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Samstag, 22. Januar 2022

Der Pfauengarten - Lisa Gornick

Reich an Charakteren, Lebensereignissen und Schauplätzen 

Hier verliert man immer wieder den roten Faden 

Der Roman "Der Pfauengarten" von Lisa Gornick wurde übersetzt von Angela Schumitz und erscheint im Goldmann Verlag.  

Oyster Bay 1916: Die herrschaftliche Villa Laurelton Hall des exzentrischen Louis Tiffany mit dem exotischen Pfauengarten ist die Kinderstube von Prudence, die dort als Tochter von Bediensteten mit ihren Geschwistern aufwächst und eine glückliche Kindheit verlebt. Doch ein schicksalsträchtiges Ereignis setzt diesem Zustand ein Ende. 

New York 2013: Im Alter von 101 Jahren bekommt Prudence Besuch von ihrer Großnichte Grace. Um ihr Gewissen zu erleichtern, offenbahrt sie Grace ihr lang gehütetes Geheimnis. Sie weiß, was in der verhängnisvollen Nacht geschah und worauf ihre Familie Laurelton Hall verlassen mussten. 


 

"Es gibt keinen Sinn im Leben. Wie ein Baum, eine Rose, ein Rhinozeros überdauern die Menschen einen mehr oder weniger kalkulierbaren Zeitraum. Das Beste, was sie in dieser Zeit tun können, ist zu beschließen, so gut wie möglich zu leben." Zitat Seite 161

Zu Beginn tauchte ich zunächst sehr beeindruckt in die Handlung ein, erlebte das Kennenlernen der zwei verwandten Frauen, wollte das besondere Geheimnis entdecken und war von dem wunderbar gelungenen Erzählstil ganz eingenommen. 

Prudence und ihre Großnichte Grace lernen sich spät kennen und beginnen ihre Sicht auf die Familiengeschichte zu erzählen, die immerhin die Spanne von 100 Jahren umfasst, schließlich ist Prudence bereits 101 Jahre alt. Immer mehr fügen sich ihre Puzzleteilchen zusammen und zeigen die Entwicklung der Familie. So weit, so gut! Von da an fügen sich Rückblenden, ausführliche Schilderungen von Ereignissen, Personen und unterschiedlichen Nebenhandlungen zu einer umfassenden Geschichte, bei der ich den roten Faden vermisst habe. Denn diese Story ist reich an Charakteren, die alle ihren Platz in diesem Roman erhalten, für mich sind das zuviele unnötige Details und einfach zuviele Figuren. Hier wäre ein Personenregister definitiv nötig gewesen, dann hätte die Autorin sich wohl auch bewusst gemacht, wer hier für die Geschichte entscheidend ist und wer nicht. Eher am Rande werden Louis C. Tiffany, der legendäre Glaskünstler, und Ann Freud, die Tochter von Sigmund Freud erwähnt. Diese Personen hätten etwas mehr Aufmerksamkeit verdient und ich hätte gern mehr von ihnen erfahren. 

Von den Protagonisten Prudence, ihren Eltern und Geschwistern, den Zwillingen Grace und Garcia und von Leo kann man sich ein klares Bild machen, denn sie werden gut dargestellt. Insgesamt muss ich aber sagen, dass die einzelnen Figuren recht emotionslos erscheinen, so als halten sie ihre Gefühle zurück. Es wird auf die Psyche einiger Personen eingegangen, alles ist recht kompliziert, denn hier wird ein Verhalten gelebt, das wohl auch der jeweiligen Erziehung geschuldet ist.

Für mich ist das zwar eine wunderbar erzählte Geschichte mit vielen Wortmalereien, die ich bewundert habe, aber von der Handlung her ist es eher eine mittelmäßige Geschichte, die sich durch viele Nebenhandlungen in die Länge zieht und auch das Geheimnis konnte mich nur mäßig überraschen. An der bildhaften Sprache und den vielen Schauplatzbeschreibungen habe ich mich erfreuen können und auch Prudence Aufgabe, Luxusvillen einzurichten, fand ich sehr interessant. 

In diesem Roman werden die Lebenswege vieler Figuren erzählt, vielleicht ein paar zuviele Figuren, die durch ihre Stories die Aufmerksamkeit von den Hauptfiguren abziehen. Wer gerne in Familiengeschichten eintaucht, die vor Beschreibungen nur so trotzen, wird dieses Buch sicher mögen.  

 

 ***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!*** 




Freitag, 15. März 2019

Das Honigmädchen - Claudia Winter

Ein zauberhafter Roman mit Bienengesumm und dem Duft von warmer Apfeltarte


Ein berührender Roman über das Leben in der Provence, über Familie, die Liebe und die nützlichsten Tiere der Welt, die Bienen.


Claudia Winters Roman "Das Honigmädchen" erscheint am 18.3.2019 im Goldmann Verlag.

