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Samstag, 22. November 2025

Die Berghebamme: Zeit der Kinder - Linda Winterberg

Ein berührender Roman über eine mutige Frau 

 
Der 3. Band der Kinder-der-Berge-Saga von Linda Winterberg trägt den Titel Zeit der Kinder und erscheint im Aufbau Verlag

Maria Saller wird als Berghebamme in Brannenburg anerkannt, sie lebt glücklich mit ihrem Mann Georg, doch ihr ganz großer Wunsch nach einem eigenen Kind will sich einfach nicht einstellen. Was besonders schwierig für sie ist, weil sie täglich neuen Erdenbürgern auf die Welt hilft. Nicht jede Geburt sorgt für Frohlocken bei den Müttern, Maria erkennt die Not der unverheirateten, ungewollt schwangeren Frauen und möchte ein Heim für ledige Mütter gründen. Doch das geht den konservativen Bergbewohnern zu weit. 


 

Diese Reihe habe ich mit dem dritten Band begonnen und obwohl mir sicherlich einige Details der interessanten Vorgeschichte fehlen, konnte ich mich gut in die Handlung einfinden. 

In dieser Zeit wurden ledige Mütter als Schande angesehen, während die Väter ohne Vorwürfe davon kamen. Diesen Missstand erkennt Berghebamme Maria und setzt mit ihrem Mann Georg alles daran, den Frauen und ihren Kindern zu helfen und für sie ein Heim aufzubauen. Diese Aufgabe hilft ihr als Ablenkung dabei, die Sehnsucht nach einem eigenen Kind zu vergessen. Die Sallers werden von den Bewohnern angefeindet. Als ein besonderes Ereignis Marias Existen sowie die ihr anvertrauten Frauen bedroht, verliert Maria den Mut und will ihr Ziel aufgeben. Sie hat aber nicht mit Menschen gerechnet, die sich auf ihre Seite stellen und das Heim befürworten.  

Die flüssig erzählte Geschichte lässt sich unterhaltsam und fesselnd lesen, denn es geht um bewegende Schicksale von Frauen, die mir zu Herzen gegangen sind. Selten wurde den schwangeren Frauen geholfen und sie allein wurden für ihren Fehltritt verantwortlich gemacht. 


Die Thematik von ledigen Müttern wird nachvollziehbar und berühren erzählt, das Ende der Geschichte hatte ich genau so erwartet und konnte zufrieden das Buch schließen.   

***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


 

Samstag, 1. November 2025

Aufgeben können die anderen - Lena Johannson

Die Pionierin der Frauen-Olympiade 

 
Im Aufbau Verlag erscheint der Roman "Aufgeben können die anderen" von Autorin Lena Johannson.
 
Paris 1918: Die Französin Alice Milliat ist begeisterte Schwimmerin und kennt die Vorurteile der männlichen Gesellschaft gegen sportliche Aktitivität des "schwachen" weiblichen Geschlechts. Doch das nimmt sie nicht einfach so hin und gründet mit hilfreichen Unterstützern einen Frauensportverband und setzt sich das Ziel einer Olympiade nur für Frauen. 
 
  
In ihrem Roman erzählt Lena Johannson die Geschichte der Französin Alice Milliat, die Frauensport in Frankreich populär, sichtbar und vor allem erlaubt zu machensich kuragiert für den Frauensportverband und für die ersten Olympischen Frauenspiele eingesetzt hat. Neben dem Rudern ist Alice begeisterte Schwimmerin und sie erkennt, welche Vorteile sportliche Betätigung mit sich bringt. Sie findet es an der Zeit, dass die Sportmöglichkeiten in den Vereinen endlich auch für Frauen geöffnet werden. Außerdem möchte sie Frauen die Teilnahme bei internationalen Wettbewerben ermöglichen. Doch zu dieser Zeit galt Frauensport als anstößig und war ein Tabu. 
 
Die reale Person Alice Milliat war mir vor der Lektüre nicht bekannt, umso interessierter habe ich ihre Geschichte begleitet und ihren Eifer und ihren couragierten Pioniergeistin für den Frauensport bewundert. Trotz ihres persönlichen Schicksalsschlags hatte sie dieses Ziel vor Augen und setzte sich dafür ein. 
Es war inaktzeptabel, dass das IOC und der Gründer Baron de Coubertin die Teilnahme von Frauen nicht für selbstverständlich hielt und so machte es sich Alice zur Aufgabe  und organisierte die Olympischen Spiele nur für Frauen im Jahr 1922. Im Roman wird ihr Engagement detailliert beschrieben und spricht daher sicher alle diejenigen an, die sich für Frauen-Sportgeschichte interessieren.
 
Besonders intensiv habe ich Alice Schwimmerlebnisse miterlebt, kaum ist Alice im Wasser, verschmilzt sie mit diesem Element, was absolut authentisch dargestellt wird und zeigt, welch Kampfgeist und Durchhaltewillen in ihr steckt. Ansonsten wirkte Alice auf eine bestimmte Weise recht unnahbar und ich konnte ihre Gefühle und das lange Hinhalten von Jean-Luc nicht nachvollziehen. Diese Reaktion passt meiner Meinung nach nicht zu so einer starken Frau.  
 
Ein gut erzählter Roman mit einer interessanten Frauenfigur, die als Pionierin des Frauensports agierte. 
 
 
***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 



 

Freitag, 14. März 2025

Wenn die Tage länger werden - Anne Stern

Vielschichtiger Roman um das Geheimnis einer Violine

Im Aufbau Verlag erscheint Anne Sterns Roman "Wenn die Tage heller werden".

Die alleinerziehende Musiklehrerin Lisa verbringt zum ersten Mal einige Wochen ohne ihren Sohn Paul. Diese Zeit bringt eigentlich die langersehnte Freiheit mit sich, doch Lisa hat Selbstzweifel über ihre Mutterrolle und ihr Leben danach. Sie sucht ihre alte Geige hervor und bringt sie zu Hans, der voller Inbrunst noch in hohem Alter seine Geigenbauwerkstatt betreibt. Mit seiner Tochter Ute besitzt er einen Obsthof, wo sich Lisa und Paul gleich wohl fühlen. Ute hat eigene Sorgen, sie kann aus Krankheitsgründen die Ernte nicht mehr schaffen. Als Hans etwas über die Herkunft ihrer Violine herausfindet, verändert das Lisas Blick auf ihre Familiengeschichte enorm und sie macht sich auf die Suche nach dem dunklen Geheimnis.  




