menschen vieles abverlangte. Auch Lorenzo verließ eines Tages das Tal, die Gründe nagen heute noch schwer an ihm.  
     


     
    In "Bella Famiglia" lässt uns Nico Mahler an den schwierigen Lebensumständen einer Eismacherfamilie teilhaben. 
    Der erste Erzählstrang lässt uns ab 1899 in die Erlebnisse einer Eismacherfamilie eintauchen. Das kleine Tal bot für seine Bewohner karge Lebensbedingungen, um seine Familie über Wasser zu halten, nahm Großvater Tonino in benachbarten Ländern unterschiedliche Arbeiten an. Die Tradition des Eismachens sollte ihnen schliesslich eine Existenzgrundlage bieten, denn es war auch in Österreich und Deutschland sehr begehrt. 
    Die zweite Zeitebene beleuchtet ab 1966 Sofias Leben, sie ist Erzieherin in einem Kinderheim, hat eine gescheiterte Ehe hinter sich und träumt von dolce vita in Venedig. Im Eissalon Bella Italia lernt sie Lorenzo kennen, der häufig niedergeschlagen aussieht, ein Eigenbrötler mit traurigem Gesicht. Nach und nach lernt sie ihn und die Geschichte seiner Familie näher kennen und Lorenzo zeigt, dass er auch Freude empfinden kann.
     
    Nico Mahler erzählt auf eindrucksvolle und berührende Weise von einer italienischen Familie, die stellvertretend für viele Italiener steht, die sich aus finanzieller Not heraus als Gastarbeiter verdingen mussten, um die Familie zu ernähren. Das Leben in der Ferne war nicht einfach und für die Menschen durch die örtliche Trennung auch schwer zu ertragen, das lässt Melancholie aufkommen. Doch die Geschichte macht nicht nur Trauer und Leid sichtbar, sie feiert auch die Liebe, das Leben und die Kunst des Eismachens. Und sie lässt Hoffnung aufkommen, weil es viele Menschen geschafft haben, neuen Mut zu entwickeln und sich vom Leben nicht unterkriegen lassen. 
     
    Die Charaktere sind vielschichtig und lebensecht gezeichnet und ich habe ihre Schicksale gespannt verfolgt. Dieser berührende, schön erzählte Roman ist mir sehr nahe gegangen! Von der Handlung her hat mich der Erzählstrang in der Vergangenheit besonders gepackt, während die Geschichte mit Sofia etwas schwächer ausfällt.

    Die heutigen Glücksgefühle beim Essen von Gelati sind verknüpft mit vielen Schicksalen der Eismacher, die schwierige Lebensumstände überwinden mussten, Leid und Schmerz ertrugen und dennoch nicht die Hoffnung verloren.
     

    Eine Geschichte, die uns die Existenzängste einer italienischen Familie aufzeigt, aber auch die Liebe und das Leben feiert. Ein berührender und doch so schöner Roman, der reichlich Appetit auf Eis macht!  

    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     



    Montag, 8. Juli 2024

    Das erste Licht des Sommers - Daniela Raimondi

    Bewegend, melancholisch und fesselnd, ein Roman zum drin Versinken!

    Im Ullstein Verlag erscheint mit "Das erste Licht des Sommers" der zweite Roman von Daniela Raimondi
     
    Dieser Roman beschreibt unterschiedliche Generationen von Frauen und deren Suche nach Liebe, Geborgenheit und Glück. 
     
    Norma Martiroli wird 1947 geboren, die finanziellen Verhältnisse zwingen ihre Mutter, sie zu ihrer Großmutter zu geben, wo sie aufwächst und ihre Kindheit mit ihrer Cousine Donata verbringt, die ihr großen Halt gibt. Später trennen sich ihre Wege, Norma lebt in London als sie vom Tod Donatas erfährt. Sie trifft ihren Jugendfreund Elia wieder, der ihr Trost spendet, beide heiraten und leben eine Fernbeziehung, ihr gemeinsames Glück zerbricht irgendwann. Erst viel später erfährt Norma von Elias Betrug, aus dem eine Tochter entstanden ist. 





    Hauptfigur Norma wächst in einem italienischen Dorf bei ihrer Großmutter auf. Ihre Kindertage verbringt Norma mit Cousine Donata, die für sie wie eine Schwester ist. Jahre später führen beide eigene Leben und als Norma in London lebt, erschüttert sie die Nachricht von Donatas Tod. Elia fängt sie auf und beide beginnen eine Beziehung.  
     
    Dieser Roman ist berührend und melancholisch, denn die Erlebnisse der Figuren wechseln zwischen Glück, Enttäuschung und Verlust hin und her. Es gibt jede Menge Nebenfiguren aus der großen Familie und mit ihnen taucht man in die politischen und gesellschaftlichen Ereignisse der jeweiligen Jahre ein. 
    Von Normas Leben erfahren wir in Rückblenden, die mit Jahresdaten gekennzeichnet sind. Im Jahr 2015 reist Norma, inzwischen selbst alt, mit ihrer Mutter Elsa nach Stellata, um sie in ihrer letzten Phase des Lebens beim Sterben zu begleiten. Dabei muss sie selbst die schwierigen Beziehung zu ihrer Mutter verarbeiten. Diese Teile sind sehr bewegend und auch wenn ich sie am liebsten übersprungen hätte, sie gehören zu dieser Geschichte als wichtiges Element hinzu.
     
