Samstag, 16. Mai 2026

Zwei Frauen - Katja Maybach

Der Kampf für die Gleichberechtigung beginnt!  

Im Piper Verlag erscheint der Roman Zwei Frauen von Katja Maybach.  

1912: Als Hannahs Vater stirbt, ist sie 22 Jahre alt, ihr Bruder verzichtet auf den Hof und überschreibt ihn ihr, was im Dorf als Skandal gehandelt wird. Doch darum schert sich die selbstbewusste Hannah nicht und trotz allen Anfeindungen. Sie lernt Julie kennen, die mit dem Notar verheiratet ist, der die Formalitäten der Überschreibung regelt. Julie führt ein privilegiertes Leben, ganz anders als Hannah und ist fasziniert von Hannahs Mut als Frau einen Hof zu führen und von ihrer Eigenständigkeit. Beide Frauen werden zu engen Freundinnen und unterstützen sich in unterschiedlichen Lebensabschnitten bei Freud und Leid oder in Krieg und Frieden.  


 

Wer schon einmal einen Roman von Katja Maybach gelesen hat, weiß, dass sie sich durch einen einnehmenden Erzählstil auszeichnen. Das ist auch bei diesem Buch der Fall, die fesselnde Story sorgt für unterhaltsame und spannende Lesezeit, denn die beiden Frauen erleben in der von Männern dominierten Welt ihrer Zeit persönliche Einschränkungen, sie sollen sich fügen und ihre Rolle als Frau ausfüllen. 

Die Geschichte handelt von zwei Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Während Hannah nach dem Tod ihres verhassten Vaters die schwere Arbeit auf ihrem Hof als Chance ergreift, um frei zu leben und sich unabhängig zu machen, lässt sich Julie von ihren Dienstmädchen bedienen und lebt in einem reichen Haushalt. Doch dafür büßt sie ihre persönliche Freiheit ein, denn sie muss sich ihrem Mannes fügen, der für sie entscheidet und dem sie zu Willen sein muss. Wie sehr sie dieser Zustand beeinflusst und krank macht, ahnt sie bei ihrer Eheschließung noch nicht. 

Im Laufe der Handlung erleben wir, wie die enge Freundschaft beide Frauen prägt und sie gegenseitig verbindet. In dieser Zeit erstarken die Stimmen mutiger Frauen, die für Gleichberechtigung kämpfen und es ihren Vorkämpferinnen aus England nachmachen. Und Hannah und Julie kämpfen gegen ihre eigenen Schwierigkeiten und schicksalshaften Erlebnisse an.  

In der Geschichte wird der Alltag und das Leben der Frauen beschrieben. Ich mochte es, wie die Autorin  uns die Mode dieser Zeit detailreich vor Augen führt, dafür hat sie ein besonderes Händchen. 

Es gilt für beide Frauen einiges durch zu stehen, beide werden schwanger, doch unter verschiedenen Vorraussetzungen. Gefesselt habe ich ihre Lebenswege und Entschlüsse mitverfolgt und konnte mich in beide Frauen gut hineinfühlen. Ihre jeweilige Lage wird verständlich beschrieben, mit dem Krieg gehen alte Sicherheiten verloren, ihr Leben ist schwieriger geworden. Es ist bewegend zu sehen, wie sich beide Frauen entwickeln.

Eine Freundschaft, die über gesellschaftliche Grenzen hinaus reicht und Mut macht für eigene Entscheidungen! 

  

***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


Besuch im Berggarten: Mai

 




 
Im Wonnemonat Mai grünt und blüht es überall, dass es eine wahre Pracht ist!
Nun ist es schon wieder fast zwei Wochen her, dass ich meinen letzten Spaziergang im Berggarten gemacht habe und seitdem hat sich alles noch wieder erstaunlich verändert. So frisch und unterschiedlich grün wuchernd, üppig blühend und mit Bäumen voller Blätter hat der Garten einen ganz besonderen Charme, der an einen verwunschenen Garten erinnert. Auf den Wegen ändert sich andauernd der Blickwinkel auf neue blühende Ecken, ließ mich innehalten und ständig mein Handy zücken, um diesen Eindruck fest zu halten. 
 
