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Montag, 25. Mai 2026

Fünf Tage im Licht - Rhiannon Lucy Cosslett

Ein polarisierender Roman!

Bei Rowohlt erscheint Rhiannon Lucy Cossletts Roman "Fünf Tage im Licht".

Die Künstlerin Sophie verbringt mit drei Freundinnen fünf Tage auf der griechischen Insel Sifnos, sie feiern den Junggesellenabschied ihrer Freundin Helena, die Partner reisen später an. Sophie genießt die sommerliche Auszeit von ihrem Freund Greg, der sie mit seinem Kinderwunsch unter Druck setzt. Morgens geht sie im Meer schwimmen und lernt den Griechen Ky kennen, der von Anfang an eine große Anziehungskraft auf sie ausübt. Sie beginnen eine leidenschaftliche Affäre, die Sophie aus ihrer Bahn wirft. Sophie malt ein Aktporträt ihrer Freundin Alessia und bringt darin auch ihre aufgewühlten Gefühle unter. 

 


Dieses Buch spielt als Sommerroman vor der schönen Kulisse der griechischen Insel Sifnos. Doch es geht um die Themen Feminismus, Freundschaft, Kunst, Liebe und eine verbotene Affäre. 

Die Freundinnen entstammen verschiedenen Gesellschaftsschichten und haben unterschiedliche Ansichten, die zu Streit führen. Protagonistin Sophie befindet sich in einem inneren Konflikt, weil sie ihre Freiheit nicht aufgeben will und ihre Kunst mit einem Kind nicht ausleben kann.  

Bei diesem Buch bin ich zwiegespalten und kann die Vor- und Nachteile an mehreren Positionen fest machen. Die Sprache hat mich sehr gepackt, sie ist emotional tief gehend, die Figuren werden charakterlich durchleuchtet und ich fand die in die Handlung eingeschobenen Texte zu Malerinnen und ihren Gemälden sehr interessant. Neben der Beschreibung der Abbildung wird auch ein Blick auf die Künstlerin und die Aussage des Werkes geworfen, es geht darin um den Ausdruck von feminisischer Kunst und häufig auch um die sexuelle Wirkung der Gemälde, die nackte Frauen zeigen.  

Ich-Erzählerin Sophie ist keine sympathische Figur, sie wirkt empathielos, selbstbezogen und lustgesteuert und scheint sich in ihrer Rolle als Künstlerin und Frau noch nicht gefunden zu haben. Sie denkt über eine eventuelle Mutterrolle nach, kann sich aber nicht vorstellen, wie sie das mit ihrer Tätigkeit als Künstlerin vereinbaren soll. Und mit ihrem Freund Greg erst recht nicht. Dabei hat er viele Vorteile, die sie auch erkennt, aber nicht akzeptieren will. Ihre Affäre mit dem Griechen Ky zeigt, dass sie ihm völlig erlegen ist und schon fast eine fanatische Leidenschaft an den Tag legt. Von Liebe oder tiefer gehenden Gefühlen ist nie die Rede, nur die Lust spielt eine Rolle. Damit wirkt sie nicht gerade wie eine Frau, die es mit ihren Gefühlen ernst meint.  

Doch sie lernt mit der Zeit, am Ende des Romans sagt sie:

"Anfangs hatte ich anstelle meiner Kreativität nur eine große Leere empfunden, bis ich diese Leere als einen rohen, intensiven Quell der Gefühle erkannte, der sich in künstlerisches Schaffen kanalisieren ließ. " Zitat S. 285

Für mich schlug diese Erkenntnis aber dennoch nicht in Sympathie für die Protagonistin um. Dennoch habe ich den Roman interessiert gelesen und mochte besonders das Ende.  

Ein feministischer Roman, der mit seinem Inhalt polarisiert und zum Nachdenken anregt!

 

***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

 



Montag, 7. April 2025

Wenn wir lächeln - Mascha Unterlehberg

Freundinnenschaft am Puls der Zeit

Wenn wir lächeln ist das Debüt von Mascha Unterlehberg, das im Dumont Verlag erscheint.  

Jara und Anto lernen sich auf dem Fußballplatz kennen, Anto spielt nicht gut, ist mit Abstand die mutigste Spielerin auf dem Platz. Ihre Freundschaft wächst über die Jahre zu einer Schwesternschaft, sie teilen Lipgloss, Alkohol und Zigaretten miteinander, sind füreinander da und jeden Abend auf Achse. Doch irgendwann entgleitet ihnen die Kontrolle über ihre Gemeinsamkeiten und das enge Gefüge zerbricht.



