Sonntag, 19. April 2026

Mirabellentage - Martina Bogdahn

Eine Neuausrichtung des Lebens!
 
Mirabellentage von Martina Bogdahn erscheint bei Kiepenheuer & Witsch.   
 
Der Tod des bayrischen Dorfpfarrers Josef bringt das Leben seiner Haushälterin Anna aus dem Gleichgewicht, denn es ist auch ein persönlicher Verlust. Sein Nachfolger Fridtjof ist ein junger Mann aus Friesland, den Anna erst einmal in die örtlichen Gegebenheiten einführt. Doch eine andere Aufgabe bereitet ihr viel mehr Kopfzerbrechen, sie muss Josefs letzten Wunsch erfüllen und seine Asche von Bayern ans Meer bringen. Einen Führerschein hat sie, aber keine Fahrpraxis und Fridtjof hat nur einen Bootsführerschein. Sie nimmt Fahrstunden und geht die Aufgabe an. Dank Josefs letztem Wunsch wird Annas Sicht aufs Leben erweitert und sie findet ihr persönliches Glück.
 
  

    
"Nur wer von zu Hause weggeht, kann heimkommen." Zitat S. 315  

Mit Anfang 50 hat Anna den Tod ihres Chefs und ehemaligen Freundes aus Kindertagen zu verkraften. Als pflichtbewusste Haushälterin hat sie Pfarrer Josef viele Jahrzehnte hilfreich unterstützt und beide verband eine enge Freundschaft, sie man beim Lesen erfährt. 
 
Erst einmal organisiert Anna die Beerdigung und vor lauter Aufgaben kann sie gar nicht richtig Abschied nehmen von Josef. Da kommt auch schon der neue Pfarrer Fridtjof angereist, der sich als Friese überhaupt nicht auskennt mit den ländlichen Gegebenheiten im Dörfchen Blumfeld. Während ihn Anna in seine neue Wahlheimat einführt, erzählt sie ihm Anekdoten von den Menschen und ihren Geschichten und nimmt uns Leserinnen gleichzeitig mit in das Dorfleben mit seinen Figuren und Schicksalen. 
 
Für Anna stellte sich nie die Frage nach ihren Wünschen für die Zukunft, sie lernte Kochen und stolperte eher zufällig hinein in ihre Aufgabe als Haushälterin des Pfarrers. Beide wuchsen an ihren Aufgaben und liefen in diesen gewohnten Bahnen ohne links und rechts zu sehen und eigene Wünsche im Leben voran zu stellen. Nach Josefs Tod bekommt Anna nun die Chance ihres Lebens durch Josefs letzten Wunsch. 
 
Anna erzählt von dem Menschen im Dorf und von sich selbst und so lernen wir sie mehr und mehr kennen. Es hat mich nicht gewundert, dass sie einmal Pfarrer Josef im Gottesdienst vertrat und auch sonst viele Dinge im Alltag gelenkt hat. Ohne Josef macht sie die Erfahrung, dass es noch mehr gibt im Leben als nur Pflichten und Routine. Ich habe geschmunzelt und war berührt von verschiedenen Erlebnissen und Schicksalen der Dorfbewohner und habe mir für Anna Glück erhofft. 
 
Martina Bogdahn hat eine erzählerische Gabe, mit der sie die Natur, das Leben auf dem Land und ihre Figuren lebensnah und humorvoll in Szene setzt. Sie lässt Streiche von Kindern aufleben, bringt uns den dörflichen Alltag näher und stellt uns einzelne Bewohner mit persönlichen Erlebnissen und Besonderheiten vor. Das ist sehr unterhaltsam, es erzählt aber auch von einer Vergangenheit, die Licht- und Schattenseiten hat und einige Klischees enthält. Dazu zählte für mich der trinkfreudige Männerausflug. Doch viel mehr hatte ich mich auf den Roadtrip ans Meer gefreut, der im ganzen Roman doch recht kurz abgehandelt wird. 
 
Ein kurzweiliger Roman über eine Frau, die aus Pflichtbewusstsein aus ihren gewohnten Bahnen ausbricht und ihrem Leben doch noch mehr abgewinnt als sie es je für möglich gehalten hat.   
 
***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag und Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!***
 
 

Wochenrückblick KW 16/2026

 








 Was war in dieser Woche los?

