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Dienstag, 6. Oktober 2026

Aprikosenkind - Judith Merchant

Wendungsreicher Thriller mit Sogwirkung

Der Thriller Aprikosenkind von Judith Merchant erscheint im Kiepenheuer & Witsch Verlag. 

Auf dem Land in dem kleinen Ort Kirchbach im Westerwald lebt eine Familie ihren Traum mit Haus und großem Garten. Doch die Idylle trügt, mit ihrer Tochter Ruby stimmt etwas nicht, die Fünfjährige ist introvertiert und entwickelt sich nicht altersgemäß. Mutter Nathalie weiß das und sie merkt, dass Ruby keine sozialen Kontakte aufbaut, weshalb sie häufig Anrufe von der Erzieherin des Kindergartens bekommt, die sich um die Entwicklung von Ruby sorgt. Ruby malt gerne, doch nicht so wie andere Kinder, sie lebt in einer Farbenwelt ohne Objekte. Was kann die Ursache dafür sein?



Nathalie und Vater Gabriel kümmern sich liebevoll um ihre Tochter und gehen verständnisvoll auf sie ein. Sie sperren sich gegen den Stempel der Andersartigkeit ihrer Tochter durch die Erzieherin und haben keine Ambitionen, Hilfe von Medizinern oder Therapeuten anzunehmen. Sie akzeptieren ihre Tochter so wie sie ist und ihre Tochter soll sich auf dem Land so entfalten, wie es ihr gut tut. Doch plötzlich geschehen merkwürdige Dinge, Türen und Fenster stehen offen und nieman hat dafür eine Erklärung. Gabriel versucht Nathalie zu beruhigen, aber als Ruby ein Bild malt, auf dem eine Frau zu sehen ist, beginnt die Situation zu kippen. 

Dieses Buch fängt sehr rätselhaft mit der verzögerten Entwicklung von Ruby an und lässt im Laufe der Handlung Zweifel an der Figur der Nathalie entstehen, die sich als Betrügerin bezeichnet und ihr Mann Gabriel behauptet später, dass seine Frau ihn nicht liebt, obwohl sie einen guten Umgang pflegen. 

Gerade bei Gabriels Aussagen ploppten für mich Fragezeichen auf, die sich mit den Albträumen und der Verfolgungsangst von Nathalie immer mehr zu einer rätselhaften Situation verdichteten. 

Was von den geschilderten Vorgängen stimmt und was geschieht hier wirklich? 

Die Handlung hat mich schnell in ihren Bann gezogen und atemlos weiterlesen lassen. Die Seiten fliegen aufgrund der kurzen Kapitel aus unterschiedlichen Perspektiven nur so dahin. Dieser Psychothriller dreht sich um Kontrolle, Manipulation, Missbrauch und eine spezielle Mutterliebe. 

Als schliesslich ein schockierendes Geheimnis gelüftet wird, steht die Familie nicht mehr so harmonisch da wie vorher. Es gibt Wahrheiten, die bisher verschwiegen wurden und die für Spannung und Nervenkitzel sorgen. 

Judith Merchants "Aprikosenkind" ist lange nicht zu durchschauen, die Idylle der beschriebenen Familie bröckelt und die Figuren legen besondere Wesenszüge an den Tag, die mich erschüttert haben. 

Ein fesselnder und verstörender Thriller, der viele Fragen aufwirft, menschliche Abgründe offenlegt und diese wendungsreich auflöst. 

***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag für dieses Überraschungsbuch!***  


 

Freitag, 29. Mai 2026

Schlafende Vulkane - Michael Hjorth/ Bjarni Thorsson

Gut konstruierter Thriller mit isländischer Atmosphäre!

 
Der Island-Thriller Schlafende Vulkane von Michael Hjorth/ Bjarni Thorsson erscheint bei Rowohlt Wunderlich. 
 
In einem Reitstall am Rande von Reykjavik wird eine nackte Frauenleiche gefunden, die einem Gewaltverbrechen zum Opfer fiel. Wegen Personalmangel übernimmt den Mordfall Helga Jónsdóttir, die gerade erst die Polizeischule beendet hat und nun aufgeregt in die Ermittlungen startet. Als die Identität der Toten feststeht, wird nach ihrem 10-jährigen Sohn gefahndet, von dem jede Spur fehlt. Helga glaubt, dass sich der Junge in den isländischen Vulkanlandschaften versteckt hat. Für die Suche bittet Helga Bjarki um Hilfe, er kennt sich in der Wildnis gut aus. Kurze Zeit später wird eine weitere Frauenleiche gefunden, Der Mörder scheint unberechenbar zu sein und im Darknet unterwegs zu sein. 
 

   
In diesem Thriller treibt ein frauenverachtender Täter sein Unwesen, er filmt die Morde und stellt sie gegen Bezahlung ins Darknet. Die Opfer sind alleinstehende Frauen mit Kind, für den Täter ist diese Erfahrung leider mit einem schweren Trauma belastet und das macht ihn so gefährlich.
 
Auf fesselnde Weise begleiten wir Helga und Bjarki bei ihrer Spurensuche und den zahlreichen Befragungen. Das Ganze läuft vor der eindrücklich gezeigten isländische Landschaft ab und als besonderer Nervenkitzel dienen die Einblicke in das kriminelle Milieu des Darknets, die die Grausamkeit menschlicher Seelen aufzeigen. 
 
In einer gesonderten Perspektive gibt der Täter sein krankes Gedankengut, seine Beweggründe und seine Handlungen preis. Diese Eindrücke sind brutal und erklären gleichzeitig seine kranke Sichtweise. Wer miträtseln möchte, ist hier fehl am Platz, hier steht der Täter schnell fest, doch er muss dingfest gemacht werden und bis es soweit ist, mordet er in seiner perfiden Art weiter. Helga und Bjarki wachsen als Team zusammen, doch sie haben es schwer, den Täter zu fasssen, denn er ist ihnen oft voraus.
 
Die Zeichnung der Charaktere finde ich gelungen, sie haben alle interessante Facetten und man kommt ihnen durch die häufigen Perspektivwechsel sehr nahe. Helga muss sich als Neuling in ihrer Gruppe erst behaupten und muss einige Hindernisse der Kollegen überstehen. 
 
Der flüssige Schreibstil lässt sich durch die bildhaften Beschreibungen gut lesen und entwickelt durch die  neuen Taten ein fesselndes Tempo, das ein wenig durch die zahlreichen Befragungen in die Länge gezogen wird. Doch durch die beklemmende Stimmung bleibt man als Leserin dran am Fall und hofft nur, dass der Täter endlich gefasst wird. 
 
