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Sonntag, 15. Februar 2026

Wenn die Kraniche nach Süden ziehen - Lisa Ridzén

Berührende, authentische Schilderung über das Altern!
 
Im btb Verlag erscheint Lisa Ridzéns Debüt Wenn die Kraniche nach Süden ziehen in einer Übersetzung von Ulla Ackermann.
 
Das Leben des 89jährigen Bo hat sich verändert, seit seine demente Frau im Pflegeheim lebt. Bisher hat er sie gepflegt, doch nun ist er allein und seine einzigen Lichtblicke sind Besuche im Heim, Telefonate mit seinem Freund Ture und sein treuer Hund Sixten. Sohn Hans kommt selten vorbei und will seinem Vater sogar den geliebten Hund wegnehmen. Das macht Bo zu schaffen und er denkt über sein Leben und die Beziehung zu seinem Sohn nach.  
 


 
 
"Alle denken, sie könnten über mein Leben bestimmen - nur ich selbst darf es nicht." Zitat S. 194 
 
Lisa Ridzén erzählt ruhig und einfühlsam eine Geschichte über das Alter, die Einsamkeit und den Verlust der Selbstständigkeit und das Aufbegehren gegen das Übergehen der eigenen Bedürfnisse und Wünsche.
 
Wir erleben Bos täglichen Kampf mit seinem alternden Körper und dem nachlassenden Gedächtnis. Er wird von mehreren Pflegekräften versorgt, gewaschen und unterstützt und hängt an seinem treuen Hund Sixten. Als Bos Sohn Hans entscheidet, dass er Sixten nicht mehr ausreichend versorgen kann und ihn weggeben will macht das Bo wütend und bricht ihm das Herz. Nun soll er nach seiner Frau auch noch seinen Hund verlieren, der seinen Leben Halt und einen familiären Bezug gibt.   
 
Die Autorin schafft es mit einer einfachen Erzählweise sehr feinfühlig, dass ich mich Bo sehr nahe fühle, seine Ängste und Nöte nachvollziehen kann. Je mehr ich über sein früheres Leben erfahre, umso mehr hat mich die Vater-Sohn-Beziehung interessiert. Sie ist ein entscheidender Bestandteil der Geschichte, die uns die Problematik der Fürsorge, der Unterstützung und der Entscheidung für den Elternteil deutlich macht und auch diesen Standpunkt miteinbezieht. 
 
Bei dieser Lektüre kommen viele Gedanken hoch und man fragt sich, wie man in Würde altern kann, wenn über den Kopf hinweg entschieden wird, wenn auch aus guten Grund. Wie ist es, wenn man solche Entscheidungen hinnehmen muss, wenn man alleine leben muss oder im Pflegeheim untergebracht ist, dort aber keine Aufgabe mehr wahrnehmen kann?
 
Die Darstellung von Bos Gedanken und Aktionen und auch sein spezielles Schraubglas haben mich zu Tränen gerührt. Ich konnte seine Gefühle hautnah miterleben und erkannte, wie ihn Sehnsucht, Scham, Wut und das ohnmächtiges Gefühl umtreiben, sich den Anweisungen seines Sohnes zu beugen und auf Hilfe angewiesen zu sein. Oft folgt Bos Blick den fliegenden Kranichen, die für ihn die Freiheit symbolisieren. Eine Freiheit, die er nicht mehr ausleben kann.    
 
Zwischen den Kapiteln gibt es Notizen der Pflegekräfte über die Versorgung und den täglichen Zustand Bos. Sie vermitteln sehr eindrücklich, ob Bo einen guten Tag hatte oder nicht. Ob er duschen oder essen wollte und wie sein Gesamtzustand auf die Pfleger gewirkt hat. In diesen kurzen Zeilen erkennt man wie einfühlsam Pflegekräfte mit den Personen umgehen müssen, um die Würde aufrecht zu erhalten.   
 
