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Samstag, 22. November 2025

Die Berghebamme: Zeit der Kinder - Linda Winterberg

Ein berührender Roman über eine mutige Frau 

 
Der 3. Band der Kinder-der-Berge-Saga von Linda Winterberg trägt den Titel Zeit der Kinder und erscheint im Aufbau Verlag

Maria Saller wird als Berghebamme in Brannenburg anerkannt, sie lebt glücklich mit ihrem Mann Georg, doch ihr ganz großer Wunsch nach einem eigenen Kind will sich einfach nicht einstellen. Was besonders schwierig für sie ist, weil sie täglich neuen Erdenbürgern auf die Welt hilft. Nicht jede Geburt sorgt für Frohlocken bei den Müttern, Maria erkennt die Not der unverheirateten, ungewollt schwangeren Frauen und möchte ein Heim für ledige Mütter gründen. Doch das geht den konservativen Bergbewohnern zu weit. 


 

Diese Reihe habe ich mit dem dritten Band begonnen und obwohl mir sicherlich einige Details der interessanten Vorgeschichte fehlen, konnte ich mich gut in die Handlung einfinden. 

In dieser Zeit wurden ledige Mütter als Schande angesehen, während die Väter ohne Vorwürfe davon kamen. Diesen Missstand erkennt Berghebamme Maria und setzt mit ihrem Mann Georg alles daran, den Frauen und ihren Kindern zu helfen und für sie ein Heim aufzubauen. Diese Aufgabe hilft ihr als Ablenkung dabei, die Sehnsucht nach einem eigenen Kind zu vergessen. Die Sallers werden von den Bewohnern angefeindet. Als ein besonderes Ereignis Marias Existen sowie die ihr anvertrauten Frauen bedroht, verliert Maria den Mut und will ihr Ziel aufgeben. Sie hat aber nicht mit Menschen gerechnet, die sich auf ihre Seite stellen und das Heim befürworten.  

Die flüssig erzählte Geschichte lässt sich unterhaltsam und fesselnd lesen, denn es geht um bewegende Schicksale von Frauen, die mir zu Herzen gegangen sind. Selten wurde den schwangeren Frauen geholfen und sie allein wurden für ihren Fehltritt verantwortlich gemacht. 


Die Thematik von ledigen Müttern wird nachvollziehbar und berühren erzählt, das Ende der Geschichte hatte ich genau so erwartet und konnte zufrieden das Buch schließen.   

***Herzlichen Dank an den Aufbau Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


 

Freitag, 14. November 2025

Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit - Anne Stern

Hulda als Gefängnis-Hebamme

 
Bei Rowohlt Polaris erscheint mit Fräulein Gold: Der Preis der Freiheit der achte Band der "Hebamme in Berlin-Reihe" von Anne Stern
 
Berlin, 1932: Hulda Gold arbeitet nun als Hebamme im Frauengefängnis Barnimstraße und versorgt inhaftierte Schwangere und Mütter mit ihren Kindern und steht den Frauen mit Rat und Tat zur Seite. Der Tod der jungen Insassin Ruth kommt völlig unerwartet und Hulda stellt Nachforschungen an. Auch die Kripo ist aktiv, in diesem Fall durch Kommissarin Irma Siegel, mit der Hulda nicht im Guten auseinander ging. Als Verdächtige kommt die Zellengenossin in Frage, doch die wegen versuchten Mordes Verurteilte steht kurz vor der Entbindung ihres Kindes. Warum sollte sie Ruth getötet haben? Während sich Hulda und Irma Siegel zusammenraufen, sorgt die Radikalisierung der politischen Lager für eine unheilvolle Stimmung.
 


 
Auch dieser Band spielt in Berlin und beginnt 1932. Während Hulda die Einschulung ihrer kleinen Tochter feiert, wird gerade die schwangere Anna Marwitz im Frauengefängnis in der Mütterzelle eingewiesen. Als kurz darauf die Insassin Ruth getötet wird, gerät Anna als Täterin in Verdacht. Doch das kann Hulda nicht glauben, denn die Hochschwangere hatte zu Ruth eher freundschaftliche Kontakte. 
 
Schnell bin ich in das Geschehen eingetaucht und habe neben der spannenden Mordaufklärung betroffen verfolgt, wie sich Hulda um ihre kranke Tochter sorgt. Anne Stern schildert das Geschehen wieder so lebendig und anschaulich, dass ich den Roman gespannt schnellstens ausgelesen habe. 
 
