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Donnerstag, 6. August 2026

Der Geschmack von Marmelade an Regentagen - Ella Larsen

Warmherzige Story über die Kraft von Freundschaft und Zusammenhalt 

Ella Larsens Roman Der Geschmack von Marmelade an Regentagen erscheint im Knaur Verlag

Heidi trauert um ihren verstorbenen Ehemann und fühlt sich einsam in ihrem großen Stadthaus in Flensburg und weiß nicht, wie es mit dem Plattengeschäft ihres Mannes weiter gehen soll. Ihre Untermieterin Nele hadert mit ihrem Leben, denn sie hatte sich so sehr eine Familie gewünscht. Uwe ist Stammkunde im Plattenladen und hat seiner Frau gestanden, dass er homosexuell ist und muss sich nun eine neue Bleibe suchen. Ein Schicksalswink führt die drei Personen in Heidis heimeliger Küche zusammen, wo sie gemeinsame Pläne über ihre Zukunft machen. Können sie jetzt ihre Sorgen hinter sich lassen? Als sie den kleinen Kater Tiny bei sich aufnehmen, sorgt er für reichlich Chaos.  



 

In dieser Geschichte treffen drei sympathische Menschen aufeinander, die über ihre persönlichen Sorgen und Nöte sprechen und an dieser Gemeinschaft Halt finden. Ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid! Sie unterstützen sich gegenseitig, fassen neuen Mut, haben Ideen und Vorstellungen, wie sie den Plattenladen nach ihren Wünschen nutzen können und nur Dinge anbieten, die sie alle mögen. Diese gemeinsame Aktion schweißt sie zusammen.  

Ella Larsen erzählt bildhaft und locker eine liebenswerte und warmherzige Geschichte über Neuanfänge und über den Mut, seine Träume zu verwirklichen. Zwar werden den drei Hauptfiguren mehrere Hindernisse in den Weg gelegt, doch gemeinsam und mit der Kraft ihrer Freundschaft, gelingt es ihnen, diese zu überwinden. Ein schöner Frauenroman über die Freundschaft, über Handarbeiten, Kleidung und Chutneys und über einen übermütigen Kater, der seinen Besitzern trotz seiner chaotischen Art ans Herz wächst. 

Katzenfreunde werden sich an den emotionalen und lustigen Szenen aus der Sicht des Katers Tiny erfreuen und können tief in die Gedankenwelt des Tieres eintauchen. Für mich war das insgesamt etwas zuviel Katzenkontent. 

Vermisst habe ich die im Titel erwähnte Marmelade, denn eigentlich kocht Uwe Kompott und Chutneys, die am Ende des Buches auch mit zwei passenden Rezepten vorgestellt werden. Beide Rezepte sind recht einfach und das Chutney werde ich unbedingt ausprobieren.   

Es ist ein Buch über den Zusammenhalt von Menschen, die sich gegenseitig unterstützen, füreinander da sind und so zusammen wachsen. Wie wunderbar, wenn aus einer zufälligen Begegnung so eine tiefe Gemeinschaft entsteht. Der Hoffnungsschimmer überträgt sich beim Lesen und am Ende bleibt ein warmherziges Gefühl.  

 


Montag, 23. September 2024

Schneeflockengrab - Heidi Amsinck

Der Funke sprang nicht über!

Im Knaur Verlag erscheint Heidi Amsincks Thriller "Schneeflockengrab".  

Schauplatz dieses Thrillers ist Kopenhagen im Winter. Die Journalistin Jensen findet einen jungen Obdachlosen unter einer Laterne im Schnee sitzend, er wurde mit vielen Messerstichen ermordet. Auf einem Pappschild steht das Wort »Schuldig«. Jensen ruft Kommissar Henrik Jungersen von der Kopenhagener Polizei zum Tatort, er ist ihr Kontakt zur Polizei und ihr früherer Liebhaber. Der Tote ist bereits der zweite Mord an einem Obdachlosen und schon bald wird eine weitere Leiche gefunden. Tötet hier ein Serienmörder? 
 


 
Die Handlung wird sehr ruhig erzählt und ist für mich kein spannender Thriller, bei dem ich gefesselt weiterlese. Wirklich dramatische Stellen sind nur wenig vorhanden. Dafür ist die Atmosphäre sehr eindrücklich, es ist Winter in Kopenhagen, beim Lesen konnte ich mir die bildhaft beschriebene Kälte und den Schnee gut vorstellen. Leider entwickeln die einzelnen Informationen bei der Ermittlung keine große Spannung und die Todesfälle lassen mich im Dunkeln tappen. Heidi Amsinck rückt ihre Figuren sehr klar in den Vordergrund, dagegen läuft die Ermittlung eher so nebenbei. 

Leider konnte ich zu den Figuren keine Beziehung aufbauen, sie blieben mir merkwürdig fremd und durch und durch unsympathisch. Besonders Jensen ist nicht teamfähig und eckt überall an. Ich finde sie sehr anstrengend mit ihren Launen und ihre on-off-Beziehung zu Henrik, dem verheirateten Kommissar war für mich nur ein Stilmittel, um die Figuren etwas interessanter zu machen.  

Der Fall zeigt Missstände in der Gesellschaft auf und bringt mitleiderregende Dinge ans Licht, doch diese Hintergründe verlieren sich fast vor irrelevanten Nebenhandlungen und die Beweggründe hätte man auch mehr ausarbeiten können.
 
Dieses Buch konnte mich leider nicht überzeugen, an das Level großer skandinavischer Thriller kommt es leider nicht heran. 

Ich vergebe 2 Sterne, weil mich die Handlung nicht gepackt hat und ich lediglich die kalte Atmosphäre beim Lesen gut fühlen konnte.




Montag, 15. Juli 2024

Madame le Commissaire und das geheime Dossier - Pierre Martin

Dieser fesselnde Urlaubskrimi bietet beste Unterhaltung!

Im Knaur Verlag erscheint mit "Madame le Commissaire und das geheime Dossier" der 11. Band von Pierre Martins Krimireihe um Isabelle Bonnet.