Anne Stern verbindet in ihrem Roman mehrere Themen zu einem runden Ganzen. Im Vordergrund steht die Rolle der alleinstehenden Mutter Lisa, die zum ersten Mal drei Wochen ohne ihren Sohn verbringt. In dieser Zeit der Muße kämpft sie innere und familiäre Konflikte aus. Ihre Gedanken drehen sich um Selbstzweifel, Anerkennung und Entfremdung von ihrer Mutter und sie merkt, dass sie ihre eigenen Bedürfnisse stark vernachlässigt hat. Durch ihre reparaturbedürftige Violine kommt sie der SS-Vergangenheit ihres Großvaters auf die Spur und versucht, mehr darüber zu erfahren. Die Beziehung zu ihrer Mutter ist schwierig, über den Großvater wurde wenig erzählt und es bedarf einiger Nachfragen, bis ihre Mutter ihren Fragen stellt. Kann man die Vergangenheit verschweigen oder vergessen?

Die dunklen Zeiten rühren in der Frage wie man mit Kriegstraumata und damit verbundenem Leid umgehen soll. Anne Stern beschreibt, wie solche dunklen Abgründe von Schuld und Vertuschungen Familien über Generationen hinweg begleitet haben. Wie lebt man mit der Vergangenheit, mit den Verbrechen an Juden und der Verschacherung ihrer Besitztümer.  

Für Lisa ist die Auseinandersetzung mit ihrer familiären Geschichte ein Weg in ein neues und offeneres Leben. Sie lernt Menschen kennen, die sie wertschätzen und mögen, gewinnt neue Freunde hinzu und lässt damit ihre eigenen dunklen Zeiten hinter sich. 

In diesem Roman habe ich die flüssige und eingängige Erzählweise genossen und wurde schnell mit den Figuren warm. Es ist erstaunlich, wie die Charaktere vom ersten Moment des Erzählens an ein Eigenleben entwickeln, dass ich gern verfolgt habe. Jede Figur in diesem Buch ist gut umrissen, bringt neue Impule und erweckt diese Geschichte zum Leben. Dabei wechseln sich dunkle und helle Tage ab, so wie das Leben eben spielt.

Anne Stern hat mich tief in die Gedankenwelt ihrer Protagonistinnen hineingezogen und damit gefesselt. Ich konnte einige Phasen der Mutterrolle gut nachfühlen und mit der sommerlichen Atmosphäre zaubert sie mir das Gefühl zurück von Sommerferien am See mit Eis und endlosen Tagen. Doch sie weckt auch die Erinnerungen an früheres Leid und setzt einen Funken von Hoffnung mit dem neuen Verbleib der Violine.

Durch die Vielschichtigkeit von Mutterrolle, Mutter-Tochter-Verhältnis, Krankheit und der historischen Verbindung bekommt dieser Roman reichlich Tiefgang. Vom Erzählerischen her lebt der Roman von der Atmosphäre zwischen den Menschen aber auch vom wunderbaren Sommer. Ich fühlte mich von Anfang bis Ende wunderbar unterhalten.


***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 


  • Stern, Anne - Meine Freundin Lotte
  • Stern, Anne - Die Frauen vom Karlsplatz: Auguste  
  • Stern, Anne - Die Frauen vom Karlsplatz: Henny
  • Stern, Anne - Drei Tage im August
  • Stern, Anne - Dunkel der Himmel, goldhell die Melodie1 
  • Stern, Anne - Rot das Feuer 2
  • Stern, Anne - Lindy Girls
  • Stern, Anne - Wenn die Tage länger werden

  • Freitag, 21. Februar 2025

    Sommerhimmel über dem Möwenhof - Frida Jacobsen

    Ein warmherziges Wohlfühlbuch für die Seele

     
    Im Aufbau Verlag erscheint der Roman Sommerhimmel über dem Möwenhof von Frida Jacobsen.
     
    Nach ihrer Trennung zieht Maren aus München mit ihren drei Kindern zu ihrer Familie an die Nordseeküste. Schnell fühlen die Kinder sich auf dem Möwenhof bei Oma und Tante wohl und als sich Maren dann unerwartet in Bootsbauer Henning verliebt, scheint auch ihr Glück perfekt zu sein. Doch dann kommt die vernichtende Ansage, ihr Onkel möchte den Hof verkaufen. Da hat er die Rechnung aber nicht mit den Frauen vom Möwenhof gemacht! Sie überlegen sich, wie sie ihn umstimmen können. Dieser Zwist setzt auch Marens Beziehung zu Henning auf eine harte Probe. Dabei braucht sie gerade jetzt seine Unterstützung!
     
     

     
     
    So ganz wohl fühlt sich Maren nicht, als sie ihre Kinder aus ihrer gewohnten Umgebung an die Nordsee mitnimmt. Und sie hat nach anfänglicher Freude auch einige Überzeugungsarbeit zu leisten. Als Mutter von drei Kindern ist es auch nicht einfach, wenn man einen neuen Partner kennen lernt. Da sind familiäre Schwierigkeiten vorprogrammiert. 

    Frida Jacobsen hat einen wunderbar einnehmenden Erzählstil, der mich in kürzester Zeit durch die sommerliche Atmosphäre und die sehr unterhaltsame Geschichte getragen hat. 
    Die liebenswert angelegten Charaktere finde ich sehr natürlich, sie erscheinen lebensnah und besonders die Reaktionen der Kinder wirken wie im wahren Leben. Durch die Beschreibung ihrer Eigenheiten hat man die Figuren alle gut vor Augen. Die Möwenhof-Frauen wurden mir schnell sympathisch, denn sie stehen für ihr Bed & Breakfast und für ihre Familie ein und helfen sich gegenseitig. Die romantische Beziehung zwischen Maren und Henning entwickelt sich Stück für Stück, denn es gibt einige Widrigkeiten zu überwinden. Man gönnt es beiden, wieder glücklich und mit Partner zu sein.
    Natürlich gehört in so eine Story ein Charakter, der Sand ins Getriebe der Familie streut und für Aufregung sorgt, in diesem Fall ist das Onkel Ludger. 
    Er sorgt dafür, das die Wohnsituation auf dem Möwenhof gefährdet wird, wie so oft sind finanzielle Gründe im Spiel und ein Erbe soll nicht wie versprochen erhalten bleiben, sondern verkauft werden. 
     
