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Mittwoch, 24. Juni 2026

Giftige Blüten - Luca Ventura

Krimivergnügen vom Feinsten

"Giftige Blüten" aus dem Diogenes Verlag ist der 7. Band der Capri-Krimireihe von Luca Ventura.

Lina Verde ist angehende Parfümeurin und benötigt für ihren Duft noch die besondere Blütenessenz einer seltenen Orchidee, die sie an den steilen Hängen von Capri sucht. Wenig später wird von Touristenführer Zeno leblos aufgefunden, der behauptet, er wäre mit Lina verlobt. Das ist fragwürdig, denn auf Nachfragen kann er kaum nähere Angaben zu der jungen Frau machen. Zeno ist als Lügner verschrien und für Rizzi und Cirillo sofort verdächtig. 

 



Auf Capri tauchen wir dieses Mal in die Welt der Düfte ein, wo sich Rizzi und Cirillo einem Fall widmen, der einige Fragen aufwirft. Die erste Aussage der Pathologie geht von einem Genickbruch als Todesursache aus, der auch die Folge eines Unfalls sein könnte. Doch der Instinkt der Ermittler sagt etwas anderes. Agente Rizzi und Cirillo sind ein eingespieltes Ermittlerduo, die ihre Theorien zum aktuellen Fall hartnäckig verfolgen und mit ihren Alleingängen ihren Vorgesetzten Lombardi zur Weißglut bringen.

Die Geschichte baut sich nach und nach auf und lässt Einblicke in das Leben der Verdächtigen und der Familie der Toten zu. Wir tauchen in die Welt der Parfümeure ein und erfahren, wie die Essenzen aus den Blüten entstehen und wie sehr dieser Markt von großen Erfolgen getrieben ist. 

Während Rizzi und Cirillo zu ihren Befragungen über die Insel streifen und aus berufliche Ausflüge nach Neapel unternehmen, erlebt man die frühlingshafte Natur dieser Gegend Italiens und bekommt Lust auf einen Urlaub auf der wunderschönen Insel. Zur Urlaubsstimmung passt der bildhaft angenehme Schreibstil perfekt und unterhält mit den gut gezeichneten und sehr lebendigen Figuren ohne dass Langeweile aufkommt. Ich habe das Buch in kürzester Zeit durchgelesen und wurde am Ende mit der Auflösung überrascht.  

Während Zeno den ersten Platz als Verdächtiger erhält, bringen neue Hinweise neue Verdachtsmomente mit sich und neue Spuren führen zu interessanten Wendungen im Fall. Hier gibt es einige Charaktere, die etwas verbergen und nicht mit offenen Karten spielen.  

Durch die Mischung von spannender Ermittlung, italienischem Flair und eingebautem Privatleben Rizzis und Cirillos ist dieser Band wieder rundum gelungen. Die gezeigten Probleme mit den Vorgesetzten, die  willkürliche Führung von Mitarbeiter:innen im Polizeiapparat und die Alleingänge der beiden Ermittler sorgen für interessante Szenen. Erst im Erfolgsfall ist ein Agente ein gewünschter Mitarbeiter.  

Rundum gelungener Krimi mit interessantem Fall, vielschichtigen Charakteren und einem schönem Setting. 

***Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

                                    

Samstag, 13. Juni 2026

Vega Varg – Das Schweigen der Insel - Åsa Hellberg

Komplexer Skandinavien-Krimi mit vielen Beziehungen

Im Heyne Verlag erscheint der Auftaktband Das Schweigen der Insel von Åsa Hellberg.  

Die ruhige Insel Südkoster an der schwedischen Westküste befindet sich nahe der norwegischen Grenze. Der Leichenfund eines jungen Mannes erschüttert die Bewohner, denn er war einer von ihnen. Polizistin Vega Varg, die in Nordkoster wohnt, übernimmt den Fall und tragischerweise kennt sie den Toten seit er ein kleiner Junge war. Er war der Spielgefährte ihrer beiden Söhne, die heute auch bei der Polizei arbeiten und gemeinsam mit Vega auf Spurensuche gehen. Kurz darauf verschwindet eine norwegische Zeugin, deshalb wird Vegas bester Freund und Kollege Leopold Posse aus Oslo hinzugezogen. Bei den Ermittlungen ergeben sich Parallelen zu einem Cold Case aus 1998, als Vegas Mann Peter getötet wurde.  


 

In diesem Krimi lernen wir Vega kennen, eine Frau Anfang 60, die mitten im Leben steht und sich nicht um ihr Erscheinungsbild schert. Nach dem Tod ihres Mannes hat sie ihre drei Kinder allein groß gezogen und nun arbeitet sie Seite an Seite mit ihren Söhnen bei der Polizei. Nur ihre Tochter Moa macht ihr Sorgen. Das Familienleben spielt in diesem Buch eine große Rolle und verleiht der Handlung eine angenehme Atmosphäre, die in wohltuendem Kontrast zu den Mordermittlungen steht. Leopold ist ein eigenwilliger Typ, der Patenonkel von Moa und mit Vega freundschaftlich verbunden. 

Beide kennen sich schon lange und wissen um ihre jeweiligen Stärken und Schwächen, die sie sinnvoll einsetzen, je nachdem was die Befragungen erfordern. Als Tatverdächtige kommen zahlreiche Personen in Frage, der gewalttätige Vater des Toten, aber auch eine Gruppe von norwegischen Immobilienmaklern, die zu einem Teambuilding-Seminar auf die Insel gereist sind und den Toten gefunden haben. Sie versuchen ihren Drogenkonsum und leidenschaftliche Affären zu verbergen, die Vega und Leopold aber schliesslich herausfinden. 

Åsa Hellbergs schlichter, aber nahbarer Erzählstil hat mich schnell gepackt und mir nicht nur die Landschaft und die Witterungsverhältnisse eindrücklich näher gebracht, sondern mich auch tief in den Fall hineingezogen. Einige Personen versuchen etwas zu verbergen, es gibt Rückblenden in die Vergangenheit, die den Tod von Vegas Mann Peter erklären und und Vegas familiäres Leben näher bringen. Diese Erkenntnisse sorgen für zusätzliche Brisanz, doch mehr möchte ich nicht verraten.  