    Je mehr man über die Frauen und ihre Schicksale erfährt, umso mehr verbinden diese zu einem berührenden und melancholisch anmutenden Roman, in dem Liebe, Verlust und Hoffnung zu den Grundlagen gehören und das Vergeben sich zu einem wichtigen Element heraus kristallisiert.
     
    Für mich ist das ein Buch zum drin Versinken, im positiven wie im negativen Sinne! Es ist vor allem dem angenehm poetischen Erzählstil und den intensiv beschriebenen Figuren zu verdanken, dass ich diesem Buch so aufmerksam gefolgt bin. Daniela Raimondi zeichnet starke Frauenfiguren, deren Lebenswege berühren und interessant zu verfolgen sind. Ich wurde selbst im etwas ausufernd erzählten Mittelteil von den Ereignissen mitgezogen und habe die komplexen Beziehungsmodelle und Probleme in den Beziehungen gespannt verfolgt. Dieser Roman ist keine leichte Lektüre, denn es werden schwerwiegende Themen aufgegriffen, wie eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, Ehebruch, Tod und unerfüllter Kinderwunsch. Doch viele schöne Glücksmomente aus der Kindheit, die Liebe zur Familie und zu den Menschen und ihrer Verbundenheit lassen die Hoffnung nie ganz verschwinden. 
     
    Daniela Raimondis Buch muss ich einfach weiter empfehlen! Ein eindrucksvoller, weil sehr berührender und recht melancholischer Roman um Beziehungen von Menschen, die vom Leben auf die Probe gestellt werden, sich trennen und dann doch wieder zusammen finden!
     

    ***Herzlichen Dank an Vorablesen für diese Buchprämie!***



    Sonntag, 30. Juni 2024

    Azzurro mortale - Andrea Bonetto

    Die spannende Spur der Wasserleiche 
     
    Andrea Bonetto entführt uns in "Azzurro Mortale", dem zweiten Band seiner Krimireihe um Commissarion Grassi, erneut an die ligurische Küste. Die Reihe erscheint im Droemer Knaur Verlag.

    Commissario Vito Grassi plant in seiner neuen Heimat Levanto einen Urlaub mit seinem aus Rom angereisten Familien, Ehefrau Chiara und Sohn. Die Fernbeziehung läuft eher schlecht als recht und so ist Vito froh, als er sich seiner Arbeit widmen kann. Denn seine Kollegin Ricci meldet ihm einen Leichenfund im Hafen von Corniglia. Die Todesursache des jungen Mannes ist rätselhaft, er lebte unter der 2018 eingestürzten Morandi-Brücke, die viele Menschen mit in den Tod riss. Sollte der Mord damit zusammen hängen?
     


    Nachdem er von seinem Vater ein Rustico in Levanto an der ligurischen Küste geerbt hat, liess sich Commissario Vito Grassi von Rom dorthin versetzen. Seine Familie blieb in Rom wohnen, die erwachsenen Kinder studieren und endlich ist mal wieder ein gemeinsamer Urlaub geplant. Doch schon beim ersten Ausflug versetzt die Nachricht von einem gefundenen Toten Vito in Arbeitsbereitschaft. Er ist nicht weit entfernt und macht sich persönlich ein Bild von dem Fall. Noch ist nicht klar, ob es sich um Selbstmord oder um einen Mord handelt. Die Untersuchungen des Rechtsmediziners ergeben den Zustand eines "Trockenen Ertrinkens". 
    Was Vito auffällt, ist der exklusive Lebensstil des toten Enrico, der gar nicht zu seinem Berufsbild passt. Die Nachforschungen ergeben, dass der Tote unter der Morandi-Brücke gelebt hat, die 2018 eingestürzt ist. Dieses Unglück wurde noch nicht aufgeklärt, es ist ein Bauskandal von allerhöchster Größenordnung. 
    Aber warum wurde Enrico ermordet?
     
    Die Ermittlungen werfen einige ungeklärte Fragen auf, Vito kann einen weiteren Mord verhindern, was ihn aber auch selbst in Gefahr bringt, denn hier werden Waffen eingesetzt, die auf kriminelle Banden schließen lassen. Er hat den Verdacht, dass die "Famiglia" ihre Hände im bösen Spiel haben könnte und das gibt dem Fall eine besonders gefährliche Note.
     