Wie können alte Menschen Würde bewahren, wenn sie hilfsbedürftig sind? Was geht in ihnen vor, wenn sie merken, dass sie ihre Selbständigkeit verlieren? Wir kommen diesen Sorgen ganz nah und müssen uns damit beschäftigen, denn Altern gehört zu jedem Leben dazu. 
 
Ein berührender, leiser Roman über das Alter und über die Dinge, die das Leben sinnvoll und lebenswert machen.  
 
***Herzlichen Dank an das Bloggerportal und an den btb Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 
 
 

Sonntag, 2. Februar 2020

Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten - Mimi Fiedler

Heitere Story zum Schmunzeln über Alterserscheinungen bei Frauen


Schauspielerin Mimi Fiedlers Buch heißt "Eigentlich wollte ich mich selbst entfalten", es erscheint im Knaur Verlag.

Wäsche knittert, genauso macht es die Haut, wenn man älter wird. Doch was bei der Wäsche glatt gebügelt werden kann, muss man bei seiner Haut entweder gelassen annehmen oder operieren. Mimi Fiedler ist 44 und bekommt mit ihren Alterungserscheinungen fast eine Krise. Denn eigentlich will sie sich noch einen Mann angeln, wie soll das mit Cellulite und Altersflecken gehen?


Wenn das Alter seine Spuren hinterlässt und auch optischen Tribut von Frauen fordert, hilft entweder selbstbewußte Gelassenheit mit Stolz auf das gelebte Leben oder sich in die Hände von Schönheitsdocs zu begeben.
Was Mimi Fiedler hier zum Besten gibt, sind kleine, lustige Stories aus ihrem Leben (oder auch nicht?), die ihren persönlichen Bezug zu Lachfältchen, Cellulite, Altersflecken, starker Körperbehaarung und den ersten grauen Haaren erklärt. Man darf gespannt sein auf persönliche Erlebnisse, Schuhkäufe, Peinlichkeiten und besondere Problemzonen, die viele Frauen ihr eigen nennen.
Mir hat es gefallen, wie humorvoll Mimi scheinbar offen und ehrlich und mit einem Augenzwinkern von ihren Problemzonen berichtet, vom Leben mit ihren Freundinnen und vom Traum eines neuen Mannes. 
 
Das Buch liest sich wie ein mit Witzen aufgepepptes Plauderstündchen mit der besten Freundin. Nur das mir die Schauspielerin Mimi Fiedler gar nicht bekannt war. Also habe ich recherchiert und herausgefunden, dass sie kroatische Wurzeln hat, mehrfach verlobt war und seit letztem Jahr auch verheiratet ist. Nach einer Brustoperation hatte sie einen in der Männerwelt sicher beliebten Auftritt in einem Erotikmagazin. Ich habe die Ehrlichkeit Mimis bewundert, mit ihr bei einigen Peinlichkeiten gelitten und mich in sie hineingefühlt.
Der Erzählstil hat mir sehr gut gefallen, die Szenen waren teilweise wie in "Sex and the City" und die Cellulite-Dellen in ihrer Erklärung um Zentimeter tiefer beschrieben als in Wirklichkeit zu sehen.

Beim Lesen konnte ich häufig schmunzeln, den mutmachenden Effekt des Erzählten fand ich super, nur mit der abschliessenden Dankesrede auf den Schönheitsoperateur verpuffte der Effekt leider auch sofort wieder. Man kann ihr als Schauspielerin nicht übel nehmen, dass sie sich Schönheits-Ops unterzieht, das ist etwas, was ich ihr persönlich zugestehe. Aber damit verfehlt sie den Aufruf an andere Frauen, zu ihrem alternden Körper und ihrer Persönlichkeit zu stehen. 

Es lebe das Alter und deshalb sollte man jede Lachfalte feiern. Wer damit Probleme hat, kann sich ja in Mimi Fiedlers Buch die nötigen Tipps holen. 


***Vielen Dank an den Knaur Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  



Mittwoch, 14. März 2018

Wie ein einziger Tag - Nicholas Sparks

Diese Geschichte ist romantisch, traurig und herzergreifend. 


