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Mittwoch, 16. März 2022

Die Frauen vom Reichstag: Stimmen der Freiheit

Ein mitreißender Auftakt um die Anfänge der Emanzipation durch das Frauen-Wahlrecht

"Die Frauen vom Reichstag: Stimmen der Freiheit" ist der neue Reihenauftakt von Micaela A. Gabriel bei Rowohlt Polaris.  

Berlin, November 1918: Endlich erfüllt sich mit dem Frauenwahlrecht für Marlene von Runstedt ein lang gehegter Lebenstraum. Ihr Vater ist Rechtsprofessor und ermutigte Marlene zu einem Jurastudium und seit Jahren engagiert sie sich bereits als Juristin in einer Beratungsstelle für Frauen. Mit dem Eintritt in die neu gegründete liberale Partei DDP kann sie endlich etwas bewegen und bekommt eine Stimme. Auch ihr Verehrer Max Emden unterstützt Marlene sehr. Doch dann trifft Marlene ihre Jugendliebe Justus von Ostwald wieder, dem Marlene vor Jahren einen Korb gab. Sie sind sich immer noch eng verbunden. Justus geht eine Beziehung zu der Schauspielerin Sonja Grawitz ein, Marlenes Jugendfreundin. Auch sie ist inzwischen politisches Mitglied der kaisertreuen DNVP. Das Frauen-Wahlrecht kann sich trotz alle Widerstände durchsetzen. Bei der Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar begegnen sich Marlene und Sonja. Beide Frauen lieben Justus, doch für wen wird er sich entscheiden?

 

Wer die Romane von Micaela A. Gabriel (Micaela Jary) kennt, weiß, welch hervorragende Recherchearbeit ihren Bücher zugrunde liegt. Und wie gewohnt hat die Autorin auch in diesem Buch das gesellschaftliche und politische Zeitgeschehen wunderbar in die Handlung einfließen lassen und lässt uns die Zeit zwischen 1898 und 1919 authentisch und mit Tiefe ausgefüllt, miterleben. Die Story dreht sich um die Entwicklung des Frauen-Wahlrechts, um die ersten starken Frauen als Parlamentarierinnen im Reichstag der Deutschen Republik und zeigt die Rolle der Frau in dieser Zeit. Im Mittelpunkt stehen die Protagonistinnen Marlene von Rungstedt und Sonja Grawitz, beide waren Schulfreundinnen, die sich aus den Augen verloren, aber dann ein gemeinsames Schicksal teilen, nämlich die Liebe zum gleichen Mann, dem Offizier Justus von Ostwald. Im späteren Verlauf der Handlung teilen sie in gewisser Weise auch ihr politisches Engagement, allerdings für verschiedene Parteien.

In diesen Roman kann man wunderbar eintauchen, die sympathische, intelligente und ehrgeizige Marlene begleiten, das Leben der aus einfachen Verhältnissen stammenden Sonja Grawitz (mit ihrem Berliner Dialekt) verfolgen und einen Strudel von politischen und gesellschaftlichen Veränderungen miterleben. Durch die zeitlichen Rückblenden lernen wir die beiden Frauen schon im Schulalter kennen und erkennen die Prägung durch ihr Elternhaus, sehen welche Ziele sie verfolgen und wie sie sich beide in den jungen Justus verlieben. 

Es ist ein wunderbarer Auftakt mit locker und verständlich eingebauten politischen Vorgängen, der die Leserinnen mitten in diese Zeit versetzt und mit den Hauptfiguren mitfiebern lässt. 

Diese unterhaltsame Geschichte beschreibt mitreißend und anschaulich das gesellschaftliche und politische Leben. Einfach ein toller Auftakt!


***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

Weiterführung der Reihe:

Gabriel, Micaela - Die Frauen vom Reichstag: Ruf nach Veränderung 2

Weitere Romane der Autorin:

Freitag, 2. November 2018

Mulans Töchter - Bettine Vriesekoop

Dieses Buch öffnet die Augen für die Lebensart von Frauen in China



In ihrem Buch "Mulans Töchter" geht Autorin Bettine Vriesekoop der Frage nach, wie moderne Frauen das Gesicht Chinas verändern. Es ist ein Sachbuch mit der Einbindung zahlreicher Interviews und es erscheint im Pirmoni Verlag.