Ich versuchte, den Mörder ausfindig zu machen, doch verschiedene Wendungen und neue Fälle sorgen für ein verwirrendes Bild und das wahre Mordmotiv bleibt bis zum Ende verborgen. Ich war gespannt, wie der Cold Case mit dem neuen Fall zusammen hängt und ob Vega den Täter kennt und freue mich jetzt schon auf den Folgeband.

Ein gelungener Krimiauftakt mit einem interessanten Ermittlerduo, packenden Wendungen und  nordischem Setting. 

 

***Herzlichen Dank an das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!*** 

 



Sonntag, 24. Mai 2026

Tödliche Hallig - Hendrik Berg

Fesselnder Krimi mit Wattenmeer- und Hallig-Atmosphäre 

Im Goldmann Verlag erscheint mit Tödliche Hallig von Hendrik Berg der 12. Band der Nordsee-Krimireihe. 

Im nordfriesichen Wattenmeer wird vor der Hallig Süderoog eine männliche Leiche gefunden. Theo Krumme und seine Kollegin Pat aus Husum untersuchen den Fall. Wer ist der Mann, wurde er angespült oder hier ermordet? Theo befragt die Bewohner der Hallig, ein junges Paar und eine Gruppe von Archäologiestudenten, die hier nach alten Schiffsspuren suchen.  

 


 

Direkt im Wattenmeer liegt einsam die Hallig Süderoog, die zur Gemeinde Pellworm gehört. Wer hier abgeschieden lebt, ist von den Gezeiten abhängig, nur umgeben von Wasser und den Geräuschen der Vögel und des Meeres. So einsam zu leben, ist nicht einfach und manchmal wohl auch beängstigend, wenn Stürme toben und die Wellen über die Hallig steigen. Hendrik Berg hat diese spezielle Stimmung gut eingefangen und in seinen Krimi eingewoben. 

Der Ermittler Theo Krumme ist ein sympathischer und angenehmer Mensch, der seine Arbeit einfühlsam und mit der nötigen Ruhe erledigt. Mit seiner Kollegin Pat ist er ein eingespieltes Team, die sich gut ergänzen. Der flüssige Erzählstil Hendrik Bergs lässt sich sehr gut lesen, die Figuren werden vor dem Hintergrung der Nordsee-Atmosphäre mit den Gezeiten der Nordsee vorgestellt und man kann sich gut in die Handlung hineinfühlen. Für gruselige Stimmung sorgt die alte Legende um den dunklen Nickels, der aus dem Meer steigt und Menschen holt. Einige Figuren scheinen mit ihren fiesen Charakterzügen direkte Nachfahren dieses Nickels zu sein. Deshalb vermischt sich im wabernden Nebel öfter Legende und Wahrheit. 

Dank der bildhaften Landschafts- und Szenenbeschreibungen war ich mittendrin, spürte die wechselnde Atmosphäre des Meeres und erlebte die Figuren aus nächsten Nähe. Ich rate bei Krimis immer gerne mit, doch es war mir nicht möglich, den Täter selbst zu ermitteln, dafür kamen einige Hinweise erst sehr spät. 
 
Die Spannung baut sich allmählich auf, es gibt eine fesselnde Grundstimmung und einige bedrohliche Szenen sorgen für Nervenkitzel. Die Mischung aus glaubhafter Ermittlertätigkeit, die örtlichen Wechsel zwischen Pellworm und der Hallig und ein Gang durchs Watt wirken sehr authentisch und prägen den Krimi in besonderem Maße.  

Fesselnder Krimi, der mit einem interessanten Fall, echter Nordsee-Atmosphäre und glaubhaften Figuren punktet!

 
***Herzlichen Dank an das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!***  
 

 
 
  • Berg, Hendrik - Lügengrab 2
  • Berg, Hendrik - Schwarzes Watt 4
  • Berg, Hendrik - Kalte See 5  
  • Berg, Hendrik - Dunkler Grund 7
  • Berg, Hendrik - Tödliche Hallig 12 
  • Freitag, 22. Mai 2026

    Windjammer - Gisa Pauly

    Mamma Carlotta ist Kult!

    Im Piper Verlag erscheint mit Windjammer der 20. Band der Reihe um Mamma Carlotta von Gisa Pauly. 

    Mamma Carlottas Stammkneipe feiert 20. Geburtstag, doch so richtig Zeit zum Mitfeiern hat sie leider nicht, denn Ehepaar Lünnemann glaubt ihr verschwundenes Kind wiedererkannt zu haben, das vor fünf Jahren im Babyalter verschwand. Das berührt Carlottas Herz ganz besonders und auch ihr Schwiegersohn Kriminalhauptkommissar Erik Wolf kümmert sich um den Fall, wird aber in eine Mordermittlung hineingezogen. Ein Bildhauer ist getötet worden und anscheinend hatte er einige Geheimnisse zu verbergen.   


     

    Wer die Reihe kennt, weiß, dass man mit der vorwitzigen und lebensbejahenden Carlotta viel erleben kann und neben ihren kulinarischen Köstlichkeiten auch Krimispannung und Humor erwarten darf. 

    Ich habe mich auf ein Wiedersehen mit Carlotta und ihrer Familie auf Sylt gefreut und auf ihre wunderbaren Gerichte, mit denen sie sie verwöhnt. 

    Dieses Mal darf Carlotta sogar offiziell bei den Ermittlungen um den verschwundenen Jungen mithelfen. Natürlich mischt sie auch im Fall den toten Bildhauers mit und versucht gleichzeitig, es ihrer Familie und ihren Freunden recht zu machen. Der charmante Gastwirt Giovanni versucht sein Glück bei Carlotta, was ihrem Enkel Felix total missfällt, der bei Giovanni eine Kochausbildung erhält. Und Tove Griess, Wirt der Käptn’s Kajüte, möchte Carlotta gerne für sein 20-jähriges Jubiläum anheuern. Es wird nicht langweilig und die quirlige Italienerin ist mit vollem Engagement bei der Sache.

    Durch die parallel laufenden Handlungsstränge wird man über die Ergebnisse der Ermittlungen informiert und in einem rasanten Tempo in Carlottas private Erlebnisse eingebunden. Verschiedene Perspektiven und Szenenwechsel sorgen für Spannung und die personellen Verwicklungen bringen einige Verdachtsmomente mit sich. 

    Wie gewohnt sorgt Carlottas italienische Küche sehr als Appetitanreger und wer Lust auf so ein Gericht bekommt, kann die Rezepte im Anhang nachkochen.  

