Melancholisch, ernst und nachhallende Storys über das Leben
Im Mare Verlag erscheint das Kurzgeschichtendebüt "Königin-Maud-Land ist geheim" der Norwegerin Line Madsen Simenstad in einer Übersetzung durch Ilona Zuber.
Mit melancholischer Poesie schreibt
Line Madsen Simenstad in den fünf Storys ihres in Norwegen hochgelobten
Debüts über die Distanz zwischen Menschen, über ihre Träume und
Albträume, über ihre Sehnsucht nach Nähe und Momente voller Schmerz.
Wenn man die fünf unterschiedlich langen Kurzgeschichten liest, bekommt man in kurzen Momentaufnahmen unterschiedliche Lebensgeschichten erzählt. Es geht um Liebe und Beziehungen und um Trauer, Freundschaft und Schutz des eigenen Kindes. Auch wenn man die Storys leicht weglesen kann, die Hintergründe sind weitaus tiefgründiger als es auf den ersten Blick hin erscheinen mag. Sie regen zum Nachdenken an, zum Zwischen-den-Zeilen-lesen und sie bringen die Gefühle der Leser zum Schwingen.
Das ungewöhnliche Verhalten der Figuren ist nicht sofort nachvollziehbar, manches kann man nur erahnen. Daran hat auch die sachlich beschreibende Sprache ihren Anteil. Einerseits ist die Sprache fast karg und es geschieht auf den ersten Blick nicht viel und andererseits verbirgt sich gerade dahinter viel mehr und man ahnt die Gefühle, Ängste und Sorgen der ungewöhnlichen Protagonisten.
Wie schnell kann ein Leben in Unordnung geraten? Was diesen Figuren geschieht, kann jedem von uns passieren und so versteht man erst auf den zweiten Blick die Verzweiflung, Ängste und Nöte der Menschen genauer. In solchen Situationen legen sich Menschen ein Dornenkleid an, ganz wie es das Cover zeigt.
Dieses Buch ist von einer intensiven Wirkung auf den Leser und es macht sehr nachdenklich. Kein Wohlfühlbuch, sondern ein Buch über verletzte Gefühle, ängstliche und sich sorgende Menschen, die mit ihren Problemen allein gelassen sind.
Diese Kurzgeschichten sind sehr nüchtern und melancholisch erzählt und enthüllen erst langsam und allmählich die tieferliegenden Dinge des Lebens. Sie zeigen verletzte Seelen und lassen durch das offene Ende viele Schlüsse zu. Für mich eine interessante und sehr eindringliche Geschichtensammlung dieser jungen norwegischen Autorin.
Ein bunter Reigen feinsinniger Geschichten über das Leben von Frauen
"Irische Sehnsucht: Erzählungen von der Grünen Insel" ist eine Kurzgeschichtensammlung aus dem Nachlass der irischen Autorin Maeve Binchy. Die Übersetzerin ist Gabriela Schönberger und das Buch erscheint als gebundene Ausgabe im Juni 2018 im Knaur Verlag.
21 warmherzige Erzählungen aus dem Nachlass der beliebten irischen
Bestseller-Autorin. Mit ihren Kurzgeschichten stellt Maeve Binchy Leben und Alltag
verschiedener Frauen in Irland vor. Sie zeigt deren
unterschiedliche Charaktere, ihre Wünsche, Ängste und Sehnsüchte.
Es geht um Beziehungen, Liebe und Freundschaft. Die Frauen kämpfen für ihre Träume
und müssen sich ihren Ängsten stellen, um glücklich zu werden.
Nicht alle Geschichten sind in gleichem Maße interessant, aber es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Bei diesem Buch muss man Geschichte um Geschichte für sich genießen. Manche berühren, andere sind gefühlvoll oder auch lebensnah geschrieben. Es ist ein bunter Reigen aus dem Leben von Frauen.
Besonders gut fand ich: "Guter Rat ist teuer". Dort geht es um Sara, die sich einen Mann angeln will. Ihre Tante Miriam hat kreative Ratschläge an der Hand und doch geht die Sache völlig anders aus als gedacht.
In "Erstens kommt es anders" bekommt eine Familie zu Weihnachten Besuch von einer unbeliebten Tante. Die Ereignisse sind sehr amüsant und auch nachdenklich machend, denn die Tante ist eine ewige Nörglerin.
"Talk am Nachmittag" erzählt eine Liebesgeschichte, bei der ein Zuhörer sich in die bekannte Radiosprecherin verliebt. Wie sie sich kennenlernen, zeigt eine mutige Annäherung.