    Die Beschreibungen der Natur bilden einen wunderschönen Rahmen für die Handlung, wenn man dem Rauschen des Meeres zuhört, hat das heilende Wirkung. Dieses Gefühl bahnte sich gedanklich zu mir seinen Weg.
     
    Am Ende findet die Geschichte durch eine wunderbare Wendung einen glücklichen Ausgang. Mehr möchte ich hier nicht verraten.  
     
    Ein warmherzig erzählter Roman, bei dem man durch die liebenswerten Figuren und die zauberhafte Location an der Nordsee allen Hindernissen zum Trotz die Seele baumeln lassen kann. Eine Geschichte wie aus dem wahren Leben und doch voller Wohlfühlmomente.



    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

     

    Mittwoch, 23. Oktober 2024

    Das Wunder der Tannenbäume - Claudia Romes

    Gelungener Mix aus Weihnachtsmärchen und historischem Roman
     
    Bei Rütten & Loening erscheint Claudia Romes Roman Das Wunder der Tannenbäume.
     
    1815 lebt im Schwarzwald eine Holzfällerfamilie, die mit ihrer harten Arbeit geradeso über die Runden kommt. Als der Vater bei der Arbeit tödlich verunglückt, muss die 16-jährige Anneliese die Geschicke der Familie in die Hand nehmen. Sie verkauft das gefällte Holz auf dem Freiburger Markt, um die Schulden an den Vermieter zu begleichen, doch die Einnahmen sind verschwindend gering. Als sie einen geschmückten Baum anbietet, den sie mit geschnitzten Tierfiguren und Äpfeln dekoriert hat, ist die Nachfrage groß und ihr Leben nimmt eine neue Wendung. 

                                     

                                                          

    In diesem Roman geht es um die Tradition des geschmückten Weihnachtsbaumes. Claudia Romes hat eine märchenhaft anmutende Geschichte erdacht, die im Schwarzwald spielt und die Armut und Not in dieser Zeit aufgreift. 
    Nach den Napoleonischen Kriegen gibt es viele Arme im Schwarzwald, auch Annelieses Familie ist arm und dennoch zufrieden, aber ein Schicksalsschlag raubt der Familie ihre finanzielle Grundlage und sie ist plötzlich für ihre Mutter und den Bruder verantwortlich. Mutig und mit Tatkraft und Entschlossenheit nimmt sie ihre Aufgabe an und hat viele Widrigkeiten zu ertragen. Doch sie gibt die Hoffnung nicht auf, eine kleine Tanne wird ihr zum Licht in der dunklen Zeit und bringt ihr neues Glück.
     
    Heutzutage würde man sagen, sie hat eine zündende Geschäftsidee, denn sie bietet geschmückte Tannen auf dem Markt an. Und diese Idee führt auch zu einer abenteuerlichen Reise nach Karlsruhe, wo sie an den Hof eines Grafen gerufen wird. Sie lernt den Musiker Friedrich kennen und verliebt sich, doch diese Liebe ist für ihn nicht standesgemäß. 
    Dieses Buch habe ich bewegt gelesen und auch wenn manches vorhersehbar ist, so hat mich der schöne Erzählstil und die tragischen und emotionalen Erlebnisse Annelieses nicht losgelassen und ich habe auch ein paar Tränen vergossen. Denn die Geschichte zeigt nicht nur Armut und Not, es geht um den Verlust des Vaters, die Trennung vom Bruder und um eine Liebe, die nicht sein darf. Das Ganze hat etwas Märchenhaftes an sich und ich sah den geschmückten Baum bildhaft vor mir und mit wurde wie den Menschen in der Geschichte ganz warm ums Herz.
     
    Claudia Romes fängt das einfache Leben und den Prunk am Hof, sowie die winterliche Stimmung sehr authentisch ein und man ist einfach mittendrin im Geschehen. 
     
    Ich mag die Idee, wie Anneliese zunächst den kleinen geschmückten Weihnachtsbaum als persönlichen Trost nutzt, der ihr Hoffnung und Zuversicht in dunklen und schwierigen Tagen verleiht und dann die rettende und unerwartete Lösung für ihre finanzielle Notlage bringt. Ein lichterhellter, immergrüner Weihnachtsbaum ist bei den meisten Christen eine liebgewonnene Tradition, er sorgt mit seinen Kerzen für Glanz in Kinderaugen und gibt ein Gefühl der Zuversicht und erhellt zu Weihnachten die dunkle Zeit. 
     
     
    Ein berührender, winterlicher Roman, der mich mit seiner märchenhaften und historischen Geschichte emotional bewegt und begeistert hat. Ich vergebe 4,5 Sterne, die ich sehr gerne aufrunde!
     
     
    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     


    Donnerstag, 3. Oktober 2024

    Die Modeschöpferin von Manhattan - Joan Weng

    Geschichte unterhält über Zeitgeist und Modewelt New Yorks

    Im Aufbau Taschenbuch Verlag erscheint Joan Wengs historischer Roman "Die Modeschöpferin von Manhattan".  

    1939 in New York: Der Krieg tobt in Europa, in New York sorgt der Aufschwung für frischen Wind bei den Unternehmen. Die gut betuchten Kundinnen interessieren sich für elegante Kleidung und lassen sich von der exzentrischen Modeschöpferin Valentina Schlee die neuesten Modelle anpassen. Ihre Angestellte Daisy berät und unterhält die Kundinnen auf geschickte Weise und ist damit der ausgleichende Gegenpol zu Valentina. Daisys Eltern wollen sie mit Alistair, einem angehenden Anwalt verheiraten und es gelingt Daisy, der Verlobung immer wieder zu entgehen. Denn sie liebt den irischen Journalisten Christopher Flanagan, der für ihre Eltern als Schwiegersohn nicht in Frage kommt. 
     

     

     
    In diesem Buch erlebt man den Zeitgeist, die Modeszene und das Leben der unterschiedlichen Gesellschaftsschichten. Daisy ist die Hauptfigur, sie ist die gute Seele des Modegeschäfts der exzentrischen Modeschöpferin Valentina Schlee, die vermutlich von russischem Adel abstammt. Andere Nebenfiguren geben Einblick in ihr Leben und so bekommt man ein buntes Porträt der New Yorker Frauen in dieser Zeit geboten und erlebt den Zeitgeist. Sie vergnügen sich in Tanzlokalen, träumen von der großen Liebe und wissen von dem in Europa tobenden Krieg, der auch für Amerika gefährlich werden kann.
     