Isabelle Bonnet erhält vom Polizeichef aus Paris einen wichtigen Anruf. Sie soll den Einbruch in eine Ferien-Villa hinter Saint Tropez untersuchen. Das kommt ihr merkwürdig vor, denn der Polizeichef hat normalerweise wichtigeres zu tun als sich um Einbrüche zu sorgen.  



Auf Geheiß des Polizeichefs untersucht Isabelle mit ihrem Assistenten Apollinaire den Einbruch in einer Villa bei Gassin. Sie findet heraus, dass es sich bei dem Besitzer der Villa um Gabriel Roquefort handelt, der als Staatssekretär im Außenministerium arbeitet. Der Grund für die Besorgnis des Polizeichefs ist ein gestohlenes geheimes Dossier, dass Roquefort eigentlich gar nicht aus dem Büro mitnehmen durfte. Nun ist es beim Einbruch in seiner Villa mit diversen Wertgegenständen gestohlen worden. Können normale Einbrecher mit dem Dossier etwas anfangen? Oder waren sie nur darauf aus? 

Bei diesem verzwickten Fall sind zahlreiche Befragungen nötig, die sich zunächst mit dem Einbruch beschäftigen, später kommt noch ein Mordfall hinzu. Ich habe lange Zeit gerätselt, wer wohl Interesse an dem Dossier haben könnte, denn die Puzzleteile der Ermittlungen bringen zwar einige delikate Details ans Licht, aber nicht den Inhalt der wichtigen Mappe. 
Pierre Martin hat ein Händchen für die Ausarbeitung seiner Charaktere, die erkennbar und mit lebensnahen Facetten ausgestattet sind. Bei einigen Personen bekommt man auch Einblick in ihre Gefühlswelt und leidet oder freut sich mit ihnen.

In dieser Krimireihe ist der verschrobene Apollinaire meine absolute Lieblingsfigur, mit seinen gedanklichen Höhenflügen und recht speziellem Wissen scheint er sich nicht so sehr auf den jeweiligen Fall zu konzentrieren, doch wenn er gebraucht wird, ist er zur Stelle. Mit seinen skurrilen Äußerungen bringt er Isabelle und mich zum Nachdenken, aber auch zum Lachen. 
 
Isabelle war Leiterin einer geheimen Antiterroreinheit und diese Erfahrungen merkt man ihr auch heute noch an, wo sie als einfache Madame le Commissaire im provenzalischen Fragolin das Kommissariat leitet. Ab und zu gehen mit ihr bei Verfolgungsfahrten die Pferde durch und sie riskiert Kopf und Kragen. Damit mutierte sie in einigen Bänden schon zu Superheldin, in diesem Buch wurde ihre Heldenrolle jedoch moderat eingespielt und diese Szenen sorgen auch für einen starken Anstieg der Spannungskurve, die sich ansonsten im Mittelfeld bewegt. In diesem Buch war ziemlich auffällig, wie sehr sich Isabelle doch von attraktiven Männern angezogen fühlt. Das fand ich etwas überzogen, ziehe dafür aber keinen Stern ab!

Pierre Martin lässt in bildhaft beschrieben Szenen reichlich Flair der schönen Provence einfließen und die eingestreuten kulinarischen Gerichte und etliche Gläser Wein verdeutlichen appetitanregend das Lebensgefühl der Franzosen. 

Genau so stellt man sich einen Frankreich-Krimi vor, der mit Spannung, Kulinarik und liebenswerten Figuren für fesselnde Unterhaltung sorgt! Ein toller Urlaubskrimi, den ich gerne weiter empfehle! 


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


 

Donnerstag, 18. April 2024

Das Flüstern des Lebens - Katharina Fuchs

Eindrucksvoller und bewegender Roman, der zum Nachdenken anregt!
 
Im Droemer Verlag erscheint "Das Flüstern des Lebens" von Katharina Fuchs.  
 
Die Nachricht vom Tod Corinnas, einer 68-jährigen reichen Kaffeeplantagen-Besitzerin in Tansania mit Villa in München, versetzt ihre Schwester Doris und deren erwachsene Kinder Isabelle und Moritz nicht nur in Trauer, sondern präsentiert ihnen unerwartet ein neues Familienmitglied. Das Geheimnis Tante Corinnas ist deren 14-jährige Tochter Hannah, von deren Existenz niemand in der Familie etwas wusste und die nun nach dem Tod Corinnas bei Doris in der Münchner Villa wohnen soll und im Schoß der Familie aufgenommen wird. Architektin Isabelle erbt die Kaffeeplantage und reist nach Tansania, um die Geschäfte zu regeln. 
 

 
"Der Himmel über mir war wie ein samtiger Mantel, bestickt mit Diamanten, die in der Dunkelheit tanzten. Setzte man Eitelkeit, Macht und Egoismus einzelner Menschen, die wie im Fall von Corinna für so viel Leid sorgten, dazu in Relation, verschwanden sie in der Bedeutlungslosigkeit." Zitat Seite 344

 
Das Buch startet mit Corinnas Todesfall und dem unerwarteten Eintreffen Hannahs. Doch es wurde für mich erst richtig spannend, als Isabelle nach Tansania reist, um ihr Erbe zu inspizieren. Ich habe geahnt, wie sich Hannahs Geburt logisch erklären würde und fand es merkwürdig, dass Corinna ihren Verwandten ihre Tochter jahrelang unterschlagen hat. Willensstark wie sie war, hätte sie sich auch über diese Hürde ethnischer Bedenken in der Familie hinweg gesetzt. Es wurde mir schnell klar, dass Moritz sich seine Chance auf eine Anfechtung des Testaments vor Gericht nicht nehmen lassen wollte. 
 