 
Zur Zeit genieße ich einfach die Natur mit vollen Sinnen und erfreue mich am Anblick der bunten Blumen und Blüten. Überall sieht man Kirschbäume, Tulpen und sogar schon Rhododendren, die in voller Blüte stehen. Die Woche verging schnell, letzten Sonntag stand eine zusätzliche Chorprobe an, die uns vor dem anstehenden Konzert am Samstag noch den letzten Schliff verleihen sollte. Ich musste mit meiner Mutter zum Hautarzt und hatte einen vergnüglichen Abend mit meiner Freundin mit Let´s Dance.  
 
 
Gesehen:   
 
Let´s Dance: mit meiner Freundin einen schönen Abend verbracht
 

Gelesen:    

 

  • JAPAN – Kultur, Landschaft, Menschen & ein Leben m... 5⭐
  • Meeresdunkel - Till Raether                                                          3⭐
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    Getan:  
     
    Mit meiner Mutter zu Hautarzt, mehrere Besuche im Seniorenheim, Lesen, Bloggen, Rezensionen schreiben, Chor-Generalprobe mit Clubben, Chorkonzert, Hausarbeit, Einkauf, mit meiner Freundin Let´s Dance geschaut. 
     
    Gefreut:    
     
    Über die blühende Blutpflaume und die emsigen Bienen bei meinem Sohn im Garten. 
     






      
    Gegessen: 

    Hühnersuppe; Spaghetti mit Tomatensauce und Mozzarella mit Ruccola-Salat; Gemüse-Curry mit Kurkumareis 2x; Vorspeisenteller vom Griechen; Frikadellen mit Kartoffeln und Möhrengemüse; 


    Gedacht:        

    Wie schnell diese Woche verflogen ist!
     

    Gefeiert: 

    Unser Chorkonzert, das wir als Gäste von KroSecco bestritten haben und bei dem wir mit einem tollen Buffet verköstigt wurden. 

    Geärgert: 

    Über eine Kandidatin für das Amt als Bezirksbürgermeisterin in Berlin, die zwei Jahre krankgeschrieben ist und trotzdem ihren Wahlkampf bestritt. Erst nach dem Bekanntwerden dieser Ungeheuerlichkeit in den Medien und Gegenwind von Genossen trat sie zurück. 

    Gekauft:  

    Schuhe und eine Hose für meine Mutter

    Geklickt: 

    alles Mögliche 
     

    Ich wünsche euch eine schöne Woche! 

    Herzliche Grüße,

    Eure Sommerlese 

    Samstag, 18. April 2026

    JAPAN – Kultur, Landschaft, Menschen & ein Leben mit Ikigai

    Wunderbarer Einblick ins Land der aufgehenden Sonne 

    Das Sachbuch JAPAN – Kultur, Landschaft, Menschen & ein Leben mit Ikigai erscheint im EMF Verlag.  

    Japan ist für viele Menschen ein Traumziel, das futuristische Metropolen wie Tokio mit jahrhundertealter Tradition, Zen-Gärten und einer einzigartigen Lebenskultur verbindet. Es zeichnet sich aus durch Kulinarik, Sicherheit und Sauberkeit. 


     

    "Wabi-Sabi ist eine Denkweise, die Schönheit im Vergänglichen und Unvolkommenen sieht. Ein welkes Blatt im Herbstwind... oder deine Lieblingstasse, die längst einen Sprung hat - Wabi-Sabi lädt dazu ein, die kleinen Unvolkommenheiten des Lebens zu lieben und zu feiern."  Zitat S. 127  

    Habt ihr Lust auf eine magische Reise durch Japan mit dem Anblick von zauberhaften Kirschblüten, majestätischen Bergen und heiligen Schreinen? Dann ist dieses Buch genau richtig, es führt uns in alle Regionen Japans, zeigt Besonderheiten der Kultur und Lebensphilosophie auf und bringt uns Land und Leute näher.   



     

    In der japanischen Kultur besitzen Einfachheit, Natürlichkeit und Wertschätzung einen hohen Stellenwert. Die Jahreszeiten haben in Japan eine besondere Bedeutung und man unterteilt das Jahr in 24 Unterjahreszeiten (Sekki).