Camilla kümmert sich im Feinkost-Betrieb ihres Vaters um die finanziellen Belange und versucht, den Umsatz zu steigern. Dabei stösst sie auf ein unlukratives Geschäft mit einem Honiglieferanten in der Provence, ein gewisser Henri Lambert. Sie schlägt ihrem Vater vor, die Geschäftsbeziehungen zu beenden. Der lässt sich nicht erweichen, stattdessen schickt er Camilla und ihre rebellische Tochter Marie in den Ferien auf eine Reise in genau diese Honigmanufaktur im französischen Dörfchen Loursacq. Zunächst weigert sich Marie partout, sie ist erst willig, als Nachbar Tobias, den Marie sehr mag, sie begleiten will. Auch wenn Camilla Tobias eher nervig findet, gibt sie nach und so reisen sie gemeinsam und entdecken in der Provence nicht nur Lavendelfelder, Bienen und ungestörte Natur, sondern auch die Liebe.



"Honigduft: "Ein Geruch, der perfekt zu der zufriedenen Trägheit eines Spätsommertags passt, an dem man einen Blumenkranz für einen lieben Menschen flocht, den man liebte." Zitat Seite 53

Claudia Winters Romane lassen immer wieder in schöne, emotionale Geschichten eintauchen. Dieses Mal führt sie uns in die Provence und lässt uns das Gesumme der Bienen hören und den einzigartigen Lavendelduft riechen.

Manche Bücher liebt man von Anfang an, so war es auch hier. Kaum war ich in die Geschichte eingetaucht, schon hat sie mich komplett ergriffen und erst am Ende wieder losgelassen. Daran ist auf alle Fälle der schöne, einnehmene Erzählstil schuld, den die Autorin so auszeichnet. Doch auch inhaltlich konnte mich das Buch begeistern. 

Camilla und ihre pubertäre Tochter haben einige Kämpfe auszufechten, Marie vernachlässigt die Schule und muss das Jahr wiederholen. Sie gibt ihrer Mutter die Schuld an der Trennung von ihrem Vater. Camilla möchte Marie nicht über die wahren Gründe für die Trennung aufklären, so bleibt ihr Verhältnis schwierig. Erst auf dieser Reise kommen sich die beiden näher, was auch ein Verdienst von Nachbar Tobias ist. Er rät stets zu Geduld und mehr Verständnis füreinander und Camilla entdeckt, welche Fähigkeiten in ihrer Tochter stecken.   

Das Verhältnis von Mutter und Tochter ist sehr lebendig und gleichzeitig auch realistisch dargestellt. Man merkt, wie sie aneinander vorbeireden und erst mit etwas Abstand vom Alltag in der Provence wieder zueinander finden. Mit dem alten Henri fühlen sich Camilla und Marie sehr vertraut und ihm ist es auch zu verdanken, dass sie sich wieder zusammenraufen. 

Doch auch in diesem Roman geht es nicht ohne Drama und feindliche Gefühle zu, sie sind sozusagen das Salz in der "Honigsuppe". Unter den Nachbarn in Loursacq gibt es seit längerer Zeit Streit, der die Menschen vergiftet. Das lässt die Emotionen bei einigen Buchfiguren hochkochen.
Nebenbei entspinnen sich wunderschöne Liebesgeschichten, die man gerne mitverfolgt und die sich überhaupt nicht seicht lesen. Mehr möchte ich hier nicht verraten.

Das Setting ist in diesem Fall eine zauberhafte Kulisse, die das besondere Flair der Provence deutlich macht. Mit der inhaltlichen Verbindung mit der Honigmanufaktur lernt man einige Fakten und Besonderheiten über Bienenverhalten und Imkerei kennen. Die Sorten aus dieser Gegend: Mandelhonig, Mispelhonig, Süßkleehonig, sowie Rosmarin- und Kastanienhonig würde man alle gern sofort verkosten und die erwähnten Gerichte natürlich ebenfalls. Ein paar Rezepte sind übrigens beigefügt.

In diesem Buch entsteht eine familiäre Atmosphäre, die für Wohlfühlstimmung sorgt und ganz nebenbei Einblicke in französische Lebensart und Imkerei gewährt. 


Ein berührender Roman über das Leben in der Provence, über Familie, die Liebe und die nützlichsten Tiere der Welt, die Bienen. 
Für vergnügliche Lesestunden und mit französischem Flair das richtige Buch zum Entspannen und Wohlfühlen.



***Meinen herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Goldmann Verlag!***




Mittwoch, 28. November 2018

Dackelglück - Frauke Scheunemann

Turbulente Geschichte um einen Dackel, der sein Glück sucht.


Die Reihe um Dackel Herkules geht weiter, der fünfte Band von Frauke Scheunemann heißt "Dackelglück" und erscheint im Goldmann Verlag.
Bei Dackel Herkules ist Trauer angesagt, nachdem sein bester Freund, Kater Herr Beck, gestorben ist. Auch seine Menschen können ihn nicht aufmuntern, ganz im Gegenteil. Die berufstätigen Eltern Caro und Marc, die pubertäre Louisa, Erstklässler Henri und die dreijährigen Zwillinge nerven allesamt.    Als dann noch ein schwarzes Kätzchen vor der Tür ausgesetzt wird, möchte Herkules es ganz schnell wieder loswerden. Er ist hier schliesslich "Der Hund im Haus". 



