Sommerleses Bücherkiste
Bücher, Rezensionen und mehr...
Mittwoch, 8. April 2026
Stunden wie Tage - Shelly Kupferberg
Montag, 6. April 2026
Zugwind - Iryna Fingerova
Krieg in der Heimat!
Bei Rowohlt Hundert Augen erscheint Iryna Fingerovas Roman Zugwind.
Im Mittelpunkt des autofiktionalen Romans der ukrainischen Autorin und Ärztin Iryna Fingerova steht das Leben ihrer Protagonistin Mira Zehmann in Deutschland. Fingerova kam selbst vor fast zehn Jahren wegen des Krieges in der Donbasregion als Auswanderin von Odessa nach Deutschland. Ihre Figur Mira Zehmann ist ebenfalls Ärztin und baut sich in Deutschland ein neues Leben auf . Sie arbeitet als Hausärztin in einer Praxis und hat mir ihrem Mann Andrij ihre Tochter Rosa. Aus eigener Erfahrung kennt sie die Hürden und Probleme ihrer vor dem russischen Angriffskrieg geflohenen Landsleute und verteilt nicht nur Medizin, sondern gibt Lebenshilfe und verleiht mentale Zuversicht.
"Wenn komische Sachen passieren, kommen die Leute und wollen eine Krankschreibung. Man möchte denken, es braucht Wunderpillen, Zeitmaschinen, schlimmstenfalls Geld! Dabei reicht eines: Ruhe." Zitat Seite 74
Es spricht sich unter den geflohenen Ukrainern schnell herum, dass die Ukrainerin Mira Zehmann als Ärztin arbeitet. Es bilden sich lange Schlangen von Ratsuchenden und Menschen, die gar keine körperlichen Beschwerden haben, sondern einfach mal mit jemandem aus der Heimat reden wollen.
In diesem Buch bekommt man einen umfassenden Überblick über Miras Arbeitsalltag in der Praxis, über ihre persönlichen Vorstellungen und Erlebnisse als Mutter und Ehefrau und ihre Identität als Jüdin und über den Angriffskrieg der Russen auf die Ukraine. Mira nimmt uns mit ins Arbeitsleben, wo sie zahlreichen Ukrainer:innen begegnet, die wegen persönlicher Ansprache und einem Gespräch unter Gleichgesinnten ihren Rat und ihre Zuversicht benötigen. Es sind weniger körperliche Probleme als das Leiden unter Schuldgefühlen und dem Bewusstsein, dass sie ihre Heimat und Angehörigen vermissen.
Mira findet für andere den richtigen Ratschlag, doch durch ihr eigenes Leben weht ein Zugwind, der ihr zu schaffen macht. Sie könnte mit ihrem Leben zufrieden sein und es genießen, doch da gibt es diesen Zugwind, der als Metapher für ihre Bedenken steht. Sie denkt an ihre Familie und Freunde, die in ihrer Heimatstadt Odessa ausharren und die Kriegssituation ertragen müssen. Wie trotzt man dem Wind, der Gedanken aufwirbelt?
"Es zieht aus jeder Ritze, und dagegen hilft auch der Bauschaum des Alltags nicht, den ich großzügig verspritze, um nicht an Schlechtes zu denken." Zitat S. 234
Aus nächster Nähe erleben wir, wie sehr die Zweifel Mira quälen und wie sie täglich vom Aushalten-Müssen überfordert ist.
Der Schreibstil lässt sich locker lesen, er ist berührend, doch eine Prise Humor lockert manche Szenen auf und mit etwas Poesie bekommt das Ganze mehr Tiefgang zum Nachdenken.
