Freitag, 22. Februar 2019

Liebe geht durch den Garten - Ulrike Hartmann

Ein bezaubernder Roman voller Gefühl und Herzenswärme



Der Roman "Liebe geht durch den Garten" von Ulrike Hartmann erscheint im Diana Verlag. >WERBUNG<

Anna lebt in der Stadt und sehnt sich nach ein wenig Gartenglück. Es könnte so schön sein, wenn sie mit ihren beiden Söhnen inmitten eines grünen Gartenparadieses die Freizeit verbringen könnte. Sie erkundigt sich nach einem Schrebergarten und greift kurzentschlossen bei einem Angebot zu. Die Laube ist zwar ziemlich runtergekommen, doch der Garten ist genau so wie sie ihn sich vorgestellt hat. Ihre Söhne sind noch nicht so begeistert, doch vielleicht ist da ja noch Hoffnung. Auch wenn sie von Gartenarbeit keine Ahnung hat, lässt sie sich nicht entmutigen und bekommt sogar tatkräftige Hilfe von Nachbar Paul. Damit geht der Kampf um den Garten los und gleichzeitig entbrennt auch ein Kampf um Pauls Liebe, denn Nachbarin Sabine stellt auch Ansprüche an ihn. 




In diesem Roman dreht sich alles um das Glück im Garten und in der Liebe. Ulrike Hartmann verknüpft beides geschickt miteinander und als Leser wird man gemeinsam mit Anna auf eine Entdeckungsreise in ihren Schrebergarten geschickt, bei der man sich mit der Heldin freuen und ärgern, aber auch ihr Gartenparadies genießen kann. Anna ist total sympathisch, ihre Kinder Anton und Max völlig normale Jungen, die lieber Computer spielen als im Garten helfen und Paul ist der Traummann, den sich Anna insgeheim wünscht. 

Mit den Charakteren erlebt man einige unterhaltsame Dinge, man kann mit ihnen lachen und weinen und bekommt ein genaues, nicht immer idyllisches Bild dieser kleinen Familie und den Vorgängen mit den Nachbarn in der Kleingartenanlage gezeichnet. Der Blick über den Gartenzaun enthüllt skurriles, hier wird geackert und gefeiert und etwas Klatsch und Tratsch gehört einfach dazu. Leider kennt sich Anna mit den Abläufen im Garten überhaupt nicht aus und erst recht nicht in der Siedlung mit dem Vereinsgebahren. Doch dank Paul und anderer netter Nachbarn ist sie schnell mittendrin in der Gemeinschaft, wäre da nicht die Anwältin Sabine Rodenberg, die auch ein Auge auf Paul geworfen hätte, es könnte so harmonisch verlaufen. Doch Sabine ist kaum zu bremsen und versucht, Paul von Anna wegzulocken. Dieses Verhalten bringt einige fiese, aber auch komische und merkwürdige Vorgänge mit sich, die man als Leser einfach nur unterhaltsam genießen kann. Denn das Ende ist absehbar, es ist nur die Frage, wie es Anna gelingt, ihre Träume vom Glück zu verwirklichen. 

Der offenherzige und klare Erzählstil der Autorin hat mir prima gefallen, man taucht in die Geschichte ein und kann gar nicht aufhören zu lesen. Die Mutterliebe von Anna ist spürbar, es gibt reichlich Humor durch die Widersacher und die Autorin sorgt mit dieser "Gartenidylle" einfach für gelungene kurzweilige Unterhaltung.
 



Dieses Debüt bringt pures Lesevergnügen mit sich und sorgt durch die spürbare Liebe in den Charakterdarstellungen, den Gartenansichten und der Blumenpracht für pure Wohlfühlstimmung.  
Die Suche der Protagonistin nach dem Glück kann man hautnah miterleben und dieses Glück schwappt auf den Leser über. 



***Herzlichen Dank an den Diana Verlag und an das Bloggerportal für dieses Belegexemplar!***



Freitags-Füller # 126




Mit den milden Temperaturen im Februar sind nicht nur die ersten Krokusse erblüht, auch die Kätzchen der Haselsträucher blühen und füllen die Luft mit ihren Pollen. Leider, muss ich da sagen, denn damit beginnt auch wieder mein Leiden als Heuschnupfenallergikerin. Trotzdem freue ich mich über das Zwitschern der Vögel, die schon merklich längeren Tage und das Erwachen der Natur. 
       


 

Immer wieder kommt ein neuer Freitag ... und damit der Freitagsfüller! 