    Die temperamentvolle Italienerin ermittelt mit ganz viel Herz auf Sylt! Schönes Nordsee-Flair, italienische Küche und ein kniffliger Fall sorgen für gute Unterhaltung.  

     

    ***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 


     

    Freitag, 24. April 2026

    Gärten, Gift und kalte Rache - Klaudia Blasl

    Wortwitziger Gartenkrimi

    Gärten, Gift und kalte Rache von Klaudia Blasl ist der dritte Band der Reihe aus dem Emons Verlag.

    Oberdistelbrunn soll attraktiver für Touristen werden, alles soll blühen und mehr Insekten anlocken, die dann für mehr Biodiversität sorgen. Doch der Fund eines Hundeskeletts führt zu einer mysteriösen Gift-Mordserie in Gang, die das Dorfleben massiv in Aufregung versetzt. Wer will hier schon Urlaub machen, wo ein Giftmörder sein Unwesen treibt? Die Polizei ist uninteressiert und ratlos und so kommen die Hobbygärtnerinnen Berta und Pauline ins Spiel, die sich als potentielle Miss-Marple-Nachfolgerinnen bereits mehrfach bewiesen haben.  

     


     

    "Er hat sich ja geweigert, an einen Massenmörder ... zu glauben. Diese Realitätsverweigerung hatte ihn das Leben gekostet. Ein bei Männern sicher häufiger Wesenszug. Sie hielten sich so lange für unsterblich, his der Herzinfarkt, eine zu scharfe Kurve oder eben ein Mörder zuschlug." Zitat Seite 283    

    Direkt vor Paulines Haus wird der tote Jürgen Kofler gefunden, er war Revierjäger des Dorfes. Doch was wollte er von Pauline? Kurze Zeit später wird eine weitere männliche Leiche gefunden, ebenfalls ein Jäger. Da die örtliche Polizei nur wenig auf die Reihe bekommt und Paulines Miss-Marple-Instinkt geweckt ist, geht sie wie gewohnt mit Unterstützung ihrer Freundinnen auf Spurensuche. 

    Klaudia Blasls Krimis enthalten Gartenthemen und interessante Informationen über Heilpflanzen. Sie zeigt uns das Dorfleben mit einem warmherzigen Blick auf die Bewohner und ihre Gewohnheiten. Erneut hat die Autorin in der Giftküche des Gartens und der Botanik geschnuppert und sich eine ganz spezielle Mordserie erdacht, der ihren Krimi mit viel Wortwitz, reichlich Gartenwissen und liebenswerten Hobby-Ermittlerinnen zu einer lesenwerten Lektüre macht. 

    Ein toter verbuddelter Hund macht den Anfang, danach folgen weitere Todesfälle im menschlichen Milieu. Lange Zeit fehlt eine heiße Spur zum Täter, doch die beiden charmanten älteren Damen Pauline und Toni verbeißen sich wie Spürhunde in die Ermittlungen. Nebenbei muss sich Pauline auch noch um ihren an einem Herzinfarkt erkrankten Mann kümmern. Die Handlung wurde dank der vielen eigenwilligen Charaktere nicht langweilig, die Spannung steigt allmählich an und ich wurde mit interessantem, giftigen Gartenwissen versorgt, was mich potentiell auch zu einer Giftmörderin machen könnte. 

    Die Erzählweise kommt mit perfekt gesetztem Wortwitz und Situationskomik daher und die Figuren wirken, auch wenn sie größtenteils die 60 berschritten haben, sehr lebendig und authentisch, jedenfalls die lebenden. Wieder mit von der Partie ist der deppige Hauptkommissar Hartmann und viele liebenswerte Dorfbewohner, die die Geschichte zu einem Lesevergnügen werden lassen. Allen voran die scharfzüngige Ex-Lehrerin und Dorf-Miss-Marple Pauline, die uns als Erzählerin immer genau erklärt, wie sie ihre Mitmenschen einschätzt und was sie von ihnen hält. Ich hatte einen Verdacht, wer hinter den raffiniert ausgeführten Giftmorden stecken könnte, doch ich konnte mir insgesamt keinen Reim darauf machen. Die Auflösung am Ende ist logisch und zeigt ganz klar, dass Rache nicht bekanntermaßen süß ist.  

    Wer humorvolle und gut geschriebene Cosy Crime mag, sich für die Giftwirkung von harmlos erscheinenden Alpenveilchen und Co. interessiert und der agilen Pauline beim Ermitteln über die Schulter schauen möchte, sollte Gärten, Gift und kalte Rache unbedingt lesen.  

     

    ***Herzlichen Dank an den Emons Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

     


     
  • Blasl, Klaudia - Gärten, Gift und tote Männer  
  • Blasl, Klaudia - Gärten, Gift und große Liebe 2
  • Blasl, Klaudia - Gärten, Gift und kalte Rache 3 
  • Dienstag, 31. März 2026

    Schroffe Klippen - Nicola Förg

    Ein vielschichtiger Krimi!  

    Schroffe Klippen von Nicola Förg ist der 17. Band der Irmi-Mangold-Krimi-Reihe aus dem Piper Verlag.  

    Kommissarin Irmi Mangold befindet sich im Ruhestand und könnte sich eigentlich einen faulen Lenz machen. Doch hilfsbereit wie sie ist, unterstützt sie ihre Freundin Luise beim Umzug einer Katzenstation auf ihren Hof. Ein Anruf von Luises in Irland lebender Tochter Babsi sorgt für Aufregung. Sie berichtet von ihrer Freundin Anja, die man tot an den Klippen bei Hell's Hole aufgefunden hat. Die Polizei geht von einem Unfall aus, doch Babsi vermutet eher ein Verbrechen und bittet Irmi, sich die Lage vor Ort anzusehen. Irmi lässt sich überreden und begibt sich gemeinsam mit dem Studenten Malcolm auf Spurensuche. Als sie erfährt, dass auch die Tochter der Toten verschwunden ist, nimmt der Fall brisante Formen an. Anja scheint nicht nur Freunde gehabt zu haben und zu den Verdächtige zählen die Schwiegereltern und gewissenlose Greyhound-Züchter. Anja lebte als digitale Nomadin in einem Camper am Strand und arbeitete remote bei einer Pharmafirma. Der Fall wird immer interessanter, je mehr Irmi darin eintaucht.