    Daisy bekommt von mir mit ihrer liebenswürdigen Art von Anfang an Sympathiepunkte, ich habe sie gerne begleitet, mit ihr mitgefiebert und auf ihr persönliches Glück gehofft.  
    Valentinas Person bleibt immer etwas distanziert, ihr Geheimnis liegt in ihrer Vergangenheit in Russland, wo sie alles verloren hatte. Sie ist verheiratet, doch die Ehe scheint nur eine Farce zu sein, um Valentina als ehrenhafte Frau darstehen zu lassen. Sie hat sich ihren Erfolg als Modeschöpferin ehrlich und hart verdient. Einige Informationen um ihre Person werden im Buch angedeutet, doch die wirklichen Umstände aus ihrer Vergangenheit werden nicht offen erklärt. Andeutungen gehen mir nicht weit genug und das Leben dieser Frau hätte unbedingt ausführlicher und tiefer gehend in die Handlung eingebaut werden können. Stattdessen werden Belanglosigkeiten, Rivalitäten der schauspielernden Kundschaft und Daisys Liebespläne ausführlich erörtet.
     

    Die Modebranche boomt in dieser Zeit, die Menschen wollen die schlechten Zeiten vergessen. Mit wunderschönen bildhaften Beschreibungen von Kleidern, Accessoires und bunten Stoffen taucht man in eine Farbwolke voller Eindrücke ein, die im Luxussalon von Valentina die kaufkräftige Kundschaft einkleidet. Namen wie Greta Garbo,
    Eleanor Roosevelt, Marlene Dietrich oder Katharine Hepburn reichen sich die Klinke in die Hand, um von Valentina ein Kleid ausgesucht zu bekommen.

    Der eingängige Erzählstil hat mich locker durch die Handlung geführt, manche Szenen sorgen für Unterhaltung, andere drehen sich um Skandale und die Liebe spielt auch eine Rolle.

     
    In diesem historischen Roman habe ich die Modeszenen genossen und ich konnte den Zeitgeist nachspüren. Der Handlung hätte etwas mehr Tiefgang gut getan und zu Valentina konnte ich leider so gar keine Beziehung aufbauen, deshalb ist die Lektüre für mich ein wenig enttäuschend.  

     

    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



    Dienstag, 1. Oktober 2024

    Die Frauen jenseits des Flusses - Kristin Hannah

    Fehlende Anerkennung von Frauen im Kriegsdienst

    Bei Rütten & Loening erscheint der historische Roman "Die Frauen jenseits des Flusses" von Kristin Hannah.
     
    In den sechziger Jahren macht Frances McGrath in Kalifornien eine Ausbildung zur Krankenschwester. Dort will sie arbeiten, bis sie einen Ehemann gefunden hat. Ihr Bruder, dem sie eng verbunden ist, zieht als Soldat nach Vietnam, dafür findet er Anerkennung bei seinen Eltern. Daraufhin beschliesst Frances, ebenfalls in Vietnam als Sanitäterin zu dienen. Ihr Bruder kehrt aus dem Krieg nicht wieder und Frances erlebt die Schattenseiten des Krieges. Nach zwei Jahren Arbeit mit Verletzten und Sterbenden kehrt Frances nach Amerika zurück. Die Erinnerungen haben sie traumatisiert und sie kann die Oberflächlichkeit und Gleichgültigkeit in ihrer Heimat kaum aushalten. Außerdem vermisst sie die Anerkennung für den Kriegs-Einsatz bei ihren Eltern und generell bei den Amerikanern für alle Zurückgekehrten. Ihr schlägt Ablehnung entgegen und sie wird als Baby-Killer betitelt. Und als Frances große Liebe gefallen ist, bricht für sie eine Welt zusammen aus der es kein Entrinnen zu geben scheint.
     
     


    Bestsellerautorin Kristin Hannah beschreibt in ihrem Roman die Erlebnisse der jungen Frances, sie sich freiwillig zum Dienst im Vietnam-Krieg gemeldet hat. Frauen in diesem Krieg werden im Romanbereich selten thematisiert, und genau diese Frauen haben in der amerikanischen Geschichte auch keine anerkennende Erwähnung gefunden. Das war Kristin Hannahs Anliegen mit diesem Roman. Insoweit hat mich Frances Geschichte, die Hannah uns in perfekter Erzählweise auf bewegende Weise näher bringt, auch beeindruckt und die schrecklichen Kriegserlebnisse anschaulich näher gebracht. In diesem Krieg gab es viele Tote und die Überlebenden trugen ihre Traumatisierung lebenslang mit sich. In Amerika gab es auch Protest gegen den Vietnamkrieg und die Veteranen mussten lange um eine Anerkennung kämpfen. Erst Jahre nach dem Krieg wurde ein Mahnmal zur Ehrung der Gefallenen, doch Frauen wurden in diesem Zusammenhang nicht erwähnt, dabei waren auch sie Teil dieser Soldaten. Die Anerkennung von Frauen im Kriegsdienst wurde von amerikanischer Seite lange Zeit vernachlässigt, dieses Buch macht das sehr deutlich.   
    Neben den historischen Ereignissen nimmt auch die Liebesgeschichte von Frances einen Raum im Buch ein, die mit Problemen, Enttäuschung und Verlust einhergeht. Es hat mich sehr berührt, wie Frances im Leben ihren Platz sucht, durch ihre Erlebnisse im Krieg und durch private Verluste strauchelt und es schwer hat, wieder ihren Weg zu finden. Leider ist sie keine Protagonistin, die mir sympathisch wurde und ihre Suche nach Anerkennung war in allen Lebensbereichen präsent und wurde damit überstrapaziert.

    Der Roman hat mich mit der literarischen Umsetzung und der Beschreibung von dramatischen Kriegsszenen, sowie mit Frances Entwicklung und ihrer psychischen Belastung und dem Kampf um Anerkennung und Suche nach Glück überzeugen können. Doch es gibt einige Dinge, die mich wirklich gestört haben. So werden unnötige Klischees eingebaut, die Liebe wird dramatisch überstrapaziert und nimmt einen zu großen Teil im Roman ein. Das sorgt meiner Meinung nach für Längen in der Geschichte, die die Handlung unnötig strecken. Auch die kritische Sicht auf den Krieg hätte man noch mehr in den Vordergrund stellen können. 
     