Dieser gut konstruierte Thriller punktet mit isländischer Atmosphäre und macht mit seinem Ermittler-Team neugierig auf den nächsten Fall!  
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 
 

 

Donnerstag, 16. April 2026

Meeresdunkel - Till Raether

Eher Spannungsroman als Thriller

Im Rowohlt Verlag erscheint der Thriller Meeresdunkel von Till Raether.

Henrike plant für ihren Mann Hans, Bruder Freddy und die Zwillinge eine Urlaubsreise nach Mallorca und bucht eine Finca mit grandiosem Blick über die Bucht. Ausspannen und als Familie wieder näher zusammen rücken, das ist ihr Wunsch. Doch kurz nach ihrer Ankunft reist eine dreiköpfige Familie, die ebenfalls die Finca gebucht hat. Keine der Familien ist sonderlich erfreut über die Doppelbuchung, doch die Finca bietet genügend Platz für alle und die beiden Familien ziehen ein und arrangieren sich mit der Situation. Noch ahnen sie nicht, dass sie eine Leiche finden werden und ein Unwetter aufzieht und das friedliche Urlaubsparadies in ein gruseliges Inferno verwandelt. 


 

Dieser Thriller beginnt ruhig, die großartige Finca entpuppt sich als renovierungsbedürftig und nach der ersten Überraschung der Doppelbelegung verbringen zwei Familien gemeinsam die Urlaubstage. Aber sind sie wirklich zufällig gemeinsam an diesem Ort? Später sorgt ein Leichenfund für Aufregung und jeder verdächtigt jeden.  

Till Raether zeigt anfangs noch ein friedliches Bild der Ferieninsel mit Marktstimmung und herrlichem Ausblick auf das blaue Meer, doch dann kippt die Stimmung zwischen den Familien und ein Sturmtief über der Ferieninsel verstärkt gleichzeitig die bedrohliche Atmosphäre.  

Wenn zwei fremde Familien zufällig im Urlaub zusammen kommen und unter einem Dach wohnen müssen, kann das nur schwierig werden. 

Die Vorgänge werden aus der Perspektive von Henrike, Samuel und seinem 8-jährigen Sohn Juri erzählt, wobei sich banale Alltagsszenen mit persönlichen Eindrücken oder Gedanken mischen. Hinzu kommen noch einige Passagen aus der Vergangenheit, die weitere Informationen der Figuren bereit halten. Die Vorstellung der Urlauber ist sehr ausführlich und lässt uns einige Konflikte miterleben, wobei sich mir die Frage stellte, was davon für die weitere Handlung wichtig sein könnte. Nach dem Fund des Toten steigt die Spannung etwas an und das Erscheinen einer alten verwirrten Frau sorgt für gruselige Stimmung. 

Die Handlung lässt sich gut lesen, die vielen Protagonisten konnte ich erst nach einiger Lesezeit den einzelnen Familien zuordnen. Die Erwachsenen blieben mir trotz der Einblicke in ihre Beziehung und ihr Seelenleben relativ fremd und manche Entscheidung konnte ich nicht nachvollziehen. Lange Zeit haderte ich mit Juri und seiner Puppe Hedwig, denn er wird sprachlich gesehen nicht kindgerecht dargestellt. Die Handlung wird immer verworrener, als man erfährt, dass es Personen gibt, die mehr über die anderen wissen. Unrealistisch war für mich, dass der Todesfall bei der Familie nur für kurze Bestürzung sorgt und sich die Trauer in Grenzen hält. 

Die Auflösung und was die Figuren wirklich verbindet hat mich überrascht, doch insgesamt fand ich die Geschichte sehr wirr und zu konstruiert und hätte mir mehr thrillermäßige Spannung gewünscht.  

***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!*** 

 


Montag, 2. März 2026

Moorland. Die Zwillinge - Andreas Winkelmann

Ein fesselnder Moor-Thriller

Die Zwillinge heißt der 1. Band der Thriller-Reihe Moorland von Andreas Winkelmann aus dem Knaur Verlag. 

An einem nebeligen Tag nutzen die 18-jährigen Zwillingsschwestern Nike und Jana Mertens die spezielle Atmosphäre für TikTok-Video-Aufnahmen im Moor. Als sie nicht nach Hause kommen und vermisst bleiben, startet eine Suchaktion der Bewohner von Moorbach, die von der Moorkennerin Ruth Sichler, der Mutter der Kommissarin Malia Gold, organisiert wird. Malia ist gerade nach 15 Jahren Abwesenheit in ihren Heimatort zurück gekehrt und hat es in ihrer Dienststelle mit einem Fall von Fahrerflucht zu tun. Ein angetrunkener Radfahrer war im Moor unterwegs und berichtet von einem Schrei, ehe er angefahren wurde. Malia versucht die Hintergründe zu ermitteln, hat es aber mit einem Dorf voller Lügen, Intrigen und Geheimnissen zu tun. Gleichzeitig muss sie sich auch ihrer eigenen Vergangenheit stellen. 



 

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt und spielt innerhalb weniger Tage. Das sorgt für einen schnellen Handlungslauf und stellt uns gleichzeitig die Protagonisten der verschworenen Dorfgemeinschaft vor. Im Moordorf haben einige etwas zu verbergen und das soll am besten im Moor bleiben. Während Malia die Umstände näher untersucht, tauchen immer neue Verdächtige auf und damit auch neue Geheimnisse. 

Andreas Winkelmann hat besonders die Szenen im düsteren, nebeligen Moor sehr atmosphärisch beschrieben, ich habe die Nässe und Kälte direkt spüren können. Er hält die Spannung mit kurzen Kapiteln auf einem hohen Level, legt mit den Vorgängen ein schnelles Tempo vor und hat mich mit dem Thriller gefesselt. Ich habe gespannt mitgerätselt, wer für das Verschwinden der Zwillinge verantwortlich sein könnte. 

Malia ist ein interessanter Charakter, sie findet familiäre Dinge heraus, manches ist aber noch offen und wird sicher im Folgeband aufgelöst werden. Ich hatte schon den Verdacht, dass die Zwillinge  nicht die harmlosen Mädchen, für die man sie halten könnte. Ihr Handeln ist verknüpft mit anderen Nebenfiguren, unter denen der Täter zu finden ist. Nur wer das sein könnte, habe ich nicht geahnt und habe der Auflösung gespannt entgegen gefiebert. Alles wurde schlüssig und logisch aufgeklärt. 

Ein relativ unblutiger Thriller-Auftakt, der mich nach kurzem Einlesen schnell gepackt und bis zum Ende nicht losgelassen hat. 

Eine spannende Handlung, interessante Charaktere und eine gruselige Grundstimmung im Moor machen dieses Buch zu einem Page-Turner.  

***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


Samstag, 27. Dezember 2025

Der Kuckucksjunge - Søren Sveistrup

Was für ein packender Thriller!