Neben den Ängsten und Sorgen der Geflohenen erlebt Mira viele tröstliche oder positive Szenen, die zum wahren Leben passen. Und sie bleibt empathisch für ihre Patienten, die als Drogen- oder Krebskranke auch medizinische Hilfe benötigen. Sie beschönigt nichts und bekennt auch Probleme mit Korruption und dem selbstverständlichen Anspruchsdenken einiger ihrer Landsleute. Der Roman ist keine ideologische Schönfärberei, sondern zeigt ein echtes Bild der Menschen.
Der Zugwind zieht sich durch den gesamten Roman, es zieht wenn Mira von Traurigkeit ergriffen ist und auch dann, wenn sie an die Zurückgebliebenen in Odessa denkt. Und als im Oktober der Angriff der Hamas auf Israel stattfindet, ergreift sie der Zugwind mit doppelter Kraft. Denn Mira hat jüdische Wurzeln, es gibt Verwandte in der Ukraine und andere in Israel. Zum 90. Geburtstag ihrer Oma reist sie nach Odessa, zurück zu ihren Wurzeln und Erlebnissen aus der Jugend und der Zugwind flaut ab.
Der Roman hat mich sehr überrascht und zum Nachdenken angeregt. Er hat eine Welt voller Zweifel und Unsicherheit aufgezeigt, die nur mit Hoffnung und Zuversicht besiegt werden können. Das ist gerade in unruhigen Zeiten sehr wichtig.
Sonntag, 5. April 2026
Wochenrückblick KW 14/2026
Was war in dieser Woche los?
Gedacht:
Dass ich diese Woche mehrere Buchangebote bekommen habe und leider gar nicht alle annehmen kann und will. Manche Bücher gehen voll an meinem Geschmack vorbei, andere würde ich schon gerne lesen, schaffe es aber zeitlich gar nicht.
Gefeiert:
Die schöne Natur und die vielen tausend Osterglocken, Narzissen und Tulpen überall.
Wenn manche Bloggerinnen auf der Messe auf sch...freundlich machen und einem dort sofort folgen, aber wenige Tage später wieder entfolgen. Dann lieber ehrlich bleiben und keine falsche Show abziehen!
Gekauft:
Geklickt:
Ich wünsche euch frohe Ostern und eine gute Woche!
Herzliche Grüße,
Eure Sommerlese
Samstag, 4. April 2026
Villa Rivolta - Daniel Speck
Die Kinder Piero, Sohn des Automobilherstellers Renzo Rivolta, und Valeria, Tochter der Haushälterin Caterina Fabrizi, lernen sich im Garten der Villa Rivolta kennen und versprechen sich eine lebenslange Freundschaft. Direkt neben der Villa liegen die Produktionsstätten für Kühlgeräte, in denen später Motorroller, die bekannte Isetta und luxuriöse Sportwagen hergestellt wurden.
Daniel Speck hat die erzählerische Gabe, seinen Figuren intensiv Leben einzuhauchen und sie in einem authentisch geschilderten Kontext der Zeitgeschichte so einzubinden, daß beim Lesen das Kopfkino anspringt. In seinem Roman verarbeitet er die biografisch angehauchte Geschichte Piero Rivoltas und lässt uns am Bau der Isetta teilhaben, zeigt die unternehmerischen Schwierigkeiten des Familienunternehmens, das Leben der Reichen und die soziale Schieflage der arbeitenden Bevölkerung, sowie die Differenzen zwischen Nord- und Süditalien.
Villa Rivolta ist ein wunderbarer, detailreich erzählter Roman über Seelenverwandte, italienisches Lebensgefühl, über Macht und Einfluss und über Existenzsorgen und soziale Ungerechtigkeit. Der Roman hat mich gefesselt und wunderbar atmosphärisch unterhalten.
***Herzlichen Dank an den Fischer Verlag für das Rezensionsexemplar!***
Donnerstag, 2. April 2026
Top Ten Thursday #223