In "Das Flüstern des Lebens" war ich neben der Herkunft Hannahs auch gespannt auf die zahlreichen Personen und ihr Handeln, ich konnte aber nicht mit allen warm werden. Hannah empfand ich reifer als eine übliche 14-jährige, sie tat mir leid, so zwischen den Stühlen zu stehen und ohne vertraute Personen in einer neuen Familie leben zu müssen. Doch Doris wird für sie zur Vertrauensperson, die ihr mit großmütterlicher Güte und Liebe zur Seite steht. Mit Isabelle habe ich schnell Sympathie geschlossen und fand es dann etwas sehr heldenhaft, wie perfekt sie sich in die Leitung der Kaffeefarm einarbeitet, nachhaltigen Anbau plant und für humane Bedingungen gegen Kinderarbeit engagiert. Ihre Vorhaben lassen sich nicht mal eben umsetzen, doch sie beweist damit Herzblut für die Menschen und die Farm. Die lebendigen Schilderungen der Kaffeeverarbeitung, die Gespräche mit den Einheimischen und die Erlebnisse in der bildhaft beschriebenen Serengeti waren für mich das Highlight der Geschichte. 
 
Tante Corinna war zu Beginn der Geschichte eine schillernde Figur, die alle bewundern, doch der sie umgebende Glanz und die Anerkennung in der Familie bröckelte, je mehr man über sie erfuhr.
Egoistisch, eigenwillig und wie ein Relikt aus einem vergangenen Jahrhundert entpuppte sie sich als übriggebliebene Kolonialherrin, die sich auf Kosten anderer das vom Leben nahm, was sie wollte und ihren Willen durchsetzte. 
 
Sehr detailliert wird die Testamentsanfechtung in allen Einzelheiten geschildert, als Juristin ist die Autorin in diesen Vorgängen versiert, es ist aber sicher nicht für jede Leserin fesselnd. Und die Romanze Isabelles war für mich etwas sehr nach dem berühmten Vorbild "Jenseits von Afrika" gestrickt.    
 
Katharina Fuchs Romane sind für mich durch ihren Erzählstil immer ein Lesegenuss. Ich schätze ihre spürbare Recherche und mag die Geschichten, die von interessanten Schicksalen erzählen und aus dem Leben gegriffen sind. In diesem Buch vereint sie meiner Meinung nach recht viele Themen und Nebenhandlungen, die etwas von der Haupthandlung ablenken. 
Das Buch ermöglicht interessante Einblicke in Kinderarbeit, fehlende Bildungschancen und die Traditionen der Massai und die poetisch Schilderung der landschaftlichen Schönheit Tansanias habe ich genossen. Aufschlussreich sind auch die Bedingungen auf der Kaffeefarm, die von Regenzeit, Überflutung, Hitzeperioden und Schädlingen abhängen und für diese Themen schätze ich den breit angelegten Familienroman. 
Katharina Fuchs hat mal wieder ein Händchen für ansprechende Geschichte bewiesen, der den Blick auf unterschiedliche Kulturen öffnet und zeigt, dass unsere Vorstellungen in anderen Kulturen nicht immer kompatibel sind.  

"Das Flüstern des Lebens" ist ein eindrucksvoller und bewegender Roman, der eine gewisse Dramatik entwickelt, zum Nachdenken anregt und mir Einblicke in eine Kaffeeplantage in Tansania geschenkt hat.


***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



Sonntag, 28. Januar 2024

Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung - Heidi Rehn

Zeitbeschreibende Familiengeschichte einer Kino-Dynastie 

 
Im Knaur Verlag erscheint Heidi Rehns historischer Roman "Das Lichtspielhaus - Zeit der Entscheidung".
 
München, 1926: In den Goldenen Zwanziger Jahren ist die Zeit der Filme und Kinos. Auch der mondäne Lichtspielpalast der gefeierten Theater-Schauspielerin Elsa Donaubauer und ihrem Mann Karl läuft gut und ist weit über Münchens Grenzen hinaus bekannt. Elsa bekommt das großartige Angebot einer Hauptrolle im Film von Alfred Hitchcock, doch dann verlässt sie ihr Mann für eine Revue-Tänzerin und Elsa muss sich als Kino-Besitzerin mit anderen Dingen beschäftigen. Das ist als Frau nicht einfach und sie muss sich auch noch gegen ihre Schwiegermutter behaupten, die ebenfalls bestimmte Vorstellungen an den Kinobetrieb hat.
Als der Nationalsozialismus schließlich ihre Propaganda in Filmen und Kinos präsentieren, ist der Kinobetrieb gefährdet. Kann Elsa sich behaupten und wie wird ihr Leben ohne Karl verlaufen?
 

 
 
Auf interessante und bildhaft beschreibende Weise erzählt Heidi Rehn vom Leben in den Zwanziger Jahren und bringt uns anschaulich und mit vielen Filmbeispielen und Schauspieler:innen diese Zeit der Kinowelt näher. Wenn man den Roman liest, bekommt man einen authentischen Eindruck vom Zeitgeschehen und vom Leben der Menschen in München, das sich in der Vorkriegszeit durch den aufkommenden Nationalsozialismus gefährlich gewandelt hat. Die Kinos wurden zu Propagandazwecken genutzt, doch das war Menschen wie Elsa überhaupt nicht recht. Sie wollte ihrem Publikum eher eine gute Auswahl an Unterhaltungsfilmen und vor allem politisch unbeeinflussten Filmen auf ihren Kinoleinwänden zeigen. 
 
Die Familie der Donaubauer-Kinodynastie besteht aus Zenzi, Mutter von Karl, dessen Frau Elsa und den Töchtern Sidonie und Jette, Zenzis Tochter Ulla und deren Mann Heinrich.  
Als sich Heinrich immer mehr in den Vordergrund drängt und Einfluss auf den Betrieb des Kinopalasts nehmen will, sorgt das natürlich für spannende Szenen, die mit einigen Intrigen gespickt sind. 