"Eine
positive Bilanz" zieht am Ende der Geschichte auch eine
alleinerziehende Mutter, die den scheinbar schlechten Umgang ihrer Tochter abstellen möchte. Die Freundin entpuppt sich jedoch als liebe Seele unter einer aufmüpfigen Schale.
"Die Hälfte von neunzig" hat mir ebenfalls sehr gut
gefallen.
In kurzen
Einblicken gelingt es Maeve Binchy auf berührende Weise, unterschiedliche Situationen und Lebensprobleme
deutlich und auf den Punkt genau darzustellen. Dabei schaut sie den
Figuren direkt in die Seele und lässt den Leser daran gebührend Anteil
nehmen.
Eigentlich habe ich durch den Titel mehr regionale Einbindung von der irischen Landschaft versprochen. Doch hier geht es mehr um die Momentaufnahme von Frauen, die besondere Dinge erleben, deren Leben in kurzen Einblicken eindrücklich sichtbar wird. Sie unterscheiden sich nicht von anderen Nationalitäten, sie sind Frauen wie andere europäische Frauen auch.
Die Geschichten sind gefühlvoll dargestellt und sorgen für eine kleine Unterhaltungspause.
Es sind besonders die genauen Beobachtungen, die den
Romanen von Maeve Binchy die notwendige Würze geben.
Wer Romane von Maeve Binchy liebt, wird auch diese Erzählungen mögen. Es sind feinsinnige Geschichten über das
Leben zum Genießen.
***Vielen herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Leseexemplar!***
Literarische Alternative zum Schoko-Adventskalender
Mit ihrem literarischen Kalender in Form von 24 Adventsgeschichten erfreut uns die Autorin Wiebke Worm in der Vorweihnachszeit. Das Buch erschien 2014 bei Emmerich Books & Media. (Werbung)
Verkürzen Sie sich die Wartezeit bis zum Fest und genießen Sie jeden Tag
ein Stück Vorfreude. Mit 24 stimmungsvollen Schwarzweiß-Illustrationen
von Katharina Hahn.
Wenn man mal zu den ewigen Schoko-Adventskalendern eine Alternative sucht, ist man mit diesem Büchlein gut beraten.
Die verschiedenen Erzählungen sind nicht nur unterhaltsam, sie berühren auch, machen nachdenklich oder aber fröhlich. Die Spannweite ist groß, es geht um Schneemänner, Weihnachten bei den Elfen oder im Kindergarten und sogar in ein Kinderheim.
Aber ob nun die Geschichte von Familie Maus, vom Puppenhaus, Teddy, Osterhase oder Futterkrippe, alle Erzählungen sorgen für ein kurzes Besinnen, sie lassen innehalten und nachdenken oder erfreuen ganz einfach. Es ist für jeden Geschmack etwas dabei und für jeden Dezembertag stehen zwei Geschichten zur Verfügung.
Der Sprachstil ist recht einfach gehalten, daher kann man sie auch gut Kindern vorlesen. Aber auch für Erwachsene ist die Lektüre durchaus geeignet. Gerade im Advent möchte man wieder Kind sein oder den Blick auf die Welt aus Kinderaugen sehen können.
Mir hat diese Sammlung gut gefallen und ich habe mal in der hektischen Zeit ein wenig abschalten können. Für Freunde von Adventskalendern in Buchform eine wunderbare Geschenkidee!
***Herzlichen Dank für diesen Gewinn im Adventskalender von Charleen von charleenstraumbibliothek!***
Unterhaltsame Geschichten und Weihnachtstraditionen aus Skandinavien
Unter dem Titel "Elche unterm Weihnachtsbaum" haben die Übersetzerinnen Ebba D. Drolshagen und Regine Elsässer die schönsten Geschichten aus dem hohen Norden ausgesucht und veröffentlicht. Die Sammlung von Kurzgeschichten erschien erstmals 2010 im Piper Verlag. (Werbung)
Dieses Buch enthält eine bunte Mischung von skandinavischen Kurzgeschichten, die sich um Tannenbäume, Trolle und Wichtel, das berühmte Luciafest und auch um den Weihnachtsmann drehen.
Man erfährt wie die schwedische Weihnachtstradition der Lucia abläuft, bekommt einige Rezepte für Glögg, "Risalamande" (Milchreis) und typisches nordisches Gebäck an die Hand und wird unterhaltsam und informativ über nordische Weihnachten informiert.
Die Autorennamen sind mir nur teilweise bekannt. So gibt der wunderbare Klassiker "Der Tannenbaum" von Hans Christian Andersen ein Stelldichein, aber auch von Selma Lagerlöf und Anne B. Ragde gibt es Beiträge.
Henrik Valentins "Rudolph mit der roten Nase" war schön amüsant.
