Freitag, 25. September 2026

Das Seebad am Nordseestrand - Regine Kölpin

Ein fesselnder Blick ins historische Wangerooge

Regine Kölpins historischer Roman Das Seebad am Nordseestrand erscheint im Piper Verlag.  

Wangerooge, 1829: Bernhardine Westings Mann ist wenig begeistert als er zum Badekommissar von Wangerooge ernannt wird, seine Frau dafür umso mehr. Sie möchte aus der Insel ein exkulsives Seebad machen und macht sich voller Tatkraft an die neue Aufgabe. Allerdings muss sie ihr Vorhaben gegen die ablehnende Haltung einiger Insulaner durchsetzen, während andere erkennen, dass hier neue Arbeitsplätze entstehen und lohnende Einnahmen durch Kurgäste winken. 

                             

Beeke Tammen ist Insulanerin aus einfachen Verhältnissen, ihr Vater hat sie Okko, dem Sohn des Lehrers versprochen, doch Beeke träumt von einer Heirat mit ihrem Jugendfreund Edo, was ihre Eltern ablehnen. Mit dem Antritt des neuen Badekommissars bietet sich für Beeke die Chance, dort eine Anstellung zu bekommen. Sie hat Glück und arbeitet in der Küche. Sie hofft mit ihrem Verdienst nicht länger auf eine Verheiratung angewiesen zu sein. 

Mit erzählerischer Leichtigkeit zeichnet Regine Kölpin ein anschauliches Bild des damaligen Lebens auf Wangerooge, sodaß man wie bei einer Zeitreise die Schauplätze und gesellschaftlichen Strukturen erleben kann. Figuren wie Beeke und Bernhardine sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich war gefesselt, die bewegenden Schicksale der beiden Frauen zu begleiten und zu erleben, wie sich beide Frauen gegen ihre persönlichen Widersacher behaupten müssen. In Beekes Fall entsetzten mich besonders die übergriffige Gewalt durch Männer, die die junge Frau in eine ausweglose Situation gebracht haben, aber nicht für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wurden. Statt dessen hatten stets die Frauen als Gefallene einen schlechten Stand. 

Die Schilderung der Maßnahmen zum Ausbau Wangerooges als modernes Seebad habe ich interessiert verfolgt. Man musste den reichen Bürgern und Kleinadel schon etwas bieten, um sie auf den Geschmack der heilenden Seeluft zu bringen. Diese Aufgabe übernahm die reale Figur Bernhardine Westing, die Regine Kölpin sehr ausdrucksstark in ihre Geschichte einbindet und das Ganze mit einer glaubhaften historischen Nordsee-Atmosphäre einfängt. 

Für Töchter wie Beeke gab es früher keine großen Möglichkeiten, eigene Wege zu gehen. Sie hatten anfallende Aufgaben im Haushalt der Familie zu erledigen, auf die kleineren Geschwister aufzupassen und sich dem Diktat der Männer in eine Verheiratung zu fügen. Deshalb hat mich Beekes Lebensweg sehr gefesselt und ich war angetan, wie sie dank ihrer fleißigen und loyalen Art in Bernhadine eine Fürsprecherin gewinnt, die ihr mehrfach aus schwierigen Situationen heraushilft. Schon früh erkennt Bernhardine Beekes Potential und durch ihre Unterstützung entwickelt sie sich Beeke in eine selbstbewusste junge Frau, die keine Ehe ohne Liebe eingehen will.  

Dieser historische Roman zeigt ein buntes Bild des Alltagslebens der damaligen Zeit mit den gesellschaftlichen Unterschieden und lässt uns zwei starke Protagonistinnen begleiten, die sich ihren Platz in der Männerwelt erkämpfen.  

***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

                                    

Dienstag, 22. September 2026

Ein ganz normales Wunder - Woody Brown

Von Mensch zu Mensch!

Der Roman Ein ganz normales Wunder von Woody Brown erscheint im Kiepenheuer & Witsch Verlag.  