Im Goldmann Verlag erscheint der Thriller Der Kuckucksjunge von Søren Sveistrup. 

Silje Thomsen ist Mutter einer Tochter, lebt in Scheidung und ist spurlos verschwunden. Die letzte Nachricht auf ihrem Handy lautet: Hab dich. Das weckt bei Kommissarin Naia Thulin Erinnerungen an einen anderen Fall, bei dem eine 19-jährige Schülerin vor ihrer Ermordung die gleiche Nachricht bekam. Gemeinsam mit Mark Hess übernimmt sie die Ermittlungen, dabei hatte sie gehofft, ihn nicht mehr wiedersehen zu müssen. Doch bevor sie der neuen Fall weiter untersuchen können, finden sie eine übel zugerichtete Leiche. Wer schickt diese merkwürdigen Nachrichten und warum? 


 

Der Prolog startet scheinbar harmlos mit einem Versteckspiel auf einem Schulausflug in den Neunziger Jahren, wo ein Leichenfund dem Spiel ein bedrohliches Ende setzt. Danach entwickelt sich die Geschichte zu einem spannenden Thriller, der Todesfälle in der Gegenwart behandelt, bei dem der Abzählreim des Versteckspiels eine Rolle spielt. 

Die flüssig erzählte Handlung verteilt sich auf verschiedene zeitliche Perspektiven, die das Erlebter der Figuren beschreiben und die sich abwechslungsreich aufbauen. Nachdem die ersten Morde sichtbar geworden sind, sorgen zahlreiche Personen dafür, dass man immer einen neuen Verdächtigen als Täter im Auge hat. Sveistrup setzt in seinem Thriller geschickte einige falsche Fährten und zögert damit die Spannung immer weiter hinaus. 

Aber auch die anonymen Nachrichten beschwören eine bedrohliche Stimmung herauf, der man sich beim Lesen kaum entziehen kann. Obwohl die Ermittler erkennen, dass sie es mit einem Stalker zu tun haben, kommen sie nicht an ihn heran und er treibt seinen teuflischen Plan immer weiter voran, mit weiteren Opfern. 

Die Vorgänge sind nicht unblutig, doch mehr geht es um psychologische Tiefen, die sich um die Folgen von Gewalt, Stalking und verletzte Gefühle drehen. Dabei wird man Zeuge der Angstgefühle der Stalking-Opfer und will einfach nur wissen, wer ihnen auf der Spur ist. 

Die Charaktere werden vielseitig und mit unterschiedlichen Eigenheiten und Problemen dargestellt, das macht sie lebendig und authentisch. Die Szenen mit der Mutter der toten Studentin fand ich zunächst anstrengend, doch ihre Suche war dann doch sehr aufschlussreich. Leider konnte ich mich weder für die hartnäckige, aber eigenwillige Thulin erwärmen, noch fand ich Hess besonders sympathisch, er war bis auf die Gefühle um seinen Bruder sehr reserviert und irgendwie undurchschaubar. Allerdings haben sie sich als Team gut geschlagen und ihr Handeln wirkte authentisch wie echte Ermittlungsarbeit. 

Ein brutaler Showdown sorgt dafür, dass man am Ende noch einmal richtig gepackt wird, aber auch entsetzt und überrascht von der Auflösung ist. 

Weil mich dieser fesselnde Thriller nicht wieder losgelassen hat und auch vollends überzeugen konnte, vergebe ich dafür die volle Sternezahl!   

  

***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Goldmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

 


 

Mittwoch, 19. November 2025

Rauhnächte - Ellen Sandberg

Geheimnisvoll und atmosphärisch durch die Mystik der Rauhnächte!

Bei Penguin Bücher erscheint der Thriller Rauhnächte von Ellen Sandberg. 

An Heiligabend erfährt die 22-jährige Pia, dass sie als Kind adoptiert wurde. Das erschüttert sie zwar, bestätigt sie aber in ihrem lebenslangen Gefühl, dass sie sich nie zugehörig gefühlt hat. Um ihren wahren Vater zu finden, fährt Pia nach Wasserburg am Inn, dort starb ihre leibliche Mutter. Man sagt, während die Rauhnächte ihre mystische Stimmung verbreiten, kommen alte Geheimnisse wieder ans Licht. Pia erfährt einige Details, die ihr bisher verschwiegen worden und bringt sich mit ihrer Suche in Gefahr. 


 

Per Zufall erfährt Pia, dass sie von ihren Eltern adoptiert wurde und weil sie ihre Fragen nicht beantworten, macht sie sich selbst auf die Suche nach ihren Wurzeln. 

Ellen Sandberg erzählt ihre Story über Familiengeheimnisse auf flüssige Weise und lässt geschickt die düstere Atmosphäre der Natur in den Rauhnächten einfließen. Dabei steigert sich die mystische Stimmung immer mehr und die detailgenauen Naturbeschreibungen und das alte Brauchtum verleihen dem Roman ein spezielles Flair. Die Handlung verteilt sich auf zwei Zeitebenen, die aktuelle Zeit, in der Pias Suche statt findet und die Vergangenheit mit den Ereignissen vor 18 Jahren. 

Obwohl ihr in Wasserburg Misstrauen und Widerstände begegnen, erkennt Pia, dass am Tod ihrer Mutter irgendetwas faul ist. Sie setzt alles daran, endlich die Wahrheit herauszufinden, bekommt Unterstützung durch Freunde und einen alten Bekannten und entdeckt immer mehr verborgene Puzzleteile aus ihrer Kindheit. Die Spannung steigert sich bis zum Ende hin und wird mit einer dramatischen Auflösung gelöst. Die letzten beiden Kapitel hätte es nicht bedurft, so wirkt es irgendwie auserzählt. 

Das Buch ist spannend, erzählt von einem düsteren Familiengeheimnis und sorgt mit dem roten Faden der Rauhnächte für ein atmosphärisches Leseerlebnis, das die Rauhnächte näher bringt.  

Spannend, atmosphärisch und durchdrungen von der mystischen Atmosphäre der Rauhnächte! Einfach nur toll!

***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Penguin Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

 



 
  • Sandberg, Ellen - Der Verrat  
  • Sandberg, Ellen - Das Erbe
  • Sandberg, Ellen - Die Schweigende   
  • Sandberg, Ellen - Das Geheimnis
  • Sandberg, Ellen - Das Unrecht 
  • Sandberg, Ellen - Keine Reue  
  • Sandberg, Ellen - Rauhnächte
  • Montag, 23. September 2024

    Schneeflockengrab - Heidi Amsinck

    Der Funke sprang nicht über!

    Im Knaur Verlag erscheint Heidi Amsincks Thriller "Schneeflockengrab".  