Heidi Rehn hat ihre Charaktere mit vielseitigen Eigenschaften ausgestattet und zeigt mit Elsa eine starke Frau, die sich nach dem Verschwinden Karls für den Betrieb ihres Lichtspielpalasts aufreibt. Später muss sie sich Gedanken machen, wie sie ihr Kino vor dem politischen Hintergrund vor Propaganda bewahrt. Dabei hat sie die erfolgreichen Kinos in Berlin vor Augen und versucht, auch in München die großen Regisseure und Filme in ihr Programm zu bekommen. Zudem hat sie mit ihrer Schwiegermutter Zenzi auch noch Gegenwind, aber mit der Zeit erkennt man, was Zenzi wirklich wichtig ist.

Obwohl ich Elsa als pfiffige Geschäftsfrau bewundert habe, erscheint sie mir etwas distanziert dargestellt und ich wurde mit ihr nicht so recht warm. Dabei ist sie auf ihre Weise sympathisch, sehr ehrgeizig und ich habe ihren Lebensweg gern verfolgt und mich für ihr persönliches Glück gefreut. Zenzi war meine Lieblingsfigur im Roman, sie hat mich mit ihren Ecken und Kanten überrascht.
Allerdings konnte mich die Geschichte um die zahlreichen Figuren nicht durchgängig von Anfang bis Ende packen. Zu Beginn habe ich noch alles sehr gespannt verfolgt, konnte mit den Personen mitfiebern, doch später wurden einige Szenen ziemlich auserzählt und die Handlung verlief manchmal recht zögerlich.  
 
Absolut positiv ist aber, das dieser Roman die Kinowelt nach 1926 beschreibt und besonders Cineasten zu empfehlen ist. Es wird viel über Filme, Schauspieler und Regisseure der damaligen Zeit gesprochen und darüber, welche Bedeutung und welchen Einfluss Filme und Kino auf die Menschen hatte.  
Besonders gut hat mir die große Auswahl an erwähnten Filmen gefallen, sie sind alle im Nachspann mit genauen Angaben aufgelistet.

Ein interessanter Einblick in die Kinowelt der Zwanziger Jahre auf der Grundlage einer unterhaltsamen Familiengeschichte!


 

Montag, 13. November 2023

Monsieur le Comte und die Kunst der Täuschung - Pierre Martin

Stimmungsvolle Unterhaltung um einen Auftragsmörder mit ganz viel Savoir-Vivre!

 
"Monsieur le Comte und die Kunst der Täuschung" ist der zweite Band der cosy Krimi-Reihe von Autor Pierre Martin.

Lucien Comte de Chacarasse führt mit viel Herzblut ein Restaurant in Villefranche-sur-Mer, er ist ein Lebemann, liebt die Kunst des "Savoir-Vivre" und damit gutes Essen, schöne Frauen und vor allem sein unbeschwertes Leben. Zu seinem Leidwesen ist er aber auch der Tradition des Adelsgeschlechts seiner Familie verpflichtet und die liegt darin, Auftragsmorde zu erledigen. Die Aufträge übermittelt ihm sein Onkel. Allerdings ist Lucien keineswegs ein Mörder und versucht die Aufträge auch nur mit raffinierten Tricks abzuschließen und so ersinnt er Pläne in der Kunst der listigen Täuschung. 
 

 
Sehr lebhaft, locker-humorig und mit ganz viel französischer Kulinarik und stimmungsvollen Bildern der französischen Schauplätze Villefranche-sur-Mer und Cap-Ferrat versetzt uns Pierre Martin in eine unterhaltsame Geschichte, in der Francine, die ehemalige Geliebte von Luciens verstorbenem Vater ebenso eine Rolle spielt, wie die liebenswerte Haushälterin Rosalie und Anna, eine neue Flamme Luciens. Doch da gibt es noch das Opfer des neuen Auftragsmords, den Lucien übernehmen soll. Wie kann er sich dieser Pflicht entziehen?
 
Regelrecht in eine wunderbare Urlaubsstimmung eingehüllt hat mich vor allem das bildhaft beschriebene französische Setting mit den kulinarischen Genüssen der provenzalischen Küche. 
Die Erfüllung des Auftragsmordes läuft gefühlt so nebenbei und Lucien erweist sich erneut als geschickter Taktiker und findet logische Wege, um seine Opfer ohne eigenes Zutun zu töten. Dabei erkundet er zunächst das Umfeld seines Opfers und führt mit ihm sogar vor der Tötung noch ein klärendes Gespräch. So gelangt er an wichtige Fakten, die es ihm ermöglichen, eine Finte zu erfinden, damit sich seine Aufträge auf andere Weise erledigen als durch seine Hand.  
Auch wenn ich gerne in dieses Buch abgetaucht bin, so hat mir doch für einen Krimi mehr Spannung gefehlt.

Sehr überrascht und amüsiert hat mich der kurze Auftritt von Madame le Commissaire, sie ist die Protagonistin der früheren Krimi-Reihe Pierre Martins und ich hatte gehofft, sie würde sich in die aktuelle Handlung noch etwas einmischen. 

Stimmungsvolle und locker-humorige Unterhaltung um einen Auftragsmörder mit ganz viel Savoir-Vivre! Für einen Krimi hatte ich mir mehr Spannung erhofft.


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



Samstag, 5. August 2023

Madame le Commissaire und die Mauer des Schweigens - Pierre Martin

Atmosphärische Krimiunterhaltung mit einer Superwoman    


Im Knaur Verlag erscheint Pierre Martins 10. Band der Krimireihe "Madame le Commissaire und die Mauer des Schweigens".
 
In Fragolin in der Provence geht es beschaulich zu, doch dann wird bei dem Abriss eines Ferienhauses ein eingemauertes Skelett gefunden. Ein Loch in der Schädeldecke deutet auf einen gewaltsamen Tod hin und Isabelle Bonnet übernimmt nur widerwillig auf Wunsch der Bürgermeisterin den Cold Case – schließlich widmet sie ihre Aufmerksamkeit lieber aktuellen Verbrechen. Überhaupt gilt ihr derzeitiges Interesse weniger dem Skelett-Fall als dem Verschwinden ihres Freundes Nicolas, der sie aus Marokko um Hilfe bittet. 
 