Hinweis: Woody Brown schrieb Geschichte als erster nicht-sprechender autistischer Absolvent der University of California. Sein Roman ist ein literarisches Ereignis.  

Walter ist Autist und hat dank seiner Mutter gelernt, sich mittels einer Buchstabentafel verständlich zu machen. Das ist nicht nur ein langer Lernprozess, der zeitaufwändig und nur durch Fachpersonal zu erreichen ist. Als Walters Vater verstirbt, geht die Mutter wieder arbeiten und Walter kommt in eine Tagestätte für Menschen und erlebt den Alltag mit Menschen diverser Behinderungen wie Zerebralparese und Autismus. Dank seiner sensiblen Sichtweise nimmt er als Beobachter die verschiedenen Schicksale wahr und kann sie einschätzen.  

 



Woody Brown stellt uns auf spezielle Weise seine Bekannten und Betreuer vor und beleuchtet deren Gefühle, Reaktionen und Handlungen. Das geschieht mal mit einer recht einfachen Sprache im Umgangston junger Menschen und dann wieder sehr emotional und empathisch, sodass ich diesen Menschen sehr nahe gekommen bin und oft darüber nachdenken musste, wie schnell man durch Vorurteile andere Menschen unterschätzen kann. Viele Szenen haben mich berührt und mir gezeigt, wie schwierig es für manche Menschen ist, sich ihren Mitmenschen anzunähern und ihr äußeres Verhalten ihrem inneren Bewusstsein und Wünschen anzupassen. Die einzelnen Episoden öffnen den Blick auf die Welt der Autisten, bewirken ein besseres Verständnis für ihr Verhalten und regen zum Nachdenken an.

Meine entscheidende Kritik an diesem Buch ist die Tatsache, dass es sich hier nicht um einen Roman mit einem durchgeplanten Plot handelt, der mit Spannungsaufbau und einer durchgängigen Entwicklung der Hauptfigur einher geht. Es ist eher eine Sammlung einzelner Szenen aus dem Leben verschiedener Personen, über die Protagonist berichten möchte. So bildet sich aus den verschiedenen Einzelteilen zwar ein Gesamteindruck, aber keine runde Geschichte. Trotzdem bin ich dem Autoren für diese Schilderungen dankbar und kann mir kaum vorstellen, wie er ohne zu sprechen zu diesem Buch fähig war. 

Dieses Buch bringt den Lesern auf eindringliche Weise Themen wie Autismus, Inklusion und die Kommunikation zwischen Menschen näher und setzt damit Zeichen, um über die Situation der Betroffenen nachzudenken. Das Verhalten mancher Menschen ist nicht der Indikator dafür, was sie in ihrem Inneren bewegt. Woody Brown schlägt mit seinem Buch eine Brücke von Mensch zu Mensch!

***Herzlichen Dank an den Kiepenheuer & Witsch Verlag für das Rezensionsexemplar!***

                                          

Montag, 21. September 2026

Die Weihnachtsfähre - Janne Mommsen

Stille Nacht an Bord

Im Rowohlt Verlag erscheint Janne Mommsens Nordseeroman Die Weihnachtsfähre.

Heiligabend 1990: Einige Fahrgäste haben in Dagebüll die letzte Fähre nach Föhr verpasst, doch der ebenfalls gestrandete Innenministers spielt seinen Einfluss aus und so legt eine Sonder-Fähre an, um die Menschen noch pünktlich zum Weihnachtsfest auf die Insel zu bringen. Die Fahrgäste sind ein bunter Mix an Personen: der Minister, die gebürtige Föhrerin Beeke, die alleinerziehende Maria mit ihren beiden Kindern, Florian und Sandra aus Hamburg, ein Oberstaatsanwalt mit seiner Frau, sowie der Weihnachtsmann und der Pastor, die zur Ausübung ihrer weihnachtlichen Aufgaben dringend erwartet werden. Obwohl die schlechte Witterung ungemütlich ist, kommt die Fähre problemlos voran, bis sie plötzlich im Schlick fest sitzt. Damit zerplatzt der Traum vom gemütlichen Weihnachtsfest auf der Insel und die Reisenden müssen Weihnachten an Bord verbringen.

