Drastisch erzählte Lebenserfahrungen einer Frau in der Männerdomäne Fischfang. Hat mich nicht erreicht.
"Die Seefahrerin" ist das preisgekrönte Romandebüt von Catherine Poulain. Der Abenteuerroman erscheint im btb Verlag. (Werbung)
Klappentext: Lili ist frei. Sie hat ihr Leben hinter sich gelassen. Vor der Westküste
Alaskas fährt sie als einzige Frau mit einer Fischfangbesatzung über
den Ozean. Sie ist dem eiskaltem Wind des Meers ausgesetzt, spürt das
Salz auf der Haut, schuftet, schläft an Deck des Schiffes, geht an ihre
Grenzen – und wird Teil der rauen Welt der hartgesottenen Matrosen. Doch
einer unter ihnen ist anders als alle anderen: Lili und Jude ziehen
sich magisch an, ihre Beziehung ist fast zerstörerisch. Als er sie
bittet, mit ihm fortzugehen, muss Lili sich entscheiden zwischen der
grenzenlosen Freiheit der Meere und der vielleicht größten Liebe ihres
Lebens.
Catherine Poulain heuerte als Anfängerin auf einem Fischtrawler in
Alaska an. Jetzt erzählt sie von ihrer Faszination für diesen harten Jobs unter Männern.
Lili heuert auf dem Fischtrawler Rebel vor der Küste Alaskas an, als einzige Frau unter Männern. Sie liebt die Freiheit und sucht das Abenteuer. Es kostet sie viel Kraft und Durchsetzungsvermögen, sie kämpft mit den harten Witterungsbedingungen und mit der extremen Arbeitsbelastung, mit Schlafmangel und mit der Schwierigkeit, hier als Frau ihren Mann zu stehen.
Dort lernt sie auch Jude kennen, ein trinkender, rauhbeiniger Seeman, in den sie sich verliebt. Doch ihre Liebe ist unberechenbar, fast animalisch und nicht auf ein gemeinsames Leben ausgerichtet.
Eine Frau behauptet sich als Fischerin und lebt das harte Leben auf See
neben harten Männern. Selbstbeweis, Freiheitsdrang und wohl auch ein
paar zu viele männliche Hormone. Was treibt sie an, warum tut sie sich diese Drangsalen an? Wie hält sie das aus, täglich mit dem Fischschleim, Fischblut und dem beißenden Geruch beim Ausnehmen der glitschigen Fische, den vor Kälte und Salzwasser starren Händen? Zum Schlafen lediglich einen Schlafsack und einen Platz am Boden? Irgendwie ist sie in ihrem Freiheitsdrang voller Mut und Arbeitskraft, das habe ich bewundert. Aber ich kann es trotzdem nicht verstehen, denn ihre Kollegen sind wortkarg, rau und einfach harte Kerle.
Von diesem Roman habe ich mit anfangs noch faszinieren lassen, denn Lily ist eine extreme Figur mit großem Freiheitsdrang, couragiert und verwegen bei ihrem Arbeitseinsatz auf See. Ihr Charakter imponiert mir zunächst, doch ihr Leben erscheint mir nicht so frei wie sie es gern leben würde. Wo ist da die Freiheit, wenn man ständig den Zwängen an Bord des Trawlers unterworfen ist und ständig auf der Hut vor den männlichen Kollegen sein muss.
Geht es ihr um die Anerkennung der Männer? So wie sie beschrieben wird, kann ich es nur erahnen.
Neben Lily werden die anderen Charaktere nur äußerlich abgewickelt. Mir fehlt die Tiefe durch Gedanken und der nähere Zugang zu anderen Figuren. Die Männer werden als hartgesottene Fischer dargestellt, grob, ständig trinkend und mit Träumen von einem Leben, dass sie wohl nie erreichen werden.