    Dieser Roman ist für alle Leserinnen interessant, die sich dem Thema Vietnamkrieg aus Frauensicht annähern wollen. 

     
     ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


     
     
     

    Sonntag, 29. September 2024

    Der Weihnachtsmordclub - Ben Kryst Tomasson

    Unterhaltsamer Cosy Crime zur Weihnachtszeit

     
    Bei Rütten & Loening erscheint der Krimi "Der Weihnachtsmordclub" von Ben Kryst Tomasson.
     
    In Archsum auf Sylt laufen in der Vorweihnachtszeit die Vorbereitungen fürs Krippenspiel und die Damen vom Häkelclub helfen dabei. Doch die besinnliche Zeit wird jäh gestört durch Misstrauen wegen einiger Diebstähle. Als dann noch die Leiterin der Jugendgruppe vom Stern von Bethlehem erschlagen wird, nehmen die Häkelfrauen die Spurensuche auf. Das kann nur jemand aus der eigenen Kirchengemeinde sein. 
     


    Dieser Krimi unterhält mit dem munteren Club der Häkeldamen, die mangels eigenem Weihnachtsbesuch die Zeit bei der gemeinsamen Vorbereitung des Krippenspiels verbringen. Die Suche nach dem Mörder der Toten lässt die Damen ihre Hobbyermittlungen aufnehmen. Ben Kryst Tomasson hat die Charaktere gut beschrieben, die Damen haben alle ihre Eigenarten und jede bringt ihre Fähigkeiten mit in die Ermittlungen ein. Durch ihre Nachforschungen kommen Geheimnisse einiger Gemeindeglieder ans Licht und es ist gut denkbar, dass sich dahinter auch das Motiv für den Mord finden lässt. 
     
    Die Ermittlungen laufen ruhig und ohne große Aufregung ab, es gibt einige humorvolle Szenen, die die Geschichte auflockern und der leichte Erzählstil sorgt für einen flotten Lesefluss. Die Damen sind mir allesamt sympathisch und sie kommen gut miteinander aus. Die Suche nach dem Mörder schweißt sie noch enger zusammen und am Ende sorgt eine logische Aufklärung für Ruhe vor einem friedlichen Weihnachtsfest. Mit einem Rezept für leckere Vanillekipferl, das im Buch auch eine Rolle spielt, beschließt der Autor diesen Weihnachtskrimi.

    Ein leichter und angenehm zu lesender Weihnachtskrimi, bei dem die besinnliche Zeit durch Mord beim Krippenspiel eine aufregende Wende bekommt. 


    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     



     

    Freitag, 23. August 2024

    Bella Famiglia - Nico Mahler

    Liebe, Leid und Gelati!

    Im Aufbau Verlag erscheint der Roman Bella Famiglia von Nico Mahler

    München, 1966: Sofia träumt bei ihren wöchentlichen Besuchen in der Eisdiele Bella Italia sehnsüchtig von der großen Liebe und vom Zauber Venedigs. Der Besitzer der Eisdiele Lorenzo kennt aus eigener Erfahrung wie hart das Leben in Italien sein kann. Seine Familie lebt im Val di Zoldo, dem Tal der Eismacher, wo existentielle Nöte den Menschen vieles abverlangte. Auch Lorenzo verließ eines Tages das Tal, die Gründe nagen heute noch schwer an ihm.  
     


     
    In "Bella Famiglia" lässt uns Nico Mahler an den schwierigen Lebensumständen einer Eismacherfamilie teilhaben. 
    Der erste Erzählstrang lässt uns ab 1899 in die Erlebnisse einer Eismacherfamilie eintauchen. Das kleine Tal bot für seine Bewohner karge Lebensbedingungen, um seine Familie über Wasser zu halten, nahm Großvater Tonino in benachbarten Ländern unterschiedliche Arbeiten an. Die Tradition des Eismachens sollte ihnen schliesslich eine Existenzgrundlage bieten, denn es war auch in Österreich und Deutschland sehr begehrt. 
    Die zweite Zeitebene beleuchtet ab 1966 Sofias Leben, sie ist Erzieherin in einem Kinderheim, hat eine gescheiterte Ehe hinter sich und träumt von dolce vita in Venedig. Im Eissalon Bella Italia lernt sie Lorenzo kennen, der häufig niedergeschlagen aussieht, ein Eigenbrötler mit traurigem Gesicht. Nach und nach lernt sie ihn und die Geschichte seiner Familie näher kennen und Lorenzo zeigt, dass er auch Freude empfinden kann.
     
    Nico Mahler erzählt auf eindrucksvolle und berührende Weise von einer italienischen Familie, die stellvertretend für viele Italiener steht, die sich aus finanzieller Not heraus als Gastarbeiter verdingen mussten, um die Familie zu ernähren. Das Leben in der Ferne war nicht einfach und für die Menschen durch die örtliche Trennung auch schwer zu ertragen, das lässt Melancholie aufkommen. Doch die Geschichte macht nicht nur Trauer und Leid sichtbar, sie feiert auch die Liebe, das Leben und die Kunst des Eismachens. Und sie lässt Hoffnung aufkommen, weil es viele Menschen geschafft haben, neuen Mut zu entwickeln und sich vom Leben nicht unterkriegen lassen. 
     
    Die Charaktere sind vielschichtig und lebensecht gezeichnet und ich habe ihre Schicksale gespannt verfolgt. Dieser berührende, schön erzählte Roman ist mir sehr nahe gegangen! Von der Handlung her hat mich der Erzählstrang in der Vergangenheit besonders gepackt, während die Geschichte mit Sofia etwas schwächer ausfällt.

    Die heutigen Glücksgefühle beim Essen von Gelati sind verknüpft mit vielen Schicksalen der Eismacher, die schwierige Lebensumstände überwinden mussten, Leid und Schmerz ertrugen und dennoch nicht die Hoffnung verloren.
     

    Eine Geschichte, die uns die Existenzängste einer italienischen Familie aufzeigt, aber auch die Liebe und das Leben feiert. Ein berührender und doch so schöner Roman, der reichlich Appetit auf Eis macht!  

    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     



    Montag, 29. Juli 2024

    Die Tierforscherin - Claudia Seidel

    Ein Leben für die Berggorillas


    Bei Aufbau Taschenbuch erscheint Claudia Seidels Roman "Die Tierforscherin". Das Buch trägt den Untertitel: Sie sucht das Abenteuer und rettet die Tiere der Wildnis.

