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Dienstag, 3. September 2019

Nichts wird dir bleiben - Christian Kraus

Ein verwirrender, aber packender Wettlauf gegen die Zeit


Der Psychothriller "Nichts wird dir bleiben" von Christian Kraus erscheint ab August 2019 im Droemer Knaur Verlag.


Ohne eingreifen zu können, muss der Psychoanalytiker Thomas Kern muss mit ansehen wie sich seine junge Patientin in den Tod stürzt. Doch damit nicht genug, er wird beschuldigt, das junge Mädchen missbraucht und in den Tod getrieben zu haben. Man findet Beweise auf seinem Computer. Seine Familie und Freunde distanzieren sich von ihm, seine Tochter Natascha ebenfalls. Als Thomas herausbekommt, dass der Freund seiner Tochter Mitglied einer gefährlichen Sekte ist, beginnt ein perfider Kampf, bei dem Thomas seine Familie schützen muss.
  


Christian Kraus ist ausgebildeter Psychotherapeut und weiß, zu welchen Dingen Menschen fähig sein können. Sein aktuelles Buch beschäftigt sich mit Sekten und ihren skrupellosen Anführern. Was bringt andere Menschen dazu, sich diesen Sektenführern anzuschließen? 
Von dem Tag, andem sich Jennifer das Leben nimmt, entgleitet Thomas Kern sein Leben und es bricht wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Seine Familie wendet sich von ihm ab und er steht völlig alleine da. Niemand glaubt ihm seine Unschuld. Diese Tatsache hat mich am meisten geschockt und die Story hat mich von Anfang an gepackt. 
Christian Kraus hat nicht nur einen interessanten Plot konstruiert, er hat auch die psychologischen Hintergründe der Figuren glaubhaft dargestellt. Außerdem kann man seinem eingängigen und klaren Erzählstil sehr leicht folgen.

Die Charaktere werden schnörkellos und ohne überflüssige Details beschrieben, alle Personen wirken auf den Punkt und erscheinen realistisch. Ich konnte mich aber für keine Person richtig erwärmen, weil ich sie nicht richtig einschätzen konnte. Ein echtes Verwirrspiel, was mich ziemlich gefordert hat.

Es gibt eine große Anzahl an Handlungssträngen und ständige Wechsel und bis man die Handlung endlich näher durchschaut und die Zusammenhänge erkennt, vergeht einige Zeit, doch es wird nicht langweilig. Ein paar Wendungen und ungeahnte Zusammenhänge halten die Spannungskurve hoch und das Mitraten bleibt schwierig. Durch einige Rückblenden bekommt man noch einmal eine andere Sichtweise auf die Figuren geboten.

Das wirklich packende Ende kommt mit schnellen Wechseln der Handlung daher und bringt die Spannungskurve noch einmal zum Ansteigen. 

In diesem packenden Thriller steht der Blick in seelische Abgründe im Vordergrund. Die Psyche des Menschen ist von Fantasien, Ängsten, Emotionen und Erlebnissen geprägt und je nachdem, wie man damit umgehen und schlechte Erfahrungen verarbeiten kann, sorgt für das Verhalten der Person.

Ein gut konstruierter Thriller rund um das Thema Sekten, der zeigt, wie sich Menschen von anderen, selbst ernannten Anführern beeinflussen und anleiten lassen. Man wirft beim Lesen einen Blick in die Abgründe einer kranken Psyche und erkennt mit Gruseln, wie die Gruppendynamik in Sekten funtioniert.


***Herzlichen Dank an den Droemer Knaur Verlag für dieses Reziexemplar!***



Ebenfalls von Christian Kraus:
 

Sonntag, 17. März 2019

Mörderhaus - Vanessa Savage

Ein unblutiger und mit viel Feingefühl geschriebener Thriller



Der Psychothriller "Mörderhaus" der englischen Autorin Vanessa Savage erscheint am 1.2.2019 im Knaur Verlag

Patrick verwirklicht seinen lang gehegten Traum und kauft für seine Familie das Haus in Wales, in dem er aufgewachsenen ist. Er beschreibt es als heimelig und malerisch gelegen. In Wahrheit ist es  eher feucht, kalt und baufällig, denn seit dort ein Mann seine Familie ermordet hat, stand es leer. Von
diesen Hintergründen erzählt er seiner Frau Sarah und den Kindern Mia und Joe nichts. Diese Geschichte scheint immer noch im Haus zu stecken, denn Sarah fühlt sich beobachtet und bemerkt bei Patrick eine zunehmende Veränderung im Wesen.




Titel und Cover haben hier mein Interesse geweckt und die dem Buch vorangestellte Schlagzeile machte mich neugierig.
Schnell entdeckt man, dass hinter der scheinbar perfekten Fassade dieser Familie nicht alles in Ordnung ist. Sie ziehen in ein Haus, indem sich eine schreckliche Tragödie abgespielt hat. Dieses Unglück scheint im Haus weiter umzugehen, das fühlt Sarah. Sie wird von einem Fremden beobachtet, es erfolgen stumme Anrufe und anonyme Geschenke. Außerdem wird ihr Mann Patrick immer merkwürdiger. Allmählich erfährt Sarah von der Geschichte des Hauses, manche Dinge, die sie wahrnimmt, scheinen aber auch ihren Träumen unter dem Einfluss von Tabletten herzurühren. 

  Dieser Thriller lebt von seiner Story und den leisen, subtilen Gruseltönen. Die Autorin hat einen intensiven und Angst aufbauenden Schreibstil, der sich gut lesen lässt, der mich mitgezogen und beeindruckt hat. Auch wenn der Erzählstil eher ruhig und romanähnlich wirkt, so sorgt gerade das  Unaufdringliche für eine lauernde Gefahr, es geschehen Wendungen, die man nicht richtig einschätzen kann und die daher bedrohlich wirken. Was ist wahr und wer ist böse, wem kann man in dieser Geschichte trauen?
Es gibt jedoch auch einige erzählerische Längen, so schenkt die Autorin einzelnen Vorgängen des Alltagslebens und auch der Renovierung viel Beachtung, die meiner Meinung nach nicht nötig gewesen wäre.
  
Das Setting ist perfekt gewählt, die gruselige Atmosphäre liegt über der Handlung wie ein düsterer Schleier, der alles vernebelt.

Die Charaktere sind undurchsichtig, haben eigenartige Verhaltensweise und sind für mich irgendwie nicht zu greifen, ich habe von ihnen kein klares Bild vor Augen gehabt. Das hat mich etwas gestört, ist aber für Thriller durchaus der übliche Fall und sorgt für Ungewissheit und Spannung.
Hier war bei den Figuren jedoch zu viel unnormales Verhalten an der Tagesordnung. Sarah hat psychische Probleme, Mia glaubt an übersinnliche Erscheinungen, Patrick ist besessen von diesem Haus und Joe ist ein dünnhäutiges Sensibelchen.  
Auch die Nebenfiguren werfen ein undurchsichtiges Bild auf das Geschehen.

Die Handlung enthüllt immer mehr Lügen und Geheimnisse der Figuren und nach und nach werden immer mehr Hintergründe aufgedeckt.