Schon kurz nach dem Eingang sah ich die üppigen Alliumblüten, die wohl zu Hunderten als Zwiebel in die Erde gesteckt wurden. 
 
 
Ein Weg des Gartens führt in den Rhododendron-Hain, der zur Zeit einer Farbexplosion gleicht und Rhododendren in allen erdenklichen Farben zeigt. 
 









 











Das Orchideenhaus habe ich mir dieses Mal verkniffen, denn zur Zeit gibt es ja draußen genug zu sehen. Die Pfingstrosen habe ich auch nicht angesteuert, die werde ich euch noch zeigen, wenn sie in voller Blüte stehen. 
Ich wünsche euch allen einen schönen Mai!  

 
 

Der Geschmack von Sommer und Karamell - Anne Barns

Ein liebenswerter Sommer-Wohlfühlroman zum Genießen! 

 
Anne Barns Roman Der Geschmack von Sommer und Karamell spielt auf Amrum und erscheint im Rowohlt Verlag.  
 
Die Illustratorin Ella begleitet ihre Oma Henny nach Amrum, wo sie in ihrer Jugend eine schöne Zeit verbracht hat. Nachdem Ellas beste Freundin den Kontakt abgebrochen hat, fehlt es ihr an Ideen für ihre Zeichnungen. Da ist ein Ortswechsel sicher genau das Richtige. Henny hat ein kleines Haus hinter den Dünen gemietet und erzählt Ella aus ihrer Vergangenheit. Es geht um eine unzertrennliche Frauenfreundschaft, um die erste Liebe und jede Menge leckerer Friesenwaffeln. Ella genießt die Zeit auf der Insel und fühlt sich plötzlich wieder frei und voller Lebensfreude. Das könnte auch an dem wortkargen Vogelkundler Jonte liegen, der ihr immer wieder über den Weg läuft.  
 


 
Die Geschichte erzählt von Ellas und Hennys Urlaub auf Amrum, begleitet von Wind und Wellen, von Inseldialekt und Traditionen und von Liebe und Trauer. Man kann wunderschön in die Erzählung versinken und erfährt in Rückblenden mehr über Hennys Jugend und ihre Zeit auf der Insel. 
Die Charaktere werden alle liebenswert, lebendig und nahbar dargestellt und so werden sie beim Lesen zu Menschen, die man schon länger zu kennen scheint.  
 
Vor der bildhaft beschriebenen Kulisse von Dünen, Vogelgezwitscher und Meeresbrise können nicht nur Ella und ihre Oma entspannen, auch bei mir sprang beim Lesen der Wohlfühlmodus an und ich fühlte mich im Urlaubsmodus und hatte eine wunderschöne Lesezeit. Die Themen bezieht Anne Barns aus dem wahren Leben, es geht um die Liebe, um Freundschaft, alte Geheimnisse und Erinnerungen an die Vergangenheit. Auch auf alten Beziehungen kann man neu aufbauen.  
 
Anne Barns unvergleichlich schöner und bildhafter Erzählstil kommt auch in diesem Roman wieder zum Tragen. Sie beschreibt die Landschaft, das Meer und die Charaktere so authentisch und liebenswert, dass man sich in die Geschichte hineinfühlt und sie einfach im Wohlfühlmodus weglesen kann. Ella liebt Karamell und Oma führt sie in die friesische Waffel-Bäckerei ein, beide genießen ihren Urlaub mit allen Sinnen. Dabei werden die Backergebnisse so köstlich beschrieben, dass ich sofort die Rezepte im Anhang studiert habe, um gleich mal mit ein paar Waffeln loszulegen. 
Interessant ist auch, das auf der Insel noch von einigen Einheimischen das Amrumer Friesisch, das sogenannte Öömrang, gesprochen wird. Anne Barns baut geschickt einige Begriffe des Dialekts in die Dialoge ein, die auch erklärt werden oder ersichtlich sind, sodass man sich in das Flair der Insel hineinfühlen kann. 
 
