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Montag, 15. Januar 2024

Föhr in Flammen - Eva-Maria Silber

Packender Föhr-Krimi mit einem sich perfekt ergänzenden Ermittler-Duo

 
"Föhr in Flammen" heißt der Insel-Krimi von Eva-Maria Silber, der im Emons Verlag erscheint. 
 
Auf der beschaulichen Urlaubsinsel Föhr werden in einer Holzhütte fünf Leichen entdeckt, alle wurden erschossen und gehören einer Familie an. Die örtliche Polizei fordert Kriminalhauptkommissar Jan Andretta von der Mordkommission Flensburg an, dem die Polizeianwärterin Maja Storm an die Seite gestellt wird. Andretta hat sich neben dem Fall noch einer weiteren Aufgabe zu widmen, denn er hat die Vormundschaft für seine Nichte Lisa übernommen und muss nun auf die Bedürfnisse des Kindes eingehen. Andretta zieht mit Lisa nach Föhr, vor Ort kann er beide Aufgaben besser verbinden. Nun stellt sich die Frage: Wer hätte ein Motiv für diese Morde?
 


 
Jan Andretta soll auf Föhr die Mordermittlungen leiten und wird von Maja Storm unterstützt. Maja geht logisch und objektiv an die bekannten Fakten heran, hinterfragt die Tathergänge intuitiv und ist für Andretta eine echte Bereicherung. Als Ermittler-Duo ergänzen sie sich perfekt und beide wirken sehr sympathisch. 

In diesem Fall hat Andretta nicht nur mit vielen offenen Fragen zu kämpfen, sondern auch mit einem karriere-orientierten Kollegen, der sich gegen Andretta mit beruflichem Ehrgeiz um den Chefposten behaupten will. Doch Andretta ist ein Teamplayer und hält nichts von solchem Konkurrenzdenken. Er ist froh, mit Maja eine intelligente und engagierte Kollegin gefunden zu haben, mit der er harmoniert und deren Entwicklung er gerne unterstützt.

Die Ermittlungen führen einige Dinge ans Licht, die einige Verdächtige ins Licht rücken. Als dann bei einem Brand ein weiterer Toter gefunden wird, bekommt der Fall die entscheidende Wendung.

Der flüssige Schreibstil und die lokalen Beschreibungen lassen sich gut lesen, die Dialoge wirken lebendig und passen sich den unterschiedlichen Charakteren stimmig an und mit der sommerlichen Inselatmosphäre war ich sofort in die Handlung eingetaucht. Es gibt einige überraschende Wendungen, die sich logisch einfügen und der Geschichte den nötigen packenden Effekt verleihen.

Sehr vielschichtig und interessant hat mich das menschliche Miteinander zwischen der Opfer-Familie, den Ermittlern und Andrettas Umgang mit Lisa unterhalten und die gegenseitige Anziehung zwischen Andretta und Storm lässt auf weitere Fälle hoffen. Ganz urlaubsmäßig haben auf mich die kleinen Ausflüge auf der Insel gewirkt, die als kleine Lichtblicke die grausamen Hintergründe der Morde etwas erhellt haben.  

Überzeugend ist auch die stimmige Aufklärung der Taten, doch am Ende sorgt eine völlig überraschende Aussage für den großen Knall in dieser Geschichte.

Dieser sehr atmosphärische Krimi hat mich mit seinem tollen Ermittlerteam auf eine spannende Tätersuche mitgenommen, mir die Sommerfrische auf Föhr näher gebracht und einen interessanten Einblick in die Psyche von Menschen ermöglicht, wie harmlose Menschen zu Tätern werden. 


***Herzlichen Dank an die Autorin für dieses Rezensionsexemplar!*** 




Mittwoch, 12. Oktober 2022

Winterzauber in den Dünen - Felicitas Kind

 
Einfach Balsam für die Seele 

Ein romantischer und herzwärmender Roman für kühle Wintertage
 
"Winterzauber in den Dünen" wurde unter dem Pseudonym Felicitas Kind von Gitta Edelmann und Regine Kölpin geschrieben, der Roman erscheint im Piper Verlag.   
 
