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Donnerstag, 12. Juni 2025

Portugiesisches Schweigen - Luis Sellano

Mord in der Eléctrico 28  

Portugiesisches Schweigen ist der 10. Band der Lissabon-Krimi-Reihe von Luis Sellano aus dem Heyne Verlag.

Lissabon boomt als Tourismusziel und diesen Trend nutzen Investoren, indem sie ältere Häuser zu lukrativen Ferienwohnungen umgebaut haben. In der Folge haben die Einheimischen wegen steigender Mieten Probleme auf dem knappen Wohnungsmarkt, eine bezahlbare Wohnung zu finden. Kommissarin Gomes macht sich Gedanken als es zu Todesfällen in der Eléctrico kommt, tötet hier jemand, um die Touristen abzuschrecken? Als Helenes Lebensgefährte Henrik Falkner in diese Todesfälle verstrickt wird, ermitteln beide, um den Täter zu stellen.

 


Im 10. Fall seiner Krimi-Reihe bringt Luis Sellano die Eléctrico 28 als Schauplatz eines Mordes ins Spiel. Die berühmte historische Tram Lissabons ist für Touristen eines der Highlights der Stadt und ständig überfüllt. Bei einer Fahrt ist Henrik Falkner der Sitznachbar des ersten Todesopfers und gerät durch bestimmte Spuren wieder in den Kreis der Verdächtigen. Als es zu einem weiteren Todesfall kommt, erkennt seine Freundin Kommissarin Helena Gomes, dass hier kein Zufall im Spiel ist. Jemand hat es darauf abgesehen, die von vielen Einheimischen unerwünschen Touristen einzuschüchtern.   

Die Handlung wird wie gewohnt aus der wechselnden Sicht von Henrik und Helena erzählt. Schnell wird deutlich, dass hier jemand etwas gegen die massenhaft auftretenden Touristen unternehmen will. Die Story wird unterhaltsam erzählt und erscheint eingebettet in das Flair Lissabons. Henrik nutzt häufig die Tram und in diesen Kapiteln wird die Route der Tram, samt Haltestelle, Ziel und Ankunftszeit vorangestellt. Das gefällt mir, denn es vermittelt das Gefühl, selbst mitzufahren. 

Die Ermittlungen laufen bis zum Schluss in einem undurchsichtigen Nebel, dabei geraten einige Verdächtige ins Visier Helenas und auch Henrik stellt sich die Frage nach der Verbindung der beiden Toten. Aber noch dringender möchte er heraus finden, warum er sich bei der Fahrt mit dem zweiten Toten an nicht erinnern kann. Welches Ziel hatte er? Liegt das an seinen Medikamenten, dass seine Erinnerung aussetzt und er später wieder kommt? 

Diesen Fall habe ich gespannt verfolgt, denn wie in vielen Tourismusgegenden werden in der Alfama alte Häuser gekauft, um sie umzubauen und gewinnbringend als Ferienwohnungen zu vermieten. Die Einheimischen geht günstiger Wohnraum verloren und sie werden aus ihren Vierteln gedrängt. Aber will der Täter mit den Morden wirklich die Touristen aus der Stadt fernhalten?

Die Anzahl an Figuren hat mich sehr gefordert, da wäre ein Personenregister gut gewesen. Dennoch entwickelt sich ein spannendes Spiel mit Verdächtigen, bei dem dieses Mal Helena in Gefahr gerät. Ich habe vor allem die privaten Vorgänge und die Entwicklung der Protagonisten gerne weiter verfolgt. Helena, ihre Tochter und Henrik sind zu einer kleinen Familie zusammen gewachsen und obwohl man es Henrik nie zugetraut hätte, übernimmt er die Aufgaben eines sorgenden Vaters. Die Sorge um seinen Vater treibt ihn um, denn sein Vater benötigt dringend ein Spenderorgan. 

Dieser Krimi führt in gewohnter Manier quer durch Lissabons Innenstadt und bringt mit seinem aktuell gehaltenen Fall spannende Lesezeit mit sich!  

 

***Herzlichen Dank an das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!*** 


 

  • Sellano, Luis - Portugiesisches Erbe  
  • Sellano, Luis - Portugiesische Rache 2
  • Sellano, Luis - Portugiesische Tränen 3  
  • Sellano, Luis - Portugiesisches Blut 4 
  • Sellano, Luis - Portugiesische Wahrheit 5
  • Sellano, Luis - Portugiesisches Gift   
  • Sellano, Luis - Portugiesischer Pakt 9   
  • Sellano, Luis - Portugiesisches Schweigen
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    Freitag, 19. Juli 2024

    Portugiesischer Pakt - Luis Sellano

     

    Konnte mich leider nicht überzeugen!

     
    "Portugiesischer Pakt" heißt der 9. Band der Henrik Falkner-Reihe von Luis Sellano, die in Lissabon spielt und im Heyne Verlag erscheint. 
     
    Henrik Falkner führt ein Antiquariat in der Altstadt von Lissabon und da das Geschäft mit alten Büchern nicht so gut läuft, das Gebäude aber renovierungsbedürftig ist, freut er sich über jeden Auftrag, den er bekommen kann. Nun soll er gegen ein großzügiges Honorar für einen Kunden Bücher aus dem Nachlass des kürzlich verstorbenen Senhor Monteiro erwerben. Doch der Auftrag hat einen Haken, denn es stellt sich heraus, dass der Tote höchstwahrscheinlich Opfer eines Mordes wurde. Als dann auch noch Henriks Auftraggeber spurlos verschwindet, ermittelt Henrik und findet eine Spur, die in die Siebzigerjahre führt. als Portugal sich im politischen Umbruch befand.  
     

     

    Henrik lebt als ehemaliger deutscher Ermittler in Lissabon und führt das Antiquariat seines Onkels weiter. Der lukrative Auftrag zum Kauf von Büchern aus einem Nachlass führt Henrik zu einem neuen Fall, denn sein Auftraggeber, Dr. Tavares, verschwindet kurze Zeit später. Auch seine  Lebensgefährtin Helena Gomes ermittelt als Polizistin in diesem Fall und erhält über Henrik einige Informationen, die weit in die Siebzigerjahre zurück führen. 
     