Die Handlung wird begleitet durch authentische Schilderungen, die eine düstere Atmosphäre sichtbar machen, die dem erstarkenden Nationalsozialismus und politischen Umbrüchen der Zeit geschuldet sind.  
Der Hass auf Juden, Sozialisten und Homosexuelle nimmt zu und versetzt die Betroffenen in Angst und Schrecken. Hulda scheint die drohende Gefahr noch nicht zu erkennen und setzt sich weiterhin hilfsbereit für die Schwangeren ein. 
In diesem Band kommt die emotionale Seite der Hebamme Hulda Gold sehr eindringlich zum Vorschein, sie sorgt sich um ihre schwangeren Schutzbefohlenen und vermittelt mit ihrer hilfreiche und zuversichtlichen Art spürbar Vertrauen und Hoffnung. Außerdem ist sie bemüht, den Spagat zwischen ihrem Beruf und der Mutterrolle zu schaffen. Ihre Sorge um ihre kranke Tochter Meta vermittelt Anne Stern absolut nachfühlbar und berührend. Man merkt, dass die Autorin selbst Mutter ist.  
 
Hulda Gold untersucht gemeinsam mit Irma Siegel den Mordfall und gerade durch die Zusammenarbeit kommen wesentliche Spuren ans Licht, die zur Lösung des Falles helfen. 
 
Der Roman lässt sich eigenständig lesen, doch zum besseren Verständnis sollte man einige Vorbände kennen. Die Handlung ist eine bunte Mischung aus Themen wie Mutterschaft, Wert von Freiheit und Leben in einer faschistischen Gesellschaft, die Anne Stern wunderbar miteinander verknüpft und in eine runde Geschichte verpackt.  
 
In diesem Band geht es spannend zu, aber auch bewegend und emotional und wie in der Reihe üblich, wird mit klarer Sichtweise die politische Entwicklung im dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte sichtbar gemacht.  
 
 
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  
 

  

Montag, 19. September 2022

Kaputte Herzen kann man kleben - Kristina Günak

Wohlfühlroman mit Selbstfindungsthematik einer Hebamme
 
Ein schöner Unterhaltungsroman über Selbstfindung, Frauen-Solidarität, Heimat und den Beruf der Hebamme

Kristina Günaks Roman "Kaputte Herzen kann mam kleben" erscheint im Lübbe Verlag.  
 
Hebamme war schon immer Luisas Traumberuft, doch sie ist alleinerziehend, ihr Ex drückt sich um die Unterhaltszahlungen der gemeinsamen Tochter Amelie und sie hat ihre liebe Not, alles zeitlich und finanziell zu stemmen. Die Überforderung macht sich mit starken Rückenschmerzen bemerkbar und Luisa wird krankgeschrieben. Die Zeit nutzt sie, um mit Amelie ihre Tante in St. Peter-Ording zu besuchen. Sie bekommt Physio beim ortsansässigen Tom, der für seine beruflichen Qualitäten überall bekannt ist, aber ansonsten als verschlossen gilt. Am Strand freundet sich Luisa mit einer liebenswerten Frauen-Clique an und auch Amelie fühlt sich auf dem Ponyhof und am Meer richtig wohl. Sie will gar nicht mehr zurück nach München. 
 

 
Luisa erkennt bei den Gesprächen mit ihren neuen Freundinnen, dass nicht nur sie allein unter Mehrfachbelastung leidet und sie lernt, dass Amelie doch schon selbstständiger ist als Luisa sich eingestehen möchte. Amelie kommt mit Mimi, Fiete und den neuen Freundinnen wunderbar zurecht und so kann Luisa sich auch mal um sich selbst kümmern. Langsam entwickeln sich Gefühle zum   Physiotherapeuten Tom, der nicht nur heilende Hände hat, sondern auch ein einfühlsamer Typ ist. 
 
Bei diesem Buch habe ich zu den beschriebenen Figuren viel Nähe aufbauen können und war gerne mit dem Fahrrad unterwegs, genoss das Leben auf Mimis Hof und erlebte das Nordseeflair St. Peter-Ordings mit Meer, Sturm und dörflicher Gemeinsacht. Alle Charaktere werden mit ihren speziellen Lebenssituationen beschrieben und es war mir, als würde ich sie alle kennen. 
 
Kristina Günak schreibt sehr lebendig, situationsbeschreibend und flott, sie beschreibt vielfältige Emotionen, schöne Erlebnisse auf dem Ponyhof und sogar mehrere Geburtsvorgänge, die die Handlung wirklich bereichern.
Die Autorin erklärt sehr deutlich, was der verantwortungsvolle Beruf der Hebamme mit sich bringt und wie Personalmangel, Arbeitszeiten und finanzielle Belastung durch Versicherungen diesem Berufsstand zu schaffen machen. Ich habe die authentisch dargestellte Situation des Berufes interessiert verfolgt und kann nur hoffen, dass sich weiterhin viele Frauen diesem Beruf widmen. Es geht im Buch aber auch um Frauensolidarität, um echte Freundschaft und soziales Miteinander. Die Liebesgeschichte verläuft eher auf Sparflamme, doch für Luisa und Amelie ist es in erster Linie mal wichtig, in einer neuen Heimat anzukommen und alles andere wird sich zeigen. 