    Die 31-jährige Ava bekommt die Chance ihres Lebens, sie reist in den Kongo, um die bedrohten Berggorillas zu erforschen. Dort angekommen wird sie mit der harten Realität des Lebens im Busch konfrontiert. Die Bewohner am Virunga-Gebirge bringen Ava Feindseligkeit entgegen. Sie sind arm und auf den Anbau von Pflanzen angewiesen, die Fläche wird ständig erweitert und sie roden immer mehr Waldflächen, die auch den Gorillas als Lebensraum dienen. Schon bald wird Avas Lager überfallen. Doch
    Ava ist stark und der direkte Kontakt zu den Menschenaffen stärkt alle Kräfte in ihr. Der Tierfotograf Jack hilft ihr aus einer brenzlichen Lage und sie verlieben sich ineinander. Aber Jack ist verheiratet...
     



     
    Ava ist eine eigenwillige und mutige Frau und widmet sich vollen Herzens den Gorillas. Sie erforscht das Verhalten und die Laute der Tiere und bemüht sich, verletzte Tiere aufzupäppeln und die Wilderer von den Tieren fernzuhalten. Sie trotzt den Widrigkeiten des Dschungels und der Menschen, für die das Fleisch der Gorillas auch Nahrung bedeutet. Doch in gewisser Weise ist Ava auch recht naiv, denn sie begibt sich ohne Kenntnis der Gewohnheiten und politischen Situation in den Ländern und nur mit rudimentären Sprachkenntnissen nach Afrika. 
    Zum Glück trifft sie auf Jack und als Helfer für die Suche nach den Standorten der Gorillas weisen ihr Guides den Weg. Diese Figuren sind im Roman meine Lieblingsfiguren, denn sie verkörpern genau das, was man sich unter einem Tierfreund und Ranger vorstellt. Sie lesen aus dem Dung der Tiere, finden ihre Schlafplätze und wissen die Stimmung der Tiere richtig einzuschätzen.  

    Mit großem Interesse habe ich Avas besondere Lebensumstände im Wald verfolgt, ich war gefesselt von der Suche nach den wandernden Gorillas, war begeistert von den Begegnungen mit den einzelnen Tieren und ihren Gewohnheiten. Claudia Seidel hat ihren Lesern auf ausführliche und authentische Weise die Verhaltensweisen der Tiere nahe gebracht und auch die kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Tutsi und Hutu bekommen ihren Stellenwert in der Handlung. So kann man sich die schwierigen Zustände gut vorstellen und erlebt an Avas Seite die aufregende Zeit mit den Berggorillas. 

    Claudia Seidel wandert ein wenig auf den Spuren Dian Fosseys und lässt ihre Ava ähnliche Forschungen durchführen.

    Ein fesselnder Roman über ein Leben nach dem Vorbild von Dian Fossey! 
     
     
    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 





    Sonntag, 7. April 2024

    Nostalgia Siciliana - Patrizia Di Stefano

    Ein bewegender, wunderschön erzählter bitter-süßer Familienroman


    "Nostalgia Siciliana" ist der Debütroman von Patrizia Di Stefano, der im Aufbau Verlag erscheint.
     
    Berlin 2004: Tita arbeitet als Grafikerin. Sie bekommt einen Anruf aus Sizilien, in dem ihr der Tod ihres Onkels mitgeteilt wird und um ein Familienerbe geht. Sofort hat sie alte Erinnerungen an ihre Kindheit und ihren früh verstorbenen Vater Gianni, der Italien 1961 verließ, um als Gastarbeiter in Deutschland sein Glück zu versuchen. Gianni verliebte sich in Carla, gründete eine Familie und wurde Inhaber eines Restaurants und belieferte eine große Tiefkühlfirma mit gefrorener Pizza. In dieser Zeit reiste die Familie jedes Jahr in den Urlaub auf das Familien-Landgut Magni nach Sizilien. Als Gianni starb, riss die Verbindung mit Sizilien für viele Jahre ab, zu sehr schmerzten die Erinnerungen an die schöne gemeinsame Zeit. Jetzt sind 26 Jahre vergangen und Tita reist nach Sizilien, um alte Erinnerungen aufzufrischen und das Erbe anzusehen. 
     

     
     
    "...die Herzlichkeit der Menschen, deren Lachen und Weinen in allen Lebenslagen sich immer die Waage zu halten schien - all das kam ihr so vertraut vor, als hätte es schon immer zu ihrem Leben gehört." Zitat Seite 296
     
    Patrizia Di Stefano erzählt die wahre Geschichte ihres Vaters, die sie recht authentisch abbildet. 
    Es ist die bitter-süße Liebesgeschichte des Sizilianers Gianni, der in Berlin mit seiner Frau Carla eine Familie gegründet hat und den die Sehnsucht nach seiner Heimat nie verließ. 
     
    In diesem Roman wird nicht nur eine Familiengeschichte erzählt, die Geschichte enthält noch viel mehr und man wird man mitgerissen vom authentischen Strudel italienischer Lebensart, von der Armut und Gastfreundschaft der Sizilianer, der besonderen Landschaft und der einfachen, aber schmackhaften Küche mit Produkten der Gegend. Die Autorin schafft es, dass man hautnah in das sizilianische Lebensgefühl eintaucht und es persönlich spüren kann. 
     
    In wechselnden Perspektiven erfahren wir, warum Gianni nach Deutschland ging und tauchen in Titas Kindheit ein und begleiten sie auf ihrer Reise nach Sizilien. 
    Als einfache, aber glückliche Bauern arbeiten Giannis Eltern hart auf ihrem Hof, der kaum genug abwirft.  Gianni soll Priester werden und mit seinem Einkommen die Familie unterstützen. Doch es kommt anders und Gianni wagt einen Neubeginn in Deutschland, der mit Enttäuschungen beginnt, steinig und schwer ist. Er vermisst seine Familie und fühlt sich fremd, bis er Carla kennenlernt.

    Eingebaut in die Handlung führt uns die Autorin immer wieder die Schönheit der Landschaft Siliziens vor Augen, wo in südlicher Hitze
    Orangenbäume, Olivenbäume und Kakteen wachsen, zauberhaft bunte Oleander und  Bougainvilleen blühen und die Tomaten vor lauter Sonne unvergleichlich süß schmecken. Sie zeigt aber auch die Schattenseiten Siziliens: Latrinen statt Kanalisation, Müll auf den Straßen und die Mafia, die sich in alle Belange einmischt. 
     