Anja reist für die Weihnachtstage auf die Nordsee-Insel Juist und freut sich auf die winterliche Stimmung am Meer und auf gemütliche Tage in ihrem kuscheligen Hotel. Sie war schon früher zu Besuch auf der Insel und findet im Gästebuch den Eintrag von Thomas, ihrer ersten großen Liebe. Durch die Erinnerung an die gemeinsame Zeit auf Juist angeregt, fühlt sie sich ihm hier plötzlich ganz nahe und schreibt ihm einen Brief. Aber wird er sich überhaupt noch an sie erinnern?
 


In diese romantische Geschichte, die auf der winterlichen Insel Juist spielt und abwechselnd aus der Sicht von Anja und Thomas erzählt wird, kann man wunderbar eintauchen und erlebt neben der aufkommenden Weihnachtsstimmung auch die Emotionen der Protagonistenden sehr einfühlsam und nachvollziehbar. 

Was als Jugendliebe auf der Insel begann und im Keim erstickte, kommt nun in Anjas Erinnerung wieder hoch und erfüllt sie mit Hoffnung und romantischen Gefühlen. Sie erhofft sich den Kontakt zu Thomas, dabei weiß sie gar nicht, ob er sich noch an sie erinnert oder inzwischen fest in einer Beziehung steckt. Doch das Schicksal hat es gut mit ihr gemeint, Thomas ist geschieden und wird durch den Brief angeregt, über diese verlorene Liebe nachzudenken. Beide beginnen einen Mail Verkehr und merken, wie sie sich gegenseitig immer noch schätzen.

Der Zauber der winterlichen Stimmung am Strand der Nordseeinsel und auf der weihnachtlich geschmückten Plätze wirkt heimelig und auch die heißen Getränke und inseltypischen Gerichte passen ganz wunderbar ins Bild. So kann man sich die aufkommende weihnachtliche Atmosphäre gut vorstellen und fühlt mit Anja mit, die auf ein Wunder zu Weihnachten hofft.

Die Liebesgeschichte entwickelt sich allmählich, beide Figuren erzählen sich gegenseitig aus ihrem Leben und kommen sich so näher. Aber ich hatte so meine Zweifel, ob so eine Romanze auch in echt bestehen kann. Die geschilderten Erlebnisse und der Austausch von Gedanken wird so authentisch und nachvollziehbar erzählt, dass ich mich gut in beide Personen hineinfühlen konnte und mich einfach mal auf das Gedankenexperiment eingelassen habe. 

Der flüssige und einnehmende Erzählstil führt durch die Handlung, die mich immer mehr gefangen nahm. Ein paar winterliche Rezepte bringen uns am Ende des Romans die Kulinarik Ostfrieslands näher.  

Dieser Roman ist mit dem romantisch-winterlichem Ambiente einfach Balsam für die Seele! 

 

***Herzlichen Dank an den Piper Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 

Mittwoch, 23. Oktober 2019

Bratapfel am Meer - Anne Barns

Winterlich schöner Wohlfühlroman auf der Nordseeinsel Juist


"Bratapfel am Meer" heißt der neue Winter-Roman von Anne Barns aus dem MIRA Taschenbuch Verlag.


Caro Fischer begleitet als Intensivkrankenschwester die Patientin Elfriede Friedmann bis zu ihrem Tod und hört die letzten Worte Elfriedes. Ihre Perlenkette soll zu Elfriedes grosser Liebe nach Juist gebracht werden. Um diesem Wunsch nachzukommen und mal auszuspannen reist Caro zum Jahreswechsel auf die Nordseeinsel und möchte auch das Geheimnis des Schmuckstücks lüften.  