 

Dies ist ein Projekt von Barbara von  Scrap-Impulse

Ein kleiner Lückentext zum Ausfüllen.

 

1. Mein Favorit für den Oscar am Sonntag ist - Bohemian Rhapsody, wobei ich die vielen Kategorien, es sind 24!!!, auch unübersichtlich finde. 

 

2. Die Klimaveränderung bringt einfach eine Durchmischung der Jahreszeiten mit sich, man muss sich einfach dran gewöhnen.

 

3. Ich könnte mal wieder auf Aqua-Jogging, doch leider wurde unser Schwimmbad ja einfach geschlossen.

 

4. Sommerlese ist mein Spitzname für mich in der Buchbloggerwelt.  

 

5. Es hat lange gedauert, aber nun akzeptiere ich manche Dinge einfach und nehme sie so hin. 

 

6. In unserem Keller muss mal einiges entrümpelt werden, so ist er doch ungemütlich. 

 

7. Was das Wochenende angeht, heute Abend freue ich mich auf eine Geburtstagseinladung bei einem gutem Freund, morgen habe ich neben den üblichen Wochenendeinkäufen noch nichts besonderes geplant und Sonntag möchte meine Mutter besuchen.


     

Ein schönes Wochenende wünscht

Eure Sommerlese!

Donnerstag, 21. Februar 2019

Alles würd ich für dich tun - Helmut Walch

Dieses Buch erklärt Mitgefühl und Freundschaft   


Das Bilderbuch "Alles würd ich für dich tun" von Helmut Walch erscheint im Patmos Verlag, für die Illustrationen ist Angela Holzmann verantwortlich.
>WERBUNG<

Paul ist ein großer Braunbär und liegt mit einer verletzten Pfote und Schmerzen im Bett. Er tut seinen Freunden leid, sie besuchen ihn und versuchen, ihn aufzumuntern, doch der Bär bleibt grummelig. Dem Schaf gelingt es schliesslich, dem Bären klar zu machen, dass sie sich alle um ihn sorgen und sich wünschen, dass er schnell wieder gesund wird. Am Ende liegen sich die Freunde in den Armen. 




Dieses Bilderbuch ist für Kinder ab 3 Jahren geeignet und macht deutlich, wie man als Kranker schon recht unleidlich sein kann und die Hilfsangebote und guten Wünsche seiner Freunde einfach nicht annehmen möchte. Die Freunde sind besorgt und auch hilflos, denn sie können dem Bären ja seine Schmerzen nicht nehmen. Aber sie bemühen sich und würden alles für Paul tun. Dieses Bemühen und das Mitgefühl sind schliesslich auch ein Trost für den Bären, eine Seelenmassage, die ihm gut tut. 
 
Jedes Tier hat hier eine besondere Idee, wie es den Bären aufmuntern möchte. Aber nur das Schaf überzeugt mit seiner Berührung den Bären und zeigt so liebevoll sein Mitgefühl. Das wirkt und der Bär fühlt sich schon etwas besser und hofft, bald wieder gesund zu sein. 

Die Illustrationen sind ausdrucksstark, bunt und die Figuren der Tiere wirken durch ihre Mimik fast schon menschlich. Für mich erscheinen die Bilder durch den unruhigen Hintergrund zu wild. Der Text ist gut verständlich und Kinder fühlen sich in die Situation gut ein, schliesslich waren sie auch schon einmal krank und haben sich schlecht gefühlt. 


Ein hübsches Bilderbuch über Kranksein und Leiden und wie Mitgefühl und Zuspruch von Freunden gut tun können.




Mein schönstes Wimmelbuch Jahreszeiten - Caryad

Viele Details mit Lerneffekt bietet dieses robuste Bilderbuch.  


Caryad ist die Illustratorin dieses bunten Bilderbuches. "Mein schönstes Wimmelbuch Jahreszeiten" erscheint im Januar 2019 bei F.X. Schmid. >WERBUNG<

Frühling, Sommer, Herbst und Winter - auf den Doppelseiten werden sowohl typische, als auch bei Kindern besonders beliebte Szenen aus dem Kinderalltag gezeigt. Die lustigen Illustrationen von Caryad helfen den Kindern dabei Neues über die Jahreszeiten erfahren.
 



