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Dienstag, 23. Juni 2026

Sturm über Christiansø - Michael Kobr

Ein guter Mix aus Umweltthemen, liebenswerten Figuren und reichlich Bornholm-Flair!

Im Goldmann Verlag erscheint mit "Sturm über Christiansø" der vierte Band der Bornholm-Krimireihe von Michael Kobr.

Es ist Herbst auf Bornholm, Kommissar Lennart Ipsen hat seine neue Wohnung bezogen und genießt das Leben auf der Insel. Er plant ein Essen mit Kollegen und Freunden und einen Segeltörn mit seiner Tochter Ida, zuvor muss er jedoch erst mal seinen Segelschein machen und die Prüfungen stehen bald an. Da kommt ihm ein neuer Fall in die Quere.  
Auf Christiansø verschwindet die Umweltaktivistin Anna Steenberg und als Lennart auf der Insel ankommt, sitzt er wegen eines Sturms dort fest. Die Umweltaktivisten stellen sich gegen die Errichtung eines Windparks vor der Küste Bornholms.
  


In diesem Band werden die aktuellen Themen Umweltschutz und erneuerbare Energien aufgegriffen und die verschiedenen Gründe von Unterstützern und Gegnern aufgezeigt. 

Im Prolog werden wir Zeuge wie ein Matrose von einem Containerschiff ein geheimnisvolles Päckchen ins Meer wirft. Danach geht es mit Lennarts Leben weiter, er müsste endlich für seine nahende Segelprüfung lernen, kann sich aber gar nicht aufraffen. Doch ein neuer Fall nimmt seine Zeit in Anspruch. Dazu reist er auf die Erbseninseln, die Michael Kobr mit vielen interessanten Aspekten um Landschaft und Leute näher vorstellt. 

Die Erläuterungen über Vor- und Nachteile der Windparks sind sehr aufschlussreich und es wird klar, dass die Kontroverse nicht nur mit Worten ausgetragen wird. Große Spannung kommt hier noch nicht auf, dafür sorgen die sympathischen Figuren und einige humorvollen Szenen um Lennarts Vater Karl für gute Unterhaltung. Der Krimi lebt von Lennarts Privatleben und von der malerisch schönen Atmosphäre auf den Erbseninseln und den Witterungsbedingungen bei Sturm.

Wie gewohnt führt Michael Kobrs flüssiger Schreibstil locker und gut durch die Handlung und es kommt keine Langeweile auf. Durch die bildhaften Landschaftsbeschreibungen hat man einen guten Eindruck von den kleinen Inseln und beim Lesen kommen automatisch Urlaubsgefühle auf. Der Fall enthält einige überraschende Wendungen und ängt mit verschiedenen Motiven zusammen, Neid und Hass sorgen auch bei den Bewohnern der Erbseninseln für Gründe, die kriminelle Energie freisetzen. Bei diesem Band gefällt mir der familiäre Aspekt mit den Kochkünsten von Lennard Ipsen, der eingebaute Humor und das aktuelle Thema des Falls war dieses Mal wieder sehr spannend. 

"Sturm über Christiansø" ist ein unterhaltsamer und entspannter Krimi mit humorvollen Szenen, der die Entwicklung der Charaktere weiter begleitet.  

***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Goldmann Verlag für das Rezensionsexemplar!***  

 


Donnerstag, 26. Februar 2026

Der Tote auf Öland - Agneta Sjöberg

Hat mich leider nicht gefesselt!

Im Gmeiner Verlag erschien 2024 der Kriminalroman Der Tote auf Öland von Agneta Sjöberg.

Touristen finden auf der schwedischen Insel Öland einen grausigen Leichenfund. Die nackte männliche Leiche hat Schnitte im Gesicht und wurde offensichtlich Opfer eines Gewaltverbrechens. Deshalb übernehmen die Kommissare Luna Bofink und Alban Larsson die Ermittlungen. Als innerhalb weniger Tage vier weitere Menschen sterben, ist klar, dass es sich um einen Serienmörder handeln muss. 


Mit diesem Krimi habe ich mich sehr schwer getan und ziemlich durch gequält. 

Der Erzählstil ist zwar flüssig, aber die kurzen Sätze wirken teilweise wie abgehackt, dafür mochte ich die vielen Dialoge, die für eine stimmige und lebendige Atmosphäre sorgen. Ich finde die Idee mit dem Thema Menschenhandel durchaus passend für einen Thriller und die gezeigten Szenen sind Beispiele für die brutale Kriminalität in diesem Bereich.  

Die Handlung enthält sehr viele Protagonisten und wird aus verschiedenen Sichtweisen erzählt, das sorgt für Verständnisprobleme und man muss sich sehr konzentrieren, um die verschiedenen Personen richtig einordnen zu können.  

Die Hauptfiguren Luna und Alban wirken leider gar nicht wie professionelle Kommissare. Viel mehr sind sie oft ratlos und mit den zahlreichen Leichen einfach überfordert. Als Team wachsen sie trotz vieler Reibereien etwas zusammen, auf mich persönlich machen sie beide keinen sympathischen Eindruck.  

Ich habe mich bemüht, den roten Faden im Dickicht der fragwürdigen Rückblenden mit Menschentransporten und den Einblicken in eine Sekte zu finden. Das ist mir leider nicht gelungen und ich habe das Ganze erst bei der Auflösung am Ende verstanden. Vielleicht lag es an der Vielzahl an Nebenfiguren oder an einem für mich sichtbaren Motiv für die Morde. Ein paar Spannungsmomente sind durchaus vorhanden, insgesamt war dieser Krimi für mich eher anstrengend und hat mich nicht gefesselt. 

Dieser Schweden-Krimi hat mich leider nicht überzeugen können! 

 

                                      

Mittwoch, 4. Februar 2026

Die weiße Nacht - Anne Stern

Gelungener Krimiauftakt mit authentischer Atmosphäre 

 
Der Kriminalroman Die weiße Nacht von Anne Stern dreht sich um das Lou & König und erscheint im Piper Verlag. 
 
Berlin: Im Hungerwinter 1946/47 findet die junge Fotografin Lou Faber eine Frauenleiche im Schnee. Ihre gefalteten Hände fallen ihr sofort auf, sie macht Fotos von der Toten. Kriminalkommissar Alfred König untersucht den Fall und setzt Lou in seine Ermittlungen ein. Als weitere Leichen gefunden werden, erhöht das den Zeitdruck und bestimmte Spuren führen in die Vergangenheit.
 
