Mittwoch, 31. August 2022

Lesemonat August 2022




Der August präsentierte sich sehr warm und trocken und bis auf unseren strohfarbenen Rasen trotzdem kunterbunt. Nicht nur die Blumen zeigten viel Farbe, meine ganzen Unternehmungen und wunderbare Erlebnisse haben jede Menge positiver Energie und Freude in mein Leben gebracht.   
 
Ein runder Geburtstag wurde ausgelassen gefeiert, das Wiedersehen mit Freunden ist immer wieder schön. Ende August sorgte ein gesangreiches und auch sehr lustiges Chorwochenende als wunderbares Erlebnis mit Ohrwürmern jeglicher Art. Der Buchnachschub brachte auch wieder viele tolle Überraschungen, es waren einige richtig gute Bücher dabei. Flops hatte ich keinen einzigen.  
 
Zunächst begann der Monat mit drei hintereinander folgenden drei 3-Sterne-Büchern, worauf ich hoffte, dass es so nicht so weiter laufen würde. Aber dann kam die große Steigerung: Fünf mal 5-Sterne und ganze elf 4-Sterne-Bücher und das war wieder echtes Leseglück! 
 

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Monatsübersicht nach Genres 19:


Krimi:                      2
Thriller:                    0
Roman:                    9
Histor. Roman:          4
Kochbuch:                1
Sachbuch:                1      
Kinderbuch:              2
Biografie:                  0


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 5⭐

 

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Meine Buchlieblinge im August:      

Drei Tage im August - Anne Stern/Aufbau Verlag

                                       
 
Ein großartig erzählter Roman, mein bisheriges Jahreshighlight! Unbedingt lesen!
 
 
                                 

Ein toller Unterhaltungsroman, absolut unterhaltsam, lebensnah, emotional, auch mal tragisch, aber überwiegend humorvolle Lektüre über drei Frauen. Und wer sitzt denn nicht gerne in der Küche? 
 
Das Wunder von San Teodoro - Roberta Gregorio /Goldmann Verlag

 
Ein schöner, sommerlicher Roman, der mit dem italienischen Flair für Urlaubssehnsucht und mit seinen Pasta-Rezepten für Appetit sorgt. Es geht um das Überleben einer kleinen Gemeinde, in der nur die Alten zurückbleiben und ihnen der Status der Eigenständigkeit verloren geht und die Orte zu Geisterdörfern werden.

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Die meistgeklickten Blogbeiträge im August:


Neben den Dauerbrennern wie den
Top-Ten-Thursday-Beiträgen und dem Freitags-Füller, wurden als nächstes die Jahreszeitenlesetipps für den Sommer und die Wochenrückblicke häufig angeklickt.

Bei den Rezensionen waren "Die karierten Mädchen" und der "Der Duft von Zimt von großem Interesse. 

 

Diese Buch-Rezensionen waren beliebt:  

Die karierten Mädchen - Alexa Hennig von Lange

 
Auf diesen Roman hatte ich mich besonders gefreut, doch leider bekam die Handlung durch eine hinzugefügte Figur einen etwas schönenden Charakter. Da wurde der Prota etwas angedichtet, was ihr gut zu Gesicht gestanden hätte. War aber leider in Wahrheit nicht ganz so und das sorgte für einen faden Beigeschmack. Immerhin konnte ich noch drei Sterne vergeben, weil mir der Erzählstil recht gut gefallen hat. Die Hauptfigur wurde mir allerdings nicht sehr sympathisch. Schade! 

Der Duft von Zimt - Rebekka Eder

                        

Wer Franzbrötchen liebt und wissen will, was eine Variante ihrer Geschichte sein könnte, sollte sich diesen Roman einverleiben. Historisch und dennoch nicht altbacken, sondern hier hilft die Süße des Gebäcks gegen die Bitternis einer schwierigen Zeit Hamburgs unter französischer Besatzung.
 

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Den August prägte Hitze und Trockenheit, um draußen lesen zu können, war es mir meistens zu warm. Deshalb freue ich mich jetzt langsam auf den Herbst. Aber der August war auch sehr schön, denn einige Unternehmungen und Feiern haben ihn mir richtig versüßt. So viele schöne Termine, private Treffen und auch eine große Geburtstagsfeier hatte ich lange nicht mehr gehabt. Das ist eine wohltuende Grundlage gegenüber der doch eher schlecht klingenden Nachrichtenlage. Doch das blende ich auch gerne mal aus.   
 