Was aber mein größter Kritikpunkt ist, der Schreibstil liegt mir einfach nicht. Er ist fast eine stetige Folge und Aufzählung von Vorkommnissen und Handlungsabläufen. Die Sätze sind sehr einfach, es wird viel bildhaft beschrieben, aber die Texte wirken teilweise wie abgehackt. Dabei wurde dieser Roman 2016 für den Prix Goncourt du Premier nominiert und ist mehrfach ausgezeichnet. Von der Sprache her bin ich richtig enttäuscht.
Interessant finde ich einige Abläufe an Bord, Deck schrubben, wie geht es in der Kombüse zu, die verschiedenen Fischarten und das Verarbeiten der Fische. Es gibt viele ekelhafte Szenen beim Töten und Ausnehmen der Fische. Auch der raue Ton an Bord ist gewöhnungsbedürftig, der depressive Beigeschmack zieht mich runter. Wieso hält man es als Frau an der Seite dieser Männer aus? Freiheit bedeutet doch auch andere Alternativen als zur See zu gehen.
Außerdem geht mir die ständige Sauferei der Männer auf die Nerven. Wie kann Lily es mit ihnen aushalten? Wo sind die Gespräche mit gleichgesinnten Partnern? Auch Jude ist irgendwie wie ein Tier beschrieben, Jack ein Volltrottel im Dauersuff.
Dieses Buch zieht mich neugierig an, stösst mich aber auch mit den
Charakteren und Fischverarbeitungsszenen auch ab. Der zweite Teil zieht
sich ziemlich, die Liebe zu Jude ist irgendwie sehr leer.
Von diesem Abenteuer einer Seefahrerin konnte ich mich nicht anstecken lassen. Freiheit kann man als Frau auch anders erleben.
***Vielen Dank dem btb Verlag für dieses Rezensionsexemplar, ich habe leider keinen echten Draht zu dem Buch entwickeln können!***
Mediterrane Rezepte und exclusive Einblicke in das Leben an Bord von Luxusyachten sorgen für Weltenbummlerflair
Das Buch "Staats´Geheimnisse" von Stephan Staats, der als Koch
auf Luxusyachten angeheuert hat, erscheint 2016 als dicke Luxusausgabe
im Becker Joest Volk Verlag.
Stephan Staats fährt seit
Jahren als Koch auf Luxusyachten über die Weltmeere und erfüllt seinen
Auftraggebern sämtliche kulinarischen Wünsche. Dabei ist die Arbeit
alles andere als ein normaler 8-Stunden-Job, hier gilt es über Monate
ohne freien Tag gut und gerne bis an die 20 Stunden täglich zu arbeiten.
Natürlich ist die Bezahlung gut, die Bedingungen trotz der exotischen
Ziele aber beengt und ohne persönlichen Freiraum.
Fremde Kollegen,
extreme Witterungsbedingungen mit Sturm und schwierige Situationen
machen das Leben an Bord zu einem abenteuerlichen Erlebnis, um das man
ihn nicht beneidet.
Dabei verrät er seine landestypischen
Rezepte aus den Ländern rund ums Mittelmeer, die er für Ölscheichs,
russische Oligarchen, Musiker, Hollywood-Regisseure und -Schauspieler
sowie Wirtschaftsmagnaten gekocht hat.
Zum Buch an sich:
Es ist schon ein kompaktes Buch
in einem stabilen Hardcover, mit Maßen von 24 x 28 cm und einen
stattlichen Gewicht. Nicht gerade ideal für die Küchenarbeitsfläche,
aber schon sehr imposant.
Private Fotos, Illustratuonen und kurze
Storys von Stephan Staats wechseln sich ab mit den beigefügten Rezepten
und den dazugehörigen ganzseitigen Foodfotos von Hubertus Schüler, dem
hier ein großes Lob gebührt.
Diese Mischung unterhält und sorgt für vielseitige Einblicke in das Leben an Bord einer Schiffsküche.
Ein Index am Ende des Buches gibt Auskunft über die vorhandenen Rezepte.
Zu den Rezepten:
Es befinden sich im Buch rund 120 Rezepte größtenteils aus der mediterranen Küche, aber auch aus der arabischen Küche.