Ein liebenswert erzählter Schmöker mit Amrum-Flair, einer Prise Liebe und süßen Appetitanregern!
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!*** 
 

 
 
  • Barns, Anne - Honigduft und Meeresbrise
  • Barns, Anne - Bratapfel am Meer  
  • Barns, Anne - Drei Schwestern am Meer
  • Barns, Anne - Kirschkuchen am Meer  
  • Barns, Anne - Eisblütenwinter
  • Barns, Anne - Bernsteinsommer   
  • Barns, Anne - Wo du mich findest
  • Barns, Anne - Der Geschmack von Sommer und Karamell  
  • Dienstag, 12. Mai 2026

    Yesteryear - Caro Claire Burke

    Ein fesselndes Highlight!  

    Im Heyne Verlag erscheint der Roman Yesteryear von Caro Claire Burke. Für die hervorragende Übersetzung sind Dietlind Falk und Lisa Rögeböhn verantwortlich.   

    Natalie Heller Mills lebt ihren Traum als Tradwife, sie besitzt eine wunderbare Farm, hat sechs wunderschöne Kinder und als Mann den Sohn eines einflussreichen Politikers, der im Cowboyoutfit eine gute Figur abgibt. Natalie scheint alles in ihrem Leben richtig zu machen, egal ob Sauerteig, Hühnerhaltung oder Kindererziehung. Deshalb folgen ihr Millionen Menschen in den sozialen Medien, die die heile Welt von Natalies Videos lieben und ihre beworbenen Produkte reihenweise kaufen. Es gibt allerdings auch Hater und hinter der Fassade der Traumwelt brodeln Skandale. In Wahrheit ist Natalies Mann ein Nichtsnutz, um die Kinder kümmern sich Nannys und die Arbeit auf der Farm wird von angestellten Arbeitern erledigt. Und Natalie fragt sich, wie es wohl wäre, wenn sie ihr vorgetäuschtes Leben ohne diese Hilfe führen müsste.




     

    Zu Beginn erleben wir Natalies heile Welt als christlich geprägte Farmbesitzerin und Vielfachmutter, in der ihr alles gelingt und sie ihre Follower täglich mit idyllischen Videos unterhält und begeistert. Eines Tages findet sich Natalie in einer Welt der Pioniere ohne Strom und Kanalisation wieder und ihr bisheriges Leben scheint verschwunden zu sein. Sie muss sich um ihre Kinder kümmern und selbst den Haushalt erledigen. Was ist hier geschehen? Ich war sehr gespannt auf die Hintergründe und total überrascht, wie sehr mich diese Geschichte gepackt und nicht mehr losgelassen hat. 

    Die genauen Gründe der Veränderung werden immer nur angedeutet und als neuer Einblick in die Vergangenheit und gegenwärtige Zeit beschrieben. Warum musste Natalie ihre heile Welt verlassen, was ist geschehen und wie konnte sie ihren Followern die Wahrheit verheimlichen? 

    Sprachlich gefällt mir der Roman hervorragend, ich zolle den Übersetzerinnen meine volle Anerkennung wie sie für jede schroffe Äußerung die passende Beschreibung gefunden haben. 