    Schauplatz dieses Thrillers ist Kopenhagen im Winter. Die Journalistin Jensen findet einen jungen Obdachlosen unter einer Laterne im Schnee sitzend, er wurde mit vielen Messerstichen ermordet. Auf einem Pappschild steht das Wort »Schuldig«. Jensen ruft Kommissar Henrik Jungersen von der Kopenhagener Polizei zum Tatort, er ist ihr Kontakt zur Polizei und ihr früherer Liebhaber. Der Tote ist bereits der zweite Mord an einem Obdachlosen und schon bald wird eine weitere Leiche gefunden. Tötet hier ein Serienmörder? 
     


     
    Die Handlung wird sehr ruhig erzählt und ist für mich kein spannender Thriller, bei dem ich gefesselt weiterlese. Wirklich dramatische Stellen sind nur wenig vorhanden. Dafür ist die Atmosphäre sehr eindrücklich, es ist Winter in Kopenhagen, beim Lesen konnte ich mir die bildhaft beschriebene Kälte und den Schnee gut vorstellen. Leider entwickeln die einzelnen Informationen bei der Ermittlung keine große Spannung und die Todesfälle lassen mich im Dunkeln tappen. Heidi Amsinck rückt ihre Figuren sehr klar in den Vordergrund, dagegen läuft die Ermittlung eher so nebenbei. 

    Leider konnte ich zu den Figuren keine Beziehung aufbauen, sie blieben mir merkwürdig fremd und durch und durch unsympathisch. Besonders Jensen ist nicht teamfähig und eckt überall an. Ich finde sie sehr anstrengend mit ihren Launen und ihre on-off-Beziehung zu Henrik, dem verheirateten Kommissar war für mich nur ein Stilmittel, um die Figuren etwas interessanter zu machen.  

    Der Fall zeigt Missstände in der Gesellschaft auf und bringt mitleiderregende Dinge ans Licht, doch diese Hintergründe verlieren sich fast vor irrelevanten Nebenhandlungen und die Beweggründe hätte man auch mehr ausarbeiten können.
     
    Dieses Buch konnte mich leider nicht überzeugen, an das Level großer skandinavischer Thriller kommt es leider nicht heran. 

    Ich vergebe 2 Sterne, weil mich die Handlung nicht gepackt hat und ich lediglich die kalte Atmosphäre beim Lesen gut fühlen konnte.




    Mittwoch, 23. August 2023

    Die letzte Nacht - Karin Slaughter

    Mittelmäßiger Thriller über menschliche Abgründe ohne große Spannung 

     
    Im Harper Collins Verlag erscheint mit "Die letzte Nacht" der 11. Band der Thriller-Reihe "Will Trent - Georgia" von Karin Slaughter. 
     
    Sara Linton ist Ärztin und hat vor einigen Jahren einer in der Notaufnahme eingelieferten schwerverletzten jungen Frau vor ihrem Tod ein Versprechen gegeben. Sie soll einen Vergewaltiger aufhalten! Diese Aussage erinnert Sara an ein schreckliches Erlebnis aus ihrem eigenen Leben, ein Trauma, dass sie zu vergessen sucht. Als es im Fall der jungen Frau zu einem Gerichtsprozess kommt, sagt Sara als Zeugin aus. Der Tatverdächtige und seine Eltern sind Sara bekannt...   

     


    Von Karin Slaughter habe ich begeistert "Pretty Girls" und "Vergiss mein nicht" gelesen. Dieser Thriller konnte mich leider nicht ganz so überzeugen. 
     
    Die Hauptcharaktere Dr. Sara Linton und Ermittler Will Trent sind ein Paar, miteinander verlobt und glücklich. Bei ihrer Arbeit in der Notaufnahme hat Sara der Verletzten Dani Cooper versprochen, ihren Vergewaltiger aufzuhalten. Der Vorfall hat Sara an ihre eigene Vergangenheit erinnert, damals wurde sie das Opfer einer Vergewaltigung und kämpf an diesem Trauma auch fünfzehn Jahren später noch daran.
     
    Die Handlung wird durch einige authentische Charaktere bestritten, die Vielzahl an Personen ist allerdings immens. Interessant sind zahlreiche Szenen mit medizinischem oder pathologischem Hintergrund und eine gewaltbereite "Gang" sorgt für Gruselstimmung. Aber wer steckt hinter dieser Gruppe und wer hat Dani Cooper auf dem Gewissen?  
    Die Ermittler Will und seine Kollegin Faith untersuchen den Fall auf eigene Faust und bringen immer mehr Dinge ans Licht, die weitere Vergewaltigungen und Gewalt gegenüber Frauen sichtbar machen. In diesem Buch wird es richtig gewalttätig und brutal, das muss man wirklich so sagen. Zartbesaitete sollten sich eher anderer Literatur widmen.
     
    Karin Slaughters Schreibstil ist flüssig und mitreißend, dazu beschreibt sie neben brutalen Übergriffen auch sehr detailreich einige medizinische Eingriffe bei Herzoperationen, die interessant zu lesen sind, aber eben auch alles andere als normale Hintergrundszenerie. Wer Slaughter liest, muss sich auf solche schockierenden Szenen einstellen. Aber das ist nicht das, was mich am Buch gestört hat. 
    Die Tätersuche fand ich nicht so spannend, schon früh wird ersichtlich, wer als Täter in Frage kommt, aber viele langwierige Dialoge und die Suche nach den Beweisen ist doch etwas in die Länge gezogen und darunter leidet die Spannung.

    Es ist ein solides Buch, das zwar viele gewaltvolle Szenen und Vergewaltigungen beschreibt, aber doch keine große Spannung aufbaut. Und die Auflösung konnte mich auch nicht groß überraschen, leider!

    ***Vielen Dank an den Harper Collins Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

     
    Slaughter, Karin - Pretty Girls

    Dienstag, 6. Dezember 2022

    Night - Nacht der Angst - Riley Sager

    Fesselnd geschrieben, aber auch sehr verwirrend 
     
    Der Thriller "NIGHT Nacht der Angst" von Riley Sager erscheint bei DTV.  

    November 1991: Der Campuskiller hat zugeschlagen, die Studentin Maddy wurde brutal ermordet. Ihre Mitbewohnerin Charly ist geschockt und fühlt sich im Campus nicht mehr wohl. Sie will einfach nur weg vom Tatort und sucht eine Mitfahrgelegenheit, durch die sie Josh kennenlernt. Während der gemeinsamen Fahrt verhält sich Josh merkwürdig und so kommt Charlie der Verdacht, dass er womöglich der Killer sein könnte. Doch was soll sie jetzt tun, sie ist ihm ausgeliefert. 