Bettine Vriesekoop studierte Sinologie und arbeitete als Auslandskorrespondentin für niederländische TV- und Rundfunkstationen in Peking.  

Die Journalistin Bettine Vriesekoop führte zahlreiche Interviews mit Frauenrechtlerinnen, Unternehmerinnen, Prostituierten, Lesben und Wissenschaftlerinnen und entführt den Leser in eine Welt, die den meisten im Westen unbekannt und fremd sein dürfte, und ermöglicht so einen Einblick in die ungeheuren gesellschaftlichen Veränderungen des modernen Chinas. 




Selbstakzeptanz ist für junge Chinesen sehr schwierig, denn zu Hause und in der Schule bekommen sie zu hören, dass sie die Normen und Werte anderer zu erfüllen haben. Zitat Seite 178

Bettine Vriesekoop nimmt Mulan als typisches Sinnbild für die mutige Heldin in China. 

Bei den Chinesen gilt Konfuzius und seine Lehren heute noch als Vorbild, diese Ideologie überdauerte alle Dynastien und prägt noch heute chinesisches Denken und Handeln.

In ihrem unterhaltsam wie hochinteressant geschriebenem Buch erklärt die Autorin die Lebenssituation chinesischer Frauen, ihre gesellschaftliche Rolle und Besonderheiten im Laufe der Geschichte. Die Familienstrukturen früherer Zeit lebte in Großfamilien, Hungernöte um 1960 sorgten für ein Umdenken und 1979 wurde die Ein-Kind-Politik ausgerufen. Das führte zur Tötung vieler neugeborener Mädchen und heute noch gibt es einen extremen Frauenmangel. 

Von Frauen wurde neben ihrer Schönheit, ihre Rolle als Mutter erwartet. Ein Beispiel für die chinesische Vergangenheit ist das fragliche Schönheitsideal der gebundenen Füße, Lotusfüßchen genannt, das unter großen Schmerzen und Qualen von den Mädchen und Frauen ertragen wurde und wie lange es gedauert hat, bis auf ein gesetzliches Verbot auch das endgültige Aus folgte.

Heutzutage werden die geltenden Schönheitsideale bei jungen Frauen von Schauspielerinnen vorgegeben. Schönheitsideale sind traditionell verwurzelt, heute boomt das Geschäft mit Schönheits-Operationen. Früher Lotusfüße, jetzt liegt der Fokus der Schönheit auf dem Gesicht und langen Beinen. In gewisser Weise ist das eine Emanzipation der Frau, aber dennoch folgen sie damit nur der chinesieschen Ideologie, um dann in den Hafen einer Ehe einzulaufen. Doch das Rollenverständnis vieler Frauen verändert sich allmählich, viele Chinesinnen sind gut ausgebildet und suchen andere Wege von Beziehungen. Aber immer noch wird von vielen Eltern auf Heiratsmärkten der Ehepartner ihrer Kinder ausgesucht und die Veränderung geht nur langsam vonstatten. 

Vriesekoop redet mit ihren Interviewpartnerinnen über die Aufklärung von Frauen und Mädchen, über Sexualität, HIV, Prostitution und Verhütung. Ganz besonders aussagekräftig ist die Meinung von Li Yinhe, Soziologin und Chinas größte Feministin unserer Zeit. Sie ist für Toleranz gleichgeschlechtlicher Verbindungen und für mehr Rechte der Frauen. Doch das ist noch ein fernes Ziel.

Der enorme wirtschaftliche Wandel, der China seit 1980 in extremer Weise vorangebracht hat, lässt sich leider nicht in allen Lebensbereichen und gesellschaftlichen Ebenen wiederfinden. Männer sitzen immer noch am längeren Hebel war Rollenverständnis und Einfluss ausmacht.


Der Epilog liest sich interessant und ein Glossar gibt Auskunft über wichtige Themen wie die Ein-Kind-Politik, Beamtenelite und chinesische Begriffe wie Banwei, Hukou und Wuwei.



Das Buch liest sich sehr interessant und es öffnet den Blick für das Leben von Frauen in China. Hier wird erklärt, wie die Rolle der Frau in der Gesellschaft entwickelt und verändert hat. Sehr informativ, aber auch interessant und unterhaltend zu lesen.