    Dieses hochwertige, wundervoll bebilderte und mit interessanten Texten versehene Buch ist nicht nur für Japan-Fans ein Highlight, auch Menschen, die sich für fremde Kulturen und schöne Reiseberichte erwärmen können, werden hier mit ausreichend Bildmaterial und Infos versorgt. 

    Mit ansprechenden Fotos werden Lebensphilosophie, landestypische Gerichte, Kultur, zahlreiche Traditionen, Landschaftsansichten, Bauwerke, sowie Städte bzw. Regionen vorgestellt und interessant  erklärt. Die Kirschblüte und die Herbstlaubfärbung werden in Japan groß gefeiert und aufgrund der geografischen Gegebenheiten kann man das Farbspektakel der Blätter sogar von Nord bis Süd über einen Zeitraum von drei Monaten miterleben, wenn man von Region zu Region reist. Die im Buch enthaltenen fantastischen Bilder bringen uns die wunderschöne Natur näher.  

    Nach Jahreszeiten geordnet werden landestypische Rezepte vorgestellt, dazu gehören herzhafte Pfannkuchen, Sushi, Ramen, Gemüse-Tempura und Tiramisu mit Matcha. 


     

    Japan ist vielfältig, hier treffen sich Tradition und Moderne, Samurai und Streetstyle, Zen und Popkultur. In kaum einem Land kommen sich modernste Technik und klassische Tradition so nah. Im Buch wird deutlich, als Tourist sollte man bestimmte Verhaltensweisen kennen, um der japanischen Seele respektvoll zu begegnen. Denn das hohe touristische Aufkommen in manchen Gegenden macht eine entsprechende Achtsamkeit den Einheimischen gegenüber nötig. 

    Sehr aufschlussreich finde ich die Erklärungen zu den unterschiedlichen Komponenten der japanischen Lebensphilosophie wie Ikigai, Shinrin Yoku, Wabi-Sabi und Kintsugi. Sie verdeutlichen, dass Glück im Alltag zu finden ist und wie wichtig die Freude am Leben ist.

    Für die Planung einer Reise nach Japan erhält man umfangreiche Reisetipps und Inspirationen zu verlockenden Zielen. Das Buch ist eine Augenweide und lässt den Traum Japan auch für Zuhause wahr werden. 

    ***Herzlichen Dank an den EMF Verlag und an Vorablesen für dieses Rezensionsexemplar!*** 

     


     

    Donnerstag, 16. April 2026

    Meeresdunkel - Till Raether

    Eher Spannungsroman als Thriller

    Im Rowohlt Verlag erscheint der Thriller Meeresdunkel von Till Raether.

    Henrike plant für ihren Mann Hans, Bruder Freddy und die Zwillinge eine Urlaubsreise nach Mallorca und bucht eine Finca mit grandiosem Blick über die Bucht. Ausspannen und als Familie wieder näher zusammen rücken, das ist ihr Wunsch. Doch kurz nach ihrer Ankunft reist eine dreiköpfige Familie, die ebenfalls die Finca gebucht hat. Keine der Familien ist sonderlich erfreut über die Doppelbuchung, doch die Finca bietet genügend Platz für alle und die beiden Familien ziehen ein und arrangieren sich mit der Situation. Noch ahnen sie nicht, dass sie eine Leiche finden werden und ein Unwetter aufzieht und das friedliche Urlaubsparadies in ein gruseliges Inferno verwandelt. 


     

    Dieser Thriller beginnt ruhig, die großartige Finca entpuppt sich als renovierungsbedürftig und nach der ersten Überraschung der Doppelbelegung verbringen zwei Familien gemeinsam die Urlaubstage. Aber sind sie wirklich zufällig gemeinsam an diesem Ort? Später sorgt ein Leichenfund für Aufregung und jeder verdächtigt jeden.  

    Till Raether zeigt anfangs noch ein friedliches Bild der Ferieninsel mit Marktstimmung und herrlichem Ausblick auf das blaue Meer, doch dann kippt die Stimmung zwischen den Familien und ein Sturmtief über der Ferieninsel verstärkt gleichzeitig die bedrohliche Atmosphäre.  

    Wenn zwei fremde Familien zufällig im Urlaub zusammen kommen und unter einem Dach wohnen müssen, kann das nur schwierig werden. 

