Freitag, 28. August 2026

Das große Eis - Sonja Sophie Kreis

Verwirrende Geschichte im arktischem Eis

 
Der Roman Das große Eis von Sonja Sophie Kreis erscheint bei Rowohlt Berlin
 
Annas deutsch-schweizer Familie stammt vom Bodensee, ihr Bruder Alex lebt zurückgezogen auf Grönland, denn ihn faszinieren das Eis und die Einsamkeit der Arktis. Als Erbe ihrer verstorbenen Eltern möchte Anna Alex ein Gemälde bringen, an dem er sehr hing. Auf der Suche nach Alex erlebt Anna das ewige Eis und deckt Geheimnisse ihrer Familie auf. Dazu gehören die Kriegserfahrungen mit Nazis und verschiedene familiäre Krisen. 
 

 
 
Dieser Roman hat es mir nicht leicht gemacht und ich habe ernsthaft ans Abbrechen gedacht. Es geht um eine Familie mit interessanten Charakteren, die mir trotz näherer Einblicke nicht sehr nahe kamen. Die Geschichten sind durcheinander gewürfelt, werden aus verschiedenen Sichtweise erzählt, es gibt zeitliche Sprünge zwischen Vergangenheit und Gegenwart, sowie verschiedenene Kapitel, die ich beim Lesen einfach nicht gut einordnen konnte. 
Sprachlich hat mir das Buch gefallen, besonders fasziniert haben mich die Beschreibungen von Eis und Schnee in der Arktis, wie es die Inuit seit Urzeiten kennen und vielfach unterscheiden. Sie differenzieren Packeis, Meereis, Süßwassereis, geschmolzener Schnee und Eisberge, weil jede Variante eine spezielle Dichte und eventuell Gefahr bedeutet. 
Für die Figuren hätte ich mir ein Personenregister gewünscht, um mich besser zurechtzufinden und eine chronologische Erzählweise hätte der Geschichte einen besseren Fluss verliehen. 
 
Die Familiengeschichte bildet sich Stück für Stück aus Erinnerungen und Erlebtem heraus. Dabei haben einige Figuren ihr persönliches Päckchen zu tragen und leiden unter ihren seelischen Wunden.  

Die wechselnden Schauplätze zwischen dem Bodensee und Grönland bilden einen eisigen Hintergrund, vor dem Krieg, Naziverfolgung und Fremdheit besonders deutlich werden. 

Zwischen Schnee und Eis fühlte ich mich bei dieser Geschichte wie in einem Film, der mir den Inhalt nicht wirklich offen legt.  
 
***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!*** 
 

 

Hurra, der Herbst ist da! - Maria Höck

Niedliches interaktives Bilderbuch mit Herbststimmung 

Das bei arsEdition erscheinende Puste-Bilderbuch "Hurra, der Herbst ist da!" ist für Kinder ab 18 Monate. Die Autorin ist Maria Höck, die Illustrationen stammen von Joanne Partis. 

Wenn im Herbst die bunten Blätter im Wald herab fallen, beginnt für die Mäusekinder ihre liebste Zeit im Jahr. Dann laufen sie durch den Wald und rascheln durch das Laub und sie sammeln Eicheln und Beeren. Frische Herbstwinde sind toll zum Drachensteigen und nach diesem Spaß freuen sie sich  auf die leckere Kürbissuppe von Mama Maus. 


 

Mit seinen stabilen Pappseiten ist das Bilderbuch schon für die kleinsten Kinderhände gut geeignet. Die niedliche Geschichte begleitet im Wald die Mäusefamilie, die sich mit zum Herbst passenden Aktivitäten beschäftigen und dabei großen Spaß haben. Der verständliche Text kommt mit gereimten einfachen Worten aus und verführt nach mehrfachem Vorlesen ganz prima zum Mitsprechen. Wenn man auf die Pustestelle pustet, erscheinen leuchtende Lichtpunkte, die den Seiten einen besonderen Effekt verleihen. Das Pusten trainiert die Mundmotorik und Kinder freuen sich, wenn die Lichtpunkte erscheinen. 