    Auch in diesem Krimi bringt Andrea Bonetto wieder die landschaftliche Schönheit der Cinque Terre zum Ausdruck, er beschreibt die kulinarische Seite und lässt bei seinen Lesern Urlaubsgefühle aufkommen. 
    Doch der spannende Fall führt uns auch die kriminellen Machenschaften der Drogenbosse der Mafia und   die zwielichtigenden Baugeschäfte rund um den realen Morandi-Skandal vor Augen. Der schlimme Einsturz der Morandi-Brücke in Genua riss zahlreiche Menschen in den Tod, obwohl Statiker Mängel angemeldet hatten. Doch die Hintermänner des korrupten Baugewerbes wollen Profit und keine zusätzlichen hohen Instandsetzungskosten.
     
    Auch dieser zweite Fall hat mir gut gefallen und mich mit dem realen Fall sehr gefesselt. Der flüssige Erzählstil zeigt einige Einblicke in Vitos verzwicktes Privatleben und es wird deutlich, dass er seiner Frau gegenüber nicht aufrichtig war und sie sich wohl auseinander gelebt haben. Natürlich startet er in seinem Berufsleben erneut Alleingänge, die seiner Vorgesetzten so gar nicht gefallen.  
    Bei den Personenbeschreibungen sind mir zwei Begriffe aufgefallen, die aussergewöhnlich klingen und zum Lachen anregen. Allerdings kann ich mir unter einem "Kettensägengesicht" bzw. "Holzklotzgesicht" leider kein spezielles Gesicht vorstellen. Da ist wohl dem Autor ein wenig die Fantasie durchgegangen.
     
    Die Handlung besteht aus temporeichen Szenen, besonders Grassis Autofahrten erscheinen mir als Filmkulisse sehr passend. In Büchern finde ich das etwas übertrieben, aber wer den Verkehr in Italien kennt, kann diese rasante Schilderung durchaus verstehen. Und Fahrzeugfans werden die Beschreibungen des Alfa Romeos und der exclusiven Jacht durchaus zu schätzen wissen.
     
     
    Der Krimi ist eine fesselnde Unterhaltung im Kampf gegen skrupellose Verbrecher, er lässt aber als entspannende Variante auch das pittoreske Landschaftsbild Liguriens mit einfließen und schafft mit den kulinarischen Beschreibungen nachvollziehbar Urlaubsgefühle. 
    Für diese Mischung bekommt dieser Italien-Krimi von mir volle vier Sterne und eine Empfehlung als tolle Sommerlektüre!
     

    ***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



    Abschied auf Italienisch

    Donnerstag, 27. Juni 2024

    111 Orte in Apulien, die man gesehen haben muss - Daria Rizzello

    Wunderschöne Tipps zum Entdecken Apuliens und seiner Geschichte!
     
    In der 111-er Reihe vom Emons Verlag erscheint von Daria Rizzello der Band 111 Orte in Apulien, die man gesehen haben muss
     
    Apulien ist der Stiefelabsatz Italiens und es gibt gute Gründe, um dorthin zu reisen: Die atemberaubend schöne, 800 Kilometer lange Küste, alte Hafenstädte, der gute Rotwein zu hausgemachter Pasta, riesige Olivenhaine im Landesinneren und die bekannten kleinen Rundhäuschen. Schon der Stauferkaiser Friedrich der II. bewohnte im 13. Jahrhundert sein achteckiges Castel del Monte und genoss das Leben.  
     

     
    Dieses Buch kann man als Entdeckungsführer bezeichnen, denn man lernt darin viele Orte, Plätze, Museen, Dorfkirchen und Besonderheiten kennen, die Apuliens Geschichte erzählen und uns einen Blick auf die Vielfalt dieser Gegend werfen lassen. 
    Es gibt zahlreiche Vorschläge, die man bei einer Reise durch Apulien einbauen kann und für ein Bad im Meer gibt es ebenfalls viele Gelegenheiten. 
    Hier finden Kunstliebhaber, Aktivurlauber, Feinschmecker und Genießer und auch Familien viele Möglichkeiten, um ihren Urlaub nach ihrem Geschmack zu gestalten. 
     
    Die 111 Orte sind alphabetisch geordnet und zeigen einen umfangreichen Querschnitt der bekanntesten und interessantesten Locations, die hier mit Angabe von Adresse, Anfahrt, Öffnungszeiten und besonderen Tipps näher vorgestellt werden. 
     
    Es geht in die Provinzhauptstadt Bari, in die Barockstadt Lecce, zur Wallfahrtskirche nach Copentino, zum Orchideenpfad nach Mattinata, zur Mumienkrypta nach Oria oder zum Leuchtturm nach Otranto. Es gibt Bars und Eisdielen zu entdecken, eine Kanincheninsel und ein Zitrusgarten locken zu einem Besuch und viele weitere Tipps sorgen für eine abwechslungsreiche Zeit in Apulien. 








