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Dienstag, 16. September 2025

Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum - David Safier

Leichte und humorvolle Cosy-Krimi-Unterhaltung mit weihnachtlichem Touch!

 
Bei Rowohlt Kindler erscheint mit Miss Merkel: Mord unterm Weihnachtsbaum ein weihnachtlicher Band der Merkel-Krimi-Reihe von David Safier.
 
Nachdem der Urlaub mit den Obamas ein echter Reinfall war, kehrt Angela mit Achim zurück nach Kleinfreudenstadt und freut sich auf gemütliche Feiertage. Doch vor Ort steckt ein toter Weihnachtsmann im Kamin und Angelas Hobby-Ermittlerherz frohlockt und sie macht sich sogleich auf die Suche nach dem Täter. Denn ihr größtes Hobby neben dem Backen ist halt das Ermitteln und das übt sie mit viel Herz und reichlich Bauchgefühl aus. 
 
 
Das Opfer war ein professionell buchbarer Weihnachtsmann und Angela findet heraus, dass seine vier konkurrierenden Kollegen als Verdächtige in Frage kommen. Bodyguard Mike weicht Angela bei ihren Recherchen kaum von der Seite, allerdings muss er noch ein Geschenk für den kleinen Adrian besorgen.
Ehemann Achim soll bei einer weihnachtlichen Veranstaltung den Josef spielen, bzw. rappen und weiß noch nicht, wie er sich aus der Affäre ziehen kann. Und Angela interviewt die möglichen Täter und entdeckt dabei jemanden, der sich wirklich für den wahren Weihnachtsmann hält. 
 
In diesem Krimi geht es recht beschaulich zu, wir lernen skurrile Personen kennen und werden am Ende überrascht, wie Angela den Fall logisch aufklärt und wie die Merkels dann doch noch Weihnachten feiern, ganz ohne Leiche. 
 
Nachdem Kommissar Hannemann für seine Freundin den Spitznamen Puffel auserkoren hat, überlegen sich die Merkels, ob sie sich neue Kosenamen zulegen sollen. Was zunächst wie ein lustiger Gag erscheint, zog sich dann ziemlich in die Länge und ich fand das "Puffel hier - und Puffeline da" doch reichlich übertrieben und einfach nur albern. 
Dagegen konnten mich die treffenden Spitzen auf das politische Geschehen eher begeistern. Hier werden namenlos Politiker erwähnt, indem man ihre Besonderheiten oder Fehlleistungen einfach mal mit spitzer Feder zu Papier brachte. Die Personen kann man gut erahnen und thematisch passt das gut zur Ermittlerin, die ja vor geraumer Zeit ebenfalls im Politzirkus mitwirkte und die Leute näher kennt. 
 
Zunächst wirkt es etwas dilettantisch, wie Angela ihre Befragungen zielgerichtet auf die Alibis der Tatzeit beschränkt. Aber am Ende bringt sie diese Methode und ein entscheidender Hinweis doch auf den Täter und die Bewohner von Kleinfreudenstadt können aufatmen und friedliche Weihnachten feiern.    
 
Ein humorvoller Cosy-Krimi mit weihnachtlichem Touch, bei dem Miss Merkel ihrem Ermittler-Hobby nachgehen kann und Achim allen Erwartunger zum Trotz zum Rapper wird.  
 
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 

Donnerstag, 17. April 2025

Marconi und der verschwundene Wattschützer - Daniele Palu

Gelungene Krimiunterhaltung mit einem sympathischen Ermittler

Im Rowohlt Verlag erscheint Daniele Palus neuer Krimi Marconi und der verschwundene Wattschützer.  Es ist der zweite Band der Marconi-Reihe, der in St. Peter-Ording spielt.  

Als der Naturschützer Piet Lorenzen verschwindet, bekommt seine Gegenwehr zur umstrittenen Ölbohrinsel «Mittelplate A» einen besonderen Stellenwert. Doch Massimo Marconi und sein Team haben auch andere Spuren zu verfolgen, gegen Lorenzen läuft eine Klage wegen Beleidigung und vor seinem Verschwinden hatte der Vermisste einen Streit mit seiner schwangeren Verlobten. Ein Erpresserschreiben wirft weitere Fragen auf. 


Mitten im Naturschutzgebiet Wattenmeer sorgt der Betrieb einer Ölbohrinsel für gespaltene Meinungen. Die Gegner sind Aktivisten einer Umweltschutzorganisation und die friedliche nordfriesische Idylle wird jäh gestört, als sich herausstellt, dass eine Vermisstensache zum Mordfall wird. Wer tötet einen Lehrer auf so grausame Weise? Marconi ermittelt heimlich mit seinem Team in dieser Sache, denn für Mordfälle ist ja die Kripo in Flensburg zuständig. Die Diskussionen mit seinem Vorgesetzten wundern deshalb natürlich gar nicht.

Neben der Ermittlungen wird Marconi durch seine neue Aufgabe als Ersatzpapa Marconi auch privat gefordert. Teenie-Nichte Klara ist verliebt in einen Aktivisten der Umweltschutzorganisation GreenPlanet. Und dann klopft auch noch das Jugendamt an und möchte sehen, ob sich Marconi wirklich ausreichend um die Kinder kümmert. Er nimmt das Ganze mit fast schon friesischer Gelassenheit und erfindet mit dem Kindern neue Gerichte, die Nordsee und Italien verbinden. Denn das schweißt die kleine Familie wunderbar zusammen.  

Erneut führt Daniele Palus flüssiger Erzählstil locker und beschwingt durch die Handlung. Dabei streift man mit Marconi durch die nordfriesische Natur und erlebt die Ermittlungen aus nächster Nähe mit.

Die Charaktere werden facettenreich beschrieben und die Aktionen wirken lebensecht und authentisch.

Der Krimifall wirft anfangs viele Fragen auf, die sich im Laufe der Handlung immer mehr auflösen. Die Spannung bleibt auf mittlerem Niveau und damit im Rahmen, alles andere würde zu diesem Cosy Crime auch nicht passen. Mir hat die Idee einer Mischung aus friesischer und italienischer Küche gut gefallen, damit klappt nicht nur die Annäherung der Kinder mit ihrem Ersatz-Papa, die Gerichte schmecken bestimmt auch lecker. 

Sehr unterhaltsamer Krimi mit friesischem Setting und durch den Bezug zum Naturschutz sehr aktuell, deshalb kann ich diesen Krimi wärmstens empfehlen!