 

Janne Mommsen startet seine Geschichte romantisch unter der tropischen Sonne einer karibischen Insel, dort lebt die Föhrerin Beeke seit einem halben Jahr und genießt das Nichtstun, sowie Land und Leute. Aber je näher Weihnachten rückt, umso mehr sehnt Beeke sich nach ihrer rauen Heimat Föhr, wo um diese Zeit die Nordsee tobt und ein eisiger Wind weht und die Menschen in ihren gemütlichen Reethäusern die Adventszeit verleben.

Mommens Inselliebe macht sich in den schönen Landschaftsbeschreibungen und der norddeutschen Mentalität der Bewohner bemerkbar und ich bin in eine warmherzige Geschichte eingetaucht, wo die Nordseewellen, Ebbe und Flut und der Zusammenhalt der Insulaner spürbar wurde. 

Während die Reisegäste auf dem Fährschiff festsitzen und sich zusammen raufen müssen, um Heiligabend friedlich verleben zu können, herrscht auch auf Föhr der Ausnahmezustand. Der Pastor und das köstliche Catering sind an Bord der Fähre und so muss jemand anderes für die Predigt im Friesendom gefunden werden und Ersatzessen für die große Heiligabendparty heran geschafft werden. Inselpolizist Ralf ist nun gefordert und sorgt mit seiner Auswahl für humorvolle Szenen. 

Das Buch liest sich wunderbar flüssig und es entsteht eine kurzweilige Geschichte mit einigen Widrigkeiten, in die ich gespannt eingetaucht bin. 

Auf dem Schiff kommt es noch zu weiteren Problemen, doch da sich die Menschen hilfreich unterstützen, ist am Ende der weihnachtliche Friede wieder hergestellt. Und diese friedliche Eintracht mit menschlicher Warmherzigkeit ist die echte Botschaft von Weihnachten.  

Eine wunderbar warmherzige Weihnachtsgeschichte mit Nordseefeeling, die für eine gemütliche Lesezeit in der Adventszeit bestens geeignet ist. 

***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

                                                    

 
  • Mommsen, Janne - Die kleine Inselbuchhandlung
  • Mommsen, Janne - Die Bücherinsel  
  • Mommsen, Janne - Friesensommer
  • Mommsen, Janne - Mein wunderbarer Küstenchor 
  • Mommsen, Janne - Oma dreht auf 3  
  • Mommsen. Janne - Ein Fest im kleinen Friesencafé
  • Mommsen, Janne - Das Licht in den Wellen 
  • Mommsen, Janne - Das Salz in der Luft  
  • Mommsen, Janne - Die Weihnachtsfähre 
  •                                                     

    Samstag, 19. September 2026

    Wochenrückblick KW 38/2026

     







     Was war in dieser Woche los?

     
    Bereits eine Woche verbringe ich mit meinem Mann an der Ostsee, wir genießen bei doch schon ziemlich herbstlichem Wetter die Landschaft, hören dem Rauschen des Meeres zu und lassen uns den frischen Wind um die Nase wehen. Den Badeanzug hätte ich gar nicht einpacken müssen, dafür bin ich froh über Stirnband und wetterfeste Jacke. Wir haben erneut wie schon in den Vorjahren die gleiche Ferienwohnung gebucht, dort fühlen wir uns einfach wohl. Sie ist sehr hell und modern eingerichtet und hat einen großen teilüberdachten Balkon, wo wir die sonnigen Phasen genossen haben.  
     