    Es gefällt mir, wie viele Informationen und geschichtliche Hintergründe hier bei den 111 Orten zusammengetragen wurden. Durch die detailreiche Vorstellung der verschiedenen Orte gewinnt man einen umfangreichen Einblick der geschichtsträchtigen Städte Apuliens und lernt seine Sehenswürdigkeiten und alten Bauten kennen, aber darüber hinaus auch viele unbekannte Ziele, die bei Touristen nicht unbedingt auf dem Reiseplan stehen. 
     
    Interessante Vorschläge zeigen bekannte und unbekanntere Orte, Plätze und Bauten, die man sich ansehen kann, wenn man in Apulien unterwegs ist. Mit diesem Buch lässt sich Apulien wunderbar entdecken!  
     
     
     ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

     

    Dienstag, 21. Mai 2024

    Italien - Annette Maas

    Ein wissensreicher Ausflug nach Italien für die ganze Familie!
     
    Bei Ars Edition erscheint Annette Maas Sachbuch "ITALIEN - Das Land, wo die Zitronen blühen" mit Illustrationen von Mayya Sultan. Das Buch empfiehlt sich für Kinder ab 10 Jahren.

    Italien ist ein südeuropäisches Land, in dem man im Norden in den Alpen Ski fahren kann und an der circa 4000 km langen Mittelmeerküste sommerlichen Strandurlaub verbringen kann. Man kann behaupten, dass Italien die westliche Kultur und Küche nachhaltig geprägt hat. In der Hauptstadt Rom befindet sich der Vatikan mit dem Papst, sowie imposante Kunstwerke und Ruinen antiker Bauwerke. Überhaupt ist Italien die Wiege der Kunst, die dank Leonardo da Vinci und dem Maler und Bildhauer der Renaissance Michelangelo Weltruhm erreichten. 
     

     

    Die Länderreihe von Ars Edition finde ich toll, denn sie zeigt viele Informationen und Hintergrundwissen, das über eigentliche Reiseführer hinaus geht und vermittelt Kindern ein umfassendes Bild über die einzelnen Länder. Auch der Band über Italien ist wunderbar vielfältig verfasst und stellt unterschiedliche Fakten und Besonderheiten auf kindgerechte Weise vor.
      
    Die italienische Kultur ist genauso vielfältig wie die Geschichte des Landes und die unterschiedlichen Landschaften mit Seen, Vulkanen, Bergen und langen Küsten. Goethe bereiste Italien mit großer Freude und preiste das Land der Zitronenblüte in seinen Gedichten.  



      
    In einzelnen Abschnitten werden verschiedene Themen beleuchtet und in kurzen Texten spannend erklärt, sowie mit farbigen Illustrationen bildhaft gemacht. Die Themenbreite umfasst Erdbeben und Vulkane, die ewige Stadt, Neapel, die Astrophysikerin Margherita Hack, weitere berühmte Frauen, die Renaissance, Design, die italienische Sprache, das Schulsystem, bekannte Gebäude, Oper, Pasta und Pizza u.a. Dabei gibt es viele interessante Fakten zu entdecken, die auch für Erwachsene interessant sind. 
     
    In diesem großformatigen Buch wird eine Fülle an Informationen vorgestellt, die mit wunderschönen Illustrationen begleitet werden. Wir lernen etwas über Italiens Geschichte und die Kultur und Menschen, sehen die bezaubernde Landschaft, entdecken die regionale Küche mit Pizza und Pasta und viele verschiedene Baudenkmäler, Orte und Besonderheiten, die das Land näher vorstellen und mit Hintergrundwissen tiefer eintauchen lassen. 

    Interessant umgesetzte Länderkunde für Kinder, die Wissenswertes über Italiens Kultur, Geschichte und andere Besonderheiten perfekt beschreibt, bildhaft sichtbar macht und damit Interesse weckt! 

    Ein wissensreicher Ausflug nach Italien für die ganze Familie!

     
     
    ***Herzlichen Dank an ArsEdition für dieses Rezensionsexemplar!*** 

    Dienstag, 7. Mai 2024

    Mord am Lago Maggiore - Alexandra Holenstein

    Giftmord und eher Krimödie als Krimi!

     
    Im Emons Verlag erscheint der Krimi "Mord am Lago Maggiore" von Alexandra Holenstein.  

    Ascona liegt ganz idyllisch am Lago Maggiore und bietet ein herrliches Urlaubspanorama. Dorthin verschlägt es Tabea und Ludwig Kummer, die in die luxuriöse Villa seines Vaters Herbert ziehen. Das Zusammenleben gestaltet sich nicht gerade harmonisch, denn die Schrullen von Herbert muss man aushalten können. Aber bei dieser Traumlage machen Tabea und Ludwig halt Zugeständnisse. Doch eines Tages liegt Herbert vergiftet auf dem Fußboden. Wer könnte ein Motiv haben? Während Ludwig Kontakt zu der ermittelnden Kommissarin hält, macht sich Tabea selbst an die Nachforschungen und findet gleich mehrere Hinweise, die Herbert in einem anderen Licht darstellen und ein Verbrechen rechtfertigen würden. Doch damit scheucht sie auch den Mörder auf...   
     