    Der Erzählstil Luis Sellanos ist gewohnt flüssig, wortgewandt und zeigt die Vorgänge in lebendiger, bildhafter und zeitgemäßer Weise. Interessant sind in den Krimi eingebundene geheinmisvolle Tagebucheintragungen aus den 1970er Jahren, in denen ein Student von den politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen und Verfolgungen berichtet. Dieser interessante Blickwinkel macht für den Leser das Zeitgeschehen und die Situation der Bürger Portugals in der Zeit nach der Nelkenrevolution sichtbar, was für mich den wichtigsten Faktor des Buches darstellt.

    Die Beziehung zwischen Henrik und Helena Falkner ist zur Zeit sehr angespannt. Helena kümmert sich liebevoll um ihre Tochter, der Spagat mit ihren beruflichen Einsätzen ist immer ein Drahtseilakt. Ab und zu übernimmt Henrik die Beaufsichtigung, aber eher wie ein unbeteiligter Dritter, Gefühle für das Kind sind kaum erkennbar. Das könnte man mit seinen psychischen Problemen erklären und auch seine Schussverletzung macht ihm noch zu schaffen. 

    Was soll ich zu dem Buch sagen? Ich mag die Reihe, aber dieses Mal ist mir die Handlung einfach zu undurchsichtig, die Figuren sind nicht greifbar und damit wird es leider nicht sehr spannend. Besonders gestört hat mich das Tatmotiv in der Vergangenheit, diese Begründung hat mich einfach nicht überzeugt. Und auch Henriks Figur konnte mich dieses Mal nicht wirklich packen. Seine ständige Tabletteneinnahme und seine psychisch begründete Lethargie und ewigen Angststörungen passen nicht zu jemandem, den ich als Ermittlerfigur interessiert verfolge.
     
     
    Wer die Reihe bisher gelesen hat, sollte auch diesen Band nicht auslassen, um die Vorgänge weiter zu verfolgen. Mich konnte der Krimi inhaltlich nicht ganz überzeugen. Gerade so drei Sterne! 

    ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


    Mittwoch, 24. April 2024

    Südlich von Porto wartet die Schuld - Mariana da Silva

    Dieser atmosphärische Krimi ist eine tolle Sommerlektüre!

    Im Ullstein Verlag erscheint mit "Südlich von Porto wartet die Schuld" der zweite Band der Portugal-Krimireihe von Mariana da Silva.
     
    Ria Almeida hat nach einem Burnout ihren Job bei der Stuttgarter Polizei gekündigt und ist zu ihrer Cousine nach Torreira an die portugiesische Atlantikküste gezogen. Dort leben ihre Eltern, die Familie ihres Vaters stammt aus dem kleinen Fischerdorf. Ria arbeitet als Schreibkraft bei ihrem Schwager, dem Dorfpolizisten João Pinto. Ein Notruf über einen Leichenfund ruft beide ins nahe Naturschutzgebiet. Sie bitten Comissário Joaquim Baptista um Unterstützung, aber der wartet vor Gericht auf den zuständigen Richter. Der ist zufälligerweise der Tote im Dünengras. 
    Der tote Richter Loureiro bearbeitete zuletzt den Prozess gegen den Drogenboss van der Steen, dem auch Baptista auf der Spur ist. Sollte der Fall so einfach sein?
     
     

    "A sorte: Das Glück ist ein flüchtiger Besucher" Zitat Seite 174
     
    Ria untersucht alle möglichen Spuren und stößt dabei auf andere Verdächtige, die im Naturschutz engagiert sind. Der Fund vom Fotos einer jungen Frau neben dem erstochenen Richter wirft neue Frage auf. Hatte Loureiro etwas zu verbergen?
     
    Es wird schnell klar, dass João Pinto als werdender Vater seine Gedanken eher bei seiner Frau und der bevorstehenden Geburt hat und so lässt Comissário Joaquim Baptista zu, dass Ria mit ihm zusammen arbeitet. Und er stellt fest, dass sie nicht nur das nötige Bauchgefühl besitzt, sondern auch eine gute Ermittlerin abgibt. 

    In diesem Krimi sorgen die unterschiedlichen Charaktere für einen großen Unterhaltungswert. Alle Figuren sind facettenreich mit Ecken und Kanten ausgestattet und wirken dadurch authentisch und sehr lebendig. Die Ermittlungen im Fall führen ins Drogenmilieu und auch in die Umweltschutzszene, das habe ich sehr interessiert verfolgt, hatte aber mehr Spannungsmomente erwartet. Insgesamt geht es recht familiär zu. Wir erleben, wie Familie Almeida Rias Wohnung einrichtet, gemeinsam isst, sich aber auch in Rias Angelegenheiten einmischt und ständig beobachtet, mit wem sie sich trifft oder wo sie übernachtet. So hatte sich Ria ihr Leben eher nicht vorgestellt, aber da es alle gut mit ihr meinen, arrangiert sie sich damit. Immerhin bekommt sie jede Menge Starthilfe und kehrt zurück in den Schoss der Familie. 

    Es war gut zu beobachten, wie die Zusammenarbeit zwischen Baptista und Ria immer enger wurde und sie sich auch privat besser verstehen. Nun warte ich darauf, dass Ria als gleichberechtigte Comissária eingestellt wird und diese Beziehung doch noch tiefer geht als bisher.
    Ich konnte diesen Fall problemlos ohne Kenntnis des ersten Teils lesen, aber es hat mir insgesamt doch das spezielle Etwas gefehlt. Das Setting beschränkt sich auf das Familienleben der Figuren, da hatte ich mir mehr etwas mehr Flair der Gegend erhofft. 
     
    Dieser atmosphärische Krimi punktet mit einem interessanten Ermittlerduo und einer unterhaltsamen portugiesischen Großfamilie!