Nicholas Sparks schrieb seinen Roman "Wie ein einziger Tag" 1996, er erscheint im Heyne Verlag. 
(Werbung)

1946, North Carolina: Allie und Noah verlieben sich im Alter von siebzehn Jahren. Ihre Liebe hält einen wunderbaren Sommer, dann zieht Allie mit ihrer Familie weg und verschwindet aus Noahs Leben. Vierzehn Jahre lang hört er nichts mehr von ihr und kann sich dennoch nie mehr neu binden. Eines Tages steht Allie plötzlich wieder vor ihm: Sie wird heiraten und möchte vorher noch einmal den Mann sehen, den sie nie vergessen konnte ...

                                     Bildergebnis für wie ein einziger tag buch

Nicholas Sparks erzählt eine traumhafte Bilderbuchliebe, von einem Paar, die eine Art Seelenverwandtschaft verbindet und er zeigt die ganze Bandbreite von Gefühlen, Leid und Ungewißheit, die eine große Liebe mit sich bringt.
Der Roman ist sehr romantisch, aber auch traurig und voller Dramatik und Leidenschaft. Man erlebt und leidet alle Höhen und Tiefen lebhaft mit. 

Dabei wechselt die Perspektive zwischen Gegenwart und Vergangenheit und das Liebesgeplänkel der ersten Buchhälfte verändert sich in eine Erzählung von menschlichen Nöten und Sorgen. Die Liebe wird nun auf einer anderen Ebene gezeigt, es geht um tiefe Zuneigung, dauerhafte Treue und Fürsorge. Denn das Alter bringt Veränderungen mit sich. Hier zeigt sich das schriftstellerische Talent Sparks, er findet anrührende Worte für Stimmungen und Alltagsprobleme.
Dadurch bekommt der Roman den entscheidenden Tiefgang und die vorherschende Situation zeigt Gründe, die bei vielen Beziehungen zum Scheitern führen können.  
Auf diese Gründe möchte ich nicht eingehen, zu leicht würde ich wesentliche Inhalte verraten und dem Lesenden die Überraschung nehmen. 


Ein herzergreifendes Buch über eine große Liebe, die den Leser zum Nachdenken bringt, aber auch träumen lässt. 



Samstag, 10. Februar 2018

Liebe M, Du bringst mein Herz zum Überlaufen - Anna Paulsen

Ein berührender Gute-Laune-Roman, der die gute alte Zeit der Briefe heraufbeschwört.


Briefe fürs Herz


Der Roman "Liebe M. Du bringst mein Herz zum Überlaufen" wurde von der Autorin Anna Paulsen verfasst und erscheint 2018 im Penguin Verlag. (Werbung)

Matilda lebt zurückgezogen, geht in ihrem Beruf auf und liebt geregelte Tagesabläufe ohne große Veränderungen. Andere freuen sich auf das Wochenende, sie freut sich auf die Arbeit, um sich dann  im Amt für nicht zustellbare Post den vielen interessanten Briefen widmen. Eines Tages findet sie einen 50 Jahre alten Liebesbrief, der ihr sehr zu Herzen geht und sie beschliesst, den Empfänger ausfindig zu machen. Dazu muss sie eigene Hürden überwinden und öffnet sich so auch ihrem eigenen Leben. Wird es ein Happy End geben?





"Liebe ist doch soviel wichtiger als alles, was man mit Geld kaufen kann." Zitat Seite 55

Matilda ist irgendwie altmodisch, ein ganz besonderer Mensch, eine einfühlsame Seele, die stets das Wohl anderer im Blick hat. Sie ich schon etwas speziell, denn sie hat weder Internet noch Smartphone, keinen Freund und nicht einmal einen Führerschein. Aber sie ist nicht etwa eine alte Frau, nein, sie ist jung und hübsch und möchte genau so leben. Es bedarf erst einen wunderbaren Liebesbriefes, der vor 50 Jahren leider verloren ging und dem guten Zureden ihres älteren Nachbarn Knut, Matilda mitten hinein ins Leben zu schicken. Er ermuntert sie, sich um die nicht zugestellten Briefe zu kümmern und die Menschen dahinter zu finden.