Schon seit den Kindertagen meiner eigenen Kinder mag ich Wimmelbücher. Die vielen Kleinigkeiten sorgen dafür, dass es immer etwas zu entdecken gibt. Dieses Buch stellt die Jahreszeiten vor, die gegenständlichen Bilder sind gut zu erkennen und auch kleine Kinder werden einige Dinge aus ihrem eigenen Umfeld wiederentdecken. Da läuft eine Katze den Dachfirst entlang, Kinder spielen im Sommer im Sand, bauen Burgen oder baden im See und im Herbst lässt man Drachen steigen. Im Winter kann man einen Schneemann bauen und auf dem Land wachsen Sonnenblumenfelder, es werden Möhren geerntet und die Traktoren ziehen auf den Feldern ihre Bahnen.

Auch wenn dieses Buch nur 12 Seiten hat, es gibt soviele Details, die man nach und nach beobachten kann. Für die Altersklasse ab 2 Jahren ist dieses Bilderbuch gut geeignet, die einzelnen Seiten sind dick und stabil und können einiges aushalten. 
Die Zeichnungen sind sehr farbenfroh, detailreich und naturgetreu dargestellt und die einzelnen Jahreszeiten werden hier eindeutig und zeitgemäß gezeigt.

Einige Szenen sind etwas humoristisch angehaucht, das Eichhörnchen hat beispielsweise ein Fernglas. Auch wenn das unrealistisch ist, selbst kleine Kinder werden das bemerken und freuen sich über solch witzigen Unfug. 


Immer wieder Neues entdecken und dabei die Jahreszeiten zu unterscheiden lernen, kann man wunderbar mit diesem robusten Wimmelbuch. Ein toller Preis für zahlreiche Details und ein großer Spaß für die ganz Kleinen. 



Mittwoch, 20. Februar 2019

Orangenblütenjahr - Ulrike Sosnitza

Einfühlsam, tiefgründig, hoffungsvoll und sehr authentisch geschriebener Frauenroman um Verlust und Neuanfang


Ulrike Sosnitzas Roman "Orangenblütenjahr" erscheint am 11.2.2019 im Heyne Verlag. >WERBUNG<

 
Mit dem Tod ihres Mannes stürzt Nelly in eine Lebenskrise. Doch es nicht nur die Trauer um ihren Mann und Vater ihrer zwei fast erwachsenen Kinder, sie ist auch zutiefst verletzt, denn ihr Mann führte ein Doppelleben mit ihrer Freundin und hatte mir ihr sogar ein Kind. Um aus einem depressiven Tief herauszukommen, nimmt sie das Angebot ihrer Freundin Mona an, verkauft die Apotheke ihres Mannes und zieht nach München, wo sie in der Apotheke von Mona arbeitet. Ihre Kinder finden die Entscheidung übereilt, doch für Nelly war es die Chance ihres Lebens. Kann sie mit über 50 noch einmal neu durchstarten? 




"Manchmal muss man die Perspektive wechseln, um den Himmel zu sehen." Zitat aus dem Roman

Bei diesem Buch hat mich gereizt, dass hier eine Frau über 50, also mit Lebenserfahrung aus ihrem bisherigen Leben gerissen wurde und trotz ihrer Verletztheit eine neue Chance ergreift. Es geht hier um eine gestandene Frau, die mit der Trauer, aber besonders mit dem Betrug durch ihren Mann umgehen lernen muss. Welche Enttäuschung und Wut muss sie fühlen, wenn sie von einer Geliebten erfährt, die auch noch ihre Freundin war? Ulrike Sosnitza zeigt uns Nellys Gedanken aus der Ich-Perspektive auf einfühlsame Weise und so kann man sich ihr als Leserin gut annähern und alles direkt mitempfinden. Ihre Angst, weil ihre Kinder mit Unverständnis auf den Wegzug reagieren, ihre Sorge um die Zukunft und natürlich ihre Trauer um den Verlust eines geliebten Menschen, was sie wegen der erlittenen Enttäuschung erst einmal völlig unterdrückt. Doch auch die Gedanken und Gefühle der betroffenen Figuren werden so deutlich gemacht, das man alle Betroffenen gut verstehen kann und mit ihnen hofft, dass sie sich wieder annähern und mit dem Erlebten umgehen lernen. 
Ulrike Sosnitza gelingt es, mit emotionaler Tiefe Gefühle auszuloten und nachfühlbar zu machen. Es ist ein Auf und Ab der Gefühle, nicht nur in der Familie, sondern auch als Nelly merkt, dass sich auch andere Männer für sie interessieren. Doch sie möchte so schnell keine neue Beziehung zulassen und sperrt sich innerlich. Wie sich das dann doch ändern kann, erlebt man im weiteren Verlauf des Buches. Eine Ballonfahrt der besonderen Art führt bei Nelly zur Überwindung aller Hindernisse. Man darf darauf gespannt sein!

