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Donnerstag, 5. Dezember 2024

Winterreise - Alexandra Schlüter

Lass dich verzaubern vom Winter in Deutschland!

 
Im Prestel Verlag erscheint Alexandra Schlüters wunderschön bebildertes Buch Winterreise.
 
Wenn es in Deutschland Winter wird, verändert sich die Landschaft in ganz besonderer Weise. In manchen Gegenden bedeckt frisch gefallener Schnee Wälder, Berge und Felder mit einem weißen Kleid, der Frost vereist Seen und Flussläufe und dicke Eiszapfen zieren Hausdächer und Scheunen. Da freut man sich auf Schlittenfahrten und nach einem Spaziergang durch den knirschenden Schnee auf einen wärmenden Tee und süße Bratäpfel. 
 
 

Alexandra Schlüter zeigt uns mit ihren beeindruckenden Fotos Deutschlands einzigartige Landschaften, die zum Träumen schön sind. Gleichzeitig stellt sie uns wissenswerte Informationen zu Tradition, Kultur und Fakten der einzelnen Gegenden vor. Aus ihren Texten wird ersichtlich, wie die Menschen am Meer, in den Bergen oder in den Bergbaugebieten gelebt und gearbeitet haben und wie  diese Natur heute aussieht.







Beim Anblick der beeindruckenden Fotos hat mich besonders die optische Veränderung der Landschaften fasziniert. Mal ist es nur ein Hauch von Pulverschnee, der sich über die Baumwipfel legt und dann versinkt die Landschaft in einem Meer von Schnee, der von der Sonne beschienen fast märchenhaft anmutet.
Dieses Buch lässt uns in verschiedene Gegenden Deutschlands eintauchen. Es gibt Ansichten von Naturschutzgebieten an der Ostsee, wir sehen wie Winterstürme auf einer Hallig in der Nordsee die Landschaft verändern, bestaunen wie verzaubert aussehende winterliche Elbauen, erkennen Flächen mit frostigem Nebel in der Lüneburger Heide, märchenhafte Anblicke bei Eis und Schnee im Elbsandsteingebirge und Winterfreuden im Bereich der Alpen. Die Autorin zeigt wie die Menschen im Winter leben und welche Brauchtümer sie pflegen. Dazu gibt es Bilder der Holzschnitzerei, andere mit hängenden Misteln, heißen Maronen und Getränken, wir sehen Adventsmärkte und Aufnahmen aus einem Kirchenkonzert oder mit Herrnhuter Sternen geschmückte Gassen. Die zahlreichen Tieraufnahmen zeigen uns Auerhähne, Rotkehlchen, Fasane und andere Tiere bei ihrem Überlebenskampf in den winterlichen Gefilden. 

Verschiedene Rezepte (Winterlicher Feldsalat, Bratäpfel, Grünkohlquiche) und passende Wintergedichte (Rilke, Sarah Kirsch, Hoffmann von Fallersleben) vervollständigen den winterlichen Reigen dieses Buches und machen diese Zeit mit allen Sinnen erlebbar. 

Die Winter sind nicht mehr so eisig und streng wie noch vor 50 Jahren, wie wir an der Gletscherschmelze erkennen können. Auch auf den Klimawandel macht die Autorin aufmerksam. 

Dieses Buch will uns hinaus in die winterlichen Landschaften locken, zum Reisen in schöne Gegenden Deutschlands verführen, um die Bräuche der Menschen und die wunderbare Natur aus nächster Nähe zu erleben. 


Wunderschön bebilderte und mit interessanten Texten versehene Natur- und Kulturgeschichte einer Winterreise durch Deutschland. Das Buch ist ein Augenschmaus für jeden Foto- und Naturfreund und eignet sich gut als Geschenk für alle, die sich für Fotografie, historische und geografische Fakten interessieren.
 
 
***Herzlichen Dank an den Prestel Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***
 

Donnerstag, 27. April 2023

Die Reporterin - Zwischen den Zeilen - Teresa Simon

Ein großartig erzählter Roman, der die 60er Jahre lebendig widerspiegelt

Lebe deinen Traum in den 60er Jahren
 
"Zwischen den Zeilen" ist der erste Teil der Dilogie "Die Reporterin" von Teresa Simon, die im Heyne Verlag erscheint.
 
1962: Marie Graf studiert Pharmazie in München, ihre Eltern erwarten von ihr, dass sie mal die familienbetriebene Apotheke übernehmen wird. Doch Maries Lebenstraum sieht ganz anders aus, sie möchte Gesellschaftsreporterin werden. Heimlich bewirbt sie sich bei verschiedenen Verlagen und erhält schließlich eine Stelle als Volontärin bei einer Zeitung. Das verheimlicht sie ihren Eltern. Sie muss sich im Job erst einmal im Umgang mit Interviewpartnern wie Pierre Brice und Hildegard Knef beweisen und hat trotz der Unterstützung ihrer Mentoren auch mit Missgunst und Ablehnung von Kollegen zu kämpfen. 
Teresa Simon kann einfach wunderbar erzählen, in diesem Roman wird man durch den eingängigen, bildhaften und sehr lebendigen Erzählstil nicht nur großartig unterhalten, man erlebt gleichzeitig eine authentische Zeitreise in die 60er Jahre, die sich von Anfang bis Ende spannend liest. 
 