***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


Palu, Daniele - Marconi und der tote Krabbenfischer 1

Samstag, 15. Februar 2025

Crime im Heim - Ida Tannert

Großes Theater im Seniorenstift!

 
Im Dumont Verlag erscheint der Krimi Crime im Heim von Ida Tannert

Im fortschrittlichen Seniorenstift »Silberblick« möchte Heimbewohner Friedhelm Klemp mehr Kultur ansiedeln und plant eine Aufführung von »Hamlet«. Passend zu den Charakteren der Bewohner findet die Rollenverteilung statt, doch schon bei der ersten Probe sorgt der Todesfall von Ophelia für Schrecken. Nun muss man wissen, Ophelia ist keine Bewohnerin des Heimes, sondern ein Mops. Die Tat ist ein Tötungsdelikt, bei der laienhaften Obduktion stellt sich heraus, der Hund wurde erschossen. Wer macht so etwas? Katia, die Darstellerin des Hamlet, stösst auf eine weitere Leiche, dieses Mal ist es ein Mensch. Sie führt die weiteren Ermittlungen durch ein Dickicht an personellen Ungereimtheiten. 
 
 



Dieses Buch war für mich in jeder Beziehung eine Überraschung, zunächst kam unerwartete Buchpost und dieser hat mich Krimi mit Witz, Galgenhumor und einer vor skurrilen Charakteren nur so wimmelnden Handlung erstaunt und schliesslich mit einem Mord an die Seiten gefesselt. 
Was hier zwischen die Buchseiten gepackt wurde, ist wirklich eine gelungene Leseüberraschung!
 
Der lebendige Erzählstil hat mich mit bildhaften Ausführungen in die Atmosphäre des Seniorenstifts hinein versetzt, bei dem das bunte Treiben der skurrilen Figuren aus nächster Nähe an mir vorbei zog. Ida Tannert haucht ihren Charaktere auf feinfühlige Art viele unterschiedliche Facetten ein und beschreibt ihre besonderen Persönlichkeiten mit einem trockenen Humor, der mich köstlich unterhalten hat. 
 
Die Figuren sind das Highlight des Krimis, selten habe ich so eine bunte Ansammlung von skurrilen Personen erlebt, die trotz ihres Alters noch voller Elan für ihre Vorhaben brennen. Friedhelm, der Regisseur des Theaterstücks, hat ein Händchen dafür, die Rollen in Shakespeares Stück besonders passend zu besetzen. Katia war früher Yogalehrerin, sie hat einen messerscharfen Verstand und bringt die Bewohner dazu, während der Ermittlungen Ruhe zu bewahren. Die Gräfin besitzt nicht nur Mut und Lebenserfahrung, sie kann auch mit Waffen umgehen. Eine andere, demente Bewohnerin bekommt die Rolle der wahnsinnigen Ophelia aufs Auge gedrückt. 
 
Die Ermittelnden kommen einem alten Bankraub und einem Enkeltrick-Betrüger auf die Schliche. Trotzdem verläuft die Spannung eher im unteren Level, dafür unterhalten die Figuren blendend, die Ermittlungen bringen einige interessante Fakten über ihr Leben ans Licht und die Auflösung des Falls sorgt zum Ende hin noch für dramatische Szenen im Seniorenstift. 
Man wird hier wunderbar unterhalten und für alle Theaterfans laufen nebenbei Textszenen aus Shakespeares "Hamlet" ab, die gekonnt in die Handlung verwoben werden.  

Sehr unterhaltsamer, amüsanter Cosy Crime, der mit einer skurrilen, absolut sympathischen Ermittlertruppe punktet. Alle Theaterfreunde dürfen sich auf Probenszenen aus der Tragödie "Hamlet" freuen.


***Herzlichen Dank an den Dumont Verlag für diese Buchüberraschung!***
  

 


 

Freitag, 7. Februar 2025

Frau Helbing und die tödlichen Weihnachtsplätzchen - Eberhard Michaely

Ein richtig amüsanter Cosy-Crime! 

"Frau Helbing und die tödlichen Weihnachtsplätzchen" ist mittlerweile der 6. Band der Krimireihe von Eberhard Michaely aus dem Zsolnay Verlag

Kurz vor Weihnachten finden die Proben zu dem Theaterstück "Tratsch im Treppenhaus" im St. Pauli Theater statt. Auch Frau Helbing, pensionierte Fleischereifachverkäuferin aus Hamburg, spielt mit und hat wie einige andere selbstgebackene Weihnachtsplätzchen zu den Proben mitgebracht. Dann kommt es zu einem Todesfall, der Regisseur stirbt an einer Vergiftung an Zyankali, nach dem Verzehr von einem Keks. Deshalb gerät auch Frau Helbing unter Verdacht. Das hält sie jedoch nicht davon ab, eigene Nachforschungen anzustellen. Und als wäre das alles nicht aufregend genug, bekommt sie auch noch Besuch aus Amerika von Walter, dem Bruder ihres verstorbenen Mannes. Seine Vorstellungen von einem Weihnachtsfest in »good old Germany« stimmen nicht ganz mit Frau Helbings Vorstellungen überein und so wird diese Zeit sehr stressig. Immerhin kann sie sich auf ihren Freund Herrn Aydin verlassen. 


 

"Da sie sich zwischen Himbeer-Mascarpone-Torte und Frischkäse-Quark-Schnitte mit Mandarinen nicht entscheiden konnte, bestellte sie einfach von beidem ein Stück. Es war der Gipfel der Dekadenz, aber Frau Helbing war danach. Sie musste ihre Seele baumeln lassen. Dieses Weihnachten ging ihr gehörig auf den Geist." Zitat Seite 123

Dieser Krimiband ist mein erstes Buch der Reihe, der Erzählstil ist lebendig und mit einigem Humor unterlegt und die Hobbyermittlerin Frau Helbing ist mir schnell ans Herz gewachsen. Ihre etwas altmodische Art gefällt mir gut und mit ihrer charmanten Art hat sie gleich bei mir gepunktet.