Aus Matildas Perspektive erlebt man ihre Welt, begleitet sie zur Arbeit, sieht wie sie Annäherungsversuche eines Kollegen im Keim erstickt und erkennt ihre Gedanken und Gefühle. Die Suche nach Leni und Michel ist berührend und man versteht Matilda voll und ganz, dass sie diesen Brief zustellen möchte. Denn Leni ist inzwischen alt und krank und hat von dem Eheversprechen im Brief nie erfahren. Ich habe mitgefiebert, ob Matilda Leni noch davon berichten kann. Mehr kann ich hier nicht verraten. 

"Schicksal ist, was man selbst aus den Zufällen macht, die das Leben einem beschert." Zitat Seite 251
 
Es ist schön zu sehen, wie sich Matilda allmählich aus ihrer selbstgewählten Komfortzone herausbewegt und auf fremde Menschen zugeht, wie sie Verantwortung übernimmt und freier und selbstsicher wird und im Leben ankommt. Man erlebt sie sogar bei einem Speed-Dating und fährt mit ihr ans Meer. Es gibt lustige, traurige, emotionale und glückliche Momente. Für mich ist das ein schönes unterhaltsames Gute-Laune-Buch. 
Aber auch ein Buch, dass mir viele schöne Briefe vor Augen hält, die heute nicht mehr selbstverständlich sind. Wer schreibt schon noch Briefe und vor allem, wer versucht, seine tiefsten Gefühle in Briefen auszudrücken? Die gezeigten Beispiele sorgen für ein ganz besonderes Flair, wie eine Reise in die Vergangenheit. Das wird auch durch den einfühlsamen Schreibstil der Autorin gut unterstrichen.

Mich hat das Buch gefesselt, auch wenn es einige Szenen gibt, die sich etwas in die Länge ziehen. Man möchte Matilda manchmal einfach an die Hand nehmen und führen, aber sie muss ihren Weg allein finden. Nur so kann sie im Leben ankommen. 

 
Ein bezauberndes Lesevergnügen um eine Liebesgeschichte, die nach 50 Jahren endlich ihren Abschluss findet und andere Wege ins Leben eröffnet. 


***Herzlichen Dank für dieses Rezensionsexemplar aus dem Penguin Verlag!*** 


Dienstag, 1. August 2017

Tanztee - Hendrik Groen

Weiter nach dem Motto der "Alanitos": Aktiv bis zum Umfallen


Hendrik Groen, das Pseudonym eines unbekannten Autors, hat nach dem großen Erfolg von "Eierlikörtage" nun mit "Tanztee" sein zweites Buch um den liebenswürdigen Rentner Hendrik geschrieben. Der Roman erscheint im Piper Verlag.
(Werbung)

Die Mitglieder des Alt-aber-nicht-tot-Club von Hendrik Groen und seinen Freunden Altenheim Amsterdam-Nord sind nun zwar noch ein bisschen älter geworden, aber auch im neuen Jahr stecken sie voller Energie und machen neue Pläne. Hendrik nimmt den Rentneralltag zwischen Arztbesuchen und Bingoabenden aufs Korn, beschwört die Kraft der Liebe und Freundschaft und findet immer wieder die passenden Worte für unsere verrückte und manchmal schreckliche Welt, der ein bisschen mehr Altersweisheit, Humor und Selbstironie verdammt gut tun würde. 




"Man bereut in erster Linie Dinge, die man nicht getan hat." Zitat Seite 11

Wie schön, nach seinem wunderbaren Buch "Eierlikörtage" kann ich wieder am Leben von Hendrik Groen und seinen Erlebnissen, seinen Gedanken und seinem Alanito-Club teilhaben. 

Hendrik Groen begibt sich nun im Altersheim Amsterdam-Nord zum Tanztee, 
d. h. eigentlich ja nicht direkt, aber das soll lieber jeder selber lesen. 
Auf jeden Fall berichtet er in diesem Buch über die neuen Ereignisse und wichtigen Veränderungen aus seinem Leben als Bewohner im Altenheim in Amsterdam und von seiner Erlebnissen mit seinem Alanito Club. 


