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Sonntag, 14. Dezember 2025

Die Frau, der Ruhm und der Tod - Christine Grän/ Marianne von Waldenfels

Spannender Krimi trifft Gesellschaftsroman

 
Im Droemer Verlag erscheint der Kriminalroman "Die Frau, der Ruhm und der Tod" von Christine Grän und Marianne von Waldenfels.
 

Hauptkommissarin Clara Frings baut die Abteilung "Gewalt gegen Frauen" auf und hat ihren erster Fall als der Schlagerstar "Mona Lisa" vor laufenden Kameras in der Talkshow von Claras bester Freundin Elfi Mayer stirbt. So friedlich die Schlagerbranche auch den Hörern erscheint, dahinter steckt Geldgier und der harte Kampf um den Verkauf von Platten. Die Sängerinnen sind oft nur Mittel zum Zweck. 

Während Clara ihre Polizeiarbeit erledigt, ist ihr Freund Heinz in der Fluchthelfer-Szene aktiv und bringt sich damit in Gefahr.   


 

 
"Harte Währung kann Mauern überwinden - ein verbindender west- und ostdeutscher Spruch. Damit können Strafvollzugsbeamte oder ihre Familienmitglieder geschmiert werden." Zitat S. 249  
 
Clara Frings ermittelt in einem dunklen Sumpf von Einflussnahme in der Schlager-Welt, Spionage und den politischen Verwicklungen der damaligen Zeit zwischen Ost und West. Die Handlung lässt uns diese Zeit nachträglich Revue passieren und die gesellschaftlichen Probleme sichtbar werden. 
 
Das Besondere an diesem Krimi ist die gelungene Mischung aus Kriminalfall und gut geschilderten historischen und gesellschaftlichen Elementen, die die Zeit zwischen 1975 und 1976 authentisch abbilden und mir diese Ära wieder bewusst werden lassen. Eine turbulente Zeit, in der Feministinnen sich für ihre Rechte einsetzen, während Anschläge der RAF Deutschland erschüttern, Spione ihr Unwesen treiben, Fluchthelfer die Menschen aus dem Osten in den Westen schleusen und im Libanon ein Bürgerkrieg tobt. 
 
Die historischen Fakten werden im Anhang noch einmal chronologisch zusammen gefasst und sind von ihrer Brisanz her besser gebündelt als so manches Geschichtsbuch das kann.
 
 
Der Erzählstil ist klar, anschaulich und flüssig und lässt mit den historischen Fakten jede Menge Zeitgeist einfließen und damit die Zeit lebendig werden. Die Autorinnen schaffen es, die Menschen und ihre Schicksale in den Vordergrund zu stellen und ihre Beweggründe für ihr Handeln sichtbar zu machen. 
 
Ich habe mit den Figuren mitgefiebert, die männliche Großspurigkeit einiger Personen verachtet und mich in die Lösung der Mordfälle vertieft. Hier gibt es einige Verdächtige und die besonderen Verknüpfungen der Morde sind nicht so offensichtlich, dass es mir gelungen ist, die Zusammenhänge selbst zu lösen. Doch das tat meinem Interesse an dem Krimi keinen Abbruch, die Hintergründe legen halt viele Spuren, die zu einem intelligent gestrickten Krimi gehören. 
Ich bin begeistert und froh, dieses Buch gelesen zu haben. Nur der Titel hatte für mich nicht die Zugkraft, die dieser Krimi verdient hätte.      
 
  
Ein intelligent und dennoch unterhaltsam geschriebener Krimi, der es mit Spannung, berührenden menschlichen Schicksalen und einer gehörigen Portion Zeitgeist schafft, die Leser zu fesseln. Meine volle Empfehlung für diesen Krimi! 
  
 
***Meinen herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar an den Droemer Verlag und an Ehrlich&Anders!***
 

 

Montag, 11. Juli 2022

Nach dem Sturm kommt das Licht - Amanda Prowse

Emotionale und überaus rührselige Lektüre, die mich gelangweilt hat. 
 
Amanda Prowse ist die Autorin von "Nach dem Sturm kommt das Licht" der bei Tinte & Feder erscheint.
 
Merrin lebt in Port Charles an der zauberhaft schönen Küste Cornwalls. Sie erhält einen Heiratsantrag ihres Freundes Digby und plant mit ihrer Familie ihre Hochzeitsfeier. Doch dann hebt ein Ereignis Merrins Welt aus den Angeln und sie wird zum Mittelpunkt des Geredes in Port Charles, wo jeder jeden kennt. Sie beginnt einen Neuanfang und kehrt nach Jahren wieder in die Heimat zurück. Da muss sie sich wieder dem Erlebten stellen. 
 


In diesem Coming-of-Age-Roman treffen wir Merrin, eine sympathische Protagonistin, die zunächst das größte Glück erlebt und dann von einem auf den anderen Moment eine schmerzhafte Erfahrung machen muss. Bis es zu diesem Punkt kommt, ist aber schon ein Viertel des Buches erreicht. 
Danach geht es um die Aufarbeitung innerhalb ihrer Familie und einen Wohnortwechsel, denn Merrin möchte dem Klatsch in ihrem Fischerdort entfliehen und ohne die Erinnerung an das Ereignis leben. 
Nach einigen Jahren sorgt eine Familientragödie dafür, dass Merrin wieder zurück in ihre Heimat kehrt und die familiäre Bande bewirkt, dass sie sich dort wieder wohl fühlen kann. 