    Gesehen:   
      
    Viel Natur, das Meer, Spatzen am Strand und Wildschweine im Wald.
    Im TV: Der Jahrmarkt der Eitelkeiten Teil 1-3  

    Gelesen:   

     

  • Das Weihnachtskonzert - Petra Oelker              4⭐ 
  • Offene See - Benjamin Myers                               4⭐

  • Getan:  
     
    Spaziergänge am Strand, kleine Radtouren, gelesen, Rezis geschrieben, es genossen, mal keine Aufgaben im Haushalt zu erledigen, Essen gehen und selber kochen, Kaffeezeit und Abendbrot auf der Terrasse genossen. 
     
     
    Gefreut:     
     
    Über die schöne herbstliche Natur hier an der Ostsee, das Rauschen der Wellen, die wechselnde Farbe des Himmels mit verschiedenen Wolkenbildern und die Weite des Horizonts.  
     
    Gegessen: 

    Dorsch mit Pommes; Matjes in Schmand-Apfel-Sauce mit Pellkartoffeln; Grillhähnchen mit Kartoffel- und Krautsalat; Bratwurst mit Kartoffel- und Krautsalat; Rotbarsch in Eihülle auf Blattspinat mit Kartoffeln 2x; Spanferkel mit Krautsalat; geräucherte Lachsforelle zum Abendessen; Softeis mit Lakritzstreuseln und einmal mit Krokant.
      






     

    Gedacht:        

    Wäre es nicht sinnvoller, wenn die Bundesregierung statt eines geplanten Tankrabatts lieber die Ölkonzerne mal stärker belasten würde? Der sogenannte Übergewinn scheint mehr Steuereinnahmen zu bringen als der Rabatt kosten wird. 
     

    Gefeiert: 

    Eine schöne Urlaubswoche 

    Geärgert: 

    Über rücksichtslose E-Bike-Fahrer ohne Kenntnis einiger Verkehrsregeln.

    Gekauft:  

    Im Kaufhaus Stolz einen um die Hälfte reduzierten dünnen dunkelblauen Pulli aus Baumwolle. Genau richtig für die Übergangszeit zum Herbst und später zum Drunterziehen unter einer Jacke.
     

    Geklickt: 

    Regenradar und Wettervorhersagen 
     

    Liebe Grüße euch von der Ostsee,

    Eure Sommerlese 

    Das Weihnachtskonzert - Petra Oelker

    Eine stimmungsvolle Ode an J.S. Bachs Weihnachtsoratorium

    Petra Oelkers Roman Das Weihnachtskonzert erscheint im Rowohlt Verlag.  

    Hamburg, November 1789: Die Mutter des Glockengießers Kopper wünscht sich nichts sehnlicher als noch einmal die Weihnachtskantate zu hören, die sie vor vielen Jahren in Leipzig mit großen Gefühlen erfüllt hat. Sie erinnert sich noch immer an den Klang der festlichen Musik und an die ersten Zeilen des Chors: "Jauchzet, frohlocket!". Kopper schickt die ehemalige Wanderkomödiantin Rosina Vinstedt auf die Suche nach den Noten des Oratoriums, die sie im Archiv des verstorbenen Musikdirektors Carl Philipp Emanuel Bach vermutet, dort ist der Notensatz aber nicht aufzufinden. 


     

    INFO: Johann Sebastian Bach komponierte sein sechsteiliges Oratorium für die Weihnachtsfeiertage 1734 und den Jahreswechsel 1735 in Leipzig. Die Besetzung erfordert Gesangssolisten, einen Chor und ein Barockorchester mit Pauken und Trompeten. Es kündet von der Freude über die Geburt Jesu und wurde angeblich am häufigsten in Hamburg aufgeführt.

    Wer schon einmal die imposanten Klänge von J.S. Bachs Weihnachtsoratorium vernommen hat, kann sich vorstellen, wie erhaben diese Musik mit Orchester und Chor in der damaligen Zeit zu Weihnachten auf die gottesfürchtigen Menschen gewirkt haben mag. Diese festliche Musik feiert das Evangelium und stimmt auf Weihnachten ein.