Der Krimifall ist unblutig und dennoch spannend, insgesamt überwiegt aber der cosy-Faktor. Deshalb liest sich dieses Buch auch schön flüssig und unterhaltsam. Die Handlung wird durch den Besuch von Schwager Walter samt Frau und Tochter aus Amerika zu einer amüsanten Angelegenheit, denn Frau Helbings Vorstellungen von einem ruhigen Weihnachtsfest mit Lametta-Baum decken sich nicht mit den amerikanischen Gedanken Walters. Er träumt von einem Fest mit Gänsebraten wie zu seiner Kindheit, seine protzige amerikanische Art behält er bei und so wird die Tanne zu einem funkelnden, über und über geschmückten Riesenbaum, der das Wohnzimmer von Frau Helbing fast unter sich begräbt.

Mit der Zeit bekommt Frau Helbing immer mein Einsichten in den Fall, die Charaktere werden gut erkennbar beschrieben, sodass ich mitraten konnte. Es hat mich gefreut, wie sehr der Ermittlungseifer Frau Helbing gepackt hat und dass sie am Ende dem Verbrecher auf die Schliche kommt.

Die Geschichte entwickelt einen Lesesog, die leichte Handlung liest sich gut weg und es gibt viele humorvolle Szenen, die zum Schmunzeln anregen. 

 

Eberhard Michaely hat mit Frau Helbing eine Hamburger Variante zu Miss Marple geschaffen, die ich auf ihrer Mordermittlung gerne begleitet habe. Man kann sich bei diesem Krimi angenehm zurücklehnen und Frau Helbing einfach mal machen lassen. Dieser Krimi macht richtig Spaß und gute Laune!  

 


 

Freitag, 10. Januar 2025

Mord im Himmelreich - Andreas Winkelmann

Ein bunter Mix aus schrägen Figuren, Humor und Klischees 

Im Knaur Verlag erscheint der Cosy Crime Mord im Himmelreich von Andreas Winkelmann.

Der ehemalige Schauspieler Björn Kupernikus beginnt seinen Ruhestand im Himmelreich, besser gesagt auf dem gleichnamigen Campingplatz. Kurz nach seiner Ankunft wird er zu einer Rettungsaktion eines Hundes gerufen, der mitten im See hilflos auf einem Paddleboard treibt. Als Kupernikus das Tier an Land gezogen hat, entdeckt er unter dem Board eine festgeschnallte Leiche. Wie hängt das wohl zusammen? 

Weil die Polizei an einen Unfall glaubt und Kupernikus schon immer von einer Rolle als Tatort-Kommissar träumte, stellt er eigene Nachforschungen an. Die Künstlerin Annabelle versorgt ihn mit dem nötigen Hintergrundwissen über die Bewohner und hat mit ihrer lebenslustigen Art einen guten Einfluss auf den etwas brummigen Björn. 


 

Seinen Ruhestand hat sich Björn Kupernikus nicht als Lebensretter eines Hundes vorgestellt. Doch nun ist seine Neugier geweckt und er möchte herausfinden, wer den Toten an das Board gebunden hat und welche Rolle dabei Hündin Pinguin spielt.  

Das Leben auf einem Campingplatz ist ein echter Mikrokosmos, jeder kennt jeden. Als Neuling hat es Björn da schwer und wird von Annabelle, die im benachbarten Örtchen wohnt, über die Bewohner aufgeklärt. Björn baut zu Annabelle schnell eine Bekanntschaft auf, ihre quirlige Lebensart tut ihm gut. Beide treffen sich zum Essen, trinken gemeinsam etwas und tauschen sich über den Fall aus, dabei wachsen sie immer mehr als Ermittlerteam zusammen.  

Die Figuren sind etwas überzogen, klischeehaft und nicht unbedingt sympathisch, ein großer Teil der Handlung dreht sich um das Leben auf dem Campingplatz am Schwielowsee. In dieser idyllischen Lage steigen gerade die Grundstückspreise in horrende Höhen, die Kosten seines Stellplatzes sind für Björn aber noch erschwinglich. 

Die Ermittlungen ziehen sich durch die vielen eingeführten Figuren in die Länge und so richtig spannend wird es leider nicht. Insgesamt bleibt das Krimiflair ziemlich auf der Strecke, es geht mehr um die ausgelassene Stimmung auf dem Campingplatz und um die persönlichen Beziehungen und Interessen der Bewohner. Ich mag humorvolle Bücher und ein paar Mal war der eingebaute Humor echt witzig, aber dann driftet der schale Wortwitz im Bereich von Namen dann doch in Klamauk über. 

Dieses Buch ist weder echter Krimi, dafür fehlen einfach entscheidende Spannungselemente, noch ein angenehmer Cosy Crime, da braucht es mehr als Essen und Trinken und ein niedliches Hundemädchen.  

Die Handlung zeigt die Interessen der Bewohner, die Krimispannung ist leider kaum vorhanden, aber der lockere Erzählstil und die schrägen Figuren mit ihrem klamaukigen Humor haben mich gut unterhalten.

***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 

 
   

Dienstag, 26. März 2024

Harpunentod - Sophie Tammen

Schönes Inselflair, aber zu wenig Spannung!

Im Rowohlt Verlag erscheint der Amrum-Krimi "Harpunentod" von Sophie Tammen (Pseudonym der Autorin Anne Barns).

Gabriele Scholle ist seit 40 Jahren Sekretärin bei der Kriminalpolizei Wiesbaden und jeder schätzt sie, auch weil sie einen Sinn für Ungereimheiten hat und damit die Ermittlungen in die richtigen Bahnen leitet. Als ihr Mann vorzeitig in Rente geht, unternimmt Gaby mit Hündin Dolores eine Auszeit auf Amrum. Sie möchte abschalten, mit Dolores am Strand spazieren und die Nordsee-Insel einfach nur genießen. Aber dann findet sie auf einem Spaziergang in einem Ruderboot einen toten Mann, in dessen Brust eine Harpune steckt. So eine Waffe hat sie bereits im Museum gesehen, als ihr Vermieter Kapitän Frerk Behrendsen Gaby im Museum über Walfang informiert hat. Von diesem Moment an ist Gaby Scholle nicht mehr zur Erholung auf Amrum, sie stürzt sich kopfüber in die Ermittlungen. 
 