"Die Vergangenheit ist ein Sprungbrett, kein Sofa." Zitat S. 213

Caro ist eine hilfsbereite und alle umsorgende sympathische junge Frau. Sie wurde von ihrem Mann betrogen, doch es scheint so als ob er das nun bereut. Er erklärt ihr seine weiter bestehende Liebe und Caro kann ihm eigentlich nicht verzeihen. Bei ihrer Arbeit als Intensivschwester hat sie eine ältere Dame betreut, die nun verstorben ist. Sie erbt eine Perlenkette mit der Bitte, sie ihrem Besitzer auf der Nordseeinsel Juist zurückzubringen. Also nutzt sie ein paar freie Tage, um auf Juist mal in Ruhe über ihr Leben nachzudenken und natürlich, um dem Geheimnis der Kette auf die Spur zu kommen. Die winterlich schöne Insel gefällt ihr sofort und sie erholt sich vom beruflichen Stress und ordnet ihre Lebenswünsche und Gefühle neu. Schnell lernt sie viele sympathische Leute kennen und erlebt einen tollen Urlaub. Dabei verläuft die Suche nach dem ominösen Besitzer der Kette eher am Rande. Dort ergibt sich am Ende der Geschichte eine unerwartete Auflösung. 

Alle Figuren im Roman werden mit viel liebenswerten Zügen gezeichnet und man möchte sie alle am liebsten kennen lernen. Die friesische Oma Enna, die schwangere Merle und Freundin Jana, die immer ein Ohr, oder besser gesagt eine Handynachricht für Caro parat hat. Es gibt einige Schicksalsbeschreibungen und natürlich gibt es auch romantische Gefühle, doch wer oder wen das betrifft, muss man selber lesen.


Neben der schön geschilderten winterlichen Inselatmosphäre hat mich auch der einnehmende und warmherzige Erzählstil Anne Barns sofort gefangen genommen und wohlig umarmt. Ich konnte die gefühlvolle Geschichte nur schnellstmöglich durchlesen und bin dem Geheimnis der Kette gerne mit gefolgt. 

Was in Anne Barns Büchern natürlich niemals fehlen darf, ist die kulinarische Seite. Auch hier finden sich einige der im Roman vorkommenden Leckereien wie Bratäpfel, Stollen oder Vanillekipferl auch in Rezeptform im Anhang.

"Bratapfel am Meer" zeigt vor der winterlichen und heimeligen Stimmung der Nordseeinsel Juist eine absolute Wohlfühlgeschichte mit reichlich Gefühlen und einem spannenden Geheimnis.


***Herzlichen Dank an Harper Collins für dieses Rezensionsexemplar!***




Montag, 28. Januar 2019

Oma tanzt auf Wolke 7 - Regine Kölpin

Als Urlaubslektüre genau richtig: leichte und lustige Unterhaltung


Der Roman "Oma tanzt auf Wolke 7" ist der 4. Band der Oma Jette-Reihe von Autorin Regine Kölpin aus dem Knaur Verlag.

Ihre Herbstferien sollen die drei Enkel Fenna, Marie und Kilian bei ihrer Oma Jette auf Langeoog verbringen. Jette freut sich schon darauf. Auch ihr Lebensgefährte Günther kehrt nach Langeoog zurück. Er hat auf dem Festland sein Haus verkauft und möchte nun sein weiteres Leben mit Jette verbringen. Wobei er ein wenig Panik vor dem geplanten Heiratsantrag hat. Im Schlepptau hat er noch einen weiteren Logiergast, seine Nichte Walburga. Was will sie nur auf der Insel? Und dann taucht auch noch Horsti auf, Oma Jettes Leben wird also nicht langweilig.



Oma Jette hat mit ihrem kleinen Bernsteinlädchen ihr Hobby zum Beruf gemacht und liebt ihr Leben auf Langeoog. In den Herbstferien werden ihre drei Enkel zu Besuch kommen und darauf freut sie sich besonders. Ihr Lebensgefährte Günther möchte ihr einen Heiratsantrag machen, doch auf einmal hat er einen Nebenbuhler, der sich um Jette bemüht. Er zieht die Enkel ins Vertrauen. Doch es geht in Jettes Haus zu wie in einem Taubenschlag. Denn auch Walburga, Horsti und Nachbarin Grete sorgen für Neuigkeiten, sodaß Jette vielbeschäftigt ist.  

Mit diesem Roman bekommt man neben einer quirligen Familiengeschichte auch reichlich Humor geboten. Das fängt schon bei der Namenswahl der Figuren an, sie sind überspitzt und damit echt lustig. Wer heißt schon Zwiebell, Walburga, Blümerant und Horsti von Hinten? 