     

    Wie gewohnt lässt Nicola Förg in ihre Krimireihe aktuelle Themen einfließen und verbindet sie mit einem Verbrechen, das Kommissarin Irmi Mangold aufkläen muss. 

    Als ihre Freundin Luise sie bittet, in Irland den Fall einer an den Klippen zerschellten jungen Frau nachzugehen, zögert Irmi zunächst. Aber die Aussicht auf die Landschaft der rauen Nordwest-Küste reizt sie und ihr Ermittlerinteresse ist auch geweckt. 

    Der Prolog zeigt uns wie Irmi als Touristin durch die grüne irische Natur fährt und dann schwenkt die Handlung beschaulich zurück ins Allgäu, wo sich Irmi mit Luise der Katzenrettung hingibt und über die Namenswahl nachdenkt. 

    Die Reise nach Irland bedeutet für Irmi eine Trennung von ihrer geliebten Heimat und ich bin davon überzeugt, nur die Aussicht auf einen spannenden Fall hat sie dazu bewegt. 

    Die Geschichte verläuft sehr ruhig, neben schönen Landschaftsschilderungen erlebt man wie Irmi Golfstunden nimmt und sich ansonsten den Ermittlungen des Falls widmet. Malcom unterstützt sie dabei tatkräftig und vermittelt ihr einen Eindruck des irischen Lebens. Aus ihrem Interesse für den Tierschutz sieht sich Irmi in der Greyhound-Haltung um. Insgesamt gesehen, lebt der Krimi von den Ermittlungsfakten, den authentischen Dialogen und den unterschiedlichen Menschen, die Nicola Förg lebensecht und mit eingestreutem Humor abbildet. 

    Der Fall bietet wieder jede Menge Stoff zum Nachdenken. Neben der fragwürdigen Greyhoundszucht und den Hunderennen in Irland geht es um die moderne Arbeitswelt, die Menschen zu einem Leben als digitale Nomaden antreibt, um die größte Work-Life-Balance auszukosten. Aber auch die Pharmaindustrie wird näher beleuchtet und gefährliche Nebenwirkungen von Medikamenten erhalten im vorliegenden Fall eine besondere Bedeutung. 

    Was mich sehr überrascht hat, war die Einbindung von verschiedenen englischen Songtexten aus der persönlichen Playlist von Irmi Mangold. Hier scheint Frau Förg ihren persönlichen Musikgeschmack verewigt zu haben, denn die Songs sind überwigend aus den 80ern. Obwohl ich viele Songs kenne, fand ich die vielen abgedruckten Texte insgesamt langweilig und habe sie mir nicht näher angesehen.  

    In diesem vielschichtigen Krimi macht Nicola Förg aufmerksam auf die sich verändernde Arbeitswelt der Gesellschaft und auf die Profitgier der Pharmaindustrie. Die Ermittlungen sind wie gewohnt unterhaltsam und zeigen, das in jedem Menschen ein Verbrecher schlummert.  


    ***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

     


     
  • Förg, Nicola - Hüttengaudi 3 
  • Förg, Nicola - Das stille Gift  7
  • Förg, Nicola - Markttreiben
  • Förg, Nicola - Scharfe Hunde 8
  • Förg, Nicola - Rabenschwarze Beute 9   
  • Förg, Nicola - Wütende Wölfe 10
  • Förg, Nicola - Böse Häuser 12  
  • Förg, Nicola - Zornige Söhne 15
  • Förg, Nicola - Verdammte Weiber 16  
  • Förg, Nicola - Schroffe Klippen 17
  • Freitag, 6. März 2026

    Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl - Fabio Nola


    Der Tote an Karfreitag

     
    Bei dtv erscheint Fabio Nolas Krimi Commissario Gaetano und das letzte Abendmahl, der zweite Teil seiner Reihe "Gaetano ermittelt".
     
    In der Osterwoche finden in Neapel viele Prozessionen statt, daran nehmen die Neapolitaner zahlreich statt. Sie feiern ausgelassennicht und füllen die Straßen und Fischrestaurants. Commissario Gaetano genießt die Feiertage lieber auf dem Weingut seines Vaters im kampanischen Hinterland, wo auch sein pflegebedürftiger Bruder Aniello und seine Nichte Carla mit ihrem Mann Michele anwesend sind. Gaetanos Auszeit endet schon am Karfreitag als Gaetanos Urlaubsvertretung Beppa Bellucci ihm einen Leichenfund im Hafenbecken meldet und ihn um Mithilfe bei den Ermittlungen bittet. Mitten im Ostertrubel tauchen beide in die quirlige Statt ein, wo alte Traditionen sich gegen die Moderne behaupten wollen. 
     

     
     
    Nach dem ersten Band der Reihe war ich besonders gespannt auf den neuen Fall Gaetanos und wurde nicht enttäuscht. Für alle Neueinsteiger, der Krimi lässt sich eigenständig und ohne Vorkenntnisse lesen.  

    Der Tote heißt Paolo Marchesi, ob er durch Fremdverschulden oder einen Unfall zu Tode kam, muss erst noch geklärt werden. Die junge Beppa Bellucci benötigt Gaetanos Hilfe, sie ist ein pfiffiger Kopf, scheitert aber am Chauvinismus der Neapolitaner und wird von Kollegen in ihrer Arbeit behindert. Marchesi arbeitet in einem Betrieb, der Algenpräparate herstellt und an die Börse strebt. Nähere Informationen über den Toten bekommen die Ermittler von Paolos Tochter Franca, die ihnen auch von Paolos schwangerer Geliebten Ilaira Dubbio erzählt. Der Fall führt in unterschiedliche Bereiche und bringt viele Rätsel und Tatverdächtige mit sich. Das Miträtseln wird auf eine schwierige Stufe gestellt und ich habe den Ermittlern interessiert über die Schulter geschaut. 

    Die Ermittlungen werden aufgelockert durch das Privatleben Gaetanos und wir erfahren auch die Sorgen seiner Familie. Damit erleben wir die italienische Kultur, die Traditionen zu Ostern und auch das Kulinarische dieser Gegend. Ich habe mich durch die verschiedenen neapolitanischen Begriffe und Namen wie in Italien gefühlt und besonders beim Essen sofort Appetit bekommen und in Urlaubserinnerungen geschwelgt. Sprachlich fremde Ausdrücke werden im Glossar übersetzt und so hat man keine Schwierigkeiten mit der Sprache.  

