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Samstag, 26. Mai 2018

Provenzalische Verwicklungen - Sophie Bonnet

Lesenswerter Krimiauftakt mit sympathischem Kommissar, kulinarischen Verlockungen und viel Südfrankreich-Flair!


Die deutsche Autorin Sophie Bonnet hat bereits mehrere Spannungsromane veröffentlich, in dieser Krimireihe bindet sie ihre Leidenschaft für die Provence und deren Küche mit ein. "Provenzalische Verwicklungen" ist der Auftakt einer Reihe um Kommissar Pierre Durand aus dem Blanvalet Verlag aus dem Jahr 2014.

Sainte-Valérie ist ein idyllisches Dorf in der Provence inmitten von Weinbergen und Olivenhainen. Für den ehemaligen Pariser Kommissar Pierre Durand könnte seine Wahlheimat so schön sein, doch mehrere Dinge sorgen für Ärger. Er wurde gerade von seiner Freundin verlassen und im Dorf wurde der Lokalcasanova ermordet in einem Weinkeller aufgefunden neben einem Rezept für ein Coq au vin. War es ein makabrer Racheakt eines gehörnten Ehemanns?



Diese Krimireihe bringt südfranzösisches Flair mit sich, denn die Autorin vermag es wunderbar, die Schönheit der Landschaft, die speziellen Menschen und Häuser und die Ess- und Trinkkultur der Provence vor ihren Lesern entstehen zu lassen.

Dabei versieht Sophie Bonnet die beschriebenen Morde stets mit einem besonderen Bezug zu typischen Gerichten und man wird als Leser Zeuge der letzten Gedanken der Opfer. Der Frauenheld ertrinkt im Weinfass und stellt Überlegungen zur Qualität des Weines an. Schon etwas makaber, aber auch mit etwas schwarzem Humor unterlegt. Und so gelingt ihr der Versuch, einen Krimi zu schreiben, bei dem man nicht in Angst und Schrecken gerät, sondern eine entspannende Urlaubslektüre erhält, bei dem man dem Täter auf die Schliche kommen möchte und dennoch die Hintergrundschauplätze gut genießen kann. 

Pierre Durand ist ein sympathischer Mensch, ein Polizist aus Paris, den Probleme während seiner beruflichen Vergangenheit genau hierhin, in diesen kleinen Ort in der Provence getrieben haben. Die besonderen Hintergründe erfährt man in der Geschichte. Pierre erfüllt das Klischee des typischen Franzosen, er isst und trinkt gern, spielt Pétanque und liebt die Frauen. Nachdem seine Freundin Celestine auf und davon ist, wendet er sich der nächsten Dame zu. In diesem Fall die begnadete Köchin Charlotte. Dank ihr liest man stets von ihren leckeren Gerichten, zu denen es auf der Verlagshomepage auch Rezepte gibt. 

Die übrigen Charaktere decken alle Facetten ab und so ergibt sich ein abwechslungsreiches Personenbild. 

Die Krimihandlung ist interessant aufgezogen, die Ermittlungen führen durch die Küche, über den Bouleplatz oder in die privaten Häuser der Beteiligten. Dadurch ergibt sich kein steifes Befragen, sondern man gewinnt Eindrücke über die Gegend, die Menschen und letztendlich die möglichen Tathintergründe. 

Der Schreibstil ist sehr eingängig, die Handlung durch die Pétanque-Beobachtungen und der speziellen Einblicke in die französische Küche sehr verlockend. Manche französische Begriffe werden im Buch verwendet und es gibt dazu Erklärungen im Glossar. 

Die Auflösung ist stimmig und das Ende macht neugierig auf die Folgebände und das Privatleben des Ermittlers.


Ein Urlaubskrimi aus der Provence mit kulinarischen Schmankerln, wunderschön gezeichneten Landschaftsbildern und netten authentischen Personen. Eine gelungene Unterhaltung mit Spannungselementen für die Urlaubszeit. 