Die Charaktere sind liebevoll mit reichlich Ecken und Kanten ausgestattet, das verleiht ihnen einen hohen Wiedererkennungswert und beim Lesen läuft ein buntes Kopfkino. Besonders Walburga hat sich mir mit ihrem pinken Outfits und ihrer Vorliebe für bunte Fruchtkaugummis ins Hirn gebrannt. 

Jette ist eine echte Frohnatur, gutmütig und hilfsbereit. Ihr wird einiges abverlangt, denn ihr Haus gleicht in den Ferien einem vollbelegten Hotel. Doch sie kann niemandem etwas abschlagen, besonders ihrem Günther nicht. Als Julius Zwiebell mit Jette anbandelt, wird Günther eifersüchtig, eine Flasche Küstennebel soll sein Leid mindern, allerdings endet das als Zeltaktion in Jettes Garten.

Wie soll Günther das nun mit dem Heiratsantrag auf die Reihe kriegen? Oder hat Jette ihn jetzt leid?

Auch wenn dieser Band eine Fortsetzung der Oma Jette-Reihe ist, hat man keine Verständnisprobleme. Man wächst schnell in die Familie hinein und erlebt trubelige und humorvolle Szenen. Zusätzlich sorgt das eingebaute Nordsee-Insel-Flair für Urlaubsstimmung, es gibt sogar einen schweren Herbststurm und man kann sich auf eine quirlige Unterhaltung freuen. 

Diese humorvolle und turbulente Familiengeschichte hat reichlich Unterhaltungscharakter und das  Nordseeflair sorgt für Urlaubsgefühle. Ein Roman zum Abschalten und Entspannen.  


***Vielen Dank für dieses Rezensionsexemplar aus dem Hause Knaur!***




Sonntag, 7. Januar 2018

Wenn die Wellen leuchten - Patricia Koelle

Meerestiefhimmelweitsommerhell lebendig

 

Abwechslungsreich, lebendig und mit schönem Schreibstil erzählter Start einer Trilogie von Amrum.
(Werbung)


Der Roman "Wenn die Wellen leuchten" von Patricia Koelle ist der Auftakt einer Nordsee-Trilogie aus dem Fischer Verlag von 2017.

Rhea betreibt gemeinsam mit ihrer Mutter Feline auf der Nordseeinsel Amrum eine besondere Minigolfanlage, die vom Leben auf der Insel erzählt. Ihren Vater hat sie nie kennengelernt und ihre Mutter gibt nur bruchstückhaft über Jahre verteilt ihre Erinnung an Rhea weiter. Wird sie ihren Vater finden? Auch wenn sie mit der Insel eng verbunden ist, wagt sie den Sprung in die Ferne und macht sich nicht nur nach ihrem Vater auf die Suche, sondern auch nach der großen Liebe.


"Ich bin genau da, wo ich sein möchte! Sie (Rhea) beschrieb einen Bogen mit ihren Händen, die den Himmel, die endlose Weite des Kniepsands, die Heide, den Leuchtturm, die Dünen, sowie alle Kaninchen, Krabben, Eiderenten und sämtliche Bewohner des Watts einschloss." Zitat Seite 40 

Der Roman beginnt im 18. Jahrhundert mit einer alten Sage um den Töveree Fisk, der mit seinem blauen Leuchten ein Schiff in Seenot vor dem Untergang gerettet haben soll. Dem Kapitän bleibt als Beweis eine blau schimmernde Schuppe, die auch im Roman noch eine Rolle spielen soll.

Diese alte Legende bringt einen Hauch von Geheimnis in den Roman und man ist gespannt auf die Zusammenhänge mit der weiteren Handlung. 