Der Tod seiner Mitbewohnerin und guten Freundin Eefje hat Hendrik sehr getroffen. Ein ganzes Jahr lang lässt er sein Tagebuch geschlossen, bis er seine tägliche Verpflichtung wieder aufnimmt. 
Zum neuen Jahr hält Hendrik etwas Gehirngymnastik für nötig und so schreibt er erneut über das lustige Chaos seiner Mitbewohner, über eigene Gedanken zum täglichen Leben und auch über politische Dinge und Misstände in den Niederlanden und allgemein in Europa. Denn noch verfügt Hendrik über einen scharfen Verstand und seine Lebenslust ist trotz aller Tiefschläge des Lebens wieder neu erwacht. 

Dabei geht er offen, ironisch und ehrlich an alle Themen heran, die ihn tagtäglich so erreichen.
Hendrik Groen benennt die Probleme, Nöte und Sorgen älterer Menschen offen beim Wort und er geht mit ihnen beneidenswert ehrlich um. Ob Inkontinenz, tägliche Kleckereien bei den Mahlzeiten, Unfälle beim Rollatorfahren, Demenz oder selbstbestimmtes Sterben, hier wird alles schonungslos offen beim Namen genannt. 
Auch die Missstände in der Altenpflege werden nun aktiv im Seniorenbeirat bekämpft. In diesem Jahr 2015 muss Hendrik allerdings seinen alten Freund Evert nach besten Kräften unterstützen, denn Evert ist todkrank und möchte aber noch bis zum Schluss richtig leben. Ein mutiges Vorhaben, doch Everts Devise und warnende Botschaft lautet: "Nicht jammern, Groen. Aktiv werden!!!"

Denn die große Gefahr für alte Menschen ist die Bequemlichkeit. 

"Dadurch kommt das Leben nämlich quietschend zum Stillstand." Zitat Seite 430 

Seit dem letzten Buch hat sich Hendrik ein wenig im Umgang mit seinen Mitbewohnern verändert. Er nimmt nicht mehr alles klaglos hin, gibt auch schon mal Widerworte, wenn ihm etwas nicht passt und hat keine Lust, die letzten Jahre seines Lebens alles klaglos zu erdulden. Hier ist ihm sein Freund Evert nun doch ein großes Vorbild. Auch in sein Innerstes lässt Hendrik den Leser sehr tief blicken, er trauert um seine verstorbene Tochter, um Eefje und bekommt, recht überraschend auch noch ein reizendes Enkelkind. Schön sind in diesem Buch die Vergleiche zwischen Kindern und alten Menschen.


Das Thema Tod ist im Altenheim immer präsent. Hendrik macht sich Gedanken über das selbstbestimmte Sterben. Diese Abschnitte machen nachdenklich und zeigen, dass Sterben auch mit Würde und eigenem Willen zusammen hängt.

Auch das allgemeine Zeitgeschehen wird von Hendrik munter kommentiert, traurige Flüchtlingsschicksale lassen die Bewohner nicht ungerührt und auch Ereignisse des niederländischen Königshauses werden von deren Fans heiter mitgefeiert. 
Im Vordergrund steht die Botschaft an alle Senioren, ihren Lebensmut nicht zu verlieren. Ein Vorbild für alle ist die Freundschaft der Senioren-Mitglieder der Alanitos. Sie gehen gemeinsam Essen und lernen fremdländische Küchen kenne, machen Zoobesuche oder bewundern botanische Gärten.
Es gibt immer lohnenswerte Ziele, die den alten Menschen Freude machen, ihnen neue Horizonte eröffnen und das Leben wieder lebenswert machen.



Auch dieses Mal habe ich das Tagebuch gern mitverfolgt, habe geschmunzelt, mit getrauert und mich einfach von Hendrik und seinem Lebensmut anstecken lassen. Solche ernsten Themen wie selbstbestimmtes Sterben tragen zum allgemeinen Nachdenken an und zeigen, wie wichtig hier ein gesellschaftliches Verständnis ist. Nur Mut und Lebenswille allein zählen nicht, auch Körper und Geist muss noch Kraftreserven mobilisieren können. 