"Das Mörderhaus" ist ein Thriller, der erst allmählich Fahrt aufnimmt, unblutig und doch nervenaufreibend erzählt wird.   



***Mein herzlicher Dank geht an den Knaur Verlag für den Erhalt dieses Rezensionsexemplars!*** 



            

Donnerstag, 8. November 2018

Der Insasse - Sebastian Fitzek

Schauriges aus dem Inneren der Psychiatrie!


Sebastian Fitzeks Psychothriller "Der Insasse" erscheint im Oktober 2018 als Hardcover im Droemer Verlag

Vor einem Jahr verschwand Till Berkhoffs Sohn Max. Der Täter wurde in eine Psychiatrie eingeliefert und sitzt dort in einem Hochsicherheitstrakt. Er hat noch mehr Kinder entführt, gequält und getötet. Till will endlich wissen, was mit seinem Sohn geschehen ist, der Täter schweigt. Die einzige Möglichkeit sieht Till nun darin, sich selbst einweisen zu lassen, um nähere Informationen vom Täter zu bekommen. Doch damit wird er selbst nicht nur zu einem Insassen, sondern offiziell auch zu einem Täter.   




In diesem Thriller hat Sebastian Fitzek mal wieder eine perfide Idee ausgearbeitet. Denn wer im Hochsicherheitstrakt einer Psychiatrie landet, wurde vom Gericht zur Sicherungsverwahrung dort eingewiesen.  

Info: Die Sicherungsverwahrung oder Sicherheitsverwahrung ist eine freiheitsentziehende Maßregel der Besserung und Sicherung im deutschen Strafrecht. Sie soll dazu dienen, die Allgemeinheit vor gefährlichen Straftätern zu schützen, und hat somit Präventivfunktion

Einer dieser Fälle ist Guido Tramitz, ein gestörter Mann, der mehrere Kindesentführungen und Tötungen auf dem Gewissen hat. Auch Max Berghoff war sein Opfer, aber über dessen Verbleib schweigt er sich aus. Seine Anwältin, die sich in ihn verliebt hat, rät ihm dazu. 

Was steckt nun hinter diesem Fall von Max?  
Inzwischen ist Till Berghoffs gescheitert und er hat durch seine jähzornige Art seinen Job verloren. Sein ganzes Denken kreist um den geliebten, verlorenen Sohn. Sein Schwager sorgt schliesslich mit einem besonderen Schachzug für eine neue Identität Tills, er geht als Täter in die Klinik, in der auch auch Tramitz verwahrt ist. 

Doch als Insasse wird Till für die Taten seines vermeintlichen neuen Ichs auch zur Rechenschaft gezogen. Kindsmörder sind auch unter den Inhaftierten nicht gut gelitten. Es wird ein gefährlicher Aufenthalt, bei dem Till einigen Übergriffen ausgesetzt ist. Außerdem läuft in dieser Klinik nicht alles 

Auch wenn mich der Handlungsort und der Hintergrund dieser Geschichte sehr interessiert hat, konnte es mich das Buch doch erst ab der Mitte mit den Mordermittlungen richtig fesseln. Ich hatte bei der Beschreibung der Szenen im Gruselkeller und in der geschlossenen, psychiatrische Abteilung Gänsehaut. Wenn Kinder zu Opfern werden, ist das immer besonders schrecklich und nimmt mich sehr mit.

Inhaltlich hatte der Thriller viele spannende Elemente, einige blutige Vorgänge und die Wendungen sorgten für überraschende falsche Fährten, die Fitzek besonders beherrscht und die ich inzwischen auch von ihm erwarte. Der Schreibstil ist ungemein flüssig, die wechselnden Perspektiven der Kapitel sorgen für zusätzliches Tempo und beleuchten die Hintergründe der Ereignisse genauer. Außerdem lernt man dadurch die facettenreichen Charaktere besser kennen und sie ziehen den Leser gekonnt in ihren Bann. 

Ich wurde besonders von der gruseligen Atmosphäre gebannt, die Angst lebte in mir mit dem Insassen mit. Schockierende Szenen und ein außergewöhnlicher Plot fesseln an das Buch.
 

Dennoch gibt es einige unlogische Vorgänge, die ich nicht als wahrscheinlich ansehen kann. Ich habe mal hingenommen, dass hier ein Mensch eine fremde Identität annehmen konnte und die Einweisung in die Psychiatrie unbemerkt vonstatten ging. Doch das ist mein Kritikpunkt, den ich nicht unerwähnt lassen möchte.


Fitzek bringt den Leser auf falsche Fährten, zeigt menschliche Abgründe auf und sorgt mit reichlich Emotionen für einen packenden Thriller. Man taucht ab in ein unheimliches Szenario im Inneren eines psychiatrischen Gefängnisses und erlebt die Trauer und Wut von Eltern auf die grausamen Täter mit. Nicht der beste Fitzek, aber ein sehr lesenswerter! 


***Herzlichen Dank an den Droemer Verlag für die Übersendung dieses Thrillers!***




Weitere Bücher des Autors: 

Sonntag, 21. Oktober 2018

Lügen. Nichts als Lügen - Helen Callaghan

Kein echter Psychothriller und hat mich nicht überzeugt 


"Lügen. Nichts als Lügen" ist ein Psychothriller von Helen Callaghan, der als deutsche Übersetzung am 01.10.2018 im Knaur Verlag erscheint. 


Sophia erlebt gerade einen heißen Flirt, als sie einen ängstlich klingenden Anruf ihrer Mutter Nina bekommt. Sie möchte bitte nach Hause kommen. Doch Sophia nimmt das nicht ernst, denn zu häufig hat ihre Mutter schon überreagiert. Hinterher bereut sich das zutiefst, denn was sie danach erwartet, hätte sie sich in den schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können. Ihre Mutter findet sie erhängt an einem Baum vor und ihren Vater blutüberströmt und ohne Bewusstsein. Was ist hier geschehen und wer hat diese braven und friedlichen Menschen auf dem Gewissen?


                               
 

"Sophia, du bist die Weltseele. Du bist göttliche Weisheit, hineingezwängt in einen sterblichen Traumzustand, eine Art Dornröschenschlaf." Zitat Seite 349 

In diesem Buch vereinen sich Familiendrama, eine Sekte mit Hippieverhalten und ein Kriminalfall, der das Leben von Sophia auf den Kopf stellt. Nichts von dem was ihre Eltern ihr vorgelebt haben, stimmt, alles ist Lüge gewesen und erst jetzt erfährt sie durch dieses schreckliche Ereignis davon.
Die Thematik finde ich äußerst spannend, Sophia findet nähere Informationen über ihre Eltern in versteckten Notizbücher, darin offenbahrt sich eine Sektenzugehörigkeit ihrer Mutter. Davon hatte Sophia keine Ahnung und immer mehr taucht sie in die Vergangenheit ihrer Mutter ein. Entsetzen und Fassungslosigkeit machen sich bei ihr breit. An den von der Polizei vermuteten Selbstmord glaubt Sophia nicht.