Viele liebe Grüße und euch allen einen schönen September!

Eure Sommerlese! 

Dienstag, 30. August 2022

Die Frauen vom Reichstag - Micaela A. Gabriel

Eine interessante Weiterführung der zwei weiblichen Abgeordneten

 
Der Roman "Die Frauen vom Reichstag: Ruf nach Veränderung" ist der zweite Teil der Parlamentarierinnen-Reihe von Micaela A. Gabriel aus dem Rowohlt Polaris Verlag
 
Berlin 1926: Sophie Maytrott, Abgeordnete der Zentrumspartei, setzt sich mit dem Geld ihres zwanzig Jahres älteren Mannes Anton für Sozialwesen und Kirchen ein. Sie ist gefangen in ihrer unglücklichen Ehe und zieht durch ihrer Arbeit als Abgeordnete zu ihrer Freundin Marlene von Rungstedt nach Berlin. Im feierlustigen Berlin erlebt Sophie die Folgen der Prostitution, wo Engelmacher Geschäfte machen und die Selbstmordquote hoch ist. Sophie möchte etwas verändern und trifft in den Elendsbezirken ihre erste Liebe wieder, den katholischen Priester Leonard Harnack. Marlene hingegen muss sich nach dem Tod ihres Vaters klar werden, ob sie die Kanzlei ihres Vaters weiter führen will oder den Kanzleipartner ihres Vaters Max mit ihrer Arbeit unterstützen möchte. Er ist seit vielen Jahren ihr bester Freund, aber nun vertritt er Marlenes Feindin Sonja Grawitz im Fall um ihre uneheliche Tochter und kommt Sonja näher als Marlene lieb ist. 


 
Marlene und Sophie leben ein relativ eigenständiges Leben in Berlin, sie setzen sich in erster Linie für die Rechte von Frauen und Kindern ein, sie wollen etwas verändern und deren Interessen vertreten. Allmählich gewinnen die Nationalsozialisten an Einfluß und einige Parteigenossen stellen neue Ziele auf, die Marlene und Sophie nicht unterstützen wollen. Wie sollen sie auf den Rechtsruck reagieren oder will man sie aus der Partei vertreiben? 
 
Durch den flüssigen und mitnehmenden Erzählstil wird man unterhaltsam durch die Handlung geführt und verfolgt das berufliche und private Leben der beiden Protagonistinnen. Sophie engagiert sich in einem speziellen Prozess, der ein realer Skandalfall der Zeit war, es geht um die "Schüler-Tragödie von Charlottenburg". Dabei kommt Sophie auch Leonard Harnack näher, der sich auch für die Rechte der Schwächsten einsetzt.
 

Micaela Gabriel schafft es auch im zweiten Teil der Reihe, mich mit ihren starken und politisch aktiven Figuren zu fesseln und lässt mich auch die beruflichen und privaten Lebenswege und Hoffnungen hautnah miterleben und ihren Wunsch, etwas zu verändern. Gleichzeitig sorgt das gut recherchierte historische Konstrukt dafür, um mir ein ausführliches Bild der damaligen Zeit zu verschaffen, das die politischen Veränderungen und wirtschaftlichen Bedingungen klar aufzeigt. Man taucht direkt in das Zeitgeschehen ein, erlebt wie Hyperinflation und Wirtschaftskrise den Menschen zu schaffen machten, erfährt vom Flaggenstreit und der Reforn des § 218 im Jahre 1927. Das ist intensiver als jeder Geschichtsunterricht, was mir persönlich etwas zu umfangreich erscheint.

Dieser interessante zweite Teil der Reihe hat mir neben der abwechslungsreichen fiktiven Geschichte viele politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Vorgänge der Zeit vermittelt. 
 
