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Dienstag, 2. April 2024

Der blaue Salamander - Luca Ventura

Italienischer Krimi im Urlaubsmodus

 
Im Diogenes Verlag erscheint Luca Venturas Krimi "Der blaue Salamander".
 
Es ist Sommer auf Capri, Inselpolizist Enricco Rizzi pflückt die ersten Pfirsiche in seinem Gärten hoch über dem Meer. Doch schon kurze Zeit später ruft ihn die Pflicht, im Beichtstuhl der Kirche wurde eine Tote gefunden, die Modedesignerin Rosalinda Fervidi. Sie hatte als letztes Signora de Lulla in ihrer Villa besucht und deren kostbare und seltene Handtasche aus blauem Salamanderleder besichtigt. Wer könnte als Täter in Frage kommen? 
 


 
Bei diesem Krimi habe ich mich von dem stimmungsvollen italienischen Flair wundervoll durch die Handlung leiten lassen. 
Auf Capri ist nicht nur ein Mord geschehen, es wurde auch eine kostblaue Handtasche aus blauem Salamanderleder gestohlen, die in Verbindung zum Mord stehen könnte. Die Kripo aus Neapel findet schnell einen Verdächtigen, den Straßenkehrer Salvatore. Doch Rizzi und seine Kollegin Antonia Cirillo halten ihn für unschuldig und machen sich an die Ermittlungen. 
 
Der blaue Salamander ist eine Eidechse, die es nur auf einem Felsen vor Capri gibt. Zur Tarnung hat sie sich der Farbe des Felsen angepasst und in Mondnächten leuchtet sie blau. Aus diesem blauen Eidechsenleder wurde die verschwundene Designerhandtasche die "Blaue Salamander" angefertigt, es gibt davon nur zwei Exemplare. Deshalb liegt der Verdacht nahe, dass Liebhaber für dieses exclusive Sammlerstück auch morden würden. 

Die Mordermittlung findet inmitten der wundervollen Insel Capri statt, die uns Luca Ventura immer wieder in schönen Landschaftsszenen mit dem glitzernden, türkisblauen Meer und den eindrucksvollen Felsen Capris vor Augen hält. Auch die kulinarische Seite sorgt für Urlaubsfeeling pur und die gezeigten Szenen des abwechslungsreichen Privatlebens von Rizzi und Cirillo bringen Unterhaltung und Lebendigkeit in die Geschichte, sodass man den Krimi in kürzester Zeit verschlungen hat.   

Rizzi und Cirillo ergänzen sich als Ermittler ganz wunderbar, Cirillo ist logisch denkend und lenkt den Blick auf Fakten, während Rizzi emotional reagiert, auf sein Bauchgefühl hört und die Menschen auf Capri gut kennt. Sie ermitteln im Umfeld der Ermordeten Rosalinda, die mit ihrer Lebenspartnerin Alessandra Lederwaren verkauft hat.  
 
Der flüssige Schreibstil mit treffenden Personenbeschreibungen, angenehmen Landschaftsbeschreibungen und spritzigen Dialogen liest sich gut weg und man verfolgt gespannt die Befragungen, die Rizzi mit logischem Feingefühl führt und so immer mehr Informationen zum Fall beisteuern kann. Als Ausgleich nach dieser Ermittlungsarbeit hilft Rizzi wieder bei der Pfirsich- oder Gemüseernte seiner Familie mit, ein schöner Kontrast auch für die Leserschaft, damit taucht man automatisch in die wundervolle Landschaft der Insel ein und genießt den Krimi im Urlaubsmodus.
 
In diesem Krimi kommt automatisch Urlaubslaune auf, denn Ventura lässt uns das Rauschen des Meeres hören, führt uns in flirrender Hitze durch die kleinen, engen Gassen Capris mit knatternden Vespas und bringt das Inselfeeling bildhaft näher. Das weckt die Sehnsucht nach Zitroneneis, Espressi und Pasta. 
 
Der blaue Salamander hat mich mit der lesenswerten Kriminalhandlung und dem sommerlichen Zauber Capris sehr gut unterhalten. Die Informationen zur Lederherstellung runden den Krimi interessant ab.  

***Herzlichen Dank für dieses Leseexemplar durch Prämienpunkte auf Vorablesen!*** 


 
  • Ventura, Luca - Der blaue Salamander
  • Ventura, Luca - Grünes Gold 6 
  • Mittwoch, 7. Februar 2024

    Wir werden jung sein - Maxim Leo

    Biologische Verjüngung um jeden Preis?


    Im KiWi Verlag erscheint Maxim Leos neuer Roman "Wir werden jung sein". 
     
    Wegen bedrohlicher Herzerkrankungen werden vier Probanden in einer medizinischen Studie der Berliner Charité mit einem neuen Medikament behandelt. Im Laufe der Behandlung beobachtet man unerwartete Nebenwirkungen, es kommt zur biologischen Verjüngung sämtlicher Zellen. Damit gerät ihr Leben in einen Strudel unerwarteter Ereignisse. 


     
    "Wer hätte die Kraft, ein unbegrenztes Leben mit Sinn zu füllen und dann auch noch mit reifer Einsicht der eigenen Existenz ein Ende zu setzen?" Zitat Seite 205 
     
     
    Jakob ist gerade mal sechzehn Jahre alt und zum ersten Mal verliebt. Die Schwimmerin und Olympia-Gold-Gewinnerin Verena startet viele Jahre nach ihrem Erfolg wieder zu einem Schwimm-Wettbewerb. Jenny wünscht sich schon lange vergeblich ein Kind, keine Behandlung hat bisher Erfolg gehabt, doch plötzlich geschieht das Unerwartete. Der schwerkranke Immobilien-Geschäftsmann Wenger feiert seinen 80. Geburtstag und verabschiedet sich von seinem Leben. Doch dann folgt die Verjüngung. 
    Das Medikament verändert das Leben dieser Probanden, aber ist eine Verjüngung immer positiv und kommen die Menschen mit den Konsequenzen zurecht?  

    Diese Lektüre hat mich in ein denkbares Zukunftsszenario eintauchen lassen, bei dem das Altern per Medikament gestoppt wird und sich zu einem Verjüngungs-Prozess hin entwickelt. Das Altern der Gesellschaft könnte aufgehalten werden, aber das wirft nicht nur ethische Probleme auf. Wer wird dann noch in Würde altern? Was hat die Menschheit von jünger werdenden Menschen und wie enden sie?