Auch wenn hier einige Themen und Probleme angesprochen werden, war dieses Buch für mich ein Wohlfühlroman mit einer speziellen Atmosphäre und einer liebenswürdigen Gemeinschaft. 

 
                                 
 Günak, Kristina - Glück ist meine Lieblingsfarbe

Dienstag, 9. Februar 2016

Sara - Toril Brekke

Von den Anfängen des Berufsstandes der Hebamme

Toril Brekke ist eine norwegische Autorin, die in ihren historischen Romanen Zeitgeschichte anschaulich widerspiegelt. Ihr Roman Sara ist aus dem Jahre 2003 und sollte unbedingt wieder aufgelegt werden. Das Buch erschien im Droemer Knaur Verlag

Sara Cold ist die die Tochter eines Vogts und soll mit einem viel älteren Witwer verheiratet werden. Doch aus Verzweiflung brennt sie mit Oskar, einem armen Fischer durch. Den hat sie kurz zuvor kennen und lieben gelernt. 
Sara heiratet, lebt mit ihrem Mann an der westnorwegischen Küste und bekommt drei Kinder. Als Fischerfamilie haben sie mit Armut und auch mit viel Arbeit zu kämpfen. Ihr Mann bleibt auf See, leider für immer.
Sara kennt die Schwierigkeiten der Geburt und die harten Schicksale gestorbener junger Mütter und interessiert sich für eine Ausbildung als Hebamme, die ihr die Stadtobersten bezahlen. Ihre Kinder bleiben bei Verwandten. Nach Beendigung der Ausbildung kehrt sie zurück und versucht, ihre Kinder wieder als Familie zu verbinden. Sie heiratet den Lehrer, doch das ist ein Fehler. Ihren Beruf muss sie aufgeben und nur noch wie damals üblich Frau und Mutter sein. Etliche Geburten machen ihr danach zu schaffen.
Der zweite Teil des Romans zeigt die Geschichte der ältesten Tochter unter dem Titel "Die Frauen vom Fjord".  


Dieser Roman führt in die erste Hälfte des 19. Jahrhunderts nach Norwegen und zeigt die ärmlichen Bedingungen der Bevölkerung und auch die schlechte medizinische Situation der Zeit. Aber auch die unterwürfige Stellung der Frau der damaligen Zeit wird besonders hervor gestellt. 

Die Figur der Sara ist der Autorin meisterhaft gelungen. Sie ist die Heldin des Romanes und ihr einfühlsam geschildertes Schicksal begeistert mich ungemein. Man kann sich wunderbar hineinversetzen in Saras Rolle, die sie zu spielen hatte und ist tief betroffen, wie sehr Frauen nur als Muttertiere und Arbeitskräfte und ohne eigene Meinung angesehen wurden. Strenge Moralvorstellungen und männliche Doktrien waren die obersten Lebensrichtlinien, nach denen die Frauen zu funktionieren hatten. Ausbildungen von Frauen waren die Ausnahme und wurden nur so lange geduldet, bis eine Verheiratung die Frauen ihrer Selbständigkeit entriss. Was für ein schrecklicher Gedanke, wie hier mit Frauen umgesprungen wurde und wie es in manchen Kulturkreisen ja auch heute noch üblich ist.

Toril Brekke ist eine fantastische Erzählerin und überzeugt mit ihren lebensecht wirkenden Charakteren und einem wunderbaren Schreibstil.
Sie gibt den Lesern einen authentischen Einblick in das Leben dieser Zeit und zeigt die menschlichen Nöte und Sorgen sowie rückständige Moralvorstellungen. Mit emotional wirkender Schilderung wird man in dieses Zeit zurück versetzt und erlebt die Angst und Verzweiflung fast selbst mit. Das einfache harte Leben als arme Fischersfamilie schildert Brekke sehr deutlich, doch dort spürt man Harmonie und Hoffnung, während das reiche Zuhause Saras mit ihrem Lehrer eher Unterdrückung und eine leidende Seele offenbahrt.


Ein wunderbarer Roman, der in die Ursprünge der weiblichen Emanzipation eintaucht und einzigartig zu lesen ist. Unbedingt wieder neu auflegen, bitte!