    "Nostalgia Siciliana" ist eine bewegende und sehr atmosphärische Geschichte, in der Patrizia Di Stefanos Begeisterung für Sizilien fühlbar wird. An Titas Seite erleben wir, wie alte Erinnerungen und Gefühle Siziliens wieder in ihr erwachen und sie sich durch die Familien und den Zusammenhalt dort heimisch fühlt.
     
    Eine wunderbare Familiengeschichte, die schöne und bittere Seiten in der Familie aufzeigt und mich damit in ihren Bann gezogen und mit der sizilianischen Atmosphäre und kulinarischen Köstlichkeiten verzaubert hat. 
     

    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  



    Samstag, 24. Februar 2024

    Wintermord - Katharina Peters

    Eine entsetzliche Familientragödie mit schwieriger Beweislage

    Im Aufbau Taschenbuch Verlag erscheint mit Wintermord der 13. Band der Rügen-Krimi-Reihe um Romy Beccare von Katharina Peters.
     
    Anfang Dezember wird die Leiche des 20-jährigen Benjamin Koller im Jasmund gefunden. Er lehnt wie schlafend an einem Baum, doch der Schein trügt, denn wie sich herausstellt, wurde er getötet. Als Hauptkommissarin Romy Beccare und ihr Team die Ermittlungen aufnehmen, finden sie heraus, dass die Familie von recht vielen Schicksalsschlägen heimgesucht wurde. Vor einigen Jahren verschwand zunächst der Großvater spurlos, dann starb die Mutter bei einem Autounfall, der Vater nahm sich kurz darauf das Leben und nun, nach Benjamins Tod bleibt nur noch der jüngere Bruder, der 18-jährige Jakob, allein zurück. Bei den Ermittlungen fällt der Name Koller in Verbindung mit dem Cold Case eines achtjährigen Mädchens auf, die von den Kreidefelsen in den Tod gestürzt war. Benjamin Koller hatte auf das Mädchen aufgepasst. Gibt es zwischen den Fällen eine Verbindung? 
     

     
    Diesem Krimi liegt eine Familie zugrunde, die fast komplett ausgelöscht wurde. Die Schicksalsschläge überleben nur die Großmutter, die weit entfernt wohnt und der hochintelligente 18-jährige Jakob. Wie kann Jakob mit diesen Verlusten umgehen?
     
    Der Todesfall von Benjamin bringt die Ermittlungen von Romy Becare und ihrem Team ins Rollen. Sie untersuchen den Fall vom verschwundenen Großvater und finden heraus, dass der Tod der Mutter ein Unfall war und kein Fremdverschulden vorlag. Aber dann führt sie Benjamins Name zu einem Cold Case und neue Fakten bringen den Stein der Wahrheit ins Rollen. Der alte Fall wird wieder aufgenommen und bringt erstaunliche Hintergründe ans Tageslicht.

     
    Die Handlung birgt viele Fragen zu den Tathergängen, auch wenn offensichtliche Tatsachen gefunden werden. Es gibt immer wieder raffinierte Schachzüge der Ermittler, bei denen ich gehofft habe, dass sich der Täter nun doch endlich verrät. Aber diesem kniffligen Fall lässt sich nur mit zufälligen Fakten und reichlich Recherchearbeit beikommen. Man ahnt, wer der Täter ist, fragt sich nach den Gründen, aber lange Zeit sind stichfeste Beweise einfach nicht vorhanden. 
    Die Insel Rügen wird mit regionalen Schauplätzen bildhaft ins Spiel gebracht, man kann sich die winterliche Stimmung dort gut vorstellen und die Todesfälle sorgen zusätzlich für Gänsehautgefühle.  
     
    Der Erzählstil von Katharina Peters ist flüssig, wunderbar situationsbeschreibend und sie hat mich mit diesem raffiniert ausgeklügelten Krimi von Anfang bis zum Ende gepackt. Hier kann man gut miträtseln, hat einen Verdacht und weiß trotzdem nicht, warum und wieso genau dieser Täter hätte zuschlagen sollen. Das Ende hat mich dann von meiner anhaltenden Spannung erlöst und ich konnte das Buch mit ruhigem Gewissen zuschlagen.  
     
    Es gibt einige fragwürdige und verwirrende Indizien und wage Vermutungen zum Täter, die man einfach nicht glauben mag. Romy wird durch die pensionierte Ruth Kranold unterstützt und sie hat den engagierten und fachlich schlau agierenden Finn Maurer an ihrer Seite, der zwar recht jung ist, aber dennoch den Fall mit seinen Entdeckungen und entscheidenden Befragungen in die entscheidende Richtung manövriert. 
     
    Ein fesselnder und interessant aufgebauter Krimi, bei dem die Beweisführung die entscheidende Rolle spielt. Für alle Fans der Reihe unbedingt zu empfehlen und auch Quereinsteiger können diesen Band ohne Vorkenntnisse lesen. 


    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Taschenbuch Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



    Sonntag, 18. Februar 2024

    Rügentod - Sylvia Frank

    Dunkle Spuren der Vergangenheit

    Der Krimi "Rügentod" von Sylvia Frank erscheint im Aufbau Verlag. Der Name gehört dem Autorenehepaar Sylvia Vandermeer und Frank Meierewert.

    Rügen in den zwanziger Jahren: Dorothee von Stresow ist erfolgreiche Krimiautorin und lebt in Berlin. Nun kehrt sie anlässlich einer Schulfeier zurück auf die Insel Rügen, seit dem Tod ihrer Eltern beim Brand auf ihrem Gutshof war Dorothee nicht mehr hier. Sie trifft ihre alte Schulfreundin Margarethe, die ihr am nächsten Tag neue Erkenntnisse über den damaligen Brand mitteilen möchte. Doch bevor es dazu kommt, stirbt Margarethe durch einen Anschlag. Hier möchte jemand verhindern, dass Dorothee etwas über die Brandnacht erfährt. Doch Dorothee lässt sich nicht einschüchtern und nimmt mit dem Tierarzt Albert Badrow die Ermittlungen auf. Dabei genießt sie die Zeit mit dem Sohn ihres früheren Verwalters, weil sie schon als Mädchen in ihn verliebt war.  