Auch dieser Band ist erneut eine Wohlfühlgeschichte, die für leichte und unbeschwerte Lesezeit sorgt. Wieder sorgt Dackel Herkules für bestimmte Vorgänge, die zum Schmunzeln einladen und für reichlich Abwechslung in seiner Familie. Denn er bekommt nach dem Tod seines Katerfreundes ein weiteres Haustier vor die Nase gesetzt. Nach anfänglicher Ablehnung entsteht zwischen Hund und Kater erneut eine tiefe Freundschaft.

Frauke Scheunemann stellt zu Beginn der Geschichte alle Figuren vor, sodaß sich auch Neueinsteiger sofort zurechtfinden werden. 
Dieses Buch hat mich mal wieder die Welt aus Hundeaugen betrachten lassen. Dackel Herkules liegt seine Familie am Herzen, auch wenn sie zur Zeit besonders nervt. Denn er trauert immer noch seinem Freund, dem Kater Herr Beck, hinterher und es passt ihm gar nicht, dass nun ein kleiner Kater einfach so dessen Platz in der Familie einnehmen will. Herkules sorgt mit einigen unvorhergesehenen Abenteuern in seiner Familie für komische und chaotische Wendungen, der kleine Kater spielt dabei auch eine große Rolle. Und so schweißen die gemeinsamen Abenteuer beide Tiere zusammen.

Als Leser wird man von dieser trubeligen Story mitgerissen, man erlebt eine Familie mit alltäglichen Sorgen und Liebesproblemen von Tochter und Großmutter. Es kommt zu turbulenten Erlebnissen und Schuld daran ist auch der Dackel der Familie. Denn er versucht auf seine Weise, sich in die Menschenwelt hineinzudenken und einige Vorgänge vorsorglich zu beeinflussen. Das geht nicht immer gut, doch Hund und der neue Kater bilden nach anfänglichen Problemen wieder ein gutes Team und es macht Spaß sie bei ihren Vorhaben zu begleiten.

Frauke Scheunemann beschreibt sehr lebendig, was ihre Buchhelden so alles anstellen und man fühlt sich schnell mit der Familie verwachsen. Auch der neue kleine Kater bekommt von nun an seinen Platz in der Familie.  



Auch der fünfte Band unterhält auf humorvolle Weise. Wie sich dieser Dackel für seine Familie einsetzt, sorgt erneut für reichlich Abwechlung und das neue Familienmitglied spielt eine nicht unwesentliche Rolle. Man darf sich wohl noch auf weitere Abenteuer freuen.



***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und an das Bloggerportal Randomhouse für dieses Leseexemplar!***




Samstag, 3. November 2018

The Future is Female - Scarlett Curtis

Think Pink - Frauen sind das Rückgrat der Familie.


Vielfältige Berichte weisen einen gemeinsamen Weg für alle Frauen

 
Das Sachbuch "The Future is Female" erscheint im Goldmann Verlag und wurde herausgegeben von der Journalistin Scarlett Curtis.

Die Welt, in der Frauen heute leben, ist trotz #MeToo und noch immer nicht gleichgestellt mit der der Männer. "Was Frauen über Feminismus denken" ist eine einzigartige und vielstimmige Textsammlung von Frauen. Ob Hollywood-Ikone oder Teenie-Aktivistin, sie alle erzählen darin ihre ganz persönliche Geschichte und machen damit ihr gemeinsames Ziel klar. Sie wollen den Feminismus als Notwendigkeit darstellen. Girlsday ist überall!
 
Herausgeberin von »The future is female« ist die britische Style-Kolumnistin und Pink-Protest-Gründerin Scarlett Curtis. Beiträgerinnen sind unter anderem: Emma Watson • Keira Knightley • Bridget Jones (von Helen Fielding) • Saoirse Ronan • Dolly Alderton • Jameela Jamil • Kat Dennings • Rhyannon Styles und viele mehr.


 
"Frauen tragen die ganze Welt." Zitat S. 204 von Akilah Hughes 
 

Dieses Buch enthält vielfältige Essays von Frauen aller Kulturen, Altersklassen und Berufen. Sie alle geben ihre Meinung zum Thema Gleichberechtigung zum besten. Lassen uns an ihren Gedanken teilhaben, aber auch an ihren Erlebnissen, die mich besonders im Bereich der Genitalverstümmelung besonders emotional getroffen haben. 
Sie alle haben nur ein Ziel, das Leben für Frauen gerechter zu machen, ihnen genau die Schulbildung zu ermöglichen, die allen Jungen auch zusteht, Freiheit in der Wahl ihrer Ehepartner, Gesetze, die gegen sexuelle Übergriffe greifen, gleiche Bezahlung der Arbeitsleistung usw.