 

Im Roman spielen mehrere Figuren eine Rolle, da wäre neben der sympathischen Marie/Malou noch ihr Großonkel Julius, ihre Freundin Roxy und Freddy, die alle zu ihr halten und sie in ihrem Berufswunsch von Kräften unterstützen. Baron Bárthoy ist ihr erfahrener Mentor in Sachen Gesellschaftskolumne und bringt ihr alles bei, was sie dazu wissen muss. Denn als Malou Graf hat sie Interviews mit den Showgrößen ihrer Zeit zu führen, wo sie durch ihre charmante und natürliche Art sehr gut ankommt und ihnen so einige Details entlocken kann, woran ihre Kollegen teilweise scheitern.
 
Die Charakterausarbeitung ist der Autorin ganz wunderbar gelungen, die damaligen Sichtweise auf gesellschaftliche Ansichten, die Rolle der Frau, das Thema Homosexualität, sowie Lebensgefühl, Arbeitsmarkt und Alltagsleben werden sehr authentisch mit Leben gefüllt und gezeigt. Wir erleben den Besuch von Charles de Gaulle und der Queen, erfreuen uns an den Liedern der Beatles und an früheren Prominenten und werden automatisch in diese Zeit zurückversetzt.  

Die fesselnde Geschichte kommt mit Licht und Schatten daher, Malous Berufsleben wird eine Erfolgsgeschichte, doch ihr Privatleben verläuft nicht ganz so glücklich. Es gibt aber Hoffnung auf eine neue Liebe und am Ende wird ein Familiengeheimnis gelüftet, das im nächsten Band sicher aufgegriffen wird. 

Im August erscheint der zweite Band, den ich schon jetzt sehnsüchtig herbeisehne. "Die Reporterin - zwischen den Zeilen" ist ein großartig erzählter Roman, den ich unbedingt weiter empfehlen kann.

***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***

 Simon, Teresa - Glückskinder 

Sonntag, 6. März 2022

Gezeitenmord - Dennis Jürgensen

Ein guter Auftakt mit reichlich Luft nach oben

Im Kiwi Verlag erscheint der Krimi "Gezeitenmord" von Dennis Jürgensen.

Der Lehrer Lasse und sein Schüler Villads sind bei einer Wattwanderung in eine Nebelbank geraten und irren herum, dabei finden sie einen Toten. Lykke Teit übernimmt erstmalig die Ermittlungen in diesem Mordfall im Deutsch-Dänischen Grenzgebiet. Sie kannte den Toten, um aber den Fall nicht entzogen zu bekommen, verschweigt sie das. Von deutscher Seite bekommt sie Unterstützung von Rudi Lehmann von der Flensburger Mordkommission und sie konzentrieren ihre Ermittlungen auf die Bewohner des kleinen Dorfes Melum. Es gilt aber nicht nur den Mord aufzuklären, denn Lasse wurde niedergeschlagen und Villads ist seitdem wie vom Erdboden verschwunden. Und es gab schon einmal ein vermisstes Kind im Dorf Melum.

Bei diesem Krimi habe ich mich auf ein neues Ermittlerteam gefreut und wurde nicht enttäuscht. Lykke und Rudi waren mir schnell sympathisch, auch wenn sie grundverschieden sind, kommen sie gut miteinander aus und ergänzen sich perfekt. Beide tragen dunkle Erlebnisse aus der Vergangenheit mit sich, die jedoch nur informationshalber in die Handlung einfließen. Bei der Zusammenarbeit mit der recht unfähigen Provinzpolizei wird es durch ihre übergeordnete Befugnis schwierig, denn die ortsansässigen Beamten fühlen sich der Aufgabe durchaus gewachsen. Die Einbindung solcher Klischees sorgt immer für einen besonderen Unterhaltungskick, den ich in Krimis gerne miterlebe. 

Das erste Kapitel (Ist das dann ein Prolog?) wirkte auf mich sehr nebulös, etwas unheimlich und im Ganzen ziemlich fragwürdig. Mit den beschriebenen Vorgängen konnte ich erst viel später etwas anfangen. 

Dennis Jürgensen hat einen sehr flüssigen Schreibstil und führt mit recht bildhaften Beschreibungen angenehm durch die Handlung. Man erhält die nötigen Informationen über den Fall und die Personen und wird nicht mit unnötigen Nebensächlichkeiten zugetextet. 