    Caro Claire Burke ist es gelungen, Natalies verschiedenen Lebenswelten miteinander zu verweben, dass man zwischen ihnen eintauchen und zwischen den Zeiten hin und her springen kann. Die Geschichte hat mich Roman bis zum Schluss gefesselt. Im Laufe der Handlung kommen immer mehr Steinchen zum Vorschein, die die Realität und die Skandale hinter der heilen Farmwelt Stück für Stück aufdecken.  
    Lange Zeit konnte ich mir keinen Reim darauf machen, was wirklich passiert ist. Ich habe Natalies Gedanken gelauscht und am Ende war die Wahrheit nicht das, was ich erwartet habe. Sie ist eine Figur, die vielschichtig angelegt ist und Charakterzüge hat, die nicht sympathisch sind. Sie verstellt sich vor anderen Menschen, was wir Leserinnen durch ihre Gedanken mitbekommen.  

    Die Rolle einer Tradwife wird hier offen beäugt, die kritischen Fragen kommen den Leserinnen ganz von allein. Caro Clair Burke bringt hier viele Themen unter, es geht um das Patriarchat, um religiösen Extremismus, um Gewalt in der Ehe und um eine Frau, die das klassische Rollenbild anscheinend leben will, egal welche negativen Folgen das mit sich bringt. Dieses Bild von Tradwifes wird in den sozialen Medien offen propagiert, besonders in den USA. 

    "Yesteryear" macht nachdenklich, ohne belehrend zu sein und ist für mich ein echtes Highlight. Ein fesselnder Roman, der das perfekte Tradwife-Leben demontiert! 

      

     ***Herzlichen Dank an den Heyne Verlag und das Bloggerportal für das Rezensionsexemplar!***


    Sonntag, 10. Mai 2026

    Wochenrückblick KW 19/2026

     


     Was war in dieser Woche los?

     
    Was war denn das für eine kühle und regnerische Woche? Ich habe mich mit heißem Tee und dicker Jacke gewappnet und freue mich total, dass es Ende der Woche doch wieder etwas milder geworden ist. 
     
    Letzte Woche habe ich einige Bücher aussortiert und dabei ist mir auch "Reise mit zwei Unbekannten" vom SuB in die Hände gefallen. Ich habe es gespannt gelesen, denn ich wollte unbedingt wissen, ob die Geschichte traurig oder gut ausgeht. :-) 
     
     
    Gesehen:   
     
    Let´s Dance: war mir alles ein bißchen viel Drama und Heulerei
    Eine Dokumentation über das Leben und die Natur im Donaudelta. 

    Gelesen:    

  • Strandopfer - Frank Goldammer                                            4⭐
  • Reise mit zwei Unbekannten - Zoe Brisby                          4⭐
  • Arrivederci am Lago Maggiore - Alexandra Holenstein  4⭐
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    Getan:  
     
    Lesen, Bloggen, Rezensionen schreiben, Treffen der Gruppe für die Homepage vom Chor,meine Mutter 4x besucht, Chor-Probe, Sehtesttermin (fiel leider aus, wie ich vor Ort feststellen musste), Let´s Dance gesehen, mit dem Nachbarenkelkind gespielt.  
     
     
    Gefreut:    
     
    Über reichlich neue Buchpost:  
     
    Herzlichen Dank an den Piper Verlag für die beiden von mir angefragten Titel. Ich freue mich schon sehr darauf! 
     

     
     
    Ich bedanke mich beim Team Bloggerportal für diese beiden Romane!
     
     


     
    Ein herzliches Dankeschön an den Rowohlt Verlag für den neuen Roman von Anne Barns "Der Geschmack von Sommer und Karamell" und das leckere Küchlein!



      
    Gegessen: 

    Gemischter Salat mit Knoblauchbaguette; Spaghetti mit Tomatensauce; Spargelsuppe; Backfisch mit Kartoffel-Salat; Nudeln mit Champignon-Möhren-Lauch-Pfanne 2x; Lachs mit Sauce Bernaise und Pommes; 

    Gedacht:        

    Es ist doch immer wieder dasselbe, meine Neuzugänge treffen fast gleichzeitig ein. Das hatte ich mir zeitlich anders vorgestellt! :-))

    Gefeiert: 

    Meine Mutter schon am Samstag vor dem Muttertag besucht, da gab es noch genügend Vasen im Seniorenheim und wir konnten den wunderschön blühenden Garten fast ganz allein geniessen. Sonntag hat sich mein Bruder angekündigt und wir müssen nicht alle gemeinsam auftauchen.  