Es geht um Gleichberechtigung, allgemein betrachtet mag das bei vielen Jungen und Mädchen zutreffen. Doch in einigen Kulturen werden Jungengeburten bejubelt und Mädchen eher als unerwünscht angesehen, man denke nur an China. Mädchen haben es schwer, sie müssen für ihre Selbstbestimmung kämpfen. Dabei zeichnet sich in westlichen Kulturen deutlich ab, dass eher Jungen an ADHS und Autismus leiden und sie auch anfälliger für Alkoholmissbrauch und Computerspiele sind. Das möchte ich hier nicht weiter ausführen. Es geht um die Frauen, die schon als Mädchen ihre Familien unterstützen, indem sie ihre Geschwister betreuen, in der Landwirtschaft arbeiten, anstatt wie ihre Brüder zur Schule zu gehen.
Man muss sich klar werden, das Frauen auch heute noch häufig als das schwächere Geschlecht bezeichnet werden. Körperliche Kraft beweisen sie seit Urgedenken in ihrer Rolle als Schwangere, Gebärende, Mutter und Stütze der Gesellschaft in vielen Bereichen.

Viele berichtende Frauen in diesem Buch kenne ich nicht, ihre Namen sagen mir nichts, doch mich überzeugt ihre gemeinsame Haltung, für die Sache der Frauen zu kämpfen und ihre Meinung darzulegen. Manche Frauen sind Betroffene, Unterdrückte, andere wiederum haben es geschafft und haben ihren Platz in der Hierarchie unter Männern in Führungsebenen erreicht. 

"Verkauft euch niemals unter Wert!" Zitat Seite 148 Trisha Shetty Aktivistin 


Die Emanzipation hat bereits in vielen Ländern ihre sichtbaren Wellen geschlagen, es gibt immer noch Bereiche, die verbesserungswürdig sind. Man denke nur an die sexuelle Übergriffsthematik und Zwangsverheiratungen.

Diese Essays sind so vielfältig wie ihre Verfasserinnen, sie zeigen, dass diese Frauen alle ein gemeinsames Ziel haben und ihren Platz im Leben behaupten und verteidigen werden. Sie kämpfen für die Schwächeren unter ihnen, für Gleichheit auf der ganzen Welt. Es gibt sicherlich Länder, wo die Gleichberechtigung schon auf einem hohen Niveau angekommen ist, aber es gibt immer noch viel mehr Frauen, die da noch einen langen Weg vor sich haben. Solange kämpfen die Feministinnen auch weiter für die Rechte von Frauen. 

Diese Berichte machen deutlich, wie Frauen sich alle auf einem gemeinsamen Weg befinden, für ein selbstbestimmtes Leben unter gleichen Bedingungen wie ihre männlichen Mitbewohner auf der Welt. Die Berichte machen mich zuversichtlich, es ist ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft kommender Frauengenerationen. 

Gemeinsam schaffen wir das! Girlsday ist jeden Tag.
 

Dieses Buch ist ein vielseitiger Aufruf für die gemeinsame Sache der Frauen für gleiche Rechte und die Selbstbestimmung der Frau. Es macht deutlich, wie Frauen über Feminismus denken und welche Hürden ihnen in den Weg gelegt werden.



***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und Literaturtest für dieses Rezensionsexemplar!***



Donnerstag, 23. August 2018

Vorgeschichte zu Der Gutshof im Alten Land - Micaela Jary

Ein tolles Lockmittel für den folgenden Roman

 

Die Vorgeschichte zu Micaela Jarys großer Familiensaga "Der Gutshof im Alten Land" erscheint als E-book im Goldmann Verlag.

Frühling 1914: Der Gutshof im Alten Land ist seit Jahrhunderten im Besitz der Familie von Voss. Der Erbe Lennart von Voss wird volljährig, doch er interessiert sich nur für die junge Fabrikarbeiterin Jenny. Sein älterer Bruder Gerrit will sich verloben. Doch alles kommt anders als gedacht, denn der 1. Weltkriegs wirft seine Schatten voraus. 

Der Gutshof im Alten Land  
 

Wenn man schon in einer Vorgeschichte nicht aufhören kann zu lesen, sagt das nicht nur über den Inhalt einiges aus, sondern auch über das  besondere Sprachvermögen der Autorin.
Micaela Jary hat ein Händchen für interessante und abwechslungsreiche Figuren und bringt sie einfühlsam und gut nachvollziehbar in historische Hintergründe und Handlungen ein.

Richtig nahe an den Figuren konnte ich eintauchen in ein spannendes Geschehen und erlebte die unterschiedlichen Charaktere und ihre Werdegänge auf dem Gutshof mit. Es wird klar, dass Lennart mit seinem Schürzenjägerverhalten nicht der geeignete Erbe für den Hof sein kann und Gerrit plant einen Neubeginn in Amerika.
In einem zweiten Handlungsstrang lernt Lennart einen Soldaten kennen, der ihm zum Verwechseln ähnlich sieht. 

Mit dieser einleitenden Geschichte konnte ich meine Neugier auf den folgenden Roman nur steigern. Der fesselnde Erzählstil ist durch spannende Momente interessant aufbereitet und die Figuren versprechen viel Handlungsspielraum für weitere Entwicklungen auf dem Gutshof. 

Dieser Vorgeschichte gebe ich 4 Sterne, denn es ist kein komplettes Buch, sondern nur eine Einführung und ein Lockmittel für den Roman.  