    Die Geschichte spielt in den 20er Jahren, damals war Rügen bereits ein mondänes Seebad und die Gesellschaft in unterschiedliche Klassen aufgeteilt. Dorothee ist eine selbstbewusste Frau mit einem klaren Verstand, sie fährt Auto und ist für ihre Zeit ziemlich emanzipiert. Nun möchte sie endlich das Rätsel um den Tod ihrer Eltern lösen dieser Verlust und die Unaufgeklärtheit der Umstände lasten ihr schon lange auf der Seele. Sie mischt sich ungefragt in die Ermittlungen, was der Kommissar häufig einfach so hinnimmt. 

    Der Erzählstil wirkte auf mich nicht sehr flüssig und die Dialoge recht steif, womit vielleicht versucht wurde, die Sprache der Zeit nachzuempfinden. Außerdem läuft die Handlung ohne große Überraschungen und mit häufigen Situationsbeschreibungen ab, wobei die Täterverfolgung etwas in den Hintergrund tritt und dem Krimi dadurch die Spannung nimmt.
    Die Charaktere werden insgesamt recht grob beschrieben, aber Dorothee bekommt mehr Facetten und scheint als Frau weit ihrer Zeit voraus zu sein. Denn sie ist unverheiratet und recht forsch, fährt Auto und bringt die Ermittlungen auf eigene Faust voran, ohne irgendwo anzuecken. Das wirkt etwas übertrieben und sehr emanzipiert. Durch dieses Verhalten und den fehlenden Einblick in ihre Gedanken kam sie mir nicht sehr nahe.
    Ich fand es ungewöhnlich, dass Handlungen der Jagd und etwas über Wölfe in die Story eingebunden wurden. Doch das hat die Geschichte für mich auch nicht spannender gemacht, ganz im Gegenteil. Die einzelnen Ermittlungsteile fügen sich am Ende stimmig zu einem Ganzen, aber mich konnte die Handlung nicht überzeugen.
     
    Insgesamt eher ein durchwachsener Krimi, der mich nicht vollständig überzeugen konnte und von dem ich mehr Spannung erwartet habe.

    ***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

     


    Montag, 27. November 2023

    Wir Frauen aus der Villa Hermann - Pia Rosenberger

    Mitreißende Story mit Tiefgang, Zeitgeist und Frauenpower

     
    Im Aufbau TB Verlag erscheint der Roman "Wir Frauen aus der Villa Hermann" von Pia Rosenberger.

    Künzelsau, 1932: Nach dem Tod ihres Mannes verschafft sich Luise Hermann einen Überblick über die Geschäfte des familiengeführten Holzhandels und stellt entsetzt fest, dass sie finanziell am Ende sind. Luise steht mit ihren Kindern Erika und Rolf vor einer ungewissen Zukunft. Kann sie den Holzhandel weiter führen oder  hat sie mit einen eigenen Neustart mehr Chancen?  



    Bei diesem Roman habe ich mich in eine emotionale und spannende Story hineinziehen lassen, die von wahren Begebenheiten inspiriert wurde. Hier werden zwanzig Jahre Deutscher Geschichte sichtbar beschrieben und ich muss sagen, dieses Buch hat mich bis zum Ende gepackt und nicht mehr losgelassen. 

    Die Geschichte startet mit der tatkräftigen Luise Hermann, die zusehen muss, wie sie als Witwe ihre beiden Kinder Erika und Rolf durchbringen und den bankrotten Holzhandel ihres Mannes retten kann. Ihre Hausangestellte Marga lebt mit ihrer Tochter Lia ebenfalls in der Villa Hermann und ist ihr eine große Stütze. Gemeinsam stellen sie einen kleinen Betrieb für Näharbeiten auf die Beine. Erika, Lia und Rolf sind wie Geschwister, aber dann kommen die Nazis an die Macht und die Zeiten ändern sich. Lia lebt nun in Berlin und Rolf muss an die Front. Erikas Freund Martin flieht nach Amerika, denn er ist Jude. Als der Krieg beendet ist, finden Erika und Lia wieder zueinander und wollen das Nähgeschäft auf Blue Jeans umstellen, doch Luise ist skeptisch.

    Der wunderbar flüssige Erzählstil und die einfühlsam beschriebenen Charaktere führen zurück in eine Zeit, als Frauen noch als geschäftsunfähig angesehen wurden, als die politische Entwicklung und die Machtergreifung Hitlers zum zweiten Weltkrieg führte und das Leben vieler Menschen am seidenen Faden hing.

    Bei diesem Roman gefällt mir besonders die Themenbreite, sowie die lebendige und abwechslungsreiche Handlung, die mit Luises, Erikas und Lias Kampf um eine neue Existenzgrundlage für Spannung sorgt und gleichzeitig das Zeitgeschehen einbezieht. Man erlebt hautnah das Erstarken der Nazis mit und liest emotional betroffen von der Judenverfolgung und den Auswirkungen dieser politischen Entwicklung und erlebt schreckliche Szenen. Die Schilderungen dieser Zeit wirken authentisch und nicht überzogen, die Lebenswege der Figuren im Roman ist verschlungen und unvorhersehbar und die gezeigten Themen sind sehr vielseitig angelegt. Sie beschreibt das Leben mit den amerikanischen Besatzern, den blühenden Tauschhandel, aber auch Folgen von Homosexualität und das Leid von Kriegsheimkehrern. Im Mittelpunkt ihres Romans stellt Pia Rosenberger mutige Frauen, die sich gegen Nazihandlungen wehren, die als ledige Mütter gegen alle Anfeindungen ihren Weg gehen und sich einfach gegen die Männerwelt behaupten, wenn es darum geht, den Nähbetrieb aufrecht zu erhalten und für ihre Ansichten einzustehen.  

    Der Aufbau des Buches ist so geschickt gemacht, dass man zu keiner Zeit Probleme mit den handelnden Figuren hat und auch die jeweilige Zeit genau im Blick hat. Alle Figuren werden mit individuellen Facetten ausgestattet, die sie wiedererkennbar machen und ich habe mit ihnen gelitten, gebangt und gehofft und mich am Ende auch sehr gefreut. 

    Dieser Roman ist eine wunderbar unterhaltsame Lektüre mit emotionalen Momenten, mit sichtbar gemachtem politischen Zeitgeschehen und mit interessanten Protagonistinnen, die mir ans Herz gewachsen sind. Von mir gibt es die volle Leseempfehlung! 

     

    ***Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Aufbau TB Verlag!***