    Maxim Leos Schreibstil ist lebendig, scharfsinnig und mit Humor gewürzt und so vermittelt er glaubwürdig und spannend das ethisch schwierige Thema wunderbar verständlich an die Leserschaft seines Romans weiter. 
    Der Menschheitstraum von der ewigen Jugend wird zum Spielball der Politik, der Geldgierigen und der Einflussnahme auf Menschen, die ihr Leben vielleicht ganz anders leben wollten. Anhand der gezeigten Probanden erlebt man ihre gesundheitlichen Probleme und bekommt Einblick in ihre Wünsche und Lebenssituationen. Es werden Themen wie Kinderwunschbehandlung, Leistungssport und die Entwicklung in der Molekularbiologie angesprochen, die medizinisch und gesellschaftlich vom Autor gut recherchiert und in einen glaubwürdigen Kontext gebracht wurden. 
     
    Dieses Buch hat mir spannende Lesezeit geschenkt und mich nachdenklich gemacht. 
    Was soll die ewige Jugend bringen, wenn wir nicht in Würde altern und sterben können?

    Dieser Roman stellt das denkbare Szenario einer nicht alternden Gesellschaft vor und lässt die Vor- und Nachteile sichtbar werden.
    Maxim Leo ist ein anregender, spannender und intelligenter Roman um den Menschheitstraum "forever young" gelungen, der zum Nachdenken anregt. 
     

     ***Herzlichen Dank an den KiWi Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***




    Mittwoch, 27. Dezember 2023

    Der Schacherzähler - Judith Pinnow

    Ein berührendes und warmherziges Highlight des Jahres  

     
    Im List Verlag erscheint Judith Pinnows Roman "Der Schacherzähler". 
     
    Der Witwer "Oldman" (Walter) leidet nach dem Tod seiner Frau an Einsamkeit, nur durch einem festgelegten Tagesplan schafft er Routine und spielt täglich Schach gegen seine tote Frau. Doch dann lernt er den neunjährigen Janne kennen, der sich für Schach interessiert und das Spiel erstaunlich schnell versteht. Aber Oldman ist den Umgang mit Kindern nicht gewohnt und reagiert recht schroff und ablehnend. 
     
     

    Diesem Roman bin ich nach kurzer Zeit verfallen und wollte unbedingt wissen, wie sich Oldman und Janne verstehen und wie die Geschichte weiter geht.
     
    Jannes Mutter Malu ist alleinerziehend, gemeinsam meistern sie alle Schwierigkeiten ihres Lebens. Janne fällt in der Schule öfter mal unangenehm auf, sitzt nicht gern still und wird ausgegrenzt. Seine Mutter bekommt regelmäßig Anrufe von Jannes Lehrerin, die mit seiner Art nicht zurecht kommt. Doch dann entwickelt sich zwischen Oldman und Janne eine Verbindung, die tiefer geht als nur ihr gemeinsames Schachspiel. Beide profitieren voneinander und bauen eine tiefe, wunderbare Freundschaft auf. 
     
    Malu arbeitet im Café "Blue Hour", diese Location wird ihr und ihrem Sohn zu einer zweiten Heimat, denn die Mitarbeiter unterstützen sich gegenseitig und schaffen mit ihren Gesprächen, den Kuchen und Kaffeesorte eine heimelige Atmosphäre von Zusammenhalt und Freundschaft.
    Es gibt einige Nebenfiguren, die mit ihren privaten Sorgen, Eheproblemen und ihrem Alltag für interessante Geschichten sorgen, die ich gespannt verfolgt habe.  
     
    Judith Pinnow überzeugt mit einem ruhigen, leichten und einfühlsamen Erzählstil und lässt einige humorvolle Szenen einfließen, die ganz wunderbar unterhalten. Ihre warmherzigen Charaktere kann man einfach nur gern haben, sie agieren in lebensnahen und situationsbeschreibenden Szenen und das schafft eine Nähe, die den Leser an die Figuren im Buch bindet. Ihre warmherzigen Charaktere verzaubern, denn hier entsteht eine ganz besondere Freundschaft, die einen Hauch von Magie besitzt. "Oldman" wird wieder gebraucht und genießt die Nähe zu dem kleinen Janne, dessen Pfiffigkeit und Intelligenz er nicht nur beim Schachspielen bewundert. Bei diesem Buch erfährt man auch einiges über Schach, es wird aber nicht zuviel, sondern kommt in kleinen Dosen daher. 

    Es ist ganz wunderbar zu erleben, wie sich "Oldman" durch die Freundschaft zu Janne verändert und sich Stück für Stück von seiner eintönigen Einsamkeit heraus wieder dem Leben zugewendet. Dieses Buch zeigt, wie von einer generationenübergreifenden Zusammengehörigkeit Älte und Jüngere gleichermaßen profitieren. 

    Ich bin noch ganz verzaubert von der Warmherzigkeit dieser Geschichte, die zu einem Highlight des Jahres wurde.
     
     
    ***Herzlichen Dank an den List Verlag für diese Vorablesen-Prämie!***
     



    Freitag, 1. Dezember 2023

    Die Hafenärztin 4 - Henrike Engel

    Der Abschluss der Reihe ist ein wunderbar fesselndes Lesevergnügen!

     
    Im Ullstein Verlag erscheint der vierte Band der Reihe Die Hafenärztin mit dem Titel "Ein Leben für die Hoffnung der Menschen" von Henrike Engel. 
     
    Hamburg im Herbst 1911: Die Ärztin Anne Fitzpatrick arbeitet im Hamburger Hafen und ist für notleidende Frauen da. Dabei bemerkt sie immer Todesfälle als Folge von Suchtmitteln und beginnt, die kriminellen Drahtziehern aufzuspüren. Als ihre chinesische Freundin Ju einen wichtigen Hinweis entdeckt, bringt das beide Frauen in Schwierigkeiten. Sie hoffen, auf Kommissar Berthold Rheydt zählen zu können, doch der hat mit seiner Vergangenheit zu kämpfen, er meint, seine totgeglaubte Frau Elisabeth gesehen zu haben. Dabei möchte er doch Helene Curtius heiraten, Helene ist damit aber unter den Bedingungen nicht einverstanden. Sie möchte weiterhin Psychologie studieren und wird von irgendeiner Person verfolgt und beobachtet, aber warum?  
     