    Petra Oelker schreibt anschaulich und flüssig und gibt einen anschaulichen Einblick in das historisches Stadtbild Hamburgs. Sie stellt verschiedene Kirchen vor und zeigt, unter welchen Bedingungen die Menschen damals lebten und arbeiteten, sich kleideten und welche Unterschied die Zugehörigkeit der gesellschaftlichen Schichten ausmachten. An der Seite von Rosina laufen wir durch die verdreckten Straßen der Stadt, steigen auf den Turm einer Kirche, hören ein Glockenspiel und erblicken die umfangreichen Notenarchive, die die Enkelin von Johann Sebastian Bach verwaltet und daraus Abschriften erstellt. Es entwickelt sich eine lebhafte und fesselnde Suche nach dem gesuchten Notensatz der ersten Kantate, bei der man die gut gezeichneten Figuren sowie ihre jeweiligen Aufgaben kennen lernt und sich immer mehr in die Geschichte hinein ziehen lässt. Beim Lesen hatte ich ständig die wunderbaren Klänge der berühmten Kantate im Kopf und schwelgte in eigenen Erinnerungen. Bei dieser Musik kommt unweigerlich weihnachtliche Stimmung auf.  

    Die vielseitigen Charaktere sind ein bunter Mix aus Menschen der gehobenen Schicht, Musiker, ein Carilloneur, Kirchendiener und Dienstmägde, Köchin, Hausmädchen und Arbeiter im Glockengießergewerbe. Petra Oelker zeichnet durch das Wirken dieser Figuren ein authentisches und atmosphärisches Bild dieser Zeit, in die ich mich beim Lesen gerne hinein versetzt habe. 

    Im Laufe der Handlung lernen wir Rosina und ihre Vergangenheit näher kennen. Sie hat sich ihren Platz hart erkämpft und setzt sich gutherzig für andere Menschen ein. Regelrecht ans Herz gewachsen ist mir das kleine, fleißige Küchenmädchen Frieda, die eine erfolgversprechende Singstimme besitzt, schnell lernt und mit der nötigen Ausbildung gute Chancen auf eine Gesangskarriere hat.  

    Die Autorin lässt uns am handwerklichen Geschäft der Glockengießerei teilhaben, ich war beeindruckt von der langen Vorarbeit beim Erstellen der Gussform und vom spannenden Moment des Gießens, der  über Erfolg oder Misserfolg entscheidet. Ebenfalls sehr interessant fand ich das beschriebene Spiel eines Carilloneurs, der über ein sogenanntes Stockenklavier die bronzenen Glocken in einem Turm als Glockenspiel erklingen lässt. 

    Dieser Roman bietet historisch Interessierten und Liebhabern von Bachs Weihnachtsoratoriums eine stimmungsvolle Geschichte, die Zeitgeschehen, Kirchenmusik und die Menschen in dieser Zeit abbildet.  

    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 

                                   

    Mittwoch, 16. September 2026

    Offene See - Benjamin Myers

    Ein literarischer Coming-of-Age-Roman mit atmosphärischen Naturbeschreibungen 

    Im Dumont Verlag erschien 2021 Benjamin Myers Roman Offene See. 

    Der junge Robert hat seinen Schulabschluss in der Tasche, möchte die Natur und das Meer sehen und weiß, er will nicht wie seine Vorfahren im Bergwerk arbeiten. Deshalb unternimmt er eine Wanderung entlang der englischen Küste. Unterwegs lernt er Dulcie kennen, eine schrullige ältere Frau, die den erschöpften Robert bei sich aufnimmt, für ihn Hummer und Brennnesseltee kocht und damit seine Geschmackssinne für neue Erfahrungen öffnet und ihm einige Denkanstösse mitgibt. Zwischen ihnen entsteht eine Freundschaft, sie begegnen sich mit einer tiefen Verbundenheit und tauschen sich über Politik, Literatur und das Leben in der Natur aus. Als Robert in Dulcies verfallenem Atelier ein Manuskript entdeckt, öffnet ihm das den Weg zur Literatur. 