    ***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



    Dienstag, 10. Mai 2022

    Portugiesisches Gift - Luis Sellano

    Das Ende hat mich dieses Mal leider etwas enttäuscht

    Der Krimi "Portugiesisches Gift" ist der siebte Band von Autor Luis Sellano um Henrik Falkner, die Reihe erscheint im Heyne Verlag
     
    Expolizist Henrik Falkner hat in Lissabons Altstadt das Antiquariat seines verstorbenen Onkels Martin übernommen und findet immer noch versteckte Hinweise auf unaufgeklärte Verbrechen. Gleichzeitig ist seine Freundin, die Kriminalkommissarin Helena Gomes, an einem Todesfall eines Jungen eingesetzt, der an einem allergischen Schock gestorben ist. Haben die Eltern hier ihre Führsorgepflicht verletzt oder war es ein Unfall? Die Staatsanwältin setzt Helena gezielt auf diesen Fall an, verbirgt die Familie etwas?
     

     
    Diese Reihe lese ich immer besonders gern, weil sie mit dem Setting Lissabons etwas Urlaubsgefühl zaubert und mit den Krimianteilen für spannende Unterhaltung sorgt. Den ersten Punkt hat das Buch auf alle Fälle erfüllt, die Ermittlungen fand ich auch interessant, aber das Ende hat mich doch etwas enttäuscht zurückgelassen. 
     
    Wie gewohnt ist der Erzählstil sehr flüssig, wortgewandt und lässt sich gut lesen. Was mir besonders gut gefällt, sind die eingestreuten historischen Hintergründe Portugals zu Zeiten Salazars, die die Entwicklung des Landes und die Schwierigkeiten dieser Zeit verständlich beschreiben. Außerdem malt Luis Sellano mit wunderbaren Beschreibungen Stadtteile und Stimmungen Lissabons so stimmungsvoll, das man die Szenen alle bildlich vor Augen hat.  

    Die Charaktere werden mit vielfältigen Eigenschaften ausgestattet, Henrik und Helena wachsen immer mehr als Paar zusammen und bilden mit der kleinen Sara eine kleine Familie. Auch wenn hier so einige Figuren auftreten, behält man immer noch einen Durchblick und kann die Personen einordnen. 
     
    Luis Sellano lässt hier zwei Kriminalfälle nebeneinander herlaufen, was durch den Kapitelwechsel klar wird, mich aber auf Dauer auch gestört hat. 
     
    Der Krimi liest sich durch das Flair Lissabons und die privaten Einblicke der Ermittler recht gut. Es werden geschichtliche Hintergründe sowie das Wissen über Henriks Erbe des Onkels eingebaut, sodaß auch Neueinsteiger den Krimi gut lesen können. Dafür gefällt mir aber das abrupte Ende nicht und die Auflösung des Falls ist irgendwie unbefriedigend. Sehr schade, denn bis dahin fand ich den Krimi richtig gut. Leider kann ich dieses Mal nur 3 Sterne vergeben.
     
     
    ***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***
     
     

    Mittwoch, 21. April 2021

    Algarve - Rita Henss

    Eine köstliche und Urlaubssehnsucht weckende Genuss-Reise an die Algarve


    "Eine kulinarische Reise - ALGARVE" von Rita Henss (Marianne Salentin-Träger) zeigt Lebensgefühl, Alltag und Rezepte aus dem wilden Süden Portugals. Das Buch erscheint im Knesebeck Verlag

    Kommt mit auf eine kurzweilige und genussvolle Reise an die Algarve! Jahrtausende alte Kultur und faszinierende Landschaften werden hier vorgestellt. Dazu geben unterschiedliche Porträts, untermalt mit persönlichen Texten, einen authentischen Einblick in das Leben der Algarvios. In diesem Buch erlebt man die Seele dieser Gegend und die kulinarische Seite werden mit traditionellen Rezepten und ansprechenden Bildern vorgestellt. 

     

    Dieses Buch ist ein wahres Genuss-Reisebuch, es zeigt die Landeskunde, die Bewohner, das Lebensgefühl, ihre Gastfreundschaft und das Alltagsleben und mit den leckeren Rezepten stellt sich diese Region auch kulinarisch näher vor. Wer sich an die Algarve sehnt, bekommt hier in Buchform einen schönen Einblick und kann weiter träumen.

    In den jeweiligen Unterkapiteln werden die Themen mit vielfältigen Fotos und Texten anschaulich gemacht und näher erklärt. Vorgestellt werden Menschen, die hier als Fischer, Muschelsammler, Obstbauern und Winzer ihren Alltag bestreiten. Die tpischen alten Korkeichen werden ebenso gezeigt, wie der Blick hinter die Kulissen des Handwerks in den Käsereien, Backstuben und Kesselschmieden.

    Fischfang und Landwirtschaft spielen eine große Rolle in Portugals Süden. Die Menschen leben seit Jahrhunderten vom Fischfang, doch die Meere sind nicht mehr so ertragsreich wie früher. Längst haben sich Surfer hier ihre Wellenreviere gesteckt und auch Umweltschützer kommen im Buch zu Wort.  


    In den Reportagen zeigt sich die tiefe Seele der Algarvios. Die Bilder machen deutlich wie man an der Algave lebt und arbeitet und vor allem, wie man hier isst. Denn die gemeinsame Mahlzeit ist für die Algavios das Wichtigste. Hier lassen sich die besten Köche der Algarve in die Töpfe und Rezepte blicken und zeigen einfache, landestypische Gerichte als auch besondere Kreationen der Spitzengastronomie mit den passenden Weinen. Einfache Zutaten, aber regional und frisch, sind die Garantie für leckeren Genuss.   

    Thunfischsteak nach algarvischer Art

    Sardinenreis

    Die Fotos der leckeren Rezepte lassen dem Leser das Wasser im Mund zusammenlaufen und verlocken zum Nachkochen und machen Sehnsucht nach einer wunderbaren Reise in diese südlichste Gegend Europas.

    Die wunderschöne Kombination aus Reisebildband und Kochbuch ermöglicht einen Blick in die Seele der Algarvios und zeigt die Einzigartigkeit und die Faszination, die von dieser südlichsten Region Portugals ausgeht. Ein kulinarischer und landestypischer Buchschatz zum Sehnen und Nachkochen. 