 

Mittwoch, 22. August 2018

Das rote Adressbuch - Sofia Lundberg

Berührend, warmherzig und einfach schön zu lesen!


Der Roman "Das rote Adressbuch" ist das Debüt der schwedischen Autorin Sofia Lundberg, die deutsche Übersetzung von Kerstin Schöps erscheint 2018 im Goldmann Verlag.

Doris wuchs in Stockholm auf, mit 10 Jahren bekam sie von ihrem Vater ein besonderes Geschenk: ein rotes Adressbuch, in dem sie all die Menschen verewigen soll, die ihr etwas bedeuten. Mittlerweile ist Doris schon 96 Jahre alt und lebt allein in Stockholm, ihre einzige Verwandte ist ihre Nichte Jenny, die mit ihrer Familie in Amerika lebt und regelmäßig mit ihr per Skype Kontakt hält. 
Für Jenny beginnt Doris ihre bewegte Lebensgeschichte aufzuschreiben und lässt in Gedanken ihr Leben Revue passieren. Sie lebte in Paris, New York und England, um dann nach Schweden zurückzukehren und nach Allan, der großen Liebe ihres Lebens, zu suchen. Im zweiten Weltkrieg brach der Kontakt ab und aus einem gemeinsamen Leben wurde nichts. 





"Manche Erinnerungen wird man nicht los. Sie sitzen da wie ein eitriges Geschwür, manchmal platzen sie auf und tun weh, so unglaublich weh." Zitat Seite 186

Dieses Buch erzählt die Lebensgeschichte von Doris, die im Krankenhaus liegt und mit dem Tod ringt. Wir erfahren von vielen persönlichen Lebensumständen, von Entbehrungen, alten Bekannten, Verwandten und Freunden und der Einsamkeit im Alter, wenn alle alten Freunde nicht mehr sind. Ihre Nichte Jenny kommt sie besuchen und ist wie ein rettender Engel, auch wenn der Tod nicht aufzuhalten ist.

Es macht betroffen, wenn man sich Doris Situation vor Augen hält. Sie ist alt, krank, hilfsbedürftig und ohne nähere Angehörige. Die alten Freunde sind inzwischen alle von ihr gegangen und sie steht völlig allein da. Den einzigen Lichtblick in ihrem Leben sind die Momente, in denen sie mit ihrer Nichte Jenny per Skype verbunden ist. Ansonsten erträgt sie ihr Leben in Geduld und Bescheidenheit.
Jenny hängt sehr an ihrer Tante, denn diese war für sie wie eine Mutter. Als Jenny von Doris gesundheitlichem Zustand erfährt, versucht sie, Doris am Ende ihrer Tage beizustehen. 
Sie erfährt vom bewegten Leben von Doris, ein Leben mit Armut, Krieg, Entbehrungen und Misshandlungen. Und doch war ihre Tante immer für sie da.

Die Autorin beschreibt eine Reihe ergreifender Themen in ihrem Buch. Sie reichen von Armut und Hunger, dem Leben als kindliche Waise, von der Notwendigkeit als Kind zu arbeiten, von Vergewaltigung und der Verantwortung für die kleine Schwester bis hin zu dem zweiten Weltkrieg und dem Verlust der großen Liebe. Trotz dieser Themenvielfalt wirkt der Roman damit nicht überladen. Denn man erlebt dieses Leben mit allen Emotionen mit und kann sich der Gefühle nicht entziehen. Liebe, Trauer und die ständige Hoffnung begleiten Doris und den Leser bis zum Ende der Geschichte. Ein emotionales Feuerwerk, sehr berührend und absolut warmherzig geschrieben und mit einer dramatischen Wirkung auf den Leser. 

Man ist von der Protagonistin Doris schnell beeindruckt, sie hat in ihrem Leben Tapferkeit und persönliche Stärke entwickelt, ihr eigenes Überleben gesichert und dabei auch andere Menschen unterstützt. Leider ist sie nie in den Genuss einer eigenen Familie gekommen, ihre Liebe brach durch die Kriegswirren auseinander und sie konnte ihren geliebten Alan nie wiedersehen.   
Die Autorin lässt uns tief in die Seele von Doris blicken und auch die anderen Figuren des Romans bekommen nach und nach ein deutliches Gesicht. Immer mehr Personen aus Doris Adressbuch werden als tot einfach gestrichen. Die Geschichte geht mir sehr nah.

Sofia Lundberg gelingt mit ihrem Debüt ein berührender und zu Herzen gehender Roman, der auf wahren Begebenheiten beruht. Es ist ein emotionales Feuerwerk, das nachdenklich werden lässt über das Alter und ein menschliches Ende. Von mir eine volle Leseempfehlung!



***Herzlichen Dank an das Bloggerportal für diesen warmherzigen Roman aus dem Goldmann Verlag!***


 

Samstag, 14. Juli 2018

Der Schmetterlingsjunge - Max Bentow

Mal wieder ein atemlos machender Pageturner


Der 7. Band der Thrillerreihe um Ermittler Nils Trojan von Erfolgsautor Max Bentow heißt "Der Schmetterlingsjunge". Der Thriller erscheint 2018 im Goldmann Verlag.