Der Krimi startet mit einem absolut fesselnden Prolog einer stuntmäßigen Actionszene mit Superwoman Isabelle Bonnet, die sie kaum überlebt haben kann. Doch kaum hat man diese Aufregung hinter sich, erlebt man Isabelle lebend in einem Restaurant, wo sie über den eingemauerten Skelett-Fund unterrichtet wird. Während sie sich eher unwillig auf Chantals Wunsch hin mit dem Fall beschäftigt, erreicht sie ein Hilferuf von Nicolas aus Marokko. Daraufhin überlässt sie die  Recherchearbeit bezüglich des Skeletts gerne ihrem verläßlichen Gehilfen Apollinaire und fliegt nach Marrakesch, wo sie ihre Kontakte spielen lässt und .

Der Fall des Skeletts führt zu einem unseriösen Finanzberater, der sich inzwischen in Haft befindet und auch die Vorbesitzer sind irgendwie auffällig, der Ehemann verschwand spurlos. Eine Mauer des Schweigens umgibt den alten Fall und so recht kann sich Isabelle auch nicht in den Fall einfühlen, denn gedanklich ist sie mehr mit ihrem Privatleben beschäftigt. Weder von Rouven noch von Nicolas hat sie in letzter Zeit etwas gehört. Als sie dann plötzlich ein Hilferuf von Nicolas aus Marokko erreicht, fliegt sie sofort nach Marrakesch und lässt ihre alten Kontakte zum Geheimdienst spielen.

In Marrakesch steckt Nicolas in Untersuchungshaft wegen eines Drogendeals, ihn dort hinauszuholen, erfordert einer besonderen Finte, die ihr alter Kollege Rachid genial, aber zwielichtig ersinnt und einfädelt. 

Die Krimihandlung im Skelettfall und die Geheimnisse um Nicolas werden immer wieder eingebaut in genussvolle Szenen mit Champagner, Wein und kulinarischen Genüssen Südfrankreichs und Marokkos. Das sorgt für angenehme Wohlfühlstimmung zum Abschalten und schafft ein authentisches Bild von Urlaubserinnerungen. Der Krimifall schwächelt dieses Mal allerdings etwas, denn als gewiefte Kommissarin müsste Isabelle schneller darauf kommen, dass der Täter auch das Opfer sein könnte.

Es stört mich zunehmend, dass Isabelle in diesen Krimis immer mehr zur Superheldin mutiert und sogar ziemlich unbeschadet gefährliche Situationen übersteht. Selbst wenn Isabelle früher Leiterin einer geheimen Antiterroreinheit war, kommen mir ihre übertriebenen Superkräfte und ihre extreme Unverletzlichkeit doch nicht gerade realistisch vor. 

Trotz der Kritik mag ich das frankophile Flair des Romans und habe das gezeigte Leben in Marokko ebenfalls genossen. Es ist ein lesenswerter Fall und den Einblick in das Privatleben der Kommissarin finde ich sehr unterhaltsam.   
 
Diese Reihe eignet sich als Urlaubslektüre gleichermaßen gut für frankophile Leserinnen wie für Krimifreunde, alledings wackelt die Glaubwürdigkeit der Madame le Commissaire immer mehr. 
 
***Herzlichen Dank an den an Knaur Verlag für dieses Reziexemplar!***
 
 
 

Samstag, 6. Mai 2023

Das Glück am Horizont - Anna Husen

War mir ein bißchen zuviel Drama


Der historische Roman "Die Frauen der Villa Sommerwind - Das Glück am Horizont" ist das Debüt von Anna Husen und erscheint im Knaur Verlag.
 
Timmendorf 1903: Henriette ist 22 Jahre alt und hat einen Abschluss an der Hotelfachschule, der sie befähigt, ihrem Vater in Timmendort bei der Führung des Hotels Villa Sommerwind zu helfen. Hennies Mutter starb bei der Geburt ihres jüngeren Bruders und seitdem haben die Geschwister ein enges Verhältnis. Henriette verliebt sich in den Fischersohn Ole, doch es ist eine Liebe, die Hennies Vater nicht für sie vorgesehen hat. Sie soll den standesgemäßen Eduard Graf heiraten. 
 


Die Geschichte wird mit bildhaften Beschreibungen erzählt, es gibt emotionale und spannungsgeladene Momente, schicksalshafte Wendungen und einige dramatische Szenen, die aus Eifersucht, Sehnsucht und Einsamkeit heraus erwachsen.  
In diesem Roman ist Hennie die Hauptfigur, ich konnte mit ihr mitfühlen und leiden. Aber ich habe ihr auch nicht ganz abnehmen können, dass sie eine emanzipierte junge Frau ist, die sie aufgrund ihrer damals unüblichen Ausbildung ja sein sollte. Trotz aller Verantwortung, die sie für ihre Familie übernimmt, fand ich sie nicht so tatkräftig, das Thema Liebe stand meistens im Vordergrund. Meine Sympathieträgerin war ihre Freundin Mareike, die immer besonnen, einfühlsam und hilfsbereit auftritt und stets die rettende Kraft im Trösten und Unterstützen einnimmt.
 
Passend zu der Handlungszeit wird der Ausbruch des 1. Weltkriegs in der Handlung thematisiert, die historischen Hintergründe werden aber nur kurz gestreift. Von den Kriegserlebnissen zeugen die Gefallenen und verletzten Heimkehrer, die erahnen lassen, wie schrecklich der Krieg für alle Beteiligten war. 
 
Leider bekommt man von Timmendort als Schauplatz des Geschehen nicht sehr viel mit, da habe ich mir schon etwas mehr Ostseeflair erhofft. Und auch der Hotelbetrieb läuft fast unsichtbar nebenher, es wird nicht ersichtlich, wie engagiert Hennie dort während der Kriegsjahre den Betrieb leitet. Das hätte man etwas mehr herausstellen können.