     

    Dieser Thriller ist wie ein Drehbuch geschrieben, die Protagonistin Charly ist filmbegeistert und man hat das Gefühl, hier einen Film über ein Road Movie ablaufen zu sehen.

    Die Ausgangslage mit einem fremden Mann im Auto lässt beim Lesen Ängste entstehen und ich habe mit Charlie mitgefiebert, ob es Josh auch auf sie abgesehen hat und die Mitfahrgelegenheit nur eine Finte war. Doch schon bald sorgen unerwartete Wendungen und auftauchende Personen dafür, dass mich das Buch gepackt, aber auch verwirrt hat.   

    Ich habe mich mehrfach gefragt, ob das alles überhaupt in einer einzigen Nacht geschehen sein kann und ob dort in Charly Gedanken nicht irgendein Film abläuft. Denn die vielen Vorgänge und Ereignisse sind für eine Nacht doch recht umfangreich. Lange Zeit war ich nicht sicher, wie alles zusammenhängt, was nun wirklich passiert ist und wie Charlie darin verstrickt ist. Generell unschuldig kam sie mir nicht vor. Einige Vorgänge konnte ich nicht richtig einordnen. Doch dann nahm die Geschichte Fahrt auf und es geschehen unvorhergesehene Dinge, die alles bisher Geglaubte auf den Kopf stellen.  

    Die Charaktere kann man in Bezug auf gut und böse nur schlecht einschätzen, alle könnten kranke Psychosen haben oder einfach nur in einem falschen Licht gezeigt werden. Charly vertraut sich einem fremden Mann als Mitfahrerin an, als gerade zuvor ihre Freundin ermordet wurde. Das finde ich unglaubwürdig und ihr Freund Robbie ist ihr auch keine Stütze.

    Zwischendrin werden immer mal wieder Filmfiguren und Filmtitel in den Gesprächen erwähnt, die ich zum größten Teil nicht gut genug kenne, ums sie richtig einordnen zu können. Das hat mich gestört, denn darüber hätte man auch einiges über die Vorgänge und Personen erfahren können. 

    Wendungsreicher Thriller, der mir zu undurchsichtig wurde, aber am Ende logisch aufgeklärt wird. Auch wenn mich einzelne fesselnde Szenen gepackt haben, hat es mich leider nicht in Gänze überzeugen können. Thriller-Leser:innen werden es sicher mehr feiern als ich. 

     

    ***Herzlichen Dank an Bücher.de für dieses Buchflüsterer-Rezensionsexemplar!***

     



    Mittwoch, 21. September 2022

    Das Loft - Linus Geschke

    Interessant inszenierter Thriller mit überraschendem Ende

    Ein spannendes Psychodrama 
     
    "Das Loft" von Autor Linus Geschke erscheint im Piper Verlag. 





    Sarah und Marc sind ein Paar, beide Anfang dreißig und wohnen zusammen mit Marcs bestem Freund Henning in einem Loft in Hamburg. Sarah arbeitet als Grafikerin, Marc ist Langzeitstudent und Henning verdient sein Geld auf die eine oder andere Weise. Als in der Wohnung Blutspuren auf ein Verbrechen hindeuten und Henning nicht aufzufinden ist, liegt der Verdacht nahe, dass er getötet wurde. Als Hauptverdächtige gelten Marc und Sarah. Hat einer von beiden ihn auf dem Gewissen oder gibt es noch einen anderen Täter? Was steckt hinter dieser brutalen Tat und wo liegt das Motiv?

    Bei diesem Thriller baut Linus Geschke ein undurchschaubares Spannungsgerüst auf auf, das aus verschiedenen Blickwinkeln und Zeitebenen erzählt und durch unterschiedliche Einblicke und die polizeilichen Vernehmungen immer mehr Aspekte aufklärt, bei der meine eigenen Vermutungen und Gedanken immer wieder auf den Prüfstand gestellt wurden.
     
    Linus Geschkes Schreibstil ist absolut flüssig, sehr lebendig und teilweise etwas derb, wenn von Sex und Drogen die Rede ist. Er lässt zwischen seinen gut gezeichneten Charakteren eine Vielzahl von Verbindungen entstehen, die von Liebe und Gewalt erzählen, von Vertrauen und Misstrauen und auch von Freundschaft und Feindschaft. Jeder WG-Bewohner hat eine eigene Geschichte, die durchaus auf kriminelle Energie hinweist und mit jeder weiteren Aussage muss man sich als Leserin überlegen, ob man dem glauben mag. Denn Sarah und Marc hätten einen Grund gehabt, Henning zu töten.
     
    Die stimmungsvoll beschriebene Atmosphäre und die Szenen im Ausland sorgen für viele Bilder, die ich vor Augen hatte, das zog mich immer weiter in die Geschichte hinein. Ich habe versucht, aus der Polizeiarbeit die nützlichen Fakten in Bezug auf den Täter herauszuziehen. Doch die verschiedenen Geheimnisse der Personen haben es mir wirklich schwer gemacht. Es ist ein Spiel mit der Psyche der Charaktere, wo die dunklen Seiten sich erst allmählich offenbahren. 

    Für mich stellte sich ständig die Frage, wer hier Opfer oder Täter ist. Das Drogenthema bringt ein weiteres Thema hinzu, dass die Aussagen der Verdächtigen in einem neuen Licht erscheinen lässt. 


    Dieser Thriller ist ein echtes Verwirrspiel und hat mich bis zum überraschenden Ende gepackt und nicht mehr losgelassen. Er zeigt die Charaktere auf psychologischer Ebene und lässt den Leser seine eigenen Vermutungen anstellen.

                                

     Geschke, Linus - Finsterthal 

    Freitag, 16. September 2022

    Blinde Furcht - Linda Castillo

    Fesselnd, atmosphärisch und wieder recht brutal

    "Blinde Furcht" ist der 13. Band der Amish-Thriller-Reihe von Linda Castillo der Fischer Verlage. 

    Als Kate Burkholder zu einem Tatort in Painters Mill gerufen wird, wartet die übel zugerichtete Leiche einer jungen Frau auf sie, Kate ist geschockt, denn sie kennt das Opfer von früher. Es ist Rachael Schwartz, eine unbeugsame und rebellische junge Frau, die sich vor zehn Jahren von ihrer Familie und der Amish-Gemeinde abgewandt hat. Warum ist sie nun in ihre Heimat zurückgekehrt und wer wollte sie aus dem Weg räumen? 
     