     
    Der vierte Band knüpft an die bisherigen Bände an, man sollte die Bücher in der entsprechenden Reihenfolge lesen, um alle wichtigen Fakten und die Vorgeschichten der Personen zu kennen. 
    Gerne habe ich Anne und Helene begleitet, die sich weiterhin mutig und engagiert für die Rechte von Frauen und Kindern einsetzen und damit in ihrer Zeit eine Vorreiterstelle einnehmen. Mit dabei ist auch wieder Kommissar Berthold Rheydt, der sich seiner Vergangenheit stellen muss, denn er glaubt, seine angeblich verstorbene Frau gesehen zu haben. Das steht seiner Liebe zu Helene Curtius im Weg und trotz dieser persönlichen Probleme, beweist er in der Aufklärung des vorliegenden Falles wieder großen Spürsinn und Durchblick. Auch Helenes Bruder Klaus hat mit Problemen zu kämpfen und erweist sich am Ende als Helfer in der Not. Und weiter schwelt die schlechte Beziehung zu Annes Vater, der Dreck am Stecken hat, weshalb Anne ihn meidet.

    Auch beim vierten Band haben mich erneut der flüssige Erzählstil, die lebendige und bildhafte Story, sowie die tatkräftigen Figuren gepackt und nicht mehr losgelassen. Henrike Engel schildert authentisch die Nöte der Zeit, die Armut und besonders die Unterdrückung von Frauen und lässt Anne und Helene als mutige Heldinnen für ihre Überzeugung und Liebe einstehen und viele Abenteuer bestehen. Die Handlung führt direkt ins Geschehen und so erlebt man hautnah die Verfolgung Verdächtiger und die Suche nach dem Heroin mit. Eingebaute Wendungen und falsche Fährten sorgen für die nötige Spannung, die schließlich noch in einem gefährlichen Finale endet.
     
    Ein fesselnder, zeitbeschreibender und unterhaltsamer Romanabschluss um mutige Frauen und tatkräftige Männer, die den Handel mit Heroin aufdecken wollen.

    ***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionexemplar!*** 



    Samstag, 26. August 2023

    Schwarzvogel - Frida Skybäck

    Unvorhersehbarer Skandinavien-Krimi 

     
    Frida Skybäcks Krimi "Schwarzvogel" ist der erste Fall für Polizistin Fredrika Storm. Der Krimi erscheint bei dtv. 

    Fredrika Storm arbeitet als Ermittlerin in Stockholm und lässt sich nach einem beruflichen Fehler mit traumatischen Folgen zurück in ihre südschwedische Heimat Skåne versetzen. Ihre Familie wohnt in Harlösa und Fredrika kennt hier viele Bewohner und Verwandte. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Henry Calment ermittelt sie im Todesfall der jungen Nomi Pedersen, die auf einem zugefrorenen See eingebrochen ist. Es steht noch nicht fest, ob hier ein Unfall oder ein Tötungsdelikt vorliegt. 
     


     
    Der atmosphärische Prolog führt in die Natur Schwedens und beschreibt einem schockierenden Vorfall. Fredrika Storms betagte Großmutter Gun wird Augenzeugin, wie eine junge Frau auf einen zugefrorenen See läuft, scheinbar von jemandem verfolgt, im See einbricht und stirbt. 
    Ihre gerade aus Stockholm zurückgekehrte Enkeln übernimmt mit Kollege Henry Calment den Fall.

    In diesem Krimi sind die beiden ungleichen Ermittler die Hauptattraktion der Handlung. 
    Fredrika Storm zweifelt nach einem Vorfall in Stockholm über ihre Fähigkeit als Polizistin und lässt sich in ihre Heimat zurückversetzen. Dort führen ihr Vater und ihre Großmutter einen Bauernhof und freuen sich über ihre Rückkehr. Beruflich wird ihr Henry als Kollege zugeteilt, er ist ein schräger Charakter, hochgebildet, aus reichem Hause und nach mehreren Studiengängen bei der Polizei gelandet. Seiner Mutter ist diese Arbeit ein Dorn im Auge, weil Henry ihrer Meinung nach zu Höherem berufen ist. Als Ermittlerpaar passen Fredrika und Henry gut zusammen und ihre Dialoge und gemeinsamen Aktionen lassen sich unterhaltsam und interessant lesen. Die Polizeiarbeit führt in ein undurchschaubares Dickicht an offenen Fragen und ungeklärten Vorgängen, die das Duo nach und nach enthüllt. Als einige Verwicklungen zu Fredrikas Familie weisen und sie ihnen nachgeht, hat sich nicht nur ihre Familie gegen sich, sie müsste den Fall normalerweise wegen Befangenheit abgeben, doch das wird hier außer Acht gelassen. Für diese unlogische Variante ziehe ich einen Stern ab.
     
    Der Krimi hält eine solide Grundspannung, die Vorgänge rund um den Fall machen neugierig und es besteht ein großer Unterhaltungsfaktor, bis am Ende die Enthüllung des Täters für eine Überraschung sorgt.
    Schon der Prolog mit der Landschaftsbeschreibung und dem Unglück hatte mich gepackt und der lebendige, detailreiche Schreibstil von Frida Skybäck führte sehr flott durch die Handlung. Man spürt  die nordische Atmosphäre und erlebt die Differenzen in Fredrikas Familie und gleichzeitig sorgt der etwas sonderbare Henry mit seiner speziellen Art für gute Unterhaltung. 

    Dieser Reihenauftakt hat mir gut gefallen und ich freue mich schon auf weitere Fälle mit Fredrika und Henry.

     ***Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar, das ich mir für Vorablesen-Punkte ertauscht habe!***


    Samstag, 19. August 2023

    Der Glanz der Zukunft - Michelle Marly

    Mode-Ikone Loulou de la Falaise und YSL

     
    Michelle Marly erzählt in ihrem Roman "Der Glanz der Zukunft" von der Beziehung zwischen Loulou de la Falaise und Yves Saint Laurent. Das Buch erscheint im Harper Collins Verlag. 
     