 

Dieses Buch entzückt durch die niedlichen Illustrationen der Tiere und der Natur in warmen, herbstlichen Farben. Es ist allerliebst, die Mäusefamilie bei ihren Vorhaben im Herbst zu begleiten und verleitet dazu, selbst im Wald durch tiefes Blattwerk zu rascheln, Drachen steigen zu lassen und hinterher eine heiße Kürbissuppe zu genießen. 

Die Bilder regen Kinder an über die Handlungen der Tiere zu sprechen und sie üben das Pusten, um die die Lichteffekte hervorzurufen. 

Dieses niedliche Bilderbuch stellt Kindern herbstliche Ansichten und Aktivitäten vor und lässt den Herbst leuchten. 

***Herzlichen Dank an den ArsEdition Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***



Eine Meise geht auf Reise - Anna Taube

Ein liebenswert gereimtes, herbstliches Bilderbuch

Eine Meise geht auf Reise von Anna Taube und Illustratorin Julia Reyelt erscheint bei arsEdition und richtet sich an Kinder ab 24 Monaten. 

Hans Meise sieht zu, wie die Zugvögel in den Süden ziehen und träumt von der Sonne und dem Duft von Meisenknödeln. Denn nun bringt der Herbst kühlere und kürzere Tage mit sich und die Nahrung wird knapper. Dafür färbt sich die Natur in den schönsten Farben. Hans, Ruth Rotkehlchen, Franzi Fink und ihre Freunde machen sich auch auf eine Reise und sie finden den perfekten Ort, der näher liegt als gedacht.  


 

Der gereimte Text erzählt eine kleine, lustige Geschichte, die sich gut vorlesen lässt und selbst für kleine Kinder verständlich ist. Dabei werden einige heimische Vogelarten vorgestellt und Kinder lernen den Unterschied zwischen Zug- und Standvogel und erfahren, dass das Naheliegende manchmal auch das Beste sein kann. 

Für Kinder ist dieses aus stabilen Pappseiten bestehende Buch eine schöne Einstimmung auf den Herbst. Sie lernen, dass einige Vögel in den wärmeren Süden ziehen, andere aber bei uns bleiben und im Winter gefüttert werden müssen, um eisige Kälte zu überstehen. Wenn wir es uns drinnen behaglich machen dürfen, ist es schön, die Standvögel am Futterhaus beobachten zu können.  


 

Das Besondere an diesem Buch sind die Verwandlungsseiten, die mit unterschiedlichen Längen zum Umblättern verleiten. Die niedlichen Illustrationen sind in warmen Farben gehalten und passen gut zur Herbststimmung, es gibt viele kleine Details zu entdecken und die Darstellung der Vögel lässt eine Artenerkennung zu.  


 

Diese schöne, in warmen Farben illustrierte Geschichte stimmt lustig auf den Herbst ein!

 

***Herzlichen Dank an den ArsEdition Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


 

Mittwoch, 26. August 2026

Ein weites Leben - M. L. Stedman

Einfach ein großartiges Leseerlebnis! 

Der Roman Ein weites Leben von M. L. Stedman erscheint bei Blanvalet

1958: Auf der entlegenen Schaffarm Meredith Downs im trockenen Westen Australiens lebt die Familie der MacBrides. Ihr tägliches Leben ist geprägt von harter Arbeit, weiten Fahrten zu den Schafherden, extreme Trockenheit und Hitze und dem ständigen Kampf gegen die Naturgewalten im australischen Outback. Vater Phil kümmert sich um die Farm und den Verkauf von Wolle und Tieren, Mutter Lorna um den Haushalt und ihre Kinder Warren, Rosie und Matthew. Ein tragischer Unfall reißt eine große Lücke in die Familie und verändert die Familie von Grundauf.


 

"Wir glauben, zu wissen, wer wir sind und dass wir jeden Morgen, wenn wir die Augen aufschlagen, mehr oder weniger dieselbe Person sind. Doch so wie selbst ein Felsen nach und nach verwittert, werden auch wir vom Lauf der Zeit und von dem, was wir erleben, geformt und verändert, bis wir diese Welt schliesslich verlassen..." Zitat S. 86 

Bei manchen Büchern weiß man schon nach dem ersten Kapitel, dass es ein ganz besonderes und echtes Leseerlebnis sein wird. Dies ist so ein Roman, den ich in ungewöhnlich langsamem Tempo gelesen habe, um die Geschichte möglichst lange auszukosten. Die schicksalshafte Geschichte der Familie hat mich tief berührt, ich bin eingetaucht in das australische Outback und lernte viel über die Arbeit mit Schafen und welche Risiken der Markt für Wolle birgt.  

