Eine atmosphärische Fortsetzung der Reihe
Wo das Feuerkraut blüht ist der zweite Band der Norrland-Reihe von Ulrika Lagerlöf, die im Gutkind Verlag erscheint.
1949, Nordschweden: Siv lebt zusammen mit ihrem Sohn Nils und ihrem Mann John, ist aber unglücklich und einsam in ihrer Ehe und kann ihre unerfüllte Liebe zu dem Sámi Nila nicht vergessen. In den Wäldern kommt es zu einem schrecklichen Waldbrand und Siv trifft eine Entscheidung, die alles in ihrem Leben verändern wird.
2022: Eva kehrt mit ihrem Sohn Vilgot in ihr Heimatdorf zurück und arbeitet in der Forstverwaltung. Vilgot kämpft mit Umweltaktivistin Fanny gegen die Abholzung der Wälder.
Der Roman knüpft an den Vorgängerband an und wir treffen erneut auf bekannte Figuren. Die Geschichte spielt in zwei Zeitebenen und wechselt zwischen 1949 und 2022 hin und her. Sivs Perspektive beschreibt ihre Ehe und ihr Leben in der Vergangenheit und wir erfahren auch, wie sehr ihr Sohn Nils unter Ausgrenzung und Gewalt von Mitschülern leiden muss. Denn das Gerücht, dass er nicht Johns leiblicher Sohn ist, macht unter den Bewohnern die Runde.
In der Gegenwart spielt Evas Geschichte, aus Sehnsucht nach ihrer alten Heimat kehrt sie zurück und macht sich auf die Suche nach der Geschichte ihrer Großmutter Siv. Zwischen der die Wälder ausbeutenden Forstwirtschaft und den Umweltaktivisten in Djupsele kommt es zu Konflikten, wodurch Eva beruflich und privat zwischen den beiden Seiten steht. Der Ärger mit ihrem Sohn ist vorprogrammiert.
Es kommt zu einem verheerenden Waldbrand, der Menschen, Tiere und Pflanzen bedroht und den Figuren im Roman verschiedene Entscheidungen abverlangt. Die Natur spielt in dieser Geschichte eine entscheidende Rolle und so erfährt man von einer Pflanze, die der verbrannten Erde genug Energie abtrotzt und wunderschöne purpurne Blüten trägt. Es ist das Feuerkraut, eine Pflanze, die Hoffnung sät, indem sie in verbrannter Erde noch wachsen kann. Dieser Hoffnungsschimmer ist die Botschaft für die gesamte Geschichte, in der es um verlorene Liebe geht, um Generationenkonflikt, um den Erhalt der Wälder und um die Rechte der Sámi.
Atmosphärisch und mit flüssiger Erzählweise führt Ulrika Lagerlöf durch ihren Roman, beschreibt wunderschöne Naturschilderungen und erzählt die Geschichte ihrer beiden starken Protagonistinnen, die die Suche nach dem persönlichen Glück verbindet Die Figuren werden sehr lebendig beschrieben und lassen einen Blick in ihre Gefühlswelt zu. Daneben erfährt man vom Alltag in Nordschweden, wobei mich der Part aus der Vergangenheit besonders interessiert hat. Im Laufe der Handlung kommt Eva Sivs Geheimnis zur Zeit des Waldbrandes im Jahr 1950 auf die Schliche, über das sie zeitlebens geschwiegen hat. Sie kann sich gut in diese Konfliktsituation hinein versetzen und versteht Sivs Handeln.
Dieser Roman beeinhaltet ernste, wichtige Themen des Lebens, dazu gehören die Unterdrückung und Vertreibung der Sámi, es geht um Mobbing unter Kindern und um den verantwortungslosen, gewinnbringenden Umgang mit der Natur. Im Inneren geht es aber um die geheimnisvolle Familiegeschichte, die die Lebenswege von Siv und Eva nachzeichnet und zeigt, was beide über Jahrzehnte unsichtbar miteinander verbindet.
Wo die Moltebeeren leuchten 1
Emotional gesehen hat mich Sivs Perspektive mehr erreicht als die etwas sachlicher geschilderte Story Evas. Die atmosphärische Schilderung der Natur mit ihren Wäldern und Tieren und die schneereichen Winter bilden einen passenden Rahmen zu der Geschichte.
Eine atmosphärische Fortsetzung der Reihe, in der es um Entscheidungen des Lebens und den Erhalt der nordischen Wälder geht.
***Herzlichen Dank an den Gutkind Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
Wo die Moltebeeren leuchten 1



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