     


    "Es erinnert daran, dass nichts von Dauer ist. Alles ist im Fluss. Und die Natur trägt immer den Sieg davon." Zitat S. 265  

    In diesem Buch geht es um Gespräche über Werte, um die Schönheit der Natur und deren Wandel innerhalb eines Jahres, als auch im Laufe der Zeiten. Wir erleben eine wunderschöne sommerliche Atmosphäre und die Kraft einer besonderen Freundschaft, die dem jungen Robert seinen Weg ins Leben weist und ihn für die Literatur begeistert. 

    Benjamin Myers hat ein sprachliches Talent, das einfach einzigartig ist. Wunderbar einfühlsam fängt er spezielle Stimmungen und Beobachtungen in der Natur ein, die ich sehr genossen habe. An einige seiner nicht enden wollenden Kettensätze musste ich mich erst gewöhnen, hier mal ein Teil so eines Satzes:

    "Vor diesen Häusern sah ich alte, handgefertigte Hummerreusen, manche halb verwittert, ausgefranste Taurollen, Blumentöpfe, in denen Kräuter wie Petersilie, Schnittlauch und Thymian wuchsen, Treibholz, vom Meer zu abstrakten länglichen und rundlichen Formen geschliffen, und überall lagen diese mundgeblasenen Schwimmkörperkugeln aus buntem Glas, die in der Sonne glänzten..." Zitat S. 128 

    Die Gespräche zwischen Dulcie und Robert kreisen um das Leben, sie führt ihn an Literatur heran und erzählt von Krieg und Verfolgung und darüber, welche Auswirkungen Kriege auf die Menschen haben. In diesen Szenen konnte ich das Erzählte zwar nachvollziehen, fand es aber sehr negativ behaftet. 

    Das Aufeinandertreffen von Dulcie und Robert ist für beide ein Gücksfall. Sie genießt die Geselligkeit mit einem Menschen und nimmt ihn so wie er ist. Sie lenkt ihn mit ihren Gesprächen, fördert sein Interesse für Literatur und kocht ihm köstliche Gerichte, für die der junge Mann sich mit der Erledigung von Arbeiten in Haus und Garten revanchiert. Aus der menschlichen Zuwendung entwickelt sich eine selbstver-ständliche Freundschaft, die in ihrem weiteren Leben noch Bestand hat. 

    "Offenes Meer" ist ein poetisches Buch für die Sinne, mit komplexem, tiefgründigem Inhalt und wunderschönen Landschafts- und Meerbeschreibungen, die mich tief berührt haben. 

     

                                       

     

    Sonntag, 13. September 2026

    Wochenrückblick KW 37/2026

     





     Was war in dieser Woche los?

     
    Die letzten Sommertage sind gefühlt eher schon echter Herbst. Das Wetter zeigt sich aktuell von einer wechselhaften Seite mit Sonne, kühleren Phasen, Wind und Regenschauern. Da hoffe ich mal auf einen freundlichen Altweibersommer!
    Die Tage werden wieder spürbar kürzer, die Woche verging schnell und es war einiges im Garten zu erledigen. Bei den Besuchen meiner Mutter hatten wir meistens Glück mit dem Wetter und konnten raus in den Garten. Manche Tage konnte ich noch draußen lesen und habe ein paar Bücher beenden können. Spötter werden nun wieder die Kinderbücher belächeln, doch ich halte nach wie vor diese Form der Spracherziehung und der Heranführung an Bücher im Allgemeinen für sehr wichtig und mache weiter unbezahlte Werbung mit meinen Besprechungen auf den eingängigen Kanälen. Die PISA-Studie hat gezeigt, dass viele Schüler große Leseschwierigkeiten bei den Schülern gibt. 
     
    Es ist so schade, denn nun ist die Zeit des vielfältigen, sommerlichen Obstangebotes langsam aber sicher vorbei. Meine letzte Nektarine war eher mittelprächtig lecker und die unreif aussehenden Pfirsiche im Laden habe ich sicherheitshalber auch nicht gekauft. Nun sind bei mir Weintrauben und demnächst auch Birnen und Äpfel an der Reihe.  
     