 

 
In diesem Kriminalroman zeigt Anne Stern mal wieder ihr schriftstellerisches Können, sehr authentisch lässt sie die Atmosphäre des trostlosen Nachkriegs-Berlins auferstehen und erzählt vom eisigen Kältewinter, den die hungernden Menschen mit speziellen Möglichkeiten wie Diebstahl oder Schwarzmarkthandel überstehen müssen. Die Stadt ist durch die Besetzung der Alliierten in vier Zonen aufgeteilt. Einschneidende Veränderungen für die Bewohner Berlins, nun gelten Lebensmittelmarken als die Währung der Stunde. 
 
Lou trifft auf König als sie durch die Runinen der Stadt zieht. König imponieren ihre Fotos, die für Ermittlungen durchaus wichtig sein können. Sie raufen sich zu einem funktionierenden Team zusammen, beide bringen ihre Gedanken ein, wollen den Fall aufklären und setzen alles daran, den Täter zu fassen. Ihre Charaktere wirken auf mich vertrauenswürdig und zuverlässig und durch ihre persönlichen Hintergründe werden sie zu interessanten Figuren, die ich gerne begleitet habe. König ist vom Krieg gezeichnet und hätte sich nicht vorstellen können, für den Staat Verbrecher zu suchen. Ich bin neugierig, was man über ihn und auch über Lou im nächsten Band erfahren wird. 
 
In "Die weiße Nacht" beschäftigt sich Anne Stern mit einer besonderen Zeit und dem schwierigen Leben der Menschen im Nachkriegs-Deutschland. Sie erzählt bildhaft, unaufgeregt und lässt eindringliche Szenen der gut recherchierten historischen Hintergründe lebendig in die Handlung einfließen. Es ist berührend zu lesen, wie sie die Not, die Kälte, den Hunger und die Hoffnungslosigkeit der Menschen am Beispiel ihrer Figuren abbildet. Die zeitlichen Bezüge und die glaubhafte Darstellung der Menschen und ihrer Situation machen für mich ihre Bücher zu Pageturnern. Hier stehen nicht die brutalen, kriminellen Szenen im Vordergrund, sondern das authentische Leben der Bürger in dieser Zeit. So hat es mich auch nicht gestört, dass die Ermittlung eher nebengleisig vor der gelungenen Abbildung des Zeitgeschehens verläuft. Ich habe mich sehr nah in diese Zeit hineinfühlen können und mit den notleidenden Menschen gelitten. 
 
Ein authentisch und gut zu lesender Kriminalfall über eine düstere Zeit, die den Menschen alles abverlangte. Ich bin gespannt, welche Fälle das interessante Ermittlerpaar im nächsten Band aufklären müssen. 
 
 
***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 
 

Samstag, 17. August 2024

Mord in der Charing Cross Road - Henrietta Hamilton

Der Geist im Antiquariat

Im Klett-Cotta Verlag erscheint der bereits 1956 erschienene Krimi "Mord in der Charing Cross Road" von Henrietta Hamilton in der Übersetzung von Dorothee Merkel.

Sally arbeitet als Buchhändlerin in der antiquarischen Buchhandlung in der Charing Cross Road und schiebt regelmäßig Überstunden. Man munkelt, dass im Antiquariat ein Geist umgehe. Nachdem der unbeliebte Mr. Butcher Sally bei der Arbeit belästigt hat und einen ihr zur Seite stehenden Mitarbeiter beleidigt hat, wird er am nächsten Morgen tot an seinem Schreibtisch aufgefunden. Die Polizei vor einem Rätsel. Es verschwinden Bücher und Sally Merton und Juniorchef Johnny Heldar gehen den Dingen auf den Grund. 




In diesem Krimi taucht man in die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg ein, eine Zeit als Antiquariate mit ihren seltenen Erstausgaben noch Werte besassen, die man in der heutigen computergestützten Zeit eher vernachlässigt. 

Die Geschichte entpuppt sich als eine zeitbeschreibende Story, die mit mysteriösen Bücherdiebstählen und eines Todesfall für Spannung sorgen will und bei der sich am Rande eine Liebesbeziehung entwickelt. 

Sally und Johnny gehen den Spuren eines entwendeten Buches nach und finden heraus, dass auch in umliegenden Antiquariaten vermehrt Buchdiebstähle stattgefunden haben. 

Der Krimi startet mit einer umfangreichen Vorstellung der Mitarbeiter und Eigentümer der großen Buchhandlung in Londons Innenstadt, die man auch auf wenige hätte beschränken können, um dem Leser mehr Durchblick zu verschaffen. Dafür gefällt mir die bildhaft beschriebene Atmosphäre in der Buchhandlung und auch das gesellschaftliche Sittenbild der Figuren wird gut deutlich gemacht. Die Wortwahl der Dialoge bildet den respektvollen Jargon dieser Zeit ab und versetzen mich automatisch in die Nachkriegszeit wie in Agatha Christies Krimis. 

Geheimnisvolle Türen und mit angeblichen Sichtungen von rätselhaften Geistern wird versucht, Spannung zu erzeugen, doch das verpufft heutzutage ohne große Wirkung. Die literarischen Kostbarkeiten in Form von Erstausgaben mögen ja heute noch wertvoll sein, aber würde man heute dafür noch morden? Der Täter müsste unter den Mitarbeitern zu finden sein, oder sollte etwas der Geist für den Mord verantwortlich sein? 

Der Schreibstil wirkt auf mich sehr altmodisch und auch die beschriebenen Umgangsformen vermögen mich zwar in die Zeit zurückzuversetzen, auf Dauer finde ich die Geschichte aber auch recht langweilig und zu ausschweifend erzählt, als dass mich irgendwelche Spannung erfassen konnte.

Mord in der Charing Cross Road ist ein zeitbeschreibender Roman, dessen Krimihandlung eher am Rande mit ruhigen Ermittlungen aufwartet. Das auflösende Ende ist etwas klischeehaft und konnte mich leider nicht ganz überzeugen.
 

***Herzlichen Dank an für dieses Rezensionsexemplar!***



Sonntag, 17. März 2024

Gruß aus der Küche - Ingrid Noll

 Mal ein etwas anderer Noll! 
 
"Gruß aus der Küche" heißt der neue Roman von Ingrid Noll aus dem Diogenes Verlag. 
 