    Loulou de la Falaise heiratet einen Lord, passt mit ihren Flohmarktkleider kann sich aber mit den eintönigen Landleben nicht abfinden, denn sie liebt wie ihre Mutter Maxime bunte Mode und ein abwechslungsreiches Leben gewöhnt. Sie zieht nach Marokko, später nach New York und am Ende zerbricht ihre Ehe. Doch Loulou arbeitet im Bereich der Mode und lernt viele Prominente aus der Musik-, Mode- und Kunstszene kennen und verbringt unbeschwerte Zeit auf Partys, die auch mal zum Absturz führen. Ihrer guten Bekanntschaft mit Yves Saint Laurent ist es zu verdanken, dass sie ihm als Mitarbeiterin zu Seite steht und Schmuck-Designerin für seine Rive-Gauche-Kollektion wird. 
     

     
     
    Michelle Marly führt uns hinter die Kulissen der Modewelt der 70er Jahre. Ihre umfangreiche Recherche lässt den Modestil der Zeit sichtbar werden und sie bringt einige private Einblicke des Jetset-Lebens realer Personen des öffentlichen Lebens ans Licht, die in dieser Zeit in Presse und Filmwelt Rang und Namen hatten. Vordergründig präsentiert die Autorin aber den Lebenslauf von Loulou auf schillernde und emotionale Weise. Wer Mode liebt, bekommt hier eine bildhafte und lebendige Story geboten, die Loulous Bekanntschaften näher aufzeigt und speziell ihre besondere Verbindung zu Yves Saint Laurent hervorhebt.
     
    Gefesselt bin ich in die Story der beschriebenen Zeit eingetaucht, die ich als Kind eher am Rande wahrgenommen habe. Von Loulou de la Falaise habe ich bisher nicht viel gerhört. Umso interessanter war es, in ihr privates und berufliches Leben eintauchen zu können und etwas über die Verbindung zu YSL zu erfahren. Die Arbeitsabläufe im Modebusiness sind sehr interessant dargestellt und man erfährt einiges über Runway-Shows, die Kreationen der Designer, ihre Muse und ihr Ego.
    Michelle Marly hat einen fesselnden Schreibstil und haucht ihren Charakteren regelrecht Leben ein. Hier wechseln sich viele Ereignisse und persönliche Veränderungen Loulous oder ihrer Bekannten ab, sodaß keine Langeweile aufkommt um man gespannt weiter liest.
     
    Das erklärende Personenverzeichnis am Ende des Buches ist hilfreich, dort bekommt man in Kurzform die wichtigsten Fakten zu den realen Personen geliefert.
     
    In diesem abwechslungsreichen Roman dreht sich alles um die Liebe, das Leben und die Welt der Mode, die immer wieder mit Farben, Stoffen und Schnitten die Handlung belebt und die 70er Jahre wieder aufleben lässt. 

    ***Herzlichen Dank an Vorablesen und Harper Collins für dieses Rezensionsexemplar!***
     


     

    Freitag, 7. Juli 2023

    Mein großes Sachen suchen: Alle Tiere der Welt - Susanne Gernhäuser

    Ein tierischer Bilderspaß mit naturgetreuen Abbildungen zum Suchen und Kennenlernen
     
    Das Bilderbuch "Mein großes Sachen suchen: Alle Tiere der Welt" mit Texten von Susanne Gernhäuser und Bildern von Ursula Weller erscheint im Ravensburger Verlag.
     
    In diesem Wimmelbuch finden sich neunzig Suchbilder verschiedener Tiere, die in ihren Lebensräumen gezeigt werden. Was lebt denn so im Wald, in den Bergen, auf der Wiese oder am Korallenriff? Es werden Tiere in den unterschiedlichen Klimazonen wie Savanne, Wüste, Regenwald und an den Polen vorgestellt. Bei dieser Reise lernt man die Tierwelt näher kennen und kann Suchaufträge beantworten. Ein wichtiges Bilderbuch, mit dem Kinder die Tiere unserer Erde kennenlernen.  
     

     
    In diesem Pappbilderbuch werden zahlreiche Tiere in elf unterschiedlichen Lebensräumen gezeigt, die gleichzeitig auch die verschiedenen Klimazonen mit ihren Pflanzen und natürlichen Besonderheiten zeigen. Dadurch lernen Kinder spielend die Tierarten kennen, sehen, in welchen Gebieten sie beheimatet sind und bekommen in kurzen und kindgerechten Texten Informationen über die Lebensräume und Tiere vorgestellt. Kleine Suchaufträge sorgen für Spielspaß und fördern Sprachbildung und das Erkennen von Tieren.  
     

     
    Das Buch mit seinen stabilen Pappseiten ist schon für kleine Kinderhände ab zwei Jahren geeignet, die Bilder werden naturgetreu wiedergegeben und die Suchaufträge machen selbst den Kleinsten großen Spaß. So lernt man spielend Tiere kennen und erfährt, wo und wie sie leben.

    Eine tierische Entdeckungsreise rund um den Erdball, sowie ein toller Such- und Lernspaß über die Tierwelt!

     
    ***Herzlichen Dank an den Ravensburger Verlag für dieses Buch!***
     
     

    Montag, 12. Juni 2023

    Bergleuchten - Karin Seemayer

    Ein lesenswerter Histo-Roman mit Liebesgeschichte

     
    "Bergleuchten" heißt Karin Seemayers historischer Roman, der bei atb erscheint. 
     
    Göschenen, 1872: Helenes Vater transportiert als Fuhrhalter Waren mit Pferdefuhrwerken über den Gotthard, seine Tochter begleitet ihn häufig. Doch dann soll der Gotthard Tunnel gebaut werden, die Fuhrhalter fürchten um ihre Existenz und feinden die Bergleute an, die überwiegend aus Italien zum Arbeiten angeheuert werden. Sie brauchen Unterkünfte und Helenes Familie vermietet ein Zimmer an Piero, in den sich Helene verliebt. Doch diese Liebe hat keine Zukunft, denn Helenes Vater duldet diese Verbindung nicht. Die Arbeiten im Berg unter gefährlichen Bedingungen fordern den Mineuren alle Kraft ab und es kommt zu tragischen Unfällen und einigen Toten, auch Helene bangt mehrfach um Pieros Leben.   
     