Der Tote steht in Verbindung mit verschwundenen Kindern und durch die Nachforschungen durchdenken Lykke und Rudi ständig den Wendungen angepasste neue Theorien, die man gespannt verfolgt. Doch gerade mit diesen häufig durchdachten und dann wieder verworfenen Theorien habe ich mich schwer getan. Das wirkt auf Dauer nicht mehr spannend, weil man kaum noch eigene Ideen zu den Tatvorgängen entwickeln kann und dann das Interesse irgendwann nachlässt. 

Ein guter Auftakt einer Krimireihe mit sympathischen Ermittlern und einem interessanten Fall im Deutsch-Dänischen Grenzgebiet. Auf die nächsten Fälle bin ich schon gespannt.

 

***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***

 


 

Dienstag, 16. März 2021

Lebenssekunden - Katharina Fuchs

Ein wunderbarer Roman, mein absolutes Buchhighlight in 2021

"Lebenssekunden" ist der dritte Roman von Katharina Fuchs aus dem Hause Droemer Knaur.

Kassel, 1956: Mit gerade mal 15 Jahren fliegt Angelika Stein vom Gymnasium, sie entstammt einer Künstlerfamilie, die Fotografie liegt ihr im Blut, doch niemand will ein Mädchen und noch dazu ohne Schulabschluss einstellen. Angelika auch möchte keinen typischen Frauenberuf erlernen, sie will Fotografin werden. Schließlich bietet sich ihr die Chance bei einem aus der DDR geflohenen Fotografen zu lernen und sie entwickelt sich zu ersten deutschen Foto-Journalistin.



Gleichzeitig bereitet sich die Turnerin Christine Magold im DDR- Kader auf die Olympischen Spiele vor. Als Ausnahmetalent trainiert sie neben der Schule die gesamte Woche, auch unter Schmerzen und geht damit körperlich an ihre Grenzen. Den harten Drill der Leistungsturner lässt sie über sich ergehen, denn sportliche Erfolge sind das Aushängeschild der DDR und so gewähren sie ihren Sportlern auch Vergünstigungen, von denen auch die Familienmitlieder profitieren. Doch Christine wird vom Regime besonders streng beäugt, schliesslich ist sie die Tochter eines Republikflüchtlings. 

Beim Berliner Mauerbau 1961 kommt es zu einer entscheidenden Begegnung zwischen Angelika und Christine.

"Es ist der Moment, ... wenn man merkt, man hat einen besonderen Augenblick für immer festgehalten und ihm Dauer gegeben." Zitat Seite 181 

Im Mittelpunkt von Katharina Fuchs berührendem Roman stehen die unterschiedlichen Lebenswege zweier deutscher Frauen aus Ost und West: Christine, die Leistungsturnerin und Angelika, die angehende Foto-Journalistin. Der Autorin gelingt es spielerisch leicht, zwischen der Entwicklung der Figuren hin und her zu springen und beide mit ihren Erlebnissen hautnah vorzustellen. Was am Anfang nach losen Handlungssträngen aussieht, verbindet sich im Laufe der Geschichte und beide Leben verknüpfen sich zu einer mitreißenden Geschichte. Als Leserin ist man hautnah dabei, bangt, hofft und freut sich mit den Protagonistinnen und taucht dabei in die deutsch-deutsche Geschichte ein. 

Der flüssige und packende Erzählstil der Autorin trägt den Leser spielerisch leicht durch all die Höhen und Tiefen im Leben ihrer Protagonistinnen. 

Die westdeutsche Angelika ist eine kämpferische junge Frau, sie hat das künstlerisches Talent ihres Vaters geerbt, doch ihr Berufswunsch als Fotografin scheint unerreichbar. In dieser Branche sind Frauen in den 50er Jahren nicht gern gesehen. Und doch erreicht sie mit viel Ausdauer und Mut ihr Ziel. Die Drangsale als Frau in einer Männerdomäne begleiten sie auch später als Journalistin, doch sie hat gelernt damit umzugehen und ihre Entschlossenheit und ihre berufliche Erfolge öffnen ihr so manche Tür. 

Das Turntalent Christine übt diszipliniert und wird von ihrer regimetreuen Mutter zur Ausbildung beim DDR Kader angemeldet. Wer dieser ideologischen Aufgabe folgt, muss täglich körperliche Höchstleistungen erbringen, bei der Disziplin gefordert wird und täglicher Drill und Schmerzen ohne Widerworte hinzunehmen sind. Sehr eindringlich beschreibt die Autorin wie Hungern, Medikamentenvergabe und sogar Gewalt durch die Trainer dieser jungen Sportlerin Tag für Tag das Leben vergällen und man leidet sehr mit ihr. Denn sie stellt sich irgendwann die Frage, ob sie dieses Leben wirklich will. Doch der Druck vom Regime auf ihre Familie wäre das Letzte was sie will. 

Die Gegenüberstellung dieser zwei Lebenswege zeigt den historischen Rahmen und damit die Möglichkeiten in beiden politischen Systemen offen auf. Es wird klar, wie unterschiedlich sich beide entwickeln können und als der Mauerbau ansteht, gerät die Handlung in einen dramatischen Strudel unterschiedlicher Ereignisse, die fesselnder nicht sein können.