    Geärgert: 

    Es macht mich fassungslos, dass es neue Verdächtigungen wegen Korruption des ukrainischen Präsidenten gibt. Und trotzdem fließen die deutschen Milliarden weiter.  

    Gekauft:  

    Blumen, Pralinen  

    Geklickt: 

    Nachrichten 
     

    Ich wünsche euch eine schöne Woche! 

    Herzliche Grüße,

    Eure Sommerlese 

    Freitag, 8. Mai 2026

    Strandopfer - Frank Goldammer

    Ein raffinierter Fall

    Im Rowohlt Verlag erscheint Frank Goldammers Krimi Strandopfer.  

    Zur Aufklärung eines ungeklärten Todesfalls fährt Kriminaloberkommissarin Lena Schuldt vom BKA Berlin auf die polnische Ostseeseite nach Swinemünde. Dort wurde am Strand ein deutscher Tourist tot aufgefunden. Alles deutet auf einen Badeunfall hin, doch bei näherer Untersuchung findet sich im Hals des Toten ein Bernstein. Kurze Zeit später wird die zehnjährige Luisa als vermisst gemeldet, es ist die Tochter einer Freundin des Toten. Lena bekommt den polnischen Kommissar Adam Krawczyk an die Seite gestellt, sie befragen Freunde und Angehörige und versuchen den Mörder und das Kind zu finden. Wie bei allen Vermisstenfällen ist es ein Wettlauf gegen die Zeit. 
     

     
    Frank Goldammer stellt uns ein deutsch-polnisches Ermittlerduo vor, die beide zum ersten Mal miteinander arbeiten und sich aneinander gewöhnen müssen. Lenas Heimat war auf der deutschen Ostseeseite, sie hat einige negative Erinnerungen an diese Zeit und seitdem hat sie auch Vorurteile gegen Nachbarn auf der polnischen Seite. Adam ist ein junger Mann, der seine Jugend hinter einem ernsten Auftreten verbergen möchte. Er begegnet Lena mit Vorsicht und muss sich erst noch an ihre Arbeitsweise und ihr Temperament gewöhnen. Im Laufe der Handlung gestehen sie sich private Probleme ein und reden offen über Vorurteile. Ich konnte mit beiden Charakteren nicht so recht warm werden, sie blieben recht distanziert und dennoch fand ich es interessant zu verfolgen, wie sie zusammen arbeiten und sich ergänzen. 
     
    Der Tote war früh am Morgen mit dem vermissten Mädchen unterwegs, welche Verbindung und welches Motiv versteckt sich in dieser Konstellation? Diese Ausgangslage hat mich von Anfang an gepackt und ich habe den Krimi gespannt verfolgt. Doch die Suche nach dem Mädchen zieht sich in die Länge und ein weiterer Todesfall brachte für mich noch mehr Fragezeichen mit sich. 
    Mysteriös und unheimlich ist der Fund vom Bernstein, der in der Kehle des toten Urlaubers steckt. Welche Bedeutung hat dieser Stein? Ich habe lange gerätselt und bin einer Spur aufgesessen, die Lena als Vermutung erwähnt hat. Doch auch das war nur eine von mehreren Wendungen, die den Krimi insgesamt so fesselnd machen.
     