Der Familienroman startet 1958 und zeigt das abgeschiedene, aber zufriedene Leben der MacBrides inmitten ihrer Schaffarm. Dann geschieht ein tragischer Unfall dessen Folgen das weitere Leben der Familie maßgeblich beeinflusst und mich immer tiefer in die Geschichte hinein gezogen hat. Vater und Sohn Warren versterben bei dem Unfall, während Sohn Matt schwerverletzt und mit Folgen seiner Kopfverletzung überlebt. Von nun an übernehmen Lorna und Rosie für die Farm Verantwortung.  

Die Zeit vergeht und in den 60er Jahren suchen Bergbauunternehmen nach Rohstoffen unter der Erde, die den Farmern nicht gehört. Dadurch stoßen weitere Figuren ins Handlungsgeschehen, lernen die Familie kennen und sorgen für herzzerreißende Momente, aber auch für Glück und Freundschaft.   

Ganze zehn Jahre hat die Autorin an diesem Werk gearbeitet und besondere Schicksale, Familienglück, Tragödien und Naturschilderungen in einer bildhaften, flüssigen Sprache zu einem großartigen Ganzen verknüpft. Die Zeichnung der Charaktere mit ihren jeweiligen Eigenarten, die Abgründe der menschlichen Psyche und die persönliche Entwicklung der Figuren sind der Autorin ganz hervorragend gelungen. Sie schildert absolut nachvollziehbar und völlig wertungsfrei die Gefühle und Emotionen wie Hass, Schuld und Vergebung, sodass mir die Personen sehr vertraut wurden und ich Anteil nahm an den Leben von Lorna, Rosie, Matt und Andy und weiteren Nebenfiguren. Der kleine Andy hat in diesem Buch eine tragende Rolle, er hält die Familie zusammen und übernimmt  

Ein großartiger Roman über eine vom Schicksal gebeutelte Familie, die uns das Leben im trockenen Westen Australiens vor Augen hält.  

***Herzlichen Dank an das Bloggerportal für dieses Rezensionsexemplar!***



Montag, 24. August 2026

Herbstleuchten über dem Möwenhof - Frida Jacobsen

Warmherziger Roman für herbstliche Wohlfühl-Lesezeit!  

 
Der Roman Herbstleuchten über dem Möwenhof von Frida Jacobsen ist der Folgeband von Sommerhimmel über dem Möwenhof und erscheint im Aufbau Taschenbuch Verlag
 
Ole Paulsen ist Koch aus Leidenschaft und betreibt sein Pfahlrestaurant Strandkrabbe in St. Peter-Ording. Die Gäste besuchen lieber die Konkurrenz und Oles Geschäfte laufen schlecht. Neben den finanziellen Sorgen treiben ihn auch private Sorgen um. Doch dann verändert seine Teilname an einer Fernsehkochshow sein Leben und er verliert sein Herz an Allegra.  
 

 
 
Ole hat finanzielle Sorgen, sein Restaurant läuft schlecht und um das Geschäft zu retten, stellt er seine privaten Interessen zurück. Als er sein Zuhause verliert, bietet ihm sein Freund Henning auf dem Möwenhof eine Unterkunft an. Er möchte Oles Glück etwas nachhelfen und meldet ihn zu einem Casting bei einer Fernsehkochshow in Hamburg an. Allerdings müssen die Kandidaten eine Familie haben und mit ihren Kindern kochen, doch dafür bekommt Ole von Henning eine Ersatz-Familie gestellt. 

Bei der Kochshow trifft Ole auf Allegra und zwischen beiden sind sofort Gefühle vorhanden. Aber einen Familienvater sucht Allegra eher nicht und Ole kann ihr nicht die Wahrheit sagen, weil sonst seine Teilnahme an der Kochshow erledigt ist.   