    Die Vorgänge werden aus der Perspektive von Henrike, Samuel und seinem 8-jährigen Sohn Juri erzählt, wobei sich banale Alltagsszenen mit persönlichen Eindrücken oder Gedanken mischen. Hinzu kommen noch einige Passagen aus der Vergangenheit, die weitere Informationen der Figuren bereit halten. Die Vorstellung der Urlauber ist sehr ausführlich und lässt uns einige Konflikte miterleben, wobei sich mir die Frage stellte, was davon für die weitere Handlung wichtig sein könnte. Nach dem Fund des Toten steigt die Spannung etwas an und das Erscheinen einer alten verwirrten Frau sorgt für gruselige Stimmung. 

    Die Handlung lässt sich gut lesen, die vielen Protagonisten konnte ich erst nach einiger Lesezeit den einzelnen Familien zuordnen. Die Erwachsenen blieben mir trotz der Einblicke in ihre Beziehung und ihr Seelenleben relativ fremd und manche Entscheidung konnte ich nicht nachvollziehen. Lange Zeit haderte ich mit Juri und seiner Puppe Hedwig, denn er wird sprachlich gesehen nicht kindgerecht dargestellt. Die Handlung wird immer verworrener, als man erfährt, dass es Personen gibt, die mehr über die anderen wissen. Unrealistisch war für mich, dass der Todesfall bei der Familie nur für kurze Bestürzung sorgt und sich die Trauer in Grenzen hält. 

    Die Auflösung und was die Figuren wirklich verbindet hat mich überrascht, doch insgesamt fand ich die Geschichte sehr wirr und zu konstruiert und hätte mir mehr thrillermäßige Spannung gewünscht.  

    ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für das Rezensionsexemplar!*** 

     


    Sonntag, 12. April 2026

    Wochenrückblick KW 15/2026

     





     Was war in dieser Woche los?


     
    Diese Woche standen einige Termine an, doch das Lesen kam wegen langer Abende nicht zu kurz. Ich schaffte es, gleich drei Bücher vom Buchmesse-Stapel zu befreien und hatte von super über gut bis solide alles dabei. 
     
     
    Gesehen:   
     
    Let´s Dance: mit Telefonkonferenz mit meiner Freundin wegen ihrer Erkrankung. 
     

    Gelesen:    

  • Spielverderberin - Marie Menke                3⭐
  • Stunden wie Tage - Shelly Kupferberg   5⭐
  • Zugwind - Iryna Fingerova                          4⭐
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    Getan:  
     
    Arztbesuch, Lesen, Bloggen, Rezensionen schreiben, Haarschnitt war mal wieder fällig, also Frisörbesuch, Chorprobe, meine Mutter 4 x im Seniorenheim besucht, das Wetter war so schön, dass wir jedes Mal im Garten gesessen und den Gesang der Vögel und die schöne Bepflanzung bewundert haben, gekocht, eingekauft, Haus geputzt, Fahrrad gekauft.  
     
    Gefreut:    
     
    Über drei Neuzugänge, auf die ich mich schon sehr freue. 
     


      
    Gegessen: 

    Zweierlei Flammkuchen mit Salat (Ostereinladung meiner Tochter); Klößchen mit Gemüse in Bechamelsauce und Kartoffeln; Lasagne 2x; Kaiserschmarrn; gebratenes Seelachsfilet mit Kartoffelsalat; Rest vom Kartoffelsalat mit Currywurst aus dem Airfryer (geht super schnell und wird total knusprig) dazu Ruccola-Salat mit Tomaten;
       

      
    Seelachs

    Lasagne mit dicker Käsekruste

    Lasagne


    Flammkuchen mit getrockn.Tomaten, Datteln und Feta




    Gedacht:        

    Dass ich diese Woche mehrere Buchangebote bekommen habe und leider gar nicht alle annehmen kann und will. Manche Bücher gehen voll an meinem Geschmack vorbei, andere würde ich schon gerne lesen, schaffe es aber zeitlich gar nicht.  
     

    Gefeiert: 

    Mein neues Fahrrad, das ich als Spontankauf erstanden habe. Mein Mann suchte ein neues Rad, ich fuhr mit und fand mein perfektes Rad. Die Probe hat das Rad schon bestanden, es fährt leichtgängig und ist für mich einfach passgenau. 