***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für die Überlassung dieses wunderbaren Romans! ***


  


Mittwoch, 29. März 2017

Unsere Seelen bei Nacht - Kent Haruf

Einsamkeit macht krank

Der Roman "Unsere Seelen bei Nacht" von Kent Haruf ist sein letzter Roman, er starb im Jahr 2014. Die deutsche Ausgabe erscheint 2017 im Diogenes Verlag. [Werbung]

Holt ist eine Kleinstadt in Colorado. Als Addie bei ihrem Nachbarn Louis klingelt, macht sie ihm einen ungewöhnlichen Vorschlag: Ob er nicht ab und zu bei ihr übernachten möchte? Beide sind über 70 und verwitwet. Louis lässt sich darauf ein. Und so liegen sie Nacht für Nacht nebeneinander und erzählen sich ihre Leben. Doch ihre Beziehung weckt in dem Städtchen Argwohn und Missgunst.






"Ich fürchte, wir werden die ganze Nacht so getrennt liegen. Dann schicke ich dir ein paar warme Gedanken. Aber keine zu anzüglichen. Sie könnten meinen Schlaf stören. Das weiß man nie." Zitat S. 87

Dieses Buch erzählt die späte Liebesgeschichte des verwitweten Louis und seiner verwitweten Nachbarin Addie. Beide sind verwitwet, leben seit Jahren Haus an Haus in Holt und kennen sich dennoch sehr wenig. Solange bis Addie Moore bei Louis Waters klingelte, um ihm ein Angebot zu machen.
Sie fühlt sich in der Nacht häufig allein und möchte das ändern. Dabei geht es ihr nicht um Sex, sondern nur um Gesellschaft und den Wunsch, ihrer Einsamkeit zu entrinnen.
Louis mag Addie und so verbringen sie die Nächte nebeneinander in Addies Bett, während sie sich unterhalten und über ihr Leben, ihre Fehler und Schicksalsschläge berichten. Aber auch tagsüber unternehmen sie gemeinsam etwas, immer missgünstig beäugt von anderen Menschen, die ihre Beziehung intolerant kritisch sehen.   


Die Protagonisten wirken sehr authentisch, dabei sehr ruhig und harmonisch und absolut lebenserfahren. Man merkt, wie die gemeinsame Nähe ihnen wieder mehr Lebensfreude und Energie in ihren Alltag bringt. Dabei scheren sie sich nicht um die Gedanken und Moral anderer, sie trotzen den üblichen Konventionen. Es ist ihnen egal, was andere von ihnen denken.
in diese Situation hinein bekommt Addie Besuch von ihrem Enkel Jamie. Dieser bereichert das Leben der alten Leute und auch sie können ihm viel von sich geben. Sie werden fast wie eine kleine Familie. Es entwickelt sich ein Glücksgefühl, das auf den Leser übergeht.

Man muss das Glück ins Leben lassen, sich auf Abenteuer einlassen, um selbst glücklich werden zu können.

Der Schreibstil von Kent Haruf ist sehr einfach und schlicht, er beschreibt lediglich die wesentlichen Dinge. Alles wird in direkter Rede erzählt, es kommen jedoch keine Emotionen oder Gefühle zum tragen. Dennoch bringt das Buch seine Aussage ganz klar zum Ausdruck. 
Ich hätte mir mehr Selbstreflexion von Addie und Louis gewünscht. Da dieses Buch verfilmt wird, liegt es an den Schauspielern, ob oder wie sie Emotionen sichtbar machen.  



Dieses Buch liest sich gut, es polarisiert, indem es das Zusammensein älterer Menschen zeigt. Aber Einsamkeit macht krank, deswegen berührt mich dieses Buch in besonderer Weise.