Insgesamt gesehen geht es im Roman um Höhen und Tiefen der Gefühle. Vor allem um eine unerfüllte, sehnsüchtige Liebe, um Verantwortung für die Familie, um Hoffnung, Zuversicht und leider auch um Streitigkeiten und verletzte Gefühle. Das Ende war für mich ziemlich vorhersehbar und wird dann ziemlich schnell abgehandelt. Außerdem kommt es in dieser sehr dramatisch angelegten Story dann doch ein wenig zu harmonisch und positiv daher. Aber das ist ja bekanntlich Geschmackssache!
 
Der unterhaltsame, emotionsreiche Roman bietet eine schicksalshafte Geschichte, die eine Familie in Timmendorf in Trauer und Freude, in Schmerz und Glück begleitet. 
 



Donnerstag, 13. April 2023

Das Bücherschiff des Monsieur Perdu - Nina George


Das Bücherschiff fährt wieder los 


Im Knaur Verlag erscheint der Roman "Das Bücherschiff des Monsieur Perdu" von Nina George.

Der Buchhändler Jean Perdu besitzt die heilende Gabe, seelische Krankheiten seiner Kunden mit entsprechenden Büchern zu heilen. Nach einer längeren Auszeit mit seiner Catherine in der Provence lockt ihn ein an ihn adressiertes Manuskript des Schriftstellers José Saramago, mit der Bitte wieder Menschen und Bücher zusammen zubringen. Also begibt sich Jean gemeinsam mit Max Jordan wieder auf das Bücherschiff  "Pharmacie Littéraire" und befährt die Kanäle Frankreichs. 
 

 
Auf dieses Buch war ich sehr gespannt, es gab viele positive Stimmen für den Vorgänger "Das Lavendelzimmer". 
 
Perdu beginnt neben seiner Aufgabe, den Menschen die richtigen Bücher zu "verordnen", selbst mit dem Schreiben einer "Enzyklopädie der kleinen Gefühle". Die Auflistung der verschiedenen Gefühle beim Lesen soll ein hilfreiches Nachschlagewerk für Buchhändler:innen werden. Dazu gehören Themen wie das Sammeln von Büchern, die Leselust, Bücherfreundschaften, bis hin zum Reisen der Gedanken. Bücher lösen in Menschen unterschiedliche Gefühle aus und manchmal kommen sie mit ihrer Aussage gerade zur rechten Zeit. Damit spricht die Autorin Themen an, die mir als Buchbloggerin sehr am Herzen liegen.
 
An die Kapitel der Hauptgeschichte um Perdu werden jeweils einzelne Enzyklopädie-Kapitel angehängt. Beide inhaltsreichen Erzählstränge stehen für sich, ziehen sich etwas und wirken nicht wie aus einem Guß, was meinen Lesefluß gestört hat.
 
Nina George versammelt in ihrem Buch alle Formen von Lesenden und sämtliche Genres von Büchern. Es macht Spaß, sich selbst hier und da in den Lesevorgaben zu entdecken und auch viele erwähnte Autor:innen zu kennen. Die Seele vieler Menschen dürstet nach Geschichten und Gedichten, die von Kummer ablenken, Inhalte vermitteln, Interesse wecken, Reisesehnsüchte erfüllen oder einfach nur gut unterhalten und Freude bereiten. Insofern ist dieser Roman für Bücherfreunde eine erbauliche Entdeckungsreise. 
 
Die Idee der Story um Perdu finde ich interessant, leider verliert sich die Autorin mit ihrer floskelhaften Sprache sehr in Einzelheiten und driftet in Gedankengängen ab, die mir auf Dauer zu langatmig erscheinen. Oder, um es anders zu sagen: Das Schiff fährt streckenweise weiter, ohne mich mitzunehmen. Die Sprache lässt sich nicht flüssig lesen, denn viele Aussagen sind hintergründiger Art. Die Grundidee gefällt mir, der Spracherguß wirkt auf mich leider von Floskeln überfrachtet.
 
Ein geeignetes Buch für Literaturfreund:innen, das steckenweise langatmig erscheint, aber mit buchigen Seelenmomenten angefüllt ist.

***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***




Mittwoch, 5. April 2023

Abschied auf Italienisch - Andrea Bonetto


Levanto sehen und sterben
 
"Abschied auf Italienisch" ist der Auftaktband einer neuen Krimireihe von Andrea Bonetto, die im Droemer Verlag erscheint. 
 
Vito Grassi ist Commissario in Rom und erbt von seinem verstorbenen Vater ein Haus im idyllisch gelegenen Städtchen Levanto in Ligurien. Da es um Vitos Privatleben nicht gut bestellt ist, nutzt er die Chance und lässt sich beruflich nach Levanto versetzen. Im Haus seines Vaters lebt Toni, die sich um den Olivenhain und den Garten des Hauses kümmert. Vito fühlt sich in dieser landschaftlich schönen Gegend sofort heimisch und hat keine Sehnsucht nach dem Großstadttrubel in Rom. Doch kaum hat er seinen Dienst begonnen, sorgt die erste Leiche für Aufregung und Vito und seine neue Kollegin Marta Ricci bearbeiten den Fall. 
 

 
Der Krimi beginnt mit dem Ortswechsel Vitos, kaum ist er nach Levante gezogen, wird in einem Tunnel eine Tote gefunden. Angeblich wurde sie von einem Radfahrer angefahren. Doch die Ergebnisse der Obduktion beweisen, dass man von einem Gewaltverbrechen ausgehen muss, Vito und Marta werden auf den Fall angesetzt.
Andrea Bonetto zeigt in seinem Krimi auf bildhafte Weise die malerisch schöne Landschaft der Riviera di Levante und lässt auch die kulinarische Seite ab und zu aufblitzen, sodaß man sich stimmungsvoll nach Italien versetzt fühlt. Die Charakterdarstellung finde ich insgesamt gesehen, nicht ganz ausgearbeitet. Vito entpuppt sich als aufbrausender Römer, der schon länger kaum Kontakt zu seinem Vater hatte und gleich an seinem ersten Arbeitstag mit seiner neuen Kollegin aneinander rasselt. Beide profitieren allerdings von den Erfahrungen und Fähigkeiten des anderen und wachsen während ihrer Ermittlungen etwas mehr zusammen.
 