    Der Kriminalfall ist knifflig und enthält einige Spuren, die sich im Handlungsverlauf immer mehr verdichten. Die Spannung verläuft auf einem niedrigen Level, dafür taucht man sehr authentisch ins trubelige Neapel ein und erlebt mittendrin die Osterfeiertage. Zum Ende hin zieht die Spannung des Krimis dann noch einmal deutlich an und die Auflösung hat mich sehr überrascht.

     
    Einfach nur toll geschrieben! Ein raffiniert gestrickter Fall, lebendige Ermittler und viel italienisches Flair!
     
    ***Herzlichen Dank an den dtv für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     

    Dienstag, 24. Februar 2026

    Matjes al dente - C. Franke/C. Kuhnert

    Comfort Reading mit Küstenflair 

     
    Der Ostfriesen-Krimi Matjes al dente von Christiane Franke und Cornelia Kuhnert erscheint im Rowohlt Verlag. Es ist der 13. Band der Reihe um Henner, Rudi und Rosa.  
     
    Als Postbote Henner während seiner Postrunde Tjalda, die Veranstalterin für Seebestattungen, erschossen auf ihrem Schiff gefunden hat, geht die schlimme Nachricht wie ein Lauffeuer durch ganz Neuharlingersiel. Und dabei heißt ihr Schiff auch noch ausgerechnet «Meeresglück».
     
    Die Kripo Wittmund tippt auf einen Mafia-Mord, weil Tjaldas Mann Italiener ist und auch noch Mitglied im Hanf-Verein. Sollte das organisierte Verbrechen sich nun auch schon im beschaulichen Neuharlingersiel angesiedelt haben?  
     


     
    Lehrerin Rosa Moll möchte ihre Sommerferien genießen und hat sich zu einem Kitesurfing-Kurs angemeldet. Dort lernt sie einen netten Mann kennen und ignoriert erstmal die Ermittlungen. Aber als Henner verdächtigt wird, mischt sie gemeinsam mit Rudi wieder munter bei der Spurensuche mit.    
     
    Wie gewohnt schaffen es die beiden Autorinnen, mich in die lieb gewonnene Gemeinschaft der Figuren einzubeziehen und mit Wortwitz, reichlich Lokalkolorit und leckerer Küche gut zu unterhalten. 
     
    Dieses Mal thematisieren die Autorinnen Seebestattungen, die aktuell hoch im Kurs stehen und in der Bestattungsbranche boomen. Sie bringen auch die Hanf-Vereine mit ins Spiel und informieren über die Anbau-Bedingungen. Wer kifft, macht sich schon mal verdächtig. Oder hatte die italienische Mafia durch eventuelle Drogengeschäften etwa noch eine Rechnung offen? Es bleibt spannend, weil man die Hintergründe für den Mord nicht sofort erkennen kann. Als weitere Morde geschehen, ist Eile geboten. 
     
    Ich habe das Trio gerne bei ihren gemeinsamen Aktionen begleitet, hätte mich über eine Einladung bei Mudder Steffens zum Mittagessen gefreut und amüsierte mich über den Wichtigtuer Kommissar Schnepel. Dieser Krimi bietet trotz der vielen Morde eine Wohlfühlatmosphäre, bei der man gut abschalten kann.  
    Meiner Meinung nach hätte es noch ein wenig mehr Spannungsmomente geben können. 
     
    Wer die Reihe noch nicht kennt, findet am Ende des Buches eine Übersicht der genannten Personen aufgelistet und dazu noch einige Rezepte der erwähnten Spezialtitäten.  
     
    Ein humorvoller Regionalkrimi mit großem Unterhaltungswert und liebenswerten Figuren.
     
    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

     

    Mittwoch, 17. Dezember 2025

    Der Sünde Sold - Inge Löhnig

    Ein Mix aus Krimi und Charakterstudien 
     
    Im Penguin Verlag erscheint die Wiederauflage des ersten Kommissar Dühnfort-Krimis "Der Sünde Sold" von Inge Löhnig.  
     
    Agnes zieht nach einem familiären Schicksalschlag ins beschauliche Mariaseeon, einem kleinen Ort bei München. Hier möchte sie das Vergangene verarbeiten und neu beginnen. Doch dann findet sie auf ihrer Jogging-Runde den fünfjährigen, völlig verstörten Jacob, der seit Tagen vermisst wird. Hauptkommissar Konstantin Dühnfort übernimmt den Fall und als eine Leiche gefunden wird und eine weitere Frau verschwindet, startet die Tätersuche nach einem Sadisten, denn die Hinweise deuten auf religiös motivierte Taten hin.
     

     
      
    Inge Löhnigs Krimi startet gemächlich und mehr als Roman, der in einer Dorfgemeinschaft spielt, die an ihren Traditionen und Geheimnissen festhält. Die Geschichte nimmt trotz des vermissten Kindes langsam an Fahrt auf. Je mehr ich gelesen habe, umso mehr konnte ich mich in die verschiedenen Charaktere und ihre jeweiligen Lebensumstände einfühlen und versuchte, mir ein Bild der Vorgänge zu machen. 
    Insgesamt kommt die Spannung etwas zu kurz, der Wechsel der Perspektiven erfolgt recht flott und die Handlung hat einige Längen. Vor allem hatte ich mir Kommissar Dühnfort durchaus charismatischer vorgestellt. 
    Der Fall dreht sich um einen Sadisten, der Menschen nach dem Gesetz der Inquisition bestrafen will. Diese Tatsache sorgt für gruselige Stimmung. Ich hatte eine Vorahnung, wer der Täter sein könnte, die sich am Ende bewahrheitet. Das hat mich nicht gestört, ich fand das Thema eines Traumas aufgrund von Vergangenheitserlebnissen gut umgesetzt. Mit verschiedenen Verdachtshinweisen führt die Ermittlung den Leser immer mehr in psychologische Abgründe der menschlichen Seele hinein.  
    Der Erzählstil ist flüssig, lebendig und bildhaft beschreibend und lässt sich gut lesen.
     
    Mit Dühnfort wurde ich nicht so recht warm, er ist zu angepasst, zu ernsthaft und auch nicht der große Ermittler, dessen logische Denkweise mich beeindruckt hat. Ein wenig mehr Charisma oder ausgefallener hatte ich ihn mir erhofft.   
     
    Ich fand den Band der Krimireihe solide, weil die Handlung mich nicht genügend fesseln konnte. 
     

