Leben zwischen Botanik, Leichen und Revolution
Der Roman Wachs von Christine Wunnicke erscheint 2026 als Taschenbuch im Diogenes Verlag. Im Oktober 2026 wird Christine Wunnicke mit dem Georg-Büchner-Preis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.
Paris im 18. Jahrhundert: Diese historische Geschichte siedelt sich im zeitlichen Rahmen vor und während der Französischen Revolution an und zeigt zwei sehr außergewöhnliche Frauen: Marie Biheron, die schon im jugendlichen Alter Leichen sezierte, um deren Innenleben aus Wachs zu modellieren und Madelene Basseporte, die sich auf die Zeichnung von Blumen spezialisierte.
Marie Catherine Bihéron (1719 - 1795) war eine französische Künstlerin und Tochter eines Apothekers, sie stellte anatomische Modelle aus Wachs her. Die Leichen für ihre anatomischen Dastellungen beschaffte sie sich beim Militär.
Madeleine Françoise Basseporte (1701 - 1780) war eine französische Malerin und Kupferstecherin, deren Schwerpunkt auf der Darstellung von botanischen Motiven lag.
Christine Wunnicke behandelt in ihrem kurzen Roman unterschiedliche Themen wie die Französische Revolution, Anatomie, Frauen in der Wissenschaft, Emanzipation und queere Liebe und setzt alles in den historieschen Kontext. Sie zeigt Ausschnitte aus dem selbstbestimmten Leben ihrer beiden ungewöhnlichen Protagonistinnen, die damit ihrer Zeit weit voraus waren. Feinfühlig und mit einem Schuss Ironie zeichnet sie ihre Figuren und stellt sie mit ihren Eigenheiten und einem konsequenten Willen dar. Beide Frauen wirkten mit ihrem Interesse für die Forschung sehr zielstrebig und waren damit ihrer Zeit weit voraus.
Marie besorgt sich mit 14 Jahren bei der Militärakademie ihre erste Leiche zum Sezieren und Madeleine wird als Frau in der Wissenschaft nicht ernst genommen. Beide schließen Jahre später einen eheähnlichen Bund, der heimlich geschlossen wird.
Sprachlich gesehen ist der Roman herausragend, manches wird angedeutet und man muss zwischen den Zeilen lesen und eigene Interpretation einfließen lassen. Mit seinen eigenwilligen Szenen mutet die Geschichte teilweise etwas skurril an, fesselt dafür mit den speziellen Charakteren und deren Vorhaben.
Was ich gar nicht schätze ist die sprunghafte Erzählweise, die nicht chronologisch erfolgt und somit immer die volle Aufmerksamkeit und zeitliche Einordnung des Lesenden erfordert. Das hemmt meinen Lesefluss und ich muss zugeben, dass mir die Figuren insgesamt doch recht fremd geblieben sind.
Wer ungewöhnliche Literatur mit sprachlicher Eigenwilligkeit und historischem Kontext schätzt, sollte diesem Buch seine Aufmerksamkeit widmen. Für mich war es eine Hommage an die Schönheit der Sprache, der Anatomie von Menschen von Pflanzen und ein Einblick in eine vergangene Zeit voller Umbrüche.
***Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Rezensonsexemplar!***



