Blogger:innen erstellen Listen mit Buchtiteln beim TTT Top Ten Thursday bei Weltenwanderer. Hier ist meine persönliche Top Ten Liste.
*Zeige 10 Buchtitel, in denen ein Meerestier genannt wird!
Für alle Leser, die ein Faible für interessante Lebewesen und die Unterwasserwelt haben. Es öffnet die Sinne für das Bewusstsein, bzw. die Seele von Tintenfischen. Jedes Individuum ist wertvoll und einzigartig!
3. Der Krabbenfischer - Benjamin Wood

4. Marconi und der tote Krabbenfischer - Daniele Palu

Unterhaltsamer Krimiauftakt bietet einen abwechslungsreichen Mix aus Mordermittlung, Privatleben und nordfriesischer Landschaftsidylle!
5. Krabbenkuss mit Schuss - Christiane Franke

Amüsanter, urlaubsmäßiger Küstenkrimi mit Alpakas, Ostfriesentee und kulinarischen Spezialitäten!
6. Commissario Gaetano und der lügende Fisch - Fabio Nola

Ein spezieller Ermittler führt uns in die Abgründe und das Treiben in Neapels Gassen.
7. Wir Wale - Fabian Ritter

Ein interessantes Buch über das Leben der Wale und ihr Verhalten.
8. Kein Tag für Jakobsmuscheln - Catherine Simon
9. Das Evangelium der Aale - Patrik Svensson

Die Natur der Aale zu erkunden, ist interessant, für mich aber nicht neu. Ein Buch rund um Aale zu schreiben, sie mit philosophischen Betrachtungen zu ergänzen und dann auf das eigene Leben zu lenken, ist neu. Deshalb hat mich dieses Buch auch sehr beeindruckt und gespannt auf die Reise der Aale und auf Patrik Svenssons Leben mitgenommen. Aale gehören zu den vom Aussterben bedrohten Arten.

Mittwoch, 1. April 2026
Lesemonat März 2026
Der März war dieses Jahr ein typischer Übergangsmonat mit einem Wechsel zwischen milden Phasen und einem "Märzwinter" ab Monatsmitte. Vorher war es zeitweise so mild, dass ich häufig mit meiner Mutter im Garten des Seniorenheims war und dort den blühenden Wild-Pfirsichbaum entdeckt habe. Doch das wechselhaftes Wetter zeigte auch Regen, Wind und einige Graupelgewitter.
Gelesen habe ich einen bunten Mix aus Krimi, Romanen und jeder Menge Kinderbüchern und ein Thriller war auch mal wieder mit dabei.
Für drei Tage zog mich die Buchmesse nach Leipzig, wo ich in einem guten Hotel untergekommen bin, das noch bezahlbar war und ich einfach eine schöne Zeit verbrachte mit verlockenden Verlags-Bloggertreffen, intereressante Buchauswahl an vielen Ständen, zahlreiche Lesungen und viele Treffen mit anderen Gleichgesinnten. Auch wenn man sich nur einmal im Jahr sieht, ist man sich gleich vertraut und kommt sofort ins Gespräch.
Natürlich verläuft so ein Messebesuch nicht ohne Neuzugänge, die ich euch hier nur zeigen möchte.
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Monatsübersicht nach Genres 17:
Thriller: 1
Roman: 3
Histor. Roman: 1
Kochbuch: 0
Sachbuch: 1
Kinderbuch: 8
Biografie: 1
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Meine Buchlieblinge im März:


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Die meistgeklickten Blogbeiträge im März:
Beliebte Buch-Rezensionen:
Der letzte Verrat der Boleyns - Philippa Gregory
Philippa Gregory entführt ihre Leser an den Hof von Heinrich VIII., wo wir Intrigen, brutale Hinrichtungen und politische Ränkespiele erleben. Die Vorgänge erfahren wir von Jane Boleyn, geborene Jane Parker, die als Schwägerin von Anne Boleyn und Cousine von Catherine Howard ihnen als Hofdame diente. Beide Frauen waren Ehefrauen von Heinrich VIII. und wurden hingerichtet.
Moorland: Die Zwillinge - Andreas Winkelmann

Eine spannende Handlung, interessante Charaktere und eine gruselige Grundstimmung im Moor machen dieses Buch zu einem Page-Turner.
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Nun hoffe ich genügend Lese-Zeit für die neue Lektüre von der Buchmesse und weitere Buchzugänge.
Ich wünsche euch einen schönen April!
Eure Sommerlese!

