 
 
Als Gaby Scholle die Polizisten am Tatort einweist, rechnet niemand damit, dass sie eigentlich als Sekretärin bei der Kripo arbeitet. Und das bindet Gaby auch niemandem auf die Nase und mischt sich raffiniert in den Kreis der Ermittler und wird als gleichwertige Kollegin in den Fall eingebunden. 
Ihr Vermieter Frerk gehört zum Kreis der Verdächtigen, doch Gaby erkennt, dass hinter seiner harten Schale ein weicher Kern steckt. Sie nennt ihn passend zum Walfang-Thema Ahab und nutzt seine Ortskenntnis für ihre Ermittlungen. 
Bei den Nachforschungen um den Toten findet Gaby heraus, das er ein Frauenheld war und sie reihenweise verführt hat. Sicherlich hat er im Kreis der Ehemänner den ein oder anderen Feind. Aber wer könnte zu einem Mord fähig sein?

Sophie Tammen lässt auf stimmungsvolle Weise das landschaftliche Flair Amrums mit seinen Stränden und der Meeresbrandung einfließen, sodaß man gleich Lust auf einen Strandspaziergang bekommt.
Mit Gaby hat sie eine Figur erschaffen, die zwar als Sekretärin arbeitet, aber doch den richtigen Riecher besitzt und den entscheidenden Spuren nachgeht. Mit ihrem Hund verbindet sie eine innige Verbundenheit und irgendwie sind sie Seelenverwandte, denn auch Dolores hat eine Nase für Krimifälle, wie sie im vorliegenden Fall beweist. 
 
Die Erzählweise ist flüssig, angenehm leicht zu lesen und sehr bildhaft beschreibend, was mir jedoch in einem Krimi eine Spur zu ausführlich erscheint und besser zu einem Roman passt. Auch die Ermittlungen gestalten sich etwas langatmig und ich habe echte Spannungsmomente leider vermisst.
Trotzdem ist dieser Krimi unterhaltsam zu lesen und lässt entspannt das Flair der Nordsee nachspüren. 
 
Bei diesem Urlaubskrimi hat mich die Sehnsucht nach der Nordsee erfasst und ich habe mich auf die Insel gesehnt. Als gute Unterhaltung mit einer Tasse Tee bestens geeignet, um im Strandkorb zu sitzen und Urlaubsgefühle zu entwickeln.
 
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 

 

Montag, 13. November 2023

Monsieur le Comte und die Kunst der Täuschung - Pierre Martin

Stimmungsvolle Unterhaltung um einen Auftragsmörder mit ganz viel Savoir-Vivre!

 
"Monsieur le Comte und die Kunst der Täuschung" ist der zweite Band der cosy Krimi-Reihe von Autor Pierre Martin.

Lucien Comte de Chacarasse führt mit viel Herzblut ein Restaurant in Villefranche-sur-Mer, er ist ein Lebemann, liebt die Kunst des "Savoir-Vivre" und damit gutes Essen, schöne Frauen und vor allem sein unbeschwertes Leben. Zu seinem Leidwesen ist er aber auch der Tradition des Adelsgeschlechts seiner Familie verpflichtet und die liegt darin, Auftragsmorde zu erledigen. Die Aufträge übermittelt ihm sein Onkel. Allerdings ist Lucien keineswegs ein Mörder und versucht die Aufträge auch nur mit raffinierten Tricks abzuschließen und so ersinnt er Pläne in der Kunst der listigen Täuschung. 
 

 
Sehr lebhaft, locker-humorig und mit ganz viel französischer Kulinarik und stimmungsvollen Bildern der französischen Schauplätze Villefranche-sur-Mer und Cap-Ferrat versetzt uns Pierre Martin in eine unterhaltsame Geschichte, in der Francine, die ehemalige Geliebte von Luciens verstorbenem Vater ebenso eine Rolle spielt, wie die liebenswerte Haushälterin Rosalie und Anna, eine neue Flamme Luciens. Doch da gibt es noch das Opfer des neuen Auftragsmords, den Lucien übernehmen soll. Wie kann er sich dieser Pflicht entziehen?
 
Regelrecht in eine wunderbare Urlaubsstimmung eingehüllt hat mich vor allem das bildhaft beschriebene französische Setting mit den kulinarischen Genüssen der provenzalischen Küche. 
Die Erfüllung des Auftragsmordes läuft gefühlt so nebenbei und Lucien erweist sich erneut als geschickter Taktiker und findet logische Wege, um seine Opfer ohne eigenes Zutun zu töten. Dabei erkundet er zunächst das Umfeld seines Opfers und führt mit ihm sogar vor der Tötung noch ein klärendes Gespräch. So gelangt er an wichtige Fakten, die es ihm ermöglichen, eine Finte zu erfinden, damit sich seine Aufträge auf andere Weise erledigen als durch seine Hand.  
Auch wenn ich gerne in dieses Buch abgetaucht bin, so hat mir doch für einen Krimi mehr Spannung gefehlt.

Sehr überrascht und amüsiert hat mich der kurze Auftritt von Madame le Commissaire, sie ist die Protagonistin der früheren Krimi-Reihe Pierre Martins und ich hatte gehofft, sie würde sich in die aktuelle Handlung noch etwas einmischen. 

Stimmungsvolle und locker-humorige Unterhaltung um einen Auftragsmörder mit ganz viel Savoir-Vivre! Für einen Krimi hatte ich mir mehr Spannung erhofft.


***Herzlichen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



Dienstag, 26. September 2023

Ein höchst royaler Mord - S.J. Bennett

Ein rundum gelungener Cosy-Crime für lange Herbstabende 

S.J. Bennetts dritter Band der Cosy Krimi Reihe um Queen Elizabeth II. trägt den Titel "Ein höchst royaler Mord" und erscheint im Knaur Verlag.

Wie jedes Jahr verbringt die Königin von England ihre Weihnachtsferien in Sandringham House und freut sich auf das Beisammensein mit der Familie. Doch dann sorgt der Fund einer menschlichen Hand am Strand für Aufregung. Der Siegelring verrät der Queen, um wen es sich handelt, das Opfer ist der Aristokrat Edward St. Cyr. Gemeinsam mit ihrer Privatsekretärin Rozie beginnt Elizabeth unverzüglich mit ihren Nachforschungen. 




Dieses Buch führte mich direkt nach Sandringham House und macht deutlich, wie die Queen und ihre Familie alljährlich Weihnachten feiern. Damit bekommt man auch einen Blick hinter die Kulissen gewährt, der die Familie und ihre "Chefin" näher vorstellt, was S J Bennett auf liebevolle Weise gelingt. Ihr wunderbar flüssiger Erzählstil wird mit einigem Humor gewürzt, wofür häufig der Prinzgemahl verantworlich ist. Die Krimistory entwickelt sich vom Fund der abgetrennten Hand interessant weiter und zeigt die Queen, wie sie heimlich als Detektivin agiert, die ungereimten Vorfälle geschickt verfolgt und mit persönlicher, aber diskreter Einflussnahme die Ermittlung in die richtigen Bahnen lenkt.  