Samstag, 3. März 2018

Olga - Bernhard Schlink

Beeindruckend, berührend durch die Hoffnung auf Liebe und erhellend durch die Historie


Eine starke Frau  


Nach "Der Vorleser" ist nun "Olga" der neue Roman von Bernhard Schlink. Er erscheint 2018 im Diogenes Verlag. (Werbung)

Olga Rinke lebt recht ärmlich bei ihrer Oma in Tilsit, Ostpreußen. Eine höhere Schulbildung wird ihr versagt, Mädchen werden nicht sonderlich gefördert. Also bringt sie sich vieles selber bei und kämpft bis sie Lehrerin ist. Mit den Kindern des Gutsherrn, ihrem besten Freund Herbert und dessen Schwester Viktoria, verlebt sie eine schöne Kindheit, doch als sie sich in Herbert verliebt, stehen die gesellschaftlichen Schranken gegen sie. Herbert zieht hinaus in den Krieg nach Afrika und später in die Arktis. Wird ihre Liebe doch noch siegen? 



"Ich vermisse Dich bei allem, was wir gemeinsam gemacht haben und was ich jetzt alleine mache.“ Zitat Seite 165 



Der Roman besteht aus drei Teilen. Zu Beginn erfahren wir relativ sachlich von Olgas Kindheit und ihrem weiteren Lebensweg, der geprägt ist von ihrer starken Willenskraft und ihrem Ehrgeiz, sich als Frau zu behaupten. Im zweiten Teil erzählt Ferdinand, wie er Olga als Näherin und Hilfe seiner Familie erlebt und gekannt hat. Im dritten Teil zeigen Briefe von Olga an Herbert von ihren starken Gefühlen, ihren Gedanken und unerfüllten Wünschen. Erst jetzt bekommt Olgas Charakter liebenswerte Züge und man kann sich ihr annähern. 

Dabei ist das Interessante an diesem Buch, wie Bernhard Schlink die historischen Hintergründe geschickt einflechtet und Olgas und Herberts Leben dadurch auf eine ganz andere Ebene gehoben werden.

Die Figur der Olga ist eine kluge und menschliche Figur, bescheiden, unabhängig und kritisch und mit einem starken Willen ausgestattet. Aber vor allem lebt sie eine bedingungslose Liebe, die sie zeitlebens nie aufgibt.
Herbert ist dagegen ein ruheloser Mensch, der als Soldat im Kolonialkrieg im heutigen Namibia kämpft. Olga ist gegen diesen Kampf und sieht auch später im nationalsozialistischen Deutschland keinen Sinn dahinter. Sie erlebt beide Weltkriege mit, wird vertrieben, findet eine neue Heimat und bleibt sich zeitlebens ihrer Ideale treu.

Was anfangs nur als simple Liebesgeschichte erscheint, wird im Verlauf des 2. und 3. Teils immer klarer, fassbarer und immer intensiver und tiefer. Erst dann beginnt man zu ahnen, was hinter dieser Fassade von Olga verborgen blieb.
 
Der Sprachstil des Autors ist genau wie in "Der Vorleser" in kurzen, aber prägnanten Sätzen gehalten. Trotzdem offenbahrt sich durch die Hintergründe und historischen Beziehungen darin eine Erkenntnis und tiefe Wahrheit, die unter die Haut geht.

Beeindruckend durch die starke Frauenfigur, berührend durch die Hoffnung auf Liebe und erhellend durch den geschichtlichen Bezug. Ein Buch zum Nachdenken und zum Nacherleben der jeweiligen Zeitbezüge. Eine Hommage an all die Frauen Deutschlands, die unter dem Verzicht ihrer Hoffnungen gelebt haben.


Samstag, 25. Juni 2016

Die Frau, die allen davonrannte - Carrie Snyder

Die Pionierin

Carrie Snyder ist Kurzgeschichtenautorin und hat mit ihrem Roman "Die Frau, die allen davonrannte" ihren erstes Buch geschrieben. 
Das Buch erscheint 2016 im btb Verlag.


