Ein fesselnder Blick ins historische Wangerooge
Regine Kölpins historischer Roman Das Seebad am Nordseestrand erscheint im Piper Verlag.
Wangerooge, 1829: Bernhardine Westings Mann ist wenig begeistert als er zum Badekommissar von Wangerooge ernannt wird, seine Frau dafür umso mehr. Sie möchte aus der Insel ein exkulsives Seebad machen und macht sich voller Tatkraft an die neue Aufgabe. Allerdings muss sie ihr Vorhaben gegen die ablehnende Haltung einiger Insulaner durchsetzen, während andere erkennen, dass hier neue Arbeitsplätze entstehen und lohnende Einnahmen durch Kurgäste winken.
Beeke Tammen ist Insulanerin aus einfachen Verhältnissen, ihr Vater hat sie Okko, dem Sohn des Lehrers versprochen, doch Beeke träumt von einer Heirat mit ihrem Jugendfreund Edo, was ihre Eltern ablehnen. Mit dem Antritt des neuen Badekommissars bietet sich für Beeke die Chance, dort eine Anstellung zu bekommen. Sie hat Glück und arbeitet in der Küche. Sie hofft mit ihrem Verdienst nicht länger auf eine Verheiratung angewiesen zu sein.
Mit erzählerischer Leichtigkeit zeichnet Regine Kölpin ein anschauliches Bild des damaligen Lebens auf Wangerooge, sodaß man wie bei einer Zeitreise die Schauplätze und gesellschaftlichen Strukturen erleben kann. Figuren wie Beeke und Bernhardine sind mir schnell ans Herz gewachsen und ich war gefesselt, die bewegenden Schicksale der beiden Frauen zu begleiten und zu erleben, wie sich beide Frauen gegen ihre persönlichen Widersacher behaupten müssen. In Beekes Fall entsetzten mich besonders die übergriffige Gewalt durch Männer, die die junge Frau in eine ausweglose Situation gebracht haben, aber nicht für ihr Verhalten zur Rechenschaft gezogen wurden. Statt dessen hatten stets die Frauen als Gefallene einen schlechten Stand.
Die Schilderung der Maßnahmen zum Ausbau Wangerooges als modernes Seebad habe ich interessiert verfolgt. Man musste den reichen Bürgern und Kleinadel schon etwas bieten, um sie auf den Geschmack der heilenden Seeluft zu bringen. Diese Aufgabe übernahm die reale Figur Bernhardine Westing, die Regine Kölpin sehr ausdrucksstark in ihre Geschichte einbindet und das Ganze mit einer glaubhaften historischen Nordsee-Atmosphäre einfängt.
Für Töchter wie Beeke gab es früher keine großen Möglichkeiten, eigene Wege zu gehen. Sie hatten anfallende Aufgaben im Haushalt der Familie zu erledigen, auf die kleineren Geschwister aufzupassen und sich dem Diktat der Männer in eine Verheiratung zu fügen. Deshalb hat mich Beekes Lebensweg sehr gefesselt und ich war angetan, wie sie dank ihrer fleißigen und loyalen Art in Bernhadine eine Fürsprecherin gewinnt, die ihr mehrfach aus schwierigen Situationen heraushilft. Schon früh erkennt Bernhardine Beekes Potential und durch ihre Unterstützung entwickelt sie sich Beeke in eine selbstbewusste junge Frau, die keine Ehe ohne Liebe eingehen will.
***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***























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