Während Vito mit seinem E-Roadster durch die Gegend kurvt und sich beruflich in den neuen Fall kniet, gibt es auch Einblicke in sein Privatleben. Seine Ehe hat sich auseinander gelebt, beide Kinder sind groß und längst aus dem Haus. Ob sich Vito in einer Midlifecrisis befindet oder nicht, vermag ich nicht zu sagen. Die Tochter studiert in Berlin, braucht scheinbar doch noch etwas Nähe zu den Eltern, denn sie ist in ständigem Kontakt mit ihnen. Aber Vito hat durch seinen Job wenig Zeit und lässt seiner Frau den Vortritt im Bemuttern. Man kann sich gut vorstellen, dass die Ehe unter der beruflichen Karriere und damit verbundenen wenigen Zeit für die Familie gelitten hat. Doch mit dem örtlichen Wechsel bieten sich für Vito neue Lebenschancen. Er gewöhnt sich sogar an seine Mitbewohnerin Toni, die in ihrer Vergangenheit auch einiges zu verbergen hat. 
 
Der Krimifall ist verzwickt und kurz nach der Toten im Tunnel wird in einem Waldgebiet eine von Wildschweinen angefressene Leiche entdeckt. Hängen beide Fälle zusammen? 
Die Ermittlungen beleuchten das private Umfeld beider Toten, die Motive sind nicht offensichtlich erkennbar. Ich hatte allerdings von Anfang an einen Verdacht, der sich dann auch als richtig herausstellte. Dennoch habe ich gern bis zum Ende mitgefiebert und finde die Auflösung absolut stimmig. 

Ein unterhaltsamer, kurzweiliger Urlaubskrimi mit dem Flair Italiens und einem ruppigen Ermittler, auf dessen weitere Fälle ich mich schon jetzt freue!
 

***Herzlichen Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



Mittwoch, 23. November 2022

Herzschuss - Andreas Föhr

Grundsolider Krimi, gewohnt humorvoll und sehr bayrisch 
 
Der Kriminalroman "Herzschuss: Jedes Verbrechen hat seine Geschichte" ist der neue Krimi von Andreas Föhr. Die Reihe erscheint im Knaur Verlag.
 
Clemens Wallner entdeckt in einem Hotelrohbau den toten Abgeordneten Gansel. Schnell wird Kreuthner zum Hauptverdächtigen, denn er hatte mit Gansel eine Auseinandersetzung und außerdem war dieser mit Kreuthners Jugendliebe verheiratet. Wallner hat alle Hände voll zu tun, um den wahren Täter zu finden und dann wird ihm auch noch eine neue Chefin vor die Nase gesetzt. Dienststellenleiterin Karla Tiedemann sorgt für frischen Wind im Revier, aber kann sie sich im Team Anerkennung verschaffen und die Führung übernehmen?
 


 
Im Tod des Landtagsabgeordneten Gansel ermittelt die Polizei von Miesbach, allerdings gilt dieses Mal ein Kollege als Verdächtiger, Polizeihauptmeister Leonhardt Kreuthner gerät unter Mordverdacht. Solch kaltblütigen Mord traut ihm keiner der Kollegen zu, aber der Staatsanwalt ist anderer Meinung. Vielleicht hat er Kreuthner wegen seiner häufigen gesetzeswidrigen Handlungen auf dem Kieker. 
 
Bei diesem Krimi geht es dieses Mal unterhaltsam, aber auch etwas ruhiger zu. Die Suche nach dem Täter verläuft recht schleppend und beim Miträtseln folgte ich falsch gelegten Spuren und landete häufig in einer Sackgasse. Das spricht allerdings für den Autor und auch sonst gefällt mir der eingebrachte Humor und die lebendigen, teilweise bayrischen Dialoge dieses Krimifalls, dessen Gründe auch in der Vergangenheit verborgen liegen.
Kreuthners Hang zu verbotenen Aktionen oder albernen Possen sind mir aus den Vorbänden bekannt. Auch dieses Mal überschreitet er so manche Grenze des Legalen. Aber ich musste trotzdem lachen, als er seinen Auftritt in der Kleiderkammer hatte. 
Wallner muss sich erst einmal an seine neue Chefin gewöhnen, die reagiert diensteifrig und wirkt anfangs recht unnahbar, entwickelt sich aber mit ihrer ironischen Art zu einer neuen Kultfigur im Dezernat Miesbach. Auch Wallners Vater Manfred hat wieder einige seiner legendären Auftritte und fügt seinen Teil zur guten Unterhaltung bei, man kann ihm mit seiner anmaßenden Art einfach nicht böse sein. 

Für das gewohnte regionale Flair des Krimis sorgen die gezeigten Schauplätze rund um Miesbach, die der Autor immer wieder zwischen die Ermittlungen streut. Mich haben die Charaktere und auch die überraschende und sehr logische Aufklärung des Falls gut unterhalten, das Spannungslevel hätte aber ruhig noch ein wenig höher ausfallen können.
    
Ein interessanter und etwas vertrackter Fall mit humorvollen Szenen und einem Team, dass sich neu ordnen und zusammenraufen muss. Die Frauenpower ist aber noch sehr ausbaufährig.

***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


Samstag, 5. November 2022

Tod im Olivenfass - Renato Pozzi

Dieser Gardaseekrimi bewegt sich im Milieu von Geigenbauern und Sammlern
 
Der Gardaseekrimi "Tod im Olivenfass" von Renato Pozzi erscheint im Knaur Verlag. 
 
Kaum kehrt Sophia Lange zurück in die Heimat ihrer italienischen Mutter nach Salò am Gardasee, wird ihr auch schon ihre Geldbörse gestohlen. Als sie den Diebstahl bei Commissario Andreotti meldet, verspricht er ihr Aufklärung, wenn sie ihm wiederum mit ihrem Wissen als Geigenbauerin zur Verfügung steht. Denn er muss gerade einen Mordfall aufklären, der mit historischen Geigen in Zusammenhang zu stehen scheint.  
 