Aganetha Smart gewann als erste erfolgreiche Läuferin 1928 im 800-Meter-Lauf olympisches Gold für Kanada. Heute ist Aggie 104 Jahre alt, lebt in einem Pflegeheim und ist eher geistig fit, ihr Körper hat seine Kraft aufgebraucht. Sie bekommt Besuch von zwei jungen Leuten, die ein Interview mit ihr machen möchten. Dafür fahren sie sie an die Orte ihrer Jugend, dort hat sie viele verstorbene Geschwister hinter sich lassen müssen. Ist sie die letzte Überlebende ihrer großen Familie?



Aganetha ist ein einzigartiger Charakter, sie erzählt aus ihrer bewegten Vergangenheit, von ihrer Familie, ihrem Kampfgeist und ihrem Verzicht für die Läuferkarriere. Wenn man sie als alten Menschen kennen lernt, erkennt man, wie sie durch ihr Leben  geprägt wurde. Man erlebt mit ihr die emotionalen Höhen und Tiefen ihrer Läuferkarriere fast real mit und ist neugierig, wie ihr Leben sich weiter entwickelt.

Die Autorin hat einen wunderbaren Schreibstil, der die Gefühle der Protagonisten so authentisch einfängt, dass ich begeistert gelesen habe.
Es zeigt die traditonellen Zwängen unterworfene Rolle der Frau in den letzten 100 Jahren, in denen sich Frauen selbst im Sport erst etablieren mussten, um anerkannt zu werden. Die Geschichte baut dabei auf der ersten Olympiade mit weiblichen Teilnehmerinnen in den Leichtathletikdisziplinen 1928 in Amsterdam auf. Aganetha ist allerdings eine fiktive Figur. Doch dank ihr wird anschaulich gemacht, welchen Kampfgeist und welch hartes Leben diese Karriere erforderte.

Neben der interessanten Lebensgeschichte hat mich der Schreibstil mitgerissen und auch inhaltlich wurde ich nicht enttäuscht. Wie sich hier Spannung entwickelt, die vielen Figuren zu leben beginnen und es dann noch eine große Überraschung am Ende gibt, ist schon für ein Debüt meisterlich!  

Man muss sich diesem Buch schon intensiv widmen, sonst sind die zeitlichen Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart nicht nachvollziehbar. Gerade diese Zeitwechsel geben dem Buch seinen dynamischen Fluss. Hier geht es um die Freundschaft, Familie, Erfolg und den Tod. Davon kann Aganetha viel erzählen, denn ihr langes Leben ist geprägt vom Abschied von geliebten Menschen und ihren Opfern für sportlichen Erfolg.

Was aber am meisten berührt, steht mehr oder weniger zwischen den Zeilen. Es ist das Vergessen, wie man die eigene Vergangenheit verdrängt, aber auch von der Nachwelt vergessen wird. Das gibt der Geschichte einen melancholischen Anklang. 

Mir erschien dieser Charakter der Aggie sehr lebendig und der Autorin ist es gelungen, ihn so in die Handlung und den geschichtlichen Hintergrund einzubauen, dass es ein stimmiges Ganzes ergibt. Man glaubt, die echte erste Goldmedaillen-Gewinnerin vor sich zu haben.

Eine interessante Figur, die das Rollenbild der Frau im Sport zeigt, aber auch die familiären Zwänge deutlich macht.


Dieses Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise und zeigt eine Frau, die ihren Weg geht, egal welche Schwierigkeiten sich ihr in den Weg stellen.  


      ***Rezensionsexemplar von vorablesen - Vielen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Buches!***



Donnerstag, 17. September 2015

Die Frau an der Schreibmaschine von Suzanne Rindell

Fantastischer Mix aus Historie, Krimi und Drama

Rose und der falsche Schein von Glamour

Die amerikanische Autorin Suzanne Rindell schrieb 2013 mit ihrem Roman Die Frau an der Schreibmaschine ihr Debüt. Das Buch erscheint 2015 als deutsche Übersetzung im btb Verlag.
[Werbung]

Bildergebnis für die frau an der schreibmaschine buchRose Baker lebt 1923 in New York, der zweite Weltkrieg ist überstanden. Sie ist alleinstehend, teilt sich mit einer Frau ein Zimmer in einer kleinen Pension und arbeitet als Stenotypistin im New York City Police Department. Auch Frauen verdienen jetzt ihr Geld selbst. Doch es ist Prohibition und die Polizei hat viel zu tun mit den Protokollen um den verbotenen Alkoholkonsum. Rose bekommt eine Kollegin, Odalie, die gern raucht, Alkohol trinkt und schon emanzipierter ist als Rose. Das fällt Rose auf, die eher das bescheidene ruhige Mädchen geblieben ist. Wird sie wie Odalie werden? 
Wie entwickelt sich Roses Leben, wird auch sie ein mondänes Frauenzimmer werden?