     


     
    "Herbert war nur in Kleinstmengern verträglich. Er musste mit der Pipette verabreicht werden. Oder besser noch: in homöopathischer Dosierung. Verdünnt und nicht mehr nachweisbar." Zitat Seite 66/67
     
    Alexandra Holensteins Bücher sind immer durchzogen von einem feinen, aber leicht ironischen Humor, der ihrer Geschichte auch in diesem Fall die richtige Würze verleiht. 
     
    In dieser Geschichte wird schnell klar, Herbert ist ein Fiesling, der anderen gerne mal auf die Füße tritt. Für sich selbst nimmt er sich aber alle Rechte heraus und das kommt bei Tabea natürlich nicht so gut an. Sein Sohn Ludwig kuscht vor seinem Vater, denn er ist in einer prekären Lage, weil seine Fotoaufträge nicht so viel abwerfen, dass er große Sprünge machen kann. 
    Dann wird Herbert vergiftet und es gilt nicht nur, den Täter ausfindig zu machen, sondern das große Anwesen mit Seelage verspricht auch ein entsprechendes Erbe, mit dem es sich gut leben lässt. Hätte Herbert nicht auch so seine Geheimnisse gehabt, die nach und nach sichtbar werden. 

    Bei diesem Buch kann man eher von einer Krimödie sprechen als von einem Krimi. Der olle Herbert wandelt auf Freiersfüßen, sein Sohn und die Schwiegertochter ersetzen den Gärtner und die Köchin und plötzlich ist Herbert tot. 
    Tabeas kommt bei ihren Ermittlungen einigen Dingen auf die Schliche und man kann munter miträtseln. Die Spurenlage lässt einige Verdächtige zu und am Ende gerät Tabea noch in die Gewalt des Mörders. 
    Seeidylle und ein Leben in einer luxuriösen Villa können traumhaft sein, aber manchmal ist die Realität doch ganz anders!
     
    Der Erzählstil ist ein gewohnter Holenstein-Roman, bei dem man die Figuren deutlich gezeichnet mit Ecken und Kanten vor Augen hat und häufig über die Dialoge lachen muss. Erwähnenswert ist auch die wunderbare Beschreibung der Location am Lage Maggiore mit all seinen Blüten und Farben und den herrlichen Ausblicken auf den See. Damit zaubert die Autorin ein regelrechtes Urlaubsflair und man wünscht sich automatisch in Herberts Villa, um das Seepanorama zu genießen. 

    Die Aufklärung erfolgt etwas in die Länge gezogen und es werden immer mehr Details aufgedeckt, die Herberts Ausgangslage sichtbar machen. Doch dadurch hat man auch die Muße, sich in Tabeas und Ludwigs Eheprobleme einzufühlen, die anderen Nebenfiguren mit ihren Macken auf sich wirken zu lassen und einfach mal am Lgo die Seele baumeln zu lassen - Toter hin oder her!

    Für mich war dieses Buch ein echter Lesegenuss, bei dem sogar der Vergleich mit den bösen Ingrid-Noll-Romanen aufkam. Dort bekommen die bösen Buben auch immer eins auf die Mütze!
     
    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 


    Montag, 15. April 2024

    Keine Spaghetti sind auch keine Lösung - Silke Neumayer

    Unterhaltungsroman mit italienischem Flair und ernsten Themen

    Im Ullstein Verlag erscheint Silke Neumayers Roman "Keine Spaghetti sind auch keine Lösung".

    Seit Jugendtagen sind die Mittfünfzigerinnen Mia, Poppy, Schröder und Amelie befreundet »die Spaghettifreundinnen«. Beim gemeinsamen Essen ließen sich bisher alle Probleme lösen. Als Amelie vor einem Jahr in die Toscana zog, um dort als Malerin in einem Castello zu leben, wurden die Treffen selten und auch das Vorhaben, Amelie in der Toscana zu besuchen, klappte bisher nicht. Die tragische Nachricht von Amelies Tod bricht über die Freundinnen herein und sie reisen nach Italien, um ihrer Freundin die letzte Ehre zu erweisen und ihr Erbe anzunehmen, das Castello. Aber dann finden nur eine renovierungsbedürftige Bruchbude vor und merken während ihrer gemeinsamen Reise, nicht nur Amelie hatte Geheimnisse. 
     


     
    In diesem Roman reisen drei Freundinnen aus Hamburg in die Toscana und wollen ihre alte Freundschaft wieder neu ausleben. Doch so einfach ist das nicht, denn inzwischen haben sie sich verändert und das Leben ist nicht mehr so einfach wie früher. Jede Frau hat ihr persönliches Päckchen zu tragen und so entpuppt sich der vermeintliche Wohlfühlroman in eine Geschichte, die sich um viele ernste Themen rankt. Es geht um Tod und Trauer, Freundschaft und Zusammenhalt, Lügen und Geheimnisse, aber auch um die Liebe, Dolce Vita, Wein und ganz viel Pasta.
     