Rhea ist eine bescheidene, bodenständige und mit sich selbst zufriedene Person. Sie liebt die Natur, die Tiere am Nordseestrand, ihre Spielpartner sind die Strandkrabben. Andere Kinder hänseln sie, denn sie wächst ohne Vater auf und ihre Mutter gibt nur bruchstückhafte Einzelheiten im Laufe ihres Lebens von ihm preis. 
Mit der Schilderung von Rheas Kindheit taucht man bildhaft und lebendig in die Natur des Wattenmeeres ein und lernt die Insel Amrum näher kennen. Einen weiteren Erzählstrang bildet die Geschichte von Filine, von ihrem Zwillingsbruder und ihrer Liebe zu einem Mann, von dem sie sich ein Kind wünscht und es mit Rhea auch bekommt.

Hier verknüpft sich die Legende mit dem Leben der Inselbewohner und wird zu einer mystisch anmutenden Geschichte, die den Leser neugierig macht und an sich fesselt. 

Die Charaktere sind starke Persönlichkeiten, sie beugen sich nicht dem Willen anderer, sondern suchen mutig ihren Platz im Leben und ihre Erfüllung.
Patricia Koelle erzählt wunderbar, sie malt farbige Bilder, zeigt schwierige Stimmungen und verschiedene Emotionen und taucht intensiv ein in die Schicksale und Perspektiven ihrer Figuren, dass man deren Hoffnungen und Wünsche deutlich und klar vor Augen hat. 

In den vielen Rückblenden kommt man den Protagonisten immer ein Stück näher und lernt sie immer besser kennen. Das ist aber auch gleichzeitig mein einziger Kritikpunkt, denn der Roman ist zwar sehr schön zu lesen, aber er zieht sich auch etwas in die Länge. 
Viele Personen kreuzen den Lebensweg von Rhea und Filine und nicht immer sind diese von Belang, verschwinden ohne große Spuren zu hinterlassen aus ihrem Leben.   

 
Wer sich auf der Nordseeinsel Amrum auf die stimmungsvolle Suche nach der großen Liebe und der Legende um den Töveree Fisk machen möchte, ist mit diesem Roman gut bedient. Er wird für wunderschöne Lesestunden sorgen und die Insel gedanklich näher rücken lassen. 


Mittwoch, 5. April 2017

Inselfrühling - Sandra Lüpkes

Eine gelungene und spannende Fortsetzung der Inselreihe

Sandra Lüpkes Inselreihe von der Nordsee hat Zuwachs bekommen. Ihr vierter Band heißt "Inselfrühling" und erscheint im Rowohlt Verlag. [Werbung nach § 2 Nr. 5 TMG]

In Jannikes Hotel wird alles für die nächste Saison vorbereitet. Auch ein Zimmer in Jannikes und Mattheusz Wohnung erhält eine ganz besondere Ausstattung, denn Jannike ist schwanger mit Zwillingen und diese werden schon bald erwartet. Doch schwere Frühlingsstürme bringen alle Pläne ins Wanken. Laut einem alten Fluch soll die Insel bald untergehen. 





»Das Haus des Leuchtturmwärters, eine Oase der Ruhe und des Friedens.« 

So wirkte das verwunschene Backsteinhäuschen in den Dünen damals vor ein paar Jahren auf Jannike.

Aber wo im Sommer urlaubsmäßig schöner Strand einlädt, zeigt sich im Frühjahr ein ganz anderes Bild. Die geballte Kraft von einem Sturmtief kommt hier an der Nordsee mit Sturm in Orkanstärken daher. Die Sturmflut zerstört die Deiche und trägt die Sandmassen der Insel ab. Außerdem ist man bei Sturm abgeschnitten vom Festland. Keine schöne Situation für die hochschwangere Jannike, die Zwillinge erwartet und auf der Insel kein Krankenhaus ansteuern kann. 

Der Roman beginnt im Frühling auf der autofreien Nordseeinsel, die nun Jannikes Zuhause ist. Sie liebt ihren Mattheusz, den polnischen ehemaligen Briefträger der Insel, der jetzt als Hausmeister mit im Hotel arbeitet. Als sie endlich heiraten, Jannike ist hochschwanger mit Zwillingen, lässt es sich die polnische Verwandschaft nicht nehmen, die Feier in Polen mit den typischen Bräuchen zu begehen. Jetzt ist Nebensaison und da kann Jannike es ruhiger angehen lassen und sich auf die Geburt ihrer Kinder vorbereiten. Eigentlich, denn es kommt alles ganz anders als geplant. Ein schweres Sturmtief macht ihr einen Strich durch die Rechnung. 