Diese Geschichte beginnt außerordentlich dramatisch, doch dann entwickelt sich die Handlung mehr und mehr als Familiendrama, in dem Sophias Mutter Nina die Hauptrolle einnimmt. Ihr Leben in den 80er Jahren in der Sekte "Morningstar" wird nach und nach sichtbar. Der Anführer Aaron Kessler ist ein ehemaliges Rockband-Mitglied und Nina verfällt ihm vom ersten Moment an. Sie ist eine junge, schüchterne und beeinflussbare Person und damit ein geeignetes Opfer für Aaron. Drogen, Alkohol und Sex gehören zum Lebensstil der Kommunen-Anhänger und Nina lässt sich darauf ein. Es geht um Bewusstseinserweiterung, das Leben als Ganzes ohne individuelle Persönlichkeit und dem Gehorchen des Gurus. Man fühlt sich an die Bhagwan-Kommunen in Indien erinnert.


Die Figuren werden bis auf Sophia, Nina und Aaron nicht sehr deutlich gezeichnet. Es wird hinter die Kulissen der Sekte geschaut, einige Erlebnisse Ninas überraschen und man bekommt einen Eindruck, wie schnell Abhängigkeiten entstehen können.
Die Ermittlung des Todesfalls macht sich die Polizei sehr leicht, sie glaubt an einen Suizid, ein Familiendrama und so bleibt es Sophia überlassen, selbst ermitteln. Dafür benötigt sie nur die Notizbücher ihrer Mutter, die Wahrheit ist dort verborgen. 


Die Rahmenhandlung und der Schreibstil haben mir gefallen, die Ausarbeitung hat jedoch einige Längen und die Vorgänge, die einen Psychothriller rechtfertigen würden, haben mir ebenfalls gefehlt. 




Dieser Thriller hat die Qualität eines Dramas, nicht mehr und nicht weniger. Das Thema Sektenzugehörigkeit und Abhängigkeit werden hier gut aufgezeigt, die Spannung bleibt aber etwas auf der Strecke.


***Vielen Dank an den Knaur Verlag für die Übersendung dieses Rezensionsexemplars!***
 
                   

Mittwoch, 5. September 2018

Töte, was du liebst - Christian Kraus


Packend geschriebener Psychothriller mit verstörenden Figuren 


Der Psychothriller "Töte, was du liebst" von Christian Kraus erscheint 2018  im Droemer Verlag.


Kaum hat der junge Kommissar Alexander Pustin seine Stelle bei der Hamburger Mordkommission angetreten, findet man an der Elbe einen Toten, er starb an einer Messerattacke, die direkt ins Herz ging. Bei den Ermittlungen lernt er die Rechtsmedizinerin Luise Kellermann kennen, für ihn ist es die große Liebe. Aber Luise ist ein abweisender Charakter und lässt erst allmählich Alexanders Nähe zu. Hinter ihrer kühlen, spröden Fassade schlummert eine verborgene Seite ihres zweiten Ichs.

 

 

In diesem abgründigen Psychothriller schreibt der forensische Psychiater und Psychotherapeut Christian Kraus über eine gespaltene Persönlichkeit und das Psychogramm einer gestörten Seele.


"Resignation tötet Hoffnung." Seite 103 Zitat

In diesem Buch lässt Christian Kraus den Mörder selbst erzählen, man soll Verständnis für seine Taten aufbringen, was mir allerdings nicht gelingt. Jedoch wird schnell klar, dass man es hier mit einer gestörten Persönlichkeit zu tun hat. Der Täter nennt sich Rafael und erklärt seine dunkle Seite.

Zusätzlich wird auch aus der Sicht des Opfers, von Alexander Pustin und von Luise Kellermann erzählt. Dieser Mix ist zwar interessant, weil so die jeweiligen Gedanken, Ängste und Nöte aufgezeigt werden, es verwirrt aber zunehmend, da sich neben den Figuren auch die Zeiten zwischen Gegenwart und Vergangenheit vermischen.


Mit Alexander lernen wir einen aufbrausenden jungen Mann kennen, der seinen Beruf als Kommissar gern ausübt. Ihn belasten einige Probleme, die mit seiner Familie und seiner eigenen Vergangenheit zu tun haben. 
Er lernt die Gerichtsmedizinerin Luise kennen, verliebt sich in sie und wird im weiteren Verlauf der Handlung noch mehrfach ihr Retter in der Not. Denn Luise hat hinter ihrer makellosen medizinischen Fassade ebenfalls ein dunkles Geheimnis. Nach und nach kommt man dahinter und erfährt von ihrer schwierigen Kindheit. 

Die Liebesgeschichte ist etwas klischeehaft, hat mich aber gut unterhalten, auch wenn ich für die Protagonisten keine Sympathie entwickeln konnte. 

Wer sich an diesen Thriller wagt, sollte blutige Szenen vertragen können, aber auch kein Problem mit den Tiefen von menschlichen Abgründen haben, in die man in diesem Buch unweigerlich gezogen wird. Für mich war die Handlung besonders durch die undurchsichtigen psychischen Probleme schwer zu durchschauen. Das hat aber dazu geführt, dass ich den Täterverdacht häufig geändert habe. 

Es ist für mich schwer zu verstehen, wie jemand von Tiermorden auf Menschen umschwenkt.

Und wenn man keine psychologische Kenntnisse über gespaltene Persönlichkeiten hat, wird man noch einiges andere als verstörend empfinden. 

Vom Schreibstil her konnte mich der Autor überzeugen, die Tätersuche konnte mich trotz einiger Vorahnungen fesseln und eine gewisse Grundspannung hat mich ergriffen. Gestört hat mich der unruhige Handlungsaufbau, der durch Zeitsprünge der Figuren etwas uneindeutig erscheint.

Es wäre hilfreich gewesen, wenn man die psychologischen Anmerkungen im Verlauf des Buches eingestreut hätte und nicht erst im Nachwort. Das entscheidende Wissen wird man aus der Lektüre des Thrillers nicht erwerben und daher ist die Einordnung der Figuren nicht ganz einfach, da fast alle irgendwie gestört sind.  


Dieser Thriller hat einen psychologischen Ansatz, der interessant zu verfolgen ist. Er fesselt, weil die Figuren mit ihren psychischen Problemen schwer einzuschätzen sind. Vielleicht sollte man das Nachwort dem Buch voranstellen. 


***Mein herzlicher Dank geht an den Droemer Verlag für dieses Rezensionsexemplar.***




Mittwoch, 1. November 2017

Ich will brav sein - Clara Weiss

Konnte mich nicht so packen: viel Erzählung, viel Gruselstimmung, vorhersehbarer Täter, aber ein tolles Ende!