     



    Geärgert: 

    Für einen Arztbesuch musste ich in die Innenstadt und war froh, als ich wieder raus war. Es ist einfach kein Wohlgefühl, wenn man sich dort aufhält und ich habe keine Lust dort Shoppen oder Bummeln zu gehen. Viel Leerstand, Dreck aller Art, Baustellenwirrwarr und bettelnde Straßenpunks. 

    Gekauft:  

    Weintrauben, Bananen, Gurke, Avocado, Möhren, Tomaten, Ruccola, Mozzarella

    Geklickt: 

    alles Mögliche 
     

    Ich wünsche euch eine schöne Woche! 

    Herzliche Grüße,

    Eure Sommerlese 

    Samstag, 11. April 2026

    Spielverderberin - Marie Menke

    Bleibt nicht in meiner Erinnerung haften!

    Marie Menkes Debüt Spielverderberin erscheint bei Kiepenheuer & Witsch.  

    Sophie und Lotte wachsen in einem kleinen Bauerndorf auf, sie sind seit Kindertagen beste Freundinnen und gehen in die gleiche Klasse. Als in der Oberstufe die selbstbewusste Romy aus München dazustösst, fasziniert sie die Dorfmädchen mit ihrer freigeistigen Art und es entsteht eine instabile Dreiecksfreundschaft, die die Freundschaft zwischen Sophie und Lotte in Frage stellt. 
    Nach dem Abitur studieren Romy und Sophie in Köln, doch Lotte fehlt in ihrem Leben. Warum fühlt sich Sophie schuldig? Was ist zwischen den Freundinnen geschehen, worüber sie nicht sprechen können? 
     

     
     

    Marie Menke beschreibt in wechselnden Zeitebenen das Aufwachsen und Erwachsenwerden der drei befreundeten jungen Frauen. Sie zeigt auch die Diskrepanz zwischen Dorfleben und der Annonymität der Großstadt mit verschiedenen Zukunftschancen auf und deutet ein düsteres Geheimnis an, dass die Frauen-Freundschaft in ihren Grundfesten erschüttert hat. 
     

    Als reiches Stadtkind erscheint Romy das Leben auf dem Land langweilig, während es für Sophie und Lotte gewohnter Alltag darstellt und sie gar nichts vermissen. Die Vor- und Nachteile zwischen Groß- und Kleinstadt werden im Buch indirekt angerissen und wir erfahren in der Gegenwart von Sophies Lehramtsstudium und der Liebesbeziehung zu Milan, die jedoch ziemlich im Hintergrund bleibt. Viel mehr steht die Dreierfreundschaft der Frauen im Fokus, die sich mal mehr, mal weniger eng verbunden fühlen. Sie haben unterschiedliche Ansprüche an ihre Zukunft und leben sich mit der Zeit auseinander. Als Romy verschwindet, besteht nur noch der Kontakt über Instagram, wo sie von ihren Reisen und Erlebnissen berichtet. 

    Was führte zu einem Bruch der Freundschaft und warum hat Lotte Schrauben auf der Stirm? 

    Sprachlich kann man der Geschichte gut folgen und die Zerrissenheit und spezielle Dynamik der Freundschaft hat mich interessiert. Obwohl die einzelnen Charaktere relativ oberflächlich beschrieben werden, konnte ich sie mir halbwegs vorstellen. Ich spürte die Nähe, aber auch aufgestaute Unzufriedenheit und Wut, sympathisch wurden mir die Figuren insgesamt leider nicht. 
    Ich muss sagen, dass mein Hauptinteresse weniger den Erlebnissen der teilweise schädlichen Freundschaft galt, sondern viel mehr dem zwischen den Zeilen schwebenden Geheimnis, das für einen Bruch gesorgt hat und besonders Sophie belastet. Dieses Ereignis löst Marie Menke erst zum Ende des Romans auf und baut damit geschickt einen kontinuierlichen Spannungsbogen auf. Leider blieben für mich trotzdem noch Fragen offen. Im Großen und Ganzen blieb mir der tiefergehende Zugang zu der Geschichte verwehrt. 
     
    Freundschaften verändern sich im Laufe des Lebens, so wie sich auch die Lebensphasen verändern. Manchmal halten Freundschaften ewig, manchmal sind sie locker, aber konstant. Aber eine zerbrochene Freundschaft ist keine gute Basis, um daran festzuhalten. Diesen Lerneffekt muss wohl jeder mal machen! 
     
