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Freitag, 9. Juni 2023

Wenn der Tod die Glocken läutet - Romina Angeli

Ein humorvoller Regionalkrimi, der von seinen skurrilen Figuren lebt. 

 
Der Allgäu-Krimi "Wenn der Tod die Glocken läutet" ist der dritte Band der Reihe um Hobbyermittlerin von Romina Angeli, der bei Harper Collins erscheint. 

Die Kirchturmglocken läuten außer der Reihe und am Strick hängt schrecklicherweise der tote Messner. Für Walli deutet alles auf einen Suizid hin und sie beachtet den Fall nicht weiter. Denn ihr brennt eine viel spannendere Frage auf der Seele, denn ihr Wolfi benimmt sich höchst ungewöhnlich und scheint eine geheime Affäre zu haben. Als dann auch noch die junge Lebensgefährtin des toten Messners spurlos verschwindet, klingeln bei Walli alle Alarmglocken und sie verbeißt sich abenteuerlustig in die Ermittlungen. 
 


Walli, Walburga Schimmel, lebt zusammen mit ihrem Sohn Wolfi, Ü40 und Polizist, im verschlafenen Dörfchen Burglbach im Allgäu und kennt fast das ganze Dorf. Sie ist eine recht eigensinnige, skurrile Person mit einer direkten Art, ihr Äußeres ist durch ihren ausgefallenen Kleidungsstil sehr auffällig und sie macht was sie will. Dabei sind ihr andere Meinungen völlig egal. Aber dennoch ist Walli stets eine hilfsbereite Person, auf die man sich verlassen kann. Und mit ihrem logischen Verstand kombiniert sie auch im Fall des toten Messners die Fakten und macht sich auf die Suche nach dem Täter.
 
In diesem Band dürfen wir auch mal einen Blick in Wallis Vergangenheit werfen und erfahren Erlebnisse aus ihrem früheren Leben mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann. 
 
Die Krimihandlung liest sich durch die Beschreibung der vielfältigen Personen und der regionalen Schauplätze eher wie ein Roman, die Toten sprechen aber eine andere Sprache. 
Walli lässt sich nicht abbringen, bis sie endlich die Hintergründe für die Morde herausgefunden hat.
 
Die Autorin ist ihrem bisherigen Erzählstil treu geblieben und sorgt mit lockeren und humorvollen Dialogen, zum Teil in Mundart, für gute Unterhaltung. Während der Geschichte werden auch die Personen und Beziehungen der Dorfbewohner untereinander gut dargestellt, sodaß man sie alle deutlich vor Augen hat. Aber trotz allen Vermutungen, konnte ich den Fall dann doch nicht von allein lösen, denn die Auflösung bringt einige Dinge ans Licht, die man nicht hätte ahnen können. 
Das Miträtseln hat Spaß gemacht und es war spannend, Walli bei ihren Ermittlungen über die Schulter zu schauen.
 
Bei diesem Buch darf man sich auf einen humorvollen und unterhaltsamen Krimi freuen, der von den skurillen Figuren lebt und das ländliche Flair der Gegend gut darstellt.  


***Herzlichen Dank an den Verlag und die Autorin für dieses Rezensionsexemplar!*** 


Freitag, 5. August 2022

Wer zweimal stirbt, ist trotzdem tot - Romina Angeli

Für alle Freunde von humorvollen Regionalkrimis
 
Wieder eine Mords-Gaudi 
 
Der Allgäu-Krimi "Wer zweimal stirbt, ist trotzdem tot" von Romina Angeli ist der zweite Fall für Walli aus dem Harper Collins Verlag. 

Walburga Schimmel hat nach einem Sturz von der Leiter eine Gehirnerschütterung und nun muss sich ihr Sohn Wolfi, Polizeioberkommissar, um sie kümmern. Das passt ihm gar nicht, vor allem, als eine Leiche seinen beruflichen Einsatz erfordert. Jetzt muss er seine Mutter auch noch zum Tatort mitschleppen, das hat ihm gerade noch gefehlt! Der Jäger Georg Lerpscher aus Burglbach hängt tot unter seinem Hochsitz. Was ist da geschehen? Wallis Ermittlerinnen-Spürsinn springt sofort an, hier stimmt etwas nicht und sie macht sich auf die Suche nach dem Täter. 