 
 ***Herzlichen Dank an den Rowohlt Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***


Montag, 29. August 2022

Fräulein vom Amt - Charlotte Blum

Eine unterhaltsame Zeitreise in die Gesellschaft der 20er Jahre 
 
Der historische Kriminalroman "Fräulein vom Amt - Die Nachricht des Mörders" ist der erste Band einer Reihe von Charlotte Blum, ein Autorinnen-Duo, zu dem Regine Bott und Dorothea Böhme gehören. Die Reihe erscheint bei Fischer Scherz.

Baden-Baden 1922: Alma verdient sich als Telefonistin ihren Lebensunterhalt. Zufällig hört sie als Fräulein vom Amt, wie eine unbekannte männliche Stimme von einem erledigten Auftrag berichtet, bei dem eine Frau in den Kolonaden eine Rolle spielt. Kurz darauf wird dort eine weibliche Leiche gefunden und Alma meldet ihr Gehörtes bei der Polizei. Aber dort nimmt niemand ihre Aussage ernst. Nicht so der Kommissaranwärter Ludwig Schiller, der sich mit Alma zwischen Bäderhotels und illegalen Casinos an die Nachforschungen macht.  
 

 
Alma Täuber und ihre Freundin Emmi Blume verdienen ihr eigenes Geld, was in den 20er Jahren in Baden-Baden nicht selbstverständlich war. Sie teilen sich eine kleine Wohnung im Haus der Witwe Meier, die Herrenbesuch strikt verbietet und beflissen die korrekte Einhaltung bewacht. Als Telefonistin hört Alma eine ominöse Nachricht, die den Fundort einer Frau beschreibt, getötet, wie sie später erfährt. Ihre Neugier ist geweckt und sie macht sich auf die Tätersuche. Bei der Polizei lernt sie den jungen Ludwig Schiller kennen, der anders als seine Kollegen ihrer Aussage glauben schenkt. Gemeinsam machen sie sich auf die Spurensuche und häufig kann Alma mit ihrer intuitiven Kombinationsgabe den Inspektor sogar noch übertrumpfen. 
 
Der Erzählstil ist flüssig und lebendig und lässt sich gut weglesen. Die Beschreibung von Kleidung, neuartiger Waschmaschine und diverse Schauplätze (Leichenhalle, Casino, Trabrennbahn und Bäderhotel) bekommt man einen guten Eindruck des damaligen Lebens und kann gedanklich gut in die 20er Jahre eintauchen. Der Plot hat nur wenige Spannungsmomente, dafür nimmt man durch die Ermittlung an der Entwicklung Almas vom jungen Fräulein zur Privatdetektivin teil. Alle Charaktere sind absolut vielseitig und zeitgemäß angelegt und sorgen mit ihren Gesprächen und Aktionen für gute Unterhaltung.   

Der Krimi fing sehr stark an, wurde dann insgesamt aber etwas schwächer. Doch für mich war es dennoch ein Lesevergnügen, weil bei dieser unterhaltsamen Zeitreise ganz wunderbar die Gesellschaft der 20er Jahre vorgestellt wird und man das Leben der zwei jungen Frauen nachvollziehbar miterleben kann. Ich habe es bewundert, wie sie ihr Leben gestalten und ihre Selbständigkeit nach ihrer Façon leben und auch die Vergnügen der Zeit mitnehmen. Ob zur damaligen Zeit eine junge Frau einfach so Polizeibefragungen begleiten konnte oder als Privatermittlerin tätig wurde, nehme ich nicht unbedingt an. Doch das will ich hier nicht überbewerten.


Ein toller Reihenauftakt, der eine unterhaltsame Krimireise mit überzeugendem Setting und vielschichtigen Charakteren bietet!
 

***Herzlichen Dank an Lovelybooks und den Fischer Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 


 

Sonntag, 28. August 2022

Das Wunder von San Teodoro - Roberta Gregorio

 
Rettet die Pasta-Tage in San Teodoro

Im Goldmann Verlag erscheint der Roman "Das Wunder von San Teodoro" von Autorin Roberta Gregorio.

San Teodoro ist ein idyllisches Dorf in Kampanien, die Gemeinde zählt gerade mal 100 Einwohner und droht zu überalten. Dezimiert sich die Einwohnerzahl unter 100, so verliert das Dorf seinen Status als eigenständige Gemeinde. Das möchte Bürgermeisterin Mafalda unbedingt verhindern und fragt die Unternehmensberaterin Violetta aus Salerno um Rat. Vielleicht hat sie ja eine Idee, wie man das Dorf vorm Aussterben retten kann oder es braucht einfach ein Wunder.
 