Die Handlung lässt den Leser an der bedrohlichen Sturmflut teilhaben und mitbangen.  Der Leuchtturm und das kleine Hotel stehen auf der Abbruchkante, direkt über dem Meer. Es könnte das Ende bedeuten, wenn die Sandmassen vom Meer verschlungen werden und das Gelände abstürzt. Sehr bedenklich ist die Lage, die der Leiter des Küstenschutzes den Insulanern erklärt. Vom Staat können keine Mittel für so ein sinnloses Unterfangen bereitgestellt werden, doch die Insulaner geben nicht auf.

Die Charaktere sind mir beim Lesen der Vorgängerbände schon ans Herz gewachsen und ich freute mich auf ein Wiedersehen mit ihnen. Der Autorin gelingt es erneut, dass man sich ausgezeichnet in die verschiedenen Figuren hinein versetzen kann und sie sehr glaubhaft erscheinen. Sandra Lüpke hat ihre Charaktere weiterentwickelt, Jannike und die polnische Truppe ihres Hotels sind inzwischen zu einer richtigen kleinen Familie zusammengewachsen und sie fühlen sich mit den Insulanern verbunden. 
Außerdem kommen ein paar Gäste und Jannikes Vater dazu, hier gibt es wieder ein paar überzeichnete Personen, die mit negativen Charakterzügen nerven, aber dadurch den Roman erst richtig spannend machen. 


Die schöne Idee mit den besonderen Kapitelanfängen in Form von Bildern, Briefen oder kleinen Texten wird auch dieses Mal weiter geführt.

Es ging mir beim Lesen wie beim Heimkommen oder Wiedersehen mit guten alten Bekannten. Ich fühlte mich sofort wohl und habe die dargestellte Atmosphäre der Nordseeinseln genossen. Wer die Vorgängerbücher nicht kennt, wird dem Roman gut folgen können, da alle Personen noch einmal näher vorgestellt werden. Ein Personenverzeichnis gibt außerdem Auskunft über das Stammpersonal und neue Figuren.


Erneut ist Sandra Lüpkes ein unterhaltsamer Roman von der Nordseeinsel gelungen. Dieses Mal wirbelt ein Sturmtief die Insulaner auf, es geht außerdem um Deichbau und Küstenschutz und eine anstehende Geburt. Wer die Reihe kennt, muss diesen Band unbedingt lesen!

***Herzlichen Dank an den Verlag und Lovelybooks für dieses Reziexemplar und an Sandra Lüpkes für die Begleitung der Leserunde! Ich war wieder gern mit auf der Nordseeinsel! ***


Sonntag, 24. Juli 2016

Im Herzen das Meer - Karen Bojsen


Dieses Buch hat mich verzaubert, Nordseeinselflair und Seepferdchenromantik pur! Wie Urlaub am Meer!


"Karen Bojsen" ist das Pseudonym der Autorin Katrin Burseg, die den Roman Im Herzen das Meer geschrieben hat, der im Diana Verlag erscheint.

Lumme Hansen ist Meeresbiologin und lebt mit ihrer Familie in Übersee. Nach dem Tod ihrer Mutter kehrt sie auf ihre Heimatinsel zurück und leitet dort das Inselaquarium. Hier sieht es mit der finanziellen Situation nicht gerade rosig aus. Die Zukunft der Insel soll durch den Bau eines Windparks wirtschaftlich gesichert werden. Die Natur und die Kinderstube von Schweinswalen und anderen Meerestieren würde aber unter den extrem lauten Baumassnahmen massiv leiden.
Als ein seltenes Seepferdchen gefunden wird, stehen die Inselbewohner den Tierschützern abwehrend gegenüber. Auch Lummes alte Jugendliebe taucht unter den Gegnern auf.
Was kann Lumme hier ausrichten? 