     

    ***Herzlichen Dank an den Knesebeck Verlag für dieses wunderschöne Reziexemplar!***



     

    Dienstag, 16. Februar 2021

    Die Mauern von Porto - Mario Lima

    Authentischer Krimi, der mit seinem Fall und reichlich Portugal-Feeling gut unterhalten kann

    Mario Limas Krimi "Die Mauern von Porto" ist der dritte Teil einer Reihe um Inspektor Fonseca, der im Heyne Verlag erscheint.  

    Im ältesten Viertel Portos, dem Stadtteil Bairro da Sé, werden nach einem Brand in einem leer stehenden Haus hinter einer zugemauerten Wand zwei skelettierte, weibliche Leichen gefunden. Die Gerichtsmedizin stellt ein Tötungsdelikt fest, das vor 22 Jahren stattgefunden haben muss. Inspektor Fonseca von der Polícia Judiciária und sein Team befassen sich mit den Ermittlungen zu diesem Cold Case, als aber die Staatsanwaltschaft den Fall überprüft, wird der Fall wegen Überschreitung der Verjährung zu den Akten gelegt. Das sorgt nicht nur bei den Ermittlern, sondern auch bei der Bevölkerung für große Empörung. 

     


    Im deutschen Recht verjährt Mord nicht, in Portugal bereits nach 15 Jahren. Diese Erkenntnis ärgert auch die Ermittler beim vorliegenden Cold Case, einem Mord an zwei Frauen. Als ein Mitarbeiter einer Stiftung ermordet wird, bekommt der Fall eine neue Richtung. Hängen die Fälle zusammen?

    In diesem abwechslungsreichen Polizeiroman zeigen Fonseca und sein Team eindrücklich wie Polizeiarbeit abläuft und wie sie an Nachbarn, die nichts bemerkt haben wollen und an den Hürden der Gesetzgebung scheitern. Der Fall wird mit reichlich Arbeitseifer verfolgt, viele Bewohner werden befragt und doch scheint man dem Täter nichts mehr anhaben zu können. Mario Lima schreibt sehr flüssig und mit reichlich landestypischem Flair, sodaß man die Schönheiten der Stadt und das portugiesische Lebensgefühl miterleben kann, das mit Geselligkeit, gutem Essen und Vinho Verde für echtes Urlaubsfeeling führt. Arroz de Tamboril und hinterher eine Pastel de Nata, das erinnert an eigene Urlaubsfreuden. 

    Es geht aber auch um einen Mordfall, der Verbindungen zum Drogenmilieu aufweist und um das Problem der Verjährung von Mord. Sehr interessant finde ich die eingebauten Informationen bezüglich der Folgen der Nelkenrevolution in den portugiesischen Kolonien, wie beispielsweise in Angola. Durch den Umsturz in Portugal wurde Angola entkolonialisiert, für die Bevölkerung begannen nun aber bewaffnete Auseinandersetzungen von Befreiungsbewegungen, die in einen Bürgerkrieg mündeten. Solche gesellschaftspolitischen Hintergründe bereichern Krimis immer ungemein, denn sie zeigen die Realität.

    Mit den unterschiedlichen und differenziert gezeichneten Charakteren wird man gut unterhalten, besonders die sympathische Figuren, wie Fonseca, Tété und Marcia, habe ich gern begleitet. Mit Tété Marinho kommt eine neue Inspektorin mit angolanischen Wurzeln zum Team, die auch mit ihrer Herkunft für interessante Aspekte sorgt. 

    Im Großen und Ganzen kommt dieser Krimi durch die angenehme Lebensart der Portugiesen mit viel Leichtigkeit daher, auch wenn die Gewalttaten, Prostitution und das Drogenproblem zum Tagesgeschäft der Polizei gehören. Die Opfer wurden mit brutaler Gewalt ermordet, dennoch werden keine blutigen Szenen beschrieben und man kann die Handlungen nur im Nachhinein erahnen. Es gibt viele spannende Momente, besonders eine spezielle Befragung zum Ende des Buches bringt reichlich Nervenkitzel und es stellt mich als Leserin zufrieden, dass der ursprüngliche Täter letzten Endes der Tat überführt werden kann. Ein wenig mehr Spannung hätte dem Buch zwar gut getan, aber ich habe mich auch so gut unterhalten gefühlt.

    Dieser gut durchdachte Krimi punktet mit authentischen Figuren, realistisch wirkender Polizeiarbeit, gesellschaftspolitischen Hintergründen, zeigt das besondere portugiesische Lebensgefühl und weckt damit Urlaubsstimmung.


    ***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***




    Freitag, 24. Juli 2020

    Madeiraschweigen - Joyce Summer

    Ein kurzweiliger Krimi mit schönen Inseleinblicken auf Madeira


    Joyce Summers Kriminalroman "Madeiraschweigen" ist der dritte Fall um Comissário Avila. 

    Ein merkwürdiger und etwas makaberer Todesfall sorgt auf der schönen Insel Madeira für Aufregung. Nachdem in einer Levada eine Frauenhand gefunden wurde, taucht der Rest der Leiche schließlich auf dem Gebiet eines früheren Nonnenkloster auf. Die Tote ist die Journalistin Sofia Lima, doch wer trachtete ihr nach dem Leben?  

                                                        

    Madeira, die wunderschöne Perle im Atlantik, ist die Heimat von Comissário Avila. Zur Zeit geniesst seine Frau einen Aufenthalt in einer Schönheitsfarm, deshalb ist er als Hausmann mit Hund und Kind allein gefordert. Der neue Fall lässt ihm keine Ruhe und so mischt er sich auch mit seiner kleinen Tochter in die Ermittlungen ein.  
    Die Krimihandlung beginnt nicht gleich am Anfang, zunächst erlebt man das ungewohnte Leben des Comissários als Hausmann und erfährt von der Arbeit der Bauern mit ihren Levadas, den einzigartigen Wassergräben Madeiras. Ihr Faible für Madeira zeigt die Autorin in ihrem Buch sehr überzeugend und bringt viel über Land und Leute in die Handlung ein. Außerdem schreibt sie sehr lebendig und flüssig, sodaß man das Buch wunderbar lesen kann. Eingestreute portugiesische Sprachfetzen sorgen für das nötige örtliche Flair, einige Begriffe werden am Ende näher erklärt. 