 
Der Ort San Teodoro war vor Jahren anlässlich der beliebten traditionellen Pasta-Tage noch das Ziel vieler Besucher, doch nun sind die Tage des Dorfes gezählt und damit ist die Tradition der Pasta-Herstellung ebenfalls in Gefahr. Der intrigante Diddio, Präsident der Region Kampanien, möchte den Ort zu einem Geisterdorf machen, doch Mafalda und die größtenteils älteren Bewohner widersetzen sich ihm vehement. Zusätzlich beten sie zu ihrem Schutzpatron San Teodoro, vielleicht hat er ihnen die liebenswerte Unternehmensberaterin Violetta geschickt, die den Ort liebgewinnt und Mafaldas Sohn Fernando ebenfalls.

In diese liebenswert erzählte Geschichte unter italienischer Sonne kann man entspannt abtauchen und nicht nur die Bewohner und ihre Familien kennenlernen, sondern auch vom Urlaub in San Teodoro mit leckerer Pasta träumen. Die Handlung zeigt neben dem Wegzug der jungen Generation auch den Kampfgeist der älteren Bewohner und natürlich die italienische Leidenschaft für Pasta. Einige köstliche traditionelle Nudel-Rezepte finden sich im Buch zum Nachkochen. Die Charaktere sind überwiegend sympathische Figuren, ich habe insbesondere die resolute Mafalda und die Senioren-WG in mein Herz geschlossen und habe ihre Familien gern begleitet. Für die Rettungsaktion ihres Heimatortes ziehen sie alle Register und hoffen auf das Wunder von San Teodoro, auf das ich auch sehr
gespannt gewartet habe.
 
Wer die Romane von Roberta Gregorio liest, wird schnell vom Italien-Fieber gepackt. Sie zeigt hier das traurige Sterben kleiner Ortschaften, beschreibt die Menschen so liebenswert und mit viel italienischem Herzblut und erweckt das Alltags-Leben absolut authentisch und nachfühlbar, dass ich das Dorf der Handlung und seine Bewohner am liebsten selbst besuchen möchte. Natürlich nicht, ohne einen Teller Pasta gegessen zu haben.  

Ein Buch, das das Sterben kleiner Ortschaften zeigt und die Sehnsucht nach Italien entfacht! Mit einer abwechslungsreichen Handlung und einigen Pasta-Rezepten versetzt die Autorin ihre Leser:innen in Hunger und Urlaubslaune.

***Herzlichen Dank an den Goldmann Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***

 

 

 Villa Amalfi- Träume über dem Meer - Giulia Romanelli





Wochenrückblick KW 34/2022

 




Was war in dieser Woche los?

Anscheinen ist Pink zur Zeit die vorherrschende Farbe in meinem Garten. Zinnien, Rosen und Hortensien erblühen in dieser knalligen Farbe, manche schon etwas verblüht, ander noch leuchtend schön, hoffentlich habe ich noch eine Weile meine Freude daran. 


Gesehen:  

The Voice of Germany

Gelesen:  

Getan: 
 
Hausputz auch mal wieder im Keller und einige Fenster waren auch mal wieder nötig, ich hatte beim letzten Mal wegen der Hitze die Südseite ausgespart.

 
Gefreut:   
 
Auf das Chorwochenende mit reichlich Gesang und sicher auch jede Menge Spaß!
 
Gegessen:

Rinderleber mit Reis; Kartoffel-Ruccola-Salat mit Thüringer Bratwurst; Fischteller mit Salat; Lamm-Bratwurst und gegrillte Zucchini mit Nudelsalat und griechischem Bauernsalat; Tomaten mit Mozzarella und Knoblauchbrot; Frikadelle mit Paprika-Schafskäse-Salat; Grüne-Bohneneintopf;



Gedacht: 

Im Herbst gibt es auch noch schöne Tage und die Temperaturen sind dann wieder erträglich. Deshalb freue ich mich auch schon darauf.

Gefeiert:

Grillen mit Nachbarn, es war angenehm warm und wir konnten lange draußen sitzen. Die allabendlich vorbeifliegenden Fledermäuse habe ich auch wieder gesehen. 