Berlin: Als Nils Trojan am Tatort eintrifft bietet sich ihm ein unglaublicher Anblick: Eine ermordetet Frau liegt nackt auf dem Bett, auf ihrem Rücken prangt ein farbiges Gemälde eines Schmetterlings. Welcher Verrückte verziert sein Opfer mit so einer sorgfältigen Malerei? Kurz darauf passiert der nächste Mord, auch hier wurde die Leiche mit einem ähnlich eigenwilligen Kunstwerk versehen. 
Was treibt den Mörder zu so einer bizarren Handlung? Nils Trojan versucht hinter dieses Rätsel zu kommen, denn der Täter spielt auch mit Trojan ein perfides Spiel und sein Morden geht weiter. 

                                                    


"Wenn du tanzt, schwebst du wie ein Schmetterling." Zitat Seite 111

Achtung: Meine Rezension enthält Spoiler! 

Auch mit diesem Thriller sorgt Max Bentow wieder für atemlose Spannung. 
Ein Handlungsstrang führt uns den Täter als Kind vor Augen, zeitliche Rückblenden zeigen einen Jungen, dessen Mutter verstorben ist und dessen Vater sich in ein Leben mit Alkohol und Frauen flüchtete. Leider ohne sich gebührend um den Sohn zu kümmern und nicht einmal das Jugendamt bekommt die Missstände mit. Die Mitarbeiterin sieht nur die äußeren Umstände, in die Kinderseele konnte sie sich nicht einfühlen.  

Hinter diesem Killer schlummert eine grausame Zwangsvorstellung, die mit dem künstlerischen Verzieren der Opfer durch Schmetterlinge auffällt. Auch Frauenschuhe mit hohen Absätzen spielen bei diesem Kranken eine besondere Rolle. Daher tappt Nils Trojan auch lange Zeit im Dunkeln und kann sich keinen Reim auf diesen Schmetterlingsmörder machen.  
So grausam es ist, erst die weiteren Opfer sorgen für ein entsprechendes Bindeglied zum Mörder. Bis es soweit ist, stehen Trojan und seine Kollegin Stefanie unter enormem zeitlichen Druck.

Für mich war dieser Thriller wieder ein echter Pageturner. Durch den "Schuhtick" und die Schmetterlinge erscheint das Buch auf den ersten Blick ein wenig frauenmäßig verschönert, die Gründe dafür finden sich jedoch in der kranken Seele der Verbrechers. Auch wenn die Taten grausam erscheinen, so ist dieser Thriller doch verhältnismäßig unblutig zu nennen. 

Wieder ist ein Serienkiller am Werk, den Trojan zur Vermeidung weiterer Opfer stoppen muss. Dieser zeitliche Druck sorgt für atemlose Spannung beim Lesen und man merkt, wie schwierig sich die Nachforschungen gestalten. Die Geschehnisse sind nicht zufällig, das wird schnell klar, doch wie ist die Verbindung der Opfer zum Täter? 

Die Perspektivwechsel zwischen Täter und Ermittlungsebene sorgen für eine sich ständig steigernde Spannung. Hat man eben noch Mitleid in den Rückblenden für das Kind, sorgen seine aktuellen Taten einfach nur für Entsetzen. 

Mit diesem Pageturner ist Max Bentow ein stimmiger Thriller gelungen, den sich seine Fans der Reihe wohl kaum entgehen lassen werden. 


***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und an das Bloggerportal für die Überlassung dieses Reziexemplars!***





Weitere Thrillerbände der Reihe:

Dienstag, 12. Juni 2018

Schwarzes Watt - Hendrik Berg

Fesselnder Nordsee-Krimi mit mystischen Elementen


"Schwarzes Watt" ist der vierte Band von Hendrik Bergs Nordsee-Krimireihe, die im Goldmann Verlag erscheint.  

Ina Maurer macht gerade mit ihrer Familie Urlaub in St. Peter-Ording. Als sie den vermeintlichen Mörder ihrer Schwester Nelly wiedererkennt, ist sie außer sich vor Wut und Verzweiflung und zeigt ihn bei der Polizei an. Kommissar Theo Krumme aus Husum geht der Spur nach und findet den Mann, es ist der beliebte und angesehene Pastor im Ort. Hat er etwas mit dem Mordfall vor 20 Jahren am Elbstrand zu tun?



Dieser Krimi kann unabhängig von den Vorbänden gelesen werden.  
Man wird durch verschiedene Handlungsstränge in den Fall eingeführt und bekommt einen echten Urlaubs-Krimi geboten. Es geht um eine spannende Mordermittlung, aber auch um die wunderschöne Gegend auf Eiderstedt an der Nordsee, die durch Wattwanderung, Haubarg und Urlaubsflair angenehm bildhaft untermalt wird. 
Was steckt hinter dem mysteriösen Mordfall vor 20 Jahren? 

Wenn man sich erst einmal in die wechselnden Handlungsstränge etwas eingelesen hat, kann man den Krimi kaum wieder beiseite legen und wird mitgenommen auf eine fesselnde Mördersuche vor nordfriesischer Kulisse. 