    Die Charaktere bringen viele Ecken und Kanten mit, sie bedienen einige Klischees und sorgen damit für reichlich Abwechslung. Mia ist die Helicoptermutter dreier Kinder, das Wohl anderer ist ihr Lebensinhalt. Poppy ist Illustratiorin, alleinstehend, emotional und übergewichtig und hat der Hoffnung auf eine große Liebe abgeschworen. Schröder ist eine Karrierefrau in der Baubranche, sie nimmt sich das vom Leben, was sie will. 

    In der Toscana angekommen, merken die Freundinnen, dass Amelie völlig verarmt war. Sie hübschen das Haus auf, um es gewinnbringend zu verkaufen und möchten Amelie eine angemessene Beerdigung ausrichten. Doch das Zusammenleben verläuft leider nicht so harmonisch wie gedacht. Jede Frau bringt ihre Probleme mit und so kocht die Stimmung immer mal wieder hoch, was mit einem Pasta-Essen wieder ausgeglichen wird. Aber das klappt nicht immer, denn manche Wahrheit wiegt schwer.

    In dieser Geschichte habe ich die Atmosphäre der Toscana genossen, die dank der italienischen Figuren echtes und positives Lebensgefühl in die Handlung bringen. Gleichzeitig habe ich überaus gespannt die Sorgen, Enttäuschungen und Empfindungen verfolgt, die das Leben der drei Frauen umtreiben. Die Autorin hat hier eine Themenbreite aufgefahren, die für mehrere Romane gereicht hätte, aber gerade diese Abwechslung macht die Story so turbulent und so spannend. 

    Die Erzählweise ist locker, flockig und aus dem Leben gegriffen und so nähert man sich immer mehr den Charakteren an und versteht, wie sie ticken und welche Probleme und ernsthaften Sorgen sie umtreiben. Manche Dinge sind etwas auf die Spitze getrieben, das habe ich mit einem Augenzwinkern hingenommen und wurde mit den unterschiedlichen Lebenswegen gut unterhalten. Das Leben hinterlässt seine Spuren auf Körper und Seele und manchmal muss man einfach mal einen Neuanfang wagen, um sich wieder glücklich und unbeschwert zu fühlen.

    Ein erfrischend erzählter und sehr turbulenter Roman über eine Frauenfreundschaft, die sich gegen jeden Widerstand beweisen kann. Spaghetti sind keine Lösung, aber ein Anlass, um über Probleme zu reden. Unterhaltsam, lebendig und den Widerständen des Lebens trotzen - so lautet hier die Devise!

    ***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Sonntag, 7. April 2024

    Nostalgia Siciliana - Patrizia Di Stefano

    Ein bewegender, wunderschön erzählter bitter-süßer Familienroman


    "Nostalgia Siciliana" ist der Debütroman von Patrizia Di Stefano, der im Aufbau Verlag erscheint.
     
    Berlin 2004: Tita arbeitet als Grafikerin. Sie bekommt einen Anruf aus Sizilien, in dem ihr der Tod ihres Onkels mitgeteilt wird und um ein Familienerbe geht. Sofort hat sie alte Erinnerungen an ihre Kindheit und ihren früh verstorbenen Vater Gianni, der Italien 1961 verließ, um als Gastarbeiter in Deutschland sein Glück zu versuchen. Gianni verliebte sich in Carla, gründete eine Familie und wurde Inhaber eines Restaurants und belieferte eine große Tiefkühlfirma mit gefrorener Pizza. In dieser Zeit reiste die Familie jedes Jahr in den Urlaub auf das Familien-Landgut Magni nach Sizilien. Als Gianni starb, riss die Verbindung mit Sizilien für viele Jahre ab, zu sehr schmerzten die Erinnerungen an die schöne gemeinsame Zeit. Jetzt sind 26 Jahre vergangen und Tita reist nach Sizilien, um alte Erinnerungen aufzufrischen und das Erbe anzusehen. 
     

     
     
    "...die Herzlichkeit der Menschen, deren Lachen und Weinen in allen Lebenslagen sich immer die Waage zu halten schien - all das kam ihr so vertraut vor, als hätte es schon immer zu ihrem Leben gehört." Zitat Seite 296
     
    Patrizia Di Stefano erzählt die wahre Geschichte ihres Vaters, die sie recht authentisch abbildet. 
    Es ist die bitter-süße Liebesgeschichte des Sizilianers Gianni, der in Berlin mit seiner Frau Carla eine Familie gegründet hat und den die Sehnsucht nach seiner Heimat nie verließ. 
     
    In diesem Roman wird nicht nur eine Familiengeschichte erzählt, die Geschichte enthält noch viel mehr und man wird man mitgerissen vom authentischen Strudel italienischer Lebensart, von der Armut und Gastfreundschaft der Sizilianer, der besonderen Landschaft und der einfachen, aber schmackhaften Küche mit Produkten der Gegend. Die Autorin schafft es, dass man hautnah in das sizilianische Lebensgefühl eintaucht und es persönlich spüren kann. 
     