    Bei diesem Krimi gefällt mir die gelungene Mischung aus interessanter Ermittlung, bildhafter Landeskunde und dem Privatleben des Ermittlers. Der Fall ist ziemlich vertrackt und sorgt für viele Möglichkeiten was den Täter anbelangt, man kann gut miträtseln und die Spannung bewegt sich auf einem angenehmen Level, nimmt aber zum Ende noch einmal rasant zu. Die Figuren bekommen die nötigen Charakterzüge, um sie gut einordnen zu können. Mir gefiel das Ermittlerteam mit ihrem freundschaftlichen Verhältnis untereinander.

    Als Einschübe erleben wir historisch überlieferte Episoden vom Aufenthalt der Kaiserin Sisi auf der Insel, die sie als ältere Kaiserin dort so erlebt haben könnte. Diese Szenen drehen sich neben Landschaftsbeschreibungen auch um die Agilität Sisis und ihre Sehnsucht nach ewiger Jugend. Diese Themen passen zum Setting mit der Schönheitsfarm und führen uns noch einmal die herrliche Pracht der Pflanzenwelt Madeiras vor Augen. Diese Szenen könnte man in einem Krimi befremdlich finden, doch sie haben einen tieferen Sinn und ich fand sie außerdem sehr unterhaltsam.



    Beste Unterhaltung und Spannung bietet dieser Cosy-Krimi mit einem sympathischem Ermittler und einer ordentlichen Portion vom Inselflair Madeiras. Als Urlaubskrimi wärmstens zu empfehlen! 


    ***Herzlichen Dank an die Autorin Joyce Summer für dieses Leseexemplar!***



    Montag, 6. Juli 2020

    Wie sagt man ich liebe dich - Claudia Winter

    Diese Geschichte hat Herz und Seele


    Eine einfühlsam erzählte Liebesgeschichte mit Tiefgang und einer bildhaft beschriebenen Location, die Sehnsüchte weckt.

    Der Roman "Wie sagt man ich liebe dich" von Claudia Winter erscheint im Goldmann Verlag.

    Die gehörlose Kunststudentin Maelys hat ein Stipendium und lebt in Paris bei ihrer Tante Valérie. Als die sich den Arm bricht, muss Maelys Geld verdienen und zeichnet Porträts von Touristen auf dem Montmartre und arbeitet als Tellerwäscherin. Das verschafft ihr eine nötige Pause im Studium, bei dem sie wegen ihrer Gehörlosigkeit an ihre Grenzen stösst. Das unerwartete Angebot des jungen Portugiesen António, sie soll in Portugal seinen Großvater porträtieren, kann sie nicht ausschlagen, es wird das größte Abenteuer ihres Lebens und führt sie und Valérie auf eine schicksalsträchtige Reise. 




    Diese Geschichte lebt von den Parallelen zwischen Valérie und ihrer Nichte Maelys, sie sind vom Charakter grundverschieden, aber beide verlassen ihre Heimat, um in einer anderen Stadt ihren Weg zu machen und beide begegnen ihrer großen Liebe. Die hübsche Maelys mag ihre Probleme mit ihrer Gehörlosigkeit haben, doch damit besitzt sie auch eine besondere Gabe, denn sie versteht andere Menschen mit den Augen und mit dem Herzen. Und wie ihre Tante lässt sie sich vom Charme Lissabons verzaubern und von António ebenfalls. 

    Es ist eine wunderschöne Liebesgeschichte, die sich durch einen teils poetischen, teils herrlich frischen Erzählstil und einigen lesenswerten Lebensweisheiten aus Claudia Winters Feder wunderbar weglesen lässt. Man ist sofort in der Geschichte gefangen und erlebt das bunte Treiben Lissabons und Paris eindrücklich mit. Neben den wunderschön geschilderten Schauplätzen, kann man auch die typischen Köstlichkeiten entdecken, die in Lisboa aufgetischt werden.
    Durch die französischen und portugiesischen Aussprüche bekommt die Geschichte eine authentische und urlaubsähnliche Lebendigkeit, die man einfach nur genießen kann. Außerdem steckt genügend Tiefe in der Handlung, um nicht als platter Liebesroman zu erscheinen.

    Claudia Winter haucht ihren Charakteren dank vielschichtiger Wesenszüge und bildhaft gezeigtem Äußeren regelrecht Leben ein. Man kann sich in die Gefühlswelt der Protagonisten einfühlen und bekommt auch einen Eindruck vom Leben der gehörlosen Maelys. Die Geschichte wirkt authentisch, spannend und wunderschön durch die aufgezeigten Schauplätze.
    In diese entzückende Liebesgeschichte konnte ich mit all ihren Emotionen versinken und durch den Wechsel der zeitlichen Perspektiven und Zeitebenen wurde die Geschichte sehr intensiv und spannend. Besonders die politische Situation unter Salazar und die Nelkenrevolution geben dem Roman die nötige Tiefe, die ihn von einem simplen Liebesroman abhebt.


    Mit liebevoll gezeichneten Figuren, bildhaften Schauplätzen und interessanten Zeitperspektiven erhält dieser schöne Liebesroman die nötige Tiefe. Ein wundervoller Roman für Herz und Seele!


    Donnerstag, 27. Juni 2019

    Portugiesisches Blut - Luis Sellano

    Für alle Fans der Reihe ein unbedingtes Muss!

     
    Das Rätsel um den verstorbenen Onkel lichtet sich immer mehr

    Die Lissabon-Krimireihe von Luis Sellano hat Zuwachs bekommen, der vierte Band heißt "Portugiesisches Blut" und erscheint im Heyne Verlag.