Es gibt viele Verdächtige, darunter der königliche Pferdepfleger, ein Makler, ein aristokratischer Nachbar und Verwandte des Toten, die die Ermittlungen im Mordfall zu einer spannenden Angelegenheit werden lassen. Außerdem sorgen andere Vorfälle für Aufregung im kleinen Ort. Generell ist es ein eher ruhiger Krimi, der das Landleben in Sandringham House und die dort etwas lax gelebte Hofetikette beschreibt und die Queen im Weihnachtsmodus mit einem Puzzle und ihren geliebten Tauben, Pferden und Hunden zeigt. Dazwischen sorgen Gespräche mit Prinz Philip immer wieder für humorvolle Momente, es gibt aber auch Informationen über die politischen Veränderungen wie den Brexit. Insgesamt bekommt man einen umfassenden Eindruck des Aufenthaltes zu Weihnachten, erfährt von den Briefen Queen Mums, sowie von benachbarten Aristokraten und ihren finanziellen Sorgen um den Erhalt der alten Anwesen und ihrer Ländereien. Das alles sorgt für typisch britisches Flair, interessante Mordmotiv und die gezeigte Landschaft rundet den Roman perfekt ab. I am very amused!


Eine vorzüglich gelungene Lektüre mit royalem Unterhaltungswert für Cosy-Crime Fans an langen Herbstabenden!

***Herzlichen Dank an das Bloggerteam vom Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


Donnerstag, 23. Februar 2023

Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel - Richard Osman

Reichte nicht an den Charme der Vorbände heran
 
"Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel" ist der dritte Band der Reihe von Autor Richard Osman, der im List Verlag erscheint. 
 
In der Residenz Coopers Chase wohnen die vier Senioren Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim, die als  Mitglieder vom "Donnerstagsmordclub" ungelöste Fälle aufklären. Vor zehn Jahren kam die Journalistin Bethany Waites ums Leben, als ihr Auto von einer Klippe stürzte, ihre Leiche wurde allerdings nie gefunden. Kurz zuvor kam Bethany einem gewaltigen Steuerbetrug auf die Schliche. Als sich der Donnerstagsmordclub an die Ermittlungen macht, wirbelt das Staub auf und aus dem alten Fall wird ein aktueller.  
 
 

Für Cosy Crime bin ich immer zu begeistern und fand bereits die Vorgängerbände der Reihe recht gut. Neben dem britischen Humor konnte ich auch schon die Protagonisten in mein Herz schließen. Nun wollte ich unbedingt wissen, wie es mit den Senioren weitergeht. 

Der dritte Band liest sich typisch humorvoll und recht kurzweilig, zu den bekannten Figuren gesellen sich noch jede Menge weiterer Figuren, was es nicht nur für Neueinsteiger etwas unübersichtlich macht und auch zu Lasten des Tiefgangs der Personen geht. Auf alle Fälle wäre ein Personenregister von Vorteil gewesen.

Von den Senioren gefällt mir Joyce mit ihren Tagebucheinträgen bisher am besten. Sie bringt immer noch einmal ein paar Vorgänge auf den Punkt ihrer Sichtweise und fasst damit auch Fakten auf spezielle Weise zusammen. 
Der Krimifall ist ziemlich verzwickt, schon allein weil die Leiche unauffindbar ist. Die Handlung verläuft mit vielen speziellen Aktionen der Senioren, die wirklich unterhaltsam sind, aber nicht gerade für große Spannung sorgen. 
Man merkt, dass sich die Charaktere in diesem Band weiter entwickeln, aber die charmante Art, die mich bisher so fasziniert hat, war dieses Mal nicht so wirklich zu entdecken. Irgendwie konnte mich der neue Fall nicht so packen wie erhofft und die Auflösung war zwar logisch, aber etwas konstruiert und damit wenig überzeugend. 
 
Im Großen und Ganzen ein grundsolider, unterhaltsamer Folgeband der "Donnerstagsmordclub"- Reihe, der aber nicht ganz an die Vorbände heranreicht. Trotzdem möchte ich die Reihe weiter verfolgen! 
 
 
***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 

Montag, 3. Oktober 2022

Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens - Pierre Martin

Leichte Krimiunterhaltung mit einem speziellen Protagonisten und reichlich Süd-Frankreich-Flair
 
Der Krimi "Monsieur le Comte und die Kunst des Tötens" von Pierre Martin erscheint im Droemer Verlag

Lucien Comte de Chacarasse führt ein Restaurant in Villefranche-sur-Mer, er ist ein Lebemann, liebt die Kunst des "Savoir-Vivre" und damit gutes Essen und schöne Frauen. Als er an das Sterbebett seines Vaters geholt wird, soll er ihm versprechen, das Familienerbe anzutreten, allerdings handelt es sich dabei um die Familiensitte des Auftragsmordens. Zwar wurde Lucien von klein auf trainiert, aber er ist einfach kein professioneller Killer. Doch er gibt seinem Vater das Versprechen, wie soll er damit jetzt umgehen? 
 

Bei diesem Krimi trifft man auf eine außergewöhnlich Ausgangslage, die den junge Lucien in die Lage eines Auftragsmörders wider Willen versetzt. Die Erfüllung der Aufträge gelingen Lucien recht gut, ohne selbst Gewalt anwenden zu müssen. Dabei hat er entweder das Glück auf seiner Seite oder er bekommt Schützenhilfe von Francine, der Geliebten seines Vaters. Doch was ihm am Herzen liegt, ist es, den Mörder seines Vaters zu finden und dort Rache zu üben.

Schon bald erhält Lucien die ersten Aufträge über seinen Onkel. Die Aktionen warten teilweise mit bösen Akteuren auf, er werden aber auch eine Reihe sympathischer Charaktere vorgestellt, die man gerne kennenlernt. So ist mir die Haushälterin Rosalie schnell ans Herz gewachsen und ich hoffe, sie bekommt in den Folgebänden noch weitere Auftritte. 

