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Donnerstag, 17. Dezember 2020

Dezember - Evelyne Polt-Heinzl

Stimmungsvolles Lyrikbändchen, zeitbeschreibend und schön zu lesen

Im Reclam Verlag erscheint das Büchlein "Dezember-Gedichte" als Teil der 12-bändigen Reihe "Monatsgedichte". Es ist eine Sammlung von monatlich passennden Gedichten deutscher Dichter/innen, die wunderbar in diesen Monat passen.  

Im Dezember kommen mit Nikolaus, Weihnachten und Silvester gleich drei Feste daher, die die Menschen mit Gefühlen und Wünschen erfüllen. Es ist aber auch die Zeit der Rückbesinnung auf das vergangene Jahr und der guten Vorsätze und Hoffnungen für das neue Jahr.  



Das Reclam-Bändchen bringt eine kleine Auswahl von 56 Gedichten, den erwartungsvollen Auftakt macht Rose Ausländer mit "Dezember", es folgen Eugen Roth, Jürgen Becker und Martin Greif mit "Barbarazweige". Der Nikolaus ist ein lang erwarteter Tag, er wird mit Knecht Ruprecht von Theodor Storm gehuldigt. Als Wintermonat bringt der Dezember Kälte und mancherorts Schnee, auch hierfür gibt es eine kleine Gedichtauswahl von Carl Zuckmayer "Wintervögel", Matthias Claudius und Rainer Maria Rilke. Wenn der Weihnachtsbaum aufgestellt wird, ist die Weihnachtsfreude groß, deshalb darf in diesem Büchlein auch A. Hoffmann von Fallerslebens "Der Weihnachtsbaum" nicht fehlen. Die Wünsche der Kinder rücken das Fest in ein ganz besonderes Licht, hierzu passt perfekt Heinrich Seidels "Ich wünsche mir ein Schaukelpferd". Auch modernere Dichter wie Günter Grass sind mit "Der Feiertag" vertreten.

Das Jahr klingt aus mit: Else Lasker-Schüler, Annette von Droste-Hülshoff, Kurt Tucholsky und Joachim Ringelnatz.

Die vielseitige Auswahl erfolgte von Evelyne Polt-Heinzl und Christine Schmidjell, die mit einem kurzen Vorwort "Was dieser Dezember zu bieten hat" für die Einleitung sorgten. Dieses Reclambändchen hat als eines der 12 Bücher der Reihe "Monatsgedichte" ein kleines kompaktes Format und fügt sich mit zeitlich passendem Cover wunderbar in die Reihe ein. 

 

Eine kleine, aber feine Auswahl an bekannten und neueren Gedichten, die sich um die Tage im Dezember ranken. Für mich eine schöne Einstimmung und ein Moment des Innehaltens und Genießens dieser schönen Poesie. 

Als kleines Mitbringsel in der Adventszeit sicher ein ideales Geschenk und auch für Kartengrüße wunderbar geeignet.  

 

Montag, 14. Januar 2019

Montagsfrage # 88



                                    Scan (verschoben)


Die aktuelle Montagsfrage von Antonia von Lauter & Leiser heißt heute:  


Lyrik: ausgedient oder am aufblühen?

 

Das ist mal wieder eine sehr interessante Frage, zu der ich gerne meinen Senf beitragen möchte. 


Lyrik, was ist das überhaupt?

Das sind Texte bei denen Gefühle, Stimmungen oder Gedanken mit den formalen Mitteln von Reim, Rhythmus und anderen Formen ausgedrückt werden. Eine der ältesten Formen von Lyrik sind die Minnegesänge. Alles was in Gedichtform verfasst wird, fällt unter den Begriff Lyrik.


Ich liebe Gedichte, schon immer und auch wenn mich manche nie erreicht haben, gibt es doch bestimmte Dichter und Dichterinnen, die mich vom ersten Lesen ihrer Texte begeistert haben und die ich immer wieder gerne lese. Auf meinem Blog habe ich mal einen Thread über Gedichte gestartet, die ich aber dann zugunsten von Rezensionen wieder eingestellt habe.

Wenn ich an Gedichte denke, fallen mir Emotionen, Bilder und sprachliche Vollkommenheit ein. Ich beziehe mich überwiegend auf die deutschsprachigen Dichter, weil man in der Muttersprache doch die Gefühle am intensivsten erlebt.

Annette von Droste-Hülshoff, Ina Seidel, Christian Morgenstern und Rainer Maria Rilke gehören zu meinen liebsten Dichtern. Ganz unten finden sich Links zu veröffentlichen Posts auf meinem Blog.
    
Unabhängig von den Klassikern wie Goethe, Schiller, Eichendorff und Heinrich Heine, die auch weiterhin viel gelesen werden, entwickeln sich beständig neue Formen von Lyrik in Form von poetischen Sprechweisen. Heutzutage wird gerappt und beim Poetry Slam, bei dem ich Julia Engelmann mal lobend und beispielhaft erwähnen möchte, wird ebenfalls auch wieder Lust auf eine Auseinandersetzung mit sprachlichen Texten gemacht. Sie zeigen das Zeitgefühl, Bauchgefühl und das verwendete Mittel ist eine treffende Sprache. Besser können das Gedichte auch nicht aussagen.
Marco Tschirpke hat sich ebenfalls in moderner Lyrik ausgedrückt. Seine komischen Gedichte sind sehr überzeugend. Es muss nicht immer Comedy sein, wenn man lacht! 
 