Das zweite Buch von Autorin Clara Weiss ist der Psychothriller "Ich will brav sein", er erscheint 2017 im Goldmann Verlag.(Werbung)

Juli zieht von Berlin nach München, um dort ihr Psychologiestudium zu beginnen. Die Trennung von ihrem Freund Hannes soll nur vorläufig sein. Finanziell ist Juli knapp ausgestattet und so ist sie froh, ein Zimmer bei der charismatischen Greta, Margaretha Brandstätter, zu bekommen. Sie ist Schauspielerin und hat so ihre Eigenarten, aber die jungen Frauen verstehen sich gut. Kurz nach Julis Einzug findet sie mit Gregor, Gretas Freund, eine Leiche auf dem Dachboden des Hauses. Es ist ein grausiger Anblick, denn aus dem Mund der Leiche quellen rote Haare und an der Tür zum Dachboden befindet sich eine Botschaft in kindlicher Schrift: Ich werde brav sein. Von da an beginnt eine unheimliche Stimmung im Hause und gemeinsam mit der Sommerhitze rauben sie fast Julis Verstand.


"Der Geruch von altem Holz und dickem Staub, der die Treppe herabschlich, schnürte ihr die Kehle zu. Ihre Knie wurden weich, doch die Mutter drängte sie unnachgiebig weiter hinauf, Stufe für Stufe." Zitat Seite 7

Die Story beginnt ziemlich schleppend und auch wenn die Einblenden aus dem Leben eines kleinen Mädchens erschüttern und berühren, aus ihnen wird man nicht sofort schlau. Julis Einleben nimmt eine gewisse Zeit ein und die Geschichte legt dann erst ab der Hälfte des Buches an Fahrt zu und bringt mit gruseligen Szenen auf dem Dachboden eine unheimliche Stimmung mit, der man als Leser ratlos, aber auch gespannt folgt. 

Für mich war dieser Thiller ein Buch, bei dem ich mich lange abgemüht habe. Denn auch wenn man die Bosheit und das Böse einiger Personen ahnen kann, so kann man die Story doch nicht durchschauen. Immer wieder sorgen Einschübe der Geschichte des kleinen Mädchens für Besorgnis, man wird daraus aber nicht schlau. So etwas verlangsamt meinen Lesefluss stets gewaltig. Aber ich habe mich durch das Buch gekämpft, die allgegenwärtig beschriebende Hitze ertragen und  wurde dann mit einem spektakulären Ende belohnt. Der Blick in dunkle Seelen und tiefe Abgründe der Psyche ist der Autorin inhaltlich gut gelungen.

Der Schreibstil der Autorin hat mir gut gefallen, sie schreibt flüssig, intensiv und lässt die Sommerhitze durch das Buch flimmern. Auch ihre Einblicke in die Gedanken und Erlebnisse des Kindes erscheinen sehr gewaltig. 
Mich stören aber auch die häufigen Aufzählungen von Kleidung, Gegenständen und Lebensmitteln. Das wirkt zwar sehr übersichtlich und umfassend, sodass sich der Leser ein genaues Bild machen kann, aber es ist mir einfach ein zu häufig eingesetztes Mittel zum Zweck.

Von Beginn an hat mich die Story um das Kind verwirrt und da das Rätsel um sie erst gegen Ende aufgeklärt wird, hatte ich Lesephasen, bei denen ich schon das Handtuch werfen wollte. Hier braucht man einen langen Atem.  


Ein Thriller mit vielen Details und mysteriösen Geschehnissen!  


***Herzlichen Dank für das Leseexemplar, das ich beim Bloggerportal angefragt habe und vom Goldmann Verlag erhielt!***




Freitag, 21. Juli 2017

Die Moortochter - Karen Dionne

Der Psychothriller "Die Moortochter" der amerikanischen Autorin Karen Dionne erscheint 2017 im Goldmann Verlag.
(Werbung)

Ein Buch zum Verschlingen!


Helena Pelletier jagt ihren indianischstämmigen Vater, der aus einem Hochsicherheitsgefängnis ausgebrochen ist und dabei zwei Menschenleben in Kauf genommen hat. Was hat er vor, will er in der Wildnis abtauchen? 






"Die amerikanischen Ureinwohner haben das Konzept der Nachhaltigkeit begriffen, lange bevor es einen Namen dafür gab." Zitat Seite 261


Helena lebt mit ihrer Mutter und ihrem Vater in völliger Isolation im Moorland der Upper Peninsula. Diese Wildnis ist früheres Indianerland, urwüchsig, fast unbesiedelt. Sie ist Fährtenleserin und Jägerin, denn das ist hier überlebenswichtig. Es gibt keinen Strom und kein fließendes Wasser, keine Heizung und kein Geschäft für Grundnahrungsmittel. Alles was man zum Leben braucht, muss aus dem Wald, den Bächen und Seen und aus der Natur geholt werden. Helena vermisst keine Zivilisation, denn die hat diese gar nicht kennengelernt. Sie liebt das freie Leben in der Natur und sogar ihren gewalttätigen Vater, bis sie erfährt, dass er ihre Mutter als junges Mädchen entführt hat und sie kein Kind der Liebe ist.

Bei diesem Psychothriller konnte ich nicht aufhören zu lesen, ich habe ihn gestern erst erhalten und heute beendet. 

Ein Buch zum Verschlingen, das MUSS man lesen!

Selten war ich so fasziniert von einem Thriller wie bei "Die Moortochter". Gänsehautgefühle bei einer besonderen Verfolgungsjagd Helenas auf ihren Vater wechseln ab mit wunderschönen Landschaftsschilderungen und eindringlich geschildertem primitiven Einsiedlerdasein in der Wildnis.


An Helenas Seite streift man durch unberührte Natur, sieht die Tiere der Wildnis mit ihren Augen. Ich beobachte Kaninchen, Waschbären, Biber, Bären und Hirsche aus nächster Nähe und erfahre, wie diese Tiere zu jagen und zu schlachten sind. Sogar ein einzigartiges Erlebnis mit einem Wolf bringt uns Helena näher. Wenn sie erzählt, scheint ein Film abzulaufen. Fast spüre ich auch die entsetzlich juckenden Stiche und Bisse der Pferdebremsen, Gnitzen und Stechmücken, die in den Sommermonaten hier auftreten. Ich bewundere gewaltige Wasserfälle, sehe die Hickorybäume, aus denen die Indianer Bogen herstellten, sammel Wilderdbeeren und Heidelbeeren und entdecke wilde Schwertlilien, Seerosen und gelbe Ringelblumen (Marigold). Man kann sich kaum sattsehen an dieser prachtvollen Natur.


Doch immer wieder durchbricht Helenas Geschichte mit grausamen Details ihrer Kindheit diese vermeintlich schöne Idylle. Was hier zutage tritt, ist ein narzistisch veranlagter Vater, der sich seiner Wurzeln als Indianer bewusst ist, in der Natur überleben kann und über Helena und ihre Mutter herrscht wie ein Despot. Ein brutaler Mensch, ohne väterliche Liebe, sondern nur dem eigenen Zweck unterworfen. Kaum vorstellbar, dass Helena ihn trotz der harten Strafen und Schläge mochte. Aber echte Liebe wurde ihr nicht entgegengebracht, woher sollte sie diese dann erkennen.