Die meisten Romane, die sich um einen Neuanfang drehen, sind höchstens unterhaltsam und enden meistens positiv. Ich verrate nicht zuviel, wenn ich behaupte, das trifft auch für Orangenblütenjahr zu, doch darüber hinaus hat dieser Roman noch mehr zu bieten. Er ist realistisch dargestellt, beschreibt die verletzten Gefühle und Nöte der Protagonistin und die ihrer Kinder und bringt eine allmähliche Entwicklung der Personen glaubhaft voran.

Der schöne Schreibstil hat mich schnell durch das Buch getragen und die gefühlvolle Schilderung der Ängste und Nöte Nellys und die nachvollziehbaren Gefühle der Kinder geben der Geschichte Tiefgang und Authenzität, die ich in anderen Romanen häufig vermisse. Die eingebaute Liebesgeschichte zeigt langsam Blüten und Früchte, genau wie der titelgebende Orangenbaum, der Nelly so ans Herz gewachsen ist. 

Mit einigen passenden Zitaten wird immer wieder ein Fünkchen Lebensweisheit gestreut, die man für sich und sein Leben mitnehmen kann. 


"Orangenblütenjahr" verbindet in wunderbarer Weise Gefühle, Lebensdramatik, Romantik und Hoffnung miteinander und ist ein wunderschön zu lesender Roman nicht nur für Frauen über 50.

 

***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag und an das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***


Dienstag, 19. Februar 2019

Lago Mortale - Giulia Conti

Ein unterhaltsamer Krimi mit Urlaubsfeeling im malerischen Piemont


Mit ihrem Piemont-Krimi "Lago Mortale" startet die Autorin Giulia Conti ihre Krimireihe um Simon Strasser. Der erste Band erscheint am 5. 3. 2019 im Atlantik Verlag. >WERBUNG<

Es ist August am Lago D´Orta und die große Hitze macht allen zu schaffen. Der ehemalige Polizeireporter Simon Strasser entdeckt auf einer Segelyacht die Leiche eines jungen Mannes, der Sohn einer bekannten Fabrikantenfamilie. Das weckt gleich seine Instinkte als Reporter und er macht sich an die Ermittlungen und stößt dabei auf so manch gehütetes Geheimnis.





"Auf der östlichen Seeseite angekommen, fuhren sie in eine andere, glanzvollere Welt. Hochgewachsene Palmen, rosa und blaue Hortensien, Oleander und Magnolien, hier und da säumten Bananen die in sanften Kurven entlang des Sees verlaufende Straße;..." Zitat Seite 49

Simon Strasser lebt als halber Italiener seit 5 Jahren in Italien am Lago d’Orta. Auch wenn er von den Einheimischen immer noch als Deutscher angesehen wird, fühlt er sich in dieser schönen Gegend wohl. Er ist ein introvertierter Typ, und doch würde er gern die Beziehung zu seiner Freundin Luisa in Frankfurt intensivieren.
Als er einen Toten entdeckt siegt seine journalistische Neugier und es gelingt ihm, neben den offiziellen Ermittlungen der Polizei durch Carla Moretti, sich auf eigene Faust daran zu beteiligen. Dabei stösst er auf Widerstand und kommt selbst in Gefahr. 
Doch bis es soweit ist, hat man mehr Urlaubsromantik als Krimi vor Augen. 
Mir gefällt diese Mischung, denn dieser Krimiauftakt bringt reichlich italienisches Flair mit sich. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, die Schönheit der Landschaft, wie das wilde Naturschutzgebiet des Val Grande, den Segelsport auf dem Lago D´Orta und die Ess- und Trinkkultur des Piemont deutlich werden zu lassen. Selbst der rosa Valtoce, der besondere Marmor für die wunderschöne Fassade des Mailänder Doms, wird hier vorgestellt. 

Hinzu kommen die eingängig beschriebenen Charaktere Simons und dessen Ziehtochter Nicola, deren Wohngemeinschaft sich gerade neu entwickelt. Außerdem bekommt man Einblicke in die Strukturen von alteingesessenen einflussreichen Familien von Fabrikanten und erlebt Steinmetze bei der Arbeit in den nahe gelegenen Marmorbrüchen. Auch die Stellung der katholischen Kirche spielt eine besondere Rolle in der Handlung, die ich nicht näher kommentieren möchte.    