Die 40-jährige Vegetarierin Irma führt das Gasthaus „Aubergine“, dort beschäftigt sie ein Trüppchen unterschiedlicher Mitarbeiter, allen voran Josch, ewiger Student und Frauenschwarm, der bei Irma kellnert und dem sie sehr zugetan ist. Dazu kommen noch ihre Schulfreundin und Küchenhilfe Nicole, als Klatschbase bekannt, die 17-jährige Schulverweigerin Lucy als Mädchen für alles, sowie den 80-jährigen ziemlich tauben Pensionär Dr. Vinzent Soloth, der das Gemüse schnippelt und deshalb der "Gemüsemann" genannt wird. Die Zusammenarbeit im Gasthof klappt gut, aber dann bringen ein falscher Brief und eifersüchtige Verdächtigungen eine stürmische Unruhe in die Gemeinschaft, die für Schwung im Geschehen sorgt. 
 
 


Ingrid Nolls Bücher schätze ich wegen ihrer treffenden Bescheibung der Charaktere und ihres schwarzen Humors, sowie ihrer subtilen Art und Weise, unliebsame Männer aus dem Weg zu schaffen. Auch hier hat sie wieder einen Spannungsroman geschreiben, bei dem es aber keine Todesfälle am laufenden Band gibt. Hier liegt der Fokus eher auf den verschiedenen Personen, ihrem Handeln und ihren Vermutungen und Hoffnungen. Person um Person kommt zu Wort, durch diesen Perspektivwechsel entwickelt sich die Handlung allmählich zu einer spannenden Angelegenheit. 
 
Alle Charaktere haben ihre Ecken und Kanten, die man nach und nach kennenlernt und die für unterschwellige Differenzen sorgen. Ich habe mich gefragt, worauf dieser Roman hinauslaufen wird und konnte mir kein Bild davon machen. Die Handlung hat mir gut gefallen, sie ist schlüssig, unterhaltsam und interessant. Dabei treibt Ingrid Noll die Entwicklung ihrer Figuren immer weiter auf die Spitze und lässt uns an ihrem turbulenten Mit- oder Gegeneinander teilhaben. Die Gefühlswelt steht teilweise Kopf, es gibt Eifersucht, Liebe, Sex, Einsamkeit oder auch einfach nur den Wunsch nach Nähe, Arbeit oder Gemeinschaft. Wie das Ganze zusammen passt, hat Ingrid Noll auf kurzweilige und erfrischende Weise vorgelegt.

Zu den Figuren möchte ich nicht mehr verraten, man sollte sie alle lesend erleben und kann dann mit Spannung die aufkommenden Turbulenzen nachspüren. Der Erzählstil ist wie gewohnt ein Mix aus flüssiger Sprache, die mit Anglizismen und einer Jugendsprache aufgepeppt wurde. Durch die bunten Charaktere wird es humorvoll, tragisch, lustig, nachdenklich, bissig und ganz einfach unterhaltend. Allerdings hätte ich mir etwas mehr von der tödlichen, teuflischen und mörderischen Ingrid Noll gewünscht. Aber ein Buch ist keine Wunschkonzert, genau wie der Gruß aus der Küche! 

Dieser Gruß aus der Küche ist unterhaltsam, appetitanregend und überaus originell, aber leider nicht ganz so mörderisch, wie ich es von Ingrid Noll erwartet habe!
 
***Ganz herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 


  • Noll, Ingrid - Die Häupter meiner Lieben  
  • Noll, Ingrid - Der Hahn ist tot
  • Noll, Ingrid - Kalt ist der Abendhauch  
  • Noll, Ingrid - Kuckuckskind 
  • Noll, Ingrid - Ladylike
  • Noll, Ingrid - Selige Witwen
  • Noll, Ingrid - Gruß aus der Küche
  • Noll, Ingrid - Über Bord  
  • Noll, Ingrid - Nachteule 
  • Noll, Ingrid - Halali 
    • Sonntag, 15. Oktober 2023

      Heiße Tage an der Förde - Hannes Nygaard

      Kniffliger Wirtschaftskrimi mit hochaktuellen Themen


      "Heiße Tage an der Förde" ist der neue Krimi von Hannes Nygaard, der im Emons Verlag erscheint.
       
      Es ist Hochsommer und durch den Klimawandel sorgen Hitzewellen und Hochwasser für unerträgliche Zustände. Kriminalrat Lüder Lüders hat währenddessen ganz andere Sorgen, nach einem Drohbrief gegen den Benzin- und Ölkonzern Nordic Energi kommt es einem brutalen Mord an einem Tankwagenfahrer und schliesslich explodiert der Tanklastzug eines örtlichen Unternehmens. Die Anschläge sorgen für eine brisante Situation. Aber wer steckt dahinter? Lüders wagt sich mit seinen Ermittlungen in ein tödliches Inferno internationalen Ausmaßes.  
       

       
      Der Krimi startet spektakulär mit einer tödlichen Folge des Klimawandels, wie aufgrund der klimabedingten Hitzewelle ein älterer Mann tragisch zu Tode kommt. Doch damit nicht genug, hinterm Deich der Kieler Förde geht es auch im kriminellen Bereich heiß her und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es geht um internationale Wirtschaftsinteressen und um kriminelle Machenschaften, denen die nationalen Klimaziele völlig egal sind. 
       
      Hannes Nygaard beweist in diesem Buch sein Talent, aktuelle Themen in einen spannenden Krimiplot einzubauen und nutzt die aktuellen Energiethemen um fossile Energie und Klimaschutz unter dem Aspekt der internationalen Interessen für eine dramatische Krimihandlung. 
      Die Story spielt an der Kieler Förde, im malerischen Schleswig-Holstein, wo der Kieler Ermittler Lüder Lüders als Spezialist für Wirtschaftskriminalität eine schwierige und gefährliche Ermittlung zu bestreiten hat. Ein Attentat auf den Fahrer eines Öltankers bringt die Sache ins Rollen. 
      Lüders Nachforschungen führen im Zusammenhang mit den Drohbriefen zu einer Umweltschutzgruppe. Er geht den Spuren nach und kommt immer mehr wirtschaftlichen Machenschaften auf die Schliche. 
       