    In wechselnden Perspektiven erfahren wir, warum Gianni nach Deutschland ging und tauchen in Titas Kindheit ein und begleiten sie auf ihrer Reise nach Sizilien. 
    Als einfache, aber glückliche Bauern arbeiten Giannis Eltern hart auf ihrem Hof, der kaum genug abwirft.  Gianni soll Priester werden und mit seinem Einkommen die Familie unterstützen. Doch es kommt anders und Gianni wagt einen Neubeginn in Deutschland, der mit Enttäuschungen beginnt, steinig und schwer ist. Er vermisst seine Familie und fühlt sich fremd, bis er Carla kennenlernt.

    Eingebaut in die Handlung führt uns die Autorin immer wieder die Schönheit der Landschaft Siliziens vor Augen, wo in südlicher Hitze
    Orangenbäume, Olivenbäume und Kakteen wachsen, zauberhaft bunte Oleander und  Bougainvilleen blühen und die Tomaten vor lauter Sonne unvergleichlich süß schmecken. Sie zeigt aber auch die Schattenseiten Siziliens: Latrinen statt Kanalisation, Müll auf den Straßen und die Mafia, die sich in alle Belange einmischt. 
     
    "Nostalgia Siciliana" ist eine bewegende und sehr atmosphärische Geschichte, in der Patrizia Di Stefanos Begeisterung für Sizilien fühlbar wird. An Titas Seite erleben wir, wie alte Erinnerungen und Gefühle Siziliens wieder in ihr erwachen und sie sich durch die Familien und den Zusammenhalt dort heimisch fühlt.
     
    Eine wunderbare Familiengeschichte, die schöne und bittere Seiten in der Familie aufzeigt und mich damit in ihren Bann gezogen und mit der sizilianischen Atmosphäre und kulinarischen Köstlichkeiten verzaubert hat. 
     

    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  



    Montag, 1. April 2024

    Die Frauen der Familie Carbonaro - Mario Giordano

    Ein umfangreiches Familienepos über sizilianische Frauen!

     
    Im Goldmann Verlag erscheint der zweite Band Die Frauen der Familie Carbonaro von Mario Giordano
     
    Drei Frauen der deutsch-italienischen Familie Carbonaro erzählen ihre Geschichte. Matriarchin Pina will herrschen, ihre Schwiegertochter Anna will singen und Enkelin Maria will Hosen tragen. Doch in einer archaisch geprägten Familie im Sizilien Ende des 19. Jahrhunderts hat der Patriarch das Sagen und  Blutsverwandtschaft ist entscheidend in der Familie. 
    Die Geschichte erzählt die Entwicklung der Familie, die sich von Sizilien nach Deutschland ausgeweitet hat. Sie erzählt von Heimat und Fremdsein und wie man Glück verliert und wieder findet. 
     


     
    "Die wahre Liebe war etwas Reines, Zartes, das sich öffnete wie eine Knopse. Falsche Liebe dagegen war, wenn beide in Raserei auf den Divan sanken...Falsche Liebe war zum Scheitern verurteilt."  Zitat Seite 46
     
     

    Mario Giordanos Roman beschreibt die Entwicklung einer Familien im sizilianischen Süden.  
    Dabei fangen der beschriebene Lebensalltag, die Sitten und Gewohnheiten und unterschiedlichen Stimmungen und persönlichen Erlebnisse die besondere Atmosphäre einer italienischen Familie gut ein und man erlebt die Schattenseiten und untergeordnete Rolle der Frauen in einer italienischen, mafiösen Familienstruktur hautnah mit. Dieser Roman erzählt von Liebe, Hass, Träumen, Ängsten und Sehnsüchten und zeigt viele Aspekte der sizilianischen Lebensweise in einer patriarchischen Familie auf. Die Entwicklung der Familie verläuft in einer Zeitspanne von 1896 bis 1972 und aus der sizilianischen Heimat wandern einige Familienmitglieder nach München aus.

    Seine vielfältigen Charaktere zeichnet Giordano mit einzigartigen Eigenschaften, die sie lebendig und unverwechselbar machen. Großmutter Pina ist die Matriarchin der Familie, sie hat über 22 Kinder geboren, von denen nur wenige überlebt haben. Ihre Schwiegertochter Anna muss sich in der Familie ihren Platz behaupten und die Enkelin rebelliert, bis sie ihren Weg gehen darf. Diese Figuren erlebt man mit alle Facetten ihrer Charaktere und es ist interessant, die Entwicklung dieser Personen im Laufe des Buches zu beobachten. Aber ich muss auch sagen, dass mir die
    ausführlich beschriebenen Frauen trotz ihrer verständlichen Sehnsüchte und Wünsche nicht wirklich nahe kamen. Es blieb eine gewisse Distanz, mit der sie zum Teil in ihrer Schattenwelt verblieben.
    Dennoch hat mir die Auswahl an weiblichen Figuren gut gefallen und ich habe mit den Gefühlen, Ängsten und Hoffnungen mit ihnen gebangt war auf die persönliche Weiterentwicklung gespannt. Mario Giordano beherrscht es mit einer unglaublichen Feinheit, das Zwischenmenschliche einzufangen und vor allem die Veränderung der Lebensweise zwischen früher und heute darzustellen.
     