Geärgert: 

Über alles mögliche.

Gekauft:

Blumen und Pflanzen

Geklickt:

Insta und viele Neuerscheinungen für September angesehen.  

Ich wünsche euch eine gute Woche!

Eure Sommerlese

Freitag, 26. August 2022

Wütende Bärin - Ingebjørg Berg Holm

Ein kompliziertes Beziehungsgeflecht zwischen Liebe und Hass 

Im KJM Verlag erscheint der Roman "Wütende Bärin" von Ingebjørg Berg Holm.
 
Die Klimaforscher Nina und Njål haben mit Lotta ein gemeinsames Kind. Eigentlich wollte seine Ex-Frau Sol von ihm ein Kind haben, doch als das nicht klappte, wurde sie von Njål verlassen. Aber auch Nina und Njål leben nicht zusammen, Nina hat inzwischen Depressionen. Und dann gibt es etwas, was mit Lotta geschehen ist und worüber niemand redet. Njål will das alleinige Sorgerecht für Lotta und lebt wieder mit Sol zusammen. Eines Tages reisen Nina, Njål und ihr Kind nach Svalbard (Spitzbergen). Vielleicht wollen sie ihre kleine Familie doch noch retten. 
 


In diesem Roman wird eine besondere Dreiecksgeschichte ausgebreitet, bei der man tief in die Perspektive der drei Figuren eintauchen kann und so ihre Lebensweise und Probleme erkennt. Jede Figur ist problembelastet und hat persönliche Störungen. Das bringt für mich einen bedrückenden Beigeschmack mit sich, auch wenn man die Handlung gespannt verfolgt.
 
Die kleine Lotta ist der Augapfel ihrer Eltern, aber beide wollen das Kind für sich allein haben, denn sie sind getrennt. Das Jugendamt möchte zwischen den Eltern vermitteln, um die Folgen für Lotta klein zu halten. Doch hier ist inzwischen so etwas wie Hass im Spiel. Dabei verbindet sie nicht nur ihr Kind, sondern auch das Forschungsprojekt zum Klimawandel. 
 
Der Erzählstil hatte eine Sogwirkung auf mich, ich finde ihn richtig faszinierend. Die Charakter sind sehr tiefenpsychologisch angelegt, die Handlung würde ich eher als schwierig bezeichnen, aber die Landschaftsschilderungen, mitsamt Nordlicht-Stimmung sind einfach nur atemberaubend schön. 
Irgendwie ist dieser Roman für mich voller Gegensätze. Da ist ein Mann, der auf seine Fruchtbarkeit stolz ist, ein Samenspender und dennoch unfähig, für die Mutter seines Kindes da zu sein. Sol, die sich ein Kind wünscht und notfalls auch Nina ihr Kind wegnehmen würde. Nina, die mehr in ihrem Job als für ihr Kind kämpft.  

Die Autorin führt uns in einen Strudel voller menschlicher Abgründe, die die Fehler und dunklen Seiten ihrer Figuren aufzeigen. Mir wurde niemand sympathisch, ich konnte nur teilweise nachempfinden, was dort gefühlt wurde. Viele Dinge werden nicht direkt angesprochen, aber die Parallelen zu Missbrauch, sexualisierter Gewalt und Überforderung, sowie Zwänge und Fehlverhalten sind gut erkennbar. Auch Mee too, Vergewaltigung und Samenspende werden thematisiert. 
Die drei Personen pflegen keinen guten Umgang miteinander, sie demütigen und setzen sich gegenseitig unter Druck. Ich wusste lange Zeit nicht, wer hier wen manipuliert und wessen Einfluß sich am Ende durchsetzen würde. 
 

Dieser faszinierend geschriebene und dennoch sehr bedrückende Roman ist lesenswert. Er ist durch seine Ehrlichkeit auf eine Art interessant und gleichzeitig auch abstoßend. Eine Art Leseerfahrung, die ich nur mit Vorsicht weiterempfehle. Man sollte sich nicht von den mental angeschlagenen Figuren mitreißen lassen und menschliche Abgründe interessant finden.
 
 
***Herzlichen Dank an den KJM Verlag für dieses Rezensionsexemplar!***