 

Das Buch zeigt die Frauenfreundschadt zwischen Jara und Anto, es beginnt mit einem einschneidenden Ereignis und springt in die Vergangenheit zurück, um die Entwicklung der Figuren, die beide bei ihrer Mutter aufwachsen, näher zu beschreiben. Wir tauchen ein in ihr Leben, sehen, welch unterschiedlichen Milieus beide entstammen und begleiten sie bei ihren gemeinsamen Aktionen, ihren Streifzügen in der Nacht mit Einbrüchen, Alkoholexzessen und ihren Gewaltfantasien. Das mag verstören, doch man kommt den Freundinnen ganz nah, manche Themen werden aber nur angedeutet und es bleibt der Erfahrung oder Fantasie der Leserin überlassen, wie sie diese Lücken füllt oder auslegt. So deutet die Autorin beispielsweise einige Gewaltszenen an, bei denen man nicht genau weiß, wie sehr es die Figuren getroffen hat. Man kann es nur ahnen! Solche Stilelemente mögen gefallen, ich mag es lieber klar, auch wenn es auch hart zu lesen und zu ertragen ist. Auch habe ich lange das Gefühl gehabt, dass Jara in Anto verliebt ist, doch das wurde nie ausgesprochen oder näher thematisiert. Sicher ist aber, dass Neid und Eifersucht eine Rolle spielen.

Die Erzählweise ist besonders, mit kurzen, manchmal recht rohen Sätzen werden Dialoge und Erlebnisse beschrieben, es wird aber auch poetisch, sobald die jungen, schönen Frauen lächeln und es wird eindringlich, sobald die Abwehrfähigkeit im Raum steht.

Für mich stellte sich beim Lesen die Frage, müssen Frauen immer nur lächeln und zeigt dieses Lächeln auch das wahre Empfinden hinter einer schönen Fassade? Nein, denn tief in den Frauen brodelt es und selbst wenn sie lächeln, können sie gegenhalten und kontern. Dieses Rollenbild steckt in uns und lässt sich nicht so leicht abschütteln, es sei denn, man trägt einen Baseballschläger, um auszuteilen, in der Gefahr des Übergriffs.  

In ihrem Roman zeigt die Autorin auch die Kampf- und Verteidigungsbereitschaft der neuen Generation von Frauen, sie sich wehren wollen, falls es nötig wird. 

Mascha Unterlehberg spiegelt in ihrem Gegenwartsroman durch Anto und Jara die Rolle der Frau. Beide symbolisieren auf moderne Weise den femininen Charakter in einer patriarchalischen Welt, in der Frauen zusammen halten müssen. Sie entwickeln sich zur Frau, lehnen sich gegen das typische Rollenbild in der Gesellschaft auf, wollen auffallen, sind miteinander wie Schwestern verbunden, um sich dann wieder zu verlieren. 

Eine bewegende Geschichte über das Einfinden in die Frauenrolle und ein Buch, das nachdenklich macht.

***Herzlichen Dank an den Dumont Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


Samstag, 3. November 2018

The Future is Female - Scarlett Curtis

Think Pink - Frauen sind das Rückgrat der Familie.


Vielfältige Berichte weisen einen gemeinsamen Weg für alle Frauen

 
Das Sachbuch "The Future is Female" erscheint im Goldmann Verlag und wurde herausgegeben von der Journalistin Scarlett Curtis.

Die Welt, in der Frauen heute leben, ist trotz #MeToo und noch immer nicht gleichgestellt mit der der Männer. "Was Frauen über Feminismus denken" ist eine einzigartige und vielstimmige Textsammlung von Frauen. Ob Hollywood-Ikone oder Teenie-Aktivistin, sie alle erzählen darin ihre ganz persönliche Geschichte und machen damit ihr gemeinsames Ziel klar. Sie wollen den Feminismus als Notwendigkeit darstellen. Girlsday ist überall!
 
Herausgeberin von »The future is female« ist die britische Style-Kolumnistin und Pink-Protest-Gründerin Scarlett Curtis. Beiträgerinnen sind unter anderem: Emma Watson • Keira Knightley • Bridget Jones (von Helen Fielding) • Saoirse Ronan • Dolly Alderton • Jameela Jamil • Kat Dennings • Rhyannon Styles und viele mehr.