Mit humorvollen Szenen und atmosphärisch schönen Beschreibungen der Natur nimmt uns Frida Jacobsen mit an die Nordsee nach Sankt Peter-Ording und sorgt dafür, dass man beim Lesen gedanklich das Rauschen des Meeres hört und genussvoll mitten in diese Urlaubsgegend eintauchen kann. Der Erzählstil ist stimmungsvoll, bildhaft und zeigt auf lebendige Weise das Leben der Menschen auf dem Möwenhof. Die Figuren sind liebevoll gezeichnet und wirken alle sehr sympathisch, sodass man am liebsten gleich auch dort einziehen möchte. Es gibt einige humorvolle Momente, über die ich schmunzeln musste und die Kinder sind mir mit ihrer lebensechten Art ans Herz gewachsen. 
 
Es geht um Freundschaft, um Liebe und Vertrauen und darum, was Familie ausmacht. Ganz nebenbei bekommt man viele kulinarische Genüsse vor die Nase gesetzt, die Appetit machten und die Küche an der Nordsee gut abbilden. 
 
 
Die Geschichte könnte sich genau so im echten Leben abspielen und lässt sich schön lesen. Ein kurzweiliger, warmherzig erzählter Roman für herbstliche Lesestunden, bei dem man die liebenswerten Figuren und die wunderschöne Nordsee einfach nur genießen kann.  
 
 
***Herzlichen Dank an die Autorin für die Übersendung des Rezensionsexemplars!***
 

 
 
 

Sonntag, 23. August 2026

Wochenrückblick KW 34/2026

 





Buchpost von Frida Jacobsen (Frieda Bergmann)



 Was war in dieser Woche los?

 
So langsam aber sicher geht der Sommer zu Ende. Die Tage werden wieder spürbar kürzer und die große Hitze ist vorüber.  
Kreislaufmäßig hat mir der Wetterwechsel zu schaffen gemacht, doch nun scheinen die großen Temperatursprünge überstanden zu sein.    
  
 
Gesehen:   
 
Schachnovelle mit einem brillanten Oliver Masucci. Der Film macht deutlich, wie totale Isolationshaft die Psyche bricht und in den Wahnsinn treiben kann. 

Gelesen:   

Einiges, aber nichts beendet und rezensiert.

 
Getan:  
 
Viel gelesen, doch kein Buch beendet und deshalb keine einzige Rezension geschrieben, Haushalt erledigt, erste Chorprobe nach den Ferien und gleich einen neuen Song geprobt (Dream on von Aerosmith), meine Freundin besucht, Kleidung und Bücher meiner Mutter aussortiert, sie im Seniorenheim Mutter besucht und unser alljährliches Straßenfest gefeiert.
 
 
Gefreut:    
 

Die Autorin Frida Jacobsen begleite ich schon eine längere Zeit, vielleicht sogar von Anfang an. Sie hat mir ihren neuen Roman zugeschickt, der mir mit der herbstlichen Atmosphäre und dem passenden Cover gut gefällt. 
Vielen lieben Dank, liebe Frida!  





 
Gegessen: 

Extrateller beim Griechen; geschmorter Paprika-Zucchini-Mix mit Resten vom Suflaki und Reis; Nudelsalat; Sushi; Würstchen mit Kartoffelsalat; Champignons mit Filet und Kartoffeln; Shakshuka mit Baguette; Grillbratwurst mit Salaten (Straßenfest); 



 

Gedacht:        

Es wird herbstlich, der Altweibersommer ist sichtbar, die Laubfärbung hat bei einigen Bäumen schon begonnen. 
 

Gefeiert: 

Ein schönes und friedliches Straßenfest mit vielen Kindern, die sich auch ohne Hüpfburg wunderbar beschäftigt haben. Auch einige Helfer wurden neu hinzugewonnen, die Ältesten der Runde müssen schließlich entlastet werden.  