    ***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und den Penguin Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

     

    Sonntag, 14. Dezember 2025

    Die Frau, der Ruhm und der Tod - Christine Grän/ Marianne von Waldenfels

    Spannender Krimi trifft Gesellschaftsroman

     
    Im Droemer Verlag erscheint der Kriminalroman "Die Frau, der Ruhm und der Tod" von Christine Grän und Marianne von Waldenfels.
     

    Hauptkommissarin Clara Frings baut die Abteilung "Gewalt gegen Frauen" auf und hat ihren erster Fall als der Schlagerstar "Mona Lisa" vor laufenden Kameras in der Talkshow von Claras bester Freundin Elfi Mayer stirbt. So friedlich die Schlagerbranche auch den Hörern erscheint, dahinter steckt Geldgier und der harte Kampf um den Verkauf von Platten. Die Sängerinnen sind oft nur Mittel zum Zweck. 

    Während Clara ihre Polizeiarbeit erledigt, ist ihr Freund Heinz in der Fluchthelfer-Szene aktiv und bringt sich damit in Gefahr.   


     

     
    "Harte Währung kann Mauern überwinden - ein verbindender west- und ostdeutscher Spruch. Damit können Strafvollzugsbeamte oder ihre Familienmitglieder geschmiert werden." Zitat S. 249  
     
    Clara Frings ermittelt in einem dunklen Sumpf von Einflussnahme in der Schlager-Welt, Spionage und den politischen Verwicklungen der damaligen Zeit zwischen Ost und West. Die Handlung lässt uns diese Zeit nachträglich Revue passieren und die gesellschaftlichen Probleme sichtbar werden. 
     
    Das Besondere an diesem Krimi ist die gelungene Mischung aus Kriminalfall und gut geschilderten historischen und gesellschaftlichen Elementen, die die Zeit zwischen 1975 und 1976 authentisch abbilden und mir diese Ära wieder bewusst werden lassen. Eine turbulente Zeit, in der Feministinnen sich für ihre Rechte einsetzen, während Anschläge der RAF Deutschland erschüttern, Spione ihr Unwesen treiben, Fluchthelfer die Menschen aus dem Osten in den Westen schleusen und im Libanon ein Bürgerkrieg tobt. 
     
    Die historischen Fakten werden im Anhang noch einmal chronologisch zusammen gefasst und sind von ihrer Brisanz her besser gebündelt als so manches Geschichtsbuch das kann.
     
     
    Der Erzählstil ist klar, anschaulich und flüssig und lässt mit den historischen Fakten jede Menge Zeitgeist einfließen und damit die Zeit lebendig werden. Die Autorinnen schaffen es, die Menschen und ihre Schicksale in den Vordergrund zu stellen und ihre Beweggründe für ihr Handeln sichtbar zu machen. 
     
    Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, die männliche Großspurigkeit einiger Personen verachtet und mich in die Lösung der Mordfälle vertieft. Hier gibt es einige Verdächtige und die besonderen Verknüpfungen der Morde sind nicht so offensichtlich, dass es mir gelungen ist, die Zusammenhänge selbst zu lösen. Doch das tat meinem Interesse an dem Krimi keinen Abbruch, die Hintergründe legen halt viele Spuren, die zu einem intelligent gestrickten Krimi gehören. 
    Ich bin begeistert und froh, dieses Buch gelesen zu haben. Nur der Titel hatte für mich nicht die Zugkraft, die dieser Krimi verdient hätte.      
     
      
    Ein intelligent und dennoch unterhaltsam geschriebener Krimi, der es mit Spannung, berührenden menschlichen Schicksalen und einer gehörigen Portion Zeitgeist schafft, die Leser zu fesseln. Meine volle Empfehlung für diesen Krimi! 
      
     
    ***Meinen herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Droemer Verlag und an Ehrlich&Anders!***
     

     

    Freitag, 3. Oktober 2025

    Eisige Flut - Nina Ohlandt

    Mysteriöse Eisleichen 

    Eisige Flut ist der 5. Band von Nina Ohlandts Nordsee-Krimi, der Titel erschien 2018 bei Bastei Lübbe.  

    Als Elke Derling an einem eiskalten Morgen im Februar die Tür öffnet, um die Zeitung zu holen, bekommt sie den Schock ihres Lebens. Vor der Tür steht ihre Tochter Anja, sie ist tot und von Kopf bis Fuß in einer Eishülle gefangen. Der in dem Fall ermittelnde Kommissar Benthien steht vor einem Rätsel. Warum hat der Mörder Anjas Leiche so grotesk in Szene gesetzt? Als weitere Eisleichen gefunden werden, kommt Bewegung in die Mordserie und Benthien entdeckt Verbindungen, die in die Vergangenheit führen. 
     

     

    Nina Ohlandt präsentiert den eisigen Winter an der Nordsee sehr authentisch und überträgt die nordische Kälte mit ihren Beschreibungen der Schauplätze direkt auf den Leser. Die schockierende Art der Zurschaustellung der Eisleichen hat bei mir eine gruselige Grundspannung erzeugt. Doch dann folgen endlose Befragungen durch Benthiens Team, in denen auch DNA Spuren gesichert werden, das Team ist rund um die Uhr im Einsatz, um eine hilfreiche Spur zu finden. 

    Der Krimi fängt spannend an, die Ermittlungen sind umfangreich, aber insgesamt recht spannungsarm. Es folgen einige Verdachtsmomente und Wendungen, die interessant sind, mich aber nicht großartig gefesselt haben und die Spannung leider nicht weiter aufbauen. Dagegen sorgt zum zum Ende hin eine ereignissreiche Täterverfolgung dann wieder für eine Dramatik, die den Täter auf recht überraschende Weise präsentiert.  

    Das Privatleben Benthiens und von Lilli Velasco spielt in diesem Band eine große Rolle. Das lockert die Geschichte unterhaltsam auf. Mir gefällt auch die Idee von Benthiens Vater, er hat nun einen Foodblog und bringt damit neuen Wind in die Familie. 

    Zwischendurch tauchen einige rätselhafte Briefe zwischen Vater und Tochter auf, in denen schreckliche Lebensumstände sichtbar werden. Die Schlüsselrolle der Verbindung zu den Morden konnte ich leider nicht erkennen. Insgesamt gesehen erscheinen die vielen Figuren recht unscheinbar und in der Darstellung auch recht blass. Ich hatte nach der ungewöhnlichen Zurschaustellung der Leichen mehr Grundspannung erwartet. 