       
      Der Erzählstil ist gewohnt sehr flüssig und orts-, sowie situationsbeschreibend mit regionalem Bezug durch Landschaft und Dialoge im norddeutschen Stil. Während der Ermittlungen im Energiesektor dampft die Atmosphäre vor Hitze und die ungewisse Bedrohung und kriminelle Handlung fesselt mit einem Wirtschaftskrimi der besonderen Art. 
      In diesem Krimi kommen zahlreiche Figuren zusammen, die zwar recht eindeutig beschrieben werden, für die man aber doch eine Weile braucht, bis man sie relativ gut in wichtige oder unwichtige Personen einordnen kann. Nygaard widmet sich in diesem Buch den aktuellen Themen Energiepolitik, Interessen von Großkonzernen und Wirtschaftsmächten, sowie dem Kampf der Klimaschützer.

      Man kann das Buch durchaus als sehr spannend bezeichnen, ich musste mich aber stark konzentrieren, um die vielen kriminellen Hintergründe mit den unterschiedlichen Verknüpfungen nachzuvollziehen. 

      Ein kniffliger Wirtschaftskrimi, der die Tragweite internationaler Interessen sichtbar macht. 

       

      ***Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Emons Verlag!***

       


      Dienstag, 30. Mai 2023

      Bretonisch mit Sturm - Gabriela Kasperski

      Eine bretonische Hochzeit mit Hindernissen

      "Bretonisch mit Sturm" ist ein weiterer Kriminalroman aus der Reihe um Tereza Berger von Gabriela Kasperski, der im Emons Verlag erscheint.  

      Buchhändlerin Tereza Berger reist mit Commissaire Gabriel Mahon zu einer Hochzeit nach Ouessant, der westlichsten Insel Frankreichs. Die Hochzeitsvorbereitungen werden allerdings von einigen Hindernissen begleitet. Das fängt schon mit einem Sturm an, mit einigen toten Vögeln, die an den Klippen gefunden werden und schliesslich wird auch noch der Bräutigam vermisst. Was läuft hier? Und was haben die Proteste gegen den geplanten Windpark mit dem Ganzen zu tun? Tereza hat alle Hände voll zu tun, um die Dinge aufzuklären! 


      Der vierte Band beginnt mit einer stürmischen Anreise Terezas auf das sturmumtoste Archipel Ouessant im Atlantik. Tereza soll Gabriel Mahon zu einer Hochzeitsfeier begleiten, doch schon bald ist sie in Dinge verwickelt, die eine romantische Hochzeit nicht zulassen. Doch als begeisterte Hobbydetektivin stürzt sie sich in die Ermittlungen und findet einige merkwürdige Dinge heraus, die in Verbindung zu einem alten Buch stehen, dass eine Geschichte um das Schiff "Drummond Castle" um 1896 erzählt. Die Novelle trägt den Titel "Reise in die Hölle" und ist am Ende der Schlüssel für die Vorgänge auf Ouessant. 

      Dieses Mal spielt der Krimi auf der von der Außenwelt abgeschnittenen Insel Ouessant im Atlantik. Dort wird mit erschwerenden Wetterbedingungen eine bedrohliche Atmosphäre kreiert, es herrscht Sturm. Und auch unter den Bewohnern Ouessants herrscht kein friedliches Stimmungsbild, kaum angekommen erlebt Tereza die gegnerischen Lager bei den Hochzeitsvorbereitungen des Paares Sean und Nathalie. Sean ist Inselbewohner, während Nathalie für eine Firma arbeitet, die auf der Insel Windkraftanlagen bauen soll, was bei den meisten Bewohnern und besonders bei ihrem Schwiegervater Patrick auf Ablehnung stößt. Und dann sorgt ein Sturm mit Stromausfall für ein beängstigendes Hintergrundszenario, der noch von einigen gruselig anmutenden Vogelfunden getoppt wird. Die tot aufgespiessten Vögel wurden mit Fahnen der Windkraftgegner in Szene gesetzt. Wer könnte dahinter stecken? Hängt der offen ausgetragene Streit zwischen Patrick und Loic Martin, dem Chef der Windkraftfirma, damit zusammen? Tags darauf ist Loic tot und Nathalie verdächtigt Patrick und stürzt sich in die Ermittlungen. Doch die Inselbewohner sind wortkarg und verschlossen, Fremde sind für sie mit Vorsicht zu genießen. Aber Tereza findet interessante Dinge über die Insel heraus und auch über die Leuchttürme, die seit jeher die Seeleute vor den gefährlichen Klippen warnen sollten. Vor der Küste sank 1896 die "Drummond Castle", wovon die Novelle erzählt, die Tereza von Mahon erhalten hat. In der Geschichte ist auch von einer Schmuckschatulle die Rede, die der englischen Königin Victoria gehört haben soll. Sind hier Strandräuber in den Besitz der Schatulle geraten und warum verschwindet der Bräutigam auf einmal?
       
      In diesem Krimi werden viele Fragen aufgeworfen, die die Sicht auf die wirklichen Vorgänge erschweren. Vom Thema her, ist die Geschichte spannend und sehr interessant, aber leider auch nicht so leicht zu durchschauen, weil viele Faktoren hineinspielen. Unterschwellig sorgen keltische Sagengestalten und eine geheimnisvolle Novelle für ein mystisches Flair, das ich in Krimis nicht sehr schätze. Neben dem aktuellen Geschehen auf der Insel hat man immer wieder Einblicke in Szenen der Novelle, die sich mir erst am Ende erschlossen hat. 
      Besser gefallen mir die authentischen Szenen, in denen die Naturgewalten in Form von Stürmen über die Insel toben und für Unheil und Zerstörung sorgen. Mich hat es beim Lesen ordentlich gegruselt und auch die vielen Verdächtigen haben für eine ungemütliche Grundsituation gesorgt. Von Wohlfühlen war hier für mich keine Möglichkeit. Tereza mischt sich mal wieder völlig angstfrei ins Getümmel, setzt selbt bei diesen widrigen Wetterextremen ihr Leben aufs Spiel und untersucht die gegensetzlichen Meinungen in Bezug auf den Windparkanlagenbau. Gabriela Kasperski versteht es, die zwischenmenschlichen Beziehungen der wortkargen Bewohner und der Zugereisten ins rechte Licht zu rücken und sie authentisch darzustellen. Und die bildhaft beschriebene Landschaft erweckt einen besonderen Eindruck dieser Insel, deren Leuchttürme und Strandabschnitte ich gerne einmal besuchen würde. Allerdings ohne Sturm!

      Ein rätselhafter, atmosphärischer Krimi, der mit keltischen Symbolen und einer stürmischen Kulisse für unheilvolle Szenarien sorgt. 
       

      ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


                                

      Montag, 30. Mai 2022

      Schatten über Saint-Tropez - Sabine Vöhringer

      Angenehm spannende Krimiunterhaltung mit schönem Frankreichflair

       
      Der Kriminalroman "Schatten über Saint-Tropez" ist der erste Fall für Conny von Klarg von Sabine Vöhringer, der im Goldmann Verlag erscheint. 
       

      Journalistin Conny von Klarg ist gerade frisch getrennt von ihrem Freund Félix und fährt für einen Reisebericht nach Saint-Tropez. Dort möchte sie ihre mütterliche Freundin und Hotelbesitzerin Simonette besuchen, doch statt sie im Hotel anzutreffen, befindet sich Simonette wegen Mordverdachts an Milliardär Henri Moreau in der Gendarmerie. Conny ist von Simonettes Unschuld überzeugt und sucht nach entlastenden Beweisen und den wahren Hintergründen des Mordfalls. Dabei stösst sie unter den Bewohnern des Küstenstädchens auf eine Mauer des Schweigens. Welche alten Geheimnisse sollen hier verborgen bleiben?
       

       
      Bei diesem Krimi habe ich mich einerseits auf die wunderbare Kulisse der südfranzösichen Landschaft gefreut und außerdem auf das Kennenlernen der neuen Ermittlerin Conny von Klarg. 

      Conny möchte ihrer alten Freundin Simonette helfen, doch die verschweigt ihr wichtige Informationen. Was hat sie zu verbergen und welches Geheimnis möchte sie nicht ans Licht der Öffentlichkeit kommen lassen? Es ist ein etwas verzwickter Fall, weil viele Figuren involviert sind, die jeweiligen Beziehungen nicht auf Anhieb zu durchschauen sind und man nicht einschätzen kann, wer hier welche Interessen vertritt. Da gibt es Grundstücksspekulanten, die nur an ihren Profit denken und außerdem sorgen verschwundene Kunstwerke für große Fragezeichen. Ist Simonette an diesen Machenschaften beteiligt, Conny kann sich das nicht vorstellen. Aber wer hat den Milliardär Henri Moreau dann auf dem Gewissen?
      Bei ihren Ermittlungen bringt sich Conny selbst in Gefahr, scheinbar bleiben ihre Nachforschungen nicht unbemerkt und dann taucht auch noch ihr Ex Félix wieder auf und ist ebenfalls im Fall unterwegs.

      Der Fall ist von der Grundidee her interessant angelegt, leider entwickelt sich die Handlung durch einige Zeitsprünge und zahlreiche manchmal zu ausführlich eingebaute Nebenfiguren anfangs recht wirr. Diese unterschiedlichen Personen gedanklich zu ordnen hat mir den Einstieg in die Geschichte etwas erschwert und nur wenige sind für die Handlung wirklich wichtig. Der Einblick in Connys Leben lässt uns erfahren, wie sie Félix kennengelernt hat. Ihre Beziehung scheint nicht so harmonisch zu laufen, wie es sich Conny erhofft hat. Das Wiedersehen wühlt nun alte Erinnerungen auf. 
      Der roten Faden wird durch die Mordermittlung bis zum Ende durchgehalten. Für unterhaltsame Momente sorgen die stimmungsvollen Beschreibungen von Land und Leuten, von Lavendelduft und Thymia, dem erwähnten Mistral und der Küche Südfrankreichs, die beim Lesen Urlaubsgefühle aufkommen lassen. Zu diesem Flair passen auch die erwähnten Gemälde namhafter Künstler, die sich von diesem schöne Fleckchen Erde für ihre Werke inspirieren ließen. 
       
      Die Auflösung des unblutigen Falls entblättert sich Stück für Stück, Sabine Vöhringer legt durch die vielen Personen immer neue Fährten, die sich dann durch neue Wendungen als nichtig erweisen. So wird es insgesamt spannend, aber es ist schwierig, eigene Lösungsmodelle zur Tat zu entwickeln. Trotzdem habe ich diesen Krimi bis zum Ende gefesselt verfolgt und bin gespannt, wie sich Conny in ihrem nächsten Fall schlagen wird.

      Ein fesselnder Urlaubskrimi, der Sehnsucht nach Saint-Tropez aufkommen lässt und mit der unerschrockenen Conny einfach für gute Unterhaltung sorgt.

       
      ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Goldmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
       



      Sonntag, 6. März 2022

      Gezeitenmord - Dennis Jürgensen

      Ein guter Auftakt mit reichlich Luft nach oben

      Im Kiwi Verlag erscheint der Krimi "Gezeitenmord" von Dennis Jürgensen.

      Der Lehrer Lasse und sein Schüler Villads sind bei einer Wattwanderung in eine Nebelbank geraten und irren herum, dabei finden sie einen Toten. Lykke Teit übernimmt erstmalig die Ermittlungen in diesem Mordfall im Deutsch-Dänischen Grenzgebiet. Sie kannte den Toten, um aber den Fall nicht entzogen zu bekommen, verschweigt sie das. Von deutscher Seite bekommt sie Unterstützung von Rudi Lehmann von der Flensburger Mordkommission und sie konzentrieren ihre Ermittlungen auf die Bewohner des kleinen Dorfes Melum. Es gilt aber nicht nur den Mord aufzuklären, denn Lasse wurde niedergeschlagen und Villads ist seitdem wie vom Erdboden verschwunden. Und es gab schon einmal ein vermisstes Kind im Dorf Melum.

      Bei diesem Krimi habe ich mich auf ein neues Ermittlerteam gefreut und wurde nicht enttäuscht. Lykke und Rudi waren mir schnell sympathisch, auch wenn sie grundverschieden sind, kommen sie gut miteinander aus und ergänzen sich perfekt. Beide tragen dunkle Erlebnisse aus der Vergangenheit mit sich, die jedoch nur informationshalber in die Handlung einfließen. Bei der Zusammenarbeit mit der recht unfähigen Provinzpolizei wird es durch ihre übergeordnete Befugnis schwierig, denn die ortsansässigen Beamten fühlen sich der Aufgabe durchaus gewachsen. Die Einbindung solcher Klischees sorgt immer für einen besonderen Unterhaltungskick, den ich in Krimis gerne miterlebe. 

      Das erste Kapitel (Ist das dann ein Prolog?) wirkte auf mich sehr nebulös, etwas unheimlich und im Ganzen ziemlich fragwürdig. Mit den beschriebenen Vorgängen konnte ich erst viel später etwas anfangen. 