Montag, 31. August 2015

Das bisschen Hüfte, meine Güte

Das bisschen Hüfte, meine Güte heisst der neue Band von Torsten Rohde alias Renate Bergmann. In diesem Buch aus dem Rowohlt Verlag geht die Online-Omi in die Reha. [Werbung]

Renates Rollator rollt weiter: mit 82 Jahren, 4 verflossenen Ehemännern und deren Grabpflege und einer Vorliebe für Korn hat das Leben Spuren hinterlassen. Mit der Technik von Handys, Internet und online-banking hat sie so ihre Schwierigkeiten, doch ihr Erbneffe Stefan hilft immer tatkräftig. Als sie sich aber nach einer Frau für ihn umsehen will, wird er selber aktiv. Er heiratet und Renate plant die Feier. Die wird ein tolles Ereignis, aber leider hat Renate einen Folgeschaden: ihre Hüfte muss neu. Also das volle Programm: Krankenhaus und anschließend Reha.
Aber Renate wäre nicht Renate, wenn sie dort alles sang- und klanglos hinnehmen würde. Sie hat so ihre Meinung zu Bandscheiben und Raucherecken, vitaler Kost und Kurschatten.

Wie auch beim Vorgängerband "Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker" wurde ich humorvoll unterhalten und habe Renates Sicht auf die Dinge sehr genossen. Sie zeigt mal wieder erfrischend ehrlich und humorvoll wie sie mit ihren hoch gehaltenen Hausfrauentugenden anderen Menschen Ratschläge und Putztipps erteilt und damit natürlich auch mal nicht so gut ankommt. Nur ihre charmante Art macht das wieder wett und erst spät bemerkt sie, wie auch ihre von ihr nicht so gut gelittenen Nachbarinnen Frau Berber und Meiser, ihr doch am Herzen liegen. Gern vergleicht sie das Heute mit den guten alten Zeiten, als sie im Berliner Osten noch DDR-Krause hatte, Kaffee aus dem Westen von Verwandten bekam und Lebensmittel eingekocht wurden. 

Ein Wiedersehen gibt es auch mit Renates Freunden, die ebenfalls ganz besondere Charaktere sind und so ihre Altersallüren und Macken haben. Doch das schweisst sie ja alle zusammen und gemeinsam helfen sie sich über die Schwierigkeiten des Alltags im Alter hinweg. Wenn der "Koyota" von Kurt losrollt, ist kein Fußgänger mehr sicher. Dann werden die Supermärkte nach Angeboten durchsucht und Wagenladungen von Kaffee, Korn und Lebensmitteln eingekauft. Tochter Kirsten ist Vegetarierin und esoterisch angehaucht, damit kommt Renate nicht so recht klar und Mutter und Tochter kommen sich leider auch in diesem Buch nicht näher. Aber dafür hat sie nun Stefan zum Bemuttern und Ariane ist auch eine Bereicherung. Die Planung der Hochzeitsfeier war für mich die schönste und lustigste Leseerfahrung in diesem Buch. 

Zu ihrem Kuraufenthalt hat Renate natürlich viel Lustiges beigesteuert. Die Reha hat so ihre Tücken und das zeigt sich in Renates Beschreibung in Sachen wie Ernährung mit viel Ballaststoffen, Ballspielen, Gesangstherapie und Gymnastik. Besonders lustig empfinde ich ihre persönliche Ausstattung des Kurzimmers mit eigener Bettwäsche, Kissen und privater Verpflegungsaufbesserung durch ihre Freunde. 

Leider schweift Renate in diesem Buch deutlich mehr ab als in ihren alten Geschichten, aber sie wird ja auch nicht jünger. Das hat mich aber dann etwas gestört und im Vergleich zum ersten Band fiel dieses Buch dadurch in seiner Gesamtwirkung leicht ab. Einige Themen wurden ein wenig aufgewärmt.
Zum Thema Kurschatten hatte ich mir mehr versprochen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Erwin hat schon mal einen bleibenden Eindruck hinterlassen. 

Schön sind auf jeden Fall die alten Begriffe, die Renate in ihrem Sprachschatz noch benutzt. Schlafstube, Anrichte und Chaiselongue bringen den Glanz der Vergangenheit in ihre Erzählungen.