     
     
    Gesehen:   
      
    Wer wird Millionär? 
    Hubert ohne Staller   

    Gelesen:   

  • Spekulatius - Bald ist Weihnachten - Tobias Goldfarb  4⭐
  • Henri & Miko - Im Herbst - Rebecca Green                       5⭐  
  • Das kleine Waldhotel - Kallie George                                   5⭐
  • KAHLO - Inès Boittiaux                                                              5⭐
  • Frida Kahlo - Doris Kutschbach                                               5⭐
  • Die drei Farben der Liebe - Sophie Haydock                     5⭐       
  • Wo das Feuerkraut blüht - Ulrika Lagerlöf                         4⭐
  •  


    Getan:  
     
    Gelesen, Rezis geschrieben, Garten und Haushalt erledigt, Kellerschächte von Spinnengetier und ihren Netzen gereinigt, jeden zweiten Tag bei meiner Mutter  gewesen, beim Friseur Haare schneiden lassen, gekocht, Kleidung aussortiert, Chorprobe, eingekauft und die restlichen Fenster geputzt. 
     
     
    Gefreut:     
     
    Schon wieder ist neue Buchpost angekommen und obwohl wir ja noch immer Sommer haben, wird es bei den Büchern sogar schon sehr winterlich! 
    Regine Kölpin hat mich (erneut) auf ihre Bloggerliste setzen lassen, irgendwie bin ich da wohl rausgefallen. Vielen Dank mal an dieser Stelle und auch an die verschiedenen Verlage für ihr Entgegenkommen!






    Im Seniorenheim gebe ich öfter mal gut erhaltene Kleidung ab, die mir oder meiner Mutter nicht mehr passt. Eine liebe Mitbewohnerin meiner Mutter freute sich über eine Fleecejacke, die ihr gut passt und auch gefällt. Das Timing war übrigens einfach perfekt, denn zufällig hatte sie an diesem Tag Geburtstag!
     
    Gegessen: 

    Schweinefilet mit grünen Bohnen, Pfeffersauce und Spätzle 2x; Eierpfannkuchen mit Rosinen und Apfelkompott; Hühnerbrust mit Sahnesauce und Pommes; Erbsen mit Reis und Fleisch; Sahnehering Hausfrauenart mit Pellkartoffeln; Hühnersuppe (Dose); 







     

    Gedacht:        

    Das schlechte Abschneiden Deutschlands bei der PISA-Studie ist ein Armutszeugnis sondergleichen! Anscheinend tickt ein Großteil der Elternschaft nicht mehr so wie noch vor 20 Jahren und Bildung wird von vielen nicht mehr als wichtiger Baustein für die Zukunft ihrer Sprösslinge angesehen. Bürgergeld gibt es ja auch ohne Leistung! 
    Eigentlich sollten Eltern (und Schüler) grundlegende Kenntnisse der deutschen Sprache besitzen, sich die Zeit nehmen, um dem Nachwuchs im Kleinkindalter vorzulesen, später dann mit ihnen lesen und rechnen üben und auch mal die Hausaufgaben überprüfen. Anscheinend sind viele Eltern damit aber überfordert, ob zeitlich oder vom Intellekt/Bildungsstand her!

    Gefeiert: 

    Keine Feier 

    Geärgert: 

    Über steigende Spritpreise, mit denen Deutschland europaweit wohl an erster Stelle steht! Das verhilft dem Staat zu Steuereinnahmen in Hülle und Fülle und dennoch sollen neue Schulden aufgenommen werden. Ich frage mich allen Ernstes, wie haushalten die Politiker denn mit ihrem eigenen Geld, sind sie da auch so maßlos?

    Gekauft:  

    Eine Jacke für meine Mutter. 
     

    Geklickt: 

    Dies und das...
     

    Ich wünsche euch eine schöne Woche!

    Liebe Grüße,

    Eure Sommerlese