Nach dem tollen ersten Band der Krimireihe wollte ich gern wieder mit Walli auf Mördersuche gehen. Also wer Walli noch nicht kennt, sie ist schon eine besonders exzentrische und schräge Type Frau, das muss man schon sagen. Sie denkt nicht groß über ihr Auftreten nach, trägt auch mit Ü-60 noch Leggins und pfeift drauf, was die Leute sagen. Sie ist mordsmutig, trägt das Herz auf der Zunge und tief in ihrem Inneren vermisst sie ihren verstorbenen Mann und träumt häufig von ihm. Ihr Sohn Wolfi ist als Ermittler eher wenig pfiffig, er wird sogar schon mal als"gehirnamputiert" bezeichnet, was Walli aber strikt für absolut übertrieben hält. Beide hängen sehr aneinander, was ihr barscher Umgang miteinander allerdings nicht immer erkennen lässt. Wallis beste Freundin Friedl ist auch wieder mit dabei, sie sorgt mit ihrem breiten Allgäuer Dialekt für herzhafte Dialoge, die das Flair der Gegend authentisch widerspiegeln. 

Der Erzählstil ist leicht und locker und lässt sich wunderbar lesen. Eingebaute Dialoge in Mundart und reichlich Schimpfwörter bringen ländliche Authenzität der Allgäuer Bevölkerung mit und man fühlt sich beim Lesen mittendrin in Burglbach und Umgebung.

Die Handlung ist reichlich überspitzt und führt von einer lustigen Szene zur nächsten. Mal landet Walli in der Pathologie auf dem Seziertisch und dann randaliert sie auf der Polizeiwache, sodass die GSG9 anrücken muss. Es gibt hier immer etwas zu lachen und ganz nebenbei werden die Puzzleteilchen der Ermittlung zusammen getragen. Die Spannung verläuft eher unterschwellig und lässt der Gaudi den Vortritt. Dennoch kann man wunderbar miträtseln und amüsiert sich herrlich über Wallis unkonventionelle Ermittlungsmethoden. Dabei ist der gepfählte Jäger alles andere als witzig.

Ein locker-leichter Schreibstil, kurze Kapitel mit prägnanten Überschriften und reichlich Humor sorgen für wunderbare Lesestunden mit Allgäu-Touch durch den eingebauten Dialekt. 

Dieser Krimi ist einfach eine unterhaltsame Lektüre mit viel Gaudi und unblutiger Spannung. "Wer zweimal stirbt, ist trotzdem tot" empfehle ich allen, die humorvolle Regionalkrimis mögen.


 
***Herzlichen Dank an Harper Collins für dieses Rezensionsexemplar!***
 
 
 

Mittwoch, 10. Januar 2018

Herzblut - Klüpfel/ Kobr

Eine Mordsgaudi mit Klufti


Das Autorenduo Volker Klüpfel und Michael Kobr haben 2013 mit "Herzblut" ihren siebten Fall um Kommissar Kluftinger geschrieben.  Der Kriminalroman erscheint im "Droemer Verlag".
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Kluftinger bekommt einen anonymen Anruf und glaubt, Zeuge eines Mordes gewesen zu sein. Doch am Tatort findet er nur eine riesige Blutlache. Bevor der Großteil der zugehörigen Leiche auftaucht, erschüttern weitere brutale Morde das Allgäu.
Leider behindern heftige Herzschmerzen Kluftingers Arbeit. Intimfeind Doktor Langhammer verordnet kässpatzenarme Schonkost, positive Lebenseinstellung, Bewegung – und sogar noch einen Yogakurs. 



Auch dieses Mal haben es die Autoren geschafft, mit ihrem kauzigen Allgäuer Original Humor und gute Unterhaltung in einen kniffligen Kriminalfall einzubinden. Das kann man nur bewundern.

Klufti fühlt sich nicht wohl, er hat Herzbeklemmungen und konsultiert Dr. Langhammer, dieser hüllt sich in Schweigen und macht lediglich Andeutungen zu Kluftis Essverhalten in Form von kohlenhydratreichen Kässpatzen und anderen deftigen Allgäuer Spezialitäten. Auch ist die "Pumpe" des Kommissars nicht gerade die jüngste. 


Der Kommissar macht sich Sorgen um seine Gesundheit, sieht sein Lebensende nahen, schreibt sogar ein Testament und dann dreht sich im vorliegenden Fall auch noch alles um Herzen. Man kann gut mit ihm mitfühlen und sieht mit Erstaunen seine Bemühungen um seine Gesundheit. Gemüsesticks mit Quark, Wasser statt Bier und auch ein paar sportliche Yogaeinheiten gehören neuerdings zu Kluftis Gesundheitsprogramm.  