Sämtliche Handlungen mit krimineller Energie laufen vor der stimmungsvoll gezeigten Landschaft Südfrankreichs ab, die französische Küche wird appetitanregend zelebriert, ein guter Wein darf nie fehlen und Lucien lebt bis auf einige spannende Ausnahmen weiterhin wie bisher.   

Bei den Aufträgen, Nachforschungen und Übergriffen zeigt sich Lucien durchaus geschickt und besitzt die logische Fähigkeit, Dinge zu untersuchen und die richtigen Abläufe zu wählen. Doch genau das ist mein Problem, denn Lucien mutiert mir insgesamt ein wenig zu sehr zu einer Heldenfigur à la James Bond. Unterhaltsam ist das natürlich schon und ich habe das Buch auch gespannt verschlungen. 

Ein gelungener Auftakt zu einer neuen Krimireihe, die mit Lucien und Francine ein interessantes Duo vorstellt und dabei Land und Leute und vor allem die französische Küche nicht vernachlässigt. Leichte Krimiunterhaltung mit Süd-Frankreich-Flair!



***Herzlichen Dank an Vorablesen und den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
 



Freitag, 4. Februar 2022

The Maid - Nita Prose

Herrlich charmanter Cosy Crime

Im Droemer Verlag erscheint der Krimi "The Maid - Ein Zimmermädchen ermittelt" von Nita Prose.

Willkommen im Londoner Regency Grand Hotel! Die Gäste erwarten besten Komfort und die hier arbeitenden (fast unsichtbaren) Zimmermädchen sorgen für makellos saubere und aufgeräumte Zimmer. Zu ihnen gehört auch Molly Gray, die ihren Job liebt und wie sie es von ihrer Großmutter vermittelt bekam, auch mit größter Ordnung und Sorgfalt ausübt. Eines Tages findet sie in der Suite die Leiche des reichen Mr. Black und wird kurz darauf zur Hauptverdächtigen. Denn sie hat nicht nur den Fund gemeldet, sondern sie hat auch gründlich aufgeräumt und sauber gemacht.  



Wir begleiten Molly dabei, wie sie im Regency Hotel ihre Arbeit verrichtet und die Zimmer täglich aufs Neue in einen Zustand höchster Perfektion versetzt. Denn die Herstellung von Ordnung und Sauberkeit gibt Mollys Leben Struktur, der Umgang mit anderen Menschen ist für sie eher schwierig. Deshalb ist ihr Job auch ihr absoluter Traumjob, sie ist ein liebenswerter, hilfsbereiter Mensch, der vor kurzem ihre einzige Bezugsperson, ihre Granny, verloren hat. Molly ist anders, etwas schrullig, ihr Leben ist bestimmt von Ordnungs-Zwängen, Folgen von Inspektor Colombo und Lebensweisheiten ihrer verstorbenen Großmutter. Nun droht Molly zu vereinsamen und findet den einzigen Halt bei ihrer Arbeit. In ihrem Verhalten entdeckt man gewisse autistische Züge, deshalb kann sie die Mimik anderer Menschen nicht genau einordnen und traut niemandem etwas Böses zu.   

Nita Prose besondere Art der Darstellung Mollys hat mir sehr gut gefallen, man taucht in diesem Buch in ihre Mollys Gedankenwelt und ihre spezielle Sicht auf die Dinge ein und lernt sie immer besser verstehen. Sie scheint als Zimmermädchen unsichtbar zu sein, niemand nimmt sie wirklich wahr. Und in ihrer Gutmütigkeit lässt sie sich auf Dinge ein, die sie in den Fall verwickeln und sie als Tatverdächtige darstehen lassen. Doch sie hat Glück, denn sie findet Menschen, die es gut mit ihr meinen und ihr helfen wollen.

Während des Lesens baute ich eine immer stärker werdende Verbindung zu Molly auf und hoffte, dass sich ihre Unschuld herausstellen würde. Natürlich habe ich mitgerätselt, wer denn nun Mr. Black auf dem Gewissen haben könnte.  

Molly ist überkorrekt und eine Herzensseele und erinnert ein wenig an Forrest Gump. Ihre Gutmütigkeit wird ihr zum Verhängnis, denn das wird von Menschen in ihrem Umfeld ausgenutzt und am Ende steht sie als Hauptverdächtige in diesem Mordfall da. 

Die Geschichte entwickelt ungefähr ab der Mitte eine immer stärker ansteigende Spannung, die davon lebt, dass man mit einen geschickt ausgetüftelten Plan mitfiebert, durch den sich Mollys Fallstricke und Tatverdacht entwirren sollen.

Nita Prose schreibt ihre Geschichte sehr flüssig, bildhaft genau und ausgestattet mit vielen unterhaltsamen Details. Auch wenn sich anfangs die Handlung etwas zieht, genau so soll man sich auf Molly und ihre Art einstellen und sie immer besser kennenlernen. Denn erst dann sieht man den Mordfall aus ihrer speziellen Perspektive und kann mitfiebern und auf den Beweis ihrer Unschuld hoffen.  

Einen Kritikpunkt möchte ich aber noch erwähnen. Und zwar erschien mir eine besondere Handlung Mollys sehr unrealistisch und damit nicht zu ihrem Charakter passend. Auch wenn diese Aktion der Story noch eine entscheidende Note verliehen hat.

Dieser Cosy Crime besticht mit einer liebenswerten, etwas ungewöhnlichen Protagonistin und einer wendungsreichen Handlung und Mordaufklärung. Eine gute Unterhaltung nach englischer Art!

 

 ***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


Samstag, 29. Januar 2022

Die letze Pille bringt den Tod - Romina Angeli

Heitere Krimiunterhaltung mit regionalem Touch
 
 
Der Allgäu-Roman "Die letzte Pille bringt den Tod" ist das Debüt von Romina Angeli aus dem Harper Collins Verlag.
 
Burglbach ist ein friedliches, verschlafenes Dörfchen im Allgäu, aber als der Apotheker Ludwig Fischlinger tot aufgefunden wird, ist es mit der Ruhe erst einmal aus und vorbei. Eine willkommene Gelegenheit für Walli Schimmel, die flippige, umtriebige Rentnerin, die sich sofort an die Ermittlungen macht. Die Polizei geht nicht von Mord aus, aber Walli schon. Nun muss sie nur noch ihren begriffstutzigen Sohn Wolfi, Polizist, aber nicht gerade ein Top-Ermittler, davon überzeugen. Aber am besten, sie übernimmt selbst die Suche nach dem Mörder!
 