    Karin Seemayer ist es wunderbar stimmungsvoll gelungen, die Arbeiten rund um den epischen Bau des Gotthard-Tunnels mit einer bitter-süßen Liebesgeschichte zu verbinden und das damalige Zeitgeschehen und die Probleme im Berg und im Dorf atmosphärisch darzustellen. Ganze 17 Kilometer Berg mussten über einen Zeitraum von acht Jahren für den Gotthard-Tunnel durch den Berg gebohrt werden, es war ein länderverbindendes, historisches Ereignis, dem die Einheimischen nicht unbedingt positiv gegenüber standen. Sie fürchteten sich vor dem Verlust ihrer Fuhrhaltereien und die große Menge an zugezogenen Italienern waren in den betroffenen Dörfern auch eine ungewohnte Situation, die eine Art Fremdenfeindlichkeit entstehen ließ. 
     
    Vor diesem historisch interessanten Bauvorhaben erzählt die Autorin die spannende Liebesgeschichte zwischen Helene und Piero und lässt die gesellschaftlichen Hürden deutlich werden, die dem Paar im Weg stehen. Diese Liebe wird zu keinem Zeitpunkt kitschig erzählt und es bleibt bis zum Ende spannend, wie diese Liebe verlaufen wird. Denn die Dorfbewohner verachten die Frauen, die Kontakt zu den Italienern haben und Helene weiß, dass ihre Eltern einer Ehe mit Piero niemals zustimmen würden.

    Das Setting des Romans wird sehr bildhaft gezeigt, man kann sich die Szenerie im Berg gut vorstellen und bekommt einen deutlichen Eindruck davon, unter welch harten und gefährlichen Bedingungen sich die Menschen damals durch den Berg hauen mussten. Der Einsatz von Dynamit, der Bohrstaub und die giftigen Gase machten diese Arbeit zu einer lebensgefährlichen Sache, die vielen Arbeitern das Leben kosteten oder sie mit schweren Verletzungen zurückließen. Die mangelhafte Unterbringung und fehlende Hygiene erschwerte die Situation noch erheblich und so ist dieser Bau auch ein Bau unter Tränen und Schweiß.

    Gleichzeitig wandert man mit Helene und Piero durch die wunderschöne Bergwelt, erlebt die Schneelandschaft im Winter, die blühenden Sommerwiesen, das Bergpanorama mit dem Bergleuchten und so bekommt die Geschichte neben der Entstehung des Bauwerks auch eine erzählerische und gefühlvolle Variante, die die Handlung perfekt abrundet. 

    Ihre Charaktere hat Karin Seemayer sehr lebendig angelegt, es sind facettenreiche Figuren entstanden, die die kulturellen Gewohnheiten der Italiener und die sozialen Lebensbedingungen der Dorfbewohner sehr gut beschreiben. Auch wird deutlich, wie der beschauliche Ort von den zahlreichen Arbeitern förmlich überrannt wurde und Marktstände und Gasthöfe nach italienischer Art entstanden, was das gewohnte Lebensgefühl sichtbar veränderte. 

    Diesen Roman habe ich aufgrund des interessanten Bauvorhabens und der widrigen Liebesgeschichte gespannt verfolgt. Den Figuren hat es ein wenig an Tiefe gefehlt, den Ausgang der Liebesgeschichte habe ich vorhergesehen, aber das Gesamtpaket hat mich gut unterhalten. 

    Ein lesenswerter Roman, der die schwierigen Umstände vom Bau des Gotthard-Tunnels und das Leben der Anwohner sichtbar macht.  

     


    Seemayer, Karin - Das Geheimnis des Nordsterns

    Samstag, 8. April 2023

    Solange wir leben - David Safier

    Eine berührend erzählte, mitreißende Liebes- und Lebensgeschichte 

    Im Kindler Programm des Rowohlt Verlages erscheint David Safiers Roman "Solange wir leben".

    David Safier erzählt die Geschichte seiner Eltern, die mit seinem Vater Joschi in Wien 1937 beginnt, der die Gefängnisse der Gestapo überlebt und schliesslich nach Palästina zieht, von wo aus er später zur See fährt. David Safiers Mutter Waltraut wächst in Bremen als Arbeitertochter auf, sie erlebt die Kriegszeit, die Trümmerjahre und das Wirtschaftswunder, wird Verkäuferin und verwitwet sehr früh. Dann lernt sie den über zwanzig Jahre älteren Seemann Joschi kennen und auch wenn vieles gegen eine gemeinsame Beziehung spricht, entscheiden sich beide füreinander, erleben glückliche Tage und auch dramatische Schicksalsschläge. 

     


    "Solange man an jemanden denkt, ist er nicht ganz tot." Zitat Seite 455

    David Safier hat mich bisher mit seinen humorvollen Romanen begeistern können und beweist mit diesem Roman, dass er auch ernste Themen anpacken und gut umsetzen kann. Er erzählt in dem Buch seine Familiengeschichte, er selbst kommt darin allerdings kaum vor. Vielmehr geht es um das Schicksal seines jüdischen Vaters Joschi, der den Holocaust überlebte und nach Israel auswanderte. 

    Die glaubhaft erzählte Familiengeschichte wird aus den zwei Perspektiven der Eltern David Safiers erzählt, zur besseren Unterscheidung in verschiedener Schrift, was mir besonders gut gefallen hat. Durch die offene Beschreibung an Emotionen, Schwächen, Fehlern und unterschiedlichen Erlebnissen habe ich die schwierigen Schicksale, das starke Band der Liebe, das Familienleben und die gehüteten Geheimnisse der Eltern Safier sehr intensiv miterleben dürfen und deshalb die Lektüre absolut genossen. Die historisch bedingten Grausamkeiten muss man aushalten können, doch immer wieder blitzt in der Geschichte ein Funke der Hoffnung auf, auch wenn man es kaum glauben mag. Durch die menschliche Beobachtungsgabe David Safiers werden die Personen in diesem Roman lebendig und spürbar. Und sein Humor durchzieht auf feine Art die Erzählung an den passenden Stellen.    