Die Wechsel zwischen Helenas Kindheitserzählungen und der aktuellen Jagd auf ihren aus dem Hochsicherheitsgefängnis entlaufenen psychopathischen Vater, machen dieses Buch einzigartig fesselnd. Nur Helena mit ihrer Kenntnis der Wildnis kann ihn stellen. Sie kennt sich im Moor aus, bewaffnet sich und findet, nur begleitet von ihrem Hund, seine Fährte.  


Ich habe mitgefiebert, die Gelegenheiten dieser Jagd auf Leben und Tod mit Gänsehaut miterlebt und habe gedacht: "Schieß doch, Helena!".  


Diesen Thriller MUSS man lesen, es ist eine meiner Buchentdeckungen im Jahre 2017! 
Sensationell mitreißend geschrieben, ein Strudel von Spannung, Naturschönheit der Wildnis und den Drangsalen durch einen Psychopathen. 


 ***Dieser Thriller ist ein Rezensionsexemplar über das Bloggerportal von Randomhouse, herzlichen Dank an den Goldmann Verlag!***





Samstag, 15. April 2017

Passagier 23 - Sebastian Fitzek

Schade, dieses Buch konnte mich nicht überzeugen!


Sebastian Fitzek ist ein Garant für Bestsellerthriller. Sein Buch "Passagier 23" erschien 2014 im Knaur Verlag. [Werbung]

Der Polizei-Psychologe Martin Schwartz hat vor fünf Jahren seine Frau und seinen Sohn verloren. Beide verschwanden spurlos während der Überfahrt des Kreuzfahrtschiffs „Sultan of the seas‘‘ von Hamburg nach New York. Mit der Erklärung der Reederei, es handelte sich um „erweiterten Suizid“, kann und will Schwartz sich nicht abfinden. Martin ist seitdem ein psychisches Wrack und arbeitet inzwischen als verdeckter Ermittler. Als eine ältere Dame, die Autorin und Dauergast auf der Sultan ist, ihm Hinweise zum Verbleib seiner Familie verspricht, geht er an Bord des Ozeanriesen und kommt weiteren Fällen auf die Spur. Dabei setzt er sein Leben aufs Spiel.



Wieder einmal hat mich ein Fitzek nur mittelmäßig zufriedengestellt. Es wird in diesem Buch mit wilden Ideen einfach zu sehr übertrieben. Besonders der Ermittler macht auf mich einen grenzwertigen Eindruck mit seinen fragwürdigen Aktivitäten. 


Die Grundthematik ist hervorragend für einen Thriller geeignet, es geht um spurlos verschwundene Menschen, Passagiere an Bord von Kreuzfahrtschiffen. Diese Vermissten gehören mit einer jährlichen Durchschnittszahl von 23 Personen inzwischen zur Realität dieser gigantischen Cruiseliner und werden aus enormen Kostengründen zu Suiziden erklärt. Eine polizeiliche Untersuchung würde das Urlaubsleben auf dem Schiff erheblich mindern und das Weiterfahren blockieren. Eigentlich ein Unding des Vertuschens, doch nur wenn eine verschwundene Person wiederauftaucht, fällt das auf. Hier im Thriller ist das der Fall. 


Martin Schwartz begibt sich auf den Luxusliner Sultan, erfährt vom Fall eines Mädchens, das vor Monaten verschwand und plötzlich wieder aufgetaucht ist. Sie hatte den Teddy seines Sohnes bei sich. Zu seinem Entsetzen wurde sie auf dem Schiff versteckt gehalten, damit die Öffentlichkeit nichts erfährt. Soweit so gut, aber dann kommen immer mehr Vorgänge, die schlicht und einfach unrealistisch klingen. Freiwillige Aidsinfizierung zum Beispiel. 


Die Handlung wird zunehmend unglaubwürdiger, auch konnte ich mich nicht wirklich in die Personen hineinversetzen. Was als realistisch wirkender Thriller begann, entwickelte sich zu einer Geschichte, der in meinen Augen eine authentische Handlung fehlte und die durch Effekthascherei nicht punkten konnte. Es gibt fesselnde Szenen, ohne Frage, aber irgendwie wirken die auf mich doch extrem konstruiert, so als ob dem Leser hier in bestimmten Mengen "Thrill" geboten werden sollte. 

Der Schreibstil Fitzeks ist wie gewohnt fesselnd. Man ist schnell im Geschehen mittendrin. Die kurzen Kapitel mit häufig wechselnden Personen und Schauplätzen sorgen zudem für Spannungsaufbau. Interessant finde ich die Beschreibung von Decks und Kabinen, die nicht für Passagiere zugänglich sind. Erst allmählich wird die Handlung dem Leser verständlicher und fügt sich zu einem rätselhaften Ganzen. Die vielzähligen Charaktere haben mich nicht überzeugt, sie bleiben wie auf einem Kreuzfahrtschiff blass und annonym. Immer hatte ich die Frage im Hinterkopf, welche Motive diese Personen zu ihren Taten treibt, wer der Entführer ist. Immer mehr rätselhafte Ereignisse liessen die Geschichte immer mysteriöser erscheinen. 



Am Ende gipfelt alles in einer Auflösung, die anders ist als vorher gedacht. Doch damit nicht genug, es gibt erneut eine neue Auflösung. Für mich bleibt am Ende ein Gefühl der Unlogik zurück, Motive und Handlungen einiger Figuren lassen auf psychopathische Züge schliessen.




Dieser Thriller ist mir zu übertrieben, zu durchgeknallt und schlicht und einfach unglaubwürdig. Wo ist der Fitzek, den ich so gern gelesen habe?  



Samstag, 14. Januar 2017

Das Paket - Sebastian Fitzek

Mit Psychospielchen und Zeitsprüngen wird dieses Buch zum Pageturner

 

Autor "Sebastian Fitzek" hat mit seinem neuen Thriller Das Paket aus dem Droemer Verlag ein außergewöhnliches Buch vorgelegt, besonders in der Art der Verpackung.

Seit die junge Psychiaterin Emma Stein in einem Hotelzimmer vergewaltigt wurde, verlässt sie das Haus nicht mehr. Sie war das dritte Opfer eines Psychopathen, den die Presse den »Friseur« nennt – weil er den misshandelten Frauen die Haare vom Kopf schert, bevor er sie ermordet.
Emma, die als Einzige mit dem Leben davonkam, fürchtet, der »Friseur« könnte sie erneut heimsuchen, um seine grauenhafte Tat zu vollenden. In ihrer Paranoia glaubt sie in jedem Mann ihren Peiniger wiederzuerkennen, dabei hat sie den Täter nie zu Gesicht bekommen. Nur in ihrem kleinen Haus am Rande des Berliner Grunewalds fühlt sie sich noch sicher – bis der Postbote sie eines Tages bittet, ein Paket für ihren Nachbarn anzunehmen.
Einen Mann, dessen Namen sie nicht kennt und den sie noch nie gesehen hat, obwohl sie schon seit Jahren in ihrer Straße lebt ...  (Klapptext)

 



Dieses Mal hat der Autor ein echtes Paket für seine Leser bereitet, das mich mit einer irren Story, ordentlich Gruseleffekt, aber auch zeitlichen Sprüngen bis zum Schluss gepackt hat.