Ein Nebenstrang erzählt eine mystische Geschichte um eine Figur, die 1634 gelebt hat und Menschen verfolgt, die jungen Mädchen oder Frauen Böses angetan haben. Gerade die historischen Vorgänge fand ich sehr interessant und sie bewirkten eine düstere, unheimliche Atmosphäre, auch wenn Mystik mir sonst widerstrebt. Hier jedoch sorgte diese Übersinnlichkeit für eine besondere Stimmung.


Die Charaktere, allen voran Krumme und seine Mitarbeiterin Patrizia, haben mir gut gefallen. Der Autor schafft es, sie lebendig, authentisch und vor allem mit einigen Einblicken in ihr Privatleben auch unterhaltsam darzustellen. Erwähnen möchte ich auch den Hund Watson, der für einige besondere Erlebnisse sorgt, die dem Krimi eine humorvolle Note verleihen.


Hendrik Bergs Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, man sieht die Personen, Schauplätze und Vorgänge vor dem inneren Auge wie in einem Film und kann bei der Ermittlung besonders mit Ina Maurer mitfühlen. Wie schrecklich muss sie sich gefühlt haben, als sie den Mörder ihrer Schwester wiedererkannt hat? Als ihr niemand Glauben schenkt, versucht sie selbst, ihn zu stellen. 


"Schwarzes Watt" sorgt mit den Charakteren und dem Küstenflair für fesselnde Unterhaltung. Die Reihe kann man prima als Urlaubslektüre an der Nordsee nutzen. Ich hatte spannende Krimilesezeit damit. 


***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und an das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***


                          


[Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG

 



  

Montag, 4. Juni 2018

Sommerglück und Blütenzauber - Emilia Schilling

Eine schöne, leichte Sommerromanze über die Liebe und die Sprache der Blumen!


Der zweite Roman der österreichischen Autorin Emilia Schilling trägt den romantischen Titel "Sommerglück und Blütenzauber" und erscheint im Goldmann Verlag


Rita ist Floristin und führt mit viel Freude und Geschick ihren eigenen Blumenladen in Wien. Besonders gerne bindet sie Sträuße für Liebespaare oder für Hochzeiten, so auch für ihre Freunde Charlie und Daniel. Der Blumenschmuck macht ihr keine Sorgen, aber am Singletisch möchte sie nicht landen. Also sucht sie händeringend nach einem Tischherrn. Sogar ihre Familie und Freunde bringen ihre Vorschläge mit nach Hause. Wird für Rita der richtige Mann dabei sein?


Nachdem mir bereits der erste Roman von Emilia Schilling "Frühlingsglück und Mandelküsse" sehr gut gefallen hat, wollte ich unbedingt auch diesen sommerlichen Roman lesen.


Bei dieser Geschichte ist man sofort mittendrin und erlebt die Figuren hautnah mit. Rita hat ihren Traumberuf gefunden und liebt die Arbeit mit Blumen, besonders die Blumensprache versucht sie in ihre Sträuße einzubeziehen. Nur ihr eigenes Liebesglück lässt noch auf sich warten. Um bei der Hochzeit ihrer Freunde Charlie und Daniel (Figuren aus dem Debütroman "Frühlingsglück und Mandelküsse") nicht am verpöhnten Singletisch platziert zu werden, erfindet sie kurzerhand einen Freund. Doch wo hernehmen und nicht stehlen? Ihre Freunde sorgen für Blinddates und damit für eigenartige Treffen, während Rita durch Zufall den charmanten Marcel kennenlernt. Aber für Schmetterlinge im Bauch sorgt ein ganz anderer, Rene, der chaotische Eishockeykumpel ihres Bruders.
Durch die Dates kommt ordentlich Schwung in Ritas Leben. Als Marcel ihr sozusagen vor den Ladentisch läuft, hat sie das Gefühl, er könnte ihr Traummann sein, jedoch scheint er irgendetwas vor Rita zu verbergen.

Richtig schön sind die Kapitelanfänge, die mit der Vorstellung verschiedener Blumen beginnen. Das sorgt für Wissenserweiterung und nebenbei für Blumenromantik. Die Bedeutung dieser Blumen wird von Emilia Schilling im jeweiligen Kapitel geschickt eingebaut. Ihre Sprache ist leicht, verständlich und humorvoll, fast ein wenig zu alltagssprachlich. Das wirkt absolut lebendig, als wäre man direkt dabei und man gibt sich den Liebesgefühlen von Rita hin und folgt ihr gern durch ihren Laden und natürlich auf der Suche nach der Liebe.

Welches ist denn nun Ritas Herzblatt? Wer passt besser zu ihr und wie kann sie in diesem Gefühlschaos noch einen klaren Kopf behalten? 
Während ihr Leben im Moment gefühlsmäßig auf den Kopf gestellt wird, erlebt sie mit der Eishockeytruppe ebenfalls spannende Spiele und Treffen, die sogar gefährlich enden. 
Diese Erlebnisse sorgen für Überraschungsmomente und geben der Geschichte ein wenig mehr Hintergrund als nur die Liebessuche nach einem passenden Mann. 
 