Zu den Charakteren muss ich noch anmerken, alle Personen überzeugen mit ihren speziellen Ecken und Kanten. Sie wirken lebensnah und selbst das Aussehen passt perfekt zu ihrer jeweiligen Rolle. Man glaubt beim Lesen einen Film ablaufen zu sehen und erlebt mit Spannung die verschiedenen Ereignisse und dramatischen Vorgänge mit. Einige Cliffhanger sorgen zusätzlich noch für Lesesog. 

 

Sehr berührend und mit viel Herzblut erzählt Katharina Fuchs vom Leben zweier deutscher Frauen aus Ost und West, welches von den Widrigkeiten der Gesellschaft und den politischen Systemen beeinflusst wird. Liest sich fesselnd wie ein Pageturner.

Es ist mein Buchhighlight des Jahres und außerdem der beste Roman von Katharina Fuchs. Sie hat sich mit "Lebenssekunden" selbst noch einmal übertroffen.  

***Herzlichen Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***




Samstag, 25. Juli 2020

Hiergeblieben! - Jens van Rooij

Deutschlands traumhaft schöne Reiseziele verlocken zum Hierbleiben

Das HOLIDAY Reisebuch "Hiergeblieben! – 55 fantastische Reiseziele in Deutschland" von Jens van Rooij erscheint bei Merian / Holiday, Imprint von Gräfe und Unzer Verlag. 

Wenn man sich manche Orte in Deutschland näher ansieht, entdeckt man gewisse Ähnlichkeiten mit Zielen in anderen Ländern. Da wirkt der bayerische Eibsee mit seinem türkisblauen Wasser fast wie ein See in der kanadischen Wildnis. Oder die alte Rheinbrücke ähnelt der Ansicht der berühmten Karlsbrücke in Prag. Und beim Anblick der Walhalla staunen sogar die Griechen, so ähnlich sieht sie der Akropolis. Reisen im eigenen Land kann viele schöne Eindrücke vermitteln und dieses Buch zeigt faszinierende und ausgefallene Sehenswürdigkeiten in Deutschland, die einen Besuch lohnen.



Es ist schon erstaunlich, wie sehr manche Ziele in Deutschland bestimmten Orten, Landschaften und Sehenswürdigkeiten in fernen Ländern ähneln.
Dieses Buch stellt 55 solcher Beispiele vor, aufgeteilt in Norden und Süden und setzt das "ausländische" Gegenstück gleich mit einem Beweisfoto und den Entfernungskilometern dazu.
Außerdem werden Übernachtungsmöglichkeiten und Restaurants in der Umgebung genannt und es gibt Tipps für besonders sehenswerte Ziele, Wanderungen oder Museumsvorschläge. 



Dieses Buch ist ein wunderbares Beispiel dafür, dass Deutschland wunderschöne Orte, Landschaften und Sehenswürdigkeiten aufweisen kann. Man denke nur an die zauberhafte Heideblüte in der Lüneburger Heide, die farblich mit der Provence konkurrieren kann. Oder an das Elbsandsteingebirge, das Ähnlichkeit aufweist zu dem fast 8000 km entfernten Zhangjiajie National Forest Part in Hunan, China.
Die Flamingos aus der Camargue finden sich auch in deutschen Landen wohl, sie brüten im Westmünsterland im Zwillbrocker Venn in einer riesigen Kolonie.


Viele wunderschöne Fotos bringen uns die Ziele näher und es ist nicht nur Reisefreude dabei, sondern auch Lesefreuee, denn es gibt viele interessante Tipps und Erklärungen zur näheren Umgebung und zu speziellen Orten und Besichtigungsmöglichkeiten von Architektur, Natur oder Kultur. 
Bei dieser Vielzahl an Reisevorschlägen ist die Qual der Wahl groß und es ist für jeden etwas dabei, ob als Paar, Familie oder Alleinreisende. Diese wundervollen Reiseziele sind es wert, besucht zu werden und werden auch von Touristen aus anderen Ländern gerne angesteuert. 

Warum nicht mal selbst die deutschen Lande entdecken und sich vor der Haustür ein lohnendes Reiseziel suchen? Das ist auch aus ökologischer Hinsicht sinnvoll, denn man spart viele Reise- oder Flugkilometer zum entfernten "Zwilling". 

Ein übersichtliches und ausführliches Register schliesst das Buch perfekt ab. 

"Hiergeblieben!" zeigt mit faszinierenden Fotos wunderbare Vergleiche von deutschen Urlaubsorten mit ähnlich anmutenden internationalen Zielen und gibt damit Anregungen für die nächste Reise. Eine Traumreise auch für die Daheimgebliebenen zum Anschauen, Lesen und Freuen.  