Bei Thrillern hängt meine Meinung immer an der Glaubwürdigkeit und Realitätsnähe der Handlung. Bei diesem Thriller musste ich erst über einen zweifelnden Ansatz hinweglesen, bis ich dem Pageturner verfallen war.
Denn so manches konnte mich nicht mit der Protagonistin Emma warm werden lassen. Sie hat durch ihre Erlebnisse natürlich psychische Schäden, die ihr ein normales Erleben von Alltagsereignissen erschweren. Sie fühlt sich weiterhin von ihrem Peiniger verfolgt und lebt in ständiger Angst und voller Selbstzweifel. Das zeigt Sebastian Fitzek wirklich sehr authentisch und auch ich konnte die Angst zeitweilig spüren. Allerdings finde ich einige Szenen bei aller Spannung doch etwas übertrieben und ich konnte nicht immer Emmas Verhalten nachvollziehen.

Fitzek schafft es, mit ordentlich Psychothrill, seine Leser zu verwirren und mit seinen Cliffhangern an das Buch zu fesseln. Seine Wendungen und die nervliche Anspannung der Protagonistin lassen einen kaum los.

Ich hatte schon früh einen Täterverdacht, denn es gab eine bestimmte Profiler gestütze Analyse, die das Täterprofil deutlich machte. Aber am Ende lag ich doch daneben.
Die Charaktere werden überzeugend dargestellt, nur Emmas Mann Philipp erscheint recht blass und undurchsichtig. 


Gestört haben mich die zeitlichen Sprünge und persönlichen Verstrickungen, die die Geschichte zu einem Ratespiel machen. Hier wäre ein eindeutigerer Ablauf sicherlich positiver gewesen. 



Auch wenn ich so meine realistischen Zweifel an dieser Geschichte habe, hat mich das Buch mitgerissen und es wurde mit meinen Gefühlen gespielt. Daher vergebe ich 4 Sterne und hoffe auf weitere Thriller unseres bekanntesten deutschen Thrillerautors.  


Sonntag, 11. September 2016

Erlöse mich - Michael Robotham

Spannend durch das Thema der Persönlichkeitsspaltung, aber insgesamt zu konstruiert!

 

"Erlöse mich" ist der 9. Band einer Thrillerreihe von Michael Robotham aus dem Jahr 2014, herausgegeben wurde das Buch im Goldmann Verlag


Marnie ist eine sympathische Frau, deren Mann Daniel vor über einem Jahr verschwunden ist. Er hinterließ ihr neben zwei Kindern auch eine Menge Schulden, die Marnie nun auch noch begleichen muss. Als Escortdame verdient sie nun ihr Geld und gleichzeitig bekommt man auch noch ein anderes Bild von ihr zu sehen. Denn Marnie fühlt sich beobachtet und lässt sich wegen dieser Ängste von Psychologe Joe O'Loughlin behandeln.


So wenige Leute haben zu ihr gestanden.
Freunde haben irgendwann nicht mehr angerufen.
Einladungen sind ausgeblieben.
Unglück ist wie eine ansteckende Krankheit. Zitat Seite 129


Der Thriller zeigt eine Frau, die man schlecht einschätzen kann, einerseits ist sie die liebende und sorgende Mutter ihrer Kinder, andererseits behaupten ihre Bekannten von ihr, sie sei eine Psychopathin. Wie schrecklich Marnies Situation seit dem Verschwinden ihres Mannes ist, erfährt man im Buch hautnah mit. Weil ihr Mann Spielschulden bei einem Kredithai hat, hält der sich an Marnie und will, dass sie die Geldsumme begleicht. Mit solchen Leuten möchte man sich nicht gern anlegen und so versteht man Marnies Ängste nur zu gut. 

Aber es gibt so einige Dinge aus Marnies Leben, die für Entsetzen sorgen und doch fängt man an, nicht mehr zu wissen, was man von ihr halten soll. Einige Personen, die ihr Unrecht antaten, erleben schreckliche Dinge, man könnte sagen: Leichen pflastern ihren Weg. 

Hat sie eine Persönlichkeitsspaltung und geht auf ihre Weise mit ihren Feinden um?

Es ist eine verwirrende Handlung, bei der man sich als Leser über Marnie nicht im Klaren ist. 

Auch die Polizei ermittelt und Joe und Vincent tauschen sich über den Fall aus. Ihre Dialoge sorgen mit ironischer Schärfe für Unterhaltung und ihre Ermittlung erscheint zielstrebig. Immer mehr Opfer finden sie auf ihrem Weg und Marnies Rolle wird immer undurchsichtiger.

Was mich an diesem Buch gestört hat, ist das fehlende Tempo am Anfang. Hier geschehen viele für die Handlung nicht so relevante Dinge und einiges wirkt sehr konstruiert. 

Dennoch ist der Plot interessant und gerade durch die schwierig einzuschätzende Marnie gut zu lesen. Der Schreibstil ist durchgängig gut und mit einigen Cliffhängern wie zum Weiterlesen gemacht.

Ein vielschichtiger Psychothriller, der menschliche Abgründe zeigt und mit einer sehr undurchsichtigen Protagonistin für raffinierte Abwechslung sorgt.




Mittwoch, 24. August 2016

Der Traummacher - Max Bentow

Animalische Vorgänge verursachen Gruselgefühle!


"Der Traummacher" ist der 6. Band der Thrillerreihe um den Berliner Ermittler Nils Trojan von Erfolgsautor Max Bentow. Der Thriller erscheint 2016 im Goldmann Verlag

Simona Wiesner ist jung und lebenslustig, führt mit ihrer Freundin Alina eine Werbeagentur in Berlin und will ihr Leben so richtig auskosten. Bis sie auf tragische Weise an einem angeborenen Herzfehler stirbt. Für ihre Mutter wird dieser Tod zu einem Trauma und es verfolgen sie furchtbare Bilder mit Simonas Stimme. Als auch sie ein Jahr später grausam ermordet wird, finden sich rätselhafte Biss-Spuren auf ihrem Körper.
Nils Trojan hat eigentlich Urlaub, doch dieser Mord hat Vorrang und so stürzt er sich mit seinem Team in diesen rätselhaften Fall. Eine fieberhafte Suche nach dem Täter beginnt!





Bei diesem Thriller hat Max Bentow alle Register der Thrillerkunst gezogen. Im Prolog lässt er den Leser teilhaben an einem irren Ritt auf einer fahrenden S-Bahn zu dem Simona ihren Bekannten Luis überredet. Was geht in ihnen vor, dieses Wagnis erleben zu wollen? Dieses riskante Unterfangen überleben sie, kurz darauf stirbt die junge Frau jedoch an einem Herzfehler.

Für ihre Mutter ist dieser Tod ein Trauma und sie wird verfolgt von Simonas Bild und Stimme, begleitet von einem gräßlichen Höllenhund. Ist sie verrückt geworden oder sind das die Folgen ihres Traumas? Auch im weiteren Verlauf erscheint Simona ihrer Freundin Alina und Freund Luis. Was wird hier gespielt? Gibt es eine Doppelgängerin oder erliegt der Leser hier seiner Phantasie? 