    Expolizist Henrik Falkner hat in Lissabons Altstadt das Antiquariat seines verstorbenen Onkels Martin übernommen und sich inzwischen gut eingelebt. Immer wieder führen die Exponate seines Onkels zu Spuren, die mit vergangenen Verbrechen zusammenhängen.
    Die Brasilianerin Paula Cardenas sucht Henrik auf und zeigt ihm einen Brief, der an Martin gerichtet war. Ihre Mutter fiel einem Verbrechen zum Opfer, die Spur führt zu dem legendären Schamanen Don Alfredo. Kurz darauf verschwindet auch Paula spurlos. Gemeinsam mit der Polizistin Helena geht  Henrik den Spuren nach und entdeckt eine Verknüfung von Korruption, Rache und Familienbande.



    Jeden Sommer wüten in Portugal Waldbrände, die Hitze liegt über der Stadt Lissabon und Henrik Falkner flüchtet sich in sein verhältnismäßig kühles Antiquariat. Nach einem Wasserschaden stehen Renovierungsarbeiten an, die eher schleppend verlaufen. Als Paula Cardenas Henrik um Hilfe bittet, ist er neugierig auf die Verbindung mit seinem Onkel und Paulas toter Mutter.

    Bei diesem Krimi habe ich mich auf ein Wiedersehen mit Henrik und Lissabon gefreut. Leider gibt es in diesem Band nicht sehr viele unterhaltsame Stadtszenen zu betrachten. Hier geht der Autor eher sehr sachlich zu Werke.
    Nachdem Henriks Freundschaft mit Helena beendet scheint, hat er durch den neuen Fall wieder Gelegenheit, sie zu sehen. Ihre Beziehung scheint aber recht unterkühlt zu sein, mal sehen, ob sich das noch ändert.

    Es gibt viele neue Figuren, die man erst einmal gedanklich sortieren muss und die Hauptcharaktere sind dieses Mal eher etwas undurchsichtig geraten. Gerne hätte ich auch mal Helenas Gedanken erfahren. Zum besseren Verständnis der Figuren wäre ein Personenregister toll gewesen. Diesen Band sollte man nicht unbedingt als Einzelbuch lesen, dafür sind die Hintergründe aus den Vorbänden doch als Grundlage zu empfehlen. 

    Die Handlung ist anfangs ziemlich undurchsichtig, es dreht sich wie immer um den verstorbenen Onkel Martin, der auch nach seinem Tod noch einige Rätsel aufgibt. Insgesamt werden die Fäden des aktuellen Falls logisch miteinander verknüpft und mal wieder gerät Henrik in gefährliche Situationen.
    Nur zogen sich die Nachforschungen etwas in die Länge und erst am Ende konnte die Spannung wieder greifen und mich bis zum Ende fesseln. Es gibt einige gruselige Entdeckungen, dieses Mal sind Drogen mit im Spiel und wie in den Vorbüchern sorgt ein Cliffhanger für Neugier auf das nächste Buch. 

    Sehr interessant fand ich die Einblicke in die geschichtlichen Hintergründe Portugals zu Zeiten Salazars. Wer sich damit nicht so sehr auskennt, wird hier aber keine explizite Erklärung finden, es werden einfach nur Fakten aufgeführt, die den zeitlichen Rahmen betreffen und noch Auswirkungen auf die aktuelle Handlung haben.

    Ich hätte dem Krimi etwas mehr Urlaubs-Atmosphäre gewünscht, ansonsten kann ich dieses Buch den Henrik-Fans empfehlen. Endlich kommt etwas mehr Licht ins Dunkel um Martin.


    Dieser Krimi genau die nötige Spannung, um den Leser zu fesseln, auch wenn es einige Längen gibt. Aber wie sich nach und nach das Puzzle um Onkel Martin schliesst, ist über die gesamte Reihe gesehen schon raffiniert gestrickt. Außerdem mag ich die Atmosphäre von Land und Leuten. Für alle Fans der Reihe ein Muss!
     

    *** Vielen Dank an das Team vom Bloggerportal Randomhousen und den Heyne Verlag für die Bereitstellung dieses Leseexemplars!***




    Mittwoch, 12. Dezember 2018

    Lissabon - Das Kochbuch von Sylvie Da Silva

    Eine nicht nur kulinarische Liebeserklärung an Lissabon 



    Sylvie Da Silvas Buch "Lissabon - Das Kochbuch" enthält authentische Rezepte und zahlreiche Farbfotos aus Portugals Hauptstadt. Der wunderschöne Band erscheint im Südwest Verlag.

    So schmeckt Lissabon
    Es geht auf eine kulinarische Reise durch Lissabon. Dort wird Essen groß geschrieben, es wird Wert gelegt auf gemeinsame Mahlzeiten. In den Bars der Stadt gibt es kleine Leckerbissen, in den Cafés serviert man die berühmten Pastéis de nata oder Flan und in feinen Restaurants serbiert man vielfältige Fleisch-, Fisch- und Meeresfrüchtegerichte. Es ist ein kulinarisches Fest, dabei ist die Küche Lissabons eher einfach, doch sie überzeugt mit ihrem einzigartigen, aromatischen Geschmack.





    Lissabon, die Stadt auf sieben Hügeln ist nicht nur wunderschön, sie hat auch einiges zu bieten. Es lohnt sich, die Restaurants, die Cafés in Chiado und Bars in Bairro Alto zu besuchen und dort die kulinarische Vielfalt zu entdecken.
    Wer einmal in Lissabon gewesen ist, kennt die wunderschönen Wandkacheln, die "Azulejo" genannt werden. Genau an diese Kacheln erinnert das Cover des Buches. Richtig kreativ hat man hier Farbe und Form des Bucheinbands passend genau dargestellt. 

    Dieses Buch ist ein Schmuckstück und es enthält neben typischen Rezepten auch einen Gesamteindruck über die Geschichte der Portugiesen, ihre Esskultur, den Fado und über ihre Hauptstadt. Es ist deshalb viel mehr als nur ein Kochbuch. Es ist eine Liebeserklärung an Portugal.
     