    "Eisige Flut" ist ein unblutiger Krimi, der mich mit einer großartigen Grundidee und einer spürbaren winterlichen Kälte mit Nordseeflair gut unterhalten hat.





    Freitag, 26. September 2025

    Steckerlfisch-Fiasko - Rita Falk

    Derber Humor und schräge Figuren sorgen für eine kurzweilige Story 

     
    Steckerlfisch-Fiasko ist der 12. Band der Eberhofer-Krimireihe von Rita Falk, die bei DTV erscheint.
     
    Niederkaltenkirchen hat jetzt einen Golfclub, so ein Schickimicki erregt die Dorfgemüter und erst recht, als der Präsident des Golfclubs und zugleich Steckerlfischkönig dort tot in der Saunalandschaft aufgefunden wird. Franz hat bei diesem Fall sofort den Polizeipräsidenten und auch Richter Moratschek im Nacken, die schlechte Publicitiy von ihrer Heimat gar nicht brauchen. Eberehofer ermittelt in alle Richtungen, benötigt mal wieder die Hilfe vom Rudi und ist total genervt, weil seine Susi nur noch ihre Bürgermeisterkandidatur im Kopf hat. Und wie kann es sein, dass ausgerechnet sein Sohn, der Pauli, sich als Sportart das Kinderballett ausgesucht hat? Das Weltbild vom Franz beginnt zu bröckeln!
     

     

     
    Wer die Familie und die Spezies vom Rudi bereits kennt, darf sich in diesem Band auf die skurrilen Figuren mitsamt dem Familienklüngel freuen. Der Franz hat Mühe, zwischen Susis Karrieredenken, dem neuen Fall und anderen Dingen, seinen gewohnten ruhigen Stiefel zu schieben. Und die für Ermittlungszwecke erworbene, leckere Makrele wird ihm auch nicht gegönnt. Der Rudi übernimmt mal wieder die Ermittlungn vertieft sich in das Tagebuch der Ehefrau des Toten und findet allerlei Fakten heraus, die durchaus relevant sind. Doch wie gewohnt belächelt Franz diese Erkenntnisse und setzt sich mit seinem Machodenken über diverse Angelegenheiten hinweg und kümmert sich lieber um sein eigenes Wohlbefinden. Und er hat Glück, denn die Verpflegung und den Haushalt  übernimmt die neue Perle Julika, während die Oma eine wohlverdiente Reha macht. 
     
    Das herrlich schräge Privatleben wird mit den Eigenarten der Figuren humorvoll geschildert und spielt wie so oft eine übergeordnete Rolle, die mich amüsiert und gut unterhalten hat. Franz bleibt seinen Macken treu, dagegen geht der Krimifall mit den Tatverdächtigen und wagen Ermittlungen vom Franz ein wenig unter. Dieser Mord wirft einige Fragen auf, die mir das Miträtseln nach dem Täter erschwert haben. Erst zum Ende hin bekommt man die entsprechenden Hinweise geliefert und Franz ein Geständnis vom Täter.  
     
    Diese Reihe lebt von den Figuren und ihren speziellen Charakteren, von alltäglichen Missgeschicken und Saufgelagen und vom besonderen Eigenleben des Franz Eberhofer. Mit einigen gesellschaftlichen Veränderungen kann er nichts anfangen, dazu gehört das Ballett für Jungen, die vegane Küche und die Selbstbestimmung von Frauen, die ihre Karriere verfolgen. Er kann einem mit seinen hinterwäldlerischen Ansichten schon ein bißchen leid tun, aber es freut mich auch, dass er immerhin mal von der Oma Paroli geboten bekommt, die Susis Situation mit ihm als Lebensgefährten gut versteht und für sie Partei ergreift. 
     
    Das Fiasko bekommt durch die liebenswert ehrliche Schilderung der Figuren mit all ihren Eigenarten eine kurzweilige Note und enthält als kleines Schmankerl ein paar Rezepte aus dem Hause Eberhofer. Die Lösung des Falls ist überraschend und hätte meiner Meinung nach etwas mehr Tiefe verdient. Trotzdem kann ich diesen Krimi für Fans der Reihe und allen anderen Lesern als humorvolle Lektüre empfehlen!  

                                      


     

  • Falk, Rita - Winterkartoffelknödel
  • Falk, Rita - Dampfnudelblues 2
  • Falk, RitaSchweinskopf al dente
  • Falk, Rita - Grießnockerlaffäre 4
  • Falk, Rita - Sauerkrautkoma 5
  • Falk, Rita - Zwetschgendatschikomplott 6
  • Falk, Rita - Leberkäsjunkie 7  
  • Falk, Rita - Kaiserschmarrndrama 9
  • Falk, Rita - Guglhupfgeschwader 10
  • Falk, Rita - Rehragout-Rendezvous 11  
  • Falk, Rita - Steckerlfisch-Fiasko 12 
  • Falk, Rita - Apfelstrudel-Alibi 13
  • Freitag, 11. Juli 2025

    Bretonische Versuchungen - Jean-Luc Bannalec

    Der Schmelz von Schokolade

     
    "Bretonische Versuchungen" ist Kommissar Dupins vierzehnter Fall, der Krimi von Jean-Luc Bannalec erscheint bei Kiepenheuer & Witsch
     
    Kommissar Dupin versucht unter der Anleitung eines Coaches seine Angst vor dem Meer zu überwinden. Er hat bereits einen Fuß auf das schwankende Boot gestellt, da kommt ihm der Anruf seiner Kollegen völlig gelegen, die zu einem neuen Fall zitieren. Es gab einen Leichenfund gefunden, die Tote war Mitinhaberin einer Confiserie und steckt in einem Bottich voll flüssiger Schokolade. Dupin und Nolwenn untersuchen den grausamen Tod und forschen im Umfeld der Confiserie, die für ihre erstklassigen Schokoladen bekannt ist. 
     

     

    Der neue Fall für Kommissar Dupin ist sehr ungewöhnlich, mit Nolwenn an seiner Seite und dem Team im Hintergrund führen ihn die Ermittlungen zu einer Traditionsconfiserie in Concarneau. Nachdem ein Unfall ausgeschlossen werden kann, steht die Mordaufklärung an erster Stelle. Aber wo liegt das Motiv? Gab es Streitigkeiten in der Firma oder hat der Fund von Kokain damit zu tun? Hatten die geschäftsführenden Geschwister der Confisserie untereinander Probleme?