Max Bentow versteht es zu verwirren und man irrt durch die erschaffene Traumwelt und liest gespannt weiter, um endlich die Lösung zu wissen.
 

Nils Trojan kann sich keinen Reim auf die schrecklichen Vorkommnisse machen. Es sind Drogen im Spiel, so viel ist schnell klar. Da der Leser durch die Beschreibungen der Personen und die verstörenden Situationen allerdings immer ein wenig mehr weiß als Trojan, macht man sich auf die Suche nach den verbindenden und erklärenden Elementen. Doch hier hat der Autor mit geschickten Andeutungen und das Auslassen von Informationen an den entscheidenden Stellen einen raffinierten Handlungsverlauf geschaffen, der wirklich beeindruckt. 

Um welche Art von Täter handelt es sich hier und warum werden an den Opfern grausame Bissspuren gefunden? 

Trojan hat gerade auch private Probleme, seine Tochter Emily und seine Freundin Jana haben sich von ihm zurückgezogen und das macht ihm sehr zu schaffen. 

Man befindet sich beim Lesen in einer traumatischen, unwirklichen Blase, einem Albtraum mit rätselhaften Ursachen und hat Mühe, Wahrheit und Traumwelt auseinanderzuhalten. Das hält den Spannungsbogen dauerhaft hoch angesetzt und macht für mich einen genialen Thriller aus.
Die Charaktere werden nicht zu intensiv erklärt, das vordergründige Anliegen legt der Autor auf die traumatischen Handlungsvorgänge. Was geschieht hier wirklich und was ist nur ein Traum? 
Man ist hier gefangen in einer Welt, die in dunkle Abgründe führt und jenseits der normalen Vorstellungskraft zu liegen scheint.   



Ein absolut gelungener Thriller, der mich gespannt lesen lies und bei dem ich erst am Ende wieder erleichtert aufatmen konnte. So muss ein Thriller sein!


 ***Dies ist ein Rezensionsexemplar vom Blogger-Portal - Vielen Dank an den Goldmann-Verlag für die freundliche Bereitstellung des Buches!***


Mittwoch, 23. Dezember 2015

Pretty Girls - Karin Slaughter

Karin Slaughter hat mal wieder bewiesen, wer die Queen des Thrillers ist!


Karin Slaughter ist ein Erfolgsgarant ihres Genres, was sie auch mit ihrem neuesten Thriller Pretty Girls beweist. Das Buch erscheint im Harper Collins Verlag

Im März 1991 verschwindet die 19-jährige Julia nach einer Party spurlos und taucht auch nicht wieder auf. Die Ermittlungen bringen keine Ergebnisse zutage. Die Familie wird kaum mit dem Verlust des Mädchens fertig und zerbricht daran. 24 Jahre später erschüttert eine brutale Mordserie den amerikanischen Bundesstaat Georgia.  Claire, Julias Schwester, und ihr Mann Paul werden Opfer eines Raubüberfalls. Claire findet bei ihrem Mann extrem brutales Filmmaterial. Ist das wirklich ihr Mann, dem diese Filme gehören?
Sie beginnt eine gefährliche Spurensuche, um die Wahrheit herauszufinden. 



Dieser Thriller hat mich umgehauen, so großartig und fesselnd ist er geschrieben. Mal wieder hat Karin Slaughter gezeigt, wie man mit tiefen Einblicken in die menschliche Psyche, brutalen Themen und der Ungewissheit von Gut und Böse spielen kann und die Leserschaft in einen atemberaubenden Taumel von abstossenden Gefühlen, Angst, Unsicherheit und Ratlosigkeit stürzen kann. 

Das ist ihr mit einem schonungslosen Schreibstil und einer unmenschlich erscheinenden Charakterisierung des Täters grandios gelungen. Wie hier der Psychopath und sein Doppelleben dargestellt wird, ist grausam und sehr detailgetreu und wirkt authentisch. Fast glaubt man, hier ein forensisches Gutachten selbst erstellen zu können, so genau werden die krankhaften Schübe beschrieben. Die Autorin umschreibt sehr  intensiv die verschiedenen Schauplätze, die Atmosphäre und die Emotionen der Figuren. Man kann nur sagen: Hut ab!

Immer wieder folgen in diesem Thriller Handlungen, die wirklich hart an der Grenze des Zumutbaren liegen und den Leser zum Weiterlesen zwingen. Es gibt grauenvolle Szenen, aber noch packender erscheinen mir die Versuche der Protagonistin Claire, die versucht, die wahre Identität ihres Mannes und einiger Mittelsmänner herauszufinden. Die emotionale Ungewissheit dieser Frau springt direkt auf den Leser über. Wem kann sie noch trauen? Der Schwester, dem Ehemann, dem FBI-Beamten, der Polizei?
Man ist lange Zeit ratlos und verfolgt ihre Spurensuche mit unheimlicher Spannung. Schonungslos offenbahrt sich die Wahrheit nach und nach und am Ende des Buches gibt es ein wahres Feuerwerk eines extremen Showdowns.

Die Handlung dreht sich um das furchtbare Thema Snuff-Pornografie, deren Filme gestellt oder auch echt sein können. Diese widerwärtigeThematik wurde hier sehr intensiv und detailgetreu in das Buch eingearbeitet. Auch diese Darstellung bewirkt ein nervenzerrendes Erlebnis voller Abscheu beim Lesen. 


Karin Slaughter taucht hier immer wieder neu in die menschlichen Abgründe ein und die einzigen Erholungspausen gönnt sie dem Leser, wenn sie die Arbeit der Ermittler zeigt oder die harmonischen Momente der Familienmitglieder. Diese Familie zerbrach an der Ungewissheit über die verschwundene Tochter und niemand wusste noch, wem man glauben sollte. Die geschickte Einarbeitung von Verdächtigungen und Wendungen sind außergewöhnlich und fesseln ungemein. Dieser Thriller ist rasant und packend geschrieben und die grausamen Handlungen sorgen für Abscheu und Ekel. Dennoch wird die Grenze nie mit Details überschüttet und damit überschritten.

Ich bin beeindruckt von diesem Buch und die grausame Verkettung von Ungewissheit, Brutalität, psychologisch krankhaften Trieben und den mitleidserregenden Opfern hat mich echt erschüttert. Dieser Thriller ist ein wahrer Nervenkitzel und man kann ihn nur verschlingen. Ganz großes Thrillerereignis und damit nur zu empfehlen!


Von Anfang bis Ende ein genialer Thriller! 





Pretty Girls habe ich bei einem Adventskalendergewinnspiel von Harper Collins gewonnen. Vielen Dank an dieser Stelle für das tolle Buch!  

[Werbung] Ich möchte darauf hinweisen, dass ich für diesen Beitrag nicht bezahlt wurde und ihn aus freien Stücken veröffentliche.

Mittwoch, 9. September 2015

Der Federmann - Max Bentow

Fesselnder Thriller, gut zu lesen, aber die Gründe des Federmannes waren mir nicht ausreichend genug erklärt!  
 