Der Aufbau der Rezepte ist übersichtlich und mit weißer Schrift auf türkisem Grund sehr schön gestaltet.
Zubereitungszeit,
Originalname des Gerichts und die deutsche Übersetzung, eine kurze
Einleitung über das Gericht und die benötigten Mengenangaben für 4
Personen, sowie die Zubereitung und Abwandlungstipps sind überschaubar
und verständlich gemacht.
Frankreich und Monaco:
- Brioche
- Quiche Lorraine
- Macarons
- Selleriepüree mit Merguez und Jacobsmuscheln
Spanien, Portugal, Balearen, Kanaren:
- Aioli
- Ceviche
- Albóndigas
- Papas Arrugadas con Mojo picón
- Gambas al Ajillo
- Sangría
Italien, Korsika, Sardinien, Malta:
- Mascarpone (selbst herstellen)
- Focaccia
- Pesto
- Pasta Teig
- Polenta mit Steinpilzen
- Risotto mit Meeresfrüchten
- Oktopus-Eintopf
Albanien, Montenegro, Kroatien, Slowenien:
- Tarator (Gurkensuppe)
- Cevapcici
- Pistazien-Baklava
Griechenland, Türkei, Zypern:
- Dolmades (gefüllte Weinblätter)
- Bauernsalat
- Spanolatkes (Spinat-Feta-Rösti)
- Möhren-Kreuzkümmel-Dip
Ägypten, Libyen, Marokko, Algerien, Tunesien:
- Tahini-Rote Bete Dip
- Humus
- Khabza bil Ashab (Kräuterbrot)
- Harissa
- Leblebi (Kichererbsensuppe)
Israel, Gazastreifen, Syrien, Libanon:
- Challah (Hefebrot zum Sabbat)
- Shorabit (Linsensuppe)
- Taboulé
- Makdons (eingelegte Auberginen)
- Pita-Brot
- Baba Ganoush (Auberginendip)
Dieser
Rezeptteil ist wirklich vielseitig, lecker und abwechslungsreich und
zeigt viele gute Standardrezepte, dieman auch gut in der eigenen Küche
zubereiten kann.
Stephan Staats zeigt darüber hinaus noch die
Möglichkeiten auf, selbst Balsamico-Creme, Joghurt und auch Mascarpone
herzustellen. Diese Tipps sind wirklich toll.

Zu Staats´ Geheimnissen:
Der
Autor gibt 15 kleine Anekdoten zum besten und erzählt aus seinem
Arbeitsleben an Bord von Yachten reicher Bootseigner und deren Gästen,
aber auch inmitten einer vielköpfigen Crew, die aus aller Herren Länder
stammen. Nicht immer ist das Arbeiten harmonisch, es gibt viele
Charaktere, die halt Seeleute sind und einen rauhen Ton anschlagen.
Er
berichtet auch über die Arbeitsbelastung, die weit über eine 40-
Stunden Woche hinaus geht und ihn bis an die Belastungsgrenze fordert.
Auch
über die dekadente Lebensweise dieser Superreichen und Schönen macht er
sich so seine Gedanken, wenn beispielsweise Lebensmittel verschwendet
werden und schon mal Kaviar im Wert von 70. 000 Euro eingekauft wird.
Es
wundert nicht, dass Staats zwischendurch mal arbeitslos war, ihm in
Lebenskrisen der Alkohol der beste Freund wurde und er bei starker See
Lebensängste litt. Doch das hohe Einkommen und die
Abenteuerlust zieht ihn jahrelang über die Meere der Welt.
Dieses
Buch taucht ein in eine Welt voller Superlative, begleitet mit leckeren
Gerichten und Rezepten und veranschaulicht das harte Leben an Bord der
größten Luxusyachten dieser Erde. Weltenbummler können hier vom Sofa aus
in die weite Welt blicken und in die Küchen des Mittelmeerraumes. Als
wunderschönes Geschenk finde ich dieses Buch sehr gelungen.