    Besonders beeindruckt hat mich der grandiose Schreibstil, der zwischen poetisch, ausschweifend und treffend beschreibend wechselt, darin liegt die Stärke des Autors. Es ist beeindruckend, wie Pina ihre Lebensvorstellungen durchsetzt, wie sie sich behauptet und auf ihre Weise einen Weg des Lebens gefunden hat. Die Auseinandersetzung mit der Familienstruktur zeigt eindringlich wie der Padron über seine und andere Familien herrschte. 
    Im Laufe der Geschichte kommen auch die Hausgeister zur Sprache, die mir zeigen, wie Aberglauben in früherer Zeit die Menschen ängstigte. Interessant beschrieben ist der harte Arbeitsalltag in den Zitronenplantangen. Mario Giordano baut in seinem Roman auch reale Ereignisse der Weltgeschichte ein, wie Kriege und erlebte Bombennächte, die gesunkene Titanic, sowie Veränderungen in der Mode und die Beschreibung technischer Errungenschaften, die zeitliche Veränderungen aufzeigen und die Geschichte mit Leben füllen.
     
    Dieses umfangreiche Familienepos lässt uns den Blick in eine sizilianische, von der Mafia geprägte Familie werfen und zeigt das Schicksal der Frauen und ihre Entwicklung sichtbar und nachfühlbar auf.
     

    ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar aus dem Goldmann Verlag!***

     


    Samstag, 23. September 2023

    Giuseppas Küche - Giuseppa Pellegrino D'Annunzio

    Dolce Vita für Zuhause 

     
    Das Kochbuch "Giuseppas Küche: Italienische Menüs con amore gekocht" von Giuseppa Pellegrino D'Annunzio erscheint im Einhorn Verlag

    Frische regionale Zutaten, einfache Zubereitung und eine Prise Amore - so kocht Giuseppa Pellegrino D’Annunzio, die in Waldstetten seit 2012 eine Trattoria führt und dort Kochkurse für italienische Küche gibt. 
     

     
    Giuseppa Pellegrino D'Annunzio ist mit Leib und Seele Köchin und ihre Gerichte versprühen schon allein beim Ansehen italienisches Flair. In ihrem ersten Kochbuch stellt sie zehn traditionelle Menüs vor, die jeweils zwischen drei und sechs Gänge umfassen und mit nur wenigen Zutaten auskommen. Aus dieser Fülle sind die Gänge für eigene Menüs beliebig austauschbar. 
    Da gibt es so klangvolle Namen wie "Trofie al pesto con rana pescatrice", "Melanzane marito e moglie" und zum Nachtisch "Chiacchieri di carnevale con crema gialla". Wer bekommt bei diesen Namen nicht sofort das typische Dolce Vita Gefühl?  

    Das querformatige und handliche Buch startet mit einer persönlichenVorstellung der sympathischen Köchin, die in Schwäbisch Gmünd italienische Kochkurse gibt. 
    Insgesamt bietet das Buch vierzig Gerichte, die alle mit einem ganzseitigen Foto versehen sind.
     
    Die authentischen Rezepte beziehen sich auf bodenständige Gerichte der italienischen Küche, Giuseppa zaubert aus minimalen Zutaten maximalen Genuss und bietet traditionelle und einfache Küche, bei der der gute Geschmack im Vordergrund steht. Dafür verwendet sie wenige, aber frische Zutaten, die italienischen Geschmack auf die Teller bringen.   
     



    Die appetitanregenden Fotos der Gerichte versprühen das Gefühl italienischer Gastlichkeit und mediterraner Lebensfreude. Die gut erklärte Zubereitung erscheint nicht zu schwierig und ist damit auch für Kochanfänger machbar.

    Ich habe den Rucola Salat mit Birne und Gorgonzola zubereitet und anschließend gab es die "Spaghetti mit Venusmuscheln". Dort musste ich allerdings auf Tiefkühlmeeresfrüchte ausweichen. Die Zubereitung ist sehr einfach und es hat uns sehr gut geschmeckt. Dann habe ich noch die Crostini mit Oliven, Pinienkernen, Kapern und Thunfisch ausprobiert und bin begeistert, als kleinen, würzigen Abendsnack gibt es das nun häufiger.  

    Dieses Buch bietet köstliche italienische Kochideen und ist ein Fest für Auge und Gaumen! Schon allein das Ansehen weckt das Gefühl von Dolce Vita und Italienurlaub. Ein echtes Genussbuch mit leckeren Gerichten, die ich alle nachkochen möchte!

    ***Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Einhorn Verlag!***