Dieser Roman hat mich sehr überrascht und beeindruckt, er stellt eine gelungene Mischung aus Krimi, Drama und Historie dar, der man sich nicht entziehen kann.

Rose ist ein sittsames Mädchen, in einem Waisenhaus aufgewachsen und recht intelligent. Sie ist keine auffallende Erscheinung und hängt den alten Moralvorstellungen mit kniebedeckenden Röcken und langen Haaren nach. Ihre Arbeit im Verhörraum erledigt sie sehr gewissenhaft und gründlich und ihren väterlichen Seargent himmelt sie heimlich an, doch zu mehr Gefühlen ist es in ihrem Leben noch nicht gekommen.
Sie bekommt eine neue Kollegin, Odalie, die mit ihrem glamourösen Auftreten alle in ihren Bann zieht. Odalie raucht, trägt einen Bob und trinkt Alkohol, außerdem wohnt sie in einem luxuriösen Appartment und trägt kostbare Kleidung. Rose fühlt sich von Odalie wie magisch angezogen und die Frauen freunden sich an. Gemeinsam ziehen sie in die Nachtclubs der Stadt und teilen sich Odalie Wohnung. Odalies Lebensstil färbt auch bei Rose ab, sie genießt die Freundschaft und erledigt Botengänge für Odalie. Dabei erkennt sie zu spät die Lügengebilde Odalies. Als ein mysteriöser Mord geschieht, ist es zu spät, um ohne Schaden aus der Sache heraus zu kommen. Rose wurde in ein übles Spiel verwickelt, sie hängt in einem Spinnennetz, das Odalie langsam, aber sicher aufgebaut hat.

Der Zeitgeist der 20er Jahre findet sich im Buch durch die Beschreibung der speziellen Atmosphäre der Nachtclubs und der Prohibition, die einfache Wohnsituation in Zweierbelegung von Privatzimmern und die unterwürfig wirkende  Arbeitssituation im Policeoffice. Man kann sich die Zeit gut vorstellen und taucht in diese stimmungsvolle Welt ein. 
Die handelnden Personen sind zeitgemäß sehr passend beschrieben. Ihre Sprache, die Kleidung und ihre Ansichten stimmen mit den Moralvorstellungen der 20er Jahre exakt überein. Die Röcke der Frauen und ihre Haare waren noch lang, die Emanzipation beschränkte sich auf die Arbeit als Schreibkraft in der Berufswelt der Männer. 

Die Sprache ist mit einer zeitlichen Anpassung versehen, die nicht übertrieben wirkt, der Schreibstil ist etwas gehoben, sehr unterhaltsam und flüssig gehalten.
Im Roman wirkt eine unterschwellige ansteigende Spannung wie ein Sog auf den Leser. Man bemerkt die Veränderung von Rose und sieht wie sie in Odalies Fänge gerät, fühlt eine Wendung der Geschichte auf ein tragisches Ende hin und liest gefesselt weiter. Ein wirklich überraschendes Ende gibt der Handlung eine tragische Facette, die aufklärt, aber auch Fragen aufwirft.

Die beiden Frauen sind sehr genau und mit besonderem Stil beschrieben, auch hier ist das Frauenbild passend zum historischen Handlungsrahmen eingehalten worden. Ich konnte mir Rose und Odalie ausgezeichnet vorstellen.


Zusammenfassend kann ich nur sagen: die Autorin hat hier großartige Arbeit geleistet und einen erstklassigen Roman abgeliefert, der durch seinen ungewöhnlichen Mix von Krimi und Roman auffällt und eine Scheinwelt beschreibt, in der die glitzernde Welt von Glanz und Glamour Menschen beeinflusst.  Höchste Leseempfehlung von mir!


              
            ***Rezensionsexemplar von vorablesen
                               Vielen Dank für das Leseexemplar!***