    Dieser Coming-of-Age-Roman beschreibt zwischenmenschliche Dynamiken, die das Leben mit sich bringt. Ich habe das Buch gern gelesen, es wird mir aber nicht lange in Erinnerung bleiben. 
     
    ***Herzlichen Dank an den Kiwi Verlag für dieses Leseexemplar!*** 
     

     

    Mittwoch, 8. April 2026

    Stunden wie Tage - Shelly Kupferberg

    Große Leseempfehlung für dieses bewegende Zeitzeugnis! 

     
    Im Diogenes Verlag erscheint der Roman Stunden wie Tage von Shelly Kupferberg. 
     
    Shelly Kupferberg erzählt eine berührende und bewegende Familiengeschichte, die uns anhand von mehreren Schicksalen die Grauen der Nazizeit vor Augen führt.   
     
     

     
    Im Prolog wird uns die alte Martha vorgestellt, die ungepflegt und in abgerissener Kleidung durch ihren Schöneberger Kiez läuft. Einige Bewohner kennen sie vom Sehen, doch welch besondere Vergangenheit hinter ihr liegt, weiß kaum jemand. In der folgenden Handlung erzählt Shelly Kupferberg davon, was die alte Dame in den letzten Jahrzehnten erlebt hat und welche besonderen Schicksale mit ihr verknüpft sind. 
     
    Der Roman startet in Berlin-Schöneberg und erzählt auf unterhaltsame und "harmlose" Weise, wie sich Martha als Hausbesorgerin bei der jüdischen Familie Berkowitz bewirbt und eingestellt wird. Sie unterstützt ihre Mutter, ist katholisch, eine gute Seele, sparsam, ehrlich, fleißig und lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen, wenn sie gegen störende Einflüsse im Mietshaus vorgehen muss. Genau die richtige Frau für die Stellung befinden Henry und sein Bruder Ber Berkowitz, beide sind wohlhabend, jüdischer Abstammung und sind froh, dass jemand sich um Mieter und Hausbelange kümmert. 
     
    Einige Zeit später lernt Martha ihren Willy kennen, sie heiraten und ziehen gemeinsam in die Kellerwohnung im großen Haus. Wir lernen mehrere Bewohner aus dem Haus kennen, alle haben Ecken und Kanten und jeder trägt sein persönliches Päckchen durchs Leben. Wir tauchen Kapitel umd Kapitel in das Leben der Familie Berkowitz ein, erfahren mehr von Henrys russischer Frau Katharina und Töchterchen Liane, die einen Narren an Martha gefressen hat und umgekehrt genauso.  
      
    Durch den flüssigen und anschaulichen Schreibstil der Autorin fliegt man flott durch die Seiten und hat die leichtfüßig geschilderten Vorgänge bildhaft genau vor Augen.
    Mit den Jahren verändert sich die politische Situation, die Nazis kommen an die Macht und die Lage für Familie Berkowitz wird brenzlig. Damit kippt die bisherige positive Stimmung und man wird von den bedrückenden Vorkommnissen schier ergriffen und mitgerissen. Widerstand, Flucht, Gefängnis, Deportation, Tod und Verderben sind an der Tagesordnung und es ist grausam und kaum auszuhalten, wie sich die Nationalsozialisten aufspielen und Menschen, Familien und Existenzen vernichten.
     
    Trotz persönlicher Verluste geht das Leben für Martha weiter. 
    Nüchtern, aber auf fesselnde Weise schlägt Shelly Kupferberg erzählerisch einen runden Bogen um alle handelnden Personen und endet wieder bei Martha, inzwischen betagt und immer noch bescheiden lebend. 
    Was mir an diesem Roman besonders gut gefallen hat sind die Berliner Sprüche, die für Lebendigkeit sorgen. Aber viel mehr noch ist es die authentische und nüchterne Abbildung von Zeitgeschehen am Beispiel der einzelnen menschlichen Schicksale. Der Roman kommt ohne Kitsch und rührselige Emotionen aus und legt dennoch Gefühle, Ängste und Stimmungen offen und berührt damit ganz intensiv. 
     
    Dieses Buch ist ein eindringliches und mahnendes Zeitzeugnis gegen das Grauen der Naziherrschaft!  
     
     
    ***Herzlichen Dank an den Diogenes Verlag für dieses Leseexemplar!***