     
    Diese Reihe ist immer wieder spannend, weil sie uns neben einer Mordaufklärung das Leben der Amischen und deren Werte und Lebensvorstellungen näher bringt. Rachael hat sich gegen diese Lebensweise entschieden, aber warum kehrt sie jetzt zurück? Kates Ermittlungen gestalten sich schwierig, denn es gibt etwas in Rachaels Vergangenheit, über dass die Bewohner von Painters Mill schweigen. Es dauert eine Weile bis Kate erfährt, dass Rachael ein Enthüllungsbuch über das Leben in einer Amish-Gemeinde geschrieben hat. Wollte sich der Mörder für eine bestimmte Äußerung darin rächen?

    Die flüssig erzählte Story wird aus verschiedenen Perspektiven und Zeitebenen gezeigt, in Rückblenden erleben wir Vorgänge aus Rachaels Jugend. Das schafft einen gelungenen Spannungsaufbau, dem man sich nicht entziehen kann. Die Ermittlungen sind mit Befragungen und neuen Erkenntnissen gespickt, einige Wendungen sorgen für fesselnde Momente. Immer wieder erfahren wir interessante Fakten aus dem Leben der Amishen, die diese Lebensweise und ihre Einschränkungen deutlich machen. Kate kommt dem Geheimnis Rachaels auf die Schliche und bringt sich damit selbst in Gefahr. Es gibt eine sehr dramatische Schlusshandlung, in der es ziemlich brutal zugeht und bei der ich mich wirklich gefragt habe, wieso Kate bisher schon so viele Übergriffe ohne bleibende Schäden überlebt hat. 

    Das Motiv für den Täter erklärt die Absicht, aber für mich war das in ihrer Brutalität ein völlig überdimensionierter Mord. Diese Gewalt und das überdramatisiert dargestellte Ende war in meinen Augen absolut übertrieben, weshalb ich einen Stern abziehe.  

    Kate Burkholder hat mit ihrem Einsatz für die Gerechtigkeit gekämpft, ihr Partner John Tomasetti taucht in diesem Band nur am Rande auf und es wird mehr Augenmerk auf den neuen Fall gelenkt. Das Privatleben wird dieses Mal nicht näher beleuchtet, was aber auch nicht unbedingt der Fall sein muss. 

    Dieses Buch zeigt sehr brutale Szenen, ich konnte gut nachvollziehen, dass Kate diesen Fall unbedingt aufklären wollte. Die überraschenden Wendungen haben mich ans Buch gefesselt und der geschickt konstruierte Plot hat mir Gänsehaut beschert und mich gepackt. 

    Ein toller Fall der Reihe, der Einblick in das besondere Leben der Amishen gewährt und mit einer spannenden Handlung fesseln kann. 
     

                                 
     
     

    Sonntag, 4. September 2022

    Schnee - Yrsa Sigurdardóttir


    Mysteriöse Handlung zwischen Halluzination und Wirklichkeit
     
    Im btb Verlag erscheint Yrsa Sigurdardóttirs Thriller "Schnee".  

    In Island herrscht tiefster Winter, zwei befreundete Ehepaare unternehmen eine Wanderung im Schnee des Hochlandes. Sie sind der Dunkelheit und Schneestürmen ausgesetzt und ihre Unternehmung gestaltet sich zunehmends gefährlicher. Ein Rettungsteam wird in die Gegend geschickt, um sie zu suchen, sie stossen auf eine unbekleidete Leiche. Wieso haben sie ihre wärmende Hütte verlassen? Gleichzeitig geschehen an der einsam gelegenen Radarstation Stokksnes merkwürdige Vorgänge. Und ein einzelner Kinderschuh gibt zusätzlich Rätsel auf, als er nach Jahrzehnten wiedergefunden wird.

     


    Der Thriller startet mit einem packenden Prolog, dann folgen drei nebeneinander laufende Handlungsstränge, die sich irgendwann verknüpfen und ganz am Ende eine tragische Geschichte enthüllen, die ich aber durch die mysteriösen Vorkommnisse nicht real und überzeugend fand. 

    Bei diesem Buch herrscht durchgängig eine kalte und dunkle Atmosphäre, die man mit einem Winter in Island verbindet. Soweit so gut, die geeignete Voraussetzung für einen düsteren Thriller. Doch leider entwickelt sich durch mysteriöse Vorkommnisse eine merkwürdige Handlung fernab der Realität, zu der ich keinen direkten und glaubwürdigen Zugang gefunden habe. Alles bleibt diffus und übernatürlich und klare und objektive Erkenntnisse konnte ich leider nicht daraus ziehen. 

    Für mich müssen Thriller zwar gruselig, aber mit logischen Vorgängen erzählt werden und wenn dann die Imagination Überhand gewinnt, kann ich mich dafür nicht erwärmen. Das war hier leider der Fall und die Figuren agierten in einem undurchsichtigen Spiel, dass sich zuweit von der Wirklichkeit entfernte. Und auch das Ende ließ mich mit großen Fragezeichen im Kopf zurück. 

    Konnte mich weder packen noch überzeugen, zuviel Mystery statt logischer Thrillerhandlung. Wer Mystery-Romane mag, kann es lesen, alle anderen sollten es lieber lassen.  

     

     ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und an den btb Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***   


                                          
                                                   
                                          

    Freitag, 10. Juni 2022

    Finsterthal - Linus Geschke

    Actionreiche, gut konstruierte Handlung und interessante Charaktere sorgen für Spannung
       
    "Finsterthal" ist der zweite Band der Born-Trilogie von Linus Geschke, der bei DTV erscheint.

    Ex-Polizist Alexander Born wird von seinem Freund Dimitri gebeten, im Entführungsfall junger Mädchen zu ermitteln. Ihre Väter scheinen zum Umfeld der russischen organisierten Kriminalität zu gehören. Obwohl die Lösegeldforderungen der Entführer erfüllt wurden, hat man ein Mädchen tot aufgefunden. Wer steckt hinter den Entführungen? Born fühlt sich ausgebrannt und hat eigentlich noch mit Vorgängen aus seiner Vergangenheit zu kämpfen, aber er schuldet Dimitri den Gefallen. Er verbeißt er sich in den Fall und stößt auf Lügen, Gewalt und Verrat. Wem kann er noch glauben? Und wer ist dieser Typ, der sich "Der Dunkle" nennt?
     
     



    Die Handlung wird aus der Perspektive verschiedener Personen geschildert und lässt uns damit einen umfassenden Blick werfen.
    Die Entführungen werfen viele Fragen auf und die Verbindung zur russischen Mafia macht von Anfang an klar, dass es hier nicht gewaltfrei abgeht. Born verfolgt mit Hilfe seiner ehemaligen Kollegin Carla Diaz eine vielversprechende Spur, beide kommen in Gefahr.  
     