Die sprachliche Fähigkeit Amanda Prowse liegt darin, auf leichte und recht schöne, bildhafte Weise nicht nur die herrliche Landschaft zu beschreiben, sondern auch die Gefühle der Figuren nachfühlbar und lebendig darzustellen. Ich konnte mir die Gegend und die Emotionen der Figuren wunderbar vorstellen und hatte das Gefühl mit dabei zu sein. 
Allerdings sind diese Beschreibungen auch ein wenig übertrieben, denn es wird sehr in die Gefühlskiste gegriffen und die Themen Liebe, Selbstzweifel und Demütigung, sowie zahlreiche endlose Gespräche versetzen mich als Leserin in eine Flut von Emotionen, was auf Dauer für mich definitiv zuviel des Guten ist. Ich konnte Merrins Enttäuschung und ihre verletzten Gefühle verstehen, doch die Verarbeitung des Erlebten verkommt zu einer endlose Spirale an Gefühlsduselei. Dieses Gefühlstrauma ist überhaupt nicht mein Fall.  

Generell ist die Geschichte nicht schlecht geschrieben und die Charaktere auch sehr emotional und lebendig, aber zuviele Dialoge, immer wieder Fragen über die verpasste Liebe und klischeehafte Figuren haben mich gestört und auf Dauer war es sehr ermüdend zu lesen, welche Beziehungen in der Familie stattfinden und wie alter Zwist aufgearbeitet wird.  

Dieser emotionale Roman war leider nicht mein Fall. Doch ich denke schon, dass er seine Fangemeinde erreichen wird. 


 
***Herzlichen Dank an Tinte&Feder und ehrlich&anders für dieses Rezensionsexemplar!***
 
 

Sonntag, 10. Oktober 2021

Das Haus der Düfte - Pauline Lambert

Eine interessante Geschichte rund um Düfte und ihre Herstellung

Das Haus der Düfte von Pauline Lambert erscheint im List Verlag. 

Paris: Anouk arbeitet in den 1950ern in der Apotheke ihrer Mutter, doch insgeheim träumt sie davon, Parfüms zu entwickeln und als Parfümeurin zu arbeiten. Ihre Mutter Isabell hält nichts davon und hofft, Anouk in Paris zu halten, schliesslich soll sie einmal die Apotheke übernehmen. Durch einen Zufall lernt Anouk Stéphane kennen, er gehört zu einer der Duftdynastien Frankreichs, die die Parfümherstellung betreiben. Anouk hat Glück, Stéphane ist von ihrem Geruchssinn überzeugt und nimmt sie mit nach Grasse, die französische Parfümstadt, wo Anouk an der berühmten Parfümschule eine Ausbildung beginnt.



 

Der Roman beginnt mit der Ankunft Anouks in Paris, wo ihre Mutter die Apotheke ihrer Tante übernimmt. Es wird schnell klar, das Anouk ihre Zukunft nicht in der Apotheke sieht, sondern sich in der Welt der Düfte einen Namen als Parfümeurin machen möchte. Mit etwas Glück kann sie ihren Wunschberuf erlernen und kommt bei der Familie Girard in Grasse unter. Diese Familie steht seit langem im Clinch mit der rivalisierenden Familie Bonnet. Anouks Talent, bestimmte Stimmungen und Gefühle in Düfte zu verwandeln, erinnert an Florence Girard, die um 1890 als Lavendelpflückerin begann und mit ihrem Gespür für Düfte den Familienbetrieb gründete und erfolgreich an die Spitze der Parfümhersteller brachte. Als sich Anouk verliebt, spielt die Vergangenheit eine wichtige Rolle. 

Wer die Welt des Parfüms liebt, wird hier in die Parfümherstellung eingeführt. Es geht auf die bunten Blumenfelder in der Provence, man bekommt verschiedene Duftkreationen und Grunddüfte vorgestellt und lernt die dazugehörigen Berufe kennen. Das ist ein duftreicher Einblick, der mir sehr gut gefallen hat, auch wenn ich einige der erwähnten Parfüms nicht kenne. 

In zwei umfangreichen Handlungssträngen lernen wir Anouk und Florence und ihre Zeitgenossen in ihren jeweiligen Lebensepochen näher kennen und bekommen damit einen recht ausführlichen Eindruck von ihrem Lebensweg. Pauline Lambert schrieb eine Familiensaga, die sich ganz klassisch um Liebe und Macht dreht. Mit ihrem bildgewaltigem, sinnlichen Schreibstil erweckt sie nicht nur das Zeitgeschehen wunderbar zum Leben, sie beschreibt auch herrliche Duftwelten herauf. Insgesamt sind alle Charaktere sehr liebevoll gezeichnet und erhalten durch ihre realistischen Eigenschaften sehr lebendige Züge. Damit fühlt man sich ihnen als Leserin sofort verbunden und kann mit ihnen wunderbar mitfiebern.

Anouk hat mir sofort gefallen, sie ist sympathisch und hat ihren eigenen Willen, den sie auch durchzusetzen weiß. Mit ihrem feinen Geruchssinn besitzt sie die ideale Grundlage, um wunderbare Düfte zu komponieren. Auch Stéphane Girard entgeht Anouks perfektes Geruchstalent nicht, es erinnert ihn an Florence Girard. Schnell taucht man in die familiären Gegebenheiten der Girards und Bonnets ein, erlebt Anouks Liebesgeschichte, die ihre Widrigkeiten aufweist und das alles sorgt für eine runde und abwechslungsreiche Handlung. 

Dieser Roman lässt uns eine interessante Reise in die Welt der Düfte erleben und unterhält wunderbar mit dem französischen Flair von Grasse. Pauline Lambert zeigt uns die Anfänge der Parfümbetriebe in den 50er Jahren, unterhaltsam eingebettet in  Familiengeheimnisse, Liebe und Intrigen. Für Leserinnen von historischen Romanen ein duftreicher Tipp!


 
***Herzlichen Dank an Ullstein-Verlag und an Ehrlich&Anders für dieses Rezensionsexemplar!***