 
"Frauen tragen die ganze Welt." Zitat S. 204 von Akilah Hughes 
 

Dieses Buch enthält vielfältige Essays von Frauen aller Kulturen, Altersklassen und Berufen. Sie alle geben ihre Meinung zum Thema Gleichberechtigung zum besten. Lassen uns an ihren Gedanken teilhaben, aber auch an ihren Erlebnissen, die mich besonders im Bereich der Genitalverstümmelung besonders emotional getroffen haben. 
Sie alle haben nur ein Ziel, das Leben für Frauen gerechter zu machen, ihnen genau die Schulbildung zu ermöglichen, die allen Jungen auch zusteht, Freiheit in der Wahl ihrer Ehepartner, Gesetze, die gegen sexuelle Übergriffe greifen, gleiche Bezahlung der Arbeitsleistung usw.

Es geht um Gleichberechtigung, allgemein betrachtet mag das bei vielen Jungen und Mädchen zutreffen. Doch in einigen Kulturen werden Jungengeburten bejubelt und Mädchen eher als unerwünscht angesehen, man denke nur an China. Mädchen haben es schwer, sie müssen für ihre Selbstbestimmung kämpfen. Dabei zeichnet sich in westlichen Kulturen deutlich ab, dass eher Jungen an ADHS und Autismus leiden und sie auch anfälliger für Alkoholmissbrauch und Computerspiele sind. Das möchte ich hier nicht weiter ausführen. Es geht um die Frauen, die schon als Mädchen ihre Familien unterstützen, indem sie ihre Geschwister betreuen, in der Landwirtschaft arbeiten, anstatt wie ihre Brüder zur Schule zu gehen.
Man muss sich klar werden, das Frauen auch heute noch häufig als das schwächere Geschlecht bezeichnet werden. Körperliche Kraft beweisen sie seit Urgedenken in ihrer Rolle als Schwangere, Gebärende, Mutter und Stütze der Gesellschaft in vielen Bereichen.

Viele berichtende Frauen in diesem Buch kenne ich nicht, ihre Namen sagen mir nichts, doch mich überzeugt ihre gemeinsame Haltung, für die Sache der Frauen zu kämpfen und ihre Meinung darzulegen. Manche Frauen sind Betroffene, Unterdrückte, andere wiederum haben es geschafft und haben ihren Platz in der Hierarchie unter Männern in Führungsebenen erreicht. 

"Verkauft euch niemals unter Wert!" Zitat Seite 148 Trisha Shetty Aktivistin 


Die Emanzipation hat bereits in vielen Ländern ihre sichtbaren Wellen geschlagen, es gibt immer noch Bereiche, die verbesserungswürdig sind. Man denke nur an die sexuelle Übergriffsthematik und Zwangsverheiratungen.

Diese Essays sind so vielfältig wie ihre Verfasserinnen, sie zeigen, dass diese Frauen alle ein gemeinsames Ziel haben und ihren Platz im Leben behaupten und verteidigen werden. Sie kämpfen für die Schwächeren unter ihnen, für Gleichheit auf der ganzen Welt. Es gibt sicherlich Länder, wo die Gleichberechtigung schon auf einem hohen Niveau angekommen ist, aber es gibt immer noch viel mehr Frauen, die da noch einen langen Weg vor sich haben. Solange kämpfen die Feministinnen auch weiter für die Rechte von Frauen. 

Diese Berichte machen deutlich, wie Frauen sich alle auf einem gemeinsamen Weg befinden, für ein selbstbestimmtes Leben unter gleichen Bedingungen wie ihre männlichen Mitbewohner auf der Welt. Die Berichte machen mich zuversichtlich, es ist ein hoffnungsvoller Blick in die Zukunft kommender Frauengenerationen. 

Gemeinsam schaffen wir das! Girlsday ist jeden Tag.
 

Dieses Buch ist ein vielseitiger Aufruf für die gemeinsame Sache der Frauen für gleiche Rechte und die Selbstbestimmung der Frau. Es macht deutlich, wie Frauen über Feminismus denken und welche Hürden ihnen in den Weg gelegt werden.



***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag und Literaturtest für dieses Rezensionsexemplar!***