"Immer sind Inseln Orte der Sehnsucht. Nah und fern zugleich. Und das Meer? Es schweigt wohl nie." (Seite 7)

Dieses Buch ist so ganz nach meinem Geschmack.
Schon allein die Sprache dieses Romans ist wunderbar, es gibt so schöne Textstellen, die man richtig genießen kann. Ich schwelge berauscht und könnte hier noch viele Zitate bringen!


Ganz entscheident ist bei diesem Roman, er unterscheidet sich auch durch inhaltliche Tiefe von anderen Sommer-Sonne-Meer-Romanen. Es werden die Probleme von Windparks und deren Beeinträchtigung der Tierwelt thematisiert und einige Ausflüge in die Meeresbiologie des Inselaquarium geben interessante Einblicke über Seepferdchen, deren Balz- und Brutverhalten.
Hier wird die Küste vor der Inselwelt vorgestellt, die mit Felswatt, Tangwald und der Kinderstube der Schweinswale eine einzigartige schützenswerte Natur darstellt. Man erlebt sogar die atemberaubenden gewagten Sprünge junger Trottellummen mit, deren Nistfelsen sie zu wirklich lebensgefährlichen Sprüngen nötigen.


Neben der Story mit dem drohenden Windparkbau vor der Insel, die mich an Helgoland erinnert, erzählt die Autorin den Wendepunkt im Leben von Lumme, die sich mit ihrem Mann in Übersee scheinbar auseinandergelebt hat, aber ihren Sohn Josh sehr vermisst. 

"Während Todd die Welt aus den Angeln zu heben schien, kam Lumme sich vor wie Treibgut,das an den Strand gespült worden war. ...Wie ein Fisch, der aufs Land geworfen war und verzweifelt nach Luft schnappte." Zitat.S. 101 

 

Auf der Insel fühlt sie sich in ihrem Element, kämpft entschlossen um die Schutzzone für die Seepferdchen und für den Erhalt des vom Schliessen bedrohten Aquariums. Aber plötzlich steht Lumme auch ihrer Jugendliebe gegenüber und erinnert sich an die Zeit, in der ein gemeinsamer Freund ums Leben kam. Die Gefühle in ihr kämpfen extrem zwischen Schmerz und Liebe, Verlust des Freundes und der Familie und ob sich ihre Hoffnungen auf ihre gesicherte Zukunft auf ihrer Insel erfüllen. Dabei bleibt es lange spannend, ob der Bau des Windparks abgewendet werden kann oder nicht.


 
Diese Geschichte zieht den Leser völlig in den Bann, man schwankt zwischen herrlich erzählter Urlaubsatmosphäre auf einer Nordseeinsel und der wunderbaren Welt der Meerestiere und den Emotionen, die die sympathische Protagonistin erlebt. Ihren Neubeginn unter diesen schwierigen Umständen durchzuführen, ist nicht leicht und man leidet mit Lumme mit. Es ist fast so, als ob man selbst ein Inselbewohner wäre. Näher kann man in eine Handlung nicht eintauchen.

Es ist immer wichtig für mich, dass solche Romane nicht nur oberflächlich Gefühle beschreiben. Gerade die Einbindung der sehr aktuellen Thematik der umstrittenen Windparks finde ich hier sehr gelungen und informativ. Nicht jeder kennt die Probleme und kann hier Näheres dazu erfahren.
Wer das Meer in seinem Herzen trägt, der schützt es auch! Nur was man kennt, liebt man!

"Alternative Energiegewinnung ist unsinnig, wenn sie genau das zerstört, was wir eigentlich durch sie bewahren wollen - die Natur!" Zitat S. 270

 

Ein hinreißend erzählter Urlaub-am-Meer-Roman für schöne Lesestunden mit viel Wissenswertem aus der Natur und der ersten Liebe einer jungen Frau!




***Dies ist ein Rezensionsexemplar vom Blogger-Portal - Vielen Dank für die freundliche Bereitstellung des Buches!***

 


Samstag, 22. August 2015

Wintergäste von Sybil Volks

Mitten im Sturm kommt man sich näher und Familiengeheimnissen auf den Grund!