 
Bei diesem Buch darf man sich auf eine humorvolle Unterhaltung freuen, die mit einer Krimiermittlung unterlegt wurde und im ländlichen Allgäu spielt.

Walli ist eine verrückte Nudel mit speziellem Kleidungsstil, sie lebt mit ihrem Sohn Wolfi, Ü40 und Polizist, unter einem Dach. Für ihr Alter ist sie noch sehr agil und mit dem richtigen Riecher für Krimifälle ausgestattet. Als ihre Freundin Friedl den toten Apotheker Fischlinger findet, wirft Walli gleich mal ein Auge auf die Leiche. Der wurde ermordet, so lautet ihre Schlussfolgerung. Und weil sie weiß, dass die Polizei hier nicht mit hellen Köpfen ausgestattet ist, sie kennt ja ihren Sohn Wolfi, nimmt sie die Ermittlungen gleich mal selbst in die Hand. Einige Informationen kann sie ja dem Wolfi abluchsen und bringt dann eins und eins zusammen.  

Bei diesem Buch ist man ständig mit Walli unterwegs und erkundet die Lebenssituation des toten Apothekers und seiner jungen Witwe. Freundin Friedl lebt noch etwas hinterwäldlerisch ohne Internet und sorgt mit ihren Bemerkungen im Dauerdialekt für lebensnahe Allgäuer Art und den regionalen Charakter in der Story. Man muss sich ihr Kauderwelsch zwar ein wenig zusammenreimen, aber inhaltlich versteht man es schon. "Noi, noi, noi, dis ka it sei." Zitat Seite 176

Nachdem der Fall erst einmal in Gang gekommen ist, stößt Walli bei ihren Ermittlungen auf illegale Geschäfte, gerät damit in Gefahr und lässt sich trotzdem nicht abwimmeln. Da kann ihr "depperter" Sohn Wolfi nur staunen und die Leser ebenfalls. Sehr unterhaltsam sind auch die ungewöhnlichen Ermittlungsmethoden, aber etwas anderes würde zu Walli auch nicht passen. Sehr abwechslungsreich folgt man der Handlung und rät mit, wer wohl die letzte Pille verabreicht hat.

Mir hat besonders der lockere, ironisch, humorige Erzählstil gefallen, der auch mal mit derben Flüchen daherkommt. Nur den "Saupreußen" verzeihe ich nicht! Beim Lesen hatte ich die markanten Personen immer gut vor Augen, die Charaktere sind schon ausgefallen und man kann ihre Eigenarten auch gut erkennen.

Heitere Unterhaltung mit regionalem Touch und einer etwas verrückten Hobbyermittlerin, die man gerne begleitet.
 
 
***Herzlichen Dank an die Autorin und den Verlag für die Übersendung des Rezesionsexemplars!***  
 
 
 
 

Dienstag, 25. Januar 2022

Der Mann, der zweimal starb - Richard Osman

Lang lebe der Donnerstagsmord Club!


Originelles Lesevergnügen dank Rentner-Gang und englischem Humor
 
Der neue Fall für den Donnerstagsmordclub ist da: "Der Mann, der zweimal starb" von Richard Osman erscheint im List Verlag.
 
In der südenglischen Seniorenresidenz Coopers Chase genießen die vier rüstigen Freunde Elisabeth, Joyce, Ron und Ibrahim ihren Lebensabend. Doch während Joyce gelangweilt mit dem Gedanken spielt, sich einen Hund zuzulegen, erhält Elizabeth eine ominöse Nachricht ihres ehemaligen Geheimdienstkollegen vom MI5, der sich mit der New Yorker Mafia und einem Drogenkartell angelegt hat und nun Elizabeths Hilfe einfordert. Auf die umtriebige Rentnertruppe wartet ein neuer Fall, es geht um gestohlene Diamanten im Wert von 20 Millionen Pfund. 
 


Als Neueinsteigerin wäre für mich ein Personenverzeichnis hilfreich gewesen, aber man kommt im Laufe der Handlung schon dahinter und lernt die Personen mit ihrem speziellen Humor und den markanten Eigenschaften näher kennen. Diese Charaktere bringen unterschiedliche Talente ein, ergänzen sich wunderbar und verfolgen so die Ermittlungen auf unterhaltsame Weise. Unglücklicherweise wird Ibrahim von Rowdys überfallen, brutal getreten und ausgeraubt und muss im Krankenhaus seine Verletzungen auskurieren. Doch seine Freunde lassen ihn nicht im Stich, sie besuchen ihn und beratschlagen an seinem Krankenbett ihren neuen Fall.
 
Die Mitglieder vom Donnerstagsmord Club machen sich trotz ihrer kleinen Gebrechen eifrig und mit wachem Verstand an die Ermittlungen, werden allerdings auch vom Jäger zu Gejagten. Denn bei 20 Millionen Pfund haben Kriminelle kein Pardon mit Senioren. Die Freunde lassen sich aber weder von Mafiosi, noch von Leichen abschrecken und widmen sich besessen den verschwundenen Diamanten. Nebenbei klären sie auch den Überfall auf Ibrahim auf. Denn da sind sie sich einig, solche Täter dürfen einfach nicht ungestraft davon kommen.   

Der Erzählstil ist absolut locker und wunderbar leicht zu lesen. Sehr anschaulich werden nicht nur einzelne Vorgänge geschildert, wir tauchen auch in die Gedankenwelt einiger Protagonisten ein und lernen sie und ihre Vergangenheit damit immer besser kennen.  

Typisch Englisch ist der ab und zu aufblitzende trockene Humor, mit dem sich die Freunde beispielsweise über ihre jeweiligen Alterseinschränkungen lustig machen. Die liebenswürdigen Herrschaften der Rentnergang kennt sich gut, sie halten zusammen, akzeptieren ihr Alter und sind dennoch äußerst aktiv und umtriebig. Sie spielen sich direkt in die Herzen ihrer Leser und ich bewundere sie für ihre enorme Aktivität und würde sie gerne in weiteren Fällen ermitteln sehen.  

Ein originelles Lesevergnügen mit ironischem Humor über recht aktiv dargestellte Senioren, die dafür sorgen, dass am Ende die Gerechtigkeit siegt. Lang lebe der Donnerstagsmord Club!
 