    Zwischen den Rezeptseiten verstecken sich immer wieder Impressionen von Land und Leuten und Bilder von Lissabon, die das Flair der Stadt aufleben lassen.
    Den meisten Menschen ist die portugiesische Küche weniger bekannt, dabei punktet sie mit vielen frischen Zutaten, reichlich Koriander und besonders die karlorienreichen Süßspeisen sind eine Sünde wert.

    Die Küche Portugals ist eher einfach und rustikal, verschiedene Fleischsorten, sehr viel Fisch und Meeresfrüchte kommen auf den Tisch. Als Beilagen reicht man generell Reis und Kartoffeln, häufig auch noch Brot.
    Wenn man den gezeigten Vorratsschrank mit dem heimischen vergleicht, finden sich viele gleiche Vorräte. Die Ausnahmen sind eventuell Piri-Piri, Koriander, Fischkonserven, Chorizo, Kichererbsen und Portwein.

    Das Buch gliedert sich in 5 Kapitel.
    Kapitel 1: "Kleine Happen", auch Petiscos genannt, sind für Portugiesen diverse Vorspeisen, die man in geselliger Runde verzehrt. Fischkroketten, Oktopussalat, Kichererbsensalat mit Thunfisch und verschiedene Empadas machen schon vom Anblick her Appetit.

    Das nächste Kapitel widmet sich der "Küche der Küste".
    Fisch gehört in Portugal auf jeden Tisch, egal ob frisch oder getrocknet und gesalzen wie der landestypische Bacalhau (Kabeljau), der im Buch Klippfisch genannt wird. Bacalhau geht immer, dieser Fisch findet sich in Suppen, Aufläufen oder auch gegrillt. Doch auch Sardinen, Muscheln und andere Meeresfrüchte finden sich auf den Speisekarten.


    "Arroz de marisco" heißt das beliebte Reisgericht mit Meeresfrüchten.



    Das nächste Kapitel ist die "Landküche", dort wird mit Fleisch, Geflügel und Gemüse gekocht.
    Schweinefleisch mir Herzmuscheln, Grillhähnchen mit Piri-Piri und Lammragout gilt es nachzukochen.

    Unter "Beilagen" gibt es Rezepte für Reis- und Kartoffelvariationen mit Gemüsen, wie Kohl, Erbsen, Zwiebeln, dicke Bohnen, Spinat und Kichererbsen. 

    Zum Abschluß geht es um "Desserts & Backwaren".
    Großen Wert legen die Portugiesen aus traditionellen Gründen auf Süßspeisen. Hier geht es sehr süß und sehr kalorienreich zu. Wer einmal die berühmten Pastéis de nata gekostet hat, kann die Portugiesen verstehen. Sie schmecken einmalig gut, bestehen aus knusprigem Blätterteig mit sahniger Puddingfüllung.
    Als weitere Besonderheiten gibt es Rezepte für Orangenrolle, Karamellflan und für Kamelspucke (!). Was so gewöhnlich klingt, ist eine zuckersüße Offenbahrung für die Sinne.

    Besonders schöne Fotos machen Freude, das Buch nur anzuschauen, dank der übersichtlichen Zutatenlisten und einfachen Anleitungen der Zubereitung werden auch Anfänger keine großen Schwierigkeiten haben, die Rezepte nachzukochen.
    Bei einigen Gerichten wird ein Schnellkochtopf verwendet.

    Ein paar Adresstipps der Autorin und ein umfangreiches Register beschließen dieses wunderschöne Kochbuch.

    "Lissabon - Das Kochbuch" ist ein wundervolles Buch über Küche, Land und Leute Portugals. Es  macht das Leben und Essen in Lissabon sichtbar. Von mir eine ganz große Empfehlung und gleichzeitig ein spezieller Tipp für Weihnachten.


    ***Herzlichen Dank an den Südwest Verlag und an das Bloggerportal für dieses Buch!***


     

    Donnerstag, 28. Juni 2018

    Portugiesische Tränen - Luis Sellano

    Die Krimigeschichte war leider nicht mein Fall. Sehr atmosphärischer Krimi!


    "Portugiesische Tränen" ist der dritte Teil von Luis Sellanos Lissabon- Krimireihe, dieser Band erscheint 2018 im Heyne-Verlag.

    Expolizist Henrik Falkner hat in Lissabon das Antiquariat seines Onkels Martin übernommen. Zu den gesammelten Kuriositäten gehören aber auch Artefakte, die mit ungelösten Verbrechen zusammenhängen. Als Henrik eine Fahne findet, die die Abbildung eines japanischen Kois zeigt, ist er einem neuem Rätsel auf der Spur. Gemeinsam mit der schönen Polizistin Helena steht er schon bald vor er ersten Leiche, die die Sammler der Kois hinterlassen. Eine gefährliche Spurensuche beginnt!




    Mit diesem Band fängt Luis Sellano nicht nur die atmosphärische Stimmung Lissabons ein, er gewährt dem Leser Einblicke in das japanische Milieu und in die beliebte Koihaltung und stellt einen ganz speziellen Fall in den Mittelpunkt.

    Luis Sellanos Sprachstil ist sehr angenehm, manchmal wunderschön beschreibend wie ein Roman, dann wieder knackig sachlich und genau auf den Punkt in den Krimiteilen. Wer Lissabon kennt, wandert in diesem Buch erneut durch die Stadt und sieht die verschiedenen Schauplätze vor dem inneren Auge wieder. Gerade dieses besondere Flair sorgt in der Buchreihe für einen großen Wiedererkennungswert.

    Es gibt Szenen mit actionreicher Verfolgung, die sich mit umfangreichen Recherchen vor dem eindrucksvollen Hintergrund Lissabons abspielen. Doch die Handlung hat auch einige Ungereimtheiten. Warum gerade Japan habe ich mich gefragt. Gibt es in Lissabon einen realen Bezug zu japanischer Kultur oder eine große Bevölkerungsgruppe? Hätte Henrik bei einem Besuch in Japan die Koi-Zucht für sich entdeckt, wäre dieses Thema für mich logischer gewesen.
     