      Dennis Jürgensen hat einen sehr flüssigen Schreibstil und führt mit recht bildhaften Beschreibungen angenehm durch die Handlung. Man erhält die nötigen Informationen über den Fall und die Personen und wird nicht mit unnötigen Nebensächlichkeiten zugetextet. 

      Der Tote steht in Verbindung mit verschwundenen Kindern und durch die Nachforschungen durchdenken Lykke und Rudi ständig den Wendungen angepasste neue Theorien, die man gespannt verfolgt. Doch gerade mit diesen häufig durchdachten und dann wieder verworfenen Theorien habe ich mich schwer getan. Das wirkt auf Dauer nicht mehr spannend, weil man kaum noch eigene Ideen zu den Tatvorgängen entwickeln kann und dann das Interesse irgendwann nachlässt. 

      Ein guter Auftakt einer Krimireihe mit sympathischen Ermittlern und einem interessanten Fall im Deutsch-Dänischen Grenzgebiet. Auf die nächsten Fälle bin ich schon gespannt.

       

      ***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***

       


       

      Samstag, 10. April 2021

      Mordsand - Romy Fölck

      Späte Rache für erlittenes Leid 

      Ein fesselnder Krimi, der das dunkle Kapitel von Jugendwerkhöfen in der DDR thematisiert

      Der Kriminalroman "Mordsand" ist der vierte Band der Elbmarsch-Krimi-Reihe von Romy Fölck aus dem Lübbe Verlag. 

      Ein junges Paar entdeckt am Sandstrand der kleinen Insel Bargsand an der idyllischen Unterelbe den Schädel eines Skeletts. Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn von der Mordkommission Itzehoe übernehmen den Fall. Es handelt sich um die Leiche eines männlichen Toten, der an Händen und Füßen gefesselt dort vor dreißig Jahren vergraben wurde. Als kurze Zeit später auf einer anderen Elbinsel erneut eine vor kurzem im Sand eingegrabene Leiche gefunden wird, nimmt die Ermittlung an Brisanz zu. Die Spur führt in die ehemalige DDR zu einem Jugendwerkhof. Wie hängen die Fälle zusammen?


      Frida und Bjarne sind ein tolles Ermittlerteam, beide sind sympathische Protagonisten, über deren Privatleben man in diesem Krimi auch wieder einiges erfährt. Die Fälle werfen zu Beginn einige Rätsel auf, denn zwischen den Taten liegt eine Zeitspanne von 30 Jahren. 

      Richtig mitgenommen und emotional berührt haben mich die dramatischen Rückblenden, die in den 80er Jahre spielen und uns schreckliche Ereignisse von Jugendlichen in einem Jugendwerkhof in der ehemaligen DDR vor Augen führen. Dieses dunkle Kapitel der DDR zeigt die unbarmherzige Härte, mit der die jungen Bewohner malträtiert und gedrillt wurden, um ihnen sozialistischen Gehorsam einzubläuen. Auch das Gruppengefüge der Jugendlichen untereinander war keinesfalls sozial, denn sie wurden gegeneinander ausgespielt. Man kann sich gut vorstellen, dass alles so stattgefunden haben könnten. Schnell wird klar, diese Vorgänge müssen der Schlüssel zu den Leichenfunden an der Elbe sein, aber man tappt weiter im Dunkeln, denn die Polizeiarbeit zeigt keine heiße Spur. Erst ein Zufall bringt die Ermittlungen in die entscheidende Richtung. 

      Romy Fölcks Schreibstil liest sich absolut flüssig und ihre bildhaften Beschreibungen der Elblandschaft untermalen die Szenerie auf wunderbare Weise. Die Dialoge sind auf den Punkt, zeigen die Polizeiarbeit aus nächster Nähe und vermitteln einen authentischen Verlauf der Ermittlungen. Diese werden allerdings immer von einigen Vorkommnissen unterbrochen, was dem Krimi einen romanhaften Charakter verleiht. Gegen Ende sorgt ein fesselnder Showdown noch einmal für einen Anstieg der Spannungskurve. 

      Dieser Fall erinnert an das dunkle Kapitel von Jugendwerkhöfen der DDR und lässt den Leser nachdenklich werden. Dieses Leid sollte nicht in Vergessenheit geraten. Ein interessanter Kriminalfall mit lesenswerter Elbmarsch-Stimmung und sympathischen Charakteren. 

       


       Fölck, Romy - Bluthaus 

       

      Sonntag, 14. Juni 2020

      Ein dunkler Sommer - Thomas Nommensen

      Solider Krimi mit lebendigem Erzählstil und interessantem Fall


      Der Kriminalroman "Ein dunkler Sommer" von Thomas Nommensen erschien bereits 2014 im Rowohlt Verlag.

      10 Jahre liegt die Entführung der kleinen Ulrike zurück, grausam versteckt in einem Kanalschacht, in dem sie auch verstarb. Nach der Aussage des Belastungszeugen, dem damaligen Polizeiermittler Georg Harms, wurde der Familienvater Jens Brückner zu 10 Jahren Haft verurteilt und saß die Zeit im Gefängnis ab. Nach seiner Entlassung steht er vor einem Scherbenhaufen, die gewonnene Freiheit wird ihm schwer gemacht. Als wieder ein Kind vermisst wird, ermittelt Kommissar Arne Larsen. 



      Dieser Krimi hat es thematisch gesehen in sich, Kindesentführung mit Todesfolge ist immer ein abgründiges und schweres Verbrechen. Und die Menschen gehen solche Täter oder Verurteilte auch scharf an, auch wenn sie ihre Haftstrafe abgesessen haben, das muss auch der Tatverdächtige und Verurteilte Jens Brückner erfahren. Jahrelang beteuerte er seine Unschuld. Als er nach seiner Freilassung mit Oskar Sartorius reden will, findet er ihn ermordet auf und taucht unter. Ihm würde niemand mehr glauben.

      Die Handlung fängt ruhig an, führt in die Hintergründe des alten Falls ein und zeigt, wie Jens Brückner nach dem Absitzen seiner langen Haftstrafe vor dem Nichts steht.
      Es geschieht wieder ein Mord, Brückner entdeckt den Toten, würde sicher wieder verdächtigt, also flieht er. Die Ermittlungen beschäftigen Arne Larsen und Frank Kuhlmann. In Sartorius Werkstatt finden sie ein Verließ, das auf den Aufenthalt von Kindern hindeutet. Und wieder wird ein Kind vermisst. Hängt der alte Fall mit dem neuen in Verbindung?