 
***Herzlichen Dank an Ullstein Buchverlag für dieses Rezensionsexemplar!***

Sonntag, 31. Oktober 2021

Die unhöfliche Tote - S J Bennett

Interessanter Cosy-Crime hinter den Mauern des Buckingham Palace

Im Knaur Verlag erscheint der 2. Teil der Krimireihe "Die Queen ermittelt" mit dem Titel "Die unhöfliche Tote" von S J Bennett.

Queen Elizabeth II. vermisst ein Ölgemälde, das ihre geliebte "Britannia" zeigt. Gerade sorgt das Referendum zum Brexit für Unruhe in der Bevölkerung und dann wird auch noch die Leiche einer Haushälterin am Swimmingpool gefunden. Die offizielle Ermittlung der Polizei ergibt, dass die Tote eher unbeliebt war. Doch wer hat sie auf dem Gewissen? Die Queen herself stellt gemeinsam mit ihrer pfiffigen Assistentin Rozy eigene Nachforschungen an. Schliesslich kennt sie im Palast jeden Winkel und jede Person. Als bekannt wird, dass Drohbriefe die Angestellten belasten, wird der Fall immer mysteriöser. Aber die zwei Ermittlerinnen sind clever und kommen hinter so manches Geheimnis...   


Auch dieser Band ist wieder ein toller Cosy Crime, bei dem die Spannung sich mit Vorgängen im englischen Königshaus wunderbar ergänzt. Wir begleiten Rozie, die Privatsekretärin Rozie der Queen bei ihren Nachforschungen im Fall eines verschwundenen Gemäldes und eines unerwarteten Todesfalles. Zwischen ihren Terminen lässt sich die Queen immer wieder von Rozies neuen Erkenntnissen berichten und zieht im Hintergrund die entscheidenden Strippen. So kann man sich ein umfassende Bild vom Alltag der Queen und vom Leben im Buckingham Palast machen und erlebt die übliche Etiquette mitsamt der königlichen Aufgaben und ihrer Angestellten mit. Und dazwischen wuselt immer die Corgy-Bande herum. 

Dieser Fall führt in die Vergangenheit der 1980er Jahre und lässt uns einige kulturgeschichtliche Entwicklungen bei Hofe nacherleben. Aber wie hängt der Todesfall mit diesen Rückblicken zusammen? Führt der unterirdische Tunnel zu einem Versteck von weiteren Gemälden? Und was macht die Queen in einem Kleiderschrank? 

S J Bennetts wunderbar flüssiger Erzählstil führt locker durch die Handlung, sie bringt einige Spannungsmomente ein und zeigt die Queen und andere Mitglieder der Königsfamilie auf liebevolle Weise. Neben der Familie werden auch die Angestellten in die Handlung einbezogen, sodaß man einen durchaus royalen Roman vorfindet und sogar etwas über Fledermäuse im Palast erfährt. In diesem Band haben mir gegenüber dem Vorband die Wortwechsel zwischen der Queen und Prinz Philipp mit ihrem britischen Humor gefehlt. Dafür erleben wir Rozies Familie und bekommen einige Royals und ihre Gewohnheiten näher vorgestellt. Das dargestellte Palastleben wirkt sehr authentisch und die Hintergründe für den Mord werden vollständig aufgeklärt. Die eigentliche Ermittlung ist zwar nicht spektakulär fesselnd zu nennen, macht aber aus diesem Buch eine stimmige und unterhaltsame Geschichte, die mir gefallen hat. Und den Ausflug in die "Cotswolds" hätte ich gern persönlich begleitet.

Alle Freunde des Cosy Crimes kommen bei diesem Buch gut unterhalten auf ihre Kosten und royale Queen-Fans ebenso. Ein patentes Ermittler-Duo ermittelt im Buckingham Palace.


***Herzlichen Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

 


 

Samstag, 14. März 2020

Klingeltod und Kaiserschmarrn - Kate Delore

Unterhaltsamer Cosy Crime aus Bayern


Der Alpenkrimi "Klingeltod und Kaiserschmarrn" von Kate Delore führt nach Bayern, in die Nähe von Garmisch-Partenkirchen. 

Emma Graustett zieht nach einem traumatischen Erlebnis in die Alpen, sie braucht Erholung. Als ihre Nachbarin verschwindet, fängt eine aufregende Suche an. Gleichzeitig wird sie immer von einem mysteriösen Anrufer tyrannisiert. Es werden weitere Frauen vermisst und die Lage spitzt sich zu. Hat der "Klingeltod" damit zu tun.


Provinzkrimis lese ich immer gerne, weil in ihnen das Setting für regionale Eindrücke sorgt und die Charaktere in ihrem Dialekt reden und gerade wie ihnen der Schnabel gewachsen ist. Ein paar Schimpfworte dürfen da auch schon mal fallen, hier sorgen einige Ausbrüche für amüsante Szenen.  Auf bildhafte Beschreibungen wurde hier viel Wert gelegt, ob bei den Schafen, im Wald oder in dem dunklen Versteck, man kann sich viele Szenen sehr gut vorstellen und erlebt die jeweilige Stimmung gut mit. 

Der Plot war spannend, etwas verworren verstrickt, und konnte mich am Ende überraschen. Das Motiv hat mich leider nicht ganz überzeugt und die Aufklärung war gerade in der Schlussgeraden etwas auf reichlich Aktion hin ausgerichtet. Irgendwie konnte ich mir nicht von allen Figuren ein richtiges Bild machen und das hat meinen Lesefluss gestört. Die Perspektivwechsel wurden hier sehr schnell abgerissen und wechselten in eine neue Szene, sodaß ich das Gefühl hatte, ständig hin und her zu springen.
Die Charaktere Emma, ihr Bruder Valentin und Lieselotte wirken sympathisch und sehr authentisch, ihnen bin ich gern gefolgt, etwas mehr Tiefe hätte ihnen aber gut getan. Für die Kürze des Buches waren es eventuell einige Figuren und Vorgänge zu viel. Das geht zu Lasten der Handlung und sorgt für einen etwas gehetzten Eindruck. 

Ein kleines Glossar Bayrisch-Deutsch erklärt am Ende des Buches einige Begriffe, wobei mir die meisten bekannt vorkamen. 

Diese Krimilektüre hat mir Spaß gemacht, sie ist etwas für den Urlaub, für zwischendurch und liest sich mit dem Dialekt gut weg. 

***Vielen Dank an die Autorin für dieses Rezensionsexemplar!***