Die Krimihandlung lebt hauptsächlich von reiner Ermittlungsarbeit und man spürt das untrügliche Bauchgefühl von Strasser. Er geht schon einmal unkonventionelle Wege und scheut kein Risiko. Man kann bei diesem Krimi nicht unbedingt von großer Spannung reden, doch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Wer cosy-crime liebt, wird hier ein wundervolles Urlaubsparadies entdecken und dazu einen neuen Ermittler. 

Die Auflösung des Falles findet nach einem gefährlichen Einsatz Simons dann ein logisches Ende, bei dem auch alle offenen Fragen geklärt werden. Obwohl ich eher erwartet hatte, dass die Polizei die Sache aufklärt, bin ich mit diesem Schluss zufrieden.

Ich freue mich auf weitere Krimis dieser Reihe und sehe besonders den Unterhaltungscharakter mit Urlaubsstimmung als Empfehlung.

Dabei stösst er auf Widerstand und kommt selbst in Gefahr. 
Doch bis es soweit ist, hat man mehr Urlaubsromantik als Krimi vor Augen. 
Mir gefällt diese Mischung, denn dieser Krimiauftakt bringt reichlich italienisches Flair mit sich. Der Autorin ist es wunderbar gelungen, die Schönheit der Landschaft, wie das wilde Naturschutzgebiet des Val Grande, den Segelsport auf dem Lago D´Orta und die Ess- und Trinkkultur des Piemont deutlich werden zu lassen. Selbst der rosa Valtoce, der besondere Marmor für die wunderschöne Fassade des Mailänder Doms, wird hier vorgestellt. 

Hinzu kommen die eingängig beschriebenen Charaktere Simons und dessen Ziehtochter Nicola, deren Wohngemeinschaft sich gerade neu entwickelt. Außerdem bekommt man Einblicke in die Strukturen von alteingesessenen einflussreichen Familien von Fabrikanten und erlebt Steinmetze bei der Arbeit in den nahe gelegenen Marmorbrüchen. Auch die Stellung der katholischen Kirche spielt eine besondere Rolle in der Handlung, die ich nicht näher kommentieren möchte.    

Die Krimihandlung lebt hauptsächlich von reiner Ermittlungsarbeit und man spürt das untrügliche Bauchgefühl von Strasser. Er geht schon einmal unkonventionelle Wege und scheut kein Risiko. Man kann bei diesem Krimi nicht unbedingt von großer Spannung reden, doch das tut dem Lesevergnügen keinen Abbruch. Wer cosy-crime liebt, wird hier ein wundervolles Urlaubsparadies entdecken und dazu einen neuen Ermittler. 

Die Auflösung des Falles findet nach einem gefährlichen Einsatz Simons dann ein logisches Ende, bei dem auch alle offenen Fragen geklärt werden. Obwohl ich eher erwartet hatte, dass die Polizei die Sache aufklärt, bin ich mit diesem Schluss zufrieden.

Ich freue mich auf weitere Krimis dieser Reihe und sehe besonders den Unterhaltungscharakter mit Urlaubsstimmung als Empfehlung.


***Herzlichen Dank an den Atlantik Verlag für dieses Leseexemplar!***





Montag, 18. Februar 2019

Eine Schwester in meinem Haus - Linda Olsson

Dieser Roman hat mich trotz der schönen Sprache nicht berührt.


Linda Olssons Roman "Eine Schwester in meinem Haus" erscheint als deutsche Erstausgabe in der Übersetzung von Kerstin Schöps am 11.02.2019 im btb Verlag. >WERBUNG<

In einem kleinen Ort an der katalanischen Küste lebt Maria zurückgezogen und allein in einem Haus. Sie trauert ihrer großen Liebe nach. Täglich wird sie von ihrer Umgebung daran erinnert, wie glücklich sie hier mit ihrer Liebe war. Als ihre Schwester Emma zu Besuch kommt, zu der sie kaum Kontakt hatte, kann Maria sich nicht richtig freuen. Sie empfindet Emma als Eindringling in ihr Reich. Wird dieser Besuch schmerzhafte Erinnerungen zutage fördern, wenn sie an ihre unglückliche Kindheit denken? 