    Die packende Geschichte bekommt mit den tragischen Erlebnissen des Holocaust eine düstere Atmosphäre, doch David Safier baut auch viele lebendige und fröhliche Momente der Familie mit ein, sodaß man den Roman ohne Tränen zu vergießen lesen kann. Ich habe die Liebe und den Zusammenhalt der Eltern bewundert, aber auch Waltrauts Stärke, sich mit aller Kraft um die Familie zu kümmern und alles zu regeln. Denn Joschi war nie der Vater, der beruflich Fuß fassen konnte, so sehr er es auch versuchte. Bei der Erzählung wurde mir vor allem klar, wie groß das Leid sein muss, wenn wie bei Joschi die ganze Familie ausgelöscht ist und man neu beginnen muss. Diese Wunden heilen nie und nur die Liebe hat den Menschen der Familie Safier neue Hoffnung gegeben.

    Dieser Roman hat mich in eine Zeit eintauchen lassen, die den Menschen viel abverlangt hat. Doch die Liebe ist das Band, dass Menschen zusammenführt und Grausamkeiten überstehen lässt. David Safier ist ein berührender Roman gelungen, der seine Eltern stolz machen würde. Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung!  

     

    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag und Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***

    Montag, 30. Januar 2023

    Der Ruf des Eisvogels - Anne Prettin

    Fesselndes Lesehighlight mit starken Frauen! 

    Frei wie ein Vogel 

    Im Lübbe Verlag erscheint Anne Prettins Roman "Der Ruf des Eisvogels".
     
    Olga kommt 1925 in der Uckermark zur Welt, verliert bei der Geburt ihre Mutter und statt des eigenen Vaters kümmert sich ihr Großvater um Olga und vermittelt ihr die Wunder der Natur und die Liebe zur Medizin, denn er ist Arzt und naturverbunden. Als der zweite Weltkrieg losbricht, flieht Olga und kehrt erst fünfzig Jahre später mit ihrer Tochter und Enkelin nach Ginsterburg zurück. 



     
    Bei diesem Roman bin ich voll und ganz in die fesselnde Geschichte eingetaucht. Ich wurde emotional mitgerissen von den berührenden Schicksale der interressanten Frauenfiguren Olga, Annemie und Lotte, deren Leben sich immer wieder verknüpfen. Anne Prettin hat einen bildhaften, schönen und einnehmenden Erzählstil der unterhaltsam und abwechslungsreich durch die Handlung führt, mit wunderschönen, bildgewaltigen Naturbeschreibungen überzeugt und mit tragischen Schilderungen immer wieder für fesselnde Momente sorgt. Über allem schwebt der Ruf des Eisvogels und zeigt die engelhafte Verbindung zwischen Mutter und Tochter, die sich wie ein roter Faden durch die gesamte Handlung zieht. 
     
    Der Roman wird aus unterschiedlichen Zeitsträngen erzählt, bei denen mich unchronologische Zeitsprünge zunächst gestört haben, die sich aber mit der Zeit problemlos einfügen. Im Gegenwartsstrang von 1991 unternimmt Olga  mit Tochter Becki und Enkelin Sara eine Reise in ihre frühere Heimat Ginsterburg. Dort kommen ihr alte Erinnerungen an ihre Kindheit und Jugend in den Sinn, die als Rückblenden immer wieder eingeschoben werden und vom Leben mit ihrem Großvater "Pa" erzählen und auch von ihrer medizinischen Tätigkeit. Aber es gelangen auch schwierige, schicksalshafte Erlebnisse aus Olgas Vergangenheit ans Licht, die Olga auf der Ginsterburg-Reise über ihr Leben nachsinnen lassen. Wir erfahren von glücklichen und schönen Lebensmomenten, aber auch vom erfahrenen Leid der Kriegszeit und sind hautnah und berührend bei den tragischen Wendungen in ihrem Leben dabei. Nach und nach werden alle Details aufgedeckt, die uns Olgas Gewissensbisse verständlich machen und die Wahrheit über die Vorkommnisse während des 2. Weltkrieges in Ginsterburg, Oldenburg und Kühlungsborn erklären. Die aktuellen Reiseerlebnisse bringen Olga dazu, endlich reinen Tisch zu machen und die Wahrheit offen zu legen. Das sorgt am Ende noch einmal für einen großen Überraschungseffekt, der stimmig zu Olgas Charakter passt und der dem Buch einen gelungenen Abschluß verleiht. 

    Eine ganz wunderbar erzählte, berührende Geschichte von starken Frauen, die mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. Diesen großartigen Roman zeichne ich vollkommen überzeugt als Buchempfehlung aus! Für Leser:innen die Frauenromane mit Zeitgeschichte und Lebensschicksalen mögen. 

    ***Herzlichen Dank für dieses Prämienpunkte-Buch von Vorablesen!***
     


    Mittwoch, 16. November 2022

    Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur Lipaire

    Witzig-turbulenter Start einer neuen Gauner-Krimireihe

     
    Volker Klüpfel und Michael Kobr starten im Ullstein Verlag ihre neue Krimireihe mit "Die Unverbesserlichen – Der große Coup des Monsieur Lipaire". 
     
    Um nicht als Deutscher erkannt zu werden, nennt sich Wilhelm Liebherr in Südfrankreich lieber Guillaume Lipaire. Als er durch Zufall von einem verschollenen Schatz erfährt, wittert er ein Riesengeschäft und versammelt seine Freunde um sich, die ihm helfen sollen, das Rätsel zu lösen. Die Spur führt in die Villa einer reichen Adelsfamilie.
     

     
    Guillaume Lipaire ist ein charmantes Schlitzohr, ein kleiner Gelegenheitsgauner, der nach einer gescheiterten Beziehung nun ein chilliges Leben an der Côte d’Azur führt. Als Gardien (Hausmeister) betreut er in Port Grimaud die Villen reicher Besitzer und nutzt den Leerstand dieser Anwesen zur heimlichen Weitervermietung als wundervolle sprudelnde Einnahmequelle. Gerne bedient er sich auch mal in den Weinkellern der Eigentümer, wo manch kostbares Tröpfchen vor sich hinschlummert. 
     