Montag, 4. November 2019

Durch Deutschland wandern - Andreas Kieling

Ein überzeugender Einblick in Deutschlands schöne Natur und vielseitige Tierwelt


In seinem bebilderten Sachbuch "Durch Deutschland wandern" zeigt uns Andreas Kieling die Flora und Fauna unserer Heimat. Das Buch erscheint im National Geographic Deutschland.

Bei seiner Wanderung durch seine deutsche Heimat erlebt der bekannte Dokumentarfilmer Andreas Kieling mit seiner Hündin Cleo abenteuerliche Begegnungen mit Tieren in Hülle und Fülle.
Auf Helgoland beobachten sie Kegelrobben, brütende Schwarzstörche in der Eifel, sie erleben die Hirschbrunft in Brandenburg und sehen die seltenden Steinböcke in den Alpen.
Wildtiere kann man in allen deutschen Landschaften entdecken, Andreas Kieling gelingt das natürlich besonders nah und intensiv.



Seine Touren führen Kiehling quer durch Deutschlands Wildnis, er sieht Wisente im Rothaargebirge, Rotwild und sogar Elche, entdeckt Sumpfohreulen auf Helgoland und hört den Balzgesang der Birkhühner. Ihm bleibt scheinbar nichts verborgen, doch natürlich ist auch ein langes Ansitzen oder Schleichen durch Unterholz nötig, ein Aushalten der widrigen Witterungsbedingungen. Kiehlings Wanderungensind keine Spaziergänge, gemeinsam mit seiner Hannoverschen Schweißhündin Cleo setzt er sich immer wieder Strapazen aus, die man einfach bewundern muss. So war bei seiner siebenwöchigen Tour entlang der 1400km langen Strecke des Grünen Bandes ein täglicher Marsch von 30 - 40 km erforderlich. Das darf man nicht verkennen und es zeigt, dass Andreas Kieling schon ein ganz besonders hartgesottener Typ ist, der für seine Naturbeobachtungen auch seine Gesundheit aufs Spiel setzt und dem das Wandern im Blut liegt. 

Auch im Wattenmeer und auf Helgoland ist er unterwegs und erkärt wissenswertes über Deutschlands größe Beutegreifer, die Kegelrobben. Die jungen Robben werden nach der Säugezeit im Alter von etwas mehr als zwei Wochen von der Mutter entwöhnt und sich allein überlassen. Eine enorme Leistung für junge Tiere ohne Jagderfahrung. 
Die Treffen mit vielen Naturschutzbeauftragten bringen Insiderwissen und so ist es Kieling immer wieder möglich, besondere Tierbeobachtungen zu machen. 

Extra erwähnen muss ich die hervorragenden und gradiosen Fotos, die aus nächster Nähe besondere Tierbegegnungen abbilden und den Leser aufs Beste erfreuen. 

Andreas Kieling hat mich mit seinen lockeren Erzählungen, seinen interessanten Ausführungen zu Tier- und Naturwissen und den schönen Bildern von seinen Wanderungen durch Deutschlands Wildnis einfach begeistert. Mir geht beim Ansehen dieser einzigartigen Landschaften und wunderschönen Tierbilder einfach das Herz auf und ich möchte am liebsten sofort selbst die deutschen Gegenden durchstreifen. Den anschaulich gehaltenen Texten merkt man an, wie sehr Andreas Kieling die Natur und die hiesigen Tiere Deutschlands am Herzen liegen und er kann mit seinen Beschreibungen den Leser regelrecht begeistern und animieren, selbst die Natur zu erkunden.
 
Am Ende des Bildbandes präsentiert Andreas Kieling seine magischen Orte: etwa seinen Lieblingsplatz in der Eifel oder das winterliche Elbsandsteingebirge. Ein kleiner Wildnis-Knigge erläutert wichtige Tipps für eigene Wanderungen und Waldaufenthalte. 

Deutschland bietet vielseitige Landschaften und eine große Artenvielfalt, die uns Andreas Kieling in diesem Buch näher bringt. Man ist irgendwie hautnah dabei, wenn er durch die Gegend streift und Naturbeobachtungen mitteilt. Für Wanderer, Natur- und Tierliebhaber eine tolle Geschenkidee. 



 

Dienstag, 19. März 2019

Töchter einer neuen Zeit - Carmen Korn

Berührend und gut unterhaltend werden hier geschichtliche Einblicke gewährt. 

 

"Töchter einer neuen Zeit" von Carmen Korn ist ein historischer Roman, der einen Blick auf Deutschland von 1919 bis 1948 wirft. Das Buch ist der Auftakt einer Trilogie und erschien am 23.6.2017 im Rowohlt Verlag. 

Vier Frauen, Zwei Weltkriege, Hundert Jahre Deutschland

Die Generation der um 1900 geborenen Frauen mussten gleich zwei Weltkriege durchleben. 
Eine von ihnen ist Henny Godhusen, voller Vorfreude macht sie 1919 eine Ausbildung zur Hebamme. Der erste Weltkrieg ist überstanden und Henny glaubt die dunklen Jahre ihres Lebens hinter sich zu haben. Sie arbeitet in Hamburg in der Frauenklinik Finkenau, hier trifft sie die unterschiedlichsten Menschen, doch drei Frauen werden ihren Lebensweg begleiten und Höhen und Tiefen miteinander teilen. Persönliche Schicksalsschläge, die Auswirkungen der Weltpolitik, der Aufstieg der Nazis und der drohende Zweite Weltkrieg erschüttern ihre Suche nach dem kleinen Glück.