Klas Östergrens "Leider nur zur Weihnachtszeit" ist etwas frech und macht neugierig auf seine anderen Werke.
Und Levi Henriksen geht in "Ein Haus aus Händen" einer Geburt am Weihnachtstag nach. Passender geht es wohl kaum, denn das ist ja der Grund dieses besonderen Weihnachtstages: die Geburt eines Kindes.
Anne B. Ragdes "Ein Weihnachtsgeschenk von oben" hat mir ebenfalls sehr gut gefallen.
Susanne Bjerrehus untersucht in "Weihnachtsleid, Weihnachtsfreud" den Kommerz und die Wahl des richtigen Partners zur Weihnachtszeit.
Ich wurde gut unterhalten, fand allerlei interessante Infos über nordisches Brauchtum.
Ob witzig, nachdenklich machend oder einfach nur unterhaltsam und stimmungsvoll, hier findet sich für jeden Geschmack etwas passendes. Die Texte sind vielfältig, die Schreibstile sehr unterschiedlich, einige Geschichten sind zum Vorlesen geeignet, andere wiederum eher nur für Erwachsene.
Für Skandinavienfans ein bunter Reigen von weihnachtlichen Geschichten, die die Bräuche und die Kultur des Nordens näher beleuchten und vorstellen. Durch die beigefügten Rezepte bekommt man Ideen für kulinarische Kostproben und kann den nordischen Nachbarn direkt auf den weihnachtlichen Teller schauen.
***Herzlichen Dank für dieses Leseexemplar aus dem Hause Piper!***
Kurzgeschichten für Zwischendurch. Kleine Ablenkung im Alltag!
In "Herzblätter" geben sich 5 namhafte Autorinnen ein Stelldichein und
erzählen kleine Geschichten vom Glück. Die Sammlung erscheint in einem
wunderschön gebundenen Büchlein im Rowohlt Verlag. [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]

Wege zum Glück gibt es viele.
Hier erzählen fünf Bestseller-Autorinnen von den Umwegen, die oft nötig
sind, um das Glück auch zu erkennen.
Amüsant, gefühlvoll, nachdenklich, heiter.
In diesem Buch:
Anna McPartlin: «Das Sommerwunder»
Juliet Ashton: «Ein gutes Mädchen»
Mia Morgowski: «Ein Mann sieht rot»
Sofie Cramer: «Ein abgefahrener Sommer»
Britta Sabbag: «Sommer für Aussteiger»
Dieses Büchlein ist
wunderschön, besonders mit seinen Herzen auf dem Cover vermag es sofort
zu verzaubern. Kann das der Inhalt auch leisten?
Wie immer bei
Sammlungen ist die Bewertung schwierig, denn nicht jede Geschichte,
jeder Erzählstil stellt den Leser gleichermaßen zufrieden.
Inhaltlich geht es um das persönliche Glück, aber auch um Krankheiten und Gefühle und besondere Erlebnisse.
Bei
dieser kleinen Sammlung von fünf Geschichten hat mich "Das
Sommerwunder" von Anna McPartlin am meisten berührt. Sie erzählt von
Patricia, die gesundheitlich ein schweres Los gezogen hat, da hilft nur
noch ein Wunder. Ihr Schicksal ist sehr tragisch, auch ist es sehr
ehrlich geschrieben und zeigt die Situation ungeschönt. Dennoch wirkt
die Erzählung nicht traurig und desillusioniert. Anna McPartlin hat ein
Händchen für Geschichten, die das Leben schreibt.
Juliet
Ashtons Geschichte liest sich wie ein Tagebuch mit Einblicken in
Lebensabschnitte von Serena. Der Schreibstil ist toll, die Story hat auf
mich einen etwas getrübten Nachgeschmack.
"Ein Mann sieht rot"
ist der Knaller des Buches. Mia Morgowski zeigt den Selbstversuch eines
Mannes mit Bräunungcreme, man kann sich schon vorstellen, dass hier
nicht alles wie geplant abläuft. Ich habe mich gut amüsiert.
In "Ein abgefahrener Sommer" geht es um eine schicksalhafte Begegnung im
Zug, die mir irgendwie bekannt vorkam. Dennoch wunderschön geschrieben und auf seine Weise eine traumhafte Story.
Britta
Sabbag konnte mich mit ihrer Geschichte in eine lockere Sommerzeit
hineinziehen. Heiter und unbeschwert ging es hier voran.
Diese
Sammlung ist ein hübsches Geschenk für eine nette Freundin. Ob tragisch,
amüsant, heiter oder nur unverschwert, jede Geschichte hat ihre
besondere Aussage.