    Als ihn die Nachricht von einem Schatz erreicht, hofft er auf den ganz großen Coup. Nach und nach erfahren seine Freunde von dem Plan und bilden ein originelles Team der Unverbesserlichen. Zur Gruppe gehören der Wassertaxifahrer Karim und die Eisverkäuferin Jacqueline, Ex-Legionär Paul, Handyladenbesitzerin Delphine und die 84-jährige Lebedame Lizzy. Gemeinsam versuchen sie ihre Verfolger, die Adelsfamilie Vicomtes aus der Villa, auszutricksen und es beginnt ein lebhaftes Verfolgungspiel, bei dem Guillaume seinen Häschern durch die Hilfe seiner Freunde immer wieder entwischt. 

    Die beiden Autoren haben in diesem Fall mal das Allgäu verlassen und mischen mit ihren Unverbesserlichen die Côte d’Azur auf. Die Handlung sprüht vor witzigen Einfällen und spritzigen Dialogen und es gibt immer wieder Szenen, die durch die recht speziellen Protas abenteuerlich und skurril ablaufen. Trotz aller Unterschiede bilden sich Freundschaften, sie wachsen als Team zusammen und entwickeln einen raffinierten Plan, der sich am Ende zu einem Roadmovie mit spannender Verfolgungsjagd ausufert. Der Krimi hat mir gut gefallen, es hätte aber doch mehr Spannung im Spiel sein können.


    Bei dieser Gauner-Krimödie darf man sich auf tolle Charaktere freuen, auf das Flair der Côte d’Azur und auf eine witzig, skurrile Handlung, die für einige Überraschungen sorgt. Die Reihe geht weiter und man darf gespannt sein, was die Unverbesserlichen das nächtse Mal erleben werden.

     

    Band 2:  Die Revanche des Monsieur Lipaire

    Weitere Titel der Autoren findet ihr hier:

    Donnerstag, 8. September 2022

    Casa Zarrella - Jana Ina Zarrella

    Einfache, vielseitige und fleischlose Alltagsküche mit gesundem Anspruch

    Das Kochbuch "Casa Zarrella" haben Jana Ina Zarrella und Johann Lafer gemeinsam entwickelt, es erscheint im Gräfe und Unzer Verlag. 

    Wenn Jana Ina Zarrella für ihre Familie kocht, dann gibt es einen Mix aus italienischer, deutscher und brasilianischer Küche. Für dieses Buch schaut ihr Johann Lafer über die Schulter und gibt praktische Küchentipps für schnelle Mahlzeiten, die gesund sind und auch noch schmecken. 

     

    In diesem Buch erfahren wir in der Einführung etwas darüber, wie Kochen, Essen und Genießen in der Familie Zarrella abläuft. Es folgen hilfreiche Tipps zur Vorratskammer, über frische Lebensmittel, Küchenwerkzeuge, Küchenhacks und wir lernen auch etwas über das Zeitmanagement, was in berufstätigen Familien durchaus ein entscheidender Faktor ist. Danach folgt der Rezeptteil mit tollen Foodfotos. 

    Die Kapitel teilen sich auf in:

    - Frühstück, Snacks und Smoothies: Granola, Tomaten-Basilikum-Aufstrich, Pancakes, Müsliriegel... 

    - Suppen und Salate: Gazpacho, Italien. Minestrone mit Garnelen, Süßkartoffel-Kokos-Suppe, Bunter Risonisalat, Meeresfrüchtesalat

    - Einfach lecker für jeden Tag: Gemüsereis aus dem Backofen, Farofa, Auberginenröllchen, Chili sin Carne, Curry-Gemüse-Pfanne, Fisch in Olivensauce, Johan Lafers Tomatensauce, Zitronennudeln mit Lachs, Calamaretti, Gnocchi in drei Varianten, Gemüse aus dem Backofen mit drei Dipps

    - Süße Schlemmereien: Bananenbrot, Bananenmuffins, Matcha-Minz-Törtchen, Bolo de Coco, Geburtstagskuchen Jana Ina, Erdbeer-Tiramisu

    - Wenn Zarrellas feiern: Antipasti, Empanadao mit Käse- oder Garnelenfüllung, Auberginen-Cordon-Bleu, Zucchini-Lasagne, Lachs aus dem Backofen, Muscheln in Weißweinsauce, Tacos, Pizza

    Bei diesem Buch fällt auf, die Rezepte und Zutatenlisten werden übersichtlich erklärt, man bekommt die Zubereitungszeiten genannt und die Gerichte sind alle recht simpel und auch für Anfänger gut nachzukochen. Zusätzliche Nährwertangaben fehlen.

    In der fleischlosen Küche der Zarrellas wird öfter mal Fisch zubereitet, die Gerichte entsprechen dem Geschmack der Familie und es gibt Rezepte für den Inhalt der Brotdosen der Kinder.

    Curry-Gemüse-Pfanne

    Auberginen-Cordon-Bleu

    Calamaretti

    Die süßen Speisen entsprechen nicht so meinem Geschmack und für Overnight-Bowls gibt es genügend Rezepte im Netz. Aber die Jeden-Tag-Gerichte und die der Feiern der Zarrellas werde ich wohl größtenteils mal nachkochen. Da gefällt mir der gesunde Aspekt und die internationale Note.

    Im Hause Zarrella ist Essenszeit auch gemütliche Familienzeit, bei der sie sich unterhalten und ihr gemeinsames Essen genießen. Von Müsliriegeln, Porridge und Gemüsesticks mit Dipps über Pasta, Reis und Gemüsegerichten bis hin zu Torten, Pralinen und anderen Köstlichkeiten verrät uns Jana Ina ihre Rezepte.

    Dieses buntes Kochbuch eignet sich für die ganze Familie, es legt Wert auf gesunde Küche, orientiert sich im vegetarischen und vegangen Bereich und bietet viele einfach nachzumachende Rezepte für köstliche Essenszeit. 

    ***Herzlichen Dank an den GU Verlag für dieses Buch!***

    Donnerstag, 28. Oktober 2021

    Wo kommen wir denn da hin - Torsten Rohde/Günter Habicht

    Leichte und lustige Lektüre, zum Aufheitern gerade richtig

    "Wo kommen wir denn da hin" ist ein humorvoller Roman von Günter Habicht, der im Ullstein Verlag erscheint. 