Dieser Roman dreht sich um vier Frauen in Hamburg von 1919 bis 1948 und lässt den Leser teilhaben an ihrem Leben, mit ihren Hoffnungen und Verzweiflungen. 


Ida lebt in einer Stadtvilla und kennt keine Not. Hennys Kollegin Käthe ist aus einfachen Verhältnissen und unterstützt die Kommunisten. Lina ist alleinstehende Lehrerin und führt ein unkonventionelles Leben.

Die Frauen träumen von einem friedlichen Leben nach dem ersten Weltkrieg, sie sind voller Tatendrang und voller Wünsche auf die Erfüllung persönlicher Lebensziele und Träume. Doch die politische Entwicklung macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Die Nationalsozialisten erstarken, bringen die Bevölkerung erneut in einen grauenhaften und zerstörerischen Krieg. 

Carmen Korn gelingt mit ihren bildhaften Schilderungen der Nachkriegszeit in der Hansestadt Hamburg ein authentischer und eindringlicher Blick in diese Zeit. Die vier Frauenfiguren hat sie als Beispiele tausender Frauenschicksale in den Mittelpunkt der Geschichte gestellt. Sie hat sie mit geübtem Blick ganz individuell gezeichnet und so beschrieben, dass man sie alle gut voneinander unterscheiden kann. Sie wurden mir beim Lesen sehr vertraut und ich habe mit ihnen mitgefühlt und gemeinsam auf bessere Chancen gehofft.
Die Verzweiflung der Menschen wird spürbar, wenn man die Szenen in den Luftschutzkellern liest. Man erlebt die Bombardements hautnah mit, sorgt sich um die Menschen und ist höchst betroffen über die Grausamkeit menschlicher Vernichtungsmaschinerie. Der 28. Juli 1943 ging als Vernichtungsschlag Hamburgs in die Geschichte der Stadt ein.

Die Autorin hat einen einnehmenden Schreibstil, dem man gerne folgt. Sie macht Emotionen spürbar, zeigt Ängste und Verlustschmerzen und bringt gleichzeitig den Lebensalltag der Menschen klar umrissen aufs Papier. Auch wenn manche Schilderungen etwas in die Länge gezogen wirken oder auf den ersten Blick als Füllmaterial erscheinen, alle diese Vorgänge bringen insgesamt ein gesamtes Bild zustande, das man auf sich wirken lassen muss. 

Unter welchen Bedingungen haben die Frauen damals in Hamburg gelebt? Auf was haben sie alles verzichtet und wie konnten sie Stärke beweisen in dieser schwierigen Zeit?


Berührender Roman, dessen realistische Darstellung vor weiteren Kriegen als Mahnung dienen sollte. Für dieses Buch möchte ich eine Leseempfehlung aussprechen. 



Montag, 25. Februar 2019

Rheinblick - Brigitte Glaser

Dieses großartige Buch gibt einen guten Einblick in die jüngste deutsche Vergangenheit, die Aufbruchstimmung und die politische Entwicklung.

Der historische Roman "Rheinblick" der Autorin Brigitte Glaser erscheint am 22.2.2019 im List Verlag. 

1972: Als Wirtin des Lokals Rheinblick kennt Hilde Kessel das Politgeschehen aus nächster Nähe. Was hier bei einem Bier von Politikern und Angestellten aus den Ministerien diskutiert wird, ist nicht unbedingt für die Ohren der Öffentlichkeit gedacht. Die SPD mit Kanzlerkandidat Willy Brandt fährt einen überragenden Sieg ein und nun stehen in Bonn die Koalitionsverhandlungen an. Dabei wird Hilde in das politische Ränkespiel verwickelt und ihre Existenz steht auf dem Spiel.
Nachdem sich Willy Brandt nach seinem Stimmversagen einer Operation unterziehen muss, soll ihm die junge Logopädin Sonja Engel helfen. Auch Sonja gerät dadurch unter Druck, denn sie bekommt ebenfalls reichlich Insider-Wissen mit. Sie sucht nach ihrer Schwester.






Dieser Roman führt in eine Zeit, in der ich mich noch nicht für Politik interessiert habe. Daher ist die Lektüre für mich besonders aufschlußreich gewesen, auch wenn Brigitte Glaser das Ganze auf fiktiver Basis ausgeschmückt hat. Die politischen Fakten sind real eingebaut und bieten der Geschichte eine authentische Basis. 
Das Ränkespiel in der Politik und Wirtschaft verursacht Machtkämpfe, Verrat und ist im Grunde ein Nährboden für Missgunst und Bestechung. 
Was hat sich in den 70er Jahren wirklich abgespielt? Der Roman gibt einige Hintergründe frei und zeigt damit die Möglichkeiten von Intrigen und sogar Spionage auf.