    Die Krimihandlung ist nicht über die Maßen spannend, denn hier mischen sich einige ungereimte Hintergründe, die in der Ermittlung um den verschwundenen Koi und im Grunde um den verstorbenen Onkel Martin münden. Die Zusammenhänge erscheinen mir doch recht zusammengesucht. 
    Mich hat eher das Leben Henriks interessiert. Seine Freundschaft mit Helena besteht schon die ganze Buchreihe und man verfolgt gespannt die weitere Entwicklung in ihrer Beziehung. Dieser Band beginnt mit dem wirklich spannend gemachten Ende des Buches und geht dann im gesamten Inhalt auf die Aufklärung des recht konfusen Fall ein.

    Die Motive für die Taten werden erst am Ende schlüssig erklärt, das Rätsel um den Tod von Henriks Onkel bleibt immer noch offen und plötzlich tritt Catia wieder auf die Bildfläche. Wer das ist? Zum besseren Verständnis muss man die gesamte Reihe gelesen haben. 
    Weitere Cliffhanger sorgen für Neugier auf die weiteren Bände.

    Dieser Krimi hat mir bis zur Hälfte sehr gut gefallen, danach ging es eher bergab. Ich vergebe 3 Sterne, weil ich die Stadtansichten wieder genossen habe. 

    Dieses Buch macht Lust auf einen Trip nach Lissabon und nur die Krimigeschichte war leider nicht mein Fall.  

    ***Vielen Dank an den Heyne Verlag und an das Bloggerportal für die Übersendung dieses Rezensionsexemplars!***

     

        Samstag, 3. Februar 2018

        Nelkenliebe - Anja Saskia Beyer

        Bunte Mischung aus Chick-Lit und historischen Einblicken aus der Zeit der Nelkenrevolution


        Der Roman "Nelkenliebe" von Anja Saskia Beyer ist Ende 2017 bei Tinte & Feder erschienen. (Werbung)

        Katharinas Vater ist an Krebs erkrankt und teilt seiner Tochter seine letzten Wünsche mit. Er möchte, dass Katharina in Portugal seine frühere große Liebe Marisa wiederfindet und damit die offenen Fragen ihrer damaligen Trennung herausfinden. Als Katharina sich in einem Wohnmobil mit ihrem Freund Arne auf die Suche macht, erlebt sie nicht nur die Schönheit Portugals, sie bekommt einen Einblick in die tragische Geschichte dieses Landes. Ihr wird mit der verlorenen Liebe ihres Vaters auch für ihr eigenes Leben klar, was wahre Liebe ausmacht. 


        Anja Saskia Beyer verbindet in ihrem Roman eine Liebesgeschichte mit Einblicken in die Zeit der autoritären Diktatur unter Antonió Salazar in den Siebziger Jahren.  
        Die Protagonistin Katharina reist nach Lissabon und erfährt auf der Suche nach Marisa, die verlorene Liebe ihres Vaters, was sich in den Siebzigern in Portugal abgespielt hat. Marisa steht als Beispiel für Abertausende von Inhaftierten, Verschleppten und Unterdrückten in Portugal unter Salazar. Die Unterdrückung dieser Menschen, ihre Bildungsnot und Armut wird im Roman in Rückblenden um 1973 eindringlich geschildert. Auch die hohe Zahl an Analphabeten dieser Zeit wird angesprochen. 

        Die Verbindung von Neuzeit durch Katharinas Reise und Einblicken in die Vorgängen der Nelkenrevolution durch Marisas Schicksal macht den besonderen Reiz dieser Geschichte aus. 
        Wer Portugal kennt und liebt, wird in diesem Roman die Schauplätze und Stimmungen genießen, ebenso wie die süßen Pastéis de Nata (Portugiesische Spezialität), die Stadtansichten Lissabons und die Stimmung beim Fado. Katharina lernt in Lissabon Nuno kennen und entdeckt die wahre Liebe. Ihre Beziehung zu Arne ist längst nur eine Farce, der Leser ahnt schon von Beginn an, worauf es im Buch hinausläuft. 
           
        Vor dem zeitlichen Hintergrund der Diktatur unter Salazar entspinnt sich eine zarte Liebesgeschichte. In eindringlichen Rückblenden wird auch auf die politischen Gegebenheiten und die Auflehnung der Portugiesen in der Nelkenrevolution eingegangen. Man bekommt das Elend und die Drangsale mit, der die Bevölkerung unter Salazar und seinen Getreuen ausgesetzt war. Relativ friedlich wurde dann die Revolution hauptsächlich durch die Frauen und ihre symbolträchtigen Nelken durchgesetzt. Die Unterdrückung dieser Zeit wird im Roman durch das Schicksal Marisas und ihrer Inhaftierung deutlich gemacht. 

        Während die Rückblenden unheimlich spannend sind, bewegt sich die Geschichte um Katharina eher im Chick-Lit-Bereich. Sie ist ziemlich vorhersehbar und teilweise eher uninteressant. Mich haben häufige Wiederholungen von Namen und Inhalten, aber auch die kindlich wirkende Art Katharinas im Verhältnis zu ihrem Vater gestört. "Paps hier, Paps der starke Held da." Als erwachsene Frau fällt sie in ein kindliches Raster und sucht nach Marisa, der verlorenen Liebe ihres Vaters, ohne sich einzugestehen, dass sie eigentlich damit auch Probleme hat. Schliesslich ist sie die Tochter einer anderen Frau. Aber sie will ihm alles recht machen, selbst ihren Mann sucht sie danach aus, ob er ihrem Vater gefällt.

        Das Ende kommt dann in Happy-End-Stimmung daher und das steht sehr im Kontrast zu den tragischen Vorgängen, die mich im Roman aufgewühlt haben. Damit setzt die Autorin ein hoffnungsvolles Zeichen, das positiv stimmt.


        Wer gern nach Portugal reist, findet hier viele interessante Einblicke in Gegenwart und Historie, auch die Liebesgeschichte vor dem Hintergrund der Nelkenrevolution ist lesenswert.


        ***Herzlichen Dank für dieses Buch, ich habe damit an einer Leserunde auf Lovelybooks teilgenommen.***