"Nordische Nächte" Von Tania Blixen ist eine Sammlung von Kurzgeschichten aus den Jahren von 1905 - 1957, die 2016 im Penguin Verlag erscheinen.
Tania Blixens Kurzgeschichten sind Perlen klassischer Erzählkunst. Zu
Recht wurde die Autorin die Scheherazade des Nordens genannt, denn kaum
jemand vermag es so wie sie, Leserinnen und Leser in Bann zu ziehen.
Diese exklusive Textauswahl versammelt die schönsten Werke aus über
fünfzig Schaffensjahren – allen voran das Glanzstück über die
Meisterköchin Babette und deren exquisite kulinarische
Verführungskünste. Tania Blixens Lebensthemen und bevorzugten Stoffe,
das Exotische, Märchen und Legenden, aber auch herausragende Episoden
der abendländischen Geschichte wirken dank ihrer sinnlichen
Beschreibungskunst heute so lebendig wie eh und je.
(Klappentext)
Die Dänin Tania Blixen wurde 1885 in der Nähe von Kopenhagen geboren,
wanderte nach dem Studium der Malerei in Kopenhagen, Paris und Rom 1914
nach Kenia aus, wo sie den schwedischen Baron Blixen-Finecke heiratete
und zu schreiben begann.

In Blixens Geschichten erlebt man andere Kulturen, sieht fremde Menschen und
man taucht ein in eine längst vergangene Zeit. Das merkt man schon am
Sprachstil sehr deutlich. So wie Blixen sich ausdrückt, redet oder
schreibt heute niemand mehr. Es wird märchenhaft, aber auch abenteuerlich und die Wichtigkeit
gesellschaftlicher Schichten wird deutlich aufgezeigt.
Blixen hat die Gabe, auf sprachlich hohem Niveau fantasievoll zu erzählen.
Sie
erfindet wunderbare
Geschichten und schmückt sie mit inhaltlichem Tiefgang aus, der den
Leser in eine längst vergangene Zeit reisen lässt. Hier werden
gesellschaftliche Normen und Stellungen aufgezeigt, die man unweigerlich
mit Märchen und Geschichten aus der Vergangenheit verbindet. Es gelten
andere Maßstäbe von Moral und die Lebensgewohnheiten wirken aus heutiger
Sicht etwas altmodisch. Darauf muss man sich einlassen, um zu
entdecken, welche Dinge auch heute noch zutreffen und uns genauso
berühren wie die Menschen früher.
"Saison in Kopenhagen" zeigt das Leben im Kopenhagen von
1870 in bildhafter Darstellung. Es ist eine ganz besondere
Liebesgeschichte, die auf einem Friedhof endet. Mich haben besonders die
Sprachwahl in den Dialogen und die Stimmungen der damaligen Zeit durch
die Geschichte getragen.
"Babettes Fest" zeigt das Leben einer
Köchin, hier gibt es kulinarische Erlebnisse und die Figuren sind sehr
lebendig gezeichnet. Mich hat diese Geschichte richtig bezaubert, dabei
gibt es keine dramatischen Ereignisse. Es sind die einfachen Freuden des
Lebens, wenn die Liebe durch den Magen geht und so in den Menschen
Liebe entfacht. Diese Geschichte hat Charme und nimmt den Leser
gefangen.
"Onkel Theodore" ist eine richtig schöne Geschichte, die von
sozialem Aufstieg erzählt. Der Name oder auch der Adelstitel
öffnet hier den Weg in die feine Gesellschaft. Sozialer Aufstieg um
jeden Preis und damit Anerkennung und Wohlstand. Auch wenn das Ganze nur
fingiert ist, bekommt man als Leser eine packende Story geboten, die
Pariser
Flair und Savoir Vivre spürbar werden lässt.
"Karneval"
möchte ich mal als eine literarische Narrenposse bezeichnen. Hier werden
bunte Figuren wie Harlekin und Pierrot lebendig und spielen ihr Spiel,
dem Grenzen gesetzt sind.
"Die Königssöhne" hat mich in eine ferne Welt versetzt und wirkt wie
Geschichten aus 1001 Nacht. Scheherazade ist in diesem Fall Tania
Blixen, aber nicht in einer nordischen Nacht, sondern in Persien...
Mit Weitsichtigkeit und Mut gegen Gewalt und Macht zeigt sich diese Geschichte fast schon wie eine Fabel.
Es ist diesen Geschichten ein ganz eigener Zauber inne, dem man beim
Lesen verfällt. Dabei haben diese Geschichte auch uns modernen Menschen noch durchaus etwas zu sagen.
***Herzlichen Dank an das Blogger-Portal und den Penguin Verlag!***