Hilde Kessel ist verwitwet, ihr Rheinblick läuft nicht gerade gewinnbringend, dabei gehen neben den kleinen Leuten auch namhafte Politiker bei ihr ein und aus. Bei diesen Biertischszenen erfährt Hilde so einige Intrigen, die gegen Willy Brandt zielen. Der ist durch seine Stimmbandoperation nicht in der Lage, die Koalitionsverhandlungen zu führen und bietet damit seinen Gegnern eine Chance.

Um seine sprachlichen Heilungsprozess kümmert sich die Logopädin Sonja Engel, die neben seinem Privatleben auch das politische Machtgerangel mitbekommt.

Dieser Roman liest sich sehr flüssig, es wird mit Kölschem und Rheinischem Dialekt eine authentisch wirkende Stimmung erzeugt, die gut zum Schauplatz und zum Zeitgeschehen passt. 
Die Autorin lenkt den Blick mit ihren Protagonistinnen auf die normale Bevölkerung und zieht damit den Leser unweigerlich in die 70er Jahre und das besondere politische Geschehen hinein. 
Was in der Politik veranstaltet wird, kann man wunderbar mit dem Wort "Politzirkus" umschreiben, denn das Machtgerangel um Ministerposten geht mit Intrigen und geheimen Absprachen einher. 

Brigitte Glaser hat für ihren Roman eine gründliche Recherche betrieben und lässt vor den Augen der Leserschaft die damalige Zeit nicht nur politisch bildhaft deutlich werden. Auch die gesellschaftliche Situation zeigt sie genau, es war die Zeit, in der Frauen für Haushalt und Familie zuständig und in der Berufswelt eher nur vereinzelt anzutreffen waren.   
Wirtschaftlich gesehen gelten die 70er Jahre als Aufschwung in der deutschen Geschichte und es war auch die Zeit des studentischen Aufbegehrens. 

Geschickt verflechtet Glaser das Zeitgeschehen mit ihrer fiktiven Geschichte um zwei Frauenfiguren, aber auch um einen dubiosen Mordfall, der einige Auswirkungen nach sich zieht. 

Dabei sind die Charaktere gut erkennbar beschrieben, die Figuren wirken realistisch und man erlebt an ihrer Seite das Geschehen fast hautnah mit.
Hilde ist schon mit jungen Jahre Witwe und hat durch den Rheinblick eine Menge Schulden aufnehmen müssen. Sie sollte sehr verschwiegen mit den Informationen umgehen, sie ist es aber leider nicht so wie gewünscht. 
Willy Brandt ist weniger an seiner Gesundung interessiert als an den Verhandlungen seiner Partei. Sonja hat schwierige familiäre Hintergründe und macht sich dauernd Gedanken um ihre verschwundene Schwester.
Die Journalistin Lotti ermittelt im Mordfall und kommt an einige Hintergründe, die den Fall in einem anderen Licht sehen lassen. 

Dieser Roman stellt eine spannende Geschichte geschickt in das Zeitgeschehen der 70er Jahre, zeigt die politischen Ränkespiele aus nächster Nähe und wirft so einen klaren Blick auf die jüngste deutsche Geschichte.  


***Vielen Dank an den List Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 




Samstag, 3. März 2018

Olga - Bernhard Schlink

Beeindruckend, berührend durch die Hoffnung auf Liebe und erhellend durch die Historie


Eine starke Frau  


Nach "Der Vorleser" ist nun "Olga" der neue Roman von Bernhard Schlink. Er erscheint 2018 im Diogenes Verlag. (Werbung)

Olga Rinke lebt recht ärmlich bei ihrer Oma in Tilsit, Ostpreußen. Eine höhere Schulbildung wird ihr versagt, Mädchen werden nicht sonderlich gefördert. Also bringt sie sich vieles selber bei und kämpft bis sie Lehrerin ist. Mit den Kindern des Gutsherrn, ihrem besten Freund Herbert und dessen Schwester Viktoria, verlebt sie eine schöne Kindheit, doch als sie sich in Herbert verliebt, stehen die gesellschaftlichen Schranken gegen sie. Herbert zieht hinaus in den Krieg nach Afrika und später in die Arktis. Wird ihre Liebe doch noch siegen? 



"Ich vermisse Dich bei allem, was wir gemeinsam gemacht haben und was ich jetzt alleine mache.“ Zitat Seite 165 



Der Roman besteht aus drei Teilen. Zu Beginn erfahren wir relativ sachlich von Olgas Kindheit und ihrem weiteren Lebensweg, der geprägt ist von ihrer starken Willenskraft und ihrem Ehrgeiz, sich als Frau zu behaupten. Im zweiten Teil erzählt Ferdinand, wie er Olga als Näherin und Hilfe seiner Familie erlebt und gekannt hat. Im dritten Teil zeigen Briefe von Olga an Herbert von ihren starken Gefühlen, ihren Gedanken und unerfüllten Wünschen. Erst jetzt bekommt Olgas Charakter liebenswerte Züge und man kann sich ihr annähern. 