    Die Handlung ist spannend geschrieben, die Entführungsfälle und das spätere Auftauchen der Teenager sind der passende Aufhänger für einen interessanten Thriller. Alexander Born kann sich hier mal wieder beweisen, er arbeitet in seiner illegal, leicht kriminellen Art und kommt damit seinen Ex-Kollegen der Berliner Polizei in die Quere, trotzdem erhält er Schützenhilfe von Carla Diaz.

    In einigen Rückblenden erfahren wir, wie manche Menschen sich zu grausamen Tätern entwickelt haben, das eröffnet einen neuen Blickwinkel und verwischt etwas die Abstufungen zwischen Gut und Böse. Das Aufeinandertreffen von Born und dem Dunklen bewirkt eine fesselnde Wirkung und hat mich zum Weiterlesen gezwungen. Auch Borns Charakter wird näher beleuchtet, wir erfahren, was ihn im Kampf gegen das Böse antreibt und warum er sich nur widerwillig in die Machenschaften des organisierten Verbrechens wagt.

    Ein wenig verwirrt hat mich die Vermischung von Rache, Korruption und Kartellen. Wer kämpft hier gegen wen und welche persönlichen Absichten stecken dahinter? Born schlägt sich wacker, er hat skrupellose Gegner, die vor nichts zurückschrecken und erst sehr spät konnte ich die Hintergründe der Taten näher durchschauen.

    In diesem rasanten Thriller gibt es viele actionreiche Szenen, man begegnet Gewalt und Macht und erlebt die kriminelle Seite bestimmter Organisationen und Menschen, die nur ihre eigenen Interessen durchsetzen wollen.
     

    Linus Geschke hat mit Finsterthal einen fesselnden Thriller mit interessantem Hintergrund vorgelegt, den ich gut empfehlen kann. 

     

    Sonntag, 27. März 2022

    Zorn - Vom Lieben und Sterben - Stephan Ludwig

    Packende Handlung und ein tolles Ermittlerduo

    "Zorn - Vom Lieben und Sterben" ist der zweite Teil der Thriller-Reihe von Stephan Ludwig aus dem Fischer Taschenbuch Verlag.

    Die Einbruchserie in einer Kleingartenanlage in Halle an der Saale beschäftigt Hauptkommissar Claudius Zorn und Hauptkommissar Schröder nicht lange, eine Clique von Jugendlichen ist dafür verantwortlich. Brisant wird es erst, als kurz darauf einer der daran beteiligten Jungen gezielt getötet wird. Hier ist ein skrupelloser Täter am Werk, der sich seine Opfer genau aussucht. Aber wo liegt das Motiv?



    Der erste Todesfall sorgt für Entsetzen, denn das Opfer ist in eine tödliche Falle gelockt worden und während Schröder und Zorn noch nach Spuren suchen, geschieht auch schon der nächste Mord, ebenfalls aus dem Freundeskreis des ersten Opfers. Nicht minder grausam und ohne erkennbaren Hintergrund.

    Bei diesem Ermittlerduo ist für mich Schröder mit seiner umsichtigen und intelligenten Art der wahre Held, das machohafte und unsensible Verhalten Zorns ist für mich einfach nur unter aller Kanone. Aber es verleiht dem Thriller auch einen gewissen Reiz, weil es für reichlich Abwechslung sorgt und er scheint allmählich selbst zu spüren, wo seine Grenzen liegen, hat sich aber nicht immer im Griff. Viele unkonventionelle Gedanken und Antworten von Zorn verleiten zum Schmunzeln.

    Der Fall dreht sich um ein sensibles Thema, das wirklich mit viel Fingerspitzengefühl beschrieben wird. Genau dieses Thema liegt auch in Schröders Vergangenheit verborgen, er kämpft gegen den Dämon der Erinnerung an und wird von dem Fall deshalb sehr mitgenommen. 

    Die realistisch wirkende Handlung hat der Autor durch geschickt gesetzte Cliffhanger und Wendungen sehr spannend konstruiert, ich habe mitgerätselt und interessiert die Charakterentwicklung der Ermittler und der Jugendclique mitverfolgt. Diese Reihe hat durch das originelle Ermittlerduo wirklich Kultstatus. 


    Ein sehr packender Thriller mit einem originellen und dadurch abwechslungsreichen Ermittlerduo und einem sensiblen Thema, das für Grundspannung sorgt.

     

                                                                

    Donnerstag, 25. November 2021

    Thirteen - Steve Cavanagh

    Sehr spannend durch den Mix aus Gerichtsverhandlung und Serienkilleraktivität

    Der Thriller "Thirteen" von Steve Cavanagh erscheint im Goldmann Verlag.

    In Amerika sorgt ein spektakulärer Mordfall für Aufregung. Hollywoodschauspieler Robert »Bobby« Solomon wird des Doppelmordes angeklagt, weil er seine Frau und deren Liebhaber umgebracht haben soll. Bobby bestreitet die Tat vehement. Strafverteidiger Eddie Flynn ist sonst eher für kleine Leute zuständig, aber die Gage ist hoch und er ist von Bobbys Unschuld überzeugt und möchte ihn trotz erdrückender Beweislast verteidigen. Im Laufe der Verhandlung wird Eddie einiges klar, hier sitzt der echte Täter in der Jury. 



    Der Thriller startet mit einem fesselnden Prolog, in dem ein brutales Verbrechen begangen wird. Wir lernen den Serienkiller Joshua Kane kennen, einen skrupellosen und böswilligen Mann, der vor Mord nicht zurückschreckt und seine bösen Taten mit größter Voraussicht plant. Ein intelligenter, aber durch und durch schlechter Mensch, der es schafft, zu den Geschworenen in Bobbys Prozeß zu gehören. 

    Die zweite Hauptfigur ist der ehemalige Trickbetrüger Eddie Flynn, der als aufgebuffter Strafverteidiger in New York arbeitet und sich für seine Mandanten unheimlich ins Zeug legt. Normalerweise sind das einfache Leute, aber für eine gute Gage und weil er an Robert Solomons Unschuld glaubt, übernimmt er den Fall.  

    In diesem Thriller wird man durch den spannenden Wechsel an Befragungen in der Verhandlung fesselnd unterhalten. Die Mitglieder der Geschworenen-Jury werden vorgestellt und wir begleiten Eddie und Joshua Kane bei ihren Erlebnissen und auch mit ihren Gedanken. So ist man betroffen von  Kanes Kindheit, die alles andere als einfach war, sicherlich mit ein Grund für seine böswillige Art. Doch sein Morden geht weiter, er hat kein Mitleid mit den Opfern und sein Handeln ist so brutal, dass man ihm einfach nicht verzeihen kann.