    Die Spannung steigt allmählich an, phasenweise nehmen die Befragungen und Erinnerungen in Lenas Vergangenheit mehr Raum ein, als ich erwartet hatte. Frank Goldammer lenkt damit gezielt den Blick auf die Probleme vor allem junger Menschen in dieser Region nach der Wende. Auch die Vorurteile zwischen Deutschen und Polen kommen hier zur Sprache.
    Die Urlauber in der Villa verbergen unterschiedliche Geheimnisse und es ist nicht klar, wer hier Opfer oder Täter sein könnte. Was für Außenstehende wie eine freundschaftliche Urlaubsgruppe aussieht, birgt jede Menge Konflikte und enthält Potenzial für mögliche Motive. 
     
    Misdroy ist mir von einem Urlaub bekannt und ich habe mich den landschaftlichen Beschreibungen erfreuen können und einiges wiedererkannt. Den schönen langen Sandstrand oder die übervolle Promenade beispielsweise, die gefüllt von Buden und Imbissen schon wie ein Jahrmarkt anmutet. Frank Goldammer baut diese und andere atmosphärische Eindrücke so stimmig in die Geschichte ein, dass man sich die Gegend, die Arbeitsweise bei der Polizei oder die Wohnsituation einiger Personen gut vorstellen kann. 

    Ein raffinierter Fall des deutsch-polnischen Ermittlerduos, der mich gefesselt hat und einige Vorurteile offenlegt!    

       
     
    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***
     

     
     
    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***  
     

     

    Mittwoch, 6. Mai 2026

    Reise mit zwei Unbekannten - Zoe Brisby

    Ein Roadtrip der besonderen Art!

    Im Eichborn Verlag erschien 2021 Zoe Brisbys Roman Reise mit zwei Unbekannten.

    Student Alex hat Liebeskummer, leidet unter Depressionen und um seinem Leben neuen Input zu verleihen, plant er eine Reise nach Brüssel. Doch ihm fehlt das Geld für die Fahrt und so bietet er eine Mitfahrgelegenheit an. Die ist schnell gefunden, es ist die über 90-jährige Maxine, die in einem Seniorenheim lebt und glaubt, dass sie Alzheimer hat. Sie will nach Belgien, um dort Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. In dem uralten Twingo von Alex machen sich beide auf eine außergewöhnliche Reise und vertrauen sich Dinge an, die sie vorher niemandem erzählt haben. Die Tatsache, dass Maxine von der Polizei gesucht wird, sorgt für aufregende Abenteuer, die das ungleiche Paar zusammen wachsen lässt. 


     

    "Ich bin nicht alt, ich bin vintage! Und wie alles, was vintage ist, bin ich absolut auf der Höhe der Zeit!" Zitat Seite 385

    Was für ein großartiger Roadtrip, in dem uns Zoe Brisby das ungleiche Paar mit viel Humor und gleichzeitig auch ernsthafter Tiefe beschrieben hat. Alex und Maxine misstrauen sich anfangs, durch ihre gemeinsamen Gespräche öffnen sie sich, freunden sich an und lernen voneinander. Ich mochte die energische Maxine, die zeigt, dass auch alte Menschen Mut haben und vor allem über jede Menge Lebenserfahrung verfügen. Maxine erkennt schnell, wie schüchtern Alex ist und bringt ihn dazu, mehr Selbstbewusstsein zu entwickeln. Denn ihre gemeinsamen Abenteuer haben es in sich, sie werden sogar von der Polizei verfolgt und Alex muss sich beweisen. Diese Fahrt schweißt sie enger zusammen, als beide anfangs noch ahnen.  

    Der Erzählstil ist wunderbar locker und enthält lebendige Dialoge, die auf verschiedene ernste Themen im Leben eingehen. Darin bieten sich Maxine und Alex gegenseitig Paroli und ich musste häufig schmunzeln, denn trotz der ernsten Themen gehen die Protagonisten humorvoll und unverblümt aufeinander ein. Einige Szenen fand ich etwas überzogen, doch das zufriedenstellende Ende konnte mich dann versöhnen. 

    Ein kurzweiliger Roadtrip mit liebenswerten Charakteren, Humor und Fragen des Lebens!