    Der 63-jährige Günter Habicht ist ein Pedant wie er im Buche steht, ständig überwacht er vom Balkon aus das Verhalten seiner Nachbarn. Jede noch so kleine Schluderei fällt ihm auf, das fängt beim Trennen des Abfalls an und hört bei falsch geparkten Autos und E-Rollern noch lange nicht auf. Seine Frau Brigitte regt das auf, aber Günter hat auch seine guten Seiten. Er ist hilfsbereit und zeigt im Baumarkt den Kunden die besten Produkte für ihre Sanierung. Seiner Erzfeindin Renate Bergmann weicht er aus, so gut er kann. Denn die twittert ja neuerdings alles und jedes und würde sicher auch Günters Verhalten auf Twitter kritisieren und verbreiten. 

     

    Nach der Buchreihe mit Renate Bergmann hat Torsten Rohde nun einen männlichen Protagonisten am Start. Es ist der ehemalige Busfahrer Günter Habicht, den Renate-Fans aus "Fertig ist die Laube" kennen. Dort in der Laubenkolonie Abendfrieden haben sie sich kennengelernt, leider ist keine herzliche Freundschaft daraus entstanden. 

    Günter ist im Vorruhestand und auch seine Frau Brigitte ist vorzeitig in Rente, was sie im Nachhinein bitter bereut. Der gemeinsame Alltag muss erst wieder gelernt werden und Brigitte ist es furchtbar peinlich, wie Günter alle Nachbarn maßregelt. Aber er geht häufig auch seiner Wege und dann klönt Brigitte mit ihrer Freundin Doris oder liest Beziehungsratgeber. Beide haben eine erwachsene Tochter, Mareike, und als Günters Mutter ins Seniorenheim ziehen muss, arbeitet Günter dort als Hausmeister und kümmert sich auch um ihr Haus in Brandenburg. Dort würde er am liebsten bleiben, aber seine Aufgaben als Hausmeister in der Gartenkolonie muss er ja auch noch ausüben. Dort lernte er auch Renate Bergmann kennen, die rein gar nichts von Vereinsregeln hält und ihm damit ein Dorn im Auge ist. 

    Mit Günter lernen wir einen pedantischen Mann kennen, dem durch seine jahrelange Busfahrertätigkeit Verkehrsregeln ins Blut übergegangen sind. Aber mit Busfahren ist nun Schluß und so meint er, anderen Menschen Regeln beibringen zu müssen. Die Beziehung mit Brigitte ist auch nicht mehr so harmonisch wie zu Anfang, nur seine Tochter Mareike kann ihn ganz gut um den Finger wickeln. 

    Auch wenn ich Renate um Längen sympathischer finde als Günter, kann man bei dieser Lektüre reichlich schmunzeln. Besonders als es um Günters Mutter im Seniorenheim ging, er das Bauhaus unsicher machte oder ein Einkauf bei Ikea anstand. Seine Rolle ist schon etwas überspitzt angelegt, doch man kann sich wunderbar amüsieren und kennt vielleicht auch jemanden wie Günter aus der eigenen Nachbarschaft.

    Wer mal wieder etwas Lustiges lesen möchte und kein Problem mit pedantischen Rentnern hat, sollte sich die neue Hauptfigur von Torsten Rohde mal zu Gemüte führen. Ich mochte Renate noch ein wenig lieber, aber eine humorvolle Lektüre ist Günters 1. Band auch. 

     

    ***Herzlichen Dank an den Ullstein Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

     

    Samstag, 7. August 2021

    Die Hebamme - Edvard Hoem

    Ein großartiger und feinfühlig erzählter Roman - ein echter Buchschatz

    Die Familiensaga "Die Hebamme" des norwegischen Autors Edvard Hoem erscheint bei Urachhaus.

    Die Ururgroßmutter des Autors, Marta Kristine Andersdatter Nesje, lebte am Romsdalfjord. 1821 ging sie zu Fuß an die 600 km entfernte Westküste Norwegens nach Christiania, um Hebamme zu werden. Diesen Beruf sollte sie 50 Jahre lang ausüben und war stets bemüht, den Frauen bei der Geburt zu helfen. Das war nicht immer gern gesehen, ihr schlug Misstrauen entgegen und die Armut der Menschen war auch ein Problem. 

     


    Edvard Hoem lässt uns auf wunderbar atmosphärische Weise an dem Leben Marta Kristines und ihrer Familie teilhaben. Er zeichnet mit Martas Lebensporträt nicht nur ein Bild dieser starken, anpackenden Frau, sondern zeigt auch die Aufgaben einer Hebamme im Detail, ein Beruf der vor 200 Jahren erst langsam aufgebaut wurde. Marta führte ein einfaches, arbeitsreiches Leben mit vielen Kindern und einem kranken Mann, ihr Hans wird schwermütig, seine Erlebnisse im Krieg machten ihm zu schaffen und seine Geschäftsideen sind nicht erfolgreich, stattdessen häuft er Schulden an. Doch Marta steht fest zu ihm und ihre ständig wachsende Kinderschar ist der Beweis ihrer großen Liebe. Für eine Geburt ließ Marta alles stehen und liegen und machte sich auf den teilweise sehr beschwerlichen Weg über den Fjord zu den werdenden Müttern. Das Geld war in diesem kinderreichen Haushalt immer knapp. Dabei mussten Hebammen bezahlt werden, vielen armen Leuten fehlten dafür aber die Mittel. Als Martas finanzielle Not groß ist, geht sie zur Einklagung ihrer Bezahlung sogar vor Gericht.  

    Bei diesem Roman hat mir der feinfühlig und lebendig beschreibende Erzählstil wunderbare Lesezeit geschenkt, Hoem beschreibt tiefgründig die Figuren und zeigt detailgetreu das damalige Leben aus nächster Nähe. Man kann sich genau vorstellen, welche Aufgaben Hebammen übernahmen und welche Sorgen und Nöte die Menschen umtrieben und auch die Mütter- und Kindersterblichkeit der Zeit wird hier klar zum Ausdruck gebracht. Ich bin gefesselt in diese Zeit eingetaucht und konnte mit den Figuren mitfiebern. 

    Ein echter Buchschatz über die Gründungsjahre des Berufsstands Hebamme! Mein Highlight des Monats!

     

    ***Herzlichen Dank an den Urachverlag und an Vorablesen für diese Buchprämie!***