 


[Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG

 

Donnerstag, 2. März 2017

Gefährliche Ernte - Yann Sola

Gut erzählter Sommerurlaubs-Krimi aus Südfrankreich mit aktueller Thematik und einem ermittelnden Schlitzohr!

 

"Gefährliche Ernte" ist bereits der zweite Krimi von Autor Yann Sola um den Lebemann Perez nach "Tödlicher Tramontane". Die Krimireihe erscheint im Kiepenheuer & Witsch Verlag. [Werbung]

Es ist Sommer an der Côte Vermeille und die Urlauber strömen in Scharen herbei. Syracuse Perez, ein 60-jähriger Delikatessenhändler mit Hang zum Kleinkriminellen stört das gewaltig. Er liebt das beschauliche Leben im Küstenort Banyuls-sur-Mer. Als dann noch ein Toter in den Weinbergen seines Vaters gefunden wird, fürchtet Perez um seine Geschäfte und beginnt zu ermitteln.  





Dieser Krimi hat mich mit seiner anschaulichen Erzählweise und den wunderschönen Schilderungen der Gegend sofort für sich eingenommen. Gern bin ich mit dem knurrigen Perez gefolgt und fühlte mich ausgezeichnet unterhalten.

Perez ist übergewichtig, liebt Wein und gutes Essen und ist eigentlich ein netter Kerl, auch wenn er seine nicht ganz legalen Geschäfte mit seinem angeblich exclusiven Weißwein Creus über sein Spitzenrestaurant laufen lässt, nimmt man ihm diese ungebührliche Geschäftsidee nicht übel. Doch als seine Tochter heiraten möchte, kann er sich nicht mit dem Schwiegersohn abfinden. Zu dünn, zu unbedeutend und einfach keine gute Partie befindet Perez.
Doch bald hat er ganz andere Sorgen, als Erntehelfer Kahil aus Marokko im Weinberg seines Vaters ermordet aufgefunden wird, führt der Tote die Polizei bedrohlich nahe an seine dubiosen Weingeschäfte mit dem Creus. Er beginnt zu ermitteln und kommt einem Sumpf von Drogengeschäften, Illegalen und Schleusern auf die Spur.

Der Krimi hat ein geruhsames Tempo, viele Nebenhandlungen mit Einkehr in Restaurants und wunderschöne landschaftliche Beschreibungen der Orte, Weinberge und der Strände der Côte Vermeille zeichnen ein anschauliches Bild der Gegend und des französischen Savoir-vivre, die dem Buch eine schöne Urlaubsstimmung verpassen. Dabei tritt jedoch der Krimifall ein wenig in den Hintergrund. 
Ein weiterer Mordfall wirft weitere Fragen auf. Immer rätselhafter wird die Verbindung der Morde und komischerweise sucht auch Kommissar Boucher die Mithilfe von Perez.
 
Die eingebundene "Flüchtlingsthematik" zeigt wie mit Schleusertum Unmengen von Geld verdient werden kann, es verleiht der Handlung einen aktuellen Bezug. Die korrupten Wahrheiten, die hier ans Licht kommen, machen deutlich, wie überall in Europa mit der Notlage von Flüchtlingen Geld verdient werden kann.

Auch wenn mir eine durchgängige Spannung gefehlt hat, stimmt mich der rasante Showdown und die überraschende Wendung am Ende zufrieden.
Gern möchte ich Perez, der mir mit seiner grantigen Art gefallen hat, wiederlesen und gemeinsam mit ihm neue Fälle in dieser schönen Urlaubstimmung und einem Glas Weißwein geniessen. Es muss ja nicht unbedingt ein Creus sein.
 


 
Dieser Krimi ist eine wunderbare Urlaubslektüre mit unterhaltsamen Charakteren und schönem Lokalkolorit. Für Südfrankreich-Fans sehr zu empfehlen.