Das Buch erscheint 2015 bei dtv. [Werbung] 

"All das schwindelerregende Kommen und Gehen in unserer Familie begann mit einem angekündigten Tod und einem unangekündigten Sturm.
Mond und Flut, Schnee und Sturm, Bruder und Schwestern, Geliebte und ungeborene Kinder trafen ohne Vorwarnung aufeinander.
Über Nacht verwandelte sich unser Haus in eine Insel im Eismeer und unsere nichtsahnende Sippe in eine Gemeinschaft Schiffbrüchiger."
(Zitat Buchanfang)

 
   

Kurz vor dem Jahreswechsel hat die Hausherrin Inge einen Schlaganfall erlitten. Ihre Schwiegertochter Kerrin findet sie und hält sie für tot. Sie schickt die Nachricht von Inges Tod an die drei anderen Kinder und Enkel, die sich aufmachen auf den Weg zu ihrem Elternhaus Tide, einem alten reetgedeckten Friesenhaus am Deich einer Nordseeinsel. Doch als sie ankommen, lebt ihre Mutter und Oma. Nach anfänglicher Freude und harmonischem Wiedersehen gehen sich die Bewohner auf Zeit in der Enge der Behausung allmählich auf die Nerven. Ein Schneesturm mit Eis und Unmengen von Schnee macht eine Abreise unmöglich. 


Hinter diesem Roman steckt eine grandiose Idee. Da glaubt die Familie von Inge Boysen, sie sei tot und reist mit Kind und Kegel auf die Insel im Meer um Abschied zu nehmen von ihrer Mutter und Großmutter. Genau so ein Familientreffen hat sich Inge immer gewünscht. Nun sind alle da und das kleine Friesenhaus am Deich platzt fast aus allen Nähten.

Was anfangs noch als ein fröhliches Wiedersehen unter traurigem Anlass beginnt, wird ein beengter Aufenthalt mit typischen Familienstreitigkeiten, verschiedenen Wünschen, Sehnsüchten und Problemen der Einzelnen.   
Welche Familie kennt diese Streitigkeiten nicht? Um so interessanter sind hier die Geschichten, die die einzelnen Personen umgeben. Welche Sorgen, Hoffnungen und Wünsche kommen hier ans Tageslicht. Was geschieht mit dem Familienstammsitz, wenn die Hausherrin wirklich stirbt?

Sehr detailreich und genau werden die Charaktere herausgearbeitet, man lernt die Personen gut kennen. Dabei werden Geheimnisse enthüllt, die bisher im Verborgenen blieben. Jede Person zeigt ihre speziellen Wünsche und Hoffnungen für die eigene Zukunft, aber allen gemeinsam ist es wichtig, dass das Haus Tide in Familienbesitz bleibt. Auf sein Erbteil will aber niemand verzichten. Zu welcher Entscheidung kommt die Familie? 

Die Autorin hat es geschafft, die besondere Atmosphäre auf dieser sturmumtobten Nordseeinsel in den Rauhnächten anschaulich darzustellen. Schnee und Sturm hält die Bewohner in Schach. Man spürt die Gischt toben, sieht die Eiskristalle an den Fenstern und hört die gewaltigen Kräfte des Sturmes an den alten Balken des Hauses arbeiten. Hält es dem Sturm Stand? Hält der Deich die Wassermassen fern oder wird er brechen? Diese Ängste begleiten die Familie und man nimmt als Leser lebhaft Anteil daran.
Dabei wird die Familie liebevoll von Kerrin mit Mahlzeiten und heißem Tee versorgt. Ihre gesamten Vorräte und Gartenerzeugnisse und selbst ein Rumtopf muss bei diesem Familientreffen dran glauben. Denn die Versorgung aus dem Inselladen ist durch die Witterung nicht möglich.


Diese Geschichte ist sehr geschrieben, hat einen großen Unterhaltungswert und zeigt Erinnerungen an die Kindheit im Haus Tide und emotionale Momente einer Familie. Darauf kann man sich freuen! Die besonderen Umstände des Sturmes geben der Situation eine dramatische Note!


              
 ***Rezensionsexemplar von vorablesen - Vielen Dank an den Verlag     für die Bereitstellung des Buches!***