Dieser Roman ist eine heitere, leichte Lektüre und macht gute Laune. Gern liest man von der alten Dame in ihrem munteren Plauderstil und lässt sich gut unterhalten. Wer noch nicht weiß wie eine Kur abläuft, wird hier sicher Informationen aus erster Hand erhalten.    

                   
                ***Rezensionsexemplar von Wasliestdu - Vielen Dank für die Bereitstellung des Buches und die Leserunde!***

Donnerstag, 25. Juni 2015

Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker - Renate Bergmann

Humorvolle Lektüre

Absurd, komisch, makaber und dennoch unheimlich unterhaltsame Geschichte einer Oma, die mit Handy und Facebook die Neuzeit erobert. 


"Ich bin nicht süß, ich hab bloß Zucker" ist die humorvolle Lektüre über eine ältere Dame namens "Renate Bergmann". Verlegt wird der Spiegelbestseller bei "rororo".

Renate Bergmann, 82, wohnt in Berlin-Spandau und ist bekannt geworden durch ihre Twitter-Nachrichten. Die alte Dame versucht mit ihrer Sichtweise durch die moderne, technisch komplizierte Welt zu kommen und zeigt uns ihren Alltag. In 34 Episoden hat sie zu vielem ihre Meinung zu sagen und sorgt für den ein oder anderen Lacher.  



Wer nach 45 Steine gekloppt hat, will im Alter sich nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. So begründet Renate ihre vielen Aktionen und hat eigentlich auch recht damit.
Originelle Ideen zur Alltagsbewältigung, Besuch von Fremdbeerdigungen mit leckerem Leichenschmaus und eigene Ansichten über Gut und Böse, die herrlich amüsant sind, zeigen, dass diese alte Dame das Herz am rechten Fleck trägt.
Wie sie ihre vier Ehen und ihr einziges Kind sieht, die in Berlin weit verstreuten Gräber der verblichenen Männer pflegt und ihre Freundschaften heute aussehen, verrät die agile Frau in diesem Buch.
Man ist immer wieder überrascht, was ihr so alles einfällt. Ständig ist sie auf Achse, jagt Schnäppchen hinterher, organisiert Altenheimfeste und fährt mit ihren besten Freunden Ilse und Kurt in deren Koyota durch die Gegend. Nicht ganz unfallfrei, dafür kommt sie aber überall hin.
Was sie so alt werden liess, kann man nur erahnen. Diese Dame rastet nicht, feiert gern und häufig und hält sich täglich mit einem Klaren gesund. Aber auch ihr selbstgemachter Eierlikör, den sie mit Primasprit ansetzt, hilft ihr und ihren Freunden über die Runden. Sicher schüttelt man manchmal den Kopf über ihre Aktionen und Ansichten, verzeiht ihr aber dank ihrer netten Art sofort wieder.

Eigentlich ist Renate eine neugierige, pingelige Ordnungsfanatikerin, die viel zu Nörgeln hat. Aber gerade diese nervigen Charakterzüge machen sie in diesem Buch so sympathisch und man ist immer wieder erstaunt, wie ehrlich und schlagfertig diese Frau sein kann. Es gibt wohl kein Thema, zu dem sie nichts zu sagen hätte. Dabei sind ihre Ideen nicht immer korrekt, ihre Freude über Flugreisen, Preisausschreiben und Beerdigungen aber so erfrischend und positiv, dass man Renate gleich gern hat und sich über jeden Fauxpas, den sie sich leistet, freut.
Die Erzählweise ist unterhaltsam und sehr persönlich gehalten, der Leser wird direkt angesprochen und man kommt sich vor wie in einem Gespräch auf irgendeiner Parkbank in Berlin.

Eine schöne Lektüre über Themen des Alters, wie man mit der technisierten Welt umgehen kann und wie man das Leben leicht nimmt und Humor an den Tag legt. Ein wenig absurd, lustig und einfach herzerfrischend komisch geschrieben, wird hier klischeehaft so manche Wahrheit ans Licht gebracht.