Worüber ich wieder sehr lachen musste, ist das Verhältnis zu Langhammer. Ihre Wortspielereien und ihr Aufeinandertreffen geht wie immer mit humorvollen Szenen einher. 

Was mir aber die Tränen in die Augen getrieben hat, ist der Besuch auf dem Jahrmarkt und die Urlaubsplanung. Hier zeigt sich Klufti wie er leibt und lebt.
Niemand flucht so schön wie Klufti, ist so herrlich naiv im Umgang mit Technik und hat trotz seiner kauzig sturen Art das Herz am rechten Fleck. Er ist und bleibt ein einzigartiger Ermittler, der beim Lösen von Verbrechen einfach den richtigen Riecher besitzt. Und wenn er mal wieder verbal über die Stränge schlägt, so nehmen das seine Kollegen und die Familie Augen rollend zur Kenntnis.  


Dieser Krimi ist einfach ein Knaller. Wer Kluftinger noch nicht gelesen hat, sollte das bald nachholen. Der Fall ist in sich abgeschlossen und bietet beste Unterhaltung mit einer spannenden Krimihandlung.



Dieser Krimi ist ein Beitrag für meine Teilnahme an der DroemerKnaur-Challenge 2018. 
Weitere Kluftinger-Krimis habe ich hier rezensiert. 


Dienstag, 5. Januar 2016

Mordsrausch - Barbara Edelmann

Witziger Krimi mit tollem Lokalkolorit und sehr mitreißend geschrieben!

Der Krimi Mordsrausch von Barbara Edelmann ist der zweite Teil einer Reihe um Kommissarin Sissi Sommer. Der Allgäu Krimi erscheint im Emons Verlag.

In Maria Steinbach im Allgäu ist alles so ruhig, beschaulich und idyllisch. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn in der Dorfgemeinschaft gibt es so manchen Streithammel, Dauerlärmer und nymphomanische Ehefrau. Als der unbeliebte Harry Bröckle tot aufgefunden wird, beginnen Sissi Sommer und ihr Kollege Klaus Vollmer von der Kripo Memmingen zu ermitteln. Doch es gibt etliche Personen, die Harrys Tod verschuldet haben könnten. Er war wirklich kein netter Zeitgenosse. Was Sissi in diesem vermeintlich friedlichen Dorf alles aufdeckt, ist schon erstaunlich.  



Dieser Krimi zeigt wunderbar das Leben in dem Allgäuer Dorf Maria Steinbach, in dem einige eigenbrötlerische Bewohner so ihre Geheimnisse haben und recht skurrile Zeitgenossen leben. Die Feste sind ausufernd und mit gehörigem Alkoholkonsum, sodass manche Aussage vor der Kripo sehr fragwürdig erscheint. Wie der Mord dieses Dorf aufwühlt und die schöne Idylle nur noch landschaftlich erhalten bleibt, ist toll beschrieben. In diesem Dorf ist mehr los als man auf den ersten Blick sieht.

Der Mordfall ist brutal und könnte von vielen Personen begangen worden sein. Es wurde viel getrunken und so tappt Sissi von einem Verdächtigen zum nächsten. Erst allmählich entwickeln sich die Ermittlungen weiter und man ist als Leser lange auf der Suche nach dem Täter. Dieser Rausch ist wie ein Nebel, der sich langsam lichtet.

Wie die Personen im Buch charakterisiert werden, ist sehr unterhaltsam und ein genaues Bild bildet sich auch dort erst allmählich. Immer mehr Details zeigen schliesslich die wahren Charaktere und mit diesen eigenwilligen Personen ist man gut unterhalten. 

Es ist nicht die Spannung, die diesen Krimi so außergewöhnlich macht, sondern der Blick hinter die Kulisse der Dorfromantik. Es tun sich hier wahre Abgründe auf.
Die Autorin überzeugt mit ihrem frischen und heiteren Schreibstil und zieht den Leser mit sich. Mit witzigen Dialogen und lockeren Bauernweisheiten wird der Berliner Kollege Klaus ein Sympathieträger des Krimis.  
 


Dieser Lokalkrimi überzeugt mit skurilen Figuren, einem sympathischen Ermittlerduo und einem witzigen, mitreissenden Schreibstil! Ich möchte bitte mehr davon!