    Der Krimi startet sehr ungewöhnlich mit dem Leichenfund, danach folgt die Ermittlung von Dupin und Nolwenn. Ihre Spurensuche führt sie per Auto entlang der Küste bis nach Bayonne im Baskenland. Auch die Kollegen Riwal, Kadeg und Le Menn bekommen ihren Platz in der Geschichte und alle Personen werden sehr authentisch und mit ihren persönlichen Eigenarten dargestellt. Nolwenn verlässt mal ihren Schreibtisch und nimmt eine Rolle als ausführende Ermittlerin ein.

    Bei diesem Krimi erfährt man sehr viel über die Rohstoffe, die Herstellung und das Geheimnis von Bretonischer Schokolade und Dupin erhält allerlei Informationen über die speziellen Geheimnisse von Schokolade. Sehr interessant fand ich die unterschiedlichen Forschungsansätze in Bezug auf die Schmelzfähigkeit und die besonderen Geschmackszutaten der Schokolade. 

    In dieser Reihe erlebt man nicht nur eine entspannte Sichtweise auf die Urlaubsregion mit atmosphärischen Landschaftsbeschreibungen, Bannalec informiert zusätzlich über regionale Eigenheiten der Bretagne, die die Gegend näher beleuchten, den Leser mit Wissen versorgen und dem Krimi einfach inhaltliche Tiefe verleihen. Natürlich darf eine Prise von Kulinarik nicht fehlen, die gehört einfach zu der Reihe dazu.  

    Der Fall ist nicht so leicht zu durchschauen, ein paar Wendungen bzw. neue Leichen zeigen dann aber doch die entscheidende Richtung an. Bei einer fesselnden Verfolgungsjagd stellt Dupin den Täter und man darf sich als Leserin entspannt zurück lehnen. Mal wieder ein Fall gelöst!

    Kommissar Dupin ermittelt mit gewohntem Charme und lässt uns dabei die Region mit ihren Köstlichkeiten miterleben und kennen lernen. Ein spannender und sehr atmosphärischer Fall für Liebhaber der Bretagne und von Schokolade! 
     
    ***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
     

     
  • Bannalec, Jean-Luc - Bretonische Verhältnisse
  • Bannalec, Jean-Luc - Bretonisches Leuchten 6   
  • Bannalec, Jean-Luc - Bretonisches Vermächtnis 8
  • Bannalec, Jean-Luc - Bretonischer Ruhm 12  
  • Bannalec, Jean-Luc - Bretonische Versuchungen 14 
  • Dienstag, 1. Juli 2025

    Rehragout-Rendezvous - Rita Falk

    Ein typischer Eberhofer, allerdings lässt der Charme nach!  

     
    Rehragout-Rendezvous ist der elfte Fall der Provinz-Krimireihe von Rita Falk, die im DTV erscheint.  
     
     
    Nachdem sie sich jahrelang für ihre Lieben aufgeopfert ha, schmeißt Oma Eberhofer das Handtuch, sie hat genug vom Kochen, Backen, Einkaufen, Putzen und Waschen. Sie möchte auch mal kürzer treten und andere für sich arbeiten lassen. Absolut verständlich, aber muss das ausgerechnet zu Weihnachten sein? 
    Und seitdem Susi als stellvertretende Bürgermeisterin die Amtsgeschäfte erledigt, ist sie dem Karrierewahn verfallen und tickt nicht mehr wie früher. Franz hat einen Vermisstenfall zu klären, die Mooshammer Liesl macht sich Sorgen um Lenz Steckenbiller, der spurlos verschwunden ist. Franz sitzt das Ganze erst einmal aus, denn er weiß nicht, was er in dieser Sache tun soll.  
     



     
     
    Dieser Band ist dank des Familienklüngels und der typischen Charakterzüge der Figuren wie immer gut unterhaltend und zeigt mal neue Facetten der Frauen auf. Oma ist es langsam leid, ständig die gute Seele des Hauses zu sein und ihre Sippe nach Strich und Faden zu versorgen. Nun will sie in Rente, was natürlich bei Franz und Co. nicht so gut ankommt, denn die Küche bleibt jetzt kalt. Susi muss den Bürgermeister vertreten, findet Gefallen an diesem Karriereschub und nimmt sich neuerdings ziemlich wichtig, das gefällt ihrer Familie auch nicht gut. 
     
    Zunächst stehen die Familienkonflikte und das Heiratsproblem bei den Simmlers etwas im Vordergrund, doch das ändert sich als feststeht, dass der Steckenbiller getötet und sehr ungewöhnlich entsorgt wurde. Von da ab nehmen die Ermittlungen ihren Lauf, Rudi unterstützt Franz mal wieder mit großem Elan, doch Franz hat keine gute Laune. Das Private nervt ihn zur Zeit gewaltig.  
     
    Der Krimi lebt wie immer von den Figuren, vom Dialekt und dem Humor, sowie dem verbohrten Machogehabe der männlichen Figuren. Genau diese sexistische Betrachtung von Frauen und einige schroffe Sprüche haben mich dieses Mal ziemlich gestört. Nun liegt Niederkaltenkirchen vielleicht am A der Welt, aber die Männer scheinen dort noch heute Ansichten wie in der Steinzeit zu haben. 
     
     
    Wie gewohnt ein unterhaltsamer Krimi, dessen Fall sich interessant entwickelt und den Franz dank seines instinktiven Bauchgefühls aufklärt.
     
                                  
     


  • Falk, Rita - Winterkartoffelknödel
  • Falk, Rita - Dampfnudelblues 2
  • Falk, RitaSchweinskopf al dente
  • Falk, Rita - Grießnockerlaffäre 4
  • Falk, Rita - Sauerkrautkoma 5
  • Falk, Rita - Zwetschgendatschikomplott 6
  • Falk, Rita - Leberkäsjunkie 7  
  • Falk, Rita - Kaiserschmarrndrama 9
  • Falk, Rita - Guglhupfgeschwader 10
  • Falk, Rita - Rehragout-Rendezvous 11  
  • Falk, Rita - Steckerlfisch-Fiasko 12 
  • Falk, Rita - Apfelstrudel-Alibi 13
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