Der Federmann aus dem Jahr 2011 ist der Auftakt einer Thrillerreihe um Kommissar Nils Trojan von Autor Max Bentow
Das Buch erscheint bei Page & Turner/ Goldmann Verlag.[Werbung]



Der Berliner Kommissar Nils Trojan wird zu einem Mordfall gerufen. Es erwartet ihn eine grausame Inszenierung. Der jungen Frau wurden die langen blonden Haare abgeschnitten und ein zerfetzter Vogel liegt auf ihrem Körper. Trojan und sein Team sind entsetzt, doch noch während sie die ersten Ermittlungen einleiten, ereignet sich ein zweiter Mord. Welcher Serientäter treibt hier sein Unwesen und was für psychische Probleme treiben ihn zu diesen kranken Taten?



Dieser Thriller hat mich von Anfang an gleich gepackt. Denn Max Bentow kann fesselnd schreiben und hält diese Spannung auch aufrecht. Allerdings nehmen mir die privaten Probleme von Trojan und Kollegen dann doch etwas zu viel Raum ein und seine Panikattacken werden nicht so richtig aufgeklärt.

Der psychologische Aspekt zeigt sich nur in den psychischen Problemen Trojans, der an seiner beruflichen Dauerbelastung leidet und in Behandlung bei Jana Michels ist, für die er auch privat etwas übrig hat. Leider ist diese Gesprächstherapie nicht so sehr aussagekräftig. Ich hatte auch eher ein Täter-Profiling erwartet und nicht schon wieder einen überlasteten Kommissar mit eigenen Problemen.
Dennoch hat mir dieser Charakter gut gefallen. Er ist ein umtriebiger Mensch, radelt durch Berlin und möchte es allen Menschen recht machen. Besonders für seine Tochter Emily, die bei seiner geschiedenen Frau lebt, nimmt er sich Zeit. Doch diese Zeit ist knapp, stets ruft ihn der Dienst zur Pflicht und so versteht man seine Unzufriedenheit und innere Unruhe.

Die Handlung ist schlüssig, gut konstruiert und enthält mehrere falsche Fährten zur Irreführung des Lesers. Die Mordserie ist äußerst blutig und undurchsichtig, stets sind ausgeweidete Vögel bei den Leichen zu finden. Genauer gesagt, Dompfaffen. Was es genau mit dieser Vogelart auf sich hat, wird nicht genau erklärt. Außerdem zeigt das Coverbild auch speziell ein Rotkehlchen. Das passt überhaupt nicht in den Kontext des Buches. Solche Absprachen mit Layout und Verlag könnten besser klappen.

Der Schreibstil hat mir gefallen, die Dialoge sind aber etwas abgehackt und einsilbig und wirken etwas linkisch. Dennoch behielt die Spannung die Oberhand und das Ende überraschte mich total. 
Denn hier wird aus dem psychisch überlasteten Trojan ein erstaunlicher Superheld, der alles gibt, um die Mordserie zu beenden und den Täter zu fassen.

Die Handlungsweise des Täters konnte ich nicht nachvollziehen, was in diesem wirren Hirn vorging, blieb mir verborgen. Eine Situation mit der ich gut leben kann. Man muss nicht alles Kranke verstehen.

Dieser Thriller-Auftakt ist spannend, die Mordserie furchtbar und der Täter psychisch krank. Die Reihe um den Berliner Nils Trojahn geht weiter und mehrere Folgebände versprechen neue fesselnde Unterhaltung. 



                     

Montag, 31. August 2015

Lügenmädchen

Dieses Buch habe ich im Juli gelesen und hier vergessen, den Beitrag zu posten! Ich werde alt! :-(
Doch das mache ich mit Fleiss wieder wett, heute also der dritte Beitrag von mir!

Lügenmädchen von Luana Lewis ist ein Psychothriller aus dem Goldmann Verlag.[Werbung]

http://www.randomhouse.de/content/edition/covervoila/129_31384_154424_xl.jpgDie Psychologin Stella leidet nach einem traumatischen Ereignis an Panikattacken und Angststörungen und verlässt ihr luxuriöses Haus in der Nähe von London nicht mehr. Nur ihr Mann Max, ebenfalls Psychologe, hält den Kontakt für sie mit der Aussenwelt aufrecht.
In einer Winternacht mit Schneesturm klingelt ein junges Mädchen, Blue, an Stellas Tür. Sie hat große Probleme damit, jemandem Fremden zu öffnen und dann hereinzubitten, da sie aber Mitleid mit der halberfrorenen Blue hat, lässt sie sie schliesslich herein. Dann erzählt Blue schaurige Geschichten und die Stella beunruhigen und die sie nicht einordnen kann. Die Grenze zwischen Lüge und Wahrheit verschwimmt immer mehr. Was soll sie ihr glauben und was will Blue?

In diesem Roman hat mir besonders der Erzählstil gut gefallen und das Buch konnte mich auch fesseln, aber ein echter Psychothrill kam nicht auf.

In sich abwechselnden Zeitsträngen wird die Geschichte aufgebaut: im Winter 2011 findet der seltsame Besuch von Blue bei Stella statt und im Jahr 2009 erfährt man von Stellas Zeit als Psychologin, in der sie ein Gutachten zu einem Sorgerechtsverfahren bearbeitet. Dazwischen erfährt man Interna über die Sitzungen einer Jugendlichen bei ihrem Psychologen.   


Allmählich entwickelt sich durch immer weitere Puzzlestücke aus der Vergangenheit eine sich immer weiter steigernde Spannung. Man folgt mit beklemmenden Gefühlen der Story und empfindet einen bunten Reigen von Gefühlen: Angst und Sorge, aber auch Hoffnung und Unverständnis machen sich breit. Was Wahrheit und was Realität ist, verschwimmt immer mehr. Zwar ist man direkt in der Geschichte eingebunden, ich konnte mich auch gut in Stella hineinversetzen, aber leider finde ich das Ganze ziemlich vorhersehbar und habe auch zu Stella keine Beziehung aufbauen können. Sie erschien mir mitfühlend, doch auch naiv und teilweise sogar zu besorgt um Blue zu sein.
                                                                                                
Allerdings hat mir gut gefallen, wie hier psychologische Ansätze beschrieben sind und das Menschen doch nach aussen immer anders wirken können als sie es vom Charakter her sind. Das wahre Gesicht zeigt sich auch hier erst am Schluss in völliger Klarheit. 

Dieser Thriller hat solide Qualität, macht betroffen und lässt sich mit einem Spannungssog lesen. Die Vorhersehbarkeit ist zu offensichtlich, das Ende stellt den Leser dann vor einen für Stella beruhigende Entwicklung, einige Fragen blieben dann aber noch offen. 

Eine interessante Story, die ohne viel Grausamkeiten auskommt und eindringlich Aspekte der menschlichen Psyche offenlegt. Man erfährt wie beeinflussbar Menschen sein können und wie Ängste und Wünsche ihr Leben bestimmen können. 
           
                       
          ***Rezensionsexemplar von Wasliestdu - Vielen Dank für die Bereitstellung des Buches und die Leserunde!***