    Steve Cavanagh bringt mit der Tatsache, dass sich hier ein Killer in eine Jury einschleust, einen bedrohlichen Akt zustande, bei dem man nur möchte, dass er aufgedeckt wird. Weil man den Täter kennt, ist man gespannt, wie Joshua agiert, um die anderen Geschworenen auf seine Seite zu bekommen. Er möchte Bobby schuldig hinter Gittern sehen. Doch Eddie ist Joshua auf den Fersen und so entsteht ein raffiniertes Kräftespiel zwischen den beiden Hauptfiguren. 

    Mir hat die rasante Handlung und die fesselnde Erzählweise gut gefallen. Dieses Buch lebt von seinem Wechsel der Verhandlungsvorgänge und den blutrünstigen Gedanken und Taten Joshuas.

    Beide Hauptakteure sind an Intelligenz und Durchhaltevermögen auf eine Art und Weise gleich, doch hier kämpft auch das Gute gegen das Böse. Kann Eddie Joshuas Identität entlarven? 

    Dank immer neuen Ermittlungspunkten und Ereignissen bleibt die Handlung auf einem durchgängig hohen Spannungslevel, der tiefe Einblicke in einen Geschworenenprozeß zulässt und zeigt, wie Menschen ihr Urteil über einen Angeklagten abgeben sollen. Die kurzen Kapitel sorgen für einen guten Lesefluß und steigern die Spannung bis zum spektakulären und blutigen Showdown. 

     "Thirteen" ist ein fesselnder und interessant aufgebauter Justizthriller, der den Kampf Gut gegen Böse zum Inhalt hat. 
     

     ***Herzlichen Dank an bücher.de für dieses Rezensionsexemplar als Buchflüsterer!***  

     


    Donnerstag, 7. Oktober 2021

    Du darfst nicht sterben - Andrea Nagele

    Ein faszinierender und packender Psychothriller 

    Wenn aus Liebe Hass wird

    Andrea Nageles Thriller "Du darfst nicht sterben" erscheint im Emons Verlag.  

    Die eineiigen Zwillinge Lili und Anne haben unterschiedliche Charakterzüge und sind eng miteinander verbunden, das ändert sich, als als Paul in ihr Leben tritt und sie sich beide in ihn verlieben. Er entscheidet sich für Lili, doch nebenbei hat er eine Affäre mit Anne. Lili sieht in Paul nur den liebevollen Partner, während er Anne gegenüber seine dunkle Seite offenbahrt. Es entwickelt sich ein Alptraum aus Lügen und Mord, dem die Schwestern nur gemeinsam entrinnen können. 


     

    Von diesem Thriller haben mir schon einige andere begeisterte Blogger vorgeschwärmt. Nun habe ich selbst die Machenschaften des tiefgründig und packend dargestellte Szenario des Psychopathen Paul gefesselt verfolgen dürfen.

    Die Autorin zeigt eine äußerst verwirrende Dreiecksbeziehung, die durch häufige Wendungen und Perspektivwechsel für rasante Spannung sorgt. Im Wechsel erzählt mal die naivere Lili, dann die selbstbewusste Anne und auch Paul kommt zu Wort. Lili schwärmt in begeisterten Worten von ihrer Beziehung von Paul, sie scheint völlig von ihm hörig zu sein, während Anne ihn schnell durchschaut, weil er bei ihr seine dunkle Seite zeigt. So langsam macht man sich ein Bild von Paul, die Bedrohung durch seine unberechenbare, psychopathische Art tritt immer mehr zu Tage und das steigert den fesselnden Nervenkitzel immer mehr. Außerdem erfahren wir von seiner Psychotherapeutin immer mehr über sein Krankheitsbild. 

    Andrea Nagele versteht es perfekt, die unterschiedlichen Emotionen durch Bilder auszudrücken. Ihr detailreich beschreibender Erzählstil lässt sich flüssig lesen und dank der tiefen Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Schwestern, wirkt die Geschichte auch sehr lebendig. Die enge Bindung der Schwestern bekommt Risse wegen ihrer unterschiedlichen Sichtweise Pauls, beide entwickeln Hass- und Eifersuchtsgefühle gegen die andere und auch die Angst bricht sich Bahn. Es kommt zu einer rasanten Verfolgungssituation, die die Spannungskurve bis zum äußersten antreibt. 

    Für mich ein sehr starker Thriller, bei dem besonders der bunte Mix aus Geschwisterliebe, Angst,  Kindheitstraumata und die Beziehung zu Paul zu einem fesselnden Lesevergnügen gesorgt hat.

     


    Nagele, Andrea - Grado in Flammen

    Samstag, 18. September 2021

    Wenn die Stille schreit - Roman Klementovic

    In der Kürze liegt die Würze!

    Absolut spannend und voller beklemmender Situationen und Gänsehautmomente

    Im Gmeiner Verlag erscheint der Kurz-Thriller "Wenn die Stille schreit" von Roman Klementovic.

    Obwohl ein Schneesturm wütet, fährt Tim mitten in der Nacht von seiner Arbeit nach Hause zu seiner Frau Nathalie. Gerade haben sie noch miteinander telefoniert, sie will wach bleiben, bis er sicher zurück gekehrt ist. Doch dann findet Tim das Haus verlassen vor, der Strom ist ausgefallen und er tappt im Dunkeln durch das Haus, um Natalie zu suchen. In ihm keimt ein ungeheuerlicher Verdacht auf, denn erst vor ein paar Tagen sind zwei Gewaltverbrecher aus einer Anstalt geflohen. Diese Nachricht hat Tim und Natalie sehr beunruhigt. Und nun ist seine Frau verschwunden. Wo kann sie nur sein?

     


    Als ich das schmale Büchlein sah, hätte ich mir nicht vorstellen können, so eine packende Gänsehaut-Story geboten zu bekommen. Doch in der Kürze liegt die Würze!

    Wir erleben Tim während seiner schwierigen Fahrt über schneeverwehte Straßen, er braucht Stunden in der Dunkelheit und der Sturm wütet noch weiter. Als er seine Frau nicht im Haus antrifft, überkommt ihn panische Angst, ihr könnte etwas zugestoßen sein, was mit den entlaufenen Mördern zusammen hängen könnte. Es treten noch zwei weiteren Figuren in die Handlung ein, die die Spannung noch verstärken. Sind das die vermeintlichen Mörder oder friedliche Leute?

    Ich konnte bei diesem Thriller wirklich Gänsehaut entwickeln. Roman Klementovic hat ein Händchen für gruselige Szenen und schickt seine Leserschaft gezielt auf Fährten, die dann wieder in eine andere Richtung wechseln. Die ganze Zeit bangt man gemeinsam mit Tim um einen guten Ausgang der Geschichte und erlebt am Ende eine besondere Wendung. 

    Dieser packend geschriebene Kurz-Thriller hält einige Überraschungen und gruselige Momente bereit. 4,5 Sterne runde ich gerne auf.

     

    ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***