Diese Geschichte wird sehr ruhig erzählt und spielt sich hautsächlich in Gesprächen und Gedanken zweier Schwestern ab. Maria ist eine Frau, die in ihrem Leben viel Leid erfahren hat, aber nicht in der Lage ist, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Sie schließt ihren Kummer in sich ein und lässt niemanden nah an sich heran. Stets hat sie ihre eigene vorgefasste Meinung und hat nicht die Empathie, sich auf ihr Gegenüber einzustellen, geschweige sich für die Person zu interessieren und deren Meinung zu hören. Das hat zur Folge, dass es häufig zu Missverständnissen und falschen Interpretationen Marias kommt. Aber als ihre Schwester Emma sie besucht, fängt sie an, ihre eigene Vergangenheit aufzuarbeiten, langsam bricht ihre harte Schale auf und sie entdeckt, wie sehr sie Emma braucht. 

Emma ist die kleine Schwester, die aufopfend bei ihrer Mutter geblieben ist, als eine gemeinsame große Schwester starb. Maria verschwand einfach. Emma hat eine Familie gegründet, konnte das Trauma ihrer Kindheit überwinden. Sie ist auch in der Lage, Maria Zeit zu lassen und die Erlebnisse der Vergangenheit nicht direkt anzusprechen. Sie vermeidet persönliche Fragen und damit lässt sie Maria die Möglichkeit, Gedanken zu wecken und sich allmählich zu öffnen. 


Die Sprache gefällt mir gut, sie ist ruhig und einfühlsam und sehr auf die Empfindungen gelenkt. Linda Olsson zaubert mit ihren bildhaft genauen Beschreibungen der Schauplätze, Vorgänge, Gedanken und Stimmungen eine leicht melancholische Atmosphäre herbei. Sie beschreibt die Hoffnungen und Wünsche der Schwestern, lässt sie Blicke in die Vergangenheit werfen, die dem Leser Einsichten in die familiäre Situation erlaubt. Die Schwestern nähern sich langsam wieder an, es entwickelt sich ein neu gewonnenes Vertrauen, indem sie sich über die Vergangenheit, die Todesfälle und ihre verletzten Gefühle austauschen. Die erlittenen Verluste und Schmerzen der Seele werden fühlbar, die Distanz bleibt lange zwischen Emma und Maria bestehen. Immer wieder versucht Emma, Maria die Hand hinzuhalten. Es dauert lange, bis Maria sie ergreift. Diese Entwicklung streckt sich sehr langsam über endlose Gespräche dahin.
Von dieser gefühlvollen Tiefe gesehen, hat mir der Roman gefallen, allein davon kann die Handlung allerdings nicht leben.

Es ist eine Art Erinnerungsroman, bei dem man sich sehr mit den Figuren beschäftigen muss, auch wenn man sie eigentlich nicht unbedingt sympathisch findet. Deshalb kann man schnell die Lust am Lesen verlieren. Hier hat mich ein Hoffnungsschimmer weiterlesen lassen.


Am Ende hat man erfahren, welches Leid den Schwestern auf der Seele brennt. Doch richtig berührt  hat mich dieses Buch leider nicht. Das liegt an der schwer zugänglichen Maria, die ich mir nicht als Freundin aussuchen würde und auch an den vielen Meinungen und verletzten Gefühlen, die hier nach und nach ausgesprochen werden müssen. 

Am Ende siegt der Mut, sich für das gegenwärtige Leben zu öffnen. Auch wenn Maria sich weiterhin schwer tut, jemanden teilen zu müssen, so lässt sie doch mit Emma eine neue Chance für ihre gemeinsame Beziehung als Familie zu. Sie öffnet sich für ihre Verhältnisse enorm und sie erkennt, dass sie die Vergangenheit ruhen lassen muss, um weiter zu leben.   
Gemeinsame Erinnerungen schmerzen, können aber auch zusammen schweißen.  

In diesem Familiendrama geht es um Verrat, Trauer und die Hoffnung auf Vergebung. Die scheinbar perfekte Kulisse der schönen Umgebung steht im kompletten Gegensatz zu der unterkühlten Beziehung der Schwestern.


Wer Trauer, Verlust und Beziehungen in Familie und Partnerschaft analysieren möchte, wird in diesen Gedanken des Romans vielleicht aufschlussreiche Erklärungen finden. Für mich gab es einige unzugängliche Szenen, die mich mit ihrer Problematik nicht erreicht haben. 


   ***Vielen Dank an den btb Verlag und das Bloggerportal Randomhouse für dieses Rezensionsexemplar!***