      Beim Lesen erkennt man schnell, dass in dem neuen Fall auch Ermittler Harms und Brückner irgendwie involviert sein müssen. Doch die Puzzleteile werden mit einigen Wendungen geschickt so verteilt, dass man als Leser nicht auf die Lösung kommt.

      Die Ausgangslage hat mich bei diesem Buch interessiert. Wie entgeht es entlassenen Straftätern, die ihre Schuld leugnen und denen man nicht mehr glauben mag. Mit der Schilderung von Albträumen, Schuldgefühlen und dementen Ansätzen gewinnt man Einblicke in die verletzte Seele von Menschen, allerdings konnte ich einige Handlungen und Motivationen nicht nachvollziehen. Die hochsommerliche Wetterlage mit Gewitter und Starkregen sorgt zusätzlich für eine düstere Atmosphäre und auch die bildhaften Szenenbeschreibungen haben mich gepackt. Ein Kritikpunkt sind für mich die Figuren, zu denen ich trotz all ihrer detailreichen Charakterisierung keine Nähe aufbauen konnte. 

      Ein interessanter Krimiauftakt mit psychologischen Betrachtungen und einigen Wendungen. 


      ***Vielen Dank an den Autor für dieses Leseexemplar!***


      Samstag, 2. Juni 2018

      Sommernachtstod - Anders de la Motte

      Ein düsterer, atmosphärisch dichter Krimi, der ruhig erzählt wird und dennoch fesselt. 

      Der Kriminalroman "Sommernachtstod" des schwedischen Autors Anders de la Motte erscheint im Droemer Verlag.  

      Es ist wie ein düsterer Schatten, der über einem Dorf in Südschweden liegt. Dort verschwand vor 20 Jahren der kleine Junge Billy Lindh spurlos. In der Folge nahm sich die Mutter des Jungen das Leben und der von allen Verdächtige tauchte unter und ging zur See. 
      Billys Schwester Vera Lindh ist inzwischen Therapeutin in Stockholm und bekommt von ihrem neuen Patienten Isak eine beunruhigende Geschichte über einen verschwundenen Jungen erzählt. Vera ist sofort alarmiert und möchte das Rätsel von damals endlich aufklären. Sie geht zurück in ihr Heimatdorf und trifft auf eine Mauer des Schweigens.




      "Sommernachtstod" ist mein erster Krimi von Anders de la Motte, der bereits in Schweden einige Preise verliehen bekam. 
      Wie bei den Wallander-Krimis und bei anderen schwedischen Krimis, ist es hier der ruhige und dennoch düstere und bedrückende Erzählstil, der mir gut gefällt. Der Autor zeigt genaue Einblicke in die menschlichen Abgründe und verwirrt mit einem stimmungsvollen Wechsel von Perspektiven aus Vergangenheit und Gegenwart.

      Nach langer Zeit kehrt Vera in ihr Elternhaus zurück, denn sie möchte das Rätsel um das Verschwinden ihres kleinen Bruders Billy aufklären. Sie lernt den Patienten Isak kennen, der durchaus ihr Bruder sein könnte. Warum sollte er sonst Einzelheiten des Verschwindens kennen? 

      Vera taucht in ihren eigenen Gedanken in die Vergangenheit zurück und versucht sich an Details zu erinnern. Dabei wird sie auch mit eigenen Ängsten konfrontiert. Sie leidet noch immer sehr am Tod ihrer Mutter und nun ist sie selbst Therapeutin für Trauerbewältigung geworden. 
      Ihr Charakter hat mir einige Schwierigkeiten gemacht und ich konnte mit ihr nicht warm werden. Dennoch hat mich die Story gefesselt und die raffiniert eingebauten Einblicke haben mich an das Buch gefesselt.
      Ihre Nachforschungen bleiben nicht ohne Folgen, es kommt zu Problemen mit verschiedenen Personen. Ihre Verwandten sind nicht einfach zu durchschauen und so baut sich beim Lesen ein düsteres Bild auf. Bei diesem Krimi kann man selbst gut miträtseln und das Ende nimmt einen unerwarteten Ausgang, der auch absolut logisch erscheint. 

      Die gelungenen Wechsel der Erzählstränge sorgen für fesselnde Spannungsmomente und die Figuren mit ihren teilweise schwierigen Charakterzügen für eine unheilvolle und bedrückende Atmosphäre. Es gibt Andeutungen zwischen den Zeilen, die eine quälende Ungewissheit auf das Verschwindens des kleinen Jungen werfen. Die Handlung ist atmosphärisch dicht und punktet durch den ruhigen Erzählstil.
      Von der gedrückten Stimmung wurde ich mitgerissen, es hat mir lediglich eine Sympathiefigur, ein Held oder Ermittler gefehlt. Das konnte Vera mit ihrer etwas labilen Art nicht darstellen. 


      Bei diesem Buch hat der Autor neben den Gefühlen auch die menschlichen Abgründe gut eingefangen. Für Liebhaber von Krimis mit psychologischem Tiefgang ist dieses Buch sicher gut geeignet. 


      ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und an den Knaur Verlag für dieses Buch!***
       

      [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG] 

      Anders de la Motte - Der Tod macht Urlaub in Schweden 1

      Samstag, 7. April 2018

      Mordzeitlose - Patricia Holland Moritz

      Ein Gartenkrimi der besonderen Art und nicht nur für Pflanzenfreunde.


      Pflanzen: Äußerlich schön, aber innerlich giftig.

      Der Kriminalroman "Mordzeitlose" von Patricia Holland Moritz erscheint im Gmeiner Verlag.

      Margrit Kunkel wird in einer Gärtnerei groß, ihre Mutter verstirbt recht mysteriös und Margrit verschreibt sich dem Studium der Botanik. Im Reich der Pflanzen macht sie sich einen Namen und übernimmt die Leitung der Holländischen Gartenakademie in Berlin. Sie entwickelt das Modell des »Slow Gardenings« für eine harmonische Umwelt. Ein Ermittler stellt die Zusammenhänge zwischen dem verschwundenen Freund Margrits und dem Tod ihrer Mutter her. 