Dabei ist das Interessante an diesem Buch, wie Bernhard Schlink die historischen Hintergründe geschickt einflechtet und Olgas und Herberts Leben dadurch auf eine ganz andere Ebene gehoben werden.

Die Figur der Olga ist eine kluge und menschliche Figur, bescheiden, unabhängig und kritisch und mit einem starken Willen ausgestattet. Aber vor allem lebt sie eine bedingungslose Liebe, die sie zeitlebens nie aufgibt.
Herbert ist dagegen ein ruheloser Mensch, der als Soldat im Kolonialkrieg im heutigen Namibia kämpft. Olga ist gegen diesen Kampf und sieht auch später im nationalsozialistischen Deutschland keinen Sinn dahinter. Sie erlebt beide Weltkriege mit, wird vertrieben, findet eine neue Heimat und bleibt sich zeitlebens ihrer Ideale treu.

Was anfangs nur als simple Liebesgeschichte erscheint, wird im Verlauf des 2. und 3. Teils immer klarer, fassbarer und immer intensiver und tiefer. Erst dann beginnt man zu ahnen, was hinter dieser Fassade von Olga verborgen blieb.
 
Der Sprachstil des Autors ist genau wie in "Der Vorleser" in kurzen, aber prägnanten Sätzen gehalten. Trotzdem offenbahrt sich durch die Hintergründe und historischen Beziehungen darin eine Erkenntnis und tiefe Wahrheit, die unter die Haut geht.

Beeindruckend durch die starke Frauenfigur, berührend durch die Hoffnung auf Liebe und erhellend durch den geschichtlichen Bezug. Ein Buch zum Nachdenken und zum Nacherleben der jeweiligen Zeitbezüge. Eine Hommage an all die Frauen Deutschlands, die unter dem Verzicht ihrer Hoffnungen gelebt haben.


Donnerstag, 17. September 2015

Der Geist der Mirabelle von Siegfried Lenz

Sonderbare Geschichten zum Schmunzeln

Die Erzählungen Der Geist der Mirabelle schrieb Autor Siegfried Lenz im Jahr 1975. Das Büchlein erscheint im DTV.
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Bildergebnis für Der Geist der Mirabelle von Siegfried Lenz
Bollerup, ein fiktives Dorf an der Ostsee: Sven Feddersen war acht Jahre verlobt, als er endlich den Hochzeitstermin bekanntgab. Von den 214 Personen, die er sogleich in den Mühlenkrug einlud, hießen 198 Feddersen - von einigen dieser tapferen Leute handelt dieses Buch.




Siegfried Lenz kennt das Leben und beschreibt es so wie es ist, auch seine Charaktere sind erfüllt von wahrem Leben. Sie sind arbeitssam, schrullig und manchmal auch nur einfach gutherzig und hilfsbereit.
Lenz vermittelt dem Leser durch die Ansprache "Nachbar" eine ausgesprochene Nähe zu seiner Geschichte. Fast meint man die verwandten und zerstrittenen Feddersens auch persönlich zu kennen.

Die Vielfalt an gleichnamigen Personen der Feddersens ist nur durch ihre Namenszusätze zu unterscheiden. Da wäre zum Beispiel die Kneifzange, der Schinken-Peter, der Dorsch oder die Schildkröte.
Aber eines haben sie zusätzlich zum Namen alle gemeinsam: ihre Liebe zum selbstgebrauten Mirabellengeist. Unter diesem Einfluss entstehen merkwürdige Vorgänge und erstaunliche Einfälle, die Siegfried Lenz auf wunderbare Weise mit großer Sprachgewalt schildert. Diese einzigartige Erzählweise macht das Lesen zu einem großen Vergnügen und die Landschaftsbeschreibungen kann man nur genießen.  


Die Geschichten sind:
Ein Bein für alle Tage- Das unterbrochene Schweigen- Ein teurer Spaß- Ursachen eines Streitfalls- Hausschlachtung- Frische Fische- Der Denkzettel- Ein sehr empfindlicher Hund- Hintergründe einer Hochzeit- Die Bauerndichterin- Die älteste Einwohnerin im Orte- Der heimliche Wahlsieger

Lenz lässt den Leser teilhaben an den Problemen und auch Ereignissen des Dorfes. Man taucht ein in eine Zeit, die noch nicht der Technik verfallen war und das Leben trotz der harten Arbeit noch beschaulich und gediegen. Manche der Geschichten sind sehr komisch, wirken aber nie gehässig. 

Siegfried Lenz ist ein wunderbarer Erzähler, dessen Geschichten seine Leser einfach verzaubert und in schmunzelnder Weise zurücklässt.