*** Herzlichen Dank für dieses Buch, dass ich mir als Prämie für meine gesammelten Punkte auf Vorablesen aussuchen durfte. ***
Ein Kristall reist durch die Zeit! Barbara Wood in Perfektion!
Mein Lieblingsbuch von Barbara Wood ist der Kristall der Träume, der 2004 erstmalig erschien und im Fischer Verlag aufgelegt wird. [Werbung]
Aus
Sternenstaub entstand vor 3 Millionen Jahren durch einen
Meteoriteneinschlag ein ovaler, tiefblauer Kristall, der Kristall der
Träume.
2,9 Millionen Jahre ruht er, bis eine Jägerin der Homo
Sapiens ihn findet. Von nun an wird er den Menschen, die ihn besitzen,
die Kraft geben, ihren Träumen zu folgen.
Der Stein wird von den
ersten Menschen Afrikas immer weiter gereicht und folgt der
Menschheitsgeschichte bis ins Amerika des 19. Jahrhunderts.
So gibt
Barbara Wood ihren Lesern Gelegenheit, dem Kristall durch die
Jahrtausende zu folgen, die Menschen auf ihrer Suche nach dem Glück zu
begleiten.
Dieser Roman ist eine Aneinanderreihung von mehreren Romanteilen, eine
Zeitreise, die bei den Frühmenschen anfängt und bis in die Neuzeit
führt. Dabei erlebt der Leser mit dem Kristall auch eine einzigartige
Reise um die Welt.
Wir begleiten die Besitzer des Kristalls und erleben wie er ihre Schicksale auf wunderbare Art und Weise beeinflusst und lenkt.
Zu
Beginn des Romans gelangt Laliari in den Besitz des Kristalls und
rettet ihr Volk von Neandertalern vor dem verheerenden Ausbruch eines
Vulkans.
Später, zur Zeit der ersten Christen in Rom zur Zeit
Neros, symbolisiert der Kristall für die Römerin Amelia den Glauben an
Jesus. Die dichterische Freiheit verbindet die Autorin geschickt mit
historischen Fakten, wie dem Brand des antiken Roms.
Im 16.
Jahrhundert gerät die junge Deutsche Katharina in den Harem eines
Sultans und drei Jahrhunderte später weist der Kristall dem jungen
Leichenbestatter Matthew den Weg in den Westen Amerikas.
Die
Zeitsprünge zwischen den Epochen füllt die Autorin geschickt mit den
Wegen, die der Kristall nimmt. So reisen wir gemeinsam von Afrika nach
Israel, Rom, Britannien, Deutschland, China, Karibik und die USA.
Für
jeden Besitzer des Kristalls hat der Stein eine andere Bedeutung, aber
alle lassen sich von ihm leiten und folgen ihren Träumen.
Dabei
erzählt Barbara Wood in faszinierender Weise das Leben und die
Besonderheiten ihrer Figuren und schildert ein buntes Kaleidoskop über
die jeweiligen Sitten und Gebräuche der verschiedenen Kulturen.
Das
Erzähltalent der Autorin ist beeindruckend und zieht unweigerlich mit,
jede Geschichte umfasst neue Charaktere, für ein tiefes Eintauchen fehlt
die Zeit, aber dennoch wird man mitgerissen vom Strudel des Erzählens
und taucht ein in eine magische Reise um die Erde.
Ich kann gar
nicht sagen, welche Figur und Zeitepoche mir am besten gefallen hat.
Eigentlich ist gerade die Vielfalt der Charaktere das Herausragende an
diesem Roman. Man lebt, lacht, weint, bangt mit den Figuren jeder
Zeitspanne und ist traurig als die Reise endet.
Diese
Abenteuersaga verfolgt die Geschichte der Menschheit in bester
Erzählweise und bietet höchsten Lesegenuss in Perfektion. Dieser Roman
ist mein Lieblingsbuch der Autorin und wird es immer bleiben.