Geärgert: 

Die hohen Ausgaben des Staates steigen weiter und damit auch die Notwendigkeit einer höheren Kreditaufnahme. Wann kapieren die Politiker es endlich, dass sie mit dem bestehenden Haushalt auskommen müssen? Da werden parteienintern neue Stellen geschaffen, die man eigentlich gar nicht braucht und gleichzeitig geben viele Unternehmen aus wirtschaftlichen Gründen auf, die Sozialausgaben steigen weiter an und trotz vieler offener Stellen gibt es nur wenige Fachkräfte, die man dort einsetzten könnte. Wie soll so ein System am Laufen gehalten werden? Dazu braucht man kein Ökonom sein, um zu merken, dass da etwas gewaltig schief läuft.   

Gekauft:  

Die letzten Vorräte fürs Straßenfest  
 

Geklickt: 

Dies und das...
 

Ich wünsche euch eine schöne Sommerwoche!

Liebe Grüße,

Eure Sommerlese 

Sonntag, 16. August 2026

Wachs - Christine Wunnicke

Leben zwischen Botanik, Leichen und Revolution 
  

Der Roman Wachs von Christine Wunnicke erscheint 2026 als Taschenbuch im Diogenes VerlagIm Oktober 2026 wird Christine Wunnicke mit dem Georg-Büchner-Preis für ihr Gesamtwerk ausgezeichnet.

Paris im 18. Jahrhundert: Diese historische Geschichte siedelt sich im zeitlichen Rahmen vor und während der Französischen Revolution an und zeigt zwei sehr außergewöhnliche Frauen: Marie Biheron, die schon im jugendlichen Alter Leichen sezierte, um deren Innenleben aus Wachs zu modellieren und Madelene Basseporte, die sich auf die Zeichnung von Blumen spezialisierte.  



 

Marie Catherine Bihéron (1719 - 1795) war eine französische Künstlerin und Tochter eines Apothekers, sie stellte anatomische Modelle aus Wachs her. Die Leichen für ihre anatomischen Dastellungen beschaffte sie sich beim Militär.

Madeleine Françoise Basseporte (1701 - 1780) war eine französische Malerin und Kupferstecherin, deren Schwerpunkt auf der Darstellung von botanischen Motiven lag.  


Christine Wunnicke behandelt in ihrem kurzen Roman unterschiedliche Themen wie die Französische Revolution, Anatomie, Frauen in der Wissenschaft, Emanzipation und queere Liebe und setzt alles in den historieschen Kontext. Sie zeigt Ausschnitte aus dem
selbstbestimmten Leben ihrer beiden ungewöhnlichen Protagonistinnen, die damit ihrer Zeit weit voraus waren. Feinfühlig und mit einem Schuss Ironie zeichnet sie ihre Figuren und stellt sie mit ihren Eigenheiten und einem konsequenten Willen dar. Beide Frauen wirkten mit ihrem Interesse für die Forschung sehr zielstrebig und waren damit ihrer Zeit weit voraus.  

Marie besorgt sich mit 14 Jahren bei der Militärakademie ihre erste Leiche zum Sezieren und Madeleine wird als Frau in der Wissenschaft nicht ernst genommen. Beide schließen Jahre später einen eheähnlichen Bund, der heimlich geschlossen wird.  

Sprachlich gesehen ist der Roman herausragend, manches wird angedeutet und man muss zwischen den Zeilen lesen und eigene Interpretation einfließen lassen. Mit seinen eigenwilligen Szenen mutet die Geschichte teilweise etwas skurril an, fesselt dafür mit den speziellen Charakteren und deren Vorhaben.  

Was ich gar nicht schätze ist die sprunghafte Erzählweise, die nicht chronologisch erfolgt und somit immer die volle Aufmerksamkeit und zeitliche Einordnung des Lesenden erfordert. Das hemmt meinen Lesefluss und ich muss zugeben, dass mir die Figuren insgesamt doch recht fremd geblieben sind.  

Wer ungewöhnliche Literatur mit sprachlicher Eigenwilligkeit und historischem Kontext schätzt, sollte diesem Buch seine Aufmerksamkeit widmen. Für mich war es eine Hommage an die Schönheit der Sprache, der Anatomie von Menschen von Pflanzen und ein Einblick in eine vergangene Zeit voller Umbrüche.  

***Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Rezensonsexemplar!***