Die Lyrik wird vielen Menschen nur in Form von Gedicht-Interpretation in der Schule begegnet sein. Das Auswendiglernen von ellenlangen Gedichten ist nicht jedem in die Wiege gelegt und auch das Aufsagen ist nur bei Personen mit schauspielerischem Können ein angenehmes Erlebnis.
Zumal Pflichtlektüre ja nicht immer das ist, worüber man ins Schwärmen gerät. Wenn man dann auch noch das Versmaß bestimmen soll, ist eventuell auch noch das kleinste Flämmchen Vorliebe für Gedichte ausgelöscht und für immer erledigt. 

Aber die Lyrik hat viele Jahrhunderte überdauert und auch wenn sie nicht die am meisten gelesene Schriftform ist, so hat sie sich doch immer noch Bestand.
Ich habe einen Gedichtband, der einen zeitlichen Überblick über die deutsche Lyrik zeigt, in dem lese ich gerne ab und zu mal etwas.


Gerne möchte man die Intentionen des Autors selbst nachfühlen können, aber das ist nicht bei allen Gedichten möglich. Für manche Gedichte braucht man genügend Lebenserfahrung, für manche einfach nur den Sinn für die verwendete Sprache. Gedichte müssen einen mitnehmen auf eine Reise, dann haben sie ihren Zweck erfüllt. Wohin die Reise dann auch immer gehen mag.  

 

Die Vorliebe für Lyrik wird wohl nie aussterben, vielleicht nicht unbedingt Mainstream werden, aber sich doch seinen Platz in der Literatur behaupten. Und die Weiterführung durch moderne Aussageformen hat bereits in vollem Maße stattgefunden. Vielleicht führt das Rappen eines Tages manche Menschen hin zu den alten Klassikern. Wäre doch schön!

Ina Seidel  
 
Christian Morgenstern 

Hundert Gedichte von R. M. Rilke 

Jetzt, Baby - Julia Engelmann 

Marco Tschirpke 


Mittwoch, 7. September 2016

Das Kopfkissenbuch der Liebe - Katja Maasböl

Die Liebe ist zeitlos



"Das Kopfkissenbuch der Liebe" enthält eine bunte Sammlung von Liebesgedichten von Frauen und wurde im Hoffmann und Campe Verlag 2013 herausgegeben von Michael Korth. Katja Maasböl sorgte für die Illustrationen.


Dieser Band versammelt Lyrik liebender Frauen aus dreieinhalb Jahrtausenden - von der Antike bis zur Gegenwart. Gedichte, u.a. von Sappho, Louise Labé, Gioconda Belli, Else Lasker-Schüler und Ono no Komachi wurden für Das Kopfkissenbuch der Liebe entdeckt und einfühlsam ediert. Diese aufwendig illustrierte Anthologie ist gegliedert nach den Emotionen, die die Liebe mit sich bringt: Sehnsucht und Hingabe, Verzweiflung, Eifersucht, Begierde und Erfüllung. Eine bemerkenswerte Sammlung für Poesieliebhaber.





In diesem Band sind eine Vielzahl von Dichterinnen vertreten, und es  finden sich auch ein paar Volkslieder darunter.
Sie alle eint das älteste und zugleich zeitloseste Thema der Welt in eindrücklicher Weise, und zwar schreiben alle über die Liebe.


Die Zeitspanne ist enorm: der älteste Text stammt von Sulpicia, einer adeligen Nichte des Feldherrn Messala aus der 2. Hälfte des 1. Jahrhunderts vor Christus. Die jüngste Autorin ist Diane Mönch (geb. 1977) mit ihrem Gedicht "Neben dir".
Die Gedichte dieses weltumfassenden Themas stammen aus aller Welt: Afrika, Europa (Deutschland, Frankreich, England, Finnland, u.a.) Japan, China, Chile und Kurdistan sind vertreten.


Überrascht hat mich das Lied "Wenn ich ein Vöglein wär" von Johann Gottfried Herder aus dem jahr 1778. Deutsches Liedgut enthält also auch Liebestexte, die dank einer leichten Melodie zu Volksliedern wurden.
Daneben stellt das aus dem Shi-King stammende chinesische Lied "Für den Winter Süssigkeiten" die Eifersucht dar.
Selbst Königin Maria Stuart ist vertreten, sie erschuf im 16. Jahrhundert das Gedicht "Ach! In meinem jungen Frühling" und gibt darin ihre Sehnsucht nach ihrem Geliebten kund.

"Seelenallein" von Christine de Pisan klingt richtig modern und ist doch von ungefähr 1400. Erstaunlich ist auch, dass diese Dichterin damals schon mit ihrer Dichtkunst ihr Geld verdiente.

Gioconda Belli (geb. 1948 in Managua) hat ein schon fast erotisch zu nennendes Gedicht erdacht, es heißt: "In der schmerzhaften Einsamkeit des Sonntags"

Von ihren verletzten Gefühlen schreibt Louise Labé (1526-1566) in "Solange meine Augen Tränen geben".


Mich haben bei diesem Bildband besonders die wunderschönen Gemälde von Monet, Renoir, Sisley u.a. sehr erfreut. Die verschiedenen Bilder geben dem Buch einen stilvollen Rahmen und lassen die Gedichte noch intensiver wirken. Für die Bilder ist Katja Maasböl verantwortlich.



Ein wunderschönes Buch für Lyrik-Liebhaber, bei dem man Gedichtschätze aus aller Welt entdecken kann. Sie alle beschäftigen sich mit Liebe, aber auch mit verletzten Gefühlen, Sehnsucht und Eifersucht. Die Leidenschaft, die Leiden schafft!