 
Auf ruhige und besonnene Weise übernimmt Commissario Andreotti den Fall des Toten im Olivenfass und kommt dabei einem weiteren Verbrechen auf die Schliche, bei dem nicht Oliven, sondern historische Geigen eine entscheidende Rolle spielen. Ob alt, wertvoll oder gefälscht, dazu kann er nichts sagen, aber er hat Glück, denn er kann auf das Wissen der jungen Geigenbau-Meisterin Sophia Lange zurückgreifen, die bei ihm den Diebstahl ihrer gestohlenen Geldbörse anzeigt. Sophia ist gerade in ihre alte Heimat nach Salò zurückgekehrt und hofft, beim bekannten Familienunternehmen Maggio als Geigenbauerin arbeiten zu können. Sie freut sich auch schon auf das Wiedersehen mit ihrer Jugendliebe Luigi Maggio.
 
Anders als es der Titel vermuten lässt, spielen nicht die Oliven eine entscheidende Rolle in diesem Krimi, sondern alte historisch wertvolle Geigen. Denn der Tote im Olivenfass war ein Gutachter für Instrumente. Wer Violine spielt und sich mit klassischer Musik auskennt, wird diesen Krimi für die vertiefenden, musikalischen Themen und die Einblicke in die Arbeit des Geigenbaus lieben. Ich gehöre nicht zu diesem Personenkreis, wurde aber dennoch sehr gut unterhalten und habe die Aufklärung der Mordfälle interessiert verfolgt. Dieses Buch zeichnet sich auch das geschilderte Wissen rund um den Geigenbau aus, was man so eher selten zu lesen bekommt.    
 
Wortgewandt führt Renato Pozzi durch die Handlung und lässt die schöne Kulisse des Gardasees erstrahlen. Auch die Auswahl der Charaktere und die Zeichnung ihrer Persönlichkeit ist gut gelungen. Während der alte Andreotti lieber einen ruhigen Arbeitsalltag bevorzugt, hat Sophia durch ihre Einbindung in die Ermittlungen Blut geleckt und bringt ihr Fachwissen gekonnt ein. Das weckt auch die stillgelegten Lebensgeister Andreottis und beide ergänzen sich perfekt als sympatisches Ermittlungsduo, das nach und nach die Hintergründe der kriminellen Vorgänge aufdeckt und damit zu einem Team zusammenwächst. 
 
 
Ein ganz besonderer Krimi, der ohne großes Blutvergießen auskommt und mit seinem Geigen-Thema mal ganz neue S(a)eiten aufschlägt. Bei dieser Lektüre lernt man einiges über alte Meister und die Arbeit des Geigenbaus hinzu und wird mit dem Zusammenspiel des tollen Ermittler-Duos bestens unterhalten. 
 
 
***Herzlichen Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 



Montag, 17. Oktober 2022

Ein Kind namens Hoffnung - Marie Sand

 
Selbstlose Hilfe, aber um welchen Preis?
 
"Ein Kind namens Hoffnung" ist der Debütroman von Marie Sand, der im Droemer Verlag erscheint. 
 
Elly arbeitet als Köchin bei der jüdischen Familie Sternberg, die ihr ein Zuhause geben. Als die Sternbergs deportiert werden, flieht sie mit Leon Sternberg aufs Land, gibt ihn als ihren Sohn aus und rettet ihm damit das Leben. Es beginnt eine schwere Zeit, denn ohne Heimat und Einkünfte muss sie ums Überleben kämpfen. 


 
Marie Sand erzählt in ihrem Debütroman auf berührende Weise, wie Elly in Zeiten der Naziherrschaft sich die Rettung eines Kindes zur Lebensaufgabe macht und sich damit selbst in Gefahr begibt. Die Geschichte umfasst einen zeitlichen Rahmen zwischen 1938 bis 1958 und lässt uns am Schicksal von Elly und Leon teilhaben. Aus nächster Nähe erleben wir die Fluchtsituation, die Versorgungs-Heirat mit dem Bauern Stephan und ein arbeitsreiches Leben auf dem Hof, den ständigen Kampf ums Überleben in der Hungersnot und die Suche nach Leons Mutter. 
So dramatisch und bewegend die Geschichte auch ist, die Erzählung scheint auf merkwürdig distanzierte Weise an mir vorbeizugleiten und ich kam Elly und ihren wahren Emotionen nicht wirklich nahe, so sehr ich es mir auch wünschte. 
Elly hat mutig, aber auch sehr verbissen nur ein Ziel vor Augen, das Versprechen an Sara einzulösen und Leon zu retten. Dieses Ziel setzt sie ohne Rücksicht auf sich und andere durch und scheint über lange Zeit nur zu funktionieren. Sie stellt sogar die eigene Tochter hintenan, verteilt die Liebe für die Kinder nicht gleichmäßig, Leon ist und bleibt ihr bevorzugter Liebling und das ist in meinen Augen sehr schmerzhaft und nicht einer Mutter würdig.  

Die zeitlichen Grausamkeiten von Nationalsozialismus und Weltkrieg, den Überlebenskampf ohne Nahrung in der Kälte bringt Marie Sand in diesem Roman sehr intensiv zum Ausdruck. Auch das Landleben wird mit typischen Szenen zum Leben erweckt. Doch die Nähe zu ihren Charakteren bleibt dem Leser auf bestimmte Weise verwehrt, Gedanken oder Gefühle bleiben tief verschlossen und das hat mich gestört. 

Am Ende klärt sich die Bedeutung des Buchtitels auf und wir erfahren, welches Kind für Elly wirklich das "Kind namens Hoffnung" darstellt.

Dieses Debüt unterhält mit der Geschichte einer starken Frau, die ihr Leben der Rettung eines Kindes untergeordnet hat. Etwas mehr eigene Wünsche und spürbare Lebendigkeit für andere hätten sie mir spürbarer und sympathischer gemacht. 

 
***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***