Es ist der richtige Roman zum Abschalten, man erlebt romantische Gefühle und bewundert die zauberhaften Blumenarrangements. Welche Bedeutung einzelne Blumen haben, erfährt man hier ganz nebenbei. Ein schöner, sommerlich leichter Liebesroman mit unterhaltsamen Charakteren. 


***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und das Bloggerportal für dieses Leseexemplar!*** 





Schilling, Emilia - Frühlingsglück und Mandelküsse 

[Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG

 

Mittwoch, 21. Februar 2018

Falsche Austern - Catherine Simon

Und wieder ein Volltreffer! 

Dieser Krimi zeigt Normandieflair, Kunsthandel, Eifersucht und Integrationsprobleme!

Sabine Grimkowski schreibt als Catherine Simon die Krimireihe um Kommissar Leblanc. In ihrem 4. Band "Falsche Austern" schickt sie ihn in die Kunstfälscherszene und verwickelt ihn in Probleme von Algerienfranzosen. Die Reihe erscheint im Goldmann Verlag.(Werbung)
Honfleur, Normandie: Albert Barat, der Leiter des Kunstmuseums unternimmt eine kleine Segeltour entlang der Küste. Er braucht dringend Ablenkung von seinen quälenden Gedanken, denn vor zwei Tagen hat er erfahren, dass das bedeutendste Gemälde seines Museums, »Stillleben mit Austern und Zitrone«, eine Fälschung ist. Außerdem fühlt er sich verfolgt. Als Barat sein Segelboot betritt, trifft ihn ein tödlicher Schuss aus dem Hinterhalt. Kommissar Jacques Leblanc übernimmt den Fall, ist aber nicht ganz bei der Sache, da er unter Liebeskummer leidet. Und das hat beinahe fatale Folgen ...

 
Diese Krimireihe aus der Normandie mag ich sehr und ich bin wieder einmal Leblancs turbulentem Privatleben und seinen Ermittlungen gerne gefolgt. Seine Freundin Marie hat einen neuen Mann, ein unscheinbarer Typ, der sich als indirekter Nachfahre von Napoleon vorstellt. Jacques ist furchtbar eifersüchtig und versucht dem Rivalen das Leben schwer zu machen und Marie wieder ganz für sich zu gewinnen. Wie er das macht, ist äußerst amüsant zu beobachten und er geht dabei mit viel Raffinesse vor. Schliesslich ist er ja Kommissar und kennt einige Tricks.
Jedoch leidet unter seinem Liebeskummer auch seine Aufmerksamkeit für die laufende Mordermittlung. Außerdem wird Leblanc von oberster Polizeiebene zur Zusammenarbeit mit einem junge Kollegen, Luc Pennard aus Le Havre verdonnert. Die bessere Zusammenarbeit der Dienststellen soll für höhere Aufklärungsquoten sorgen. Dabei ist Leblanc lieber im Alleingang unterwegs und es passt ihm gar nicht, seinem Kollegen über jede neue Erkenntnis und jeden Schritt zu unterrichten. Aber er fügt sich, in Gedanken ist er sowieso mehr bei Marie. Als ihn dann auch seine Mutter aus Kamerun besucht und ihren 13jährigen Stiefsohn Dayo mitbringt, ist Jacques mehr als genervt. Doch auch hier gewöhnt er sich an den Jungen und nimmt ihn sogar auf Ermittlungseinsätze mit. Heimlich natürlich!
Das Mordopfer Albert Barat war nicht nur anerkannter Museumsleiter, er hat sich auch als Nachfahre von Algerienfranzosen sehr für die Integration von Bewohnern aus dem Maghreb stark macht. Catherine Simon lässt nicht nur Eindrücke über die Kunstfälscherszene und den internationalen florierenden Handel mit Duplikaten berühmter Gemälde in ihren Krimi einfliessen. Sie vermittelt auch tiefe Einblicke in die Problematik von Migranten der zweiten Generation. Sie zeigt das Leben von Algerienfranzosen und die Probleme von chancenlosen Jugendlichen aus den Maghrebstaaten, die gegen die französische Gesellschaft rebellieren. Der ideale Nährboden für islamistischen Terror und organisiertes Verbrechen.
Aber wer ist denn nun für den Mord verantwortlich? Sind es kampfbereite Gewaltäter aus der islamistischen Szene oder doch eher Kunstfälscher? 
Wieder sorgt die ausgewogene Mischung zwischen Ermittlungsgeschehen und Privatleben für gute Unterhaltung. Die Spannung bleibt dabei nicht auf der Strecke und die Einblicke in Migration und Kunstszene sorgen für den nötigen Tiefgang. 
Dieses Buch ist absolut genüsslich zu lesen. Mir liegt der angenehme, ruhige Erzählstil von Catherine Simon und ich mag die charmanten Charaktere. Eine unblutige Handlung vor dem Flair der Normandie mit der französischen Küche sind weitere Bausteine für diesen perfekt gestrickten Krimi.