      "Keine der Pflanzen hier hatte Wurzeln wie diese. Und es war auch keine Wurzel, die sich da aus dem Boden drängte, als wäre darunter nicht genug Platz. Das hier war ihr Traum, der Realität geworden war." Zitat Seite 299 

      Patricia Holland Moritz hat einen wundervoll beschreibenden Schreibstil, der Stimmungen und Schauplätze dem Leser auf eine besondere Art und Weise nahe bringt. Man versinkt in ihren Bildern und träumt so vor sich hin, dabei erscheint die kriminalistische Hintergrundgeschichte eher als nebensächliche Lapalie. 

      Schnell taucht man in Margrits Leben ein und erkennt ihre Probleme in der nicht ausgelebten Kindheit, sieht ihren beruflichen Ehrgeiz und wie sie ihr ganzes Wirken den Pflanzen widmet. Sie hat schon früh ein Ziel vor Augen, den Menschen mit bestimmten Pflanzen das Lebensumfeld zu verschönern und die Welt mit Pflanzen besser zu machen. Während andere Frauen heiraten, Kinder kriegen und soziale Kontakte pflegen, bleibt Margrit, nachdem ihr erster Freund sie verlassen hat, eher zurückhaltend, fast schon introvertiert und arbeitet für eine Gartenzeitung und in ihrem Gewächshaus. In der Welt der Pflanzen scheint sie aufzugehen, an äußerlichen Dingen und speziell an Männern ist sie wenig interessiert und sie hat nur eine einzige besondere Liebelei, die Brieffreundschaft zu einem einflussreichen Leiter einer Gartenakademie. 

      Die Geschichte hinter der offensichtlichen Geschichte der Gartenkarriere der Margrit K. ist die entscheidende. Man ahnt so einiges, kann es auch teilweise sogar mit Opfern benennen und doch glaubt man nicht an die sich immer mehr anbahnende Offenbahrung der Wahrheit. 

      Dieser Krimi lebt von den leisen Tönen, er ist ruhig und besonnen und auf keinen Fall ein reißerischer Krimi. Das will er auch gar nicht sein, denn die Autorin beschreibt eine schlichte, harmlos erscheinende Fassade, hinter der das Böse lauert. Mit dem Blick auf die Wirkungsweise von Giftpflanzen, die ja auch eine positive medizinische Wirkung haben, lauert die Gefahr in der negativen Wirkung.

      Ich wurde unweigerlich gefangen von dem Thema und konnte tief in die Geschichte eintauchen, streckenweise war es etwas in die Länge gezogen, aber dadurch konnte man noch mehr von den Figuren erfahren. 

      Ein Gartenkrimi der besonderen Art und nicht nur für Pflanzenfreunde. Ich habe Mordzeitlose gerne gelesen und kann es denjenigen empfehlen, die ruhige Bücher mit schöner Erzählweise schätzen. 


      ***Herzlichen Dank an den Gmeiner Verlag für dieses Reziexemplar!***


       



      [Werbung] Ich möchte darauf hinweisen, dass ich für diesen Beitrag nicht bezahlt wurde und ihn aus freien Stücken veröffentliche.


      Dienstag, 2. Januar 2018

      Tragödie auf einem Landfriedhof - Maria Lang

      Klassischer Whodunit zum gemütlichen Entspannen und Rätseln


      Den Kriminalroman "Tragödie auf einem Landfriedhof" schrieb die schwedische Autorin Maria Lang bereits 1954, im btb Verlag erscheint er als Taschenbuch 2017.
      Maria Lang gilt als die schwedische Agatha Christie, zwischen 1949 und 1990 veröffentlichte sie insgesamt 42 Kriminalromane. (Werbung)


      Schweden 1954: Am Weihnachtsmorgen im Dörfchen Västlinge fallen Schneeflocken, die Menschen bereiten sich auf das Weihnachtsfest vor. Der Ort ist klein und besteht nur aus einer Kirche, dem Pfarrhaus und drei Häusern. Als im Pfarrhaus die Familie Ekstedt gemütlich zusammensitzt, stürzt Nachbarin Barbara Sandell herein, sie vermisst ihren Mann Arne. Seine Leiche findet sich schliesslich in seinem Lebensmittelladen. War es ein Raubmord? 


      Dieser Krimi kommt ganz klassisch daher, er erinnert mit seinem beschaulichen Erzählstil und den ruhigen Ermittlungsbeschreibungen an alte Schwarz-Weiß-Filme mit Miss Marple. Es scheint ein Relikt aus der guten alten Zeit zu sein und führt mitten hinein in ein schwedisches Dörfchen, in dem sich in der friedlichen Weihnachtszeit auf einmal ein Mörder unter den bisher friedlich scheinenden Bewohnern befindet. Nach und nach bringen die Ermittlungen neue Hintergründe zutage, ordnen den Personen ihre eigenen Charakterzüge zu und es zeigen sich hinter der harmlosen Fassade der Bewohner die ersten Risse. Einige Männer fühlen sich von der schönen Witwe des Toten angezogen, aber es gibt auch finanzielle Gründe, die ein Motiv sein könnten. 

      Mir hat dieser Roman sehr gut gefallen, ich konnte die winterliche Stimmung in Västlinge geniessen und habe begeistert mitgerätselt, wie die Tathergänge wohl abgelaufen sein könnten. Auch die Ermittlung ohne Computerabgleiche, Fingerabdrücke und Handyortung finde ich mal wohltuend und fühle mich in die Zeit zurückversetzt.

      Maria Lang schafft es, mit ihren klar definierten Figuren ein Bild zu zeichnen, bei dem jeder verdächtig sein könnte. Jedes Minenspiel der Figuren könnte auf einen Verdacht hindeuten. Dazwischen lockert das Verhalten der kleinen Lotta Ekstedt die Atmosphäre etwas auf. Große Spannung kommt allerdings nicht auf, es geht alles ruhig und beschaulich vonstaten. Was mich aber gewundert und etwas enttäuscht hat, ist der Detektiv Christer Wijk. Er ist eher farblos und unauffällig und ihm fehlt das entscheidende Charisma eines Holmes oder die Tatkraft einer Miss Marple. Lediglich am Ende gelingt ihm der entscheidende Vorstoß und er legt den Täter mithilfe eines Bluffs rein.


      Wer einen Wohlfühl-Krimi nach klassischem Strickmuster aus der verschneiten schwedischen Winteridylle sucht, findet hier die entsprechende Lektüre für eine gemütliche Lesezeit. Ein wenig Retro und zum Mitraten wunderbar geeignet.

      ***Herzlichen Dank für diesen schönen Krimi, den